Unser tägliches Brot gib uns heute – Literarischer Wochenendgruß vom 06.09.13

Liebe Freunde des Wochenendgrußes,

in meinem Ort gibt es ihn noch – den Bäcker, der sein Brot, seine Brötchen selbst backt. Vor seiner Bäckerei stehen vor allem am Samstagmorgen viele Menschen, die geduldig warten. Der Duft, der aus der Backstube kommt, ist für alle betörend.

Mir kommen dann Erinnerungen aus meiner Kindheit wieder in den Sinn. Meine Großeltern hatten eine Bäckerei und ich durfte, wenn ich zu Besuch war, vom köstlichen Teig naschen. Aus allen Ecken drangen wohlriechende Düfte in meine Nase.

Am gestrigen Tag hatte ich das Vergnügen, dort in unserer Dorfbäckerei Bäckermeister Bernd Wittekind in seiner Backstube über die Schulter zu schauen.

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Ja, so war es, als es das digitale Zeitalter noch nicht gab – so wird noch heute bei Bäckermeister Bernd Wittekind abgewogen

Ein Brotteig ….

In der Backstube der Bäckerei Wittekind in Kelkheim-Fischbach

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Ein Brotteig – Und was daraus werden kann .

Bäckermeister Bernd Wittekind mit den ersten Ergebnissen.

Fotos. Gerd Taron – bearbeitet von Marina Rupprecht

„Der Geruch des Brots ist der Duft aller Düfte. Es ist der Urduft unseres irdischen Lebens, der Duft der Harmonie, des Friedens und der Heimat.“

 

Jaroslav Seifert, tschechischer Schriftsteller

Für diesen Wochenendgruß hat Marina Rupprecht, die nicht nur eine ambitionierte Fotografin ist, ihre kleine Backstube in Gang gesetzt.

 

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Daraus sind nicht nur schöne Fotos entstanden, sondern auch ein wohlschmeckendes und wohlriechendes Brot. Bei Betrachten der Fotos kann man es förmlich „riechen“.

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Alle Fotos: Marina Rupprecht

 

  

DAS BROT

Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, dass die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild’,
sich kaum besinnt und fast vergisst,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge bass gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

Lassen Sie sich ihr Brot, ihr Brötchen an diesem Wochenende besonders gut schmecken.

Ein genussvolles Wochenende wünscht Ihnen

Ihr

Gerd Taron

 

 

Gerd Taron 

 

Taron-Antiquariat
Langstraße 30

 

65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 49+(0)6195-676695

 

 

 

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Weihnachtszeiten – „Mein Weihnachtsgedicht“ vom 18.12.12

Das heutige Gedicht wurde von Frau Ursula Runge aus Kelkheim eingesandt – herzlichen Dank!

 

In Weihnachtszeiten reis‘ ich gern

Und bin dem Kinderjubel fern

Und geh‘ in den Wald und Schnee allein,

Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,

trifft meine gute Stunde ein,

Daß ich von allem, was da war,

Auf einen Augenblick gesunde

Und irgendwo im Wald für eine Stunde

Der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn

Und wieder Knabe bin.

 

Hermann Hesse