Literarisches Frankreich – Ein Spaziergang im Gutleutviertel von Frankfurt

Literarisches Frankreich – Ein Spaziergang im Gutleutviertel von Frankfurt

Foto: Gerd Taron

Frankfurt am Main, 01.10.2017

Bei wunderschönem Herbstwetter konnte ein kleiner Kreis von Literaturinteressierten einen Spaziergang durch das Gutleutviertel – unweit des Frankfurter Hauptbahnhofes – erleben.
An verschiedenen Stellen wurden ausgesuchte Gedichte, französische Liebesgeschichten und mehr präsentiert.

Das Ehrengastland der kommenden Frankfurter Buchmesse vom 11.10. bis 15.10.17 ist Frankreich. Was lag also näher?

Der Abschluss fand im gemütlichen Ambiente des Cafè Nussknacker nicht weit von der Südseite des Frankfurter Hauptbahnhofes gelegen, statt.

Ein paar Impressionen und Texte sind nachstehend aufgeführt.

Reisen

Auch ich,
wie die Maler,
habe meine Modelle.

Eines Tages,
gestern war das nun schon,
stand ich auf der offenen Busplattform
und sah mir die Frauen an,
die auf der Rue d’Amsterdam gingen.
Plötzlich, durch die Trennscheibe,
entdecke ich eine drinnen,
die hatte ich nicht einsteigen sehen.
Sie saß alleine da und schien zu lächeln.
Im Augenblick gefiel sie mir ganz doll,
doch im selben Augenblick
merkte ich, es war die meine.
Da war ich froh.

Jacques Prévert

Aus: L’amour? Pallons-en … Moderne französische Liebesgeschichten
dtv – 9. Auflage 2001 – ISBN 3-423-09218-1

Foto: Gerd Taron

Das Paradies

Wo war das Paradies? Die Deutschen kennen die Redewendung „Leben wie Gott in Frankreich“. Sie bezeichnen damit einen Zustand höchster Glückseligkeit. Demnach könnte das Paradies in Frankreich gelegen haben … Doch ausnahmsweise sind die Deutschen dem Problem bisher nicht auf den Grund gegangen.

Holen wir es nach, packen wir es an, verfahren wir systematisch. Zwei Menschen nur haben den großen Garten bevölkert. Seine geographischen Grenzen können unmöglich die des „Hexagon“, des sechseckigen Landes gewesen sein. Wo innerhalb dieses Landes mag Eva den fatalen Apfel gepflückt haben? Denken Sie doch einen Augenblick nach… Wo gibt es diese verführerischen Apfelbäume? In der Normandie! Also!

Die Normannen bringen ihre Region ebenfalls ebenfalls in einen Zusammenhang mit dem Paradies – aber in einem anderen Zusammenhang als die Deutschen. Sie sagen: Gott war uns eine kleine Wiedergutmachung schuldig dafür, daß er uns aus dem Paradies vertrieben hat; darum hat er uns den Cidre und den Calvados geschenkt.

Aus: Tour de France – Frankreich in kleinen Geschichten – erzählt von Irène Kuhn
Erschienen bei dtv – 11. Auflage 2005 – ISBN 3-42309288-2

Eine Fortsetzung der französischen Literatur-Woche gibt es am

Freitag, 06.10.17 ab 17 Uhr in der Eppsteiner Weinpresse in der Altstadt von Eppstein, Burgstraße anlässlich des Wochenmarktes gemeinsam mit Ramon Olivella, der französische Weine präsentiert.

Ein erholsamen Sonntagabend wünscht allen

Gerd Taron

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Auf den Spuren von Marc Chagall und seinen Schülern in Mainz am Sonntag, 17.07. ab 14:30 Uhr

Auf den Spuren von Marc Chagall und seinen Schülern in Mainz am Sonntag, 17.07. ab 14:30 Uhr

Ein literarischer Spaziergang durch die Mainzer Altstadt zu St. Stephan und anderen Kirchen

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Treffpunkt des literarischen Spazierganges: Der Fastnachtsbrunnen (Schillerplatz) in Mainz

Der literarische Spaziergang führt uns vom Treffpunkt durch die Altstadt hoch zu St. Stephan. Sie erfahren mehr, wie es zu den Chagall-Fenstern in St. Stephan kam. Dazu werden passende Gedichte und Geschichten präsentiert.

In der Kirche St. Stephan besteht ausreichend Gelegenheit – jeder für sich persönlich – die Chagall-Fenster und die seiner Schüler zu betrachten.
Von dort aus führt uns der Weg durch die Altstadt Richtung Mainzer Dom, den wir je nach Zeit uns näher von innen anschauen können.

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St. Stephan in Mainz

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Die Chagall-Fenster in St. Stephan

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Der Mainzer Dom

Hier zusammengefasst die wichtigsten Daten des literarischen Spazierganges:
Sonntag, 17.07.16 – 14:30 Uhr
Auf den Spuren von Marc Chagall und seinen Schülern in Mainz
Treffpunkt: Fastnachtsbrunnen (Schillerplatz)
Kostenbeitrag: 8 Euro

Ich freue mich über eine zahlreiche Teilnahme. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquaruat.de pder taron-antiquariat@gmx.de

Vom Reisen – Literarischer Spaziergang am Samstag, 16.07 ab 15 Uhr rund um den Frankfurter Hauptbahnhof

Vom Reisen – Literarischer Spaziergang am Samstag, 16.07 ab 15 Uhr rund um den Frankfurter Hauptbahnhof

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Treffpunkt des literarischen Spazierganges: Frankfurt Hauptbahnhof, Gleis 1, Nebenausgang Mannheimer Straße

Ein weiterer literarischer Spaziergang führt uns rund um den Frankfurter Hauptbahnhof. Am Freitag haben in Hessen die Schulferien begonnen. Die Atmosphäre des Hauptbahnhofes ist ein geeigneter Schauplatz für Geschichten und Gedichten rund um das Reisen. Diese werden von mir an ausgewählten Orten präsentiert.

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Gleis 1 Frankfurt Hauptbahnhof: Hier ist die erste Lesestation

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Café Nussknacker in der Karlsruher Straße 5 in Frankfurt

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Am Ende des Spaziergangs, gegen 16:30 Uhr, besteht die Möglichkeit im gemütlichen Café Nussknacker, Karlsruher Str. 5, zu verweilen. Das Café befindet sich in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes – Südseite.
Nachstehend alle Informationen zusammengefasst:

Samstag, 16.07.16 – 15:00 Uhr (Ende ca. 16:30 Uhr)
Literarischer Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof –
Thema: Vom Reisen
Treffpunkt: Frankfurt Hauptbahnhof, Gleis 1, Nebenausgang Mannheimer Straße
Kostenbeitrag: 5 Euro

Ich freue mich über eine zahlreiche Teilnahme. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquaruat.de pder taron-antiquariat@gmx.de

Unterwegs sein – Literarischer Spaziergang am Samstag, 16.07 ab 12 Uhr an ausgewählten Orten in der Frankfurter Innenstadt

Unterwegs sein – Literarischer Spaziergang am Samstag, 16.07 ab 12 Uhr an ausgewählten Orten in der Frankfurter Innenstadt

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Innenhof „Haus des Buches“, Braubachstraße 16 in Frankfurt. Hier präsentieren verschiedene Antiquare ihre Bücherschätze beim Bouquinistenmarkt

Anlässlich des Bouquinistenmarktes (Antiquariatsmarkt) findet ein literarischer Spaziergang statt. An ausgewählten Orten werden Geschichte und Gedichte von bekannten und unbekannten Autoren vorgestellt und auch aus alten Büchern zitiert.
Treffpunkt: Frankfurt, Haus des Buches, Braubachstraße 16 (zwischen Hasengasse und Domplatz bzw. südliche Parallelstraße der Berliner Straße) am Bouquinistenmarkt
Beginn: 12 Uhr – Ende da. 13:30 Uhr – Kostenbeitrag 5 Euro
Vielleicht inspiriert der Spaziergang sich auf dem Bouquinistenmarkt näher umzuschauen und Bücherschätze zu entdecken. Der Markt findet in der Zeit von 10 Uhr bis 16 Uhr
Und hier ein paar Impressionen von den Schauplätzen des literarischen Spazierganges:
Vom Bouquinistenmarkt geht es hinunter zum Frankfurter Dom, wo sich die erste Station befindet:

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Der Frankfurter Dom – eine Lese-Station
Der Spaziergang führt weiter zum Main über die Alte Brücke auf die andere Seite des Flusses:

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Auf der anderen Seite des Flusses in Frankfurt-Sachsenhausen

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Über den Eisernen Steg geht es zurück entlang des Mains zum Bouquinistenmarkt.

Ich freue mich über eine zahlreiche Teilnahme. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Gerd Taron
Alle Fotos: Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquaruat.de pder taron-antiquariat@gmx.de

Frühlings-Ankunft am Rettershof im Taunus

Frühlings-Ankunft am Rettershof im Taunus
Ein literarischer Frühlings-Spaziergang mit Gedichten und Geschichten

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Der Rettershof – Eingang zum Innenhof

Kelkheim-Fischbach, 20.03.16

Er ist’s
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohl bekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
FRÜHLING, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!
Eduard Mörike

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Unter der Linde – das Foto entstand 3 Tage vor dem Spaziergang bei schönstem Frühlingswetter

Unter der Linde am Rettershof versammelten sich interessierte Literaturfreunde zu einem literarischen Frühlings-Spaziergang mit dem Antiquar Gerd Taron. Zugegeben, so sonnig auf dem Foto oben war es zum kalendarischen Frühlingsanfang nicht. Aber es war trocken und bei entsprechender Kleidung ließ es sich aushalten.
Über Stufen ging es hinauf zunächst am Schlosshotel vorbei. Es gab Gelegenheit sich das Gelände des Retterhofes von oben zu betrachten und dabei einigen Gedichten zu lauschen. Nicht weit entfernt davon gibt es eine besondere Wegkreuzung. Es ist der Lieblingsort von Gerd Taron.

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Blick auf den Rettershof – Das Foto entstand Ende Februar 2014

Frühlings Ankunft
Grüner Schimmer spielet wieder
Drüben über Wies‘ und Feld.
Frohe Hoffnung senkt sich nieder
Auf die stumme trübe Welt.
Ja, nach langen Winterleiden
Kehrt der Frühling uns zurück,
Will die Welt in Freude kleiden,
Will uns bringen neues Glück.
Seht, ein Schmetterling als Bote
Zieht einher in Frühlingstracht,
Meldet uns, dass alles Tote
Nun zum Leben auferwacht.
Nur die Veilchen schüchtern wagen
Aufzuschau’n zum Sonnenschein;
Ist es doch, als ob sie fragen:
»Sollt‘ es denn schon Frühling sein?«
Seht, wie sich die Lerchen schwingen
In das blaue Himmelszelt!
Wie sie schwirren, wie sie singen
Über uns herab ins Feld!
Alles Leid entflieht auf Erden
Vor des Frühlings Freud‘ und Lust –
Nun, so soll’s auch Frühling werden,
Frühling auch in unsrer Brust!
(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

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Interessierte Zuhörer – Foto: Ira Lenski

Weiter führte der Spaziergang Richtung Streuobstwiesen. An idyllisch gelegenen Plätzen gab es immer wieder Geschichten und Gedichten zu lauschen:

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Fragen vom Schmetterling

“Wie lang ist das Leben und was kommt danach?“ fragte der Schmetterling Gott. “Was war davor? Warum weiß ich nichts davon? – Viele, schwere Fragen an einem schönen Frühlingstag. Fragen an Gott und es gab keine Antworten. Oder? träumte der Schmetterling?
Etwas oder jemand ließ ihn spüren, dass er nicht alleine war: “ Du kannst dein ganzes Leben noch einmal erleben. Fliege ganz hoch , so hoch wie du kannst, und du wirst Augen haben, die alles sehen; Ohren, die alles hören und eine Seele, die alles fühlt.“ – Und der Schmetterling flog und flog. Er strengte sich an, höher und höher. Er gab seine ganze Kraft hin.
Als er nicht mehr konnte, gab er auf und ließ sich fallen. Aber er fiel nicht, er wurde gehalten, unsichtbar getragen. Er schwebte. Er spürte Licht um sich herum, hörte unbekannte Töne und sah plötzlich ein Bild vor sich. Er platzte auf, wie eine Seifenblase. Er sah einen Schmetterling, der an einen Busch flog, seine Eier ablegte und verschwand. Die Sonne kam, der Regen fiel und aus einem Ei schlüpfte eine Raupe, ganz klein und fast unsichtbar. Der Schmetterling spürte plötzlich in seiner Seele: – Das bin ich. Ich bin dieser kleine Wurm. – Er staunte.

Die Raupe kletterte los, fraß von den Blättern, versteckte sich vor den Vögeln und Insekten. Sie lebte gut. Kein Tag war wie der andere. Manchmal hatte sie Angst, gefressen zu werden, und versteckte sich. Mal sonnte sie sich übermütig. Sorgen kannte sie nicht und wuchs prächtig. Sie wurde dicker, träger und langsamer. “Was soll aus der wohl werden“, fragte sich der Schmetterling, “und wie bin ich so schön geworden?“

Die Raupe suchte sich einen schönen verstecken Platz. Sie streckte sich an der Unterseite eines kleinen Zweiges und spann sich ein. Langsam aber war nicht mehr viel von ihr zu sehen. “Stirbt die Raupe?“ sorgte sich der Schmetterling. “Ja,“ hörte er Antwort, “sie stirbt und erwacht zu neuem Leben. Sie wechselt ihre äußere Hülle. Das Alte vergeht und das Neue wächst heran. Schau!“ Und er sah hinein in die Hülle, die Puppe. Die Raupe war nicht mehr da, er erschrak.

Feine Gliedmaßen entstanden, alles verwandelte sich. Ein Bild löste das andere ab. – Der Schmetterling staunte. – Beinah hätte er übersehen, wie die Puppe sich unten öffnete. Ein kleines Loch entstand. Eine neue Gestalt kletterte, nein schob sich langsam heraus und saß im Licht. Die Sonne wärmte sie und sie atmete tief ein. Das neue Leben hatte begonnen. Die Gestalt breitet die zarten Flügel aus und erhob sich in die Luft.

“Das bin doch ich.“ Dachte der Schmetterling. “Er sah noch einmal sein Leben bis zu dem Flug, der ihn höher und höher trug. “Ja, das bist du.“ Sagte Gott. “Du weißt nun, was vorher war und was nachher kommt. Sonst sieht jeder nur seinen Lebenszeitraum, seine Erfahrung. Er spürt nicht das neue Leben und auch nicht die Ankunft im Licht. Nur weil du dich fallen gelassen hast, weil du vertraut hasst, konntest du mehr sehen.“

Friedrich Rückert (1788 – 1866)

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Foto: Ira Lenski
Original gelesen aus einem alten Buch um 1900 „Zum Vortrage – Eine Sammlung deutscher Gedichte“.

Maler Frühling

Der Frühling ist ein Maler,
er malet alles an,
die Berge mit den Wäldern,
die Täler mit den Feldern:
Was der doch malen kann!
Auch meine lieben Blumen
schmückt er mit Farbenpracht:
Wie sie so herrlich strahlen!
So schön kann keiner malen,
so schön, wie er es macht.
O könnt ich doch so malen,
ich malt ihm einen Strauß
und spräch in frohem Mute
für alles Lieb und Gute
so meinen Dank ihm aus!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874)

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Auf der Tasche von der Buchhandlung „Shakespeare und So“ ist der berühmte Dichter William Shakespeare abgebildet – Von ihm gab es allerdings kein Gedicht zu hören …

Foto: Ira Lenski

Zum Abschluss gab es dann im gemütlichen Reiterstübchen den literarischen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen oder etwas Herzhaftem ausklingen zu lassen.
Es hat allen sichtlich viel Freude bereitet. Im Laufe des Jahres werden rund um den Rettershof weitere literarische Veranstaltungen angeboten, wie z. B. literarische Spaziergänge oder das Literatur-Programm „Früher war alles besser …?!“ am 13.05 ab 19:30 Uhr im Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“.

Gerd Taron

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Reiterstübchen im Landgasthof „Zum fröhlichen Landman2
Internet: http://www.zum-froehlichen-landmann.de

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Der Mai ist gekommen – Ein literarischer Spaziergang am 1. Mai in Frankfurt-Fechenheim

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Frankfurt-Fechenheim, 01.05.2015

Unter diesem Motto startete der literarische Mai-Spaziergang in Alt-Fechenheim im Café Lounge Jasmin bei Elke Dippel und Jasmin Ehrlich. Die Sonne hatte sich etwas versteckt, was aber der Schönheit der frühlingshaften Natur keinen Abbruch tat.

Zeit und Gelegenheit, die Natur und Texte entspannend auf sich wirken zu lassen und zur Ruhe zu kommen.

Nachstehend einige fotografische und geistige Eindrücke in Form von Gedichten von bekannten und weniger bekannten Dichtern.

Der nächste literarische Spaziergang um Ufer des Mains in Frankfurt-Fechenheim kommt bestimmt. Weitere Informationen siehe am Ende:

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Der erste Mai

Der erste Tag im Monat Mai
Ist mir der glücklichste von allen.
Dich sah ich und gestand dir frei,
Denn ersten Tag im Monat Mai,
Dass dir mein Herz ergeben sein,
Wenn mein Geständnis dir gefallen,
So ist der erste Tage im Mai Für mich
der glücklichste von allen.

– Friedrich Hagedorn 1708-1754 –

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Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.
Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die Weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt´!
Wer weiss, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.
Es gibt so manche Strasse, da nimmer ich marschiert;
es gibt so manchen Wein, den nimmer ich probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all-
mein Herz ist wie ´ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtchen, da kehr´ ich durstig ein:
Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lustiger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel, das sing´ ich dazu.

Und find ich keine Herberg´, so lieg´ ich zur Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde, die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Früh´ das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in der Brust;
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

– Emanuel Geibel 1815-1884, deutscher Lyriker –

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Die Lindenallee in Frankfurt-Fechenheim

Es stand ein junger Blütenbaum

Es stand ein junger Blütenbaum
Umspielt vom lauen Weste,
Der träumte süssen Morgentraum,
Und wiegte seine Äste!

Wir träumten wunderholden Traum
Im morgenklaren Maien,
Belauscht, umrauscht vom Blütenbaum,
Zu zweien dort, zu zweien!

Er stand im Morgensonnenglanz
Und wiegte seine Äste,
Da fiel ein reicher Blütenkranz
Verweht vom lauen Weste!

Da fiel uns reicher Blütenschnee
Auf Brust und Stirn und Locken,
In Sonnennäh‘, in Sonnenhöh‘,
Umtönt von Morgenglocken!

Gegrüsst! gegrüsst! Lenzsonnenglanz,
Im morgenklaren Maien.
Du traumumperlter Blütenkranz,
Gegrüsst! gegrüsst zu zweien!

– Amanda Ullmann 1860-1895, deutsche Dichterin –

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Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.
Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.
Aus dem „Buch der Lieder“, Heinrich Heine

Gerd Taron
Alle Fotos: Gerd Taron – Wiedergabe nur mit Genehmigung gestattet.
Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim
E-Mai: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

Sei still und lausche – Ein literarischer Klosterberg-Spaziergang mit besonderen Eindrücken und Klängen in Kelkheim im Taunus

Kelkheim, 18.10.2014

Wieder einmal war es soweit – ein literarischer Spaziergang in Kelkheim, Diesmal führte er auf die Höhen des Klosterbergs. Auch wenn sich die Teilnehmerzahl in Grenzen hielt, war es ein intensives Erleben, nicht nur wegen den ausgewählten Geschichten und Gedichten zum Thema „Alles hat seine Zeit“.

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Kalender-Auswahl bei Viola’s Bücherwurm – Foto: Gerd Taron

Der Reihe nach:

Treffpunkt war Viola’s Bücherwurm in der Bahnstraße 13. Beim Betrachten des schönen Schaufensters kam mir die Idee zum Thema des Spaziergangs. So viele schöne Kalender mit wunderbaren Motiven. Wie schnell das Jahr doch wieder vergangen ist. Dabei hatten wir doch gerade das neue Jahr begrüßt, so war das Gefühl. Aber das ist auch schon mehr als 9 Monate her.

Und da war noch etwas ganz Kleines was vor Viola’s Bücherwurm in aller Ruhe vor sich hinwächst: Ein Stiefmütterchen!

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Stiefmütterchen vor Viola’s Bücherwurm

Entdeckt von Annette Müller von Mode Annette Müller – fotografiert von Maren von Hoerschelmann

Über das kleine Stiefmütterchen gibt es später hier bei WordPress eine eigene Geschichte.

Es soll endlich losgehen – auf den Berg, wo das Wahrzeichen von Kelkheim steht: Das ehemalige Kloster. Das Wetter meinte es sehr gut mit uns. Strahlend blauer Himmel begleitete uns auf dem Weg.

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Das Wahrzeichen von Kelkheim – das ehemalige Kloster, heute katholische Kirche St. Franziskus

Dort oben las ich den passenden Text zum Thema aus dem Alten Testament des Predigers Salomo:

1 Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
2 eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,
3 eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
4 eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;
5 eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
6 eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
7 eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
8 eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.
9 Wenn jemand etwas tut – welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt?
10 Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht.
11 Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wieder finden könnte.1
12 Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt,
13 wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennen lernt, das ein Geschenk Gottes ist.
14 Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden und Gott hat bewirkt, dass die Menschen ihn fürchten.
15 Was auch immer geschehen ist, war schon vorher da, und was geschehen soll, ist schon geschehen und Gott wird das Verjagte wieder suchen.

Einheitsübersetzung

Zwischen den herbstlich gefärbten Bäumen auf der Höhe gab es dann einige Herbstgedichte. Hier folgt eines davon:

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Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke)

Weiter spazierten wir Richtung Hornau, wo ich von einer Teilnehmerin nach 21 Jahren (!) auf den alten Friedhof von Hornau aufmerksam gemacht wurde. Dort liegt die Familie von Gagern begraben, die hier im 19. Jahrhundert gelebt haben.

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Die katholische Kirche St. Martin in Kelkheim-Hornau

Die nächste literarische Rast hielten wir vor der Kirche St. Martin. Dort war vorgesehen mit zwei Texten zur Stille die Zeit betrachtet werden sollte.

Wir saßen auf einer Bank vor der Kirche, umhüllt von der zarten Herbstsonne.

Ich begann das Gedicht von Anne M. Pützer zu lesen:

SEI STILL UND LAUSCHE.

Sei still und lausche.
An alten Gemäuern und Ruinen
hörst du Geschichten flüstern.

Es ist ein Moment,
der dich einlädt zum innehalten.
Du tauchst ein in die Vergangenheit
und deine Vorstellungskraft malt dir
Bilder von früherem Leben,
von Menschen und ihren Gefühlen,
von Schicksal und Freude.
Du fühlst dich ein
und wirst Zeuge fremder Schicksale.
Gewesene Realität,
gelebte Geschichte.
Deine Gedanken,
dein Rückwärts- horchen,
dein Erinnern
weckt diese Zeit
für Minuten
zu neuem Leben.
Nichts und niemand
kann so vergessen werden.

Anne M. Pützer

Und dann begann es: In etwa 100 Metern wurde es sehr geräuschvoll. Ein Laubbläser nahm seine Arbeit auf, dazu Hammerschläge. Stille hört sich etwas anders an. Gegensätzlicher und grotesker hätte die Situation nicht sein können.

Nach etwa 15 Minuten endete der Lärm und es kehrte eine eigenartige Ruhe ein.
Mit einem Gedicht von Gottfried Keller endete ein ungewöhnlicher Spaziergang:

Stiller Augenblick

Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern
Streifend an abendrötlichen Weihern
Wallest du deine Bahn;
Siehst mich am kühlen Waldsee stehen,
Wo an herbstlichen Uferhöhen
Zieht entlang ein stummer Schwan.

Still und einsam schwingt er die Flügel
Tauchet in den Wasserspiegel,
Hebt den Hals empor und lauscht;
Taucht zum andern Male nieder,
Richtet sich auf und lauschet wieder,
Wie’s im flüsternden Schilfe rauscht.

Und in seinem Tun und Lassen
Will’s mich wie ein Traum erfassen,
Als ob’s meine Seele wär:,
Die verwundert über das Leben,
Über das Hin- und Widerschweben,
Lugt‘ und lauschte hin und her.

Atme nur in vollen Zügen
Dieses friedliche Genügen
Einsam auf der stillen Flur!
Und hast du dich klar empfunden,
Mögen enden deine Stunden,
Wie zerfließt die Schwanenspur!

Gottfried Keller

Gerd Taron