Früchte ernten – Literarischer Wochenendgruß vom 29.09.17

Früchte ernten – Literarischer Wochenendgruß vom 29.09.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

die Erntezeit nähert sich dem Ende. Die Kartoffel- und Rübenernte oder andere Früchte werden in die Scheuer gebracht. Die Natur bereitet sich auf den Winterschlaf vor. In den Weinbergen werden die Trauben für einen hoffentlich guten Jahrgang gelesen.

Die christlichen Kirchen erinnern am Erntedanksonntag an diese Vielfalt. Bei den Obstbäumen in unserer Region gab es diesmal keine so gute Ernte durch die Frostschäden im April. Die Wechselwirkungen des Lebens zeigen sich in der Natur immer wieder auf eindrucksvolle Weise.

Wie sieht es in Ihrer persönlichen Erntezeit aus? Wir blicken normalerweise am Jahreswechsel darauf zurück. Lassen Sie uns doch einmal zu dieser Zeit einmal neu besinnen. Nicht immer hat das, was wir gesät haben, zum Erfolg geführt. Andererseits kommen die Samen früherer Zeiten erst jetzt zu ihrer vollen Entfaltung.

Erntedankfest auf dem Rettershof – Foto: Gerd Taron

Der Erntewagen

Nun des Tages Gluten starben,
Mischen alle zarten Farben
Sich am Himmel golden klar.
In die Helle seh‘ ich ragen
Einen hohen Erntewagen,
Den umeilt der Schnitter Schaar.
Dunkle Arbeit lichtumgeben!
Nächtige Gestalten heben,
Schichten letzte Garben leis,
Und des Abends Feierstunde
Schmückt mit heilig goldnem Grunde
Müder Arme späten Fleiß.

Conrad Ferdinand Meyer

Foto: Gerd Taron

Betrachtet man die Obst-Bäum‘, Aepfel, Pfirschen, Birn, Apricosen, Mandeln, Kirschen;
Gleicht ihrer Bluhmen lieblichs Prangen
Nicht Gärten, die in Lüften hangen?
Ist nicht der kleinste Zweig ein grosser Bluhmen-Strauß?
Haucht ihre Menge nicht den stärcksten Bisam aus?
Sie würtzen, durch so angenehme Düfte,
Die voller Amber und Ziebeth,
Die ausgespannten lauen Lüfte,
Daß ihre Balsam-Kraft uns recht ans Hertze geht.
Seele, laß der Bäume Pracht
Dich zu ihrer Folge leiten!
Suche dich, auf allen Seiten
In Gedancken auszubreiten,
Und, auf den Betrachtungs-Zweigen,
Blätter deiner Lust zu zeugen!
Laß, durch dieses holde Grün,
Deiner Andacht Bluhmen blühn,
Und des Lobes Früchte bringen!
Auf! mit heller Stimm‘ und Saiten
Unsern Schöpfer zu besingen,
Der die Erde fröhlich macht!“

Barthold Heinrich Brockes
(Aus: Irdisches Vergnügen in Gott)

Foto: Gaby Schaefer

Geh hinaus und öffne deine Augen. Nimm die sich verändernden Farben wahr und rieche den intensiven Duft nach Herbst. Noch leuchten Gelb und Rot in der Oktobersonne. Genieße den Anblick. Sammle Früchte, zum Kochen, Backen, Basteln oder zur Dekoration. Hol dir die Farben, den Geruch und den Geschmack des Herbstes ins Haus.

Anne M. Pützer

Foto: Gerd Taron

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Auf dem Wochenmarkt in Eppstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Wie reife Früchte kann ich sie pflücken,
die vielen Ideen in meinem Kopf.
Es ist eine reiche Ernte,
die meinen Geist und mein Herz
für lange Zeit sättigen werden.

(C) Anne M. Pützer

Foto: Gerd Taron

Ernte

Es ist Ernte,
dass wir einander noch haben.
Es ist Ernte,
die Münzen der Minuten und Stunden
noch ausgeben zu können.
Es ist Ernte
durch unsere gegenseitige Gegenwart
die Zeit zu schmecken wie Schwarzbrot.
Wir haben Samen ausgestreut,
manchmal ängstlich und mit zitternder Hand
und dann wieder so,
als gehörte uns schon die goldene Ernte.
Wir haben nicht gewusst,
ob die Saat aufgehen würde,
oder was wir ernten würden,
aber wir haben nicht aufgegeben.
Ich suche jetzt deine Augen häufiger,
als wolle ich mich vergewissern,
dass auch du die Dichte der Ernte erlebst.
Unser Glück tritt aus dem Sinn hervor,
den wir allem geben.

Ich wünsche Ihnen ein verlängertes Wochenende mit vielen schönen Momenten und Begegnungen. Richten Sie Ihren Blick auf die Früchte der Natur und Ihrer eigenen Arbeit.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Hier noch einmal zur Erinnerung an die nächsten Veranstaltungen:
So 01.10. – 14 Uhr – Literarischer Buchmessen-Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof – Thema: Frankreich, Frankreich – Ehrengastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse – Literarisches aus Frankfreich

An verschiedenen Stationen werden französische Gedichte, Liebesgeschichten und Märchen vorgestellt– natürlich in deutsch.

Treffpunkt: An Gleis 1 Haupt-Nebenausgang Mannheimer Straße – gegenüber einem kleinen Supermarkt

Kostenbeitrag: 5 Euro

Fr 06.10. – 17:30 Uhr Literarisches aus Frankreich beim Wochenmarkt in Eppstein
Treffpunkt: Vor der Eppsteiner Weinpresse (Altes Rathaus, Altstadt Eppstein)
Gemeinsam mit der Eppsteiner Weinpresse und dem Mundschenk Ramon Olivella, werden literarische und kulinarische Genüsse präsentiert. Dazu passet das Wein-Thema: „France, je t’aime“

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Wenn der Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Ein Rückblick auf das Erntedank- und Handwerkerfest am Rettershof im Taunus in Wort und Bild

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Rettershof, 11.10.15

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Im Innenhof – Foto: Gerd Taron

Was für ein Traumwetter! Bei herrlichstem Sonnenschein, etwas kühlen Temperaturen kamen wieder zahlreiche Besucher zum traditionellen Erntedankfest auf den Rettershof.

Viele fleißige Helferinnen und Helfer trugen zum Gelingen dieses Tages bei. Mein besonderer Dank gilt der Gutsverwaltung Rettershof, die alles prächtig organisierten.

Es gab vieles zu bestaunen und zu erleben: Die Showtanzgruppe „Hexenkessel“, eine Kräuterführung mit Renate Wittich, Reitvorführungen. Handwerker und Handwerksbetriebe gaben Einblick in Ihr Können, wie zum Beispiel in der Schmiedekunst.

Eine besondere Freude war es für mich, diesmal mit einem literarischen Spaziergang dabei zu sein. Etwa 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich unter der Linde eingefunden, um Gedichten von bekannten und weniger bekannten Dichtern zu lauschen. Alle Texte waren passend zum Erntedankfest und der Jahreszeit ausgesucht.
Es war ein wunderbarer Tag mit vielen schönen Begegnungen und Gesprächen.

Ich freue mich schon jetzt auf das Erntedankfest im nächsten Jahr.
Gerd Taron

Die nachstehenden Fotos und die Anmerkungen geben einen kleinen Eindruck von diesem Fest wider.

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Der Posaunenchor beim ökumenischen Gottesdienst – Foto: Gerd Taron

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Der Gemeinschaftschor beim ökumenischen Gottesdienst. Im Vordergrund Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel und die katholischen Diakonin – Foto: Gerd Taron

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Beginn des literarischen Spaziergangs unter der Linde – Foto: Brina Stein

Und hier ein Gedicht von mehreren, die gelesen wurden:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
Theodor Fontane

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Auf dem Weg zum Schlosshotel Rettershof – Foto: Ira Lenski

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Die Vorstellung des Buches von Edith Holden „Vom Glück mit der Natur zu leben“
Foto: Ira Lenski
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Alte Schmiedekunst
Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

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Stände auf dem Gelände des Rettershof – Foto: Gerd Taron

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Der Erntewagen immer wieder schön geschmückt.- Foto: Gerd Taron

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Vorführungen des Reit- und Fahrvereins auf dem Reitplatz am Rettershof
Foto: Gerd Taron

Zeit der Ernte – Literarischer Wochenendgruß vom 09.10.15

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am vergangenen Wochenende feierten die christlichen Kirchen das Erntedankfest. Hier bei uns findet am Sonntag das traditionelle Erntedank- und Handwerkerfest auf dem Rettershof im Taunus statt.

Jetzt ist wieder die Zeit gekommen, sich darauf zu besinnen, wie wir in diesem Jahr beschenkt wurden. Danke den Menschen zu sagen, die dafür gesorgt haben, dass wir über genügend und eine vielfältige Auswahl an Nahrungsmitteln verfügen dürfen.

Dies gilt für mich im zwischenmenschlichen Bereich. Ich sage und schreibe ein Dankeschön für alle Begegnungen – für die, die wieder neu aufgelebt sind, für die, die sich vertieft haben.

Danken möchte ich Hans Joerg Kampfenkel und Marina Rupprecht, die mit ihren wunderschönen Erntedank-Fotos den-Wochenendgruß bereichern.

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Erntefest

Wagen auf Wagen schwankte herein,
Scheune und Böden wurden zu klein:
Danket dem Herrn und preist seine Macht,
glücklich ist wieder die Ernte vollbracht.

Hoch auf der Fichte flattert der Kranz,
Geigen und Brummbaß laden zum Tanz;
leicht wird das Leben trotz Mühe und Plag,
krönet die Arbeit ein festlicher Tag.

Seht ihr der Kinder fröhliche Schar,
blühende Wangen, goldlockiges Haar?
hört ihr sie jubeln? O liebliches Los,
fällt ihnen reif doch die Frucht in den Schoß!

Wir aber furchen, den Pflug in der Hand,
morgen geschäftig aufs neue das Land;
ewig ja reiht, nach des Ewigen Rat,
Saat sich an Ernte und Ernte an Saat.

Julius Sturm

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Gebt den Kindern die Welt für einen Tag nur
wie einen bunten Luftballon gebt ihnen die Welt zum Spielen
singend und tanzend zwischen den Sternen
gebt den Kindern die Welt
groß wie einen Apfel warm wie ein Laib Brot
für einen Tag damit sie satt werden
gebt den Kindern die Welt
dass die Welt Freundschaft lernt für einen Tag nur
die Kinder werden uns die Welt aus den Händen nehmen
und unsterbliche Bäume pflanzen
(Nazım Hikmet)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Apfellese

Das ist ein reicher Segen
In Gärten und an Wegen!
Die Bäume brechen fast.
Wie voll doch Alles hanget!
Wie lieblich schwebt und pranget
Der Äpfel goldne Last!

Jetzt auf den Baum gestiegen!
Laßt uns die Zweige biegen,
Daß Jedes pflücken kann!
Wie hoch die Äpfel hangen,
Wir holen sie mit Stangen
Und Haken all‘ heran.

Und ist das Werk vollendet,
So wird auch uns gespendet
Ein Lohn für unsern Fleiß.
Dann zieh‘n wir fort und bringen
Die Äpfel heim und singen
Dem Herbste Lob und Preis.

August Hoffmann von Fallersleben

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Erde, die uns dies gebracht

Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde.
Wir haben volle Teller
und voll sind Scheune und Keller,
wir leiden keine Not.
Gesichert ist das Brot,
die Äpfel sind knallrot
und auch der süße Wein
lief rein ins Fass hinein.
Die Ernt‘ ist geborgen,
wir haben keine Sorgen,
drum sei heut Dank gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde !

Christian Morgenstern

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

ERNTE-GEDANKEN

Wenn ich danke
für meine reiche Ernte- dann möchte ich auch daran denken,
dass jede Sekunde auf unserer Erde
ein kleines Kind an Hunger zugrunde geht.

Wenn ich danke
für meinen Arbeitsplatz- dann möchte ich auch an die denken,
die vor dem Arbeitsamt Schlange stehen.

Wenn ich danke
für meine Gesundheit- dann möchte ich auch an die denken,
die mit der Diagnose „Unheilbar“
auf ihren Tod warten.

Wenn ich danke
für meinen Erfolg und meine Kraft- dann möchte ich auch an die denken,
die keine Chance haben,
die die Verzweiflung zu Alkohol und Drogen treibt,
weil vielleicht gerade ich kein offenes Ohr
für sie hatte.

Wenn ich danke
für mein ruhiges Gewissen- dann möchte ich auch an die denken,
die ich aus Selbstgefälligkeit gar nicht mehr sehe

Weil Danken von Denken kommt

Autor unbekannt

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende voller Dankbarkeit, für alles was Ihnen widerfahren ist.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Hinweis:

Wer einige der Texte einmal persönlich hören möchte, ist herzlich eingeladen, am

Sonntag, 11.10. um 13 Uhr bei einem literarischen Spaziergang am Rettershof im Taunus dabei zu sein. Wir treffen uns dort unter der Linde. Der Spaziergang findet im Rahmen des Erntedank- und Handwerkerfest statt.

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30
65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0) 6195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de