Goldener Oktober – Literarischer Wochenendgruß vom 30.09.16

Goldener Oktober – Literarischer Wochenendgruß vom 30.09.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen sind Spaziergänge in der Natur bei herbstlichen Sonnenstrahlen ein erholsamer Genuss.

Die heutige Ausgabe des Wochenendgrußes möchte mit seinen Texten und Fotos den neuen Monat Oktober begrüßen. Möge er zu entspannenden Momenten führen.

14517469_1101874906554943_9136148959179762439_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!
Und wimmert auch einmal das Herz –
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.
Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

Theodor Storm

14459721_1241517742554625_954199868_n

Foto: Anne M. Pützer

HERBST.

Herbstlich ist´s,
im Land,
im Herzen.
Blattwerk fällt,
Gefühle schmerzen.
Will noch einmal farbenfroh genießen,
kosten von des Lebens Süße.
Fest den kahlen Baum umarmen.
Jahreszeit kennt kein Erbarmen.
Lebensherbst will Früchte ernten
Weitergeben vom Gelernten.
Will nicht verkümmern. Sonne spüren.
Der Erde Herz will er berühren.
Welk und nackt legt er sich nieder,
träumend, dass er kommet wieder.
Verjüngt und neu, im nächsten Leben.
Man möge ihm die Chance geben.

(Anne M. Pützer)

img_4276

Foto: Gerd Taron

Später Herbsttag

Noch einmal spielt die Sonne auf den Hängen
mit Farben wie von großen alten Meistern.
Noch einmal kann ihr Spiel mein Herz begeistern,
derweil mich dunkle Ahnungen bedrängen,
dass dieser Rausch schon bald vergehen werde.
Die letzten Früchte modern schon im Grase,
und letzte Rosen welken in der Vase
an meinem Fenster. Schwerer wird die Erde.
Doch heute will der Herbst noch einmal glänzen,
bevor der Winter mir den Tag verdunkelt.
Er lädt die Blätter ein zu wilden Tänzen
und zeigt, wie groß er ist und wie sein Auge funkelt.
Noch einmal will er seine Kraft und Fülle zeigen,
bevor sich seine Tage still dem Ende neigen.

Paul Pfeffer

img_6258

Foto: Gerd Taron

Herbstgold

Der Sommer ist gegangen,
und Frühherbst hält das Land
in feuerrotem Prangen
und golden in der Hand.
Die Ernte eingefahren,
in Körben Früchte, reich;
zur Mittagszeit,im Klaren,
spielt Luft noch mild und weich.
Da liegt im Traum das Leben,
es schwelt der Sonne Glut,
und sanft die Blätter schweben
dorthin, wo alles ruht.

© Ingrid Herta Drewing

14470791_1100279120047855_2087382555_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Spätsommer

Der Wind hat manches grüne Blatt geknickt
und gelbe rieseln runter auf die Wege;
es sammeln Eichkatz und auch Hamster rege
des Sommers Früchte ein, tun das geschickt.
Die Wärme trügt, lässt Schmetterlinge gaukeln,
die Bäume sind mit Zwetschgen reich gespickt,
am Quittenstrauch ein Star genüsslich pickt,
und Glockenblumen auf der Wiese schaukeln.
In Bechern frischer Most rubinrot schäumt.
Der Winzer in der Mittagssonne träumt,
auf seinem Schoß rollt sich die Katze ein.
So fließen Tage golden, in den Fässern gärt
die Maische, auserlesen wird der neue Wein,
der Freude auf den nächsten Sommer nährt.

© Gerda Jäger

1111_nov6-112_1

Foto: Hans JOerg Kampfenkel

Herbstgold

Wie war’s im Walde
heut wunderhold –
die Wipfel alle
von rotem Gold!
Goldender Boden,
golden der Duft,
fallende Blätter
von Gold aus der Luft.
Und es leuchtet
aus Tod und Vergeh’n
golden die Hoffnung
aufs Aufersteh’n.

(Ferdinand Ernst Albert Avenarius)

14470835_1098323383576762_1256023732_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Wie ich ein Blatt fallen sah
Hätte ich mich nicht nach
den zum Teil bereits nackten
Zweigen umgedreht, so würde mir
der Anblick des langsam-
goldig zu Boden fallenden,
aus üppigem
Sommer stammenden Blattes
entgangen sein. Ich hätte etwas
Schönes nicht gesehen und etwas Liebes,
Beruhigendes und Entzückendes,
Seelenfestigendes nicht empfunden. Schaue öfter
zurück, wenn es dir
dran liegt, dich zu bewahren.
Mit Gradausschauen ist`s nicht getan.
Die sahen nicht alles, die nicht rund um sich sah`n.

Robert Walser

14483530_1102384859837281_1113666308_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Oktobermeditation

In der größten Stadt der Herbst erfahren,
hier die prächtigste der Jahreszeiten,
ist ein Fast, an dem sich alle Farben,
beteiligen in ihrem eigenen Stile:
Das Blau präzis, das Grün ins Rot verschoben,
das Silberhelle aus dem Grau erhoben.-
Goldne aufgeschlossene Gassen gleiten
unmittelbar ins Zentrum der Gefühle.
In den Parkbereichen wohnen Götter
unseres Kinderglaubens. Wir erwachsenen Kinder,
nah dem Wesen der verwesten Blätter,
spüren das Herz des Herbstes in diesen Tagen
in uns und in den Dingen schlagen.
Rose Ausländer
Ich wünsche Ihnen ein erholsames erstes Oktober-Wochenende mit vielen schönen herbstlichen Impressionen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Advertisements

Spätsommerliche Kulturreise in Fechenheim – das 5. Fechenheimer Literaturfestival 2016

Spätsommerliche Kulturreise in Fechenheim – das 5. Fechenheimer Literaturfestival 2016

Frankfurt-Fechenheim, 24.09.16

img_5837

Das Café Jasmin (http://www.cafe-jasmin-lounge.de/ ) in Frankfurt-Fechenheim, Alt-Fechenheim 80

Das 5. Fechenheimer Literaturfestival ist bereits wieder Geschichte. Bei herrlichstem Spätsommerwetter lud die Initiatorin und Organisatorin Elke Dippel zum kleinen Jubiläum ein. Dank ihres großen Engagement und ihres tollen Organisation-Teams (in besonderer Weise seien „Bodo“ und Undine Büch erwähnt) kam ein vielfältiges Programm zustande.

img_5851

Elke Dippel eröffnet das Literaturfestival

img_5836

… und alle hören gespannt zu …

An 7 Orten mitten im Herzen von Frankfurt-Fechenheim gab es für Literatur- und Musikfreunde wieder Kulturgenüsse der besonderen Art.
Mehr als 20 Autorinnen und Autoren sowie Musiker lasen und spielten an ungewöhnlichen Schauplätzen, sei es beim Frisör, beim Bäcker, im Eiscafé, in einer Begegnungsstätte.

Spazieren Sie mit dem Autor diesen Bericht durch das Literaturfestival mit vielen Fotos und einigen kurzen Erläuterungen.

img_5881

Die Autorin Brina Stein (www.brina-stein.de)

Die Autorin Brina Stein eröffnete im Café Jasmin das Literaturfestival. Sie las aus der maritimen Anthologie „Aus Liebe zum Meer“. Alle Erlöse aus diesem Buch gehen an die DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Das Spendenschiff ist gut auf dem Foto zu erkennen.

img_5947

Karin Schmitt (http://www.karin-schmitt.eu/ )

img_5932

Es folgte Karin Schmitt aus Bad Soden am Taunus. Sie las aus ihrem Buch „Die Geschichte von dem Jungen, der die Welt verbessern wollte. Eine ungewöhnliches Buch in dem ein kleiner Junge die Welt verbessern möchte. Gemeinsam mit seiner engsten Vertrauten, der Schildkröte „Lisa“ wollen sie herausfinden, wie dies gelingen kann.

Beginnen wir nun unseren Spaziergang. Schräg rechts gegenüber vom Café Jasmin befindet sich der Friseur-Salon von Diana Axt: „Hair & Flair Diana“

img_5846

Diana Axt – Inhaberin „Hair & Flair Diana“ erwartet ihre Besucher

img_5886

Robert Maier las dort aus seinem Buch „Pankfurt“, einem historischen Frankfurt-Roman

img_5989

… und Musik gab es auch – von Nelly & der Sonnen-Spieler

… und weiter geht unser Spaziergang. Wir wechseln wieder die Straßenseite. Wenige Meter vom Café Jasmin in Gangrichtung rechts kommen wir am „Büro für aktive Kernbereiche“ vorbei. Dort gibt es Straßenmusik live und unplugged von „Denkerskind“. Natürlich wurde dort auch gelesen.

img_5961

Straßenmusik vor dem „Büro für aktive Kernbereiche“

Wir setzen unseren Spaziergang fort und kommen zur Traditionsbäckerei „Bäcker Ewald“,

img_5956

Der Autor, Verleger und Musiker Paul Pfeffer (http://www.editionpauer.com/ aus Kelkheim/Taunus in ungewohnter Kulisse. Dort präsentierte er Gedichte über die Liebe aus seinem Buch „Mein Samthandschuh – Mein Dornenbett“. Die Verlockungen im Hintergrund haben den Autor hoffentlich nicht allzu sehr irritiert …

Am Ende der Straße „Alt-Fechenheim“ befindet sich das Eiscafé Venezia. Sie sind bereits seit Beginn dabei und geben den mitwirkenden Autoren und Musiker ein schönes Ambiente

img_5911

Der Autor Rainer Franke im Eiscafé Venezia. Aus „Mittendrin und Drumherum“ las er Krimis und Liebes-Kurzgeschichten

img_6094

Und hier die Autorin Susanne Esch – http://www.susanne-esch.de/ – (im Vordergrund). Sie las aus ihrem Fantasy-Roman „Die Rebellin von Koron“. Ihr folgte später Stefanie C. Pier, die ihre Drachenkind-Saga „ Die Magie erwacht“ vorstellte: In der Mitte der Musiker „Jouno“.

Wir begeben uns auf den Rückweg und wechseln wieder die Straßenseite. Nach wenigen hundert Metern erreichen wir den „Frankfurter Verband“ einem sozialen Begegnungszentrum. In diesem wunderschönen Ambiente, was an „gute alte Zeiten“ erinnerte, gab es so manche Entdeckungen, nicht nur literarischer Art.

img_6014

img_6011

Die Autorin Tamara Labas-Primorac im Begegnungszentrum

Unser Spaziergang beenden wir bei „Optik Maschler“ Wie in jedem Jahr ist das Schaufenster für das Literarturfestival liebevoll dekoriert:

img_6028

img_6005

Die Autorin Katharina Stein bei Optik Maschler. Sie las aus ihrem Mystery-Thriller „Alle Wege führen zum Tod“.

Geschafft! Zeit für eine Pause. Bei diesem herrlichen Wetter natürlich im Sommergarten des Café Jasmin

img_5944

Autorinnen unter sich: Brina Stein (links) und Christiane Landgraf (rechts)

Zum Abschluss ein letzter Gruß aus Frankfurt-Fechenheim:

img_6085

Ein Tag mit vielen schönen Begegnungen ging viel zu schnell zu Ende. Wir dürfen uns auf ein neues Literaturfestival 2017 freuen.

Bis dahin eine lesereiche Zeit

Ihr/Euer
Gerd Taron

Weitere Informationen zum 5. Fechenheimer Literarturfestival unter:
https://fechenheimerliterarturfestival.wordpress.com/

Hinweis: Alle Fotos: Gerd Taron. Widergabe bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung

Und es ward Herbst – Literarischer Wochenendgruß vom 23.09.16

Und es ward Herbst – Literarischer Wochenendgruß vom 23.09.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

das Jahr schreitet weiter fort. Der Herbst hat laut Kalender Einzug gehalten. Dies ist Anlass für eine „klassische“ Herbst-Ausgabe mit schönen Texten und Fotos über diese Jahreszeit.

Ich wünsche Ihnen beim Lesen und Betrachten viele wohlige entspannte Momente.

14429127_1096852857057148_610899932_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Laub, das in dem Lichte rollt –
golden auf dem Strom der Lebens
rauscht des Jahres letzter Sold,
leblos, fahl, ein stumpfes Gold,
rollt im Wind vergebens,
hierhin, dorthin, ungewollt –
flücht’ge Spreu des Lebens.

© Dr. Carl Peter Fröhling

06_sep2-039_1

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Das Mädchen und der Schmetterling

„An einem kühlen Herbstmorgen ging ein kleines Mädchen mit ihrem Großvater in dessen Garten, um das Laub zusammenzukehren. In der Wassertonne, die geleert werden sollte, fand sie einen leblosen bunten Schmetterling auf der Wasseroberfläche treiben.
Seine beiden Flügel waren zusammengelegt, sodass sich eine genügend große Tragfläche ergab, die ein Absinken wohl verhindert hatten.
Das Mädchen hatte ein weiches Herz und nahm zuerst den Falter vorsichtig mit ihrer Hand aus dem Wasser, bevor sie das Wasser ausschüttete, um genau nach ihm sehen zu können. Er war für sie wunderschön und es tat ihr leid, dass er in die Tonne gefallen war.
Sie setzte ihn vorsichtig auf ein Stück Holz, das von der Morgensonne beschienen wurde.
Im Laufe des Vormittags bemerkte sie, dass die Sonne ihm gut zu tun schien, da er seine Flügel wieder öffnen konnte. Zur Mittagszeit war er dann verschwunden.
Ein paar Tage später spielte die Kleine wieder bei ihrem Großvater im Garten, als sie ein wunderhübscher Schmetterling umkreiste, sich schließlich auf ihr Knie setzte und nach ein paar Momenten wieder der Sonne entgegen flog.
Sie freute sich, ihn wieder zu sehen. Für sie war es „ihr Schmetterling“, der sich auf seine Weise für ihre Hilfsbereitschaft bedanken kam.“

Text: Verfasser mir unbekannt

img_5683

Foto: Gerd Taron – Am Rettershof im Taunus

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel

0610_okt3-131_b-03

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

bettina-johl

Foto: Bettina Johl

Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,
jeder Morgen Abend werden
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren,
Halte Blatt, geduldig still,
wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.

Hermann Hesse

img_4161

Foto: Gerd Taron – Am Rettershof im Taunus

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

Die Zweig‘ und Äste durch mit frohem Rauschen
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

d. 15ten Nov. 1759.

Friedrich Hölderlin (Späteste Gedichte)

14458975_1096789183730182_521139032_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
Jedem Welken und Blühn.
Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist’s dem Schauenden nur
Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt

Emanuel Geibel

Genießen Sie die wundervollen Farben des Herbstes, nicht nur an diesem ersten Herbst-Wochenende.

Ihr/Euer
Gerd Taron

PS: Bei meinem literarischen Herbst-Spaziergang am Sonntag, 02.10.16 ab 15 Uhr am Rettershof im Taunus können Sie einige dieser Gedichte in freier Natur hören und erleben.

Alles data? – Literarischer Wochenendgruß vom 16.09.16

Alles data? – Literarischer Wochenendgruß vom 16.09.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

vielleicht haben Sie sich diesmal über das ungewöhnliche Thema gewundert. In dieser Ausgabe ist nicht eine neue Kunstrichtung gemeint oder ein neuer Modetrend oder irgendetwas verrücktes.
In der Mittwochsausgabe der FAZ vom 14.09.16 erschien ein Artikel von Adrian Lobe unter der Überschrift „Lieber Computer, sag mir, wen ich heiraten soll.“, der mich sehr bewegt hat.

Dort wird sehr anschaulich dargestellt, dass wir in das Zeitalter des „Dataismus“ eingetreten sind. Darin wird eine neue Ära beschrieben in der Algorithmen die Menschen beherrschen.
Diese Ära bestimmt bereits unseren Alltag. George Orwell lässt grüßen

Wenn Sie heutzutage einen Service eines größeren Konzerns anrufen, „empfängt“ Sie oft eine Computerstimme, die sich um Ihr Anliegen „kümmert“.
Wenn wir uns informieren wollen, fragen wir oft nicht mehr unsere Freunde oder Familie, sondern wie „googlen“ lieber. Das erscheint uns oft der bequemere Weg und kommt der Wahrheit (?) näher.
„Wir delegieren immer mehr Entscheidungen an Algorithmen,“ und weiter heißt es in dem oben genannten Artikel: „Die Autorität verschiebt sich vom Menschen auf Computer-Algorithmen“ (Zitat des israelischen Historikers Yuval Noah Harari)

„Der Dataismus macht alles gleichförmig, von Aktienkursen über Musik bis hin zur Liebe, alles wird in Datenwolken beschrieben.“
Wir Menschen scheinen unfähig zu sein, aus der Geschichte zu lernen. „Im alten Ägypten hatten nur Priester und Schreiber Zugang zu Wissen und das Fußvolk zu Emoji sendenden Analphabeten degeneriert. Eine kleine Elite der Tech-Giganten weiß alles, die große Masse fast nichts.“

Diese beiden letzten Sätze aus dem Artikel geben mir Anlass, über die neue Ära des „Dataismus“ nachzudenken und im eigenen Alltag andere Akzente zu setzen. Das bedeutet für mich, meine persönlichen Daten/Informationen vom Umgang mit realen Menschen zu bekommen, sei es eine Buchempfehlung oder anderes. Manche Informationen aus dem Internet sind sicher hilfreich, das möchte ich bei aller Kritik am neuen Zeitalter nicht ausschließen.

12670362_984343481641420_4275345004295479513_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Die Börse wird uns nicht retten
Die Börse wird uns nicht retten.
Geld können wir nicht essen.
Politische Macht wird uns am Ende nicht retten.
Wir finden keinen anhaltenden Trost in Macht.
Waffen werden uns nicht retten.
Der Tod kommt aus einer unerwarteten Ecke.
Der Fortschritt wird uns nicht retten.
Dinge sind keine Nahrung für die Seele.
Mehr Wissen wird uns nicht retten.
Ohne Liebe und Verantwortung ist es eine tödliche Waffe.
Wirtschaftliche Überlegenheit wird uns nicht retten.
Wir können Geld immer noch nicht essen.
Ganz Mensch zu werden, herrlich lebendig zu sein
wird unser Leben lebenswert machen.
Vielleicht kommt bald die Zeit,
da wir uns auf unsere Einmaligkeit besinnen
und nicht leben, um zu passen
und nur ein Rädchen im Getriebe
der Maschinerie der Welt zu sein.
Ich ahne, dass nichts wichtiger ist
als meinen Beitrag zum Mosaik zu leisten,
meinen Teil des Bildes fertig zu stellen,
meine Gedanken hinzuzufügen,
so begrenzt sie auch sein mögen,
beizutragen zu dem tiefen Vorrat an Einsicht,
zu dem Schatz, was es heißt, Mensch zu sein.
Ulrich Schaffer

241-img_6832-03

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Steinmetz

Eines Tages kam er am Haus eines reichen Kaufmannes vorbei, sah dessen großen Besitz und bemerkte, wie sehr der Kaufmann geachtet wurde. Der Steinmetz beneidete den reichen Kaufmann und wünschte sich, so zu leben wie dieser. Dann müsste er nicht länger ein einfacher Steinmetz sein. Zu seiner Verwunderung wurde ihm sein Wunsch gewährt. Plötzlich war er der Kaufmann und besaß mehr Macht und Luxus, als er jemals zu träumen gewagt hätte. Aber er wurde auch von den Armen beneidet und verachtet und hatte mehr Feinde, als er jemals für möglich gehalten hatte.

Dann sah er einen hohen Beamten, der von Dienern getragen und von Soldaten eskortiert wurde und vor dem sich auch die Armen verneigten. Der beamte war der mächtigste und geachtetste Mann im ganzen Reich. Und der ehemalige Steinmetz und jetzige Kaufmann wünschte sich, wie jener hohe Beamte zu sein, Diener zu haben und Soldaten, die ihn bewachten, und mächtiger zu sein als alle anderen. Auch dieser Wunsch wurde ihm gewährt. Er verwandelte sich in den hohen Beamten, den mächtigsten Mann im ganzen Reich, vor dem alle sich verneigten. Aber der Beamte war auch der am meisten gefürchtete und gehasste Mann des Reiches, nur deshalb brauchte er so viele Soldaten. Die Sonne sandte stechende Strahlen zur Erde. Die Hitze war dem hohen Beamten sehr unangenehm, machte ihn mürrisch und verdrießlich. Er schaute zur Sonne empor und sagte bei sich: „Wie mächtig sie ist. Ich wünschte, ich könnte die Sonne sein.“

Es dauerte nicht lange, da war er die Sonne, die auf die Erde schien. Doch dann schob sich eine große, dunkle Wolke vor ihn und versperrte seinen Strahlen den Weg. „Wie mächtig die Wolke ist“, dachte er „Ich wünschte, ich wäre so mächtig wie die Wolke.“ Und so wurde er zur Wolke, die den Sonnenstrahlen den Weg versperrte und auf die Dörfer regnete. Doch ein starker Wind kam auf und blies die Wolke fort. „Ich wünschte, ich wäre so mächtig wie der Wind“, dachte er, und als er es aussprach, verwandelte er sich in den Wind. Doch der Wind konnte zwar Bäume entwurzeln und ganze Dörfer verheeren, aber er konnte nichts gegen einen Stein ausrichten. Der große Stein rührte sich nicht von der Stelle, er widerstand der geballten Macht des Windes. „Wie mächtig dieser Stein ist“, dachte der Wind. „Oh, wie gern wäre ich so mächtig wie er.“

Und er verwandelte sich in den großen Stein, der der geballten Kraft des Windes widerstanden hatte. Jetzt war er endlich glücklich, die große Macht auf Erden. Aber plötzlich hörte er ein Geräusch: klick, klick, klick. Ein Hammer trieb einen Meißel in den Stein und brach ihn Stück für Stück entzwei. „Was könnte mächtiger sein als ich?“ fragte sich der Stein.

Und da, am Fuße des großen Steines, stand … ein Steinmetz.

Autor: Unbekannt

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Foto: Gerd Taron

Ja, während die Mächtigen, die großen Narren, die Welt in Trümmer schlagen, versuchen wir, die kleinen Narren, den Trümmerhaufen immer wieder mit versöhnlichen Schriftzeichen zu beschreiben und mit Blumensamen zu besäen.“
Hermann Hesse

img_5167-02

Foto: Gerd Taron

Kein anderer Mensch hat die Macht, Einfluss auf den Klang deiner Seele zu nehmen.
Kein anderer Mensch hat die Macht, dir zu sagen, was richtig und was falsch ist.
Kein anderer Mensch hat die Macht, deinen Glauben anzuzweifeln.
Kein anderer Mensch hat die Macht, dich zu demütigen.
Kein anderer Mensch hat die Macht, dich unglücklich zu machen.
Kein anderer Mensch hat die Macht, dich zu verletzen.
Kein anderer Mensch hat die Macht, deine Träume zu zerstören.
Es sei denn, du gibst sie ihm.

Angelika Wende

11947619_869341723141597_2931126364052554241_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Segenswunsch

Ich wünsche dir Füße,
die dich auf den Weg bringen
zu dem was wichtig ist
und die nicht stehen bleiben
vor den Schritten, die entscheidend sind.
Ich wünsche dir ein Rückgrat,
mit dem du aufrecht
und aufrichtig leben kannst
und das sich nicht beugt
vor Unterdrückung, Willkür und Macht.
Ich wünsche dir ein Herz,
in dem viele Menschen zu Hause sind
und das nicht müde wird,
Liebe zu üben und Schuld zu verzeihen
Christa Spilling- Nöker
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich nicht von Maschinen beherrschen lassen. Es gibt so viele Möglichkeiten, Menschen zu begegnen, sei es auf den Wochenmärkten, auf Veranstaltungen jeglicher Art. Dazu möge das bevorstehende Wochenende beitragen.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Einige Hinweise in eigener Sache:
Am Sonntag, 18.09.2016 finden wieder die „Kelkheimer Möbeltage mit dem VKS-Marktplatz in der Stadthalle Kelkheim“ statt. Von 12 bis 18 Uhr haben viele Geschäfte in Kelkheim geöffnet, so auch Viola’s Bücherwurm in der Bahnstraße 13. Dort werde ich wieder wie in den Jahren zuvor mit einem kleinen Stand vor der Buchhandlung vertreten sein

Ich freue mich auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen.

Die Zukunft versprechen – Literarischer Wochenendgruß vom 09.09.16

Die Zukunft versprechen – Literarischer Wochenendgruß vom 09.09.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Zeiten wird viel versprochen. Eine schöne Zukunft stehe uns bevor, wenn wir nur daran glauben. .Es sind oft „Strohhalme“, an die wir uns klammern, um die Hoffnung nicht zu verlieren, dass alles besser wird.

Betrachten wir uns einige Bereiche einmal näher. Erinnern Sie sich noch? Da gab es den früheren Arbeitsminister Norbert Blum, der versprach, „die Rente ist sicher“. Nicht nur dieses Versprechen eines Politikers hatte keinen Bestand, wie wir heute wissen. Dabei möchte ich nicht jedem gewählten Volksvertreter unterstellen, dass er bewusst die Menschen vor den Wahlenzu viel versprochen hatte, was später nicht eingehalten werden konnte.

In der Wirtschaft gibt es ähnliche Beispiele. Da geben Unternehmen Gewinnprognosen ab, die schon wenige Monate Makulatur sind. Existenzgründer präsentieren Geschäftspläne („Businesspläne“), die oft unrealistisch sind.

Ich denke auch an die vielen, vor allem jungen, Flüchtlinge, die mit falschen Versprechungen auf eine goldene Zukunft nach Europa von kriminellen Menschenhändlern gelockt werden.
Und im privaten Bereich? In Beziehungen versprechen wir dem anderen, das wir immer für ihn da sind, dass die Freundschaft, die Liebe niemals aufhören wird. Einige Zeit später kommt es dann zu schmerzhaften Trennungen.

Die genannten Beispiele sind „Schlaglichter“. Oft handelt es sich bei den Zukunftsversprechungen um Wunschdenken.
Wer weiß wirklich, was morgen geschieht? Kein Mensch kann die Zukunft vorhersagen oder gar versprechen. Wir sollten daher vorsichtig mit unseren Versprechungen, was die Zukunft betrifft umgehen. Dies gilt insbesondere im Umgang mit unseren Mitmenschen.

1110_okt13-008_1

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Etwas zu versprechen ist der Versuch,
die unfassbare Zukunft festzulegen.
Du hast das Recht, dich dagegen zu wehren.
Du hast das Recht, dich gegen die zu wehren,
die meinen, sie könnten dir Versprechen abverlangen.
Wichtig ist es, im Moment zu leben,
nicht ohne Verbindung zur Vergangenheit
und nicht ohne Gedanken an die Zukunft,
aber in der Größe der Gegenwart mit ihren vielen Schichten.
Darin liegt deine Treue zu anderen und zum Leben.
Du hast das Recht, Fragen offenzuhalten
und die Zukunft zu erlauben, sich selbst zu gestalten.
Du bist Teil der großen Entfaltung
und kannst nur begrenzt bestimmen,
was geschehen wird.
Weil du ein Recht hast, deine Meinung zu verändern,
kannst du nichts versprechen,
auch wenn du es wolltest.
Was du aber allen versichern kannst ist,
dass du versuchen wirst, dir selbst treu zu sein.
Das ist viel,
das ist häufig mehr, als jemand anderem treu zu sein,
jemand, der etwas von dir verlangt,
was dich zur Untreue dir selbst gegenüber führen würde.
Und bist du erst dir selbst untreu,
kannst du anderen nicht mehr treu sein.
Wo die Mitte fehlt, fehlt auch der Rand.
Du hast das Recht, offen und nicht bestimmbar zu sein.

Ulrich Schaffer

img_2581

Foto: Gerd Taron

Entscheidungen treffen

Der Meister sagt:
Wenn eine Entscheidung ansteht,
solltest Du sie treffen und mit den Konsequenzen leben.
Du kannst im voraus nicht wissen,
wie diese Konsequenzen aussehen werden.
Alle Weissagungskünste sind dazu geschaffen worden,
dem Menschen Ratschläge zu erteilen,
niemals aber dazu, die Zukunft vorauszusagen.
Sie sind ausgezeichnete Ratgeber, aber schlechte Propheten.
In einem der Gebete, die uns Jesus gelehrt hat, heißt es: ‘Dein Wille geschehe.’
Wenn dieser Wille ein Problem mit sich bringt,
so trägt er auch dessen Lösung in sich.
Wenn die Wahrsager tatsächlich die Zukunft voraussehen könnten,
wären alle Wahrsager reich, verheiratet und glücklich…….

aus ‚Der Wanderer‘ von Paulo Coelho

img_4634

Foto: Gerd Taron – Am Gimbacher Hof in Kelkheim/Taunus

Drei Bäume

Es waren einmal drei kleine Bäume, die standen auf einem Hügel, inmitten in einem Wald. Als sie ihre Hoffnungen und Träume, die sie für ihre Zukunft hegten, diskutierten, sagte der erste Baum: „Eines Tages werde ich eine Schatztruhe sein, voll mit Diamanden, Gold und Kleinodien. Ich werde mit aufwendigen Schnitzereien bedeckt sein und jeder wird meine Schönheit sehen.“

Der zweite Baum sprach: „Eines Tages werde ich ein gewaltiges Schiff sein. Ich werde Könige und Königinnen über die Meere fahren. Ich werde zu den vier Enden der Erde segeln und jeder wird sich wegen der Stärke meines Schiffskörpers in mir sicher fühlen.“

Zum Schluss sagte der dritte Baum: „Eines Tages werde ich im ganzen Wald der größte Baum sein, hoch- und geradegewachsen. Wenn mich die Leute oben auf diesem Hügel stehen sehen, werden sie erkennen, wie nahe ich daran bin, Gott selbst zu berühren. Ich werde der größte Baum aller Zeiten sein und die Menschen werden sich immer an mich erinnern.“

Nach Jahren des Gebets für die Erfüllung ihrer Träume, kam eines Tages eine Gruppe von Förstern in den Wald. „Dieser sieht nach einem starken Baum aus, ich denke ich werde dieses Holz an einen Zimmermann verkaufen können.“ Während er den Baum fällte, war der Baum glücklich, denn er wußte, dass er jetzt endlich zu einer Schatztruhe werden würde.

Der zweite Förster sagte, „Und dieser Baum sieht auch ausgezeichnet aus, ich denke, dass ich ihn auf der Schiffswerft verkaufen kann.“ Und auch der zweite Baum war glücklich, denn er war auf dem Weg, ein gewaltiges Schiff zu werden.

Als aber der dritte Förster zu dem dritten Baum kam, war dieser sehr erschrocken, denn er wußte, wenn er jetzt gefällt wird, würde sein Traum, einmal der höchste Baum im Wald zu werden, nie in Erfüllung gehen. Der dritte Förster sagte, „Ich brauche etwas Brennholz, dieser Baum ist genau das Richtige für mich.“

Als der erste Baum bei dem Tischler ankam, wurde er zu einer Futterkrippe für Tiere gemacht. Diese wurde mit Heu gefüllt und in eine Scheune gestellt. Das war absolut nicht das, wofür er gebetet hatte. Der zweite Baum wurde zersägt und es wurde ein Fischerboot daraus gebaut. Sein Traum, ein gewaltiges Schiff zu werden, das Könige über die Wasser fahren würde, zerbröckelte. Aber der Förster, der den dritten Baum gefällt hatte, starb kurz danach und der Baum wurde nie als Brennholz verwendet. Er wurde in große Holzstämme zersägt und diese lagen den ganzen Winter auf dem kalten Boden.

Als die Jahre vergingen, hatten die Bäume ihre Hoffnungen und Träume aufgegeben und vergessen. Aber dann kam eines Tages ein junger Mann und eine junge Frau in die Scheune. Sie gebar und legte das Baby in die Futterkrippe, die aus dem ersten Baum gefertigt war. Der Mann hatte sich gewünscht, eine Wiege für sein Kind zimmern zu können, aber nun musste diese Futterkrippe genügen und diesen Dienst erfüllen. Obwohl es diesem Baum nicht bewußt war, war in ihn der größte Schatz aller Zeiten gelegt.

Jahre später ging eine Gruppe von Männern in das Boot, das aus dem zweiten Baum gefertigt war. In der Nacht erhob sich ein starker Sturm. Der Mann, der inmitten dieses Sturmes schlief, stand auf, hob die Arme und sagte, „Friede,“ und der Sturm legte sich sofort. Obwohl der Baum keine Ahnung davon hatte, war doch der größte König aller Zeiten in seinem Boot.

Und eine kurze Zeit danach, wurde der dritte Baum durch die Straßen von Jerusalem geschleift und die Menschen verspotteten den Menschen, der dieses Holz trug. Und als der Baum auf der Höhe des Hügels ankam, wurde das Holz hoch aufgerichtet und das Holz stand auf dem höchsten Punkt des Hügels, für alle sichtbar und der Baum kam so nahe daran, Gott zu berühren, wie es nur jemals möglich gewesen war.

Die Moral der Geschichte ist: Gott hat einen Plan für dein Leben. Jeder Baum bekam, was er sich wünschte, aber nicht auf die Weise, in der er es sich vorgestellt hatte.

13775536_1075439469198686_8288037381695392118_n

Foto: Brina Stein

Ich verspreche mir selbst:

zu groß für Sorgen zu sein,
gut von mir zu denken und diese Tatsache der Welt bekannt zu geben,
keine lauten Worte von mir zu geben.
mir selbst nach Kräften treu zu bleiben.
im Glauben zu leben, dass die ganze Welt auf meiner Seite steht,
meinen Seelenfrieden durch nichts stören zu lassen,
nur über Gesundheit, Glück und Wohlstand zu sprechen,
meine Freude wissen zu lassen, dass sie wertvolle Menschen sind,
bei allem auf die Sonnenseite zu sehen und Optimismus zu verbreiten,
nur das Beste zu erwarten,
mich über die Erfolge anderer genauso zu freuen wie über meine eigenen,
die Fehler der Vergangenheit zu vergessen und in der Zukunft noch Besseres zu erreichen,
immer gut gelaunt zu sein und jedem ein Lächeln zu schenken.

Christian D. Larson

Und ich verspreche Ihnen am Ende dieses Wochenendgrußes, dass auch am kommenden Freitag es wieder eine neue Ausgabe gibt, so Gott will und wir leben.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

Sieben Tage, sieben Nächte oder Es ist wahr und es ist nicht wahr – Premierenlesung mit Uta Franck bei Viola’s Bücherwurm in Kelkheim

Sieben Tage, sieben Nächte oder Es ist wahr und es ist nicht wahr –
Premierenlesung mit Uta Franck bei Viola’s Bücherwurm in Kelkheim

14088494_1738263259747933_6742610659715030070_n

Begrüßung durch Viola Christ-Ritzer von Viola’s Bücherwurm – Foto: Gerd Taron

Kelkheim, 26.08.2016

Es ist wahr: Die Premieren-Lesung von Uta Franck fand statt – trotz hoher Temperaturen an einem warmen Sommerabend. Viola Christ-Ritzer, Maren von Hoerschelmann und André von Hoerschelmann hatten für die Besucher wieder alles sehr schön hergerichtet und für angenehme Lesungs-Temperaturen gesorgt.

IMG_4658-02

Ulrike Beyer (Harfe – links) – Uta Franck (Mitte) – Brigitte Hunkel (Tenorblockflöte – rechts im Bild)

Für mich war es wieder eine große Freude, Uta Franck bei einer Premieren-Lesung zu erleben. Sie wurde unterstützt von wunderbaren musikalischen Klängen der Harfenistin Ulrike Beyer und der Tenorflötistin Brigitte Hunkel.

Das neue „moderne“ Märchen-Buch entstand über den langen Zeitraum von 14 Jahren. Ideen wurden im Laufe der Jahre gesammelt und niedergeschrieben. An diesem Freitag war es dann soweit, dass das Werk endlich der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte.
Es enthält viele nachdenkenswerte Märchen. Uta Franck stellte den Besuchern in der voll besetzten Buchhandlung eine Auswahl von 6 Märchen vor. Im Vorwort des Buches beschreibt Uta Franck sehr schön die Faszination von Märchen. Die Zuhörer werden dem sicher zustimmen können.

14055175_1738264316414494_3976700865538337897_n

Foto: Maren von Hoerschelmann

Im Märchen „Der Stein aus Granit“ wird von der Geschichte eines jungen Mädchens berichtet, die in einer Runde von Märchenerzählerinnen ein modernes Märchen vorstellt. Sie stellt die Frage „Warum soll ein neues Märchen nicht genau so aufregend sein wie ein altes?“
Darüber kommt es zu einem Streit zwischen ihr und einer Alten, was böse Folgen hat für das junge Mädchen: Sie wird von der Alten mit deren Zauberstab in einen Stein aus Granit verwandelt.
Ob das Märchen ein gutes Ende hat, sei an dieser Stelle nicht verraten. Das kann man in “Sieben Tage, sieben Nächte“ nachlesen.
Vor der Pause trug Uta Franck außerdem die Märchen „Bruder Zapfen und Hagebuttenkind“ und „Die dunklen Vögel der Ruhelosen“ vor.

14046104_1738264276414498_7967618986450625450_n

„Pausengespräche“ – Foto: Gerd Taron

IMG_4665-02

„Mundschenk“ André von Hoerschelmann versorgt die Besucher mit Getränken – Foto: Gerd Taron

Nach der Pause folgten drei weitere Märchen.

Uta Franck ist ein „Küstenkind“ und stammt aus Schleswig-Holstein. Wen wundert es daher, wenn es dazu ein Märchen gibt? In „Der Aal und die Scholle“ wird die wundersame und berührende Liebesgeschichte eines Aals und einer Scholle erzählt.

Im letzten Märchen des Abends, das uns Uta Franck vorstellte, regierte „König Bleistift“. Es ist sehr modern, werden hier doch aktuelle Themen aus dem Bereich Natur, Umwelt und Klimawandel angesprochen.

14089032_1738263809747878_9039838692357408372_n

Die Illustratorin Barbara Heier-Rainer – Foto: Maren von Hoerschelmann

Das Buch enthält zauberhafte Illustrationen von Barbara Heier-Rainer. Zu Beginn stellte sie ihre Werke vor.
Ein lauer, unterhaltsamer, märchenhafter Sommerabend war viel zu schnell zu Ende.

14141767_1738264499747809_2005617062530145915_n

Zum Abschied gab es für alle Mitwirkenden ein kleines Dankeschön– Foto: Maren von Hoerschelmann

Wer eine weitere Lesung von Uta Franck mit ihrem neuen Buch erleben möchte, ist herzlich eingeladen am Sonntag, 18.09. ab 18 Uhr im Salon Café Chocolat bei Angelika Steiger, Sandweg 51 in Frankfurt-Bornheim/Ostend dabei zu sein.

Gerd Taron

Und wenn Sie jetzt fragen, welches Lieblingsmärchen von Uta Franck der Autor dieser Zeilen hat: Es ist schon lange her, dass es in „Kelkheimer Märchen und Sagen“ erschienen ist. Es heißt „Der Bücherprinz“….
Und wenn sie nicht gestorben sind …

Zum Buch:

sieben_tage_sieben_naechte_rgb_web

Sieben Tage, sieben Nächte Illustriert von Barbara Heier-Rainer

24,80 €
Format:
128 Seiten, Bild- und Textband
ISBN:978-3-95542-219-6

Von den Zeitdieben – Literarischer Wochenendgruß vom 02.09.16

Von den Zeitdieben – Literarischer Wochenendgruß vom 02.09.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,
kennen Sie das? Da kommt ein Freund, ein Familienmitglied, ein Mensch aus Ihrem Umfeld auf Sie zu und bittet Sie um Hilfe. Kannst Du mal eben, Du hast doch Zeit. Vor allem dann, wenn derjenige seine Zeit „frei“ einteilen kann, sei es zum Beispiel als Selbstständiger, sei als Pensionär.

Wenn Sie hilfsbereit sind, kommen Sie gerne dem Wunsch nach. Es sind zunächst kleine Hilfeleistungen, die aber dann schleichend immer mehr zunehmen. Du hast ja Zeit! Ich bin so gestresst, weil … Die Motive erscheinen oft uneigennützig. Wer kann schon nein sagen, wenn jemand in Not ist oder wenn es gilt humanitäres Engagement zu fördern? Alles für die Ehre – aber für wessen Ehre?

Bei genauer Betrachtung sind es seitens des Bittstellers öfters eigene Bedürfnisse, die erfüllt werden sollen vom anderen. Vor diesen Zeitdieben sollten Sie achtsam sein und sich schützen.

IMG_4933

Sonnenuhr am Rettershof im Taunus – Foto: Gerd Taron

Du hast das Recht, über deine Zeit zu wachen. Denn sonst würdest du jedem gehören, der etwas von dir will. Und es gäbe keine Zeit mehr für dich. Andere würden über deine Zeit verfügen. Die Zeit käme dir dann abhanden.

Autor unbekannt

1010_Okt(15) 071_1AK

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Zeit für Krähen
Das ist die Zeit der Krähen.
Die Nachtigallen schweigen.
Es geht ein düstrer Reigen.
Die Schnitter mähen, mähen,
Und keiner kommt, zu säen.
Das ist die Zeit der Raben.
Schwarz krächzst es durch die Wälder,
Wild flattert’s um die Felder.
Sie sammeln sich zur Feier,
Die Raben und die Geier.
Erschöpft vom Mahle schwanken
Sie träg empor und danken,
Die Geier und die Raben,
Für all die Gottesgaben…
Und nur die Lerchen schwingen
Sich auf ins Morgenrot.
Doch die Sirenen singen
Auch hier das Lied vom Tod.

Mascha Kaléko

1403_März(3) 087_1

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Es kommt ein Zeitpunkt im Leben,
an dem du aufhören solltest,
ganze Ozeane für Menschen zu überqueren,
die noch nicht mal über ein Pfütze für dich springen würden!

(Elmar Rassi)

IMG_2525

Frankfurt Hauptbahnhof – Foto: Gerd Taron

.Zeit des Wandels

Trenne Dich von Menschen, die Dir immer wieder Versprechungen machen, aber sie niemals einlösen…
***
Trenne Dich von Menschen, die Dir immer wieder sagen, sie seien Dein Freund, doch Dich in den schwersten Stunden immer wieder allein lassen…
***
Trenne Dich von Menschen, die Dir sagen, Du hast Talent, aber sich nicht mit Dir erfreuen können…
***
Trenne Dich von Menschen, die nur mit Dir lachen, aber nicht mit Dir weinen können…
***
Trenne Dich von Menschen, Die nur Deine Schönheit sehen, aber nicht Dein Herz erkennen…
***
Trenne Dich von Menschen, die nur Deine Geschenke annehmen, doch niemals mit Dir teilen…
***
Trenne Dich von Menschen, die nur an Dich denken, wenn sie Dich sehen, doch niemals eine wahre Verbindung zu Dir aufnehmen…
***
Trenne Dich von Menschen, die Dich nur benutzen, aber niemals wirklich spüren…
***
Trenne Dich von Menschen, die nur reden, doch nicht wirklich zuhören…
***
Trenne Dich von Menschen, die Dich nur lieben, weil sie nicht alleinsein können…
***
Trenne Dich von Menschen, Die nur an Dich denken, wenn sie traurig sind, doch sonst kein Wort mit Dir reden…
***
Zeit ist das kostbarste was wir jeden Tag geschenkt bekommen, immer wieder aufs Neue, sollten wir sie dann nicht viel liebevoller und respektvoller empfangen und respektvoller mit jeder Sekunde umgehen?
Wir haben es in der Hand, denn es ist unser Film den wir drehen. Und wie das Drehbuch ausschaut, haben wir ebenfalls ganz allein zu bestimmen,
denn es ist unsere Wahl und es sind unsere Entscheidungen und unsere Gedanken, die wir mit einbringen in diesen Tag und in unserer Drehbuch..
Wir führen allein die Regie und bestimmen selbst, wer in unserem Film mitspielen darf. Daher sollten wir sehr genau überprüfen und schauen.
Am Ende wird ein guter Film immer viele Besucher und glückliche Zuschauer haben und mit Lob und Anerkennung überschüttet werden. Das alles zusammen macht glücklich, zufrieden und erfolgreich!…
Die Zeit sinnvoll zu leben mit Würde, Respekt und Liebe…**

Text: © Monika Heckh

IMG_4935

Uhr am Rettershof im Taunus – Foto: Gerd Taron

In dieser Zeit….
In dieser Zeit
siehst du das Wasser
aufwärts fließen,
du kämpfst mit
Seidenfäden gegen
Wände aus Beton.
Doch irgendwann
steigst du heraus
aus Grabestiefen
der fahle Mond
bei Nacht kann
nicht mehr drohn.
Denn irgendwann
trägt dich ein Adler weiter
auf Flügeln, die du
früher nie bemerkt.
Du spürst die Kraft
und plötzlich bist du heiter.
Das Leben trägt
ein anderes Gesicht.

© Gerti Kurth

IMG_3295

Katholische Dreifaltigkeitskirche Kelkheim-Fischbach – Foto: Gerd Taron

Mit der Zeit lernst du,
dass eine Hand halten nicht dasselbe ist,
wie eine Seele fesseln!
Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet,
und Begleiten nicht Sicherheit!
Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind,
und Geschenke keine Versprechen.
Und Du beginnst, deine Niederlagen erhobenen Hauptes und offenen Auges hinzunehmen, mit der Würde eines Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind.
Und du lernst all deine Straßen auf dem Heute zu bauen, weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.
Mit der Zeit erkennst du, dass sogar Sonnenschein brennt, wenn du zu viel davon abbekommst.
Also bestelle deinen Garten und schmücke dir selbst die Seele mit Blumen, statt darauf zu warten, dass andere Kränze flechten.
Und bedenke, dass du wirklich standhalten kannst und wirklich stark bist. Und dass du deinen eigenen Wert hast ..
.
Kelly Priest

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich nicht von Zeitdieben überraschen und überrumpeln lassen. Bleiben Sie Herr Ihrer eigenen Zeit.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Hier noch ein Veranstaltungshinweis für den kommenden Sonntag:
Literarischer Spätsommer-Spaziergang am Rettershof
Geschichten und Gedichten rund um den Sommer und den beginnenden Herbst
Sonntag, 04.09.16 ab 15 Uhr
Treffpunkt: Unter der Linde am Rettershof
Nach dem Spaziergang besteht die Möglichkeit, im Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ zu verweilen.
Kostenbeitrag: 5 Euro