Den Herbst literarisch zwischen den Zeiten genießen –Spaziergang im Woogtal in Königstein im Taunus

Foto: Gerd Taron

Königstein im Taunus, 21.10.2018

Vor der Kur- und Stadtinformation – Foto: Ira Lenski

Zum Abschluss der literarischen Freiluftsaison trafen sich Freunde der Literatur aus nah und fern, um den Geschichten und Gedichten zum Thema „Zwischen den Zeiten“ im schönen Woogtal zu lauschen.

Mit einem Gedicht, unter anderem von Paul Pfeffer, begaben sich die Teilnehmer bei herrlichstem Traumwetter auf den Weg ins Woogtal.

Später Herbsttag

Noch einmal spielt die Sonne auf den Hängen
mit Farben wie von großen alten Meistern.
Noch einmal kann ihr Spiel mein Herz begeistern,
derweil mich dunkle Ahnungen bedrängen,
dass dieser Rausch schon bald vergehen werde.
Die letzten Früchte modern schon im Grase,
und letzte Rosen welken in der Vase
an meinem Fenster.Schwerer wird die Erde.
Doch heute will der Herbst noch einmal glänzen,
bevor der Winter mir den Tag verdunkelt.
Er lädt die Blätter ein zu wilden Tänzen
und zeigt, wie groß er ist und wie sein Auge funkelt.
Noch einmal will er seine Kraft und Fülle zeigen,
bevor sich seine Tage still dem Ende neigen.

Paul Pfeffer

Auf dem Weg ins Woogtal – Foto: Ira Lenski

An weiteren Stationen wurden Gedichte und Geschichten präsentiert, die alle im Zusammenspiel mit der Natur in den Bann zogen.

Foto: Ira Lenski

Herbstfeuer

In Wald und Garten, Busch und Baum
erglühen leuchtend Herbstes Lichter;
aufflammt ein golden roter Traum,
der Blätter feurige Gesichter.
Als feiere vor langem Darben
in dunkler Nacht und Nebelfang
Natur hier, schwelgend in den Farben,
des Sommers Sonnenuntergang.
Ein hoffnungsvolles Abschiedsfest,
wo Wiedersehen im Erwarten
den Frühling jetzt schon grüßen lässt,
das Leben blühend neu zu starten.

© Text Ingrid Herta Drewing

Foto: Ira Lenski

Abschiedsgedanken

Es trinkt der Teich sich noch an Farben satt,
dem Blau des Himmels, rotem Gold der Bäume,
das sonnig leuchtend dieser Herbsttag hat
geschenkt als Spiegelbild, lässt Phönix träumen.
Hier werden bald die Nebelvögel schwingen,
auslöschen alle Pracht und warmen Glanz,
und Frost wird ihn in blinde Eishaut zwingen,
wo Wasservögel schweben jetzt im Tanz.
Er fühlt es nicht, Natur wird schmerzlos lenken,
doch mir mischt Wehmut sich in meinen Blick,
erschaue Schönes, dennoch weiß mein Denken,
wie endlich hier das Leben, alles Glück.
Doch tröstlich ist der Kreislauf der Natur:
Was hier vergeht, kommt wieder, ruht ja nur!

© Text Ingrid Herta Drewing,

Foto: Ira Lenski

Man muss den Dingen
die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist Austragen –
und dann Gebären.
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit.
Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages in die Antwort hinein.

Rainer Maria Rilke

Foto: Ira Lenski

Dabei wurden besondere Bücher vorgestellt – wie hier „Das Tagebuch der Edith Holden – Vom Glück mit der Natur zu leben“.

Foto: Ira Lenski

oder das Buch des Fotografen Bernhard Nollen „ Nutze den Augenblick – Gedanken zur Lebenskunst“ mit Zitaten von Marc Aurel

Foto: Ira Lenski

Mit „Desiderata“ von Max Ehrmann endete ein wunderschöner Tag im Woogtal.

Eine kleine Runde gönnte sich im Eiscafé bei angenehmen Temperaturen ein Eis zum Abschluss.

„Mozart-Becher“ – Foto Gerd Taron

Die literarische Freiluftsaison 2019 wird am Sonntag, 24.03.2019 um 15 Uhr mit einem literarischen Frühlingsspaziergang rund um den Rettershof eröffnet.

Ein wundervolles Jahr mit vielen schönen Begegnungen, nicht nur literarisch, hat einen würdigen Abschluss gefunden.

Gerd Taron

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Ein Kommentar zu “Den Herbst literarisch zwischen den Zeiten genießen –Spaziergang im Woogtal in Königstein im Taunus

  1. Ingrid Herta Drewing sagt:

    Poesie in solch schöner Landschaft im Einklang mit der Natur zu zelebrieren, ist eine wundervolle Idee.

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