Das erste Licht – Literarischer Rundbrief vom 30.11.12

Liebe Bücherfreunde,
an diesem Sonntag wird die erste Kerze an unseren Adventskränzen angezündet. Ein Brauch, der mich zum Thema dieses Rundbriefes führt: Das erste Licht.
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Foto: Marina Rupprecht – Weiterverwendung nur mit Einverständnis der Fotografin gestattet
Ein unbekannter Autor erzählt uns  folgende Geschichte:
Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt.
ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann? fragte der Schüler. Nein, sagte der Rabbi.
Ist es, wenn man von weitem einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann? fragte ein anderer. Nein,. sagte der Rabbi. Aber wann ist es dann? fragten die Schüler.
Der Rabbi antwortete: Es wird Tag, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und in ihm den Bruder oder deine Schwester erkennst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.
Ich wünsche allen ein besonders schönes Licht an diesem 1. Advent, das in die Herzen des Nächsten leuchtet.
Ihr/Euer

Gerd Taron

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EinStimmen – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach vom 29.11.12

Bald ist es soweit, die schönste Zeit des Jahres beginnt. Endlich wandern die Krippenfiguren aus dem Keller ins Wohnzimmer, die Lichterketten werden aufgehängt, Kerzen entzündet und (zu) viel Plätzchen gegessen. Auch ich werde es mir schön machen, denn der große Geburtstag braucht – wie jedes anders Fest – eine angemessene und freudige Vorbereitung. Im besten Fall bringt mich die äußere Einstimmung mit den vielen schönen Traditionen, Bräuchen, Adventsmärkten und alten Melodien zu einer freudigen, manchmal auch stillen, inneren Vorbereitung.
Es wäre schön, wenn ich ein paar Momente der Stille für mich in den Alltag einbauen könnte. Dann zünde ich eine Kerze an, schaue nur dem Flackern der Flamme zu und werde innerliche ruhig. Vielleicht gelingt es mir so, oder anders, leerer zu werden, um wieder empfangen zu können. Vielleicht darf ich dann in der Stille spüren, wie Gott in mir Raum nimmt, zu mir kommt. Für mich ist dies mit einem Gefühl des Ausgefülltseins, des Genügens und innerer Wärme zu tun.
So wünsche ich Dir Momente der Ruhe und der Stille, in denen Du Dich öffnen kannst.
Gottes Segen für Dich!
Andreas Schmalz-Hannappel, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach

Schattenspiele – Literarischer Rundbrief vom 23.11.12

Liebe Freunde der Literatur,
das Wochenende naht – es ist wieder Zeit für einen literarischen Gruß aus dem Taunus. Beim Spaziergang am Donnerstagmorgen durch unseren Ort sind mir die Schattenspiele wieder aufgefallen, die es gerade in dieser Zeit gibt.
Dazu hat Marina Rupprecht wieder wunderschöne Fotos zu diesem Thema beigetragen.
                  
 
                         
           
                                     
Alle Fotos: Marina Rupprecht Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Fotografin gestattet
Larry Elvers von der norddeutschen Gruppe „Godewind“ hat zu diesem Thema einen wundervollen Text und Musik verfasst. Zu hören auf der CD „Schattenspiele“ von Godewind.

Schattenspiele

 

Sag, wo sind die Helden hin

aus unseren Kinderträumen?

 

Waren wir die Puppenspieler

unserer eignen Träume?

 

Sind wir nicht es, die entscheiden,

ob sie weiterleben?

 

Sind sie nur die Spiegelbilder

unserer Kinderseele?

 

Denkt vielleicht auch irgendjemand

unser aller Leben?

 

Hängen wir wie Marionetten

auch an fremden Fäden?

Und wer kann auf all’ die Fragen

uns die Antwort geben?

 

 

Sind wir denn nur Schattenspiele,

Spiegelbilder an der Wand?

Und ist alles, was ich fühle

oder nur ein fremder Traum?

 

Bin ich, was ich bin und fühle

oder nur ein fremder Traum?

 

Spiegelbilder an der Wand

werfen Schatten auf den Strand.

Spiegeln sich vorm Horizont,

sind vertraut und doch fremd

 

Sind wir denn nur Schattenspiele?

Ein erholsames Wochenende mit guten Gesprächen und Gedanken wünschen Ihnen/Euch allen

Gerd Taron und Marina Rupprecht

PS: Am Sonntag, 25.11. endet die Aktion „Mein Weihnachtsgedicht“. Es sind bereits zahlreiche schöne Gedichte eingegangen – vielleicht werden Sie/werdet Ihr noch fündig. Es würde uns freuen.

Ein alter Schatz – Eine Bibel aus dem Jahre 1729

Vor einiger Zeit erhielt ich in meinem Antiquariat eine sehr alte Bibel zur Begutachtung.  Eine solches Pracht-Exemplar hatte ich bis dahin noch nicht gesehen – 44 cm hoch – 29 cm breit und ca. 15 kg schwer. Die Bibel stammt aus dem Jahre 1729 und ist top erhalten. Sie muss nur durch die Jahrhunderte nur durch wenige Hände gegangen sein, fast wie neu. Sie fristete offensichtlich ihr Dasein im Verborgenen.

Einige Fotos sollen dies verdeutlichen:

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Bibel ist käuflich zu erwerben. Anfragen bitte bei Gerd Taron, Taron-Antiquariat, Tel. 06195-676695 – E-Mail verkauf@taron-antiquariat.de

 

Der offizielle Einleitungstext möchte ich nicht vorenthalten:

 

Biblia, Das ist: Die gantze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, Nach der Übersetzung und mit den Vorreden und Randglossen D. Martin Luthers, mit Neuen Vorreden, Summarien, weitläuffigen Parallelen, Anmerckungen und geistlichen Anwendungen, auch Gebeten auf jedes Capitel: Wobey zugleich Nöthige Register und eine Harmonie des Neuen Testaments beygefüget sind. Ausgefertiget unter der Aufsicht und Direction Christoph Matthäi Pfaffen, Der Heil. Schrifft Doctorn, Professorn, Cantzlern und Probsten zu Tübingen, auch Abbten des Closters Lorch. II.) Die Heilige Schrift Neuen Testaments, Nach der fürtrefflichen Ubersetzung und mit den Vorreden auch Rand – Glossen Martin Luthers: Da dann neue nach dem Zweck eingerichtete Summarien, weitläuffigen Paralleln, Anmerckungen und geistliche Anwendungen, durch Gebete und jedes Capitel wobey zugleich nothige Register und eine Harmonie des Neuen Testaments

 

Ausgefertigeckt unter der Aufsicht und Direction Christoph Matthai Pfaffen

 

Tübingen – verlegt und gedruckt von Johann Georg und Christian Gottfried Cotta im Jahr Jesu Christi 1729

 

Erinnerung – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach

Draußen zieht jeden Tag der Nebel auf. Die Gedanken bleiben am Boden. Wenig Licht dringt zu uns durch. Gleichzeitig steht das Nachdenken über das Leben und noch mehr über den Tod im Raum. Die ARD zeigt in dieser Woche viele Facetten des Themas Tod und Sterben. Mir wird in dieser Zeit immer wieder schmerzhaft bewusst, welche Menschen mir fehlen. Menschen, von denen ich Abschied nehmen musste, weil es Trennungen gab, Wege auseinanderliefen oder der Tod Einzug hielt.
Mit all diesen Menschen lebe ich weiter.
Wie sich dies anfühlt, davon spricht ein Text, den ich im Netz gefunden habe:

Wir erinnern uns…

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie;

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie;

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;

Zu Beginn des Jahres
und wenn es zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen,
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir Freuden erleben,
die wir so gern teilen würden,
erinnern wir uns an sie;
Solange wir leben,
werden sie auch leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.“

(aus: „Tore des Gebets“, Reformiertes Jüdisches Gebetsbuch, Wenn das Leben mit dem Tod beginnt. Elwin Staude Verlag Hannover 1994)

So wünsche ich Dir dankbare Erinnerungen, die Hoffnung schenken, und einen getrosten Blick in Deine Zukunft.

Gottes Segen für Dich!

Andreas Schmalz-Hannappel

November-Impressionen – Literarischer Rundbrief vom 16.11.12

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Rundbriefes,

November – ein Monat der Besinnung, des Nachdenkens über die vergangene Zeit, aber auch ein Monat, der hinführt in die Zeit des Neuanfangs, der Zeit der Freude, in die Advents- und Weihnachtszeit.

In der vergangenen Monaten durfte ich einen Menschen kennen lernen, die viele Begabungen hat, auch und besonders im Bereich der Fotografie – Marina Rupprecht. Vor kurzem erhielt ich von ihr eine Auswahl von Fotos zum Thema „November-Impressionen„, die sie bei einem Spaziergang hier im Taunus gemacht hat. Einige wenige davon möchte ich in diesem literarischen Rundbrief präsentieren. Das Gedicht aus der Zeit um 1900 passt sehr gut zu diesen Fotos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Novemberstimmung von Martin Greif

Die Flur umher

Es kalt durchweht,

Wo nirgend mehr

Ein Blümlein steht.

Im Wald zerstiebt

Das welke Laub –

Die ich geliebt

Sind alle Staub. –

Sich frühe neigt

Der Sonne Lauf,

Am Himmel steigt

Der Mond herauf.

Es füllt sich sacht

Das Sternenzelt.

Sie sind erwacht

In jener Welt.

aus dem Buch „Zum Vortrage – Eine Sammlung deutscher Gedichte“ herausgegeben vom königlichen Professor Elise Bartels erschienen um 1900

Alle Fotos: Marina Rupprecht – Die Weiterverwendung ist nur mit Genehmigung der Fotografin gestattet

Ich wünsche allen bei einem Spaziergang an diesem Wochenende den Blick für die schönen Seiten des Novembers, so wie es die Fotos von Marina Rupprecht in wunderbarer Weise wiedergeben.

Herzliche Grüße

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS:  Eine kleine Erinnerung: Vielleicht haben Sie/hast Du Zeit am Wochenende Ihr/Dein persönliches Weihnachtsgedicht herauszusuchen. Es sind schon zahlreiche Einsendungen eingegangen. Bis Sonntag, 25.11. ist noch Gelegenheit

Taron-Antiquariat
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BVB-Fan – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach, 15.11.12

Darf man als Fan eines Fußballvereins ein Emblem auf seinen Grabstein meißeln lassen? Für Pascal war dies ein Herzenswunsch. Er wurde nur 9 Jahre alt und starb im Frühjahr an einem Hirntumor. Die Liebe zu seinem Verein schenkte ihm in seinen letzten Jahren Kraft und Freude. Nun sollte der Grabstein für ihn errichtet werden, doch der Kirchenvorstand der katholischen Kirche, die den Friedhof betreibt, wollte den Entwurf des Grabsteins zunächst nicht erlauben. Daraufhin setzte ein Sturm der Entrüstung ein.
Wie viel Individualität verträgt ein Friedhof? Vor über 10 Jahren musste ich ein sehr fröhliches Kind beerdigten. Auf das Grab wurden viele bunte Windräder gesteckt. Auch da gab es Menschen, die sich daran störten. Doch die Trauer braucht einen Ort und sie ist so unterschiedlich, wie die Menschen, die trauern. Ein Normgrab mit einem Norm-Grabmal auf einem normierten Friedhof, wird den Menschen oft nicht gerecht.
Letztlich ist die katholische Gemeinde über ihren Schatten gesprungen und hat einen Kompromiss mit den Eltern gefunden. Denn es wird für die Eltern darauf ankommen, den Tod ihres geliebten Kindes mit in ihr Leben aufnehmen zu können. Sollte daher nicht auch der Friedhof zu einem Ort des Lebens werden?
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“, sprachen zwei Gestalten am Grab Jesu zu den Frauen, die den Leichnam suchten. Vielleicht sollten wir viel mehr das Leben suchen, auch auf unseren Friedhöfen.
So wünsche ich Dir Orte und Zeiten, wo Du das Leben findest.
Gott Segen Dich!

Andreas Schmalz-Hannappel

Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach