Immer mehr, immer weniger – Literarischer Wochenendgruß vom 28.10.16

Immer mehr, immer weniger – Literarischer Wochenendgruß vom 28.10.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

wir wollen immer mehr – mehr Geld, mehr Besitz, mehr Wachstum, mehr Zeit. Alles wird scheinbar extremer. Ausdauersportarten, wie z. B. Triathlon, Marathon, Extrem-Wandern „erfreuen“ sich zunehmender Beliebtheit. Wo nach jagen so viele? Nach dem großen „Kick“, nach den großen Glücksgefühlen – neudeutsch „Flow“ genannt?

Stattdessen haben wir immer weniger Zeit trotz des beginnenden digitalen Zeitalters. Es fehlt die Zeit für Familie, Freunde, die Zeit zum Genießen, das bewusste Wahrnehmen meines Umfeldes.
Diese Ausgabe und die nachfolgenden im November mögen Denkanstöße geben, wie wir mit der Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven umgehen und was sie uns bedeuten kann.

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Wer vor sich selbst flieht

Ist es nicht immer schwieriger, der zu sein, der man ist?
In einer Welt, die immer größeren Wert auf das Unwesentliche legt, die den Superlativ fördert und in der Authentizität zunehmend verloren geht, wird es für jeden Einzelnen zum Kampf, bei sich selbst anzukommen. Nicht wenige ergreifen die Flucht vor sich selbst und verbringen ihr Leben im Außen. Dieses Außen wird immer schneller, will immer mehr, immer höher, immer perfekter, es fordert laut ein „du musst weiter gehen“, um mithalten zu können und nicht herauszufallen aus der Welt, sprich dem Bild von Welt, das man uns Tag für Tag in der multimedialen Welt als Wirklichkeit malt. Wie da ein Leben leben, das uns selbst entspricht? Wer vor sich selbst flieht, kann sich selbst nicht kennen.

Angelika. Wende

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

„Das Leben besteht aus mehr, als immer nur die Geschwindigkeit zu erhöhen.“

Mahatma Gandhi

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Genau hinsehen

Fülle ist nicht immer Fülle.
Nur zusammen mit Leere
ist Fülle Erfüllung für uns.
Das Leben braucht den Platz der Leere,
um sich ausbreiten und seine einmalige Gestalt anzunehmen.
Zeit ist nicht Geld, sondern Zeit.
Wenn ich der Zeit erlaube, sich mir zu schenken,
wird sie mich mit Reichtümern überschütten.
Dann wird durch die Zeit
die Ruhe und das Glück des Entdeckens möglich.
Beschäftigung ist nicht Bedeutung.
Was ich ohne Beteiligung meines Wesens tue
bleibt nur die Tat meiner Hände, meiner Lippen, meines Körpers.
Ein volles Programm ist nicht unbedingt ein erfülltes Programm.
Weniger zu tun kann heißen, mehr getan zu haben,
wenn es von Herzen kam.
Jeder Weg, der zu etwas führt,
führt auch weg von etwas.
Ich übe, im Wenigen die Fülle zu sehen.

Ulrich Schaffer

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Im Woogtal von Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Die Ballade vom Wasserrad
Bertold Brecht
1
Von den Großen dieser Erde
melden uns die Heldenlieder:
Steigend auf so wie Gestirne
gehn sie wie Gestirne nieder.
Das klingt tröstlich, und man muss es wissen.
Nur: für uns, die sie ernähren müssen
ist das leider immer ziemlich gleich gewesen.
Aufstieg oder Fall: Wer trägt die Spesen?
Freilich dreht das Rad sich immer weiter
dass, was oben ist, nicht oben bleibt.
Aber für das Wasser unten heißt das leidernur:
Dass es das Rad halt ewig treibt.
2
Ach, wir hatten viele Herren
hatten Tiger und Hyänen
hatten Adler, hatten Schweine
doch wir nährten den und jenen.
Ob sie besser waren oder schlimmer:
Ach, der Stiefel glich dem Stiefel immer
und uns trat er.
Ihr versteht: Ich meine
dass wir keine andern Herren brauchen, sondern keine!
Freilich dreht das Rad sich immer weiter
dass, was oben ist, nicht oben bleibt.
Aber für das Wasser unten heißt das leider
nur: Dass es das Rad halt ewig treibt.
3
Und sie schlagen sich die Köpfe
blutig, raufend um die Beute
nennen andre gierige Tröpfe
und sich selber gute Leute.
Unaufhörlich sehn wir sie einander grollen
und bekämpfen. Einzig und alleinig
wenn wir sie nicht mehr ernähren wollen
sind sie sich auf einmal völlig einig.
Denn dann dreht das Rad sich nicht mehr weiter
und das heitre Spiel, es unterbleibt
wenn das Wasser endlich mit befreiter
Stärke seine eigne Sach betreibt.

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Kindheit

Da rinnt der Schule lange Angst und Zeit
mit Warten hin, mit lauter dumpfen Dingen.
O Einsamkeit, o schweres Zeitverbringen…
Und dann hinaus: die Straßen sprühn und klingen
und auf den Plätzen die Fontänen springen
und in den Gärten wird die Welt so weit –.
Und durch das alles gehn im kleinen Kleid,
ganz anders als die andern gehn und gingen –:
O wunderliche Zeit, o Zeitverbringen,
o Einsamkeit.
Und in das alles fern hinauszuschauen:
Männer und Frauen; Männer, Männer, Frauen
und Kinder, welche anders sind und bunt;
und da ein Haus und dann und wann ein Hund
und Schrecken lautlos wechselnd mit Vertrauen –:
O Trauer ohne Sinn, o Traum, o Grauen,
o Tiefe ohne Grund.
Und so zu spielen: Ball und Ring und Reifen
in einem Garten, welcher sanft verblaßt,
und manchmal die Erwachsenen zu streifen,
blind und verwildert in des Haschens Hast,
aber am Abend still, mit kleinen steife
Schritten nachhaus zu gehn, fest angefaßt -:
O immer mehr entweichendes Begreifen,
o Angst, o Last.
Und stundenlang am großen grauen Teiche
mit einem kleinen Segelschiff zu knien;
es zu vergessen, weil noch andre, gleiche
und schönere Segel durch die Ringe ziehn,
und denken müssen an das kleine bleiche
Gesicht, das sinkend aus dem Teiche schien –:
O Kindheit, o entgleitende Vergleiche.
Wohin? Wohin?

Rainer Maria Rilke

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

In der Stille

Wieviel Schönes ist auf Erden
Unscheinbar verstreut;
Möcht ich immer mehr des inne werden;
Wieviel Schönheit, die den Taglärm scheut,
In bescheidnen alt und jungen Herzen!
Ist es auch ein Duft von Blumen nur,
Macht es holder doch der Erde Flur,
wie ein Lächeln unter vielen Schmerzen.

Christian Morgenstern

Ich wünsche allen ein besonderes Wohlfühl-Wochenende mit Zeit für sich und andere.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Von freundlichen Büchermenschen und Begegnungen besonderer Art – Mein 2. Tag auf der Frankfurter Buchmesse 2016

Von freundlichen Büchermenschen und Begegnungen besonderer Art – Mein 2. Tag auf der Frankfurter Buchmesse 2016

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Freitag, 21.10.16

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Am Wochenende steht die große Bücherwelt allen offen. Die Besucher werden an diesen Tagen sicher in Scharen zu den Orten von geistigem Hochgenuss strömen.

Büchermenschen sind wohl allgemein friedliebende Zeitgenossen. Es verwundert vielleicht etwas, da es doch so viele Krimis und andere nicht immer gewaltfreie Literatur gibt.
Überall begegnen dem Besucher freundliche, offene und zuvorkommende Menschen. Ausnahmen sind eher selten. So manche Standbesetzung zeigt sich nicht immer kundenfreundlich, vor allem wenn sie nur mit sich selbst beschäftigt sind.
Viele der Besucher leiden offensichtlich unter einer besonderen Messekrankheit – der Tütenmanie. So viele Menschen mit so vielen Tüten jeglicher Art treffe ich nur auf der Buchmesse. Das Motto lautet wohl: Tütlein, Tütlein in der Hand, wer hat die schönste im Bücherland? Hier eine sehr subjektive Auswahl möglicher Tüten-Preisträger:

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Den 2. Tag widmete ich den Ehrengastländern Niederlande und Flandern. Ich war sehr gespannt auf den Pavillon und der Präsentation. Mir wurde ganz blau – bei so viel Meer und Menschen im blauen Licht. Irgendwie habe ich die Niederländer anders in Erinnerung. Ein Volk mit viel Humor und liebenswerten Eigenarten so darzustellen, erscheint mir dann doch eher fragwürdig. Ein Kontrast zum Ehrengastland Indonesien oder Island in den Jahren zuvor.

Hier einige Impressionen:

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Ich bin sehr gespannt, wie sich das Ehrengastland Frankreich im kommenden Jahr präsentiert.
Zum Schluss noch einige herzliche und kuschelige Impressioen.
Ich wünsche allen Noch-Messebesucher viele besondere Begegnungen, ob mit Büchern oder auch Büchermenschen.

Mit herzlichen wärmenden literarischen Grüßen

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Ihr/Euer
Gerd Taron

Alle Fotos: Gerd Taron

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Schlangen vor dem Signierzelt

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„Buchstabensalat“ auf dem Antiquariatsmarkt vor dem Eingang des Messegeländes

Von Büchern träumen – Literarischer Wochenendgruß vom 21.10.16

Von Büchern träumen – Literarischer Wochenendgruß vom 21.10.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

wie allen bekannt sein dürfte, findet in diesen Tagen in Frankfurt am Main einer der größten Büchermessen Europas statt. Das Buch übt bis heute auf sehr viele Menschen eine große Faszination aus. Das ist erfreulich, wenn das Buch als etwas Sinnhaftes erlebt wird.

Aber nicht nur eine große Bücherschau wie die Frankfurter Buchmesse zeigt dies. Es gibt Kleinode des Buches, wie die vielen Stadtbibliotheken in unserem Lande und in aller Welt beweisen. Dies wurde mir in dieser Woche beim Besuch zum 40 jährigen Jubiläum der Stadtbibliothek in Königstein im Taunus neu bewusst. Die heutige Leiterin Simone Hesse und ihr Team stellten mit der Mitbegründerin Hildegard Berberich eine kleine und unterhaltsame Zeitreise zusammen. Wie viele Bücher sind auf dieser Welt allein in diesem Zeitraum geschrieben worden?

Bücher können den Leser in eine eigene Phantasie-Welt entführen. Dabei spielt das Genre, sei es Roman, Gedichte, Märchen und andere keine Rolle. Wenn Menschen durch ein Buch oder besser durch mehrere Bücher eine andere Welt erfahren, können Träume Wirklichkeit werden.

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Eine Auswahl der Bestseller der letzten 40 Jahre – Stadtbibliothek Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.
Dort ist alles, was du brauchst,
Sonne, Stern und Mond,
Denn das Licht, wonach du frugst,
In dir selber wohnt.
Weisheit, die du lang gesucht
In den Bücherein,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt –
Denn nun ist sie dein.

Hermann Hesse

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Foto: Gerd Taron

„Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand,
entführt uns von einer Blüte zur nächsten
und lässt den Himmel ahnen.“
(Lao-Tse)

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Foto: Gerd Taron

Mit ungefähr acht Jahren erschien mir das Schreiben als das größte Wunder auf diesem Planeten. Wie konnte man mit den immer gleichen 26 Buchstaben so viele Türen zu so vielen fremden Welten öffnen? Es war mir unbegreiflich. Ich erinnere mich daran, wie ich die Tür zu meinem Kinderzimmer zuwarf, mich mit einer Ausgabe von Grimms Märchen auf den Knien in einen Sesselkauerte und mit Herzklopfen zu lesen begann. Kaum zu fassen, was diese Buchstaben in meinem Gehirn auszurichten vermochten und wie sie mich immer tiefer in eine Welt der sprechenden Pferdeköpfe, der Zwerge, Riesen und Prinzessinnen zogen. Wie konnte das sein? Es war doch bloß ein bisschen Fliegendreck auf weißem Papier.

Doris Dörrie

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Foto: Gerd Taron

Es war einmal…. ein kleiner Bücherengel und der lebte auf seiner weichen Schäfchenwolke… Es war ein frecher und sehr neugieriger Engel…. Manchmal lag es bäuchlings auf seiner Wolke und beobachtete munter die Menschen auf der Erde.
Der kleine Bücherengel liebte die Menschen und er wurde immer furchtbar betrübt, wenn er sah, dass Jemand traurig war.
Eines Tages kam ihm eine ganz wundervolle Idee….
Er flog zur Erde und setzte sich neben den bekümmerten Jungen, den er von seiner Wolke aus beobachtet hatte… Ohne ein Wort öffnete er ein Buch und las ihm eine Geschichte vor….
Mit jedem Wort und jeder weiteren Seite, erhellte sich die Laune des Jungen und am Ende der Geschichte, war er ganz gefangen von dieser Erzählung.
Und wenn er nicht gestorben ist, so fliegt der Bücherengel noch heute zu den Menschen und liest ihnen Geschichten vor, die ihre Seele berühren und sie glücklich machen.

Autor unbekannt

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Foto: Gerd Taron

Es gibt Begegnungen im Leben,
die voller Magie und Zauber sind,
selbst wenn sie zunächst nur aus
geschriebenen Worte bestehen.

Worte können voller Gefühl sein
Obwohl sie nur aus Buchstaben
zu sehen sind, die am Ende Werte
ergeben, fühlen wir auf einmal,
wie das Herz schneller schlägt,
ein Kribbeln im Bauch entsteht.

Solche Begegnungen sind oft
Noch magischer und zauberhafter
Als ein Aufeinandertreffen
Von Angesicht zu Angesicht.
Doch wie traumhaft wird es erst,
wenn die Träume den Erdboden
erreichen und wahr werden…

[© unbekannt]

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Foto: Gerd Taron

Novalis
aus “ Hymnen an die Nacht “
An Jeannette
Nimm meine Bücher, meine kleinen Reime,
Mein Häuschen hin, und sey zufrieden wie ich bin,
Nimm meinen sanften Schlummer, meine Träume,
So hold sie sind, auch hin.
Und wenn mir ja noch etwas übrig bliebe
Mein Becher, Kranz und Stab, so mag es deine seyn;
Doch willst Du mehr, mein Herz und meine Liebe?
Die sind schon lange dein.
Ich wünsche Ihnen ein Wochenende, in denen Sie vielleicht mal wieder ein Buch zum Träumen entdecken.

Mit traumhaft literarischen Grüßen

Ihr/Euer
Gerd Taron

Hinweis
Einige Informationen über Berichte von Veranstaltungen in den letzten Wochen, die Sie auf meiner WordPress-Seite nachlesen können:

Vom 1. Tag der Buchmesse am 19.10.16
https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2016/10/20/buecherwelten-oder-bitte-laecheln-mein-1-tag-auf-der-frankfurter-buchmesse-2016/

Vom literarischen Spaziergang am Frankfurter Hauptbahnhof am 16.10.16
https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2016/10/18/es-lebe-das-buch-unterwegs-mit-geschichten-und-anekdoten-rund-um-den-frankfurter-hauptbahnhof-anlaesslich-der-bevorstehenden-buchmesse/

Vom literarischen Erntedankfest-Spaziergang am Rettershof am 09.10.16
https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2016/10/13/erntedank-literarisch-erleben-bei-einem-spaziergang-rund-um-den-rettershof/

Bücherwelten oder Bitte lächeln – Mein 1. Tag auf der Frankfurter Buchmesse 2016

Bücherwelten oder Bitte lächeln – Mein 1. Tag auf der Frankfurter Buchmesse 2016

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Frankfurt am Main, 19.10.2016

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Der erste Besuchstag auf der Frankfurter Buchmesse mit vielen Eindrücken liegt hinter mir.

Einige dieser Eindrücke in kurzen Texten und Fotos soll dieser Bericht wiedergeben.

Es war ein Tag des Lächeln von lieben Ausstellern, Besuchern und Teilnehmern, von vielen Taschen, und vor allem von der großen Bücherwelt.
Nach erfolgreicher Aufbauhilfe mit meiner lieben Freundin und erfolgreichen Autorin Brina Stein (www.brina-stein.de ) am Stand des BVJA – Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e. V. (www.bvja-online.de )- nahm ich Papier, Stift und Kamera in die Hand.
Kurz nach der Eröffnung der Buchmesse begegneten mir die ersten Lächelnden, von denen esso viele an diesem Tag gab.

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Brina Stein mit dem Vorstandssprecher des BVJA – Tobias Kiwitt

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Nele Neuhaus – die Krimi-Queen aus dem Taunus

Dann begab ich mich in die große, weite Bücherwelt. Immer wieder traf ich sie – die Taschenbesitzer und die es vielleicht noch werden wollten:

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Schwer bepackt – was da wohl alles drin ist …

Unterwegs kam es immer wieder zu unverhofften und schönen Begegnungen, wie zum Beispiel mit Tim-Thiol Fellmer: Er setzt sich in besonderer Weise für die Alphabetisierung, nicht nur von Kindern, ein
http://ttf-verlag.de/index.htm

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Tim-Thilo Fellmer

Wer so viel unterwegs ist, hat dann auch eine kleine Pause verdient. An der „Frittenbud“, so wie wir Rheinländer zu sagen pflegen, gab es mit Brina Stein einer der „kulinarischen“ Genüsse des diesjährigen Gastlandes Niederlande und Flandern: Pommes. Da schlägt das Herz eines Rheinländers höher.

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An der „Frittenbud“ auf dem Innengelände der Buchmesse -. Foto: Brina Stein

Und wer zwischen durch eine Ruhepause benötigte, war am Stand des Verlages Bastei Lübbe gut bedient:

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Ruhesessel

Freunde schöner Bücher können diese vor allem in Halle 4.1 bewundern. Dort ist die Stiftung Buchkunst (http://www.stiftung-buchkunst.de/ )mit einem großen Stand vertreten. Aus 10 Vorschlägen dürfen die Besucher über das schönste Cover abstimmen. Das ist mein Favorit:

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Damit sollte es genügen. An meinem 2. Besuchstag gilt es weiteres zu erkunden und zu entdecken, insbesondere das Gastland Niederlande und Flandern.

Gerd Taron

Alle Fotos: Gerd Taron – mit Ausnahme des „Frittenbud-Fotos“: Brina Stein

Es lebe das Buch – Unterwegs mit Geschichten und Anekdoten rund um den Frankfurter Hauptbahnhof anlässlich der bevorstehenden Buchmesse

Es lebe das Buch – Unterwegs mit Geschichten und Anekdoten rund um den Frankfurter Hauptbahnhof anlässlich der bevorstehenden Buchmesse

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Foto: Gerd Taron

Frankfurt am Main, 16.10.16

Herrliches Wetter erwarteten die Teilnehmer zum letzten literarischen Spaziergang in diesem Jahr. Anlässlich der bevorstehenden Frankfurter Buchmesse gab es Geschichten und Gedichte rund um das Buch an ungewöhnlichen Orten zu hören und auch zu erleben.

Folgen Sie mir auf den einzelnen Stationen durch diesen herrlichen Herbstnachmittag mitten in Frankfurt.

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Foto: Sonja von Saldern

Station 1. Gleis 1 des Frankfurter Hauptbahnhofes

Zum Auftakt gab es hier die „Ode an das Buch“ von Pablo Nerufa:

Ode an das Buch

Buch, herrliches Buch, du winziger Wald, Blatt an Blatt, nach Urstoff duftet dein Papier, morgendlich bist du und nächtlich, kornhaft und ozeanisch, Bärenjäger füllen deine uralten Seiten, offenes Feuer am Mississippi, Kanus auf den Inseln, später Wege und Wege, Entdeckungen, Völker im Aufruhr, wie ein blutender verwundeter Fisch zuckend im Schlamm: Rimbaud, und die Schönheit der Brüderlichkeit, Stein um Stein erhebt sich das Menschenschloß, Schmerzen weben die Standfestigkeit, solidarische Taten, geheimes Buch von Tasche zu Tasche heimliche Leuchte, blutroter Stern.
Wir, die wandernden Dichter, erforschen die Welt, an jeder Tür empfing uns das Leben, wir nehmen teil am irdischen Kampf. Und was war unser Sieg? Ein Buch, ein Buch , menschlicher Berührungen voll, wimmelnd von Hemden, ein Buch ohne Verlassenheit, mit Menschen und Werkzeug, ein Buch ist der Sieg. Es gedeiht und fällt wie alle Früchte ab, nicht Licht nur birgt es, nicht Schatten nur, es verlischt und entblättert, geht in den Straßen verlohren, sinkt auf die Erde nieder. Dichtwerk von morgen, wiederum auf deinen Seiten sollst du Schnee haben und Moos, auf daß ihre Spuren einprägen Schritte und Augen: Von neuem beschreib uns die Welt, die Quellen im Dickicht, den Hochwald, die polaren Planeten, und auf den Wegen den Menschen, vorwärtseilend in der Wildnis, auf dem Wasser, im Himmel, in der nackten Meereseinsamkeit, den Menschen, der die letzten Geheimnisse enthüllt, den Menschen, heimkehrend mit einem Buch, den Jäger nach der Rückkehr mit einem Buch, den pflügenden Bauern, mit einem Buch.

Pablo Neruda

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Foto: Ira Lenski

Station 2: Behördenzentrum in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes

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Foto: Ira Lenski

Hier, oberhalb des Parks des Behördenzentrums, wo an Werktagen im Arbeits- und/oder Sozialgericht gestritten wird, las ich eine Geschichte aus dem Buch „Das Geheimnis der Bethmännchen und andere Frankfurter Merkwürdigkeiten“ von William Freiherr von Schröder. Das Buch erschien 1966 im Verlag Waldemar Kramer in Frankfurt.
In „Henri Estienne’s Lobschrift auf die Frankfurter Buchmesse“ konnten die Teilnehmer einen Rückblick auf das Geschehen im 15. und 16. Jahrhundert verfolgen. In der Frankfurter Buchgasse trafen sich damals die Gelehrten zum Austausch.

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Foto: Ira Lenski

Station 3: Im Westhafen

Größer konnte der Kontrast nicht sein: Mit Blick auf die kleinen Jachten und luxseriösen Wohnungen im Westhafen wurde eine Geschichte von George Orwell präsentiert: Erinnerungen an eine Buchhandlung. George Orwell erzählt darin von seiner Tätigkeit in einem Antiquariat in London und höchst merkwürdigen Kunden. Kunden, wie sie heute noch jede Buchhandlung kennt. Wie zum Beispiel eine alte Dame, die ein wunderschönes Buch gelesen hatte und sich aber nur noch an einen roten Einband erinnerte. Für den Buchhändler ist das doch kein Problem, es zu finden, oder?

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Foto: Ira Lenski

1973 erschien im „Verlag der Frau“ in Leipzig zu DDR-Zeiten ein Buch mit dem Titel „Rund um das Buch“. Darin werden amüsante Geschichten erzählt, wie zum Beispiel über Widmungen in Büchern oder über außergewöhnliche Lesezeichen.

Eine wahre Anekdote erlebte ein Kollege vor vielen Jahren. Bei einer Haushaltsauflösung flatterte plötzlich ein 50-DM-Schein aus einem Buch. Die Erben suchten dann weiter und fanden dann insgesamt 1000 DM. Der Opa hatte sein Haushaltsgeld in Büchern versteckt …
Mit einer weiteren Geschichte von Begegnungen im Buchladen von Ingrid Noll begaben sich die Teilnehmer zum Café Nussknacker in der Karlsruher Straße 5 in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs auf der Südseite

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Foto: Ira Lenski

Man geht normalerweise achtlos an dem kleinen Eingang vorbei und doch ist es ein Kleinod mitten im Gutleutviertel. Dort konnten sich bei Getränken und Kuchen austauschen. Es gab noch so manchen antiquarischen Schatz zu bewundern, wie zum Beispiel ein Stadtplan von Frankfurt aus dem Jahre 1958.

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Foto: Ira Lenski

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Foto: Gerd Taron

Ein wunderschöner Tag mit vielen sehr angenehmen Gesprächen und Begegnungen ging viel zu schnell zu Ende.

Gerd Taron

Hier die Öffnungszeiten des Café Nussknacker in der Karlsruher Straße %:
Montag und Dienstag geschlossen
Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 13 – 18 Uhr
Samstag von 11 – 18 Uhr
Sonntag von 14 – 18 Uhr

Bücher leben – Literarischer Wochenendgruß vom 14.10.16

Bücher leben – Literarischer Wochenendgruß vom 14.10.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in wenigen Tagen ist es soweit – die Bücherfreunde in nah und fern sind bereit. Die Frankfurter Buchmesse vom 19.10. – 23.10. lässt die Herzen höher schlagen. Im digitalen Zeitalter hat das Buch in seiner ursprünglichen Form noch immer eine Zukunft. Nicht nur für mich sind Bücher ein sinnliches und erlebbares Erlebnis. Ein Buch mit allen Sinnen zu erfassen ist und bleibt etwas Besonderes.

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Foto: Ira Lenski

Der Abend ist mein Buch. Ihm prangen
die Deckel purpurn in Damast;
ich löse seine goldnen Spangen
mit kühlen Händen, ohne Hast.
Und lese seine erste Seite,
beglückt durch den vertrauten Ton, –
und lese leiser seine zweite,
und seine dritte träum ich schon.

Rainer MariaRilke
Aus: Die frühen Gedichte

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Bücher sind eine höchst ergötzliche Gesellschaft. Wenn man einen Raum mit vielen Büchern betritt – man braucht sie gar nicht zur Hand zu nehmen – ist es, als würden sie zu einem sprechen, einen willkommen heißen.“

(William E. Gladstone )

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Gedanken- Welt..

Es wird geschrieben
und auch viel gedruckt,
zu nicht verständlichen Texten,
die gelesen,
doch niemals berühren.
Die Welt der Bücher,
bestehend aus Wissenschaft,
Magie und Verführung.
Es ist genug zu lesen da,
doch wird nicht alles so verstanden,
wie sie einst geschrieben wurden.
Zu viel Wissen
bleibt beachtlos liegen,
in den Regalen dieser Welt.
Verstaubt in Unwissenheit
und Überangebot,
in einer
von digitalen Bildern bestellten Welt.
Die Gedanken sind immer noch frei,
wenn der Mensch sich nicht
von falschen Gedanken
verführen lässt.
Die Worte,
sind noch immer die selben,
doch sie werden nicht mehr so verstanden.
Alles ist im Wandel,
doch die alten Bücher längst vergessen.
Sie verstauben in Regalen
und werden nicht mehr verstanden,
in dieser modernen Technik-Welt.
Doch es gibt sie noch
die Träumer und Phantasten
aus vergangenen Zeiten.
Sie lieben es
in Welten zu tauchen,
die sie selbst erschaffen,
mit ihren Augen berühren
und in Worten
und Bilder zu baden,
so wie sie es fühlen
und verstehen.
Es lebe das Buch
und die Gedanken
die in verstaubten Regalen dieser Welt
nur darauf warten,
gefunden, wiederbelebt
und gelesen zu werden.
Text : © Monika Heckh

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Foto: Gerd Taron

Liebt das Buch. Es wird euch freundschaftlich helfen,
sich im stürmischen Wirrwarr der Gedanke,
Gefühle und Ereignisse zurechtzufinden…
Maxim Gorki

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Foto: Gerd Taron

Ode an das Buch

Buch, herrliches Buch, du winziger Wald, Blatt an Blatt, nach Urstoff duftet dein Papier, morgendlich bist du und nächtlich, kornhaft und ozeanisch, Bärenjäger füllen deine uralten Seiten, offenes Feuer am Mississippi, Kanus auf den Inseln, später Wege und Wege, Entdeckungen, Völker im Aufruhr, wie ein blutender verwundeter Fisch zuckend im Schlamm: Rimbaud, und die Schönheit der Brüderlichkeit, Stein um Stein erhebt sich das Menschenschloß, Schmerzen weben die Standfestigkeit, solidarische Taten, geheimes Buch von Tasche zu Tasche heimliche Leuchte, blutroter Stern.
Wir, die wandernden Dichter, erforschen die Welt, an jeder Tür empfing uns das Leben, wir nehmen teil am irdischen Kampf. Und was war unser Sieg? Ein Buch, ein Buch , menschlicher Berührungen voll, wimmelnd von Hemden, ein Buch ohne Verlassenheit, mit Menschen und Werkzeug, ein Buch ist der Sieg. Es gedeiht und fällt wie alle Früchte ab, nicht Licht nur birgt es, nicht Schatten nur, es verlischt und entblättert, geht in den Straßen verlohren, sinkt auf die Erde nieder. Dichtwerk von morgen, wiederum auf deinen Seiten sollst du Schnee haben und Moos, auf daß ihre Spuren einprägen Schritte und Augen: Von neuem beschreib uns die Welt, die Quellen im Dickicht, den Hochwald, die polaren Planeten, und auf den Wegen den Menschen, vorwärtseilend in der Wildnis, auf dem Wasser, im Himmel, in der nackten Meereseinsamkeit, den Menschen, der die letzten Geheimnisse enthüllt, den Menschen, heimkehrend mit einem Buch, den Jäger nach der Rückkehr mit einem Buch, den pflügenden Bauern, mit einem Buch.
Pablo Neruda:
Nehmen Sie sich an diesem Wochenende Zeit für ein besonderes Buch, dass Sie schon immer mal lesen wollten oder Sie in früheren Zeiten besonders berührt hat.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Ein Veranstaltungshinweis: Anlässlich der bevorstehenden Buchmesse führe ich ein Buchmessen-Spaziergang durch:
Sonntag, 16.10.2016 – 14:00 Uhr – Ende: ca. 15:30 Uhr
Es lebe das Buch – Literarischer Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof
Treffpunkt des Spaziergangs: Frankfurt Hauptbahnhof, am Gleis 1, Nebenausgang Mannheimer Straße
Kostenbeitrag: 5 Euro
Den Spaziergängern erwarten Geschichten und Gedichte rund um das Buch – manch antiquarische Rarität wird auch präsentiert.
Zum Abschluss kann man den Nachmittag gemütlich im Café Nussknacker (Karlsruher Str. 5) direkt in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes an der Südseite ausklingen lassen.

Weitere Einzelheiten können Sie diesem Link entnehmen:
https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2016/10/13/es-lebe-das-buch-stationen-eines-literarischen-spazierganges-im-vorfeld-der-frankfurter-buchmesse/

Es lebe das Buch – Stationen eines literarischen Spazierganges im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse

Es lebe das Buch – Stationen eines literarischen Spazierganges im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse

Sonntag, 16.10.16 ab 14 Uhr rund um den Frankfurter Hauptbahnhof

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Foto: Gerd Taron

Bald ist es wieder soweit. Vom 19.10. bis 23.10.16 öffnet die Frankfurter Buchmesse wieder ihre Pforten.
Dies ist der Anlass für den letzten literarischen Spaziergang in diesem Jahr.

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Foto: Gerd Taron

Viele Buchmessen-Besucher werden mit der Bahn anreisen und am Frankfurter Hauptbahnhof ankommen. Von dort geht es per pedes oder mit der U-Bahn oder mit der Straßenbahn zum Messegelände.

Es ist ein idealer Treffpunkt, um hier den literarischen Spaziergang zu beginnen.

Den Spaziergängern erwarten Geschichten und Gedichte rund um das Buch – manch antiquarische Rarität wird auch präsentiert.
Zum Abschluss kann man den Nachmittag gemütlich im Café Nussknacker (Karlsruher Str. 5) direkt in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes an der Südseite ausklingen lassen.

Nachstehend noch einmal die wichtigsten Fakten:
Sonntag, 16.10.2016 – 14:00 Uhr – Ende: ca. 15:30 Uhr

Es lebe das Buch – Literarischer Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof

Treffpunkt des Spaziergangs: Frankfurt Hauptbahnhof, am Gleis 1, Nebenausgang Mannheimer Straße

Kostenbeitrag: 5 Euro

Ich freue mich auf ein Wiedersehen und/oder Kennenlernen

Ihr/Euer
Gerd Taron

Und wer vorab ein paar Impressionen des Spazierganges an manch ungewöhnlichen Orten bekommen möchte, hier sind sie:

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Treffpunkt Gleis 1 Frankfurt Hauptbahnhof- Nebenausgang Mannheimer Straße – Foto: Gerd Taron

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Gleis 1 Frankfurt Hauptbahnhof – Foto: Gerd Taron

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Behördenzentrum in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes – Foto – Gerd Taron

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Am Westhafen – Foto Gerd Taron

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Eingang Café Nussknacker, Karlsruher Str. 5 – Foto: Gerd Taron

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Café Nussknacker von innen betrachtet – Foto: Gerd Taron

Erntedank literarisch erleben – bei einem Spaziergang rund um den Rettershof

Erntedank literarisch erleben – bei einem Spaziergang rund um den Rettershof

Ein Rückblick auf das Erntedank- und Handwerkerfest

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Kelkheim-Fischbach, 09.10.16

Es ist eine liebgewonnene Tradition: Das Erntedank- und Handwerkerfest am 2. Sonntag im Oktober am Rettershof. Wie jedes Jahr wurde auch diesmal ein reichhaltiges Programm geboten. Es war für jeden Geschmack etwas dabei. Vom leckeren Flammkuchen des Romantik Hotel Schloss Rettershof über köstliche Apfelgetränke des Obstbau- und Kleingartenvereins Fischbach, Kürbissuppe und der traditionellen Bratwurst.

Aber nicht nur kulinarische Genüsse wurden geboten, sondern auch das kulturelle Programm war sehr vielfältig. Von Reitvorführungen, einer Kräuterführung sowie alte Handwerkskunst wie die Schmiede lockten viele Besucher.

Ein herzliches Dankeschön gilt der Gutsverwaltung Rettershof und den vielen Helfern, ohne ein solches Fest gar nicht möglich gewesen wäre.

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Die Kinderbuchautorin Birgit Gröger aus Kelkheim las Kindern aus ihren Büchern vor. – Foto: Gerd Taron

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Treffpunkt „Unter der Linde“ am Rettershof – Foto: Gerd Taron

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Foto: Ira Lenski

Auf Einladung der Gutsverwaltung Rettershof führte ich wieder auf literarischen Wegen rund um den Rettershof. Mit Gedichten und Geschichten zum Erntedank im Gepäck begann der Spaziergang „Unter der Linde“, dem traditionellen Treffpunkt am Rettershof.
Sie können diesen Spaziergang in kurzen Texten und Fotos ein wenig begleiten.

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Foto: Gerd Taron

Vom Treffpunkt ging es hinaus zu einer Wegkreuzung, wo sich 4 Wege aus Himmelsrichtungen kreuzen Fischbach/Ruppertshain/Schneidhain/Rettershof)

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Foto: Gerd Taron

Am Romantik Hotel Schlosshotel Rettershof gab es eine literarische Zwischenstation. über Stufen ging es hinab zum Festgelände.

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Foto: Gerd Taron

An der Kelterei der Obstbau- und Kleingartenvereins Fischbach vorbei gab es an einem alten Torbogen einen weiteren literarischen Halt.

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Foto: Gerd Taron

Der literarische Spaziergang endete am „Liebespfad“ beim Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“

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Foto: Gerd Taron

Zum Schluss ein herzliches Dankeschön allen interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr ein Wiedersehen. Es würde mich freuen.

Gerd Taron

Einer der Texte, die den Teilnehmern besonders gefielen, sei hier aufgeführt:

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Foto: Gerd Taron

Passend zur Predigt von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel über das Brot:

DAS BROT

Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, dass die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild’,
sich kaum besinnt und fast vergisst,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge bass gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

Ernte und Dank – Literarischer Wochenendgruß vom 07.10.16

Ernte und Dank – Literarischer Wochenendgruß vom 07.10.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

die Natur verändert sich in diesen Tagen auf ihre Weise und bereitet sich auf den Winter vor. Auf den Feldern ist die Ernte nun eingefahren und in die Scheunen gebracht.

Es bereitet mir immer wieder große Freude, den Wechsel der Jahreszeiten bewusst zu erleben, sei es bei einem Spaziergang oder auf andere Weise. Die schöne Landschaft hier im Taunus (und sicher auch anderswo) lädt dazu ein.

Am kommenden Sonntag findet traditionell bei uns auf dem Rettershof im Taunus wieder das Erntedank- und Handwerkerfest. .Dort kann man alte Handwerkskunst direkt erleben, z. B. in der Schmiede. Kulinarische Genüsse, wie frisch gekelterter Apfelwein, Honig und anderes mehr werden präsentiert und können gekostet werden.

Wir dürfen dankbar dafür sein, dass sich jedes Jahr viele fleißige Menschen um unsere Nahrung kümmern, sei es der Bauer oder die Bäuerin und die vielen Erntehelfer. Danken wir den Bauern und den Erntehelfern für ihre oft mühsame Arbeit auf den Feldern, in den Streuobstwiesen, im Weinbau oder anderswo.

Die nachfolgenden Texte und Fotos mögen dazu beitragen.

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Foto: Christina Eretier

Vor Jahren half mir Jim Roh, einer meiner ersten Mentoren, mein Leben mit Hilfe von Jahreszeiten- Metaphern aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wenn die Dinge nicht so laufen, wie man es sich wünscht, denken viele: „Ich bin immer vom Pech verfolgt.“ Ich sage mir statt dessen: „Das Leben hat seine Jahreszeiten; und jetzt ist für mich gerade Winter.“ Und was folgt auf den Winter? Der Frühling! Die Sonne scheint wieder, man friert sich nicht mehr zu Tode, und urplötzlich ist die Zeit für die neue Aussaat gekommen. Sie beginnen, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, das wiedererwachte Leben, das allenthalben wächst und sprießt. Dann naht der Sommer. Es ist heiß; Sie müssen Ihre kleinen Sämlinge pflegen und gießen, damit sie nicht verdorren. Dann kommt der Herbst, und Sie müssen die Ernte einbringen. Manchmal fällt sie nicht so reich aus, wie Sie hoffen durften – vielleicht hat ein Hagelsturm einen Teil Ihrer Feldfrüchte vernichtet. Aber wenn Sie Vertrauen in den ewigen Kreislauf der Jahreszeiten haben, dann wissen Sie, daß Sie bald eine neue Chance erhalten.

Anthony Robbins, amerik. Topmanager, Unternehmens- u. Politikerberater

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Foto: Gerd Taron – am Rettershof

Ernte

Es ist Ernte,
dass wir einander noch haben.
Es ist Ernte,
die Münzen der Minuten und Stunden
noch ausgeben zu können.
Es ist Ernte
durch unsere gegenseitige Gegenwart
die Zeit zu schmecken wie Schwarzbrot.
Wir haben Samen ausgestreut,
manchmal ängstlich und mit zitternder Hand
und dann wieder so,
als gehörte uns schon die goldene Ernte.
Wir haben nicht gewusst,
ob die Saat aufgehen würde,
oder was wir ernten würden,
aber wir haben nicht aufgegeben.
Ich suche jetzt deine Augen häufiger,
als wolle ich mich vergewissern,
dass auch du die Dichte der Ernte erlebst.
Unser Glück tritt aus dem Sinn hervor,
den wir allem geben.

Ulrich Schaffer

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Foto: Gerd Taron – am Rettershof

Erntefest

Wagen auf Wagen schwankte herein,
Scheune und Böden wurden zu klein:
Danket dem Herrn und preist seine Macht,
glücklich ist wieder die Ernte vollbracht.

Hoch auf der Fichte flattert der Kranz,
Geigen und Brummbaß laden zum Tanz;
leicht wird das Leben trotz Mühe und Plag,
krönet die Arbeit ein festlicher Tag.

Seht ihr der Kinder fröhliche Schar,
blühende Wangen, goldlockiges Haar?
hört ihr sie jubeln? O liebliches Los,
fällt ihnen reif doch die Frucht in den Schoß!

Wir aber furchen, den Pflug in der Hand,
morgen geschäftig aufs neue das Land;
ewig ja reiht, nach des Ewigen Rat,
Saat sich an Ernte und Ernte an Saat.

Autor: Julius Sturm

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Foto: Gerd Taron – am Rettershof

Der Erntewagen

Nun des Tages Gluten starben,
Mischen alle zarten Farben
Sich am Himmel golden klar.
In die Helle seh‘ ich ragen
Einen hohen Erntewagen,
Den umeilt der Schnitter Schaar.
Dunkle Arbeit lichtumgeben!
Nächtige Gestalten heben,
Schichten letzte Garben leis,
Und des Abends Feierstunde
Schmückt mit heilig goldnem Grunde
Müder Arme späten Fleiß.

Conrad Ferdinand Meyer

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Foto: Anne M. Pützer

Vorsorgen für den Winter.
Denk an die kommende, späte Zeit.
Hast du vorgesorgt für den Winter?
Dein Herzens- Feld hattest du gut bestellt.
Manches Unwetter und Schädlinge
haben es bedroht,
und dich nieder gedrückt.
Doch du hast dich immer wieder
aufgereckt – der Sonne entgegen gestreckt.
Die wenigen warmen Tage taten gut.
Du fingst an, Früchte zu entwickeln,
die du sorgsam behütet hast,
bis du sie,
nach sehr langer Reifezeit,
mit Freuden ernten konntest.
Nun denkst du an den Winter,
der bald naht.
An Herzens- Öfen,
an denen du dich wärmen kannst.
Hast du genug Material gesammelt,
um viele kleine Feuer
für eine Zeit lang
brennen zu lassen?
Hast du vorgesorgt für den Winter?

(Anne M. Pützer)

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,
mußt es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.
Christian Morgenstern

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

ERNTE-GEDANKEN

Wenn ich danke
für meine reiche Ernte- dann möchte ich auch daran denken,
dass jede Sekunde auf unserer Erde
ein kleines Kind an Hunger zugrunde geht.

Wenn ich danke
für meinen Arbeitsplatz- dann möchte ich auch an die denken,
die vor dem Arbeitsamt Schlange stehen.

Wenn ich danke
für meine Gesundheit- dann möchte ich auch an die denken,
die mit der Diagnose „Unheilbar“
auf ihren Tod warten.

Wenn ich danke
für meinen Erfolg und meine Kraft- dann möchte ich auch an die denken,
die keine Chance haben,
die die Verzweiflung zu Alkohol und Drogen treibt,
weil vielleicht gerade ich kein offenes Ohr
für sie hatte.

Wenn ich danke
für mein ruhiges Gewissen- dann möchte ich auch an die denken,
die ich aus Selbstgefälligkeit gar nicht mehr sehe

Weil Danken von Denken kommt

Autor unbekannt

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende voller Dankbarkeit

Ihr/Euer
Gerd Taron

PS: Beim erwähnten Erntedank- und Handwerkerfest am Sonntag, 09.10. führe ich einen literarischen Erntedank-Spaziergang. Beginn ist um 12:45 Uhr – Treffpunkt „Unter der Linde“
Darüber hinaus gibt es ein reichhaltiges Programm mit Kräuterführung, Reitführung, Geschichten für Kinder usw. Viele Stände laden zu kulinarischen Köstlichkeiten ein.