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Auf Augenhöhe – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach

Vier Männer stehen im Fitnessstudio an der Saftbar und tauschen sich über Politik und Wirtschaft aus. Diesmal ist natürlich der Sternartikel Thema. „Also ich finde den Zeitpunkt der Veröffentlichung eine Ungeheuerlichkeit.“ „Ja, die hätte das doch schon vor einem Jahr bringen müssen.“ „Und was sagt du?“ „Ich sage gar nichts, ihr habt schon alles gesagt.“ So oder ähnlich verliefen in der letzten Woche bestimmt einige Gespräch unter Männern. Es wird nur über den Zeitpunkt, vielleicht sogar den Politiker, aber sehr selten über das Thema gesprochen. Dabei scheint der Artikel bei vielen Frauen etwas ausgelöst zu haben, was über den einzelnen, persönlichen Bereich hinausreicht. Sehr viele Frauen fühlten sich schon einmal in ihrem Berufs- oder Privatleben so sexualisiert angesprochen, dass sie dies mehr als unangenehm empfangen. Meines Erachtens geht es bei dieser Art der Kommunikation nicht um einen Flirt, sondern es geht um Macht. Wenn ich den anderen, die andere nur auf ein Merkmal reduziere, in dem Fall auf ihre Sexualität, dann versuche ich Macht über die andere Person auszuüben. Dann nehme ich nicht mehr den Menschen als Person wahr und ernst, sondern mache sie zu einem Objekt.
Von Jesus wird in der Bibel berichtet, dass er ein ganz anderes Verhältnis zu Frauen pflegte, als dies, was damals üblich war. Frauen standen am Rand, durften sich nicht an einen Tisch mit Männern legen. Jesus aber nahm Frauen, wie Maria, mit an den Tisch und diskutierte mit ihnen. Er stellte sich mit ihnen auf einen Ebene – auf Augenhöhe mit Respekt (Lukas 10.38ff).
Darin ist er für mich ein Vorbild, dem ich gerne nachfolge. Niemand sollte auf sein Geschlecht, seine Hautfarbe oder seine Behinderung reduziert werden. Denn sonst sehe ich nicht den Menschen.
So wünsche ich Dir, dass Du in dem oder der anderen neben Dir immer den Menschen erblickst und ihm auf Augenhöhe begegnest.
Gottes Segen für Dich!
Andreas Schmalz-Hannappel, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach

Ausruhen auf dem Weg – Literarischer Rundbrief vom 25.01.13

Liebe Literaturfreunde,
wir befinden uns noch immer auf dem Weg. Zu Beginn des Jahres haben wir uns den Weg begeben – Aufbruch. Dann gab es auf unserem Weg zum Ziel neue Entdeckungen, auch wenn Umwege nötig waren. Um auf den Weg weiter zu gehen,  benötigen wir zwischendurch eine Pause, eine Zeit zum Ausruhen.
Elisabet Plümmecke schreibt dazu:
„Liegen, nur da sein.
Augen offen oder geschlossen.
Ich will mich gar nicht bewegen,
kaum atmen,
weil die Ruhe so gut ist,
kostbares Geschenk.
Es dauert nicht lange.
Motorräder, Telefone, fordernde Stimmen
sind aus der Welt nicht verschwunden.
Aber jetzt,
vielleicht nur für Minuten,
vielleicht sogar eine Stunde,
ist Ruhe.
Störe sie nicht.
Sei andächtig da.
Atme sie ein.
Horch in sie hinein.
Schließe die Augen.
Spürst du, daß du lebst?
Nachher wirst du wieder gefordert.
Fragen, Anrufe, Terminkalender.
Jetzt
bist du da und darfst leben.
Die Erde liebt dich, ist zärtlich,
schaut dich ruhevoll an, wartet,
fordert nichts von dir.
Du darfst da sein.“
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Ausruhen auf dem Weg – Eine Bank auf dem Weg nach Kelkheim-Ruppertshain
Foto: Gerd Taron
Ich wünsche Ihnen/Euch Momente zum Ausruhen an diesem Wochenende. Ein gutes Buch gehört natürlich dazu.
Mit winterlichen Grüßen von Herzen aus dem Taunus
Ihr/Euer

Gerd Taron

Umarmung – Rundbrief vom 24.01.13 von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach

Unversöhnlich standen sie sich gegenüber. Über die Jahrhunderte kämpften sie gegeneinander, verwüsteten das Land des Gegners und versuchten ihre Macht mit allen Mitteln durchzusetzen. Und dann kam es zu dem denkwürdigen Elysee-Vertrag. Nur 18 Jahre nach dem Ende der Nazidiktatur und der Besetzung Frankreichs kamen die beiden Staatschefs zusammen und umarmten sich mit einer wegweisenden Geste der Versöhnung. Frankreich und Deutschland überwanden so tiefste Gräben. Diese sind für die Jugend von heute nicht mehr vorstellbar.
Dies war ein großer und großartiger Akt. Von einer noch größeren Versöhnung spricht die Bibel. Gott versöhnte die Welt mit sich selbst (2.Kor 5,19). Gott umarmte die Welt mit dem Menschen Jesus. Er wurde einer von uns. Die Entfernung und die Feindschaft, die zwischen Gott und Menschen stand, überwand er einfach.
Und ich? Gott versöhnt sich mit jedem Menschen, Erz- und Erbfeinde liegen sich in den Armen und ich schaffe es manchmal nicht, mich mit meinem Nächsten zu versöhnen. Ich halte in meinem Leben manchen Graben für unüberwindbar. Bin ich wirklich so groß, dass ich mir das leisten kann? Bin ich wirklich so hart, so unversöhnlich?
Vor 50 Jahren gingen zwei ältere Männer einfach los. Vor 2000 Jahren ging Gott in diese Welt. Sollte ich nicht auch versuchen, einfach loszugehen?

So wünsche ich Dir, dass Du Gräben überwinden kannst und zu einer vorsichtigen Umarmung gelangst.

Gottes Segen für Dich!

Andreas Schmalz-Hannappel, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach