Wenn Kraniche ziehen – Anneliese Druhm

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wenn die K r a n i c h e ziehen

die Tage werden kürzer und mahnen zum Aufbruch .
Im spärlichen Licht der Sonne
siehst du sie ziehen zum Land ihrer Sehnsucht.

Kein wilder Flügelschlag, kein Taumeln.
Mit gleichem Herzschlag wellenförmig federleicht
im Takt einer perfekten Formation.

Weit entfernt – mit bloßem Auge kaum zu sehen,
kunstvoll in den Horizont gemalt
ins verblassende Blau des Himmels ,
in Wolkenberge als Kulisse.

Ihr sanfter Gesang betörend schön.
Unereicht in Eleganz ihr Flug
über golden fallendes Laub aus lichten Kronen,
– rätselhaft – zum vorbestimmten Ziel.

Den Anblick staunend genießen ,
mit müden Augen Abschied nehmen,
sich dem Wind überlassen,
Nachtigallen längst gegangen.

Gedicht : Anneliese Druhm, Kelkheim 2014

Nimm dir Zeit – Literarischer Wochenendgruß vom 31.10.14

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

die beiden letzten Ausgaben beschäftigten sich mit der Zeit und ihren Wirkungen auf unser Leben. Auch dieses Mal möchte ich mich noch einmal mit dem Thema Zeit befassen.

Das Jahr hat 365 (366)Tage, 12 Monate – 1 Tag hat 24 Stunden oder 86.400 Sekunden. Soviel Zeit … – und doch läuft uns die Zeit irgendwie davon. Was beansprucht unsere Zeit, wofür nehmen wir uns die Zeit? Was bedeutet uns erfüllte, glückliche Zeit?

Eine sehr liebe Freundin hat das spontan einmal so formuliert, als wir uns über dieses Thema austauschten:

„Uns gehört nur eine Stunde
Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel
Nicht das Maß der Zeit entscheidet
Wohl aber, das Maß des Glücks“

Die evangelische Kirche in Hessen und Nassau startete zum Erntedankfest eine interessante Kampagne: „Zeit für eine … – Danksekunde“:

http://www.ekhn.de/aktuell/danksekunde/danksekunde-startseite.html

Das ist eine wunderbare Möglichkeit, einmal kurz innezuhalten. Wenn Sie es einmal ausprobieren, wie lange 60 Sekunden sind, und was Sie in dieser kurzen Zeit alles machen könnten …, zum Danken zum Beispiel – oder ganz einfach mal glücklich sein. Sie werden vielleicht feststellen, wie wichtig dieser Moment des Zur-Ruhe-Kommens ist.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Nimm dir Zeit!
Nimm dir Zeit zu denken –
das ist die Quelle der Macht.
Nimm dir Zeit zu lesen –
das ist die Grundlage der Weisheit.
Nimm dir Zeit zu arbeiten –
das ist der Weg zum Erfolg.
Nimm dir Zeit zu spielen –
das ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm dir Zeit zu ruhen –
das ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit zu träumen –
das ist Elixier für dein Leben.
Nimm dir Zeit zu lieben –
das ist das Vorrecht der Götter.
Nimm dir Zeit, zärtlich zu sein –
das ist die Quelle des Glücks.
Nimm dir Zeit zu lachen –
das ist Musik der Seele.
Nimm dir Zeit, freundlich zu sein –
das verändert die Welt.
Nimm dir Zeit zu trösten –
das ist Balsam für die Seele.
Nimm dir Zeit, barmherzig zu sein –
das ist der Weg zum Himmel.
Nimm dir Zeit zu leben –
das ist die Erfüllung deines Lebens.
(nach einem alten irischen Segenswunsch)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Werde ruhig und genieße deine Reise gerade jetzt.
Nimm dir Zeit für die Menschen in deinem Leben.
Sie werden nicht immer da sein.

Joel Osteen, Deutsche Übersetzung: Irene Söding,

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Nimm Dir Zeit

Das schlimmste Übel weit und breit
Das ist der Satz : „Ich hab keine Zeit.“
Die Zeit ist hektisch, alles rennt,
kaum einer seinen Nachbarn kennt.
Zu Hause läuft der Flimmerkasten,
man drückt nur lässig auf die Tasten.
Man lässt vom Bildschirm sich berieseln,
die Ehen fangen an zu kriseln.
Man spricht kaum noch ein einzig Wort,
ist in Gedanken ganz weit fort.
Besuche macht man auch nicht mehr,
selbst der Briefkasten bleibt leer.
Alles hektisch weit und breit,
keiner hat für`n andern Zeit.

Doch einmal geht die Zeit zu Ende,
dann tritt sie ein, die große Wende.
Es kommt der Tod :
„Bist du bereit?“
Er fragt nicht lange: „Hast du Zeit?“
Er fragt auch nicht, ob arm ob reich,
bei ihm sind wir alle gleich.

Nimm dir Zeit solang es geht,
denn irgendwann ist es zu spät.

Autor: unbekannt

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Einander Zeit geben
zum Wachsen und Reifen,
Innehalten und Loslassen.
.
Einander Raum geben
zum Entwickeln und Entfalten,
Begegnen und Wohlfühlen.
.
Miteinander Mut finden
zum Verändern und Träumen,
Spielen und Feiern.
.
Miteinander Gefallen finden
am Suchen
nach dem Garten der Liebe.
.
Ernst Ferstl

Nehmen Sie sich an diesem Wochenende, aber nicht nur an diesem, Zeit – Zeit für sich, Zeit für andere. Vielleicht rufen Sie einmal jemanden an oder treffen sich mit jemanden, wo schon seit längerem keine Zeit mehr füreinander war.

Ich wünsche Ihnen auf jeden sehr viel Zeit.

Mit zeitlosen Grüßen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Sag „hallo“ zur Welt – Anne M. Pützer

Sag ,,Hallo“ zur Welt.

Zeige, dass du da bist.
Sie soll dich wahrnehmen,
deine Persönlichkeit achten,
dein Tun wertschätzen.
Komm raus aus dem Dunkeln,
geh vom Rande ins Licht.
Sei von allen Seiten sichtbar.
Deine Taten und Worte,
deine Liebe,
hinterlassen unverzichtbare Spuren.
Fühle dich stark und wichtig.
Du hast so viel zu geben.
Ohne dich wäre die Welt viel leerer.

(Anne M. Pützer)

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Foto: Anne M. Pützer

Über die Gelassenheit: Es geht auch so – Literarischer Wochenendgruß vom 24.10.14

Liebe literarische Freunde in nah und fern,

„gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast …“ , so beginnt ein Text, der laut Sage aus der St. Paul’s Kirche von Baltimore aus dem Jahre 1692 stammt.

Schon zu damaligen Zeiten war es unruhig, obwohl es noch kein Fernsehen, kein Radio, kein Internet, keine Smartphones gab. Was damals galt, gilt heute besonders. Die Vielfalt an Zerstreuung ist größer denn je und doch fehlt es an Zeit des Innehaltens, des „Zur-Ruhe-Kommens“.

Vielleicht trägt die heutige Ausgabe dazu, ein wenig zur Besinnung zu kommen, gelassener zu werden.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast und denke daran,
wie ruhig es sein kann in der Stille. Soweit als möglich – ohne Dich
aufzugeben – sei auf gutem Fuß mit jedermann.

Das was du zu sagen hast, sprich ruhig und klar aus,
und höre andere an, auch wenn sie langweilig und töricht sind,
denn auch sie haben an ihrem Schicksal zu tragen.

Desiderata (Auszug) – Vollständiger Text kann auf Wunsch zugesandt werden.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

Gott gebe mir Geduld mit Veränderungen, die ihre Zeit brauchen, und Wertschätzung für alles, was ich habe, Toleranz gegenüber jenen mit anderen Schwierigkeiten und die Kraft, aufzustehen und es wieder zu versuchen, nur für heute.

Autor: vermutlich Reinhold Niebuhr

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Der Atzelberg-Turm in Kelkheim-Ruppertshain/Taunus – Foto: Gerd Taron

Der beste Aussichtsturm des Lebens ist die Gelassenheit.
© Ernst Ferstl (*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Denen gegenüber, die mir Böses wollen, laß mich angemessen reagieren, und meine Seele möge gelassen bleiben, was auch geschieht.
Babylonischer Talmud

Die höchste Krone des Helden ist die Besonnenheit mitten in Stürmen der Gegenwart.
Jean Paul (1763 – 1825), eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, deutscher Dichter, Publizist und Pädagoge

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Gelassenheit kann man lernen. Man braucht dazu nur Offenheit, Motivation, ein bißchen Ausdauer und vor allem Bereitschaft, sich von den alten, eingefahrenen Bahnen zu lösen, in denen unser Denken und Handeln sich häufig bewegt.
Ludwig Bechstein (1801 – 1860), deutscher Archivar, Märchensammler- und Erzähler

Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht nur an diesem Wochenende wieder die Gelassenheit für sich entdecken. Und wenn es besonders turbulent werden sollte in Ihrem Leben: 5 Minuten innehalten in welcher Form auch immer. Es geht auch so.

Mit gelassenen Grüßen

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS:

Nachtrag zum literarischen Wochenendgruß vom 17.10.14 „Alles hat seine Zeit“

Barbara Michler, die Tochter der Autorin Elli Michler, bat mich, den nachstehenden korrekten Text des Gedichtes ihrer Mutter „Ich wünsche dir Zeit“ zu veröffentlichen. Es gibt im Internet zahlreiche unterschiedliche Versionen. Hier die richtige:

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

Elli Michler

Aus: E.M.: Ich wünsche dir Zeit für ein glückliches Leben (Die beliebtesten Gedichte von Elli Michler) © Don Bosco Medien GmbH, München, 2011

http://www.ellimichler.de

Sei still und lausche – Ein literarischer Klosterberg-Spaziergang mit besonderen Eindrücken und Klängen in Kelkheim im Taunus

Kelkheim, 18.10.2014

Wieder einmal war es soweit – ein literarischer Spaziergang in Kelkheim, Diesmal führte er auf die Höhen des Klosterbergs. Auch wenn sich die Teilnehmerzahl in Grenzen hielt, war es ein intensives Erleben, nicht nur wegen den ausgewählten Geschichten und Gedichten zum Thema „Alles hat seine Zeit“.

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Kalender-Auswahl bei Viola’s Bücherwurm – Foto: Gerd Taron

Der Reihe nach:

Treffpunkt war Viola’s Bücherwurm in der Bahnstraße 13. Beim Betrachten des schönen Schaufensters kam mir die Idee zum Thema des Spaziergangs. So viele schöne Kalender mit wunderbaren Motiven. Wie schnell das Jahr doch wieder vergangen ist. Dabei hatten wir doch gerade das neue Jahr begrüßt, so war das Gefühl. Aber das ist auch schon mehr als 9 Monate her.

Und da war noch etwas ganz Kleines was vor Viola’s Bücherwurm in aller Ruhe vor sich hinwächst: Ein Stiefmütterchen!

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Stiefmütterchen vor Viola’s Bücherwurm

Entdeckt von Annette Müller von Mode Annette Müller – fotografiert von Maren von Hoerschelmann

Über das kleine Stiefmütterchen gibt es später hier bei WordPress eine eigene Geschichte.

Es soll endlich losgehen – auf den Berg, wo das Wahrzeichen von Kelkheim steht: Das ehemalige Kloster. Das Wetter meinte es sehr gut mit uns. Strahlend blauer Himmel begleitete uns auf dem Weg.

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Das Wahrzeichen von Kelkheim – das ehemalige Kloster, heute katholische Kirche St. Franziskus

Dort oben las ich den passenden Text zum Thema aus dem Alten Testament des Predigers Salomo:

1 Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
2 eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,
3 eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
4 eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;
5 eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
6 eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
7 eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
8 eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.
9 Wenn jemand etwas tut – welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt?
10 Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht.
11 Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wieder finden könnte.1
12 Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt,
13 wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennen lernt, das ein Geschenk Gottes ist.
14 Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden und Gott hat bewirkt, dass die Menschen ihn fürchten.
15 Was auch immer geschehen ist, war schon vorher da, und was geschehen soll, ist schon geschehen und Gott wird das Verjagte wieder suchen.

Einheitsübersetzung

Zwischen den herbstlich gefärbten Bäumen auf der Höhe gab es dann einige Herbstgedichte. Hier folgt eines davon:

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Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke)

Weiter spazierten wir Richtung Hornau, wo ich von einer Teilnehmerin nach 21 Jahren (!) auf den alten Friedhof von Hornau aufmerksam gemacht wurde. Dort liegt die Familie von Gagern begraben, die hier im 19. Jahrhundert gelebt haben.

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Die katholische Kirche St. Martin in Kelkheim-Hornau

Die nächste literarische Rast hielten wir vor der Kirche St. Martin. Dort war vorgesehen mit zwei Texten zur Stille die Zeit betrachtet werden sollte.

Wir saßen auf einer Bank vor der Kirche, umhüllt von der zarten Herbstsonne.

Ich begann das Gedicht von Anne M. Pützer zu lesen:

SEI STILL UND LAUSCHE.

Sei still und lausche.
An alten Gemäuern und Ruinen
hörst du Geschichten flüstern.

Es ist ein Moment,
der dich einlädt zum innehalten.
Du tauchst ein in die Vergangenheit
und deine Vorstellungskraft malt dir
Bilder von früherem Leben,
von Menschen und ihren Gefühlen,
von Schicksal und Freude.
Du fühlst dich ein
und wirst Zeuge fremder Schicksale.
Gewesene Realität,
gelebte Geschichte.
Deine Gedanken,
dein Rückwärts- horchen,
dein Erinnern
weckt diese Zeit
für Minuten
zu neuem Leben.
Nichts und niemand
kann so vergessen werden.

Anne M. Pützer

Und dann begann es: In etwa 100 Metern wurde es sehr geräuschvoll. Ein Laubbläser nahm seine Arbeit auf, dazu Hammerschläge. Stille hört sich etwas anders an. Gegensätzlicher und grotesker hätte die Situation nicht sein können.

Nach etwa 15 Minuten endete der Lärm und es kehrte eine eigenartige Ruhe ein.
Mit einem Gedicht von Gottfried Keller endete ein ungewöhnlicher Spaziergang:

Stiller Augenblick

Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern
Streifend an abendrötlichen Weihern
Wallest du deine Bahn;
Siehst mich am kühlen Waldsee stehen,
Wo an herbstlichen Uferhöhen
Zieht entlang ein stummer Schwan.

Still und einsam schwingt er die Flügel
Tauchet in den Wasserspiegel,
Hebt den Hals empor und lauscht;
Taucht zum andern Male nieder,
Richtet sich auf und lauschet wieder,
Wie’s im flüsternden Schilfe rauscht.

Und in seinem Tun und Lassen
Will’s mich wie ein Traum erfassen,
Als ob’s meine Seele wär:,
Die verwundert über das Leben,
Über das Hin- und Widerschweben,
Lugt‘ und lauschte hin und her.

Atme nur in vollen Zügen
Dieses friedliche Genügen
Einsam auf der stillen Flur!
Und hast du dich klar empfunden,
Mögen enden deine Stunden,
Wie zerfließt die Schwanenspur!

Gottfried Keller

Gerd Taron

Meine Füße, sie laufen – Anne M. Pützer

Meine Füsse, sie laufen.

Meine Füsse,
sie laufen,
sie laufen,
sie rennen.
Weg von dem Leben,
dass mich so geknebelt.
Hin zu der Zukunft,
die ich für mich sehne.

Ich laufe,
ich laufe,
ich renne,
ich brenne
für meine Träume,
dass sie sich erfüllen.
Ich werds erreichen
mit eisernem Willen.

Meine Zeit,
sie läuft,
sie läuft,
sie rennt.
Kostbares Leben
täglich verrinnt.
Nur ohne Zögern
komm ich noch ans Ziel.

(Anne M. Pützer)

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Alles hat seine Zeit – Literarischer Wochenendgruß vom 17.10.14

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

so langsam beginnt sich die Natur auf Ihren Winterschlaf vorzubereiten. Die Ernte ist eingefahren, die Wintersaat ist auf den meisten Feldern eingebracht.

Die Autorin Monika Heckh hat dies wunderschön so formuliert:

Die Zeit beginnt, wo die Natur sich wieder zur Ruhe begibt, wo alles von Frieden und Stille umgeben ist und der Mensch sich gern mit Behaglichkeit umgibt…**
© Monika Heckh

Die Fotos der heutigen Ausgabe von Hans Joerg Kampfenkel nehmen uns auf eine besondere fotografische Zeitreise. Folgen Sie ihm und den Zitaten und Gedichten. Nehmen Sie sich IHRE Zeit dafür, für sich oder gemeinsam mit anderen.

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Die Zeit, die sich ausbreitet,
ist die Zeit der Geschichte.
Die Zeit, die hinzufügt,
ist die Zeit des Lebens.
Und die beiden haben nichts gemeinsam,
aber man muß die eine nutzen können
wie die andere.

(Antoine Saint-Exupéry)

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Wie herrlich ist es, dass niemand auch nur eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu verändern.

Anne Frank

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Alles hat seine Zeit

1 Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
2 eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,
3 eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
4 eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;
5 eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
6 eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
7 eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
8 eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.

Prediger Salomo (Auszug aus Kapitel 3 – Einheitsübersetzung)

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Überlaß es der Zeit

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuch’s nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlaß es der Zeit.
Am ersten Tag wirst du feige dich schelten,
Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du’s überwunden,
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Theodor Fontane

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Die Zeit vergeht nicht schneller als früher,
aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.

~George Orwell~

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Die Zeit geht nicht…

Die Zeit geht nicht, sie stehet still,
Wir ziehen durch sie hin;
Sie ist die Karawanserei,
Wir sind die Pilger drin.

Ein Etwas, form- und farbenlos,
Das nur Gestalt gewinnt,
Wo ihr drin auf und nieder taucht,
Bis wieder ihr zerrinnt.

Es blitzt ein Tropfen Morgentau
Im Strahl des Sonnenlichts;
Ein Tag kann eine Perle sein
Und ein Jahrhundert nichts.

Es ist ein weisses Pergament
Die Zeit, und jeder schreibt
Mit seinem roten Blut darauf,
Bis ihn der Strom vertreibt.

An dich, du wunderbare Welt,
Du Schönheit ohne End‘,
Auch ich schreib‘ meinen Liebesbrief
Auf dieses Pergament.

Froh bin ich, dass ich aufgeblüht
In deinem runden Kranz;
Zum Dank trüb‘ ich die Quelle nicht
Und lobe deinen Glanz.

(Gottfried Keller)

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Nimm Dir Zeit zum Arbeiten, es ist der Preis des Erfolges.
Nimm Dir Zeit zum Nachdenken, es ist die Quelle der Kraft.
Nimm Dir Zeit zum Spielen, es ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm Dir Zeit zum Lesen, es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm Dir Zeit für Freundlichkeit, es ist das Tor zum Glück.
Nimm Dir Zeit zum Träumen, es ist der Weg zu den Sternen.
Nimm Dir Zeit zum Rücksicht nehmen, der Tag ist zu kurz um selbstsüchtig zu sein.
Nimm Dir Zeit zum Lachen, es ist die Musik der Seele.
Nimm Dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden, es ist der wahre Reichtum des Lebens.

Irischer Segen

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Ich wünsche Dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur,
was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du was draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir Zeit, Dein Leben zu leben!

(Elli Michler)

Ein geruhsames Wochenende wünscht Ihnen allen
Ihr/Euer
Gerd Taron
Veranstaltungshinweis:
Am Samstag, 18.10. findet von 14 – 16 Uhr der nächste literarische Spaziergang statt. Der Klosterberg-Spaziergang hat das Thema des Wochenendgrußes: Alles hat seine Zeit.
Treffpunkt: Viola’s Bücherwurm, Bahnstraße 13, 65779 Kelkheim
Kostenbeitrag: 5 Euro – Festes Schuhwerk wird empfohlen

Alles hat seine Zeit – Vorschau auf den literarischen Spaziergang am Sa 18.10.14

Alles hat seine Zeit

Eine Vorschau auf den literarischen Klosterberg-Spaziergang am Samstag, 18.10.14 von 14 bis 16 Uhr

Liebe Literatur- und Naturfreunde,

am kommenden Samstag findet wieder eine der beliebten literarischen Spaziergänge statt.
Diesmal widmen wir uns literarisch dem Thema „Zeit“. An verschiedenen Stationen werden Geschichten und Gedichte zu diesem Thema zu hören sein.

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Der Treffpunkt und Start: Viola’s Bücherwurm in der Bahnstraße 13 in Kelkheim

Der Spaziergang führt über die Höhen des Klosterbergs vorbei an der Kirche St. Martin und der Alten Kapelle in Kelkheim-Hornau. Am Liederbach entlang führt der Spaziergang nach einem Verweilen an eimem Weiher zurück in die Bahnstraße nach Kelkheim.

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Die ehemalige Klosterkirche – das Wahrzeichen von Kelkheim

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Katholische Kirche St. Martin in Kelkheim-Hornau

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Alte Kapelle von Kelkheim-Hornau

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Die „Gagernsteine“ in Kelkheim-Hornau in Erinnerung an die Freiherrn von Gagern, die hier gelebt haben.

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Kostenbeitrag: 5 Euro – Auch bei Regen findet der Spaziergang statt.
Es empfiehlt sich festes Schuhwerk.

Alles hat seine Zeit – bis am Samstag, 18.10. beim literarischen Spaziergang auf den Höhen des Klosterbergs.

Auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen freut sich

Ihr/Euer
Gerd Taron

Taron – s Kultur-Literatur-Neuigkeiten Nr. 16 vom 13.10.14

Liebe Kultur- und Literaturfreunde,

ereignisreiche literarische Wochen liegen hinter mir. Es war eine Zeit mit vielen sehr schönen Begegnungen, Wiedersehen und/oder Kennenlernen. Das ist vergangen und Neues steht bevor. Darauf freue ich mich und bin gespannt, was kommen mag.

„Alles hat seine Zeit“, so lautet das Thema des kommenden literarischen Spaziergangs in Kelkheim. Der Herbst zeigt sich in all seinen Facetten von grau bis bunt – die Natur bereitet sich auf ihren Winterschlaf vor.

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Literarischer Klosterberg-Spaziergang
Thema: Alles hat seine Zeit
Samstag, 18.10.2014 von 14:00 bis 16:00 Uhr
Treffpunkt: Viola’s Bücherwurm, Bahnstraße 13, 65779 Kelkheim
Programm:
Der Spaziergang führt über die Höhen des Klosterbergs vorbei an der Alten Kapelle in Kelkheim-Hornau entlang des Liederbachs zurück in die Bahnstraße nach Kelkheim.
An verschiedenen Stationen des Weges wird das Thema „Zeit“ literarisch mit Geschichten und Gedichten betrachtet.

Eine weitere Veranstaltung findet am
Sonntag, 26.10.2014 ab 15:30 Uhr statt:
Literarischer Nachmittag bei Kaffee und Kuchen mit Gerd Taron und Viktoria Vonseelen, Sprecherin
Treffpunkt: Café Lounge Jasmin, Alt-Fechenheim 94, Frankfurt-Fechenheim
Thema: „Herbstzeit – schöne Zeit“ – Geschichten und Gedichte rund um den Herbst.
Mit einem kleinen Büchertisch
Um einen Kulturbeitrag wird gebeten

Hier einige Rückblicke auf interessante Veranstaltungen der letzten Wochen:

Frankfurter Buchmesse 2014:

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Die Autorinnen Maren Martell (rechts außen) und Kathrin Hohne (links außen), in der Mitte die Mit-Autorinnen Katrin Askan und Bettina Stäbert (neben Maren Martell)

Vorstellung des neues Buches: Meine Freiheit. Geschichten aus Deutschland – 25 Menschen aus Ost und West – ihre Schicksale, ihre Geschichten und ihre Gedanken zur Freiheit – ISBN 978-3-7375-0615-1

Dazu der passende literarische Wochenendgruß zur Buchmesse:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2014/10/10/worte-nur-worte-literarischer-wochenendgrus-vom-10-10-14/

Der literarische Erntedank-Spaziergang am 05.10.14

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2014/10/05/literarische-erntezeit-ein-erntedankspaziergang-rund-um-den-rettershof/

Das Fechenheimer Literaturfestival am 27.09.14

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Vorstellung des neues Buches von Uta Franck „Sagenhafter Main-Taunus“ als Vertretung für Uta Franck krankheitsbedingt: Gerd Taron – rechts im Bild die wunderbare musikalische Begleitung Jutta Loskill

Das Buch ist erschienen im Societäts-Verlag – ISBN: 978-3-95542-107-6

Verkaufsoffener Sonntag anlässlich Kelkheimer Möbeltage am 21.09.:

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Gemeinsam mit Viola’s Bücherwurm in der Bahnstraße 13 in Kelkheim, die Besucher kommen noch …

Der Krimi-Spaziergang mit der Autorin Sylvia Schopf am 19.09.14, die ihren neuen Frankfurt-Krimi „Zeit für Rache“ an den Original-Schauplätzen in Frankfurt vorstellte:

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Sylvia Schopf am Main-Ufer in Frankfurt-Sachsenhausen

Das Buch ist erschienen im Gmeiner Verlag 2014, 276 Seiten
ISBN 978-3-8392-1573-9 (auch als e-book erhältlich)

Zum Schluss noch ein Veranstaltungshinweis für eine liebe Freundin und Kollegin:

Karin Schmitt präsentiert ihr Buch „Die unverstandenen Geschenke des Lebens“ im Rahmen ihrer Erlebnislesungen

am Freitag, 17.10. ab 19:00 bzw. 20:15 Uhr im

Atelier amtaunus in der Robert-Koch-Str. 120 in Kelkheim – Ruppertshain (Zauberberg) Näheres unter:http://www.karin-schmitt.eu/aktuelles-1/

Mit literarischen Grüßen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Langstraße 30
65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de
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Worte nur Worte – Literarischer Wochenendgruß vom 10.10.14

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

es ist Buchmessen-Zeit in Frankfurt, wie Sie alle sicher schon bemerkt haben. Daher lag das Thema für die neue Ausgabe des Wochenendgrußes „Wort nur Worte“ nahe. Tausende von Büchern warten auf eine große Leserschar. Wieviel tausende, wenn nicht sogar Millionen von Wörtern sind dort in gedruckter Form zu lesen. Und wie viele Worte werden an den Ständen zwischen den Menschen gesprochen – sichtbare und unsichtbare Worte.

Aus aktuellem Anlass sind die Fotos diesmal alle von meinem Besuch der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch. Neue Fotos von Hans Joerg Kampfenkel gibt es dann wieder in der kommenden Woche. Schade, dass er die Vielfalt der Bücherwelt nicht erleben kann.

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Nicht Worte sollen wir lesen ~
sondern den Menschen ~
den wir hinter den Worten fühlen.

Samuel Butler

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Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen. Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe. Freundlichkeit im Geben schafft Liebe
(Lao-tse)

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Worte sind wie Netze – wir hoffen, dass sie das abdecken, was wir meinen,
aber wir wissen, so viel Freude oder Trauer, oder Erstaunen können sie gar nicht zum Ausdruck bringen…
Aus dem Buch „Das Herz ihrer Tochter“ von Jodi Picoult

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Du kannst die richtigen Worte haben
und Dich gut ausdrücken.
Du kannst eine Meisterin der Sprache sein
und der Welt mit Worten den Hof machen.
Du kannst tiefe Einsichten haben
und die Lösung für manche Probleme wissen.
Du kannst die Welt retten wollen
und Dich selbst dabei opfern.
Aber alles wird Dir nur begrenzt gelingen
und nur eine kurzlebige Wirkung haben,
wenn Du es nicht in Liebe tust.
Es gibt nichts,
was nicht mit Liebe besser geht.
Sie schafft immer Leben,
ohne Ausnahme.

~Ulrich Schaffer~

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Ich möchte dir Worte schenken, die du
wie ein Parfüm auf der Haut trägst.
Worte, die dich wärmen wie ein Sonnenstrahl..
Worte, die dich verzaubern wie das Mondlicht,
die dich streicheln und im Gedächtnis bleiben.
Worte wie eine Umarmung in die man sich fallen
lassen kann, und Worte in deren Tiefe man sich
wieder findet.
Autor unbekannt

Verschenken Sie Worte, seien Sie nicht zu sparsam. Mögen es Worte der Freundschaft, der besonderen Zuneigung, der Liebe sein.
Ein wortreiches Wochenende wünscht Ihnen/Euer

Gerd Taron

Literarische Erntezeit – Ein Erntedankspaziergang rund um den Rettershof

Kelkheim-Fischbach, 05.10.14

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Der Nebel lichtete sich und die Sonne wollte am Nachmittag unbedingt ein heller Begleiter sein. Rund um den Rettershof auf den Streuobstwiesen wurde es literarisch.

Zur Erntezeit und am Erntedanksonntag hatte ich die Gelegenheit unbekannte Dichterinnen und Dichter, Autorinnen und Autoren in der freien Natur zu präsentieren.

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Die Linde am Rettershof

Zum Sehen geboren,
zum Schauen bestellt,
dem Turme geschworen,
gefällt mir die Welt.
Ich blick in die Ferne,
ich seh in der Näh
den Mond und die Sterne,
den Wald und das Reh.
So seh ich in allen
die ewige Zier.
und wie mir’s gefallen,
gefall ich auch mir.
Ihr glücklichen Augen,
was je ihr gesehn,
es sei, wie es wolle,
es war doch so schön.

Johann Wolfgang von Goethe

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Mit Blick auf Eppenhain gab es die Geschichte „Zur Zeit der Heuernte“ von Uta Franck aus ihrem neuen Buch „Sagenhafter Main-Taunus“. Da wollte einst ein Lehrer einem Nachtwächter einen dummen Streich spielen … – Ob es ihm gelungen ist, kann man in diesem Buch nachlesen.

Bevor es zu den Streuobstwiesen ging, noch ein Gedicht von Anne M. Pützer:

HERBST.

Herbstlich ist´s,
im Land,
im Herzen.
Blattwerk fällt,
Gefühle schmerzen.
Will noch einmal farbenfroh genießen,
kosten von des Lebens Süße.
Fest den kahlen Baum umarmen.
Jahreszeit kennt kein Erbarmen.
Lebensherbst will Früchte ernten
Weitergeben vom Gelernten.
Will nicht verkümmern. Sonne spüren.
Der Erde Herz will er berühren.
Welk und nackt legt er sich nieder,
träumend, dass er kommet wieder.
Verjüngt und neu, im nächsten Leben.
Man möge ihm die Chance geben.

(Anne M. Pützer)

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Es war einmal ein Baum. Immer wieder besuchte ich in den letzten Jahren. Bei meinen vielen Spaziergängen konnte ich nicht ahnen, wie schlecht es ihm ging. Jetzt sind nur noch seine Zweige und die wenigen Rest-Äpfel zu sehen.

Dazu passt so schön das Lied, das Alexandra vor vielen Jahren einst sang (Auszug):

Mein Freund der Baum ist tot
Er fiel im frühen Morgenrot
Bald wächst ein Haus aus Glas und Steinen
dort wo man ihn hat abgeschlagen
bald werden graue Mauern ragen
dort wo er liegt im Sonnenschein
Vielleicht wird es ein Wunder geben
ich werde heimlich darauf warten
vielleicht blüht vor dem Haus ein Garten
und er erwacht zu neuem Leben
Doch ist er dann noch schwach und klein
und wenn auch viele Jahren gehen
er wird nie mehr der selbe sein.

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Ein Erntedankgedicht von mehreren wurde auf den Streuobstwiesen vorgetragen.

Eines sei davon hier erwähnt:

Apfellese

Das ist ein reicher Segen
In Gärten und an Wegen!
Die Bäume brechen fast.
Wie voll doch Alles hanget!
Wie lieblich schwebt und pranget
Der Äpfel goldne Last!

Jetzt auf den Baum gestiegen!
Laßt uns die Zweige biegen,
Daß Jedes pflücken kann!
Wie hoch die Äpfel hangen,
Wir holen sie mit Stangen
Und Haken all‘ heran.

Und ist das Werk vollendet,
So wird auch uns gespendet
Ein Lohn für unsern Fleiß.
Dann zieh‘n wir fort und bringen
Die Äpfel heim und singen
Dem Herbste Lob und Preis.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Auf dem Rückweg versuchten wir, einen Holzdieb ausfindig zu machen, der vor kurzem hier wohl sein Unwesen trieb.

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Da uns das nicht gelang, lauschten wir lieber Rainer Maria Rilke mit einem seiner bekannten Herbst-Gedichte:
Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke)

Ein schöner literarischer Nachmittag in der Natur endete an der Wegkreuzung am Rettershof.

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Gerd Taron

Alle Fotos: Gerd Taron (Wiedergabe nur mit Genehmigung gestattet)

Der nächste literarische Spaziergang, ein Klosterberg-Spaziergang, findet am Samstag, 18.10.14 von 14 bis 16 Uhr statt. Treffpunkt ist Violas Bücherwurm in der Bahnstraße 13 in Kelkheim.
Weitere Informationen unter: https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/

Ernte sei Dank – Literarischer Wochenendgruß vom 03.10.14

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes!

Die Zeit der Ernte ist vorbei. Die meisten Früchte sind geerntet. Jetzt dürfen wir die Ernte genießen.

Bei meinen Spaziergängen über die Streuobstwiesen hier im Taunus komme ich mir oft so vor, als ich lebte ich in einem Schlaraffenland. Apfelbaum reiht sich an Apfelbaum, dazwischen ein Pflaumenbaum, Mirabellen, Kastanien und andere Köstlichkeiten finden sich hier.

In dieser Jahreszeit, dem Herbst, bereitet sich die Natur auf ihren Winterschlaf vor.

Es wird uns wieder bewusst, dass wir nicht hungern müssen und unser tägliches Brot jeden Tag dankbar in vielfältiger Weise zu uns nehmen dürfen.

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Bäckermeister Bernd Wittekind von der Bäckerei Wittekind, Kelkheim-Fischbach, Langstraße 1 – Foto: Gerd Taron

DAS BROT

Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, dass die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild’,
sich kaum besinnt und fast vergisst,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge bass gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr.
Mit goldenem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.
Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluss hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht-
Das geht in Ruh‘ und Schweigen unter.

Georg Trakl

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Erntelied

Der Sommer bleibt nicht lange mehr,
Der Tag wird kürzer, die Nacht wird länger,
Das Korn ist gemäht, das Feld wird leer.
Es schweigen schon des Waldes Sänger,
So gibt er uns noch ein fröhlich Fest.

Seht da! Sie bringen den Erntekranz
Mit bunten Bändern und Flittern,
Sie eilen Alle zum fröhlichen Tanz,
Die Mädchen mit den Schnittern.
Und Alles tanzt und springt,
Und Alles jubelt und singt.

Juchheißa juchhei!
Die Ernt‘ ist vorbei.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Beurteile einen Tag nicht danach,
welche Ernte du am Abend eingefahren hast,
sondern danach, welche Saat du gesät hast.

Robert Louis Stevenson

Danke
Im normalen Leben wird oft einem gar nicht bewusst,
dass der Mensch überhaupt unendlich viel mehr empfängt,
als er gibt, und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht.
Dietrich Bonhoeffer

Wenn Sie mögen, können Sie die Texte des heutigen Wochenendgrußes und andere beim literarischen Erntedank-Spaziergang am Rettershof in Kelkheim-Fischbach hören und erleben. Weitere Informationen finden Sie am Ende.

Ich wünsche Ihnen an diesem verlängerten Erntedank-Wochenende viele Momente der Dankbarkeit. Ihnen allen danke ich für das treue Lesen des Wochenendgrußes und die Anteilnahme, die ich immer wieder erfahren darf.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Literarischer Erntedank-Spaziergang am Rettershof

Die Streuobstwiesen rund um den Rettershof
Geschichten und Gedichte zur Erntezeit
Sonntag, 05.10.2014 von 15:00 bis 17:00 Uhr
Treffpunkt: Parkplatz Rettershof, Kelkheim-Fischbach
Weitere Informationen bei Gerd Taron, Taron-Antiquariat
Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach, Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de
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