Von der Ewigkeit – Literarischer Wochenendgruß vom 21.11.14

Liebe Leser des literarischen Wochenendgrußes,

der kommende Sonntag wird von den evangelischen Christen als „Ewigkeitssonntag“ oder „Totensonntag“ bezeichnet. Es ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr.

Das ist auch für mich Anlass, mich dem Thema Ewigkeit zu widmen. Was bedeutet „ewig“ für Sie, für mich, für mein Leben? Die nachfolgenden Texte mögen uns dazu Gedankenanstöße geben.

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Foto: Gerd Taron (Schloss Rettershof)

DAS SCHLOSS DER EWIGKEIT

Über Leben, Einsamkeit und Tod hinaus
ragt der Ewigkeit kristallnes Haus.

Im Beginn des Daseins aufgebaut,
aus Urtiefe in Urlicht hinein,
seines Daches höchster Giebelstein
aller Wesen letztes Ende schaut

Aufgetan das breite Flügeltor,
wie von eines Wächters Schwert bewacht,
taucht es aus der ungeheuren Nacht
Sonne überwältigend hervor.

Pilgrim, der im Staube sterbend liegt,
siegreich über sich den Raum, die Zeit,
sieht das Haus und seine Seele fliegt
friedvoll lächelnd in die Ewigkeit.

Frei von Daseinsqual und Sterbenot
speist er der Erlösten Sternenbrot.
Alfons Petzold
Aus der Sammlung Gesichte

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Foto Gerda Jäger

Laß dir ein Zeichen sein den Baum!

Laß dir ein Zeichen sein den Baum!
Nichts umspielt ihn Lenzestraum;
Die Luft wird kalt, der Himmel bleich,
Und Schauer rütteln sein Gezweig.
Ja, Sonne braucht’s und Regentage,
Daß einer gute Früchte trage!

Laß dir ein Zeichen sein der Baum!
Nur halb gehört dem blauen Raum
Der Himmelsluft er an. Den Rest,
Den hält die dunkle Erde fest.
So schwankst du zwischen zweien Welten,
Und sollst dies Menschenlos nicht schelten!

Bernhard Endrulat

Aus dem Buch „Geleitworte für das Leben“ von Maximilian Bern
Erschienen um 1900 im Verlag von Otto Hendel, Halle an der Saale

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Der Mensch lebt und bestehet
nur eine kleine Zeit,
und alle Welt vergehet
mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig
und an allen Enden
und wir in seinen Händen

Matthias Claudius

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Nacht wird nicht ewig dauern.
Es wird nicht finster bleiben.
Die Tage, von denen wir sagen,
sie gefallen uns nicht,
werden nicht die letzten Tage sein.
Wir schauen durch sie hindurch
vorwärts auf ein Licht,
zu dem wir jetzt schon gehören
und das uns nicht loslassen wird…

Helmut Gollwitzer

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Foto: Gerd Taron

An die gütige Nacht

Wie schwere, dunkle, weiche Seide
besät mit glitzerndem Geschmeide
breitet die Nacht ihr weit Gewand
über das stille, das schweigende Land.

O diese warme, gute Nacht,
die alles Leid, das der Tag entfacht,
in ihre milden Arme nimmt
und tröstend nun zur Ruhe singt.

Barmherzig deckt sie alles zu,
verschwendet zärtlich ihre Ruh.
Und ihre Hände kosen leise
und schenken mild des Schlafes Weise.

Ruth Haehnel

Aus dem Buch „weißt du noch?
Gedichte von Maria Nels und Ruth Haehnel
erschienen 1967 im Verlag Josef Müller, München

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

J E T Z T ! (Auszüge)

Siehst du der Sonne Farbenspiel,
fühlst du ihr Wärmen sanft auf dir,
lockt sie dich in den Hof hinaus,
folge ihr j e t z t !
Morgen da ist sie schon weit fort,
an einem unbekannten Ort
und voll Bedauern denkst du dann:
„Es ist zu spät“.

Siehst du den Mensch trotz deinem Glück,
Tränen verdunkeln seinen Blick.
Geh frage ihn, was ihn so quält,
Tue es j e t z t !
Morgen vielleicht da hörst du dann,
dass er sich da das Leben nahm,
und voller Reue merkst du nun:
„Es ist zu spät“.

Sieh dort den Freund, den du nicht sprichst.
Flehend schaut er in dein Gesicht,
damit du ihm die Schuld vergibst.
Tue es j e t z t !
Morgen bist du vielleicht allein,
weil andre dir auch nicht verzeih´n,
und voller Scham erkennst du dann:
„Es ist zu spät“.

Sieh jeden Tag jetzt mehr und mehr
so an, als ob´s der letzte wär.
Tu Dinge, die dir wichtig sind.
Lebe sie j e t z t !
Morgen da ist es oft zu spät,
morgen da läuft meist viel verkehrt,
morgen das gibt es dann nicht mehr,
nur noch „nie mehr“.

Text und Melodie K a r i n S c h n e i d e r

Mit diesem hoffnungsvollen und Mut machenden Text, der von Karin Schneider auch vertont wurde, wünsche ich allen ein ruhiges und erholsames Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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Ewigkeit – Literarischer Wochenendgruß vom 22.11.13

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

am kommenden Sonntag feiern die evangelischen Christen den Totensonntag bzw. Ewigkeitssonntag. Es ist der letzte Sonntag des Kirchenjahres vor der beginnenden Adventszeit.

Für mich ist das die Gelegenheit, sich mit dem Thema „Ewigkeit“ einmal näher zu beschäftigen. Was bedeutet für mich der Tod? Gibt es ein Leben danach? Was ist eigentlich „ewiges Leben“. Dieser Wochenendgruß kann und möchte keine Antwort darauf geben.

Die ausgewählten Texte mögen eine Hinführung sein, sich persönlich mit dem Thema Ewigkeit und Tod auseinanderzusetzen. Die Fotos hat wieder Marina Rupprecht dazu beigetragen.

Nichts Irdisches ist ewig,

aber alles irdische kann Sinnbild des Ewigen werden.

 

Autor unbekannt

 

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Ich weiß, daß ich bald sterben muß.

Es leuchten doch alle Bäume

nach langersehntem Julikuß –

Fahl werden meine Träume –

Nie dichtete ich einen trüberen Schluß

In den Büchern meiner Reime.

Eine Blume brichst du mir zum Gruß –

Ich liebte sie schon im Keime.

Doch ich weiß, daß ich bald sterben muß

Mein Odem schwebt über Gottes Fluß –

Ich setzte leise meinen Fuß

auf den Pfad zum ewigen Heime.

 

Else Lasker-Schüler

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An den Zweigen meines verwundeten Lebens

hängen Tränen.

Einsam bin ich – enttäuscht und ganz allein.

Ich habe nur noch meine Sehnsucht.

Doch was sehe ich durch meine verweinten Augen?

Das zarte Grün einer schwachen Hoffnung

im Grau meiner Einsamkeit?

Will ich glauben, was die Schrift mir sagt:

„… sicher gibt es eine Zukunft,

deine Hoffnung wird nicht zerschlagen“

 

nach Sprüche 33, Vers 18

 

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Blume Anmut

 

Blume Anmut blüht so rot,

Blume Huldvoll blaut daneben,

Blume Anmut ist das Leben,

Blume Huldvoll ist der Tod.

Süß und herbe ist das Leben,

Herb die Lust und süß die Not.

Blume Leben blüht so rot;

Blume Tod blüht blau daneben.

 

Wolfgang Borchert

 

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Ich wage es,

mir mein Altwerden und Sterben vorzustellen;

nicht zu verdrängen,

was so unaufhaltsam auf mich zukommt.

Die Unfähigkeiten, die Schmerzen,

die Nöte und Schwierigkeiten will ich ansehen.

Ich weiß, dass alles seine Bedeutung hat

und zum Leben gehört.

 

In der begrenzten Zeit, die ich habe,

wird alles wertvoller,

und ich entdecke klarer,

was ich wirklich will.

 

Auch diesmal bereichert mich das Wagnis

Und macht mich weiser.

 

Ulrich Schaffer

 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein Wochenende voller Hoffnung.

Mit literarischen Grüßen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Alle Fotos: Marina Rupprecht – Wiedergabe nur mit Genehmigung gestattet.

PS: Am kommenden Sonntag, 24.11. ist Einsendeschluss für die Aktion „Mein Weihnachtsgedicht 2013“. Wer also noch ein schönes Gedicht hat, möge es mir bitte zusenden.

Wasser – Das Meer – unendlich – weit? – Literarischer Wochenendgruß vom 19.07.13

Liebe Literatur- und Fotofreunde in nah und fern,

das Meer – für mich ein Sinnbild von Weite und Unendlichkeit. Wir sehen in die Ferne, in die unendliche Weite des Wassers. Irgendwo dort am Horizont oder hinter den Bergen liegt das wahre Leben – oder vielleicht auch nicht. Wartet dort eine neue, eine andere Welt auf uns?

Machen wir uns auf, entdecken wir die Weite des Meeres. Und kommen in ein uns unbekanntes Land. Vielleicht müssen wir die Landkarte unseres Lebens neu gestalten. Wagen wir es – nur Mut. Wir sind nicht allein.

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Foto: Marina Rupprecht

„Das Licht der Ewigkeit wirft keine Schatten.“

Autor unbekannt

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Foto: Marina Rupprecht

„Kämst du wieder gegangen

über verschlierte Meere

zu einer Müllbergpredigt vielleicht,

das Wasser wieder in Wasser verwandelnd,

aus Betonbelägen Atemwälder erweckend,

die Blut- und Lungentempel säubernd vom Blei,

so red ich,

so red ich,

als wäre mit mir,

als wäre mit uns

schon nicht mehr zu rechnen.“

Kurt Marti

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Foto: Marina Rupprecht

 

„Herr, mein Gott: Wir Menschen und Meere –

sollen wir denn stets zwischen Ebbe und Flut schwingen.“

Helder Camara

 

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Foto: Anne M. Pützer

 

 

„Der Mensch lebt und bestehet

nur eine kleine Zeit,

und alle Welt vergehet

mit ihrer Herrlichkeit.

Es ist nur Einer ewig

und an allen Enden

und wir in seinen Händen.“

Matthias Claudius

 

 

Brechen Sie auf an diesem Wochenende zu Ihrer persönlichen Reise auf das Meer. Ich wünsche Ihnen viele schöne Entdeckungen und lassen Sie Ihre Mitmenschen daran teilhaben.

Mit sommerlichen Grüßen aus dem Taunus

Ihr/Euer

Gerd Taron

 

 

Besonderer Veranstaltungshinweis in eigener Sache:

Am Sonntag, 21.07. findet ab 16:00 Uhr im Hotel Stern Restaurant in Eppstein-Vockenhausen die Reihe „Literatur um 4“ statt. Das Thema lautet  Sommer und Urlaub..

Nada Nagel und ich freuen uns auf Ihren/Euren Besuch.

 

Gerd Taron 

Taron-Antiquariat
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