Literarische Erntezeit – Literarischer Erntedank-Spaziergang rund um den Rettershof

Foto: Andreina Bonanni

Kelkheim-Fischbach, 14.10.2018

Ein traumhaftes Spätsommerwetter beim diesjährigen Erntedank- und Handwerkerfest am Rettershof bescherte vielen Besuchern einen wunderschönen Tag.

Foto: Marina Rupprecht

Es waren ideale Voraussetzungen für meinen letzten literarischen Spaziergang rund um den Rettershof in diesem Jahr. Mit Unterstützung von Andreina Bonanni, die diesmal fotografisch den Spaziergang begleitete, lauschten zahlreiche Literaturinteressierte den Geschichten und Gedichten.

Foto: Andreina Bonanni

An verschiedenen Stationen konnten die Teilnehmer auch die wunderschöne Landschaft genießen.

Foto: Gerd Taron

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.

-Johann Gaudenz Salis-Seewis (1782)

An der Wegekreuzung Fischbach/Ruppertshain/Schneidhain/Rettershof – Foto: Andreina Bonanni

Stilles Reifen
Alles fügt sich und erfüllt sich,
mußt es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.
Christian Morgenstern

Skulpturen am Rettershof -Foto: Gerd Taron

Ernte
Es ist Ernte,
dass wir einander noch haben.
Es ist Ernte,
die Münzen der Minuten und Stunden
noch ausgeben zu können.
Es ist Ernte
durch unsere gegenseitige Gegenwart
die Zeit zu schmecken wie Schwarzbrot.
Wir haben Samen ausgestreut,
manchmal ängstlich und mit zitternder Hand
und dann wieder so,
als gehörte uns schon die goldene Ernte.
Wir haben nicht gewusst,
ob die Saat aufgehen würde,
oder was wir ernten würden,
aber wir haben nicht aufgegeben.
Ich suche jetzt deine Augen häufiger,
als wolle ich mich vergewissern,
dass auch du die Dichte der Ernte erlebst.
Unser Glück tritt aus dem Sinn hervor,
den wir allem geben.

Ulrich Schaffer

Ein Hund einer Teilnehmerin fühlte sich offensichtlich auch sehr wohl – Foto: Gerd Taron

Mit dem berühmten Gedicht von Theodor Fontane endete ein kurzweiliger Spaziergang.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Die literarische Freiluftsaison nähert sich dem Ende. Am kommenden Sonntag, 21.10.2018 findet der Abschluss beim literarischen Spaziergang im Woogtal in Königstein statt. Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Kur- und Stadtinformation in Königstein.

Mit literarischen Grüßen

Gerd Taron

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Bunte Vielfalt – Der zweite Besuchstag auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Frankfurt, 12.10.18

Die Buchmesse bietet immer wieder mit ihren Besuchern und Aussteller eine farbenfrohe und fröhliche Begegnungsstätte – nicht nur für Bücherfreunde.

Fattoria La Vialla https://www.lavialla.it/de/

Christian Schumm (The Taste Collection – http://www.christianschumm.com ) mit Verena Rempel (www.verenea-rempel.de )

Das Gastland Georgien präsentierte sich in seiner großen Vielfalt mit seiner Kultur und Literatur.

Gastland Georgien

Der Kelkheimer Autor Thomas Berger (rechts) bei dem er und weitere Autoren aus dem literarischen Journal sich vorstellten

Sylvia Schopf am Stand von „Literaturland Hessen“

Literaturland Hessen

Zum ersten Mal gab es in Halle 4.1 einen Stand des Literaturlandes Hessen. Dieser wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und des Hessischen Literaturrates e. V.

Dieser richtet wieder gemeinsam mit hr2-kultur am 26.05.2019 den „Tag für die Literatur“ aus. Es ist eine hessenweite Literaturveranstaltung, die alle 2 Jahre stattfindet.

Brina Stein und ich freuen uns, dass wir wieder auf Einladung von hr2-kultur mit einem literarischen Spaziergang rund um den Rettershof dabei sind. Mit den Autoren Uta Franck, Franziska Franz, Peter Peters, Brina Stein und der Edition Pauer, alias Paul Pfeffer und Christina Eretier, sowie mit musikalischer Begleitung von Andreina Bonanni haben wir wieder ein abwechslungsreiches Programm für diesen Tag zusammengestellt.

Es war wieder ein Tag mit vielen neuen Impulsen. Die nächste Buchmesse mit dem Gastland Norwegen kann kommen.

Gerd Taron

Und hier noch einige weitere fotografische Eindrücke meines zweiten Besuchstages:

Ernte sei Dank – Literarischer Wochenendgruß vom 12.10.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

am kommenden Sonntag können Besucherinnen und Besucher des Erntedank- und Handwerkfestes am Rettershof im Taunus die Vielfalt unserer Gegend genießen, sehen und schmecken. In diesem Jahr ist die Ernte auf den Streuobstwiesen rund um den Rettershof besonders reichlich. Im diesem Jahr habe ich wieder beobachten können, wie aus kleinem großes entstehen kann.

APFELERNTE

O welche Lust, auf die Bäume steigen
Und klettern umher in den schwanken Zweigen!
Wir müssen uns recken, müssen uns bücken,
Die Äpfel und Birnen und Zwetschgen zu pflücken.
Und können wir nicht zum Wipfel gelangen,
Wo meist die allerschönsten hangen,
Dann legen wir die Leiter dran
Und ziehen mit Haken die Zweige heran.
Hilft das auch nichts, dann kommt das Beste,
Wir schütteln alle Zweig‘ und Äste,
Und wenn es dann regnet Äpfel im Nu,
Dann sehen wir jubelnd von ferne zu.

Autor: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Ernte

Es ist Ernte,
dass wir einander noch haben.
Es ist Ernte,
die Münzen der Minuten und Stunden
noch ausgeben zu können.
Es ist Ernte
durch unsere gegenseitige Gegenwart
die Zeit zu schmecken wie Schwarzbrot.
Wir haben Samen ausgestreut,
manchmal ängstlich und mit zitternder Hand
und dann wieder so,
als gehörte uns schon die goldene Ernte.
Wir haben nicht gewusst,
ob die Saat aufgehen würde,
oder was wir ernten würden,
aber wir haben nicht aufgegeben.
Ich suche jetzt deine Augen häufiger,
als wolle ich mich vergewissern,
dass auch du die Dichte der Ernte erlebst.
Unser Glück tritt aus dem Sinn hervor,
den wir allem geben.

Ulrich Schaffer

Herbstgold

Der Sommer ist gegangen,
und Frühherbst hält das Land
in feuerrotem Prangen
und golden in der Hand.
Die Ernte eingefahren,
in Körben Früchte, reich;
zur Mittagszeit,im Klaren,
spielt Luft noch mild und weich.
Da liegt im Traum das Leben,
es schwelt der Sonne Glut,
und sanft die Blätter schweben
dorthin, wo alles ruht.

© Ingrid Herta Drewing

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,
mußt es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.

Christian Morgenstern

Erntedank

Nun ist es Herbst und kalte Winde pfeifend toben.
Es färbt das Laub sich schon an Bäumen bunt.
Bald wandeln Sommerträume in Novemberroben
und Nebelschweben decken Wiesengrund.
Ein Sternenheer schaut in der Nacht auf müde Seelen.
Sie funkeln hell im düster’n Wolkenfeld.
Wenn Sonnenstrahlen sich den Tagesanbruch stehlen,
hat oftmals schon sich Frost dazugesellt.
Das Ährenfeld im Tal ist auch bereits geschnitten,
von Herbstes Hand verwandelt war’s in Gold.
Kommt dann der Winter durch das weite Land geschritten,
zahlt er die Zeit mit seinem weißen Sold.
In voller Reife liegt die Ernte jetzt in Gärten.
Sein Samen wurd‘ im März schon ausgesät
und Gottes Hände still das stete Wachstum nährten,
des Morgens früh bis hin zum Abend spät.
Mit mancherlei wird nun gefüllt der dunkle Keller.
Gemüse, Obst, Kartoffeln, groß und klein.
Wenn Mutters sorgend‘ Hände füllen leere Teller,
woll’n dankbar wir für diese Gaben sein.
Wie wunderbar behütet ist aus guter Gnade
die große Welt im Wechsel durch die Zeit
und schreiten wir hindurch auf Gottes Liebespfade,
liegt jederzeit sein Segen uns bereit.

Anette Esposito, 2008 / christliche-gedichte.de

Ich wünsche allen bei den traumhaften Wetteraussichten ein erntereiches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Wer mag und gerade in der Nähe ist, lade ich zum Erntedank-Spaziergang am Rettershof anlässlich des Erntedank- und Handewerkfestes ein. Treffpunkt ist um 12:45 Uhr unter der Linde.

Unverhofft kommt oft – Begegnungen am 1. Tag der Frankfurter Buchmesse

Frankfurt, 10.10.18

Am vergangenen Sonntag war ich noch mit den Autorinnen Connie Albers und Franziska Franz zum literarischen Buchmessen-Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof unterwegs. Sie präsentierten dort Ihre neuesten Werke: „Umarmt von Deinem Engel“ (Connie Albers) und „Tod in der Fabrik“ (Franziska Franz).

Connie Albers (https://www.connie-albers.de/ ) in gespannter und freudiger Erwartung auf dem Weg zu ihrer ersten Buchmesse

Einmal kommt im Leben immer das erste Mal – so auch für Connie Albers. Noch nie war sie bisher auf der Frankfurter Buchmesse. In Halle 3.1/J19 auf dem Gemeinschaftsstand der kleinen Verlage sollte sie ihr neues Buch „Umarmt von Deinem Engel“ im Brighton-Verlag präsentieren. Ich hatte die große Freude die Buchmessennovizin ein wenig zu begleiten.

Es wurde ein Tag mit vielen und ungewöhnlichen Begegnungen für Connie Albers und mich.

Im Zug, der uns von Kelkheim-Hornau zum Frankfurter Hauptbahnhof brachte, traf ich eine ältere Nachbarin aus unserem Ort. Sie war unterwegs mit einer Freundin zu einer Schiffstour in den Rheingau. Bei diesem spätsommerlichen Traum-Wetter hätte ich am liebsten mit den beiden getauscht. Dabei erfuhr ich einige interessante und traurige Neuigkeiten. Es war kein „Dorftratsch“, sondern vor allem bedauernswerte Entwicklungen. Unser Dorfbäcker schließt zu Weihnachten seine Bäckerei.

Foto: Gerd Taron

Mit bequemen Schuhen, die für einen Besuch der Buchmesse unbedingt notwendig sind, erkundete Connie Albers mit mir die Vielfalt der Aussteller.

Nach einem ersten kleinen Rundgang kamen wir zurück an dem Stand, wo Connie Albers ihr Buch ausgestellt hatte. Genau an diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt begegneten uns Viola Christ-Ritzer und Maren von Hoerschelmann von Viola’s Bücherwurm in Kelkheim.

Viola Christ-Ritzer (links), Connie Albers (Mitte), Maren von Hoerschelmann (rechts)

Die Freude war bei allen riesengroß, wie man auf dem Foto erkennen kann.

Zwischenzeitlich unternahm ich eine kurze Erkundung durch die Hallen. Bei der Rückkehr am Stand gab es die nächste sehr erfreuliche Begegnung. Eine Engelfreundin hatte das Buch von Connie Albers entdeckt. Das schönste für eine Autorin oder Autor ist das Signieren des eigenen Buches. So geschah es.

Connie Albers mit einer glücklichen Leserin beim Signieren

StadtLesen (https://www.stadtlesen.com/ )

Bei herrlichem Sonnenschein verbrachten wir die restliche Zeit auf dem Freigelände.

Beim Buchmessen-Neuling Connie Albers schwanden dann doch die Kräfte. Das ist verständlich, wenn man die vielen Eindrücke aufnehmen will.

Autoren des Größenwahn-Verlages auf dem Stand von „Literaturland Hessen“

Mit Franziska Franz hatte ich mich zu einem Besuch auf dem Stand von „Literaturland Hessen“ verabredet. Dort werden vom Hessischen Literaturrat e. V. hessische Verlage präsentiert.

Die Autorin Franziska Franz (https://franziskafranz.wordpress.com/ )

Nicht nur bei Connie Albers und Franziska Franz auch bei mir schwanden die Kräfte. Einen Blick auf die Präsentation des Gastlandes Georgien wollte ich mir aber nicht entgehen lassen. Auf dem Weg dorthin traf ich auf dem Freigelände, wie fast jedes Jahr und nicht verabredet, einen lieben Kollegen: Norbert Eisenreich vom Taunus-Antiquariat aus Idstein.

Gastland Georgien

Die Frankfurter Buchmesse 2018 bietet wieder so viele Eindrücke, so dass ich morgen ein zweiten Versuch unternehmen werde, mich weiter inspirieren zu lassen.

Gerd Taron

Ode an das Buch – Frankfurter Buchmesse 2018

Frankfurt, 09.10.18

Heute Abend wird die Frankfurter Buchmesse offiziell eröffnet. An den kommenden 3 Tagen, vom 10.10. bis 12.10., haben Fachbesucher die Möglichkeit, sich über die große Bücherwelt zu informieren und auszutauschen. Am Wochenende 13.10./14.10 ist die Buchmesse für alle Bücherfreunde geöffnet.

Die Faszination des Buches ist ungebrochen. Unzählige Neuerscheinungen gibt es jedes Jahr. Und welcher Bücherfreund kann da widerstehen?

Pablo Neruda hat dies in „Ode an das Buch“ sehr schön beschrieben:

Ode an das Buch

Buch, herrliches Buch, du winziger Wald, Blatt an Blatt, nach Urstoff duftet dein Papier, morgendlich bist du und nächtlich, kornhaft und ozeanisch, Bärenjäger füllen deine uralten Seiten, offenes Feuer am Mississippi, Kanus auf den Inseln, später Wege und Wege, Entdeckungen, Völker im Aufruhr, wie ein blutender verwundeter Fisch zuckend im Schlamm: Rimbaud, und die Schönheit der Brüderlichkeit, Stein um Stein erhebt sich das Menschenschloß, Schmerzen weben die Standfestigkeit, solidarische Taten, geheimes Buch von Tasche zu Tasche heimliche Leuchte, blutroter Stern.

Allen Besuchern wünsche ich viele schöne Erlebnisse und Begegnungen. Morgen und am Freitag werde ich mich auf der Buchmesse umschauen und umhören. Davon wird es dann auch Berichte geben, die ich auf meiner WordPress-Seite und auf facebook veröffentliche.

Gerd Taron

Literarischer Spaziergang zur Buchmesse am Sonntag, 07.10.18 ab 14 Uhr

Stellen Sie sich vor, es wäre Frankfurter Buchmesse und keiner geht hin. Undenkbar? Ja, das kann sich kein Bücherfreund vorstellen.

So wird es auch nicht kommen. Von Mittwoch, 10.10. bis Freitag, 12.10. können sich Fachbesucher und am Samstag, 13.10. und Sonntag, 14.10. alle anderen über die Vielfalt der präsentierten Bücherwelt freuen.

Zwei Autorinnen, Franziska Franz und Connie Albers, präsentieren ihre Bücher und Werke und lesen auf einen literarischen Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof aus Ihren Werken.

Treffpunkt des Spaziergangs: Frankfurt Hauptbahnhof, Gleis 1, Nebenausgang Mannheimer Straße – am kleinen Supermarkt

Von dort gehen wir ins nahe gelegene Behördenzentrum, wo sich unter anderem das Arbeits- und Sozialgericht befinden. Hier wird Franziska Franz aus ihrem Krimi „Tod in der Fabrik“ lesen.

Beim Gang durch das Gutleutviertel gibt es eine Kurzgeschichte über eine Buchhandlung.

Angekommen am Main präsentiert Connie Albers engelhaftes.

Beim Abschluss im Café Nussknacker werden uns dann viele kleine Engel begegnen.

Wir freuen uns auf viele interessierte Teilnehmer.

Mit literarischen Grüßen

Gerd Taron

Unser tägliches Brot – Literarischer Wochenendgruß vom 05.10.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in der vergangenen Woche hatte ich die große Freude nach langer Zeit wieder hinter den Kulissen unserer Dorfbäckerei in Kelkheim-Fischbach zu schauen.

Bäckermeister Bernd Wittekind gab mir die Gelegenheit, anlässlich des Erntedankfestes, der in den christlichen Kirchen am vergangenen Sonntag gefeiert wurde, neu und dankbar über unser tägliches Brot nachzudenken.

Alle Fotos mit Ausnahme des letzten sind in seiner Bäckerei entstanden.

Man kann sein Brot mit gar nichts essen.
Mit nichts als Licht und Luft bestreut.
Gefühle, die man ganz vergessen,
Geschmack und Duft der Kinderzeit,
Sie sind im trocknen Brot beschlossen,
wenn man es unterm Himmel isst.
Doch wird die Weisheit nur genossen,
wenn man den Hunger nicht vergisst.

Eva Strittmatter

DAS BROT

Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, dass die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild’,
sich kaum besinnt und fast vergisst,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge bass gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

„Eines Tages ging ein armer junger Mann von Tür zu Tür, um Waren zu verkaufen, damit er sein Studium finanzieren konnte. Er stellte fest, dass er nur noch ein 10-Cent-Stück besaß und er hatte Hunger. Daher beschloss er, im nächsten Haus um etwas zu bitten. Doch als dort eine hübsche junge Frau die Tür öffnete, verließ ihn der Mut. Anstatt um eine Mahlzeit bat er nur um ein Glas Wasser.

Die Frau sah, dass er hungrig war, und brachte ihm ein großes Glas Milch und einige belegte Brote. Er aß und trank langsam und fragte dann: „Was bin ich Ihnen dafür schuldig?“ „Sie brauchen mir gar nichts dafür zu bezahlen“, antwortete sie. „Mama hat uns beigebracht, dass wir niemals akzeptieren sollen, dass man uns für eine Freundlichkeit etwas bezahlt.“

Er antwortete: „Dann danke ich Ihnen von Herzen.“ Als er das Haus verließ, fühlte sich Robert nicht nur körperlich gestärkt, sondern er spürte auch, wie er seine Zuversicht wiedergewann. Er hatte kurz davor gestanden, aufzugeben.

Einige Jahre später wurde diese junge Frau ernsthaft krank. Die Ärzte in ihrem Ort wussten nicht mehr weiter. Sie schickten sie in die nächste Großstadt und baten die Spezialisten, die Behandlung dieser seltsamen Erkrankung zu übernehmen.

Dr. Robert Schmidt wurde gerufen, um sich die Patientin anzusehen. Als er den Namen der Stadt hörte, aus der sie stammte, blitze ein seltsames Funkeln in seinen Augen auf. Er stand sofort auf und machte sich auf den Weg zu ihrem Zimmer. In seinem weißen Kittel trat er an ihr Bett. Er erkannte sie sofort wieder. Dann ging er wieder in sein Büro zurück, fest entschlossen, sein Bestes zu geben, um ihr Leben zu retten. Von diesem Tag an kümmerte er sich mit ganz besonderer Aufmerksamkeit um ihren Fall.

Nach einem langen Kampf war die Schlacht schließlich gewonnen. Dr. Schmidt bat darum, dass die abschließende Rechnung zuerst ihm zur Prüfung vorgelegt würde. Er sah nur kurz darauf, schrieb dann eine Bemerkung an den Rand und schickte die Rechnung ins Krankenzimmer. Die Frau fürchtete sich davor, sie zu öffnen, weil sie sicher war, dass sie den Rest ihres Lebens damit verbringen müsste, sie vollständig abzubezahlen.

Endlich öffnete sie doch den Umschlag. Etwas Handgeschriebenes auf dem Rand der Rechnung fesselte sofort ihre Aufmerksamkeit.

Sie las die Worte: „Vollständig bezahlt mit einem Glas Milch und einigen Broten, gez. Dr. Robert Schmidt.“

Tränen der Freude schossen ihr in die Augen, und ihr Herz betete voller Freude: „Danke, mein Gott, dass Deine Liebe durch die Herzen und die Hände von Menschen ausströmt.“

(Autor leider unbekannt)

Der Geruch des Brotes ist der Duft aller Düfte. Es ist der Urduft unseres irdischen Lebens, der Duft der Harmonie, des Friedens und der Heimat.

Jaroslav Seifert, tschechischer Schriftsteller und Nobelpreisträger 1984

Erde, die uns dies gebracht

Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde.
Wir haben volle Teller
und voll sind Scheune und Keller,
wir leiden keine Not.
Gesichert ist das Brot,
die Äpfel sind knallrot
und auch der süße Wein
lief rein ins Fass hinein.
Die Ernt‘ ist geborgen,
wir haben keine Sorgen,
drum sei heut Dank gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde !

Christian Morgenstern


Foto: Bruder Paulus

Schenk mir das Fingerspitzengefühl,
um herauszufinden, was erstrangig ist.
.
Bewahre mich vor dem Glauben,
es müsse alles glatt gehen im Leben.
.
Erinnere mich daran,
dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
.
Schicke mir im rechten Augenblick
jemand, der den Mut hat,
mir die Wahrheit über die Liebe zu sagen.
.
Gib mir das tägliche Brot für Leib und Seele,
auf offener Straße eine Geste deiner Liebe,
ein freundliches Echo,
und wenigstens hin und wieder
das Erlebnis,
dass ich gebraucht werde.
.
Mache aus mir einen Menschen,
der einem Schiff mit Tiefgang gleicht,
um auch die zu erreichen,
die unten sind.
.
Gib mir nicht, was ich wünsche,
sondern, was ich brauche.”
.
Antoine de Saint Exupéry

Ich wünsche Ihnen bei Ihren Unternehmungen an diesem Wochenende viel Freude und Dankbarkeit für das was wir haben.
Ihr/Euer

Gerd Taron

Zwei Veranstaltungshinweise in eigener Sache:

Sonntag, 07.10.18 ab 14 Uhr Literarischer Spaziergang zur Buchmesse. Weitere Informationen finden Sie hier:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/10/03/zwischen-hoelle-und-himmel-literarischer-buchmesse-spaziergang-am-sonntag-07-10-ab-14-uhr-mit-franziska-franz-und-connie-albers-rund-um-den-frankfurter-hauptbahnhof/

Sonntag, 14.10.18 um 12:45 Uhr – Literarischer Erntedank-Spaziergang auf dem Rettershof anlässlich des Erntedank- und Handwerkerfestes