Gemeinschaft erleben – Literarischer Wochenendgruß vom 29.04.16

Gemeinschaft erleben – Literarischer Wochenendgruß vom 29.04.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

der untenstehende Text von Ortrud Püttmann erreichte mich zu Beginn dieser Woche. Er hat mich bewegt und berührt und zum Thema des neuen Wochenendgrußes geführt.

Wir leben in einer egoistischen Welt. Jeder lebt sein Leben. Es geht nur um mich, um meine eigenen Interessen, um mein Wohlbefinden. Was interessieren mich die Menschen um mich herum. Doch viele spüren, dass eine Gemeinschaft mit anderen Menschen das eigene Leben doch bereichern kann.

Ich erlebe in meinem eigenen Umfeld viele positive Beispiele, wo Gemeinschaft von Menschen erlebbar wird. In der realen Begegnung mit anderen Menschen entstehen neue Impulse für mein Leben und machen es wertvoll.

Gedankenanstöße über Gemeinschaft finden Sie wieder in den nachstehenden Texten und in den Fotos von Hans Joerg Kampfenkel und Marina Rupprecht.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Gerade noch blühten die Tulpen im Garten,
dann schneite es und nun lassen sie die Köpfchen hängen.
Aber doch gaben sie in den paar Tagen ihrer Blüte alles.
Sie glänzten in der Sonne, wiegten sich im Winde.
Die Vögel zwitschern morgens die schönsten Lieder,
völlig egal, was sonst noch so los ist.
Die Kraniche fliegen immer in Formation,
warten, wenn einige nicht hinterher kommen.
Die Bienen fliegen von Blüte zu Blüte,
saugen und saugen,
und bringen die Erträge ihrem Volk.
Die Ameisen tragen die schwersten Lasten,
bauen und bauen für die Gemeinschaft.
und…und
SCHNELLER, BESSER, SCHÖNER, KLÜGER, REICHER,……
dachten, denken, handeln,
die Menschen.
Seit ewigen Zeiten sehen wir uns in Konkurrenz zum anderen,
wurden von Anfang an so erzogen,
weil es unsere Eltern, Erzieher, Lehrer etc.
auch nicht anders wussten.
ABER diese Zeiten neigen sich mehr und mehr dem Ende
entgegen.
An allen Orten auf der Erde entstehen Gemeinschaften,
fangen die Menschen an, global zu denken und zu handeln,
werden Bäume gepflanzt, wo die Gier sie an anderer Stelle abholzt.
Samenkörnchen um Samenkörnchen steckt sein Köpfchen aus der Erde.
Unsere Absicht zählt!
Unsere Absicht
für ALLE,
für den PLANETEN,
für die LIEBE!
Die Zeiten des
ICH WILL…ICH…ICH…ICH….ICH…ICH…
sind vorbei!

Ortrud Püttmann

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

So wie die Bäume,
in Gruppen stehend,
so tragen und halten
sich auch die Menschen
in kleinen Gemeinschaften.
(Anne M. Pützer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Der Mensch für sich allein vermag gar wenig und ist ein verlassener Robinson, nur in der Gemeinschaft mit den andern ist und vermag er viel.
Arthur Schopenhauer (1788 – 1860), deutscher Philosoph

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

In einer wahren Gemeinschaft jedoch sind alle arm und reich zugleich: reich weil alle das haben, was sie brauchen, arm, weil keiner etwas besitzt, zugleich dienen sie nicht den Sachen, sondern die Sachen ihnen.
Tomasso Campanella 1568 – 1639), bürgerlich: Giovanni Domenico, italienischer Philosoph, Dominikaner, Dichter und Politiker
Quelle: »Sonnenstadt«, 1602

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

In jedem Gemeinschaftserlebnis schmecken wir etwas von dem Wunder und der Jugend des ersten Schöpfungstages.
Gerhard von Mutius (1872 – 1934), deutscher Diplomat

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Ich träume davon
daß einmal jeder Mensch
der sich nach Freiheit sehnt
frei sein wird
frei von inneren und äußeren
Zwängen
und er sein Leben
das ihm anvertraut ist
auch leben kann
ich träume von einer Welt
in der nicht mehr der
als schwach gilt
der seine Gefühle
Ängste und Schmerzen
offen zugibt
ich träume
von einer Gesellschaft
in der sich der Einzelne
empfindsam
und voll Mitgefühl
geben kann
ohne dafür verachtet
verspottet und ausgegrenzt
zu werden
ich träume davon
daß wir einmal dahin kommen
daß wir die Sehnsucht
des anderen
frei zu sein
zu unserer eigenen Sache
erklären
und ihm helfen
Türen zu öffnen
ich träume davon
daß uns die Probleme
und Sorgen
unserer Mitmenschen
nicht mehr gleichgültig sind
und uns für sie öffnen
und ihnen mit Tat
und Kraft
zur Seite zu stehen
Ich träume von einer Welt
in der Kinder und Erwachsene
keine Angst mehr
vor Gewalt
und Terror
haben müssen
ich träume davon
daß wir eines Tages
den Mut haben
liebevoll und
ehrlich miteinander
umzugehen
wie nur Kinder
es uns in ihrem
grenzenlosen Vertrauen
vorleben
ich träume davon
daß alle Kälte und
Unmenschlichkeit
aus unseren Herzen
verbannt wird
und wir endlich begreifen
was es heißt
MENSCH zu sein
Gudrun Kropp

Zu Beginn des neuen Monats Mai wünsche ich Ihnen, dass Sie viele wunderbare Erlebnisse in der Gemeinschaft mit lieben Menschen haben.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Veranstaltungshinweis:
Sonntag, 01.05. – 15 Uhr – Literarischer Spaziergang – Rund um den Rettershof
Thema: Der Mai ist gekommen Geschichten und Gedichte rund um den Wonnemonat Mai
Treffpunkt: Unter der Linde am Rettershof
Kostenbeitrag: 5 Euro

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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Veranstaltungen Mai 2016 – Taron-Antiquariat – Bücher und mehr

Der Mai ist gekommen

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Liebe Kulturfreunde in nah und fern,

auch wenn uns das derzeitige Aprilwetter eher an November erinnert – der Mai steht vor der Tür und bittet um Einlass.

Mit einem literarischen Spaziergang am 01. Mai werden die Veranstaltungen fortgesetzt.

Unter dem Motto „Der Mai ist gekommen“, der Text stammt vom deutschen Lyriker Emanuel Geibel, geht es in den Wonnemonat Mai.

Einzelheiten und weitere Höhepunkte finden Sie nachstehend:

Sonntag, 01.05. – 15 Uhr – Literarischer Spaziergang – Rund um den Rettershof
Thema: Der Mai ist gekommen Geschichten und Gedichte rund um den Wonnemonat Mai
Treffpunkt: Unter der Linde am Rettershof
Kostenbeitrag: 5 Euro

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Wochenmarkt in Eppstein/Taunus – Foto: Gerd Taron

Freitag, 06.05.. – 14 – 17 Uhr – Büchermarkt auf dem Wochenmarkt in Eppstein
Mit literarischen Spaziergang ab 17:30 Uhr rund um die Altstadt und Burg Eppstein

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Freitag, 13.05.. – 19:30 Uhr – Früher war alles besser …?
Zum fröhlichen Landmann, Kelkheim-Fischbach, Rettershof
Ein literarischer Abend aus alten Zeiten, wo angeblich alles besser war, oder doch nicht?
Aus alten Original-Büchern lese ich Passagen über Kultur und Gesellschaft wie es vor Zeiten mal war und auch heute noch aktuell ist. In 90 kurzweiligen Minuten stehen Themen wie Ernährung, Mode, Wohnkultur in Wort und Bild, sowie Reisen im Vordergrund. Die Liebe und die Romantik darf da auch nicht fehlen.
Paul Pfeffer und Christina Eretier werden diese Veranstaltung musikalisch begleiten und den Verlag Edition Pauer vorstellen.
In der Pause und nach dem Programm gibt es alte Bücher zum Anfassen und stöbern und auch zu kaufen, wer mag.
Eintritt: 5 Euro

Sonntag 22.05. – 12 – 18 Uhr – Kelkheimer Stadtmarkt mit und bei Viola’s Bücherwurm, Bahnstraße 13. Kelkheim
u. a. Lesung mit Birgit Gröger um 14 Uhr bei Viola’s Bücherwurm

Jubiläumsveranstaltungen anlässlich des 5jährigen Bestehens des literarischen Wochenendgrußes

Freitag, 27.05. – 18:00 Uhr – Literarischer Spaziergang Kelkheim-Fischbach
Treffpunkt: Hanseklinger-Brunnen, Fischbach-Ortsmitte, Langstraße
Sonntag, 29.05. – 15:30 Uhr – Literarischer Nachmittag „Sonntagskaffee – Ohrenschmaus“ Café Jasmin, Frankfurt-Fechenheim, Alt-Fechenheim 80
Sonntag, 05.06. – 15:00 Uhr
Zum fröhlichen Landmann, Kelkheim-Fischbach, Rettershof
Hans Joerg Kampfenkel, der den literarischen Wochenendgruß seit Jahren fotografisch begleitet, stellt eine kleine Auswahl seiner Fotos persönlich vor.

Ich freue mich auf viele spannende Begegnungen und ein Wiedersehen oder Kennenlernen bei den Veranstaltungen.
Mit frühlingshaften Grüßen
Ihr/Euer
Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mai: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de
Internet: https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com

Im Blick haben – Literarischer Wochenendgruß vom 22.04.16

Im Blick haben – Literarischer Wochenendgruß vom 22.04.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am vergangenen Sonntag beim literarischen Frühlings-Spaziergang in Eppstein konnten wir unterwegs immer wieder schöne Blicke genießen. Aussichtspunkte von der Burg auf den Ort oder beim Gang ließen uns unsere Augen und Ohren auf besondere Momente richten. Beim Sehen und Hören der Landschaft, der Umgebung und der Texte wurden neue Eindrücke spürbar.

Die neue Ausgabe mag ebenfalls dazu beitragen, einen neuen Blick zu bekommen.

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Foto: Gerd Taron

Mit lächelnden Augen
Ihr Boten des Frühlings,
wo kommt ihr nur her?
Mit lächelnden Augen aus tiefen Tälern
erscheint ihr wie Elfen im Morgentau.
Osterglocke, welch Grazie
liegt in deiner Erscheinung?
Welch Lächeln in deiner
sonnigen Krone?
Kennst du denn nicht
den Schmerz des Winters?
Den eisigen Wind
beim sanften Erinnern?
Ihr Rufer erwachender Zweige,
woher nehmt ihr den Mut
zum fröhlichen Singen?
Singt ihr von Freiheit
oder von Liebe?
Vom durchlittenen Schmerz oder
vom Weh nach der Lust?
Euer liebreizend Locken
schmiegt sich heilend
an meine Wange,
erzählt von dem,
was paradiesisch kann sein.
Ihr Boten des Frühlings
nach harten Tagen
schenkt mir zurück die Fülle der Farben
und Düfte im zarten Blütengesicht!
Sonne, komm ganz, weich auf meine Erde!
Lass sprießen in mir
seliges Lachen und wonnige Lust!
Ihr Sterne der Frühlingsnächte, küsst mich
auf den wartenden Mund und die heiße Stirn!
Singt mir die Sehnsucht
in den Mund, dass er brenne
für den träumenden Wandrer der Nacht!
Oh Frühling, Geliebter, durchdringe mich ganz
mit deinem Zauber, lass sonnige Heimat mich sein
für alle, die wohnen in mir!

© Lissy Theissen

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Mit alten und neuen
Landschaften
neuen und alten Worten
verlorenen und wiedergefundenen
Freunden
leben
Blicke deuten
Vor dem Abgrund
die Augen nicht schliessen
Sich mit altem zufriedengeben
protestieren
Endlos
von neuem anfangen

(Rose Ausländer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die meisten Menschen wissen gar nicht,
wie schön die Welt ist und wie viel Pracht
in den kleinsten Dingen,
in irgendeiner Blume,
einem Stein,
einer Baumrinde oder einem Birkenblatt sich offenbart.
Die erwachsenen Menschen,
die Geschäfte und Sorgen haben
und sich mit lauter Kleinigkeiten quälen,
verlieren allmählich ganz den Blick für diese Reichtümer,
welche die Kinder, wenn sie aufmerksam und gut sind, bald bemerken und mit dem ganzen Herzen lieben.

(Rainer Maria Rilke)

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Besondere AUGENBLICKE

kann man nicht kaufen.
Es gibt keinen Augenblickshop
und nirgendwo ein Geschäft,
in dem Augenblicke angeboten
werden.
Also kann es augenblicklich
auch keine Sonderangebote geben.
Besondere Augenblicke,
sonderbare Augenblicke passieren.
Nach einem einzigen Blick sind sie vorbei.
Du blickst in die Höhe,
erkennst Deine Liebe, wirfst deinen Blick.
und in nächster Sekunde ist er zurück.
Ein Augenblick ist der Wimpernschlag,
der den Zeitmesser verdammen darf.
Kurz ist der Blick,
aus den Augen und wieder zurück.
Augenblicklich, unwiederbringlich
für Wimpernschlagzeit ausgeliehen,
hingegeben und in gleicher
Sekunde zurückgenommen.

Augenblick – bin sofort zurück!
Lasst es Euch gut gehen…..
und genießt

jeden AUGENBLICK

Autor unbekannt

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillewerden meiner Seele. Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Weite der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln,
ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief
in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.

Aus Südafrika

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Ich wünsche Dir,
dass Du Deinen Blick niemals einengen lässt,
weder durch Angst noch durch Vorurteile oder falsche Bescheidenheit.
Dass Du nicht nur siehst,
was Du immer gesehen hast,
oder nur das,
was Du sehen willst.
Dass Du neugierig und interessiert bleibst
und nicht meinst,
alles besser zu wissen.
Ich wünsche Dir,
dass Du die Dinge stets von verschiedenen Seiten betrachtest,
dass Du ungewöhnliche Sichtweisen zulässt
und Dich immer wieder vom Leben überraschen lässt.
Autor unbekannt

Mit diesen Worten wünsche auch ich neue Ein- und Ausblicke an diesem Wochenende.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Einen Artikel aus der Eppsteiner Zeitung vom erwähnten Frühlngs-Spaziergang finden Sie hier:

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Veranstaltungshinweis:
Sonntag, 24.04. ab 15:30 Uhr:
Café Jasmin, Frankfurt-Fechenheim, Alt-Fechenheim 80
Sonntagskaffee – Ohrenschmaus
Alte Frankfurter Geschichten und Gedichte

Die Bank – Literarischer Wochenendgruß vom 15.04.16

Die Bank – Literarischer Wochenendgruß vom 15.04.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

von einer treuen Leserin erhielt ich in den vergangenen Tagen dieses Foto:

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Foto: Beatrice Dockenfuß

Das war für mich der Anlass mich über die Bank näher zu beschäftigen. In der letzten Ausgabe erschien bereits eine Geschichte über eine Parkbank und ein sehr schönes Foto von Marina Rupprecht. Einige werden sich wahrscheinlich noch erinnern.

Auf meinen vielen Spaziergängen durch die Natur begegnen mir immer wieder die unterschiedlichsten Bänke. Oft fasziniert mich der Standort oder das besondere Aussehen und somit bekommt jede Bank ihre besondere Bedeutung.

Einige Exemplare stelle ich Ihnen fotografisch vor. Dazu habe ich einige ungewöhnliche Texte ausgewählt, die Sie für eigene Gedanken inspirieren mögen.

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Als Junger habe ich die einsame Bank nachts im Park gesucht zur Zweisamkeit,
im Mittelalter die Bank mit den niedrigsten Bauzinsen, später die Bank mit den besten Guthabenzinsen. Heute suche ich wieder die Parkbank – aber tagsüber zum Ausruhen beim Spazierengehen

© Hermann Lahm
(*1948), Texte in Gedichtform, Prosa, Aphorismen

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Dorten das Haus scheint uns noch immer erfreulich
unser nennen wirs im selben Gedanken,
unser könnte der Weg sein,
unser die Bank;
Rosen des Gartens
Winde der beginnenden Liebe
schlagen das Herz auf
wo es sich nie noch aufschlug
zwischen zwei älteren Seiten.
Rainer Maria Rilke

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Die schönste Blume

Die Parkbank war verlassen, als ich mich dort unter einer alten Weide zum Lesen hinsetzte. Ich war vom Leben enttäuscht und hatte allen Grund, ein säuerliches Gesicht zu machen… irgendwie hatte sich die ganze Welt gegen mich verschworen.
Und als ob es mir nicht schon schlecht genug ginge, kam plötzlich ein Junge auf mich zu, noch ganz außer Atem vom Spielen. Er stellte sich mit gesenktem Kopf vor mich hin und sagte aufgeregt: „Guck mal, was ich gefunden habe!“ In seiner Hand war eine alte, verblühte Blume, ein wirklich erbärmlicher Anblick. Sie hatte offenbar nicht genug Licht oder Regen abbekommen, jedenfalls hingen ihre Blütenblätter alle schlapp herab. Ich lächelte gekünstelt, damit mich der Junge endlich in Ruhe ließ. Aber anstatt zu gehen, setzte er sich neben mich auf die Bank. Er hielt sich die Blume an die Nase und erklärte in gespielter Überraschung: „Die riecht ja ganz gut. Und schön ist sie auch. Deshalb habe ich sie ja auch gepflückt. Hier, sie ist für dich.“

Die Pflanze hatte keinerlei Leben mehr in sich, sie war nur noch ein farbloses Gewächs. Aber mir war klar, dass der Junge nicht eher gehen würde, als bis ich sie angenommen hatte. Also griff ich nach ihr und sagte: „Danke, so etwas hat mir gerade noch gefehlt.“ Aber der Junge hielt die Blume nur weiterhin sinnlos in die Luft. Erst in diesem Moment bemerkte ich, dass er meine geöffnete Hand nicht sah er war blind. Mit zitternder Stimme bedankte ich mich, dass er die schönste ausgesucht hatte. Und während mir Tränen in die Augen schossen, sagte er: „Keine Ursache“, lächelte und machte sich wieder ans Spielen. Er hatte nicht bemerkt, was er bei mir bewirkt hatte. Ich saß da und fragte mich, wie er es geschafft hatte, eine in Selbstmitleid versunkene Frau auf einer Parkbank zu sehen. Wie wusste er von meiner selbst verursachten Trübsal?

Vielleicht hatte er es im Herzen gespürt, mit dem er mehr sehen konnte als mit den Augen. Durch die Augen eines blinden Kindes konnte ich schließlich sehen, dass nicht die Welt das Problem war, sondern ich. Und so schwor ich mir, für all die vielen Male, da ich selbst blind gewesen war, nun das Schönste im Leben zu sehen und mich über jede Sekunde meines Lebens zu freuen. Dann hielt ich mir die verwelkte Blume an die Nase und atmete den Duft einer wunderschönen Rose ein. Ich musste lächeln, als ich den Jungen sah , der mit einer neuen Blume in der Hand auf einen alten Mann zuging, der noch nichts von seinem Glück ahnte. “
Der Text wurde verfasst von Cheryl L. Costello-Forshey und ist zu finden in „Ein Liebesbrief vom Himmel“

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Ruhe – Bank.

Komm, las uns ein Päuschen machen.
Erzählen über alte Sachen.
Gemeinsam um die Wette lachen.
Ein Gag- Feuer entfachen.
Lass uns haben schöne Stunden.
Verarbeiten manch alte Wunden.
Zweisamkeit, sie wird uns munden.
Harmonische Erinn´rungsrunden.
(Anne M. Pützer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Zwei Linden, eine Ruhebank
Stehn dort auf grüner Höh‘
Und diesen süßen Ort verdank‘
Ich all mein Herzensweh.
Noch glaubt‘ ich hold sie angelehnt
Im Sonnenhute dort;
Ich hab‘ umsonst ihr nachgesehnt,
Verödet bleibt der Ort.
Dem Wanderer, der Pilgerin
Wird Ruhe von der Bank,
Von mir nur will sie künftighin
Nicht mehr der Ruhe Dank.

Karl Mayer

Suchen Sie sich beim nächsten Spaziergang an diesem Wochenende doch ihre persönliche Bank. Eine Bank, die sie mit wohligen Gedanken verbinden. Vielleicht notieren Sie sich dazu etwas und haben eine Kamera für spätere Erinnerungen zur Hand.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Veranstaltungshinweis (vielleicht gibt es ja auch Bänke zu entdecken):

Literarischer Frühlings-Spaziergang in Eppstein im Taunus
Sonntag, 17.04. – 15 Uhr
Treffpunkt: Bahnhof Eppstein
Kostenbeitrag. 5 Euro
An verschiedenen Stationen in der Eppsteiner Altstadt und rund um die Burg präsentiere ich Geschichten und Gedichte rund um den Frühling.
Nach dem Spaziergang besteht die Möglichkeit, im „Burg-Café“ zu verweilen.

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat@gmx.de oder taron-antiquariat@gmx.de

Den Augenblick genießen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.04.16

Den Augenblick genießen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.04.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

unsere schnelllebige Zeit ist voller Eindrücke. Alles fließt an uns in großer Geschwindigkeit vorbei. Wir haben oft keine Zeit mehr, das Leben zu genießen, die schönen Momente wahrzunehmen. Können Sie sich noch in Ihrem Alltag z. B. über ein Lächeln freuen, über die kleinen Schönheiten in der Natur?

Die neue Ausgabe des Wochenendgrußes möge uns wieder bewusst werden für besondere Augenblicke des Lebens.

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Staunen
.
Wir haben das Staunen verlernt.
Staunen
über ein herunter fallendes Blatt,
über das Vogellied vor dem Fensterkreuz.
Über den Magnolienbaum im Mai,
über das Lachen auf einem Kindergesicht.
Über das Pflänzchen zwischen dem
Asphalt, über Regentropfen am
Spinnengewebe, über das Sternenzelt
am nächtlichen Himmel.
.
Etwas sehen
wie beim ersten Mal.
Alles mit Ehrfurcht zu betrachten,
das Unscheinbare entdecken,
in seinen vielen Gestalten.
.
Staunen
ist ein Ort,
an dem ich in die Stille eintauche,
der Raum,
in dem ich zur mir finde,
der Augenblick,
in dem Zeit zur Ewigkeit wird.

Benedikt Werner Traut

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Am Ufer des Augenblicks

Laß uns Zeit nehmen
füreinander.
Laß uns die Böschung
der Vergänglichkeit
mit unvergeßlichen Stunden
und Augenblicken befestigen,
gegen den Strom der Zeit
anschwimmen.
Laß uns verweilen
am Ufer des Augenblicks,
bis unsere Sehnsucht
groß uns stark
genug ist,
daß sie
den langen Weg
ins Meer der Geborgenheit
ohne unterzugehen
schaffen kann.

Ernst Ferstl

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Lerne die Schönheit des Augenblicks
zu genießen, den Flug eines Vogels,
das Brausen des Windes,
das Plätschern einer Quelle,
den geheimnisvollen Halbschatten des
Unterholzes. Werde wie ein Kind mit
seinem Staunen über alle Dinge,
und die Zeit wird stillstehen.
Dann wirst du die ganze Welt durch
deinen eigenen Körper erfahren.

~Suvate, Dog Soldier~

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Die Parkbank

„Die Parkbank war verlassen, als ich mich dort unter einer alten Weide zum Lesen hinsetzte. Ich war vom Leben enttäuscht und hatte allen Grund, ein säuerliches Gesicht zu machen – irgendwie hatte sich die ganze Welt gegen mich verschworen. Und als ob es mir nicht schon schlecht genug ginge, kam plötzlich ein Junge auf mich zu, noch ganz außer Atem vom Spielen. Er stellte sich mit gesenktem Kopf vom mich hin und sagte aufgeregt: „Guck mal, was ich gefunden habe!“

In seiner Hand war eine alte, verblühte Blume, ein wirklich erbärmlicher Anblick. Sie hatte offenbar nicht genug Licht oder Regen abbekommen, jedenfalls hingen ihre Blütenblätter alle schlapp herab. Ich lächelte gekünstelt, damit mich der Junge endlich in Ruhe ließ. Aber anstatt zu gehen, setzte er sich neben mir auf die Bank. Er hielt sich die Blume an die Nase und erklärte in gespielter Überraschung: „Die riecht ja ganz gut. Und schön ist sie auch. Deshalb habe ich sie ja auch gepflückt. Hier sie ist für dich.“
Die Pflanze hatte keinerlei Leben mehr in sich, sie war nur noch ein farbloses Gewächs. Aber mir war klar, dass der Junge nicht eher gehen würde, als bis ich sie angenommen hatte. Also griff ich nach ihr und sagte: „Danke, so etwas hat mir gerade noch gefehlt.“
Aber der Junge hielt die Blume nur weiterhin sinnlos in die Luft. Erst in diesem Moment bemerkte ich, dass er meine geöffnete Hand nicht sah – er war blind.

Mit zitternder Stimme bedankte ich mich, dass er die schönste ausgesucht hatte. Und während mir Tränen in die Augen schossen, sagte er: „Keine Ursache“, lächelte und machte sich wieder ans Spielen. Er hatte nicht bemerkt, was er bei mir bewirkt hatte. Ich saß da und fragte mich, wie er es geschafft hatte, eine in Selbstmitleid versunkene Frau auf einer Parkbank zu sehen. Wie wusste er von meiner selbst verursachten Trübsal? Vielleicht hatte er es im Herzen gespürt, mit dem er mehr sehen konnte als mit den Augen.

Durch die Augen eines blinden Kindes konnte ich schließlich sehen, dass nicht die Welt das Problem war, sondern ich. Und so schwor ich mir, für all die vielen Male, da ich selbst blind gewesen war, nun das Schönste im Leben zu sehen und mich über jede Sekunde meines Lebens zu freuen. Dann hielt ich mir die verwelkte Blume an die Nase und atmete den Duft einer wunderschönen Rose ein. Ich musste lächeln, als ich den Jungen sah, der mit einer neuen Blume in der Hand auf einen alten Mann zuging, der noch nichts von seinem Glück ahnte.“

(Autorin: Cheryl L. Costello-Forshey)

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Es kommt im Leben nicht auf die Jahre, sondern auf die gelebten Augenblicke an!

Kerstin Simon

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Der perfekte Moment.
Da ist dieser Moment,
wo die Welt
zum Standbild wird.
In dem du
mit Ehrfurcht fühlst,
dass die Zeit
für einen Augenblick
still steht.
Du nimmst mit staunenden Augen
und offener Seele
diese Schönheit und Perfektion
der Sekunden
wahr.
Sonnenwärme,
ein Lautklang, ein Flügelschlag,
menschliche Nähe,
ein Gefühl der Liebe.
Speicherst sie
in die positiven Erinnerungen
deines Lebens ab.
Heiliger Moment.

(C) Anne M. Pützer

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Geh deinen Weg – Desiderata

Geh deinen Weg ohne Eile und Hast und
suche den Frieden in dir selbst zu finden.
Wenn es dir möglich ist, versuche den anderen zu verstehen.
Sag ihm die Wahrheit, ruhig und besonnen.
Höre ihm zu, auch wenn er gleichgültig und unwissend ist,
denn auch er hat seine Sorgen.
Wenn du Dich mit all den anderen vergleichst,
wirst du feststellen, du lebst unter Menschen
die entweder größer oder kleiner,
besser oder schlechter sind als du selbst.
Viele Leute reden von hohen Idealen
und überall wird Heldenmut angepriesen.
Bleibe du selber und heuchle nicht Mitgefühl.
Steh der Liebe nicht zynisch gegenüber,
denn sie ist das Einzige,
was wahr und unvergänglich ist.
Bereite dich auf den Augenblick vor,
an dem etwas Unvorhergesehenes in dein Leben tritt,
aber zerstöre dich selbst nicht aus Angst vor der Einsamkeit.
Sei immer so, dass du vor dir selbst bestehen kannst.
Du hast ein Recht auf der Welt zu sein,
genau wie die Blume die blüht
und wie ein Stern in der Nacht.
Doch auf dieser Welt lebst du nicht allein,
hast du schon irgendwann
einmal darüber nachgedacht?
Darum schließe Frieden mit Gott,
wo immer er er dir auch begegnet.
Ganz gleich, was das Leben dir
auch an Schwierigkeiten auferlegt.
Lass nicht durch Lug und Trug
deine Ideale zerbrechen.
Die Welt ist immer noch schön.
Versuche, auf ihr zu leben
und glücklich zu werden “ ༺ಌ༺

Max Ehrmann

Ich wünsche Ihnen, dass Sie an diesem Wochenende wieder neu entdecken, was es bedeutet, besondere Augenblicke zu genießen. Mein persönliches Wochenende wird voraussichtlich viele besondere Momente beinhalten, sei es bei einem Gang durch die schöne Frühlingslandschaft oder durch Begegnungen mit anderen Menschen.

Mit genussvollen Grüßen
Ihr/Euer
Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße

Fluss des Lebens – Literarischer Wochenendgruß vom 01.04.16

Fluss des Lebens – Literarischer Wochenendgruß vom 01.04.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

die Osterfeiertage habe ich in meiner „alten“ Heimat im Rheinland erleben dürfen. Bei den Fahrten dorthin gehört es zu meinem Ritual mit dem „Bummelzug“ entlang des Rheines zu fahren. Auch wenn die Reise länger als mit dem ICE dauert, die schöne Landschaft ist immer wieder und bei jeder Jahreszeit etwas Besonderes.

Für mich ist der Rhein, mein „Heimat-Fluss“, ein schönes Symbol für das eigene Leben. Erinnerungen werden wach und andererseits ist man immer gespannt, auf das was kommen mag.

Aus den unterschiedlichen Perspektiven des Lebens sind auch die Texte für diesen Wochenendgruß ausgewählt. Dazu gibt es einige Fotos von meiner Reise am vergangenen Wochenende. Bekannte und weniger bekannte Autoren kommen hier zu Wort.

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Foto: Gerd Taron – aus dem fahrenden Zug fotografiert

Flusslandschaft
Was da ist,
kannst du nicht wegdiskutieren,
auch nicht nach Jahren,
nicht mal
vor dir selbst.
Schau die Birke,
wie ihre Blätter
spielen im Wind,
so lass Vergangenheit
und Gegenwart
dein Herz durchstreifen.
Wenn die Sonne
den Strom begleitet,
bist du
für eine kleine Ewigkeit
ein Teil von ihm.
Von Wärme und Wehmut
singt der Birke Lied,
von Angst vor dem Verlust.
Du besteigst wieder
dein kleines Floß.
Die Fahrt geht weiter.

Lissy Theissen

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;
Breitest über mein Gefild,
lindernd deinen Blick,
wie des Freundes Auge mild.
Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh- und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud‘ und Schmerz
In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd‘ ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß
Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal,
was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
nimmer es vergißt!
Rausche, Fluß, das Tal entlang,
ohne Rast und Ruh,
rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!
Wenn du in der Winternacht
wütend überschw,
oder um die Frühlingspracht
junger Knospen quillst.
Selig, wer sich vor der Welt,
ohne Haß verschließt,
einen Freund am Busen hält
und mit dem genießt,
Was, von Menschen nicht gewußt,
oder nicht bedacht,
durch das Labyrinth der Brust
wandelt in der Nacht.

Johann Wolfgang von Goethe

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Foto: Gerd Taron – Main-Ufer Frankfurt-Fechenheim

Warten

Du stehst am Fluss,
hörst das Singen des Regens auf seiner Haut,
Wasser zu Wasser,
und ahnst, dass es geschehen könnte,
vielleicht gerade jetzt
oder
du bist so tief in den Wald gegangen,
dass die Welt gestorben ist,
hörst nur das Ebben und Fluten des Windes
in den sich leicht bewegenden Baumkronen,
und spürst, dass du viel weniger siehst als da ist
oder
du stehst an einem klaren Tag am Meer
und strengst dich an, hinter der Krümmung
das Einmalige zu sehen, vielleicht eine Hand,
die dich ruft, eine verschlüsselte Botschaft,
das Rückgrat einer Erkenntnis
oder
du liest ein Gedicht,
spürst der letzten Zeile nach,
weißt, dass es noch weitergeht, viel weiter,
aber die letzte Zeile kann nichts mehr verraten,
weil auch der Dichter wartet
ohne zu wissen worauf,
am Fluss im Wald, am Meer,
am Wort in deinem flüssigen Herzen.

Ulrich Schaffer

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Foto: Gerd Taron .- Von der „Schäl-Sick“ (Köln-Deutz) fotografiert

Am Strom

Der Fluß glitt einsam hin und rauschte,
Wie sonst, noch immer, immerfort,
Ich stand am Strand gelehnt und lauschte,
Ach, was ich liebt‘ war lange fort!
Kein Laut, kein Windeshauch, kein Singen
Ging durch den weiten Mittag schwül,
Verträumt die stillen Weiden hingen
Hinab bis in die Wolken kühl.

Die waren alle wie Sirenen
Mit feuchtem, langem grünem Haar,
Und von der alten Zeit voll Sehnen
Sie sangen lies und wunderbar.
Sing, Weide, singe, grüne Weide!
Wie Stimmen aus der Liebsten Grab
Zieht mich dein heimlich Lied voll Leide
Zum Strom von Wehmut mit hinab.

Joseph von Eichendorff

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Berührung

Tief im Herzen hat mich der Klang gefasst.
Nimmt mich mit auf eine abenteuerliche,
so gefühlvoll sensible Reise.
Tauche ab in eine andere Welt.

Hügel groß und klein,
bedeckt mit dichtem saftig grünen Moos liegen auf dem Erdenbett.
Ein kleiner Fluss,
eher ein Bach
zieht seine zarte Bahn über den weichen Boden.
Sucht sich den Weg durch die Hügelmitte.
Bäume ragen wie Säulen aus dem Boden.
Die dichten Kronen lassen den Himmel nur selten durchscheinen.
Hellblau schimmern die warmen Himmelsstrahlen ab und an hindurch.
Lassen die seichte Brise des Windes wie kleine glühende Funken schimmern.
Der sanfte Hauch verwandelt sich in einen funkelnden Nebelstrom.
Er zieht behutsam durch den Zauberwald.
Hinterlässt seine berührende Spur auf jedem Korn der Erde, fließt anhaltend durch den kleinen seichten Bach.
Versetzt jeden Baum, jedes kleine Stück Rinde mit einem warm anrührenden Schauer, der Geborgenheit.
Der Strom,
die Spuren hinterlassen atemberaubende kleine magisch schimmernde Partikel der wohlig lieblichen Wärme,
der schützenden Sicherheit des Vertrauten.

Tief atme ich die Frische des Waldes ein,
lasse mich berühren von seinem Klang,
dem Gesang der Reinheit,
der Magie,
der tiefen Warmherzigkeit des Lebens.

©Text by Zaramee

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Foto: Gerd Taron

Die Liebenden bei Mainz

Meint ihr, es sei ein Mährchen?
Nein, ich erzähl‘ euch keins,
Es gibt noch treue Liebe,
Ihr findet sie bei Mainz.

Sie ist noch nicht gestorben,
Mag sie gleich selten sein,
Sie lebt auf einer Insel
Die mitten liegt im Rhein.

Dort lebt ein zärtlich Pärchen,
Sich freuend des Vereins,
Und ihre beiden Herzen
Sind längst schon nur noch eins.

Sie leben harmlos, glücklich,
Von Lasten nie beschwert,
Und vom Geräusch des Lebens
Sehr selten nur gestört.

Wie Paul und wie Virginie,
Wie Daphnis und Chloe,
Ist dieses Paar ganz Unschuld
Weiß nichts vom Lebensweh.

Ein Nichts macht ihren Freude,
Der Unmuth quält sie nie;
Den Lauf des Flusses sehen,
Ist wahre Lust für sie.

Man sieht gemeßnen Schrittes
Sie oft am Ufer geh’n,
Laut redend eine Sprache,
Die sie allein versteh’n.

Sie stürzen miteinander
Sich in die Fluten kühn,
Und er schwimmt wie Leander,
Zu seiner Hero hin.

Dies Pärchen, das bewandelt
Den Teppich der Natur,
Die einsgewordenen Herzen,
Es sind …. zwei Enten nur.

Es ist gewiß kein Mährchen,
Nein ich erzähl‘ euch keins,
Es gibt noch treue Liebe,
Ihr findet sie bei Mainz.

(1855)
aus: Dur- und Molltöne
Gedichte von Kathinka Zitz

Hinweis: Der Text wurde in der Original-Schreibweise übernommen.

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Foto: Gerd Taron

Wenn möglich, nehmen Sie sich an diesem Wochenende Zeit für Ihren Fluss. Es kann auch ein Bach oder ein kleines Rinnsal sein. Nehmen Sie Ihren Lebensstrom auf und gönnen sich Ihre Atempausen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0)6195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de