Und es ward Herbst – Literarischer Wochenendgruß vom 23.09.16

Und es ward Herbst – Literarischer Wochenendgruß vom 23.09.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

das Jahr schreitet weiter fort. Der Herbst hat laut Kalender Einzug gehalten. Dies ist Anlass für eine „klassische“ Herbst-Ausgabe mit schönen Texten und Fotos über diese Jahreszeit.

Ich wünsche Ihnen beim Lesen und Betrachten viele wohlige entspannte Momente.

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Laub, das in dem Lichte rollt –
golden auf dem Strom der Lebens
rauscht des Jahres letzter Sold,
leblos, fahl, ein stumpfes Gold,
rollt im Wind vergebens,
hierhin, dorthin, ungewollt –
flücht’ge Spreu des Lebens.

© Dr. Carl Peter Fröhling

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Das Mädchen und der Schmetterling

„An einem kühlen Herbstmorgen ging ein kleines Mädchen mit ihrem Großvater in dessen Garten, um das Laub zusammenzukehren. In der Wassertonne, die geleert werden sollte, fand sie einen leblosen bunten Schmetterling auf der Wasseroberfläche treiben.
Seine beiden Flügel waren zusammengelegt, sodass sich eine genügend große Tragfläche ergab, die ein Absinken wohl verhindert hatten.
Das Mädchen hatte ein weiches Herz und nahm zuerst den Falter vorsichtig mit ihrer Hand aus dem Wasser, bevor sie das Wasser ausschüttete, um genau nach ihm sehen zu können. Er war für sie wunderschön und es tat ihr leid, dass er in die Tonne gefallen war.
Sie setzte ihn vorsichtig auf ein Stück Holz, das von der Morgensonne beschienen wurde.
Im Laufe des Vormittags bemerkte sie, dass die Sonne ihm gut zu tun schien, da er seine Flügel wieder öffnen konnte. Zur Mittagszeit war er dann verschwunden.
Ein paar Tage später spielte die Kleine wieder bei ihrem Großvater im Garten, als sie ein wunderhübscher Schmetterling umkreiste, sich schließlich auf ihr Knie setzte und nach ein paar Momenten wieder der Sonne entgegen flog.
Sie freute sich, ihn wieder zu sehen. Für sie war es „ihr Schmetterling“, der sich auf seine Weise für ihre Hilfsbereitschaft bedanken kam.“

Text: Verfasser mir unbekannt

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Foto: Gerd Taron – Am Rettershof im Taunus

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

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Foto: Bettina Johl

Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,
jeder Morgen Abend werden
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren,
Halte Blatt, geduldig still,
wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.

Hermann Hesse

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Foto: Gerd Taron – Am Rettershof im Taunus

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

Die Zweig‘ und Äste durch mit frohem Rauschen
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

d. 15ten Nov. 1759.

Friedrich Hölderlin (Späteste Gedichte)

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
Jedem Welken und Blühn.
Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist’s dem Schauenden nur
Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt

Emanuel Geibel

Genießen Sie die wundervollen Farben des Herbstes, nicht nur an diesem ersten Herbst-Wochenende.

Ihr/Euer
Gerd Taron

PS: Bei meinem literarischen Herbst-Spaziergang am Sonntag, 02.10.16 ab 15 Uhr am Rettershof im Taunus können Sie einige dieser Gedichte in freier Natur hören und erleben.

Oktober-Impressionen – Literarischer Wochenendgruß vom 18.10.13

Liebe Literatur- und Fotofreunde,

 die Jahreszeit schreitet weiter fort – es ist Mitte Oktober. Die Natur zeigt sich von ihrer farbenprächtigen Seite. Zeit inne zu halten, um die Schönheit der Natur zu genießen

Mit den Fotos von Marina Rupprecht und Gedichten von bekannten und weniger bekannten Autorinnen und Autoren, möchte dieser Wochenendgruß in diesen Oktobertagen begleiten.

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Am fernen Horizont,
da ist ein Licht,
Das hat mir über Tag
den Weg gezeigt.
Es ließ mich schönes und hässliches
sehen und erleben.
Ich tat meine Pflichten,
war hilfreich und loyal.
Erkannte, wie täglich,
die Abbiegespur…
und ging doch dran vorbei.
Einen Tag noch, nur noch einen weiteren,
will ich´s versuchen,
allem Unbill zum Trotz.
Meine Sturheit,
Segen und Fluch.
Will ein Glück erzwingen,
wo es vielleicht nur Tränen gibt.
Find immer noch einen Grund,
den Weg weiter zu gehen.
Tu ich´s für mich,
tu ich´s für die anderen?
Ausreden suchen,
um mich zu bestrafen.
In der Ferne,
da geht wie jeden Abend die Sonne unter
und ich schwöre mir,
morgen…ja morgen,
da fängt alles neu und besser an.
Da will ich mal an mich,
an mein Glück
denken.

A.M.Pützer

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Herbst…

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

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Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub,

Schenk’ ein den Wein, den holden!

Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,

Unchristlich oder christlich,

Ist doch die Welt, die schöne Welt,

So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz, –

Stoß an und lass es klingen!

Wir wissen’s doch ein rechtes Herz

Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub,

Schenk’ ein den Wein, den holden!

Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden!

Theodor Storm

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Herbstliche Schleier

wehen übers Land

Herbstliche Blätter

Fallen in den Sand

Wundersame Farben

leuchten gelb und rot

Du bist weggegangen

doch Liebe ist nicht tot

Buntgefärbte Blätter

Tragen sie nur fort.

Martha Keiser

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Wenn du dich nicht fallen lässt,

kannst du nicht erfahren, dass du getragen wirst.

 

Autor unbekannt

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Blätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her …

Ein unabsehbar Blättermeer

entperlt dem Netz die Zweige.

Du aber, dessen schweres Herz

mitklagen will den großen Schmerz –

sei stark, sei stark und schweige!

Du lerne lächeln, wenn das Laub,

dem leichteren Wind ein leichtes Raub,

hinabschwankt und verschwindet.

Du weißt, dass just Vergänglichkeit

das Schwert, womit der Geist der Zeit

sich selber überwindet.

Christian Morgenstein

Ich wünsche Ihnen ein „goldenes“ Oktober-Wochenende. Genießen Sie wenn irgendwie möglich die Farben, die uns die Natur in dieser Jahreszeit bietet.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Alle Fotos: Marina Rupprecht – Wiedergabe nur mit Genehmigung gestattet

PS: Ich darf Sie herzlich einladen zur ersten Veranstaltung aus der Reihe „Oasen der Stille“

Am Samstag, 19.10.2013 von 15:00 Uhr bis ca. 17:00 Uhr

Mit (fast) allen Sinnen – Orte der Stille rund um den Rettershof – Zur Ruhe kommen

 

Treffpunkt: Parkplatz am Rettershof (Einfahrt von der B 455 zwischen Königstein und Kelkheim-Fischbach)

 

Kostenbeitrag: 5 Euro

 

Rund um den Rettershof werden Oasen der Stille aufgesucht – sei es zum Hören zum Sehen oder nur einfach zum Stille werden.

 

Mit Literatur durch den Ort „wandern“ – Höchster Kreisblatt vom 05.09.13

 

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Treffpunkt am Hanseklingerbrunnen: Dort startete Gerd Taron (links) seinen ersten Literaturspaziergang. Foto: Nietner

Mit Literatur durch den Ort „wandern“

Von Melanie Taylor

Der erste Spaziergang von Gerd Taron war zwar nur spärlich besucht – davon lässt sich die Antiquar aber nicht entmutigen.

Fischbach. 

Literatur, Texte und Gedichte schaffen Bilder und Welten mit Sprache. Was passiert aber, wenn Literatur an unterschiedlichen Orten gelesen wird? Welche Auswirkung hat die Stimmung dort auf die Phantasie? All diese Fragen konnten die Teilnehmer des ersten literarischen Spaziergangs für sich beantworten. Unter der Leitung von Gerd Taron ließen sich fünf Bücherwürmer auf ein kleines Abenteuer ein, bei dem sie passend zum Titel der Veranstaltung – „Vom Wasser, vom Herbst und vom Brot“ – an verschiedenen Stationen in Fischbach halt machten.

Was ihn an diesem Abend allerdings erwarten würde, das wusste keiner der Teilnehmer so recht. „Für mich ist das heute ein Experiment“, erklärte ein Fischbacher mit leuchtenden Augen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ein spontaner Impuls hatte Astrid Neuber zur Teilnahme verleitet. „Ich habe es zufällig in der Zeitung gelesen“, erklärt sie. Und weil sie heute mal „frei von der Familie habe“, sei sie mitgekommen.

Psalm und Gedicht

Das Besondere war, dass Gerd Taron eine Mischung aus Texten bekannter und eher unbekannten Autoren herausgesucht hatte. Neben einem Psalm aus der Bibel, las er Gedichte von Heinrich Heine aber auch von unbekannten Freizeit-Schriftstellern vor, die ihm Texte zugeschickt hatten. Mit dem kleinen Spaziergang vom Hanseklinger-Brunnen zum Taunus-Brunnen, dem Wegekreuz oberhalb der Behringstraße bis hin zur katholischen Dreifaltigkeitskirche, wollte Taron alle Sinne mit einbinden. „Es ist eine Einstimmung auf das Wochenende mit literarischen Texten“, erklärte Gerd Taron. Der Buchhändler weiß, dass sich viele gerne bewusst von Worten entführen lassen. Die Menschen hätten überdies ein Bedürfnis nach positiven und stärkenden Gedanken, erläuterte er. Deshalb habe er ermutigende Texte ausgesucht, die nahe an der Natur und dem natürlichen Erleben seien. So komme dem Wasser vielfältige Bedeutungen zu. Es stehe etwa für den Quell des Lebens.

Dass Texte – weil sie Gedanken anderer sind, und uns damit mit der Welt verbinden – auch Kraft spenden können, beweist etwa das Gedicht „Desiderata“ von Max Ehrmann. Hierin gibt er dem Leser in Formeln Ratschläge zu einem guten Leben. Er rät etwa dazu, keine Gefühle vorzutäuschen, freundlich zu sich selbst zu sein: „Genau wie die Bäume und Sterne – so bist auch du ein Kind des Universums.“

Literarische Spaziergänge will Taron nun häufiger anbieten. Dass beim ersten Mal nur eine handvoll Teilnehmer mitgelaufen sind, bedauere er nicht. Vielmehr brauche so etwas seine Zeit, bis es bekannter würde, sagte der Fischbacher Antiquar.

Erlebnistag geplant

Der nächste literarische Spaziergang ist für Freitag, 20.  September, angesetzt. Los geht es um 18 Uhr am Rettershof in Fischbach. Überdies kündigte Taron bereits jetzt den Eppenhainer Literatur-Erlebnistag an. Hier will er gemeinsam mit der Autorin Karin Schmitt am Donnerstag, 3.  Oktober, einige Überraschungen für Leseratten vorbereiten. Details wollte er allerdings noch nicht verraten.

Artikel vom 05.09.2013, 03:00 Uhr (letzte Änderung 05.09.2013, 02:47 Uhr)