Wer die Wahl hat – Literarischer Wochenendgruß vom 11.03.16

Wer die Wahl hat – Literarischer Wochenendgruß vom 11.03.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen werden viele von uns aufgefordert zu wählen, sei es bei den Kommunalwahlen in Hessen oder bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag. Es ist ein Geschenk, frei wählen zu können und keinem Zwang zu unterliegen. Doch viele nehmen das Geschenk nicht an. Sie sind verunsichert, vielleicht auch überfordert oder auch zu bequem.

In unserem Leben stehen wir oft auch unfreiwillig vor Entscheidungen etwas zu wählen. Manchmal hat dies weitreichende Konsequenzen für mich und für andere. Aber wir sollten die Chancen nutzen. Wir wissen nicht was uns künftig erwartet. Nutzen Sie die Möglichkeiten und verzagen ist oft der falsche Weg.

Möge dieser neue Wochenendgruß Ihnen neue Impulse geben. Wählen Sie das Leben!

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Das Leben, das ich selbst gewählt

Eh‘ ich in dieses Erdenleben kam,
ward mir gezeigt, wie ich es leben würde.
Da war die Kümmernis, da war der Gram,
da war das Elend und die Leidensbürde.
Da war das Laster, das mich packen sollte,
da war der Irrtum, der gefangennahm.
Da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte,
da waren Haß und Hochmut, Stolz und Scham.

Doch war da auch die Freude jener Tage,
die voller Licht und schöner Träume sind,
wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage,
und überall der Quell der Gaben rinnt;
wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
die Seligkeit des Losgelösten schenkt,
wo sich der Mensch, der Menschenpein entwunden,
als Auserwählter hoher Geister denkt.

Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute,
mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel,
mir ward gezeigt die Wunde, draus ich blute,
mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.
Und als ich so mein künftig‘ Leben schaute,
da hört‘ ein Wesen ich die Frage tun:
Ob dies zu leben ich mich traute,
denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme –
„Dies ist das Leben, das ich leben will!‟,
gab ich zur Antwort mit entschloss‘ner Stimme
und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
So ward geboren ich in diese Welt,
so war‘s, als ich ins neue Leben trat.
Ich klage nicht, wenn ‘s oft mir nicht gefällt,
denn ungeboren hab‘ ich es bejaht.

Hermann Hesse

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Du kannst das Beste nicht wählen.
Das Beste wählt dich !
Rabindranath Tagore

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Manche Wege, die wir wählen, benötigen Zeit.
Es ist wie bei den Äpfeln: Sie fallen erst vom Baum, wenn sie reif sind.“

©Zitat aus Jando’s Sternenreiter – Kleine Sterne leuchten ewig“/

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Weisheit des Alters

Ein 92-jähriger Mann beschloss nach dem Tod seiner Frau, ins Altersheim zu gehen. Die Wohnung schien ihm zu groß, und er wollte für seine letzten Tage auch noch ein bisschen Gesellschaft haben, denn er war geistig noch in guter Verfassung.

Im Heim musste er lange in der Halle warten, ehe ein junger Mann zu ihm kam und mitteilte, dass sein Zimmer nun fertig sei. Er bedankte sich und lächelte seinem Begleiter zu, während er, auf seinen Stock gestützt, langsam neben ihm herging.

Bevor sie den Aufzug betraten erhaschte der Alte einen Blick in eines der Zimmer und sagte. „Mir gefällt es sehr gut.“ Sein junger Begleiter war überrascht und meinte, er habe doch sein Zimmer noch gar nicht gesehen.
Bedächtig antwortete der alte Mann. „Wissen Sie, junger Mann, ob ich den Raum mag oder nicht, hängt nicht von der Lage oder der Einrichtung, sondern von meiner Einstellung ab, von der Art, wie ich ihn sehen will. Und ich habe mich entschieden, glücklich zu sein. Diese Entscheidung treffe ich jeden Morgen, wenn ich aufwache, denn ich kann wählen.
Ich kann im Bett bleiben und damit hadern, dass mein Körper dies und jenes nicht mehr so reibungslos schafft – oder ich kann aufstehen und dankbar sein für alles, was ich noch kann. Jeder Tag ist ein Geschenk, und solange ich
meine Augen öffnen kann, will ich sie auf den neuen Tag richten, und solange ich meinen Mund öffnen kann, will ich Gott danken für all die glücklichen Stunden, die ich erleben durfte und noch erleben darf.
Sie sind noch jung, doch nehmen Sie sich den Rat eines alten Mannes zu Herzen. Deponieren Sie alles Glück, alle Freude, alle schönen Erlebnisse als Erinnerungen auf einem Spezialkonto, um im Alter über einen Schatz zu verfügen, von dem Sie zehren können, wann immer Sie dessen bedürfen. Es liegt an Ihnen, wie hoch die Einlagen auf dem Konto sind. Ich verrate Ihnen noch zwei einfache Tricks, mit denen Sie ihr Konto rasch wachsen lassen können:
Hegen Sie in Ihrem Herzen nur Liebe, und und in ihren Gedanken nur Freude. In dem Bewusstsein, so ein Konto zu besitzen, verliert die Zukunft ihre Ungewissheit und der Tod seine Angst.“

Der junge Mann hatte staunend zugehört und bedankte sich nun mit einem strahlenden Leuchten in seinen Augen. Freudig drückte er den Arm des Alten und meinte: „Vielen Dank, soeben habe ich ein Erinnerungs-Konto bei meiner Bank eröffnet, und dieses Gespräch ist die erste Einlage.“

Mit diesen Worten öffnete er die Tür, um dem neuen Bewohner sein Zimmer zu zeigen.
Mit einem Schmunzeln sagte dieser: „Mir gefällt es sehr gut.“

Verfasser unbekannt

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Entscheidungen treffen

Der Meister sagt:
Wenn eine Entscheidung ansteht,
solltest Du sie treffen und mit den Konsequenzen leben.
Du kannst im voraus nicht wissen,
wie diese Konsequenzen aussehen werden.
Alle Weissagungskünste sind dazu geschaffen worden,
dem Menschen Ratschläge zu erteilen,
niemals aber dazu, die Zukunft vorauszusagen.
Sie sind ausgezeichnete Ratgeber, aber schlechte Propheten.
In einem der Gebete, die uns Jesus gelehrt hat, heißt es: ‘Dein Wille geschehe.’
Wenn dieser Wille ein Problem mit sich bringt,
so trägt er auch dessen Lösung in sich.
Wenn die Wahrsager tatsächlich die Zukunft voraussehen könnten,
wären alle Wahrsager reich, verheiratet und glücklich…….

aus ‚Der Wanderer‘ von Paulo Coelho

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Es ist nicht zu spät

Wir wollen es uns bewusst machen,
dass es dir und mir gegeben ist,
die Welt schön zu machen mit unserem kleinen Leben.
Wir sind nicht hilflos und ausgeliefert.
Es liegt an uns, die Welt neu zu erfinden.

Begabt sind wir mit der Fähigkeit zu wählen.
Unser Auge wählt unzählige Male jeden Tag,
und auch wir wählen, wobei wir verharren,
womit wir unsere Gedanken füllen
und welche Worte aus uns kommen.

Ich will wählen, das Aufbauende zu sehen,
das Schöne, das Sprießende,
das ins Leben Stürzende,
das Gedeihende, das Gebärende,
das Erhaltende, das Ermutigende,
das Wagende und das Gelingende.

Nicht als eine Flucht vor dem Schweren, Herben,
dem Bösen und Angstmachenden,
aber weil wir zur Schönheit Begabte sind,
die darin ihre Erfüllung sehen,
die Welt schön zu machen
mit Glauben, Hoffen und Lieben.
Dafür ist es nie zu spät.

Ulrich Schaffer

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Etwas, was Du nicht
von allem Anfang an
mit Deinem ganzen Herzen
tust,
mit Deiner ganzen
Freude
und
Hingabe,
egal, ob dies eine Beziehung ist,
eine Arbeit
oder
ein Hobby,
wenn Du es
nicht mit deinem ganzen
Sein willst –
wird diese Sache nie das ganze Potential
Deines wunderbaren Seins entwickeln
können, somit wird auch
Deine Seele
und
Dein Herz nicht in die Tiefe beglückt
und genährt sein.
Deshalb wähle das,
was Dein
HERZ
wählen
würde.

Anja Schindler

Ich wünsche Ihnen ein vorfrühlingshaftes Wochenende und wählen Sie für sich das Beste und Ihren Mitmenschen.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Scheitern – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel

Es war ein denkwürdiger Wahlabend am letzten Sonntag. Denn dieser Abend wurde nicht mehr nach den üblichen Ritualen begangen, nach denen sich jede Partei die Säulendiagramme schön redet. Hier war nichts mehr zu schönen. Und so standen die Politikerinnen und Politiker da. Hilflos und fassungslos, Worte gingen ins Leere.
So ungeschminkt habe ich selten das Scheitern gesehen. Alle Hoffnungen und Wünsche der Vergangenheit zerplatzen. Parteien stehen vor einem Scherbenhaufen und wissen zunächst nicht, wie es weitergehen kann. Aber auch ganz persönlich wird sich das Leben vieler Politiker verändern. Denn nun gilt es für einige Abgeordnete sich eine neue (oder die alte) Existenz abseits der Politik aufzubauen. Vielleicht ist das für die Parteien und die Menschen aber auch eine Chance.
So könnte man tatsächlich das Scheitern als Chance begreifen. Manchmal gelingt mir das auch. In der größten Schmach und Niederlage eben nicht liegenzubleiben, sondern mich neu zu sortieren und aufzustehen. Für mich hat dies auch maßgeblich mit meinem Glauben zu tun. Denn ist nicht auch die gesamte Geschichte Israels eine Geschichte des Scheiterns? Und Gott schenkt ihr immer wieder einen neuen Anfang. Und ist nicht auch Jesus am Kreuz gescheitert?
Vielleicht bricht sich grade im Zerbrechen aller menschlichen Lebensentwürfe das heilvolle Wirken Gottes seine Bahn. Bei Jesus hat er es getan. Dies gibt mir das Vertrauen, dass er es auch bei mir tun kann. Darauf hoffe ich im Scheitern.
So schenke Dir Gott auch im Scheitern immer wieder die Chance für einen neuen Anfang.
Gottes Segen für Dich!
Andreas Schmalz-Hannappel
Andreas Schmalz-Hannappel
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pfarrer@st-johannes.net
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Für die Welt – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel

„Christlicher Handwerkerservice hilft bei Reparaturen im Haus.“
Diesen Text einer Anzeige las ich neulich in der Zeitung. Ob Christinnen und Christen bessere Handwerker sind, bezweifele ich. Mit dem Attribut „christlich“ soll vielmehr aufgedrückt werden, dass dieser Service vertrauenswürdig ist. Vielleicht sollte ich auch mal einen islamischen Service in Anspruch nehmen, da auch Muslime ein hohes Ethos haben. Nein, ich finde mit Religion sollte man keine Werbung machen. Da wird vermischt, was nicht zusammengehört.
Auf der anderen Seite sah ich in einer Fernsehersendung ein junges Paar, das sagte, sie nehmen nicht an der Bundestagswahl teil, weil sie Christen seien. Da wird meines Erachtens auseinandergerissen, was doch zusammengehört.
Denn ich lebe als Christ in dieser Welt und engagiere mich für diese Welt, um das Reich Gottes unter den Menschen erfahrbar und erlebbar zu machen. Dazu brauche ich keinen ausgewiesenen christlichen Handwerker, wohl aber den Einsatz für diese Welt, in der ich lebe. So gründet mein Glaube auf dem Gott, der selbst nicht von der Welt ist, aber in einem Menschen, Jesus, in die Welt kam.
So wünsche ich Dir, dass Du Deinen Glauben in der Welt und für die Welt lebst. Der Gang zur Wahl gehört für mich dazu.
Gottes Segen für Dich.
Andreas Schmalz-Hannappel



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