Yes we can – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach

Yes, we can.

Mit diesem Worten wird der US-Präsident persifliert. Seit Wochen sind nun schon die Beziehungen zwischen Deutschland bzw. großen Teilen der Welt und den USA gespannt, weil der amerikanische Geheimdienst alle Welt ausspioniert. War Amerika lange Zeit das Sinnbild für Freiheit, so scheint es jetzt für totale Kontrolle zu stehen.
Dabei spielt sich jedes Leben, das von Staaten ebenso wie von Institutionen oder Personen zwischen „Laissez- faire“ und Kontrolle, positiver zwischen Freiheit und Bindung statt.

Diese Spannung hat der Dichter Antony de Mello eindrucksvoll in einem kurzen Gleichnis zusammengefasst:

Ein Schaf fand ein Loch im Zaun und kroch hindurch. Es war so froh abzuhauen. Es lief weit weg und fand nicht mehr zurück. Und dann merkte es, dass ihm ein Wolf folgte. Es lief und lief, aber der Wolf blieb ihm auf den Fersen, bis der Hirte kam, es aufnahm und liebevoll zurück in den Pferch trug. Und trotz allen Drängens weigerte sich der Hirte, das Loch im Zaun zu vernageln.

So stellt jede Gemeinschaft einen Raum zur Verfügung. Ob dieser kontrolliert und abgeschlossen, oder durchlässig und auf Freiwilligkeit beruhend ist, muss jede Gesellschaft oder Gemeinschaft selbst entscheiden.
Ich erfahre den Gott der Bibel als einen Gott, der mich zur Freiheit führt und mir trotzdem verlässliche Regeln (Zaun) schenkt. Dieser Zaun ist aber nicht, um mich einzusperren, sondern um mir die Möglichkeit zu geben die Freiheit zu leben.

So wünsche ich Dir die Freiheit und die Bindung, die Du in der Gesellschaft und in den Beziehungen zu anderen brauchst, leben zu können.

Gottes Segen für Dich.

Andreas Schmalz-Hannappel

Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannes, Kelkheim-Fischbach

Bist du es? Rundbrief von Pfarrer Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach, 08.11.12

„Bist du es, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Das war die Frage, die viele sich stellen, als es galt zum ersten Mal einen schwarzen Präsidenten in Amerika zu wählen. Damals schaffte Obama es mit großer Mehrheit. Wie ein Messias wurde er gefeiert. Vier Jahre später war es deutlich schwerer. Nein, der Messias zog nicht ins Weiße Haus ein. Viel zu viel von dem, was sich die Menschen erwünscht und erträumt hatten, blieb liegen oder wurde nicht angepackt. Jetzt hat der Präsident eine zweite Chance. Dabei sieht heute niemand mehr in ihm einen Heilsbringer. Und das ist auch gut so.
„Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“, diese Frage stellten die Anhänger von Johannes dem Täufer Jesus (Matthäus 11). Und was antwortete Jesus? „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Er sagte nicht: Ich bin es. Sondern er wollte durch sein Leben und Wirken als der erkannt werden, der er ist.
Vielleicht sollten sich Politiker mehr daran messen lassen, was sie tun, als an dem, was sie verkünden. Das gilt aber nicht nur für sie, sondern eigentlich für jede und jeden von uns. Wir sind nicht der Messias, kein Mensch ist dies, aber durch unsere Taten dürfen wir unseren Glauben Wirklichkeit werden lassen.
Und so wünsche ich Dir, dass Du in Dir immer wieder zur Einheit findest von Reden und Handeln – und zwar im Sinne Gottes.
Gottes Segen für Dich!
Andreas Schmalz-Hannappel
Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach