Von der Tradition – Literarischer Wochenendgruß vom 17.08.18

Von der Tradition – Literarischer Wochenendgruß vom 17.08.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

immer sehen oder hören wir Webebotschaften wie zum Beispiel: Seit mehr als 100 Jahren im Dienste …“ Es werden alte Traditionen beschworen, die die Beständigkeit eines Unternehmens oder einer Institution zeigen sollen, Die neue Altstadt von Frankfurt ist ebenso ein Beispiel dafür, dass Traditionen in Form von alter Architektur wieder belebt wird.

Der Hessenpark in Neu-Anspach im Hintertaunus erfreut sich großer Beliebtheit bei jung und alt. Auf einem großen Gelände können hier alte Handwerke besichtigt wreden, wieder aufgebaute Häuser, sei es eine Schule, eine Synagoge, einen alten „Tante-Emma-Laden“,usw.

Das Erinnern oder die Fortführung von Traditionen geben scheinbar Sicherheit. Alte Zeiten – gute Zeiten?

Es ist wichtig, dass wir unserer Tradition, unserer Herkunft bewusst sind. Wie die Beispiele der neuen Altstadt von Frankfurt oder der Hessenpark zeigen, ist eine Besinnung auf unsere, der eigenen und denen der anderen, Geschichte bedeutsam für unser Leben sind.

Aber nichts ist ewig. Manchmal kann es wichtiger sein, alte Traditionen aufzugeben und den Mut haben, etwas zu verändern.

Festzug anlässlich des Burgfestes in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

„Heute finde ich es sehr spannend, Geschichte wiederzuentdecken – auch meine eigene Geschichte, und deshalb breche ich innerlich auf zur Suche nach meinen eigenen Wurzeln, nach meiner eigenen Identität. Denn ich erlebe immer wieder, dass ich meine Gegenwart besser verstehe, wenn ich mich mit meiner Vergangenheit auseinandersetze und beschäftige.“

Aus dem Buch:

„Meine Reise zum Leben“ – von Rainer Wälde
Auf den Spuren der irischen Mönche
Mit sieben Betrachtungen von Pater Anselm Grün

Hessenpark Neu-Anspach – Foto: Gerd Taron

Ein altes Haus

hat eine lange Geschichte.
Es könnte soviel erzählen,
von guten und von schlechten Tagen.
Von seinem Aufbau,
der Blüte seiner Jahre,
von vielen Renovierungen
und von drohendem Verfall.
Ein altes Haus,
in dem schon lange
niemand mehr wohnt.
Verlassen.
Allein.
Darum ranken sich,
mit viel Fantasie,
Legenden.

(Anne M. Pützer)

Hessenpark Neu-Anspach – Alte Schule – Foto: Gerd Taron

Die Geschichte vom Bleistift

Der Junge sah zu, wie die Großmutter einen Brief schrieb. Irgendwann fragte er: “Schreibst du eine Geschichte, die uns passiert ist? Ist es vielleicht sogar eine Geschichte über mich?”
Die Großmutter hielt inne, und mit einem Lächeln sagte sie zu ihrem Enkel: “Es stimmt, ich schreibe über dich. Aber wichtiger als die Worte ist der Bleistift, den ich benutze. Es wäre schön, du würdest einmal so wie er, wenn du groß bist. ”
Der Junge schaute den Bleistift verwirrt an und konnte nichts Besonderes an ihm entdecken. “Aber er ist doch genau wie alle anderen Bleistifte!” “Es kommt darauf an, wie du die Dinge betrachtest. Der Bleistift hat fünf Eigenschaften, und wenn du es schaffst, sie dir zu Eigen zu machen, wirst du zu einem Menschen, der in Frieden mit der Welt lebt.”

Die erste Eigenschaft: du kannst große Dinge tun, solltest aber nie vergessen, dass es eine Hand gibt, die deine Schritte lenkt. Diese Hand nennen wir Gott, und Er soll dich immer Seinem Willen entsprechend führen.

Die zweite Eigenschaft: Manchmal muss ich das Schreiben unterbrechen und den Anspitzer benutzen. Dadurch leidet der Stift ein wenig, aber hinterher ist er wieder spitz. Also lerne, hin und wieder Schmerzen zu ertragen, denn sie werden dich zu einem besseren Menschen machen.

Die dritte Eigenschaft: Damit wir Fehler ausmerzen können, ist der Bleistift mit einem Radiergummi ausgestattet. Du musst begreifen, dass Korrigieren nichts Schlechtes, sondern dringend erforderlich ist, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.

Die vierte Eigenschaft: Worauf es beim Bleistift ankommt, ist nicht das Holz oder seine äußere Form, sondern die Graphitmine, die in ihm drinsteckt. Also achte immer auf das, was in dir vorgeht.

Schließlich die fünfte Eigenschaft des Bleistifts: Er hinterlässt immer eine Spur. Auch du musst wissen, dass alles, was du im Leben tust, Spuren hinterlässt, und daher versuchen, was du gerade tust, ganz bewusst zu machen.

Paulo Coelho

Die neue Altstadt von Frankfurt – Foto: Gerd Taron

Mit ungeheurer Beständigkeit
ist die Sonne jeden Morgen wieder da,
hinter Wolken, als wolle sie uns schützen
aber hell und direkt wie sichtbares Glück.
Jeder Tag kann ein Neubeginn sein.
In unseren Haltungen muss nichts endgültig sein.

Ulrich Schaffer

Café Gerster in Mainz – Foto: Gerd Taron

Zu Lebzeiten

Lass uns wieder lernen,
den Augenblick zu genießen,
zu nehmen, was ist,
mit beiden Händen,
hier und jetzt zu leben,
bevor wir das Leben verbracht haben
mit sorgenvollen Blicken in die Zukunft
und den Erinnerungen an die gute alte Zeit.

Jochen Mariss

Festzug anlässlich des Burgfestes in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Nimm die Welt von der leichten Seite, und der Geist wird frei von jeder Last sein. Miss den zehntausend Dingen keine Bedeutung bei, und dein Herz wird nicht verwirrt sein.
Lass dir Leben und Tod gleich wichtig sein, und dein Verstand wird ohne Angst sein.
Nimm gegenüber Wandel und Beständigkeit die gleiche Haltung ein, und nichts wird deine Klarheit trüben.

Laotse

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende, in dem Sie sich vielleicht einmal wieder die Zeit nehmen in alten Fotoalben zu schauen oder ein Lieblingsbuch aus alten Zeiten zu lesen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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