Erwartungen – Literarischer Wochenendgruß vom 28.09.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

Welche Erwartungen haben Sie vom Leben, von sich selbst, von Ihren Mitmenschen? Sind Erwartungen schöne Wunschvorstellungen? Je mehr man erwartet und sich wünscht, je größer ist dann die Enttäuschung, wenn es nicht eintrifft.

Die schönsten Begebenheiten sind die, wo es keine Erwartungen gibt. Menschen können uns enttäuschen, weil wir zu viel von Ihnen erwartet haben. Das liegt oft an uns selbst und nicht am Gegenüber.

Zum Thema dieses Wochenendgrußes habe ich wieder einige Texte zusammengestellt, die uns einen neuen Blick für unsere Erwartungen geben mögen.

Foto: Gerd Taron

Habe Hoffnung, aber niemals Erwartungen.
Dann erlebst Du vielleicht Wunder, aber niemals Enttäuschungen.

Franz von Assisi

Foto: K. H. Fischer

Erwartungen an uns selbst

Es gibt eine Art Hochmut,
der uns dazu verführt,
unzufrieden mit uns selbst zu sein.
Wir sehen unser Leben anders, als es war.
Wir sind unzufrieden mit dem,
was wir erreicht haben.
Wir hätten Größeres leisten und erfolgreicher sein können.
Was wir erreicht haben, ist darum eine Enttäuschung.
So verpassen wir unser Leben.
So wandern wir aus – aus der bunten Landschaft
und Geschichte unseres Lebens.
So wird nie genug sein, was wir hatten.
Durch diese Haltung werden wir nicht zu den Menschen,
die wir sein könnten.
Wir planen Enttäuschung mit ein
und haben einen stillen Stolz
über unsere hohen Erwartungen an uns selbst.
In unserer Unzufriedenheit verlieren wir
die Dankbarkeit aus den Augen
und machen unser Leben kleiner.

Ulrich Schaffer

Foto: Klaudia Wick Fotografie

Befreie dich vom Ballast der Erwartungen anderer an dich,
vom Ballast deiner eigenen Erwartungen an dich,
vom Ballast der Mode und Werbung,
vom Ballast des Konsums,
vom Ballast der Moralapostel,
vom Ballast der Gutmenschen,
vom Ballast des Angepasstseins,
vom Ballast eines fremden Gottesbildes,
vom Ballast einer Gruppenmeinung,
vom Ballast des Schönseins,
vom Ballast reich sein zu wollen,
vom Ballast religiöser Vorstellungen,
vom Ballast falscher Konventionen,
vom Ballast störender Glaubensmuster,
und von allem anderen Ballast.

Erst wenn du allen Ballast abgeworfen hast,
eröffnen sich für dich neue Spähren,
neue Dimensionen und auch neue Höhen.

(Bertrand Cézoé)

Foto: Michael Heinz

Manchmal tragen andere etwas zu unseren Erwartungen bei. Die Werbung gaukelt uns einen Nutzen für ein Produkt vor, etwa, dass wir mit einer Gesichtscreme jünger aussehen, der nicht eintrifft.
Enttäuschung entsteht also, wenn wir uns selbst etwas vormachen oder andere uns etwas vorgaukeln, und wir erkennen, dass wir uns getäuscht haben bzw. uns haben täuschen lassen.
D.h. eine Enttäuschung beseitigt eine Täuschung, der wir aufgesessen sind.

Insofern ist eine Enttäuschung im Grunde etwas Positives.
Wir kennen nun die Wahrheit.

Unsere Enttäuschung ist umso größer, je höher unsere Erwartungen sind und je wichtiger das Ereignis für uns ist.
Können wir Enttäuschungen vermeiden oder vorbeugen?
Nein. Erstens können wir Enttäuschungen nicht generell vermeiden, und zweitens macht es auch keinen Sinn.
Da unsere Erwartungen maßgeblich für unsere Enttäuschungen verantwortlich sind, könnten wir uns Enttäuschungen dadurch ersparen, dass wir weniger oder nichts von anderen oder dem Leben erwarten.

Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden. Oder wie es Alexander Pope, ein englischer Schriftsteller, einmal ausdrückte: Gesegnet ist der, der nichts erwartet, denn er wird nie enttäuscht.
Sicher, da ist etwas dran an dieser Einstellung. Diese Haltung wirkt sich aber negativ auf unseren Elan, unsere Lebensfreude und auf die Beziehung zu anderen Menschen aus.

Eine positive Erwartungshaltung motiviert uns und erzeugt Vorfreude. Und eine positive Erwartungshaltung trägt maßgeblich zum Genuss dessen bei, was wir erwarten – wenn es eintritt.
Wer nichts Positives erwartet, beraubt sich vieler genussvoller und schöner Momente.

(Dr. Doris Wolf)

Foto: Ahmed Begic

Wo immer es uns gelingt,
ohne Erwartungen, Berechnungen
oder Verhandlungen zu lieben,
sind wir wirklich im Himmel.

Rumi

Foto: Gerd Taron

Schenke, gebe oder hilf niemandem mit einer Erwartungshaltung.
Tue es, weil Du es möchtest.

Der beschenkte kann deine Erwartungshaltung nicht kennen
und du könntest somit enttäuscht werden.

Tue es weil Du es möchtest.
Ohne Erwartungen!!!
Nur dann kommt Dein Handeln wirklich von Herzen!

(Lebenskunst)

Foto: Gaby Schäfer

Wer sich entschieden hat,
etwas zu verändern,
der überwindet alle Hindernisse.

Er wird Menschen treffen,
die mit ihm gehen
und er wird auch andere
zurücklassen müssen –
denn Leben heißt:
nicht die Erwartungen anderer
zu erfüllen, sondern
seinem Herzen zu folgen.

(Nicobartes.com)

Ich wünsche Ihnen ein erwartungsfrohes Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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