Das erste Licht – Literarischer Rundbrief vom 30.11.12

Liebe Bücherfreunde,
an diesem Sonntag wird die erste Kerze an unseren Adventskränzen angezündet. Ein Brauch, der mich zum Thema dieses Rundbriefes führt: Das erste Licht.
565644_393002934108814_1546386029_n
Foto: Marina Rupprecht – Weiterverwendung nur mit Einverständnis der Fotografin gestattet
Ein unbekannter Autor erzählt uns  folgende Geschichte:
Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt.
ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann? fragte der Schüler. Nein, sagte der Rabbi.
Ist es, wenn man von weitem einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann? fragte ein anderer. Nein,. sagte der Rabbi. Aber wann ist es dann? fragten die Schüler.
Der Rabbi antwortete: Es wird Tag, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und in ihm den Bruder oder deine Schwester erkennst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.
Ich wünsche allen ein besonders schönes Licht an diesem 1. Advent, das in die Herzen des Nächsten leuchtet.
Ihr/Euer

Gerd Taron

EinStimmen – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach vom 29.11.12

Bald ist es soweit, die schönste Zeit des Jahres beginnt. Endlich wandern die Krippenfiguren aus dem Keller ins Wohnzimmer, die Lichterketten werden aufgehängt, Kerzen entzündet und (zu) viel Plätzchen gegessen. Auch ich werde es mir schön machen, denn der große Geburtstag braucht – wie jedes anders Fest – eine angemessene und freudige Vorbereitung. Im besten Fall bringt mich die äußere Einstimmung mit den vielen schönen Traditionen, Bräuchen, Adventsmärkten und alten Melodien zu einer freudigen, manchmal auch stillen, inneren Vorbereitung.
Es wäre schön, wenn ich ein paar Momente der Stille für mich in den Alltag einbauen könnte. Dann zünde ich eine Kerze an, schaue nur dem Flackern der Flamme zu und werde innerliche ruhig. Vielleicht gelingt es mir so, oder anders, leerer zu werden, um wieder empfangen zu können. Vielleicht darf ich dann in der Stille spüren, wie Gott in mir Raum nimmt, zu mir kommt. Für mich ist dies mit einem Gefühl des Ausgefülltseins, des Genügens und innerer Wärme zu tun.
So wünsche ich Dir Momente der Ruhe und der Stille, in denen Du Dich öffnen kannst.
Gottes Segen für Dich!
Andreas Schmalz-Hannappel, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach

Schattenspiele – Literarischer Rundbrief vom 23.11.12

Liebe Freunde der Literatur,
das Wochenende naht – es ist wieder Zeit für einen literarischen Gruß aus dem Taunus. Beim Spaziergang am Donnerstagmorgen durch unseren Ort sind mir die Schattenspiele wieder aufgefallen, die es gerade in dieser Zeit gibt.
Dazu hat Marina Rupprecht wieder wunderschöne Fotos zu diesem Thema beigetragen.
                  
 
                         
           
                                     
Alle Fotos: Marina Rupprecht Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Fotografin gestattet
Larry Elvers von der norddeutschen Gruppe „Godewind“ hat zu diesem Thema einen wundervollen Text und Musik verfasst. Zu hören auf der CD „Schattenspiele“ von Godewind.

Schattenspiele

 

Sag, wo sind die Helden hin

aus unseren Kinderträumen?

 

Waren wir die Puppenspieler

unserer eignen Träume?

 

Sind wir nicht es, die entscheiden,

ob sie weiterleben?

 

Sind sie nur die Spiegelbilder

unserer Kinderseele?

 

Denkt vielleicht auch irgendjemand

unser aller Leben?

 

Hängen wir wie Marionetten

auch an fremden Fäden?

Und wer kann auf all’ die Fragen

uns die Antwort geben?

 

 

Sind wir denn nur Schattenspiele,

Spiegelbilder an der Wand?

Und ist alles, was ich fühle

oder nur ein fremder Traum?

 

Bin ich, was ich bin und fühle

oder nur ein fremder Traum?

 

Spiegelbilder an der Wand

werfen Schatten auf den Strand.

Spiegeln sich vorm Horizont,

sind vertraut und doch fremd

 

Sind wir denn nur Schattenspiele?

Ein erholsames Wochenende mit guten Gesprächen und Gedanken wünschen Ihnen/Euch allen

Gerd Taron und Marina Rupprecht

PS: Am Sonntag, 25.11. endet die Aktion „Mein Weihnachtsgedicht“. Es sind bereits zahlreiche schöne Gedichte eingegangen – vielleicht werden Sie/werdet Ihr noch fündig. Es würde uns freuen.

Ein alter Schatz – Eine Bibel aus dem Jahre 1729

Vor einiger Zeit erhielt ich in meinem Antiquariat eine sehr alte Bibel zur Begutachtung.  Eine solches Pracht-Exemplar hatte ich bis dahin noch nicht gesehen – 44 cm hoch – 29 cm breit und ca. 15 kg schwer. Die Bibel stammt aus dem Jahre 1729 und ist top erhalten. Sie muss nur durch die Jahrhunderte nur durch wenige Hände gegangen sein, fast wie neu. Sie fristete offensichtlich ihr Dasein im Verborgenen.

Einige Fotos sollen dies verdeutlichen:

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Bibel ist käuflich zu erwerben. Anfragen bitte bei Gerd Taron, Taron-Antiquariat, Tel. 06195-676695 – E-Mail verkauf@taron-antiquariat.de

 

Der offizielle Einleitungstext möchte ich nicht vorenthalten:

 

Biblia, Das ist: Die gantze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, Nach der Übersetzung und mit den Vorreden und Randglossen D. Martin Luthers, mit Neuen Vorreden, Summarien, weitläuffigen Parallelen, Anmerckungen und geistlichen Anwendungen, auch Gebeten auf jedes Capitel: Wobey zugleich Nöthige Register und eine Harmonie des Neuen Testaments beygefüget sind. Ausgefertiget unter der Aufsicht und Direction Christoph Matthäi Pfaffen, Der Heil. Schrifft Doctorn, Professorn, Cantzlern und Probsten zu Tübingen, auch Abbten des Closters Lorch. II.) Die Heilige Schrift Neuen Testaments, Nach der fürtrefflichen Ubersetzung und mit den Vorreden auch Rand – Glossen Martin Luthers: Da dann neue nach dem Zweck eingerichtete Summarien, weitläuffigen Paralleln, Anmerckungen und geistliche Anwendungen, durch Gebete und jedes Capitel wobey zugleich nothige Register und eine Harmonie des Neuen Testaments

 

Ausgefertigeckt unter der Aufsicht und Direction Christoph Matthai Pfaffen

 

Tübingen – verlegt und gedruckt von Johann Georg und Christian Gottfried Cotta im Jahr Jesu Christi 1729

 

Erinnerung – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach

Draußen zieht jeden Tag der Nebel auf. Die Gedanken bleiben am Boden. Wenig Licht dringt zu uns durch. Gleichzeitig steht das Nachdenken über das Leben und noch mehr über den Tod im Raum. Die ARD zeigt in dieser Woche viele Facetten des Themas Tod und Sterben. Mir wird in dieser Zeit immer wieder schmerzhaft bewusst, welche Menschen mir fehlen. Menschen, von denen ich Abschied nehmen musste, weil es Trennungen gab, Wege auseinanderliefen oder der Tod Einzug hielt.
Mit all diesen Menschen lebe ich weiter.
Wie sich dies anfühlt, davon spricht ein Text, den ich im Netz gefunden habe:

Wir erinnern uns…

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie;

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie;

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;

Zu Beginn des Jahres
und wenn es zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen,
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir Freuden erleben,
die wir so gern teilen würden,
erinnern wir uns an sie;
Solange wir leben,
werden sie auch leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.“

(aus: „Tore des Gebets“, Reformiertes Jüdisches Gebetsbuch, Wenn das Leben mit dem Tod beginnt. Elwin Staude Verlag Hannover 1994)

So wünsche ich Dir dankbare Erinnerungen, die Hoffnung schenken, und einen getrosten Blick in Deine Zukunft.

Gottes Segen für Dich!

Andreas Schmalz-Hannappel

November-Impressionen – Literarischer Rundbrief vom 16.11.12

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Rundbriefes,

November – ein Monat der Besinnung, des Nachdenkens über die vergangene Zeit, aber auch ein Monat, der hinführt in die Zeit des Neuanfangs, der Zeit der Freude, in die Advents- und Weihnachtszeit.

In der vergangenen Monaten durfte ich einen Menschen kennen lernen, die viele Begabungen hat, auch und besonders im Bereich der Fotografie – Marina Rupprecht. Vor kurzem erhielt ich von ihr eine Auswahl von Fotos zum Thema „November-Impressionen„, die sie bei einem Spaziergang hier im Taunus gemacht hat. Einige wenige davon möchte ich in diesem literarischen Rundbrief präsentieren. Das Gedicht aus der Zeit um 1900 passt sehr gut zu diesen Fotos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Novemberstimmung von Martin Greif

Die Flur umher

Es kalt durchweht,

Wo nirgend mehr

Ein Blümlein steht.

Im Wald zerstiebt

Das welke Laub –

Die ich geliebt

Sind alle Staub. –

Sich frühe neigt

Der Sonne Lauf,

Am Himmel steigt

Der Mond herauf.

Es füllt sich sacht

Das Sternenzelt.

Sie sind erwacht

In jener Welt.

aus dem Buch „Zum Vortrage – Eine Sammlung deutscher Gedichte“ herausgegeben vom königlichen Professor Elise Bartels erschienen um 1900

Alle Fotos: Marina Rupprecht – Die Weiterverwendung ist nur mit Genehmigung der Fotografin gestattet

Ich wünsche allen bei einem Spaziergang an diesem Wochenende den Blick für die schönen Seiten des Novembers, so wie es die Fotos von Marina Rupprecht in wunderbarer Weise wiedergeben.

Herzliche Grüße

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS:  Eine kleine Erinnerung: Vielleicht haben Sie/hast Du Zeit am Wochenende Ihr/Dein persönliches Weihnachtsgedicht herauszusuchen. Es sind schon zahlreiche Einsendungen eingegangen. Bis Sonntag, 25.11. ist noch Gelegenheit

Taron-Antiquariat
Langstraße 30

65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 49+(0)6195-676695

Mobil: 0175-1430272

Internet: www.gerdtaronantiquariat@wordpress.com

und

www.taron-antiquariat.de
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de

BVB-Fan – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach, 15.11.12

Darf man als Fan eines Fußballvereins ein Emblem auf seinen Grabstein meißeln lassen? Für Pascal war dies ein Herzenswunsch. Er wurde nur 9 Jahre alt und starb im Frühjahr an einem Hirntumor. Die Liebe zu seinem Verein schenkte ihm in seinen letzten Jahren Kraft und Freude. Nun sollte der Grabstein für ihn errichtet werden, doch der Kirchenvorstand der katholischen Kirche, die den Friedhof betreibt, wollte den Entwurf des Grabsteins zunächst nicht erlauben. Daraufhin setzte ein Sturm der Entrüstung ein.
Wie viel Individualität verträgt ein Friedhof? Vor über 10 Jahren musste ich ein sehr fröhliches Kind beerdigten. Auf das Grab wurden viele bunte Windräder gesteckt. Auch da gab es Menschen, die sich daran störten. Doch die Trauer braucht einen Ort und sie ist so unterschiedlich, wie die Menschen, die trauern. Ein Normgrab mit einem Norm-Grabmal auf einem normierten Friedhof, wird den Menschen oft nicht gerecht.
Letztlich ist die katholische Gemeinde über ihren Schatten gesprungen und hat einen Kompromiss mit den Eltern gefunden. Denn es wird für die Eltern darauf ankommen, den Tod ihres geliebten Kindes mit in ihr Leben aufnehmen zu können. Sollte daher nicht auch der Friedhof zu einem Ort des Lebens werden?
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“, sprachen zwei Gestalten am Grab Jesu zu den Frauen, die den Leichnam suchten. Vielleicht sollten wir viel mehr das Leben suchen, auch auf unseren Friedhöfen.
So wünsche ich Dir Orte und Zeiten, wo Du das Leben findest.
Gott Segen Dich!

Andreas Schmalz-Hannappel

Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach

02.07.13 – Büchnerpreisträgerin 2012 Felicitas Hoppe: „Hoppe“

Der Roman ist weit entfernt von einer Auto-biographie. Es geht um ein anderes, ein gewünschtes Leben. Felicitas Hoppe erzählt von kanadischer Kindheit auf dünnem Eis, von der australischen Jugend oder vom Reisen über das Meer. Und das unbestreitbare Glück, ein Kind des Rattenfängers aus Hameln zu sein. – Eine außergewöhnliche und spannende Anlage eines Romans. Beginn: 20:00 Uhr

Kulturbahnhof, Zeilsheimerstr. 8a
http://www.kulturgemeinde-kelkheim.de/lesungen/index.html

07.06.13 – Norbert Robers: „Joachim Gauck – vom Pastor zum Präsidenten: eine Biografie“

Joachim Gauck ist eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der deutsch-deutschen Geschichte. Nach der Wende stand der Name des ehemaligen Pastors und Bürgerrechtlers zehn Jahre für die Aufarbeitung der Stasi-Akten. Im März 2012 wurde er Bundespräsident. Ein spannendes Stück Wiedervereinigungs-geschichte – von einem Profi geschrieben.  Beginn: 20:00 Uhr
Ev. Pauluskirche, Gustav-Adolf-Straße 4
http://www.kulturgemeinde-kelkheim.de/lesungen/index.html

24.04.13 – Ulf Erdmann Ziegler: „Nichts Weißes

Marleen verliebt sich in die Gestalt der Buch-staben, noch ehe sie Lesen lernt. Marleens weitere Entwicklung zeichnet die Generation des hereinbrechenden Computer-, Medien- und Werbe-Zeitalters nach, mit allen Folgen für das Erwachsenwerden. – Raffiniert und brillant geschrieben. Zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.  Beginn: 20:00 Uhr
Kulturbahnhof, Zeilsheimerstr. 8a
http://www.kulturgemeinde-kelkheim.de/lesungen/index.html

06.02.13 – Eva Demski: „Rund wie die Erde – Kulinarische Geschichten“

Lesung mit Imbiss – passend zum Thema.

Es geht um Gourmets und Puristen, üppige Festgelage, einen heiteren Leichenschmaus, und Würste. Natürlich fehlen auch Kapitel über Wein und Champagner nicht. Als Gott die Erde schuf, hatte er den Knödel im Sinn, behauptet Eva Demski. Ist der Knödel in seiner Rundheit doch der Inbegriff der Perfektion. 13 unterhaltsame Geschichten rund ums Essen – humorig und kenntnisreich wie immer.  Beginn: 20:00 Uhr
Kulturbahnhof, Zeilsheimer Str. 8a
http://www.kulturgemeinde-kelkheim.de/lesungen/index.html

 

 

Literarischer Rundbrief vom 09.11.12

Liebe Freunde der Literatur,
der heutige Tag ist ein besonderer Tag: Für uns alle ist jeder Tag ein besonderer, so sollte es zumindest sein. Vor allem.aber in der deutschen Geschichte ist der 9. November ein ungewöhnliches Datum.
Ich darf in Erinnerung rufen:
9. November 1848: Standrechtliche Hinrichtung des republikanischen Parlamentsabgeordneten Robert Blum
Die Hinrichtung markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung der Deutschen Revolution von 1848/49 als Anfang vom Ende dieser Revolution.
9. November 1918: Novemberrevolution in Berlin  ==> Anfänge der Weimarer Republik
Der kurz zuvor berufene Reichskanzler Max von Baden erwirkt eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und betraut Friedrich Ebert mit den Amtsgeschäften. Philipp Scheidemann ruft von einem Fenster des Reichstagsgebäudes die „Deutsche Republik“ aus. Im August 1919 wird schließlich das erste demokratisch strukturierte Staatswesen in Deutschland konstituiert, die so genannte „Weimarer Republik“..
Dann folgen Jahre, die in die Geschichte mit den Schlagworten „Goldene Zwanziger, Inflation von 1923, Weltwirtschaftskrise 1929 – Börsencrash“ eingehen werden..
Am 30. Januar 1933 übernimmt Adolf Hitler die Regierung, die Zeit des „Dritten Reiches“ beginnt.
9, :November 1938 – Reichspogromnacht
In gesamten Reichsgebiet  werden jüdische Geschäfte und Einrichtungen demoliert, Synagogen in Brand gesteckt. Hunderte von Juden werden in wenigen Tagen ermordet.
9. November 1989 – Fall der Berliner Mauer
Fotograf unbekannt – entdeckt von Marina Rupprecht
„Ehe man seine Vergangenheit nicht erträgt,
ist die Vergebung nicht recht geglaubt.“
Jochen Klepper
„Woran man sich erinnert,
das kann nicht verlorengehen.“
Siegfried Lenz
Aus meiner Sicht ist es schön zu erleben, dass auch Stacheldrähte überwunden werden können, die Geschichte hat es bewiesen. Das Foto ist für mich ein besonderer Ausdruck dafür. Ich wünsche mir für uns alle, dass sich die Stacheldrähte in unseren Herzen  in eine Blume der Hoffnung verwandeln.
Ein ruhiges und besinnliches Wochenende wünscht allen Ihr/Euer

Gerd Taron

Bist du es? Rundbrief von Pfarrer Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach, 08.11.12

„Bist du es, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Das war die Frage, die viele sich stellen, als es galt zum ersten Mal einen schwarzen Präsidenten in Amerika zu wählen. Damals schaffte Obama es mit großer Mehrheit. Wie ein Messias wurde er gefeiert. Vier Jahre später war es deutlich schwerer. Nein, der Messias zog nicht ins Weiße Haus ein. Viel zu viel von dem, was sich die Menschen erwünscht und erträumt hatten, blieb liegen oder wurde nicht angepackt. Jetzt hat der Präsident eine zweite Chance. Dabei sieht heute niemand mehr in ihm einen Heilsbringer. Und das ist auch gut so.
„Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“, diese Frage stellten die Anhänger von Johannes dem Täufer Jesus (Matthäus 11). Und was antwortete Jesus? „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Er sagte nicht: Ich bin es. Sondern er wollte durch sein Leben und Wirken als der erkannt werden, der er ist.
Vielleicht sollten sich Politiker mehr daran messen lassen, was sie tun, als an dem, was sie verkünden. Das gilt aber nicht nur für sie, sondern eigentlich für jede und jeden von uns. Wir sind nicht der Messias, kein Mensch ist dies, aber durch unsere Taten dürfen wir unseren Glauben Wirklichkeit werden lassen.
Und so wünsche ich Dir, dass Du in Dir immer wieder zur Einheit findest von Reden und Handeln – und zwar im Sinne Gottes.
Gottes Segen für Dich!
Andreas Schmalz-Hannappel
Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach

Schöne neue Welt – Rundbrief von Pfarrer Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach, 01.11.12

Schöne neue Welt. Wie alle anderen Telefonanbieter speichert auch 02 das Bewegungsprofil seiner Kunden. Diese Daten sollen nun zu Geld gemacht werden. So kann demnächst Werbung der Ladenkette auf meinem Smartphone erscheinen, wenn ich mich grade vor dem betreffenden Schaufenster bewege. Schon jetzt wird vielen Internetnutzern die perfekt auf ihn zugeschnittene Werbung untergeschoben. Wir müssen nur noch unserem freien Willen folgen und das passende Angebot anklicken.
Vor fast 500 Jahren sprengte ein kleines Mönchlein in der sächsischen Provinz die Ketten der damaligen Kirche. Aus der Bibel heraus, nahm sich Martin Luther die geistige Freiheit zu denken und zu handeln. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemand untertan�, schrieb er ins einer Schrift �Von der Freiheit eines Christenmenschen�. Damit ist in die Welt auch ein enormer Freiheitsschub gekommen. Traditionen begannen zu bröckeln, bis in unsere Zeit hinein fielen Diktaturen aufgrund dieses Freiheitsgedankens.
Doch wo bleibt die Freiheit, wenn wir uns ganz freiwillig elektronische Fesseln in die Manteltasche stecken?

So wünsche ich Dir anläßlöich des Reformationstages, der gestern gefeiert wurde, ein aus allen Zwängen befreites Leben.

Gottes Segen für Dich!

Andreas Schmalz-Hannappel

Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach

 

Literarischer Rundbrief vom 02.11.12

Guten Morgen an alle Freunde der Literatur, wann und wo immer Sie ihn lesen/Ihr liest!
in dieser Woche bekam ich eine Einladung zu einer christlichen Veranstaltung, zum Thema „Geld & Macht – Lob & Dank mit Gott@Work – Was Glaube und Werte im Berufsalltag möglich machen.“
In einer Gesprächsrunde diskutierten Führungskräfte der Deutschen Bank, Commerzbank, ein Pfarrer einer progressiven evangelischen Gemeinde und ein Geschäftsführer eines christlichen Verbandes über dieses Thema.
Der Abend hinterließ bei mir einen zwiespältigen Eindruck, die ich mit den nachfolgenden kleinen Geschichten deutlich machen möchte.
„In meinem Hause
Wohnen zwei Schwestern.
Fragt man die beiden,
Wie es denn geht?
Lächelt die eine:
„Besser als gestern!“
Aber die andere
Seufzt voller Sorgen:
„Besser als morgen,
Besser als morgen.“
Mascha Kaléko
„In meinen Beziehungen zu Menschen habe ich herausgefunden, daß es auf lange Sicht nicht hilft, so zu tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin. Es hilft nicht, ruhig und freundlich zu tun, wenn ich eigentlich ärgerlich bin und Bedenken habe. Es ist nicht hilfreich, so zu tun, als wüßte ich Antworten, wenn ich sie nicht weiß. Es hilft nicht, den liebevollen Menschen zu spielen, wenn ich im Augenblick eigentlich feindlich gestimmt bin. Es hilft nicht so zu tun, als wäre ich voller Sicherheit, wenn ich eigentlich ängstlich und unsicher bin. Es hilft nicht so zu tun, als sei ich gesund, wenn ich mich krank fühle. Es ist für mich einfacher, mich als einen unvollkommenen Menschen zu akzeptieren, der keinesfalls zu jeder Zeit so handelt, wie er handeln möchte. Manchen mag diese Entwicklung befremdlich erscheinen, mir ist sie wertvoll. Denn: Wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin, dann ändere ich mich.“
Carl R. Rogers
Diese Einstellung, wie sie Carl R. Rogers beschreibt, wünsche ich mir gerade in der aktuellen Diskussion hinsichtlich des Themas Werte. Nur wer sich so akzeptiert, wie er ist, kann Werte in seinem Leben positiv für sich und andere umsetzen und sichtbar machen. Ich habe an diesem Abend einiges davon vermisst. Glücklicherweise bin ich in den letzten Wochen immer wieder Menschen begegnet (ob persönlich oder schriftlich), für die dieses Thema nicht nur eine Worthülse ist, sondern diese auch leben.

Mit etwas nachdenklichen Grüßen verabschiede ich mich diesmal in das Wochenende und wünsche allen eine gute Zeit mit anregenden Gedanken, die das Leben ein wenig verändern können.

Ihr/Euer

Gerd Taron