Besondere Begegnungen – Literarischer Wochenendgruß vom 20.04.18

Besondere Begegnungen – Literarischer Wochenendgruß vom 20.04.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Monaten hatte ich trotz manch widriger Umstände, das große Glück besonderen Menschen oder besonderen Momenten zu begegnen. Jetzt in dieser Zeit, wo der Frühling sich von seiner schönsten Zeit zeigt, wurde mir das wieder neu bewusst.

Dankbar bin ich für die Menschen, mit denen ich diese besonderen Augenblicke genießen kann, so wie am vergangenen Sonntag bei einem unvergesslichen Ausflug im Rheingau.

Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Sie über ähnliche Erlebnisse freuen konnten.

Foto: Gerd Taron

Begegnung geht immer über zwei Menschen hinaus,
die sich treffen.
Sie eröffnet einen größeren Horizont.
Sie lässt mich die ganze Welt mit neuen Augen sehen.
Die Welt wird heller, wenn zwei Menschen wirklich
einander begegnen.

(Anselm Grün)

Foto: Gerd Taron

Bahnhof der Begegnungen

Die Erinnerung an zahlreiche Menschen hab ich auf dem Bahnhof der Begegnungen wegen ihrer Bedeutungslosigkeit in das Schließfach des Vergessens eingeschlossen!
Menschen jedoch, die mir sehr viel bedeuten trage ich ständig
in meinem geistigen Handgepäck mit mir herum.

[© Rydiger Fromm]

Foto: Gerd Taron

Die schönsten Begegnungen,
die berührendsten Augenblicke,
die vielsagendsten Momente
sind Fundstücke des Alltags,
unverhofft,
mitten
ins
Herz!

Anja Schindler

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Foto: Gerd Taron

Begegnung in der Kastanien-Allee
Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheit
kühl wie ein Seidenmantel umgegeben,
den er noch nahm und ordnete: als eben
am andern transparenten Ende, weit,
aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben,
weiß eine einzelne Gestalt
aufleuchtete, um lange fern zu bleiben
und schließlich, von dem Lichterniedertreiben
bei jedem Schritte überwallt,
ein helles Wechseln auf sich herzutragen,
das scheu im Blond nach hinten lief.
Aber auf einmal war der Schatten tief,
und nahe Augen lagen aufgeschlagen
in einem neuen deutlichen Gesicht,
das wie in einem Bildnis verweilte
in dem Moment, da man sich wieder teilte:
erst war es immer, und dann war es nicht.

Rainer Maria Rilke

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die wichtigen Begegnungen
sind von den Seelen ausgemacht,
bevor sich die Menschen begegnen.

[Paulo Coelho]

Foto: Gerd Taron

Du suchst nach einer tiefen Begegnung,
in der auch dein innerstes Wesen eingeladen ist,
sich zu zeigen.

Wo du selbst erkennst, wie du bist
in dem Spiegel des anderen,
und dein Gegenüber sich selbst ebenso begegnet,
in dem Wunder des offenen Auges,
wach in Schmerz und Glück.

Es gibt andere wie dich, die auch suchen
und dich entdecken wie du sie.

Ulrich Schaffer

Foto: K.-H. Fischer

Spuren

Mit jedem Schritt, den du tust,
und in jeder Begegnung,
die dir geschenkt wird,
hinterlässt du Spuren.
Ich wünsche Dir,
dass du Spuren der Freude
hinterlässt und des Glücks,
Spuren der Hoffnung
und der Liebe,
Spuren der Gerechtigkeit
und des Friedens,
und da wo du anderen
weh getan hast,
Vergebung erfährst.

Christa Spilling-Nöker

Foto: Gerd Taron

Ich wünsche dir die Sonne in menschlichen Begegnungen;
durch die Glut der Achtung und Liebe wird das Leben erhellt.
Ich wünsche dir die Sonne in deinem einmaligen Gesicht;
durch ihren goldenen Glanz fallen die Schatten hinter dich.
Ich wünsche dir die Sonne, wo immer du bist und lebst;
ihre Strahlen scheinen dort, wo du sie einlässt.
Ich wünsche dir die Sonne, die unsere Welt in Farben taucht;
sie öffnet die Augen für die Schönheit des Lichts.
Ich wünsche dir die Sonne, die hinter dunklen Wolken scheint;
sie existiert, auch wenn wir sie nicht spüren.
Ich wünsche dir die Sonne, die dein Herz durchströmt;
ihr Glanz erhellt die Welt und ist dem Himmel nah.

Autor unbekannt

Ein sonniges Frühlingswochenende mit vielen besonderen Begegnungen wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: An diesem Wochenende können Sie sich zum Beispiel hier bei besonderen Autorenlesungen begegnen:

Freitag, 20.04.2018 – 19 Uhr
Die Kreuzfahrtautorin BRINA STEIN liest aus „JAHRESAUSKLANG IN TRAVEMÜNDE – WELLENGEFLÜSTER AN DER OSTSEE“.
In der Buchhandlung Viola’s Bücherwurm , Bahnstraße 13, 65779 Kelkheim

Der Kostenbeitrag von 5 Euro wird der „Stiftung Bärenherz“ in Wiesbaden zur Verfügung gestellt..
Um die Planung zu erleichtern, bittet die Buchhandlung um Platzreservierung. Kurzentschlossene Gäste sind jederzeit willkommen.
Tel.: 06195 – 900818, e-mail: violas-buecherwurm@t-online.de

Sonntag, 22.04.2018 – Beginn: 15 Uhr – Ende: ca. 16:30 Uhr

Lesung „Sara und die Regentage“ – mit der Autorin Franziska Franz

Treffpunkt: Am Großen Parkplatz am Rettershof

Die Autorin Franziska Franz stellt an verschiedenen Plätzen rund um den Rettershof ihren neuen Roman vor. In ihrem Buch treffen sich eine Konzertmeisterin und ein Kunstgalerist in Wien auf ungewöhnliche Weise. Was dieses Treffen für mögliche Folgen hat, kann man bei einem Spaziergang in der freien Natur erfahren.

Zum Abschluss besteht die Möglichkeit, im Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ am Rettershof mit der Autorin zu verweilen.

Advertisements

Weniger ist mehr – Literarischer Wochenendgruß vom 13.04.18

Weniger ist mehr – Literarischer Wochenendgruß vom 13.04.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

haben Sie schon Ihren Frühjahrsputz erledigt? Und haben Sie sich dabei gewundert, was alles so zum Vorschein kam? Dabei meine ich nicht nur die etwas (?) verschmutzten Ecken, sondern auch Gegenstände und Dinge, die nach langer Zeit wieder das Tageslicht erblicken.

Ein Aufräumen zu gewissen Zeiten ist wichtig, um neue Klarheit für das eigene Leben zu gewinnen. Das gilt nicht nur für materielle Dinge.

Jetzt, wo die Natur zu neuer Schönheit erwacht, kann uns dies neu motivieren, alten Ballast abzuwerfen und mit neuem Schwung in den Frühling zu starten.

Foto: Gisela Michaelis

Vergiss nicht – man benötigt nur wenig, um ein glückliches Leben zu führen.

Marc Aurel

Foto: Sabine Barde

Menschen gibt´s, die von dem Vielen, das sie haben, wenig geben – und es nur um der Anerkennung willen tun-, und ihr geheimer Wunsch macht ihre Gabe unbekömmlich.
Und Menschen gibt´s, die wenig haben und es restlos hingeben.
Sie sind diejenigen, die an das Leben und des Lebens Fülle glauben, und ihre Truhe wird niemals leer.
Menschen gibt´s, die voller Freude geben, und diese Freude ist ihr Lohn…
Sie geben so, wie die Myrte im Tal dort drüben atmend ihren Duft verbreitet.
Durch solcher Menschen Hand spricht Gott, und aus ihren Augen lächelt Er nieder auf die Welt.

Khalil Gibran

Foto: Lissy Theissen

Checkliste fürs Glück:
.
❍ wandern in der freien Natur
❍ essen, wenn man Hunger hat
❍ radfahren und im Garten arbeiten
❍ sprechen mit Pflanzen
❍ pfeifen mit Vögeln
.
Du bekommst Augen für die Wunder
um dich herum.
Du wirst weniger verbrauchen,
aber mehr und bewusster genießen.
Ein Butterbrot schmeckt wunderbar.
Ein Glas frisches Wasser kann ein Fest sein.
Mit wenig zufrieden sein
und viel genießen
sind die Kunst und das Glück
von freien Menschen.

Phil Bosmans,

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Menschen führen Menschen zum Licht, zu einem neuen Lebensstil: Menschen, die sich befreien lassen von Habsucht und Hass. Menschen, die nicht länger an Gewehrläufe glauben. Menschen, die mit wenig zufrieden sind und Zeit für Dinge haben, die kein Geld bringen. Menschen, die keinen Palast brauchen, um prächtig zu leben, und kein dickes Portemonnaie, um gemeinsam Feste zu feiern. Menschen, die Blumen sehen, die Vögel zwitschern hören, die wie ein Kind spielen und in einem Sessel einschlafen können. Liebe Menschen mit viel Licht in Häusern, in Dörfern und Städten.

© Phil Bosmans (1922 – 2012),
belgischer Ordenspriester,
Telefonseelsorger und Schriftsteller,
›der moderne Franziskus‹

Foto: Brina Stein

Seesterne

Immer, wenn wir denken, wir können nur wenig bewirken, sollten wir an diese Geschichte denken.

Ein Mann schlenderte an einem einsamen Strand in Asien dem Sonnenuntergang entgegen. In der Ferne bemerkte er einen Einheimischen, der sich immer wieder bückte, etwas aufhob und weit ins Meer hinaus warf. Als er näher kam, erkannte er, dass der Mann angeschwemmte Seesterne auflas und ins Wasser warf. Erstaunt fragte er ihn, was er da mache.

„Ich werfe Seesterne zurück ins Meer. Wie du siehst, ist gerade Ebbe, und die Seesterne bleiben am Strand liegen. Wenn ich sie nicht zurückwerfe, sterben sie.“

„Hm, ich verstehe. Aber es müssen doch Tausende hier am Strand herumliegen. Du kannst sie doch unmöglich alle aufsammeln. Und außerdem werden an der ganzen Küste Seesterne angeschwemmt. Weitaus mehr, als du retten kannst. Da macht es doch keinen Unterschied, ob du dich bemühst oder nicht.“

Der Einheimische bückte sich lächelnd, hob einen weiteren Seestern auf und warf ihn zurück ins Meer: „Für diesen hier macht es wohl einen Unterschied!“

Verfasser unbekannt

Foto: Gerd Taron

Rezept
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.
Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.
Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.
Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.
Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.
Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im großen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko

Ein sonniges frühlingshaftes Wochenende mit dem Blick für die kleinen Dinge in unserer Welt wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Zwei Veranstaltungstipps für die kommende Woche:

Freitag, 20.04.2018 – 19 Uhr
Die Kreuzfahrtautorin BRINA STEIN liest aus „JAHRESAUSKLANG IN TRAVEMÜNDE – WELLENGEFLÜSTER AN DER OSTSEE“.
In der Buchhandlung Viola’s Bücherwurm , Bahnstraße 13, 65779 Kelkheim

Der Kostenbeitrag von 5 Euro wird der „Stiftung Bärenherz“ in Wiesbaden zur Verfügung gestellt..
Um die Planung zu erleichtern, bittet die Buchhandlung um Platzreservierung. Kurzentschlossene Gäste sind jederzeit willkommen.
Tel.: 06195 – 900818, e-mail: violas-buecherwurm@t-online.de

Sonntag, 22.04.2018 – Beginn: 15 Uhr – Ende: ca. 16:30 Uhr

Lesung „Sara und die Regentage“ – mit der Autorin Franziska Franz

Treffpunkt: Am Großen Parkplatz am Rettershof

Die Autorin Franziska Franz stellt an verschiedenen Plätzen rund um den Rettershof ihren neuen Roman vor. In ihrem Buch treffen sich eine Konzertmeisterin und ein Kunstgalerist in Wien auf ungewöhnliche Weise. Was dieses Treffen für mögliche Folgen hat, kann man bei einem Spaziergang in der freien Natur erfahren.

Zum Abschluss besteht die Möglichkeit, im Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ am Rettershof mit der Autorin zu verweilen.

Von echten und falschen Freunden – Literarischer Wochenendgruß vom 06.04.18

Von echten und falschen Freunden – Literarischer Wochenendgruß vom 06.04.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes

In stürmischen Zeiten des Lebens ist es bedeutsam, Freunde zu haben, auf die Verlass ist und denen man vertrauen kann.

Meine Erfahrungen der vergangenen Zeit zeigen aber auch, wie wichtig es ist, echte von falschen Freunden zu unterscheiden. Denn zu oft zeigen sich angebliche Freunde in schwierigen Situationen ihr wahres Gesicht. Sie suchen im anderen nur die Erfüllung ihres eigenen Ego. Manchmal kann es lange dauern, bis man sie durchschaut.

„Echte Fründe ston zusamme (echte Freunde stehen zusammen)“. – Dieses Zitat aus einem Lied aus meiner rheinischen Heimat ist mir wieder neu bewusst geworden.

Ich bin dankbar, dass ich mich von Freundeskreis getragen weiß, dem ich vertrauen kann. Das ist nicht selbstverständlich.

Daher widme ich diesen Wochenendgruß all meinen lieben Freunde in nah und fern, die mir immer wieder die Kraft geben, nicht zu verzagen.

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Blumen können nicht blühen ohne die Wärme der Sonne. Menschen können nicht Mensch werden ohne die Wärme der Freundschaft.

Phil Bosmans

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Je tiefer Dein Bündnis der Freundschaft mit Dir Selbst, desto höher die Energie zum Wandel auf Deine unmittelbare Umgebung.“

Christina Boos

Foto: Angelika Quast-Fischer

Wahre Freunde berühren nicht nur deine Augen, sondern vor
allem deine Seele, damit sie Flügel bekommt und ein Stück
weiterfliegen kann.

Monika Minder

Foto: K.-H. Fischer

Das schönste Geschenk an den Menschen ist die Fähigkeit zur Freundschaft,
nutze sie…..

Dazu eine Geschichte die im alten Persien spielt. Es war an der Zeit, das Neujahrsfest vorzubereiten. Der König wies seine Leute an: „Ich möchte, dass es ein wirklich königliches Fest wird. Die Gästeliste soll überquellen von illustren Persönlichkeiten. Die Tische sollen sich biegen unter Delikatessen, und der Wein soll nur aus erlesenen Trauben und besten Jahrgängen bestehen.“

Die Mitarbeiter schwärmten aus und brachten aus allen Landesteilen nur das Köstlichste. Aber der König war nicht zufriedenzustellen. „Im letzten Jahr habe ich ein durch nichts zu überbietendes Fest gegeben. Aber die ganze Stadt sprach nur von dem Fest bei Ramun, dem Maler. Da wurde getrunken und gelacht die ganze Nacht bis zum Nachmittag des nächsten Tages. Im Jahr davor war es dasselbe. Ebenso im Jahr davor und davor. Einmal muss es mir doch gelingen, diesen Wurm zu übertrumpfen, denn ich, ich bin der König.“

Einer der Mitarbeiter, ein kluger Mann, verneigte sich tief und fragte: „Mein König, habt Ihr je mit dem Maler gesprochen? Es muss doch einen Grund geben, warum die Leute sein Fest so lieben, obwohl sie in schäbiger Hütte ihre mitgebrachten Happen essen und den billigsten Wein trinken müssen.“ Der König nickte stumm und sagte: „Gut, schafft mir diesen Ramun heran.“

Und so geschah es. „Warum lieben die Menschen so dein Neujahrsfest?“ fragte der König.

Worauf der Maler antwortete: „Wir sind Freunde und brauchen einander – aber mehr brauchen wir nicht. Deshalb sind wir reich.“

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Eine Freundschaft zu schließen, ist eine Gunst.
Eine Freundschaft zu haben, ist eine Gabe.
Eine Freundschaft zu halten, ist eine Tugend.
Ein Freund zu sein, ist eine Ehre.
(aus Spanien)

Foto: Elisa Maria Brock

Gehe mit offenen Augen durchs Leben,
höre auf deine innere Stimme und auch du wirst ihn entdecken.
Er zieht dich magisch an und niemand kann dich abhalten, dort zu verweilen.

Hüte ihn gut, wenn du ihn einmal gefunden hast,
den Baum der Freundschaft.
Er ist ein wertvolles Geschenk,
das ohne Pflege verkümmert.

(unbekannt)

Ich wünsche Ihnen, dass Sie viele liebe echte Freunde haben und dass Ihnen ein freundschaftliches Wochenende bevorsteht.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Von der Schuld – Literarischer Ostergruß 2018

Von der Schuld – Literarischer Ostergruß 2018

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

die Osterausgabe befasst sich diesmal mit dem Thema Schuld. Das Wort hallt mir in diesen Tagen besonders oft, nicht nur an diesem Karfreitag, um die Ohren.

Wie oft werden wir zu „Schuldigern“ oder aber viel mehr noch lassen wir uns aus falsch verstandenem Schuldbewusstsein demütigen.

Täter kehren nicht nur in Gerichtsprozessen ihre angebliche „Unschuld“ um, und die Opfer sind selbst schuld an dem Geschehenen. Das eigentliche Opfer muss seine Unschuld beweisen und nicht der Täter. Dies beobachte ich bedauerlicherweise auch in meinem persönlichen Umfeld, besonders in den vergangenen Wochen.

Die Täter wollen und/oder können ihr Fehlverhalten nicht erkennen. Das Wichtigste ist für sie, dass es ihrem eigenen Ego nützt.

Glücklicherweise lebe ich in einem Umfeld mit sehr lieben Freunden, die diese Aussagen sicher befürworten können. Das macht mir Mut nicht zu verzagen und meinen Weg mit dem Thema „Schuld“ auf meine Weise umzugehen.

Foto: Gerd Taron

Die Schönheit des Lebens besteht darin, dass wir, weil wir das Geschehene nicht ungeschehen machen können, es sehen, verstehen, daraus lernen und es ändern können, so dass wir jeden Augenblick anstatt mit Bedauern, Schuldgefühlen, Angst und Ärger ihn lieber mit Weisheit, Verständnis und Liebe füllen.

Jennifer Edwards

Foto: Gerd Taron

Nachrichten, die für mich bestimmt sind,
weitergetrommelt von Regen zu Regen,
von Schiefer- zu Ziegeldach,
eingeschleppt wie eine Krankheit,
Schmuggelgut, dem überbracht,
der es nicht haben will –
Jenseits der Wand schallt das Fensterblech,
rasselnde Buchstaben, die sich zusammenfügen,
und der Regen redet
in der Sprache, von welcher ich glaubte,
niemand kenne sie außer mir –
Bestürzt vernehme ich
die Botschaften der Verzweiflung,
die Botschaften der Armut
und die Botschaften des Vorwurfs.
Es kränkt mich, daß sie an mich gerichtet sind,
denn ich fühle mich ohne Schuld.
Ich spreche es laut aus,
daß ich den Regen nicht fürchte und seine Anklagen
und den nicht, der sie mir zuschickte,
daß ich zu guter Stunde
hinausgehen und ihm antworten will.

Günter Eich

Foto: Gerd Taron

Die Zurückhaltung deiner Demut
Wenn sie dich wegen einer Aussage
missbilligend von der Seite betrachten,
wenn sie es dir mit Worten
oder mit Schweigen nachtragen,
dass deine Antwort ihnen unangenehm ist
oder dass deine Antwort heute anders ist als gestern,
wenn sie dir vorwerfen, dass du nicht mitmachst,
wenn sie vorgeben, dich nicht zu verstehen,
weil sie sich sonst selbst verändern müssten,
wenn sie unmöglich finden,
dass dir das Innere wichtiger ist als das Äußere,
wenn sie dich fragen,
ohne deine Anwort hören zu wollen,
wenn sie dich übersehen, um dich zu strafen,
wenn sie versuchen, dich mit ihren Vorschlägen
auszuhöhlen, um dich auf ihre Seite zu kriegen,
wenn sie erwarten, dass du dir selbst untreu wirst,
nur um ihnen treu zu sein, was das auch heißen mag,
wenn sie nicht erfassen wollen oder können,
was deine innere Wahrheit ist,
wenn sie dich so in Frage stellen,
dass sie deine Würde antasten,
wenn sie laut sind, wo du leise bist,
wenn sie dir deinen ureigensten Raum nehmen
und mit ihrem Wesen besetzen, was dir gehört,
wenn sie über dich verfügen,
als hättest du keine Meinung,
wenn sie deine Leidenschaft abschwächen wollen,
um dich lau und mittelmäßig zu machen,
dann halte aus, dich nicht zu verteidigen.
Schäme dich nicht.
Sei dir treu, in der Tiefe deines Wesens.
Vielleicht schaffst du es sogar,
nicht zum Gegenangriff überzugehen.
Erinnere dich,
dass du dein Leben leben musst, nicht sie.
Was für sie gilt, gilt meistens nicht für dich.
Deine innere und auch deine äußere Welt
sind absolut einmalig und du hast
den besten Überblick über sie.
Die Zurückhaltung deiner Demut ist groß,
sonst hättest du längst getan,
was sich hundertmal jeden Tag anbietet:
eine andere zu sein als die,
die du bist.
Und wo du es getan hast,
da kreide es dir nicht an und kehre zu dir zurück.
Es gibt keinen Moment,
wo nicht etwas in dir auf dich wartet.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Ich brauche keine Schuldgefühle zu haben, bloß weil das, was ich tue, sage oder denke, einem anderen nicht gefällt.

Ich darf wütend sein und meine Wut ausdrücken, solange ich dabei nicht mein Augenmaß verliere.

Ich muss nicht die alleinige Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, an denen auch andere beteiligt waren.

Ich habe das Recht, “ Ich verstehe das nicht“ oder “ Ich weiß es nicht “ zu sagen, ohne mir blöd vorzukommen.

Ich habe das Recht, Nein zu sagen, ohne dabei Schuldgefühle haben zu müssen
.
Ich muss mich nicht entschuldigen oder rechtfertigen, wenn ich Nein sage.

Ich habe das Recht, andere um etwas zu bitten.

Ich habe das Recht, Bitten abzuschlagen und zusätzliche Verpflichtungen abzulehnen.

Ich habe das Recht, anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ungerecht behandeln oder bevormunden.

Ich habe das Recht, es anderen mitzuteilen, wenn ihr Verhalten mich irritiert.

Ich habe das Recht, Fehler zu machen und für sie die Verantwortung zu tragen. Ich habe das Recht mich zu täuschen.

Ich brauche nicht von allen gemocht, brauche keine Schuldgefühle zu haben, bloß weil das, was ich tue, sage oder denke, einem anderen nicht gefällt.

Ich darf wütend sein und meine Wut ausdrücken, solange ich dabei nicht mein Augenmaß verliere.

Ich muss nicht die alleinige Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, an denen auch andere beteiligt waren
.
Ich habe das Recht, “ Ich verstehe das nicht“ oder “ Ich weiß es nicht “ zu sagen, ohne mir blöd vorzukommen.

Ich habe das Recht, Nein zu sagen, ohne dabei Schuldgefühle haben zu müssen.

Ich muss mich nicht entschuldigen oder rechtfertigen, wenn ich Nein sage.

Ich habe das Recht, andere um etwas zu bitten.

Ich habe das Recht, Bitten abzuschlagen und zusätzliche Verpflichtungen abzulehnen.

Ich habe das Recht, anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ungerecht behandeln oder bevormunden.

Ich habe das Recht, es anderen mitzuteilen, wenn ihr Verhalten mich irritiert.

Ich habe das Recht, Fehler zu machen und für sie die Verantwortung zu tragen. Ich habe das Recht mich zu täuschen.

Ich brauche nicht von allen gemocht, bewch brauche keine Schuldgefühle zu haben, bloß weil das, was ich tue, sage oder denke, einem anderen nicht gefällt.

Ich darf wütend sein und meine Wut ausdrücken, solange ich dabei nicht mein Augenmaß verliere.

Ich muss nicht die alleinige Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, an denen auch andere beteiligt waren.

Ich habe das Recht, “ Ich verstehe das nicht“ oder “ Ich weiß es nicht “ zu sagen, ohne mir blöd vorzukommen.

Ich habe das Recht, Nein zu sagen, ohne dabei Schuldgefühle haben zu müssen.

Ich muss mich nicht entschuldigen oder rechtfertigen, wenn ich Nein sage.

Ich habe das Recht, andere um etwas zu bitten.

Ich habe das Recht, Bitten abzuschlagen und zusätzliche Verpflichtungen abzulehnen.

Ich habe das Recht, anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ungerecht behandeln oder bevormunden.

Ich habe das Recht, es anderen mitzuteilen, wenn ihr Verhalten mich irritiert.

Ich habe das Recht, Fehler zu machen und für sie die Verantwortung zu tragen. Ich habe das Recht mich zu täuschen.

Ich brauche nicht von allen gemocht, bewundert oder geachtet zu werden für alles, was ich tue.

(Virginia Satir)

Foto: Gerd Taron

Ich wünsche dir Füße,
die dich auf den Weg bringen,
zu dem, was wichtig ist
und die nicht stehen bleiben
vor den Schritten,
die entscheidend sind.
.
Ich wünsche dir ein Rückgrat,
mit dem du aufrecht
und aufrichtig leben kannst
und das sich nicht beugt
vor Unterdrückung,
Willkür und Macht.
.
Ich wünsche dir ein Herz,
in dem viele Menschen zu Hause sind
und das nicht müde wird,
Liebe zu üben und
Schuld zu verzeihen.
.
Auszug aus einem jüdischen Segensspruch,

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese sehr nachdenklichen Texte Ihre Osterfreude nicht trüben. Ein gesegnetes Osterfest mit vielen liebevollen Begegnungen wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Die Fotos entstanden bei einem Ausflug zum Kloster Eberbach und in Eltville

Genau gerechnet – Literarischer Wochenendgruß vom 23.03.18

Genau gerechnet – Literarischer Wochenendgruß vom 23.03.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

es ist irgendwie eine verrückte Welt in der wir derzeit leben. Wir werden und lassen uns bestimmen durch Statistiken, Studien und die angeblichen Werte, die sich daraus für ein sinnvolles Leben ergeben, Unser neuer Gesundheitsminister weiß zum Beispiel genau bis auf den Cent , was ausreichend für ein ausreichendes Auskommen ist. Die Gesundheitslobby bestimmt bis auf den Gramm genau, wann jeder einzelne gesund oder ungesund lebt. Im Sinne des Profits werden dann die entsprechenden Medikamente über diverse Marketing-Maßnahmen beworben.

Wir haben uns aus „Zahlengläubigkeit“ diesem System der Zahlen unterworfen. Zahlen bestimmen unser Leben überall, ob im Beruf oder in unserer Freizeit

Für mich ergibt sich aus den einleitenden Worten: Glaube keiner Studie oder Statistik, die man selbst als angeblich wahr übernimmt.

Womit rechnen Sie? Was zählt für Sie? Von wem lassen Sie sich die Normen Ihres Lebens bestimmen?

Foto. Gerd Taron

Das Wissen um Phänomene, die sich einer statistischen Erfassung entziehen, macht gelassen gegenüber falschen Sorgen über die Allmacht der Zahlen oder gar der Zahlensammler.

Edzard Reuter

Foto: Gerd Taron

Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!«
Aus: Der kleine Prinz von Antoine de St. Exupéry

Foto: Gerd Taron

Eine alte Dame setzt sich in ein Café. Die Kellnerin bringt ihr die Menü-Karte und fragt nach, was sie denn bestellen möchte.
Die alte Dame fragt: „Wie teuer ist bei ihnen ein Stück von der Torte?“
Die Kellnerin antwortet: „5 Euro.“
Die gebrechliche alte Dame holt einige Münzen aus ihrer Tasche und beginnt langsam zu zählen.
Dann fragt sie wieder: „Und wie teuer ist bei ihnen ein einfaches Stück Kuchen?“
Die Kellnerin war etwas gestresst, da sie ja noch viele Tische bedienen musste und antwortete sehr ungeduldig: „4 Euro.“
„Das ist gut, dann nehme ich gerne den einfachen Kuchen“, antwortete die alte Dame.

Die Kellnerin brachte ihr genervt den Kuchen und legte gleich die Rechnung hin. „Immer diese geizigen Leute“, murmelte sie leise vor sich hin.
Die alte Dame aß ganz langsam und genussvoll den Kuchen, stand langsam auf, legte das Geld auf den Tisch und ging.

Als die Kellnerin nun den Tisch aufräumen wollte, stellte sie fest, dass die alte zerbrechliche Dame ihr einen Euro Trinkgeld hingelegt hat.

Sie bekam vor Rührung Tränen in die Augen. Aber es war zu spät, um sich bei der alten Dame zu entschuldigen. Sie begriff schmerzhaft und sich schrecklich fühlend, dass die alte Dame sich mit einem einfachen Stück Kuchen begnügte, um der Kellnerin Trinkgeld zu schenken!

Autor unbekannt

Foto: Gerd Taron

Du denkst im Quadrat,
und ich fühle rund.
Du fühlst in Zahlen,
und ich denke bunt.
Dein Leben
besteht nur aus schwarz oder weiß,
aus ja oder nein,
aus ganz kalt oder heiß.
Mein Leben
dreht sich in Achterbahnen.
Besteht aus Vielleicht,
aus Probieren und Wagen.
Dein Weg, er führt dich stets gradeaus,
Dein Blick ist immer nach vorne gerichtet.
Die Emotionen schaltest du gerne aus.
Meine Hoffnungen, Träume hast du lang vernichtet.
Mein Weg führt mich durch Kurven und Täler.
Neugier lässt mich oft in Gräben stranden.
Meinen Lebenshunger kann das nicht schmälern
Ich bin geübt im unfreiwillig Landen.
Leb du ruhig weiter nach deinen Plänen,
nach Terminkalender und Blick auf die Uhr.
Ich will mich bald in neuen Armen wähnen,
geliebt und mit Aufmerksamkeit pur.

Anne M. Pützer –

Der literarische Wochenendgruß dieser Ausgabe beinhaltet 693 Worte und 4 Fotos. Ich wünsche allen Lesern ein Wochenende ohne von Zahlen bestimmt zu sein.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Die Digitalisierung wird uns nicht retten – Literarischer Wochenendgruß vom 16.03.18

Die Digitalisierung wird uns nicht retten – Literarischer Wochenendgruß vom 16.03.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

das Zauberwort unserer heutigen Zeit heißt Digitalisierung. Die neue Technik scheint ein Allheilmittel für alle unsere Probleme zu sein. Die neue Bundesregierung besetzt hochrangig angesiedelte Stellen mit Staatsministern und mehr.

Doch verschafft uns die Digitalisierung im realen Alltag mehr Sicherheit, mehr Komfort? Wer beispielsweise als Pendler im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, erlebt es öfters, dass es wegen einer „Stellwerksstörung“ zu massiven Beeinträchtigungen kommt.

Oder die Folgen eines nur kurzen Stromausfalls oder Störungen im Kabelnetz bewirkt manchmal, dass Geldautomaten, Fernsehen, Telefonie, Internet, für einen längeren Zeitraum nicht mehr nutzbar sind. Die empfindlichen Geräte mit ihren Programmen (Software) sind mit handwerklichen Mitteln nicht zu reparieren.

Manch ein Autofahrer wird dies schon erlebt haben, dass die digitale Technik versagt und komplette Bauteile für viel Geld ausgetauscht werden müssen.

Wo bleibt bei dieser doch angeblich so fortschrittlichen Technik der Mensch? Wird er tatsächlich in seinem Alltag entlastet? Stattdessen entsteht für mich der Eindruck, dass die Belastung, der Stress immer größer und unmenschlicher wird. Es verwundert daher nicht, dass die psychosomatischen Erkrankungen immer mehr zunehmen.

Eine realistischere Betrachtung dieser so angeblich heilsbringenden Digitalisierung halte ich für dringend notwendig.

Foto: Michael Heinz

Die Welt, bedacht auf plattem Nutzen,
sucht auch die Seelen auszuputzen.
Das Sumpfentwässern, Wälderroden,
schafft einwandfreien Ackerboden,
und schon kann die Statistik prahlen
mit beispiellosen Fortschrittszahlen.
Doch langsam merken’s auch die Deppen,
die Seelen schwinden und versteppen,
denn nirgends mehr so weit man sieht,
gibt es ein Seelenschutzgebiet.
Kein Wald, drin Traumes Vöglein sitzen,
kein Bach, drin Frohsinns Fischlein blitzen,
kein Busch, im Schmerz sich zu verkriechen,
kein Blümlein, Andacht rauszuriechen,
nichts als ein ödes Feld mit Leuten,
bestellt, es restlos auszubeuten.
Drum wollt ihr nicht zugrunde gehen:
Lasst noch ein bisschen Wildnis stehen.
Eugen Roth

Foto: Olaf Jahnke

Heute haben wir größere Häuser, jedoch kleinere Familien…
Mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit…
Wir haben einen höheren Bildungsgrad mit mehr Wissen, aber weniger gesunden Menschenverstand und Urteilsvermögen…
Wir haben mehr Experten, aber mehr Probleme…
Mehr Medizin, aber weniger gute Gesundheit…
Wir geben uns zu unbekümmert
Lachen zu wenig
Werden zu schnell ärgerlich
Stehen zu spät auf
Lesen zu wenig
Sehen zu viel TV und sind weniger rücksichtsvoll…
Wir haben unsere Besitztümer multipliziert, aber unsere Werte reduziert…
Wir reden zuviel, lieben zu wenig und lügen zu oft…
Wir haben gelernt, wie man einen Lebensunterhalt verdient, aber nicht das Leben…
Wir haben Jahre zu leben, aber nicht dem Leben Jahren hinzuzufügen…
Wir haben höhere Gebäude, aber niedrigere Temperamente…
Breitere Straßen, aber schmalere Standpunkte…
Wir geben mehr aus, aber haben weniger…
Wir kaufen mehr, genießen es noch weniger…
Wir sind die ganze Strecke zum Mond und zurück gewesen, aber wir haben Mühe, die Straße zu überqueren, um unsere Nachbarn zu treffen…
Wir haben das Atom, aber nicht unser Vorurteil gespalten…
Wir schreiben mehr, lernen weniger, planen mehr, aber vollenden weniger…
Wir haben gelernt zu eilen, aber nicht zu warten…
Wir haben höhere Einkommen, aber niedrigere Moral…
Wir bauen mehr Computer, um mehr Information zu halten, mehr Kopien zu erzeugen, aber um weniger persönliche Kommunikation zu haben…
Wir haben mehr Quantität statt Qualität…
Dies sind die Zeiten des Fast Foods und großen Männer mit wenig Charakter…
Mehr Freizeit, aber weniger Spaß – mehr Arten der Nahrung – aber weniger Ernährung…
Zwei Einkommen – aber mehr Scheidungen…
Schönere Häuser – aber gebrochene Heime…
Deshalb schlagen wir vor:
Bewahre nichts für einen speziellen Anlass,
denn jeder Tag, den Du lebst ist ein spezieller Anlass.
Suche nach Wissen, lies mehr,
sitze auf Deiner Veranda
und bewundere was Du siehst,
ohne Deinen Bedürfnissen
Aufmerksamkeit zu schenken.
Verbringe mehr Freizeit mit Deiner Familie
und Deinen Freunden,
iss Deine Lieblingsspeisen,
besuche die Orte die Dir gefallen
und wo es Dir wohl ist.
Das Leben ist eine Kette von Momenten der Genüsse;
nicht nur des Überlebens.
Brauche Deine kristallenen Gläser.
Spare Dein bestes Parfüm nicht auf.
Brauche es täglich, wenn Du Dich danach fühlst.
Streiche aus Deinem Wortschatz Worte wie
“eines Tages” und “irgendwann”.
Lass uns den Brief schreiben,
den wir schon längst schreiben wollten
“eines Tages”.
Lass uns der Familie / Partner/in und den Freunden sagen,
wie sehr wir sie lieben.
Verschiebe nichts, was Deinem Leben
Gelächter und Freude bringt.
Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist speziell.
Und Du weißt nicht,
ob es Deine letzte gewesen ist.
Es ist die Zeit, in der es wichtiger ist,
etwas darzustellen als zu sein.
Wo moderne Technik einen Text wie diesen
in Windeseile in alle Welt tragen kann,
und wo Wir die Wahl haben:
Etwas zu ändern …
Erkennen Sie, dass jeder Tag, jede Stunde und jede Minute einmalig ist.

(Verfasser unbekannt)

Foto: Petra Krenzer

Sind wir wirklich gemeint?
Sind wir wirklich gemeint,
wenn der Schwall der Worte uns überfällt
und wir hören, dass dieses und jenes
unsere ungeteilte Aufmerksamkeit verdient?
Wir sind hochgerechnet worden,
man hat uns mitgezählt, vorbestimmt und eingeordnet ,
lange bevor uns jemand gefragt hat,
was unsere tiefen Bedürfnisse sind.
Vielleicht wird uns nie jemand fragen
und doch wird uns gesagt, was gut für uns ist
und wie wir die Welt zu sehen haben.
Du und ich, in unserer Einmaligkeit,
sind nicht gemeint,
wenn die Lautstärke zunimmt,
das Zählen wieder beginnt
und die Entscheidungen für uns fallen.
Dann ist es wichtig, sich abzukehren
von Ideen und Menschen, die uns bestimmen wollen,
sogar wenn sie uns lieb sind.
Dann ist es Zeit,
uns der fast unhörbaren, leisen
inneren Stimme zuzuwenden.
Ulrich Schaffer

Foto: Karin Ruf

Ich wünsche Dir im alltäglichen Lebenstheater ein gutes Gespür für deine Bedürfnisse. Sage „Hallo“ zu den Zeichen der Zeit und schaffe aus ihnen frische Inszenierungen. Voller Erwartung und mit viel Power. Trau dich, die Hauptrolle in deinem Lebensdrehbuch zu spielen und gönne dir den Luxus einer eigenen Meinung. Begehrte Rollen mit kühnem Schwung wollen geboren werden. Nimm den Stift in die Hand und fange an zu schreiben. Suche nach Möglichkeiten, die Dein Leben reich machen und ändere hin und wieder mal nur die Blickrichtung.

Monika Bylitza

Ein erholsames Wochenende wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Reden wir miteinander – Literarischer Wochenendgruß vom 09.03.18

Reden wir miteinander – Literarischer Wochenendgruß vom 09.03.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

haben Sie heute schon getwittert in aller Kürze? Im Zeitalter der sozialen Medien heißt es doch oft: Fasse Dich kurz! In vergangenen Zeiten gab es für besondere wichtige Nachrichten das Telegramm. Einige werden es vielleicht noch kennen.

Persönliche Informationen wurden im Gespräch, im Gegenüber, im Miteinander ausgetauscht. Da wird und kann kein noch so guter Algorithmus aus der Computerwelt dem etwas entgegensetzen.

Mimik, Gestik, Stimme sind Merkmale für eine menschliche Kommunikation. Ich freue mich, dass es in meinem Umfeld immer mehr wieder zum Telefon gegriffen wird statt eine E-Mail zu versenden oder sich über soziale Medien auszutauschen.

Wenn es die räumliche Nähe zulässt ist natürlich eine persönliche Begegnung die beste Kommunikation. Diese Zeit sollten wir uns nehmen, auch wenn es bei den vielfältigen Aktivitäten manchmal schwierig erscheint.

Die nachfolgenden Texte und Fotos mögen wieder neue Inspirationen für Ihren Alltag geben.

Ein Projekt des Café Anschluss in Frankfurt am Main-Dornbusch (www.cafe-anschluss.de)

Heute wird so viel geredet
wie noch nie.
Über die Köpfe der Menschen hinweg
rollt eine Lawine leerer Worte
wie noch nie.
.
Jeder will reden.
Jeder will das Wort.
Jeder will Mitspracherecht.
.
Aber nur wenige haben etwas zu sagen.
Weil wenige die Stille und die Spannung
des Denkens aushalten können.
.
Sei liebevoll mit deinen Worten.
Worte sollen »Licht« sein,
Worte sollen versöhnen,
einander näher bringen,
Frieden stiften.
.
Phil Bosmans

Foto: Gerd Taron

Die weise Bank

Ein Flüstern im Vorübergehen
drang in mein Ohr, sah sie da stehen
Ganz leise hörte ich sie reden:
Komm her, ich spreche nicht mit jedem!
Ich öffnete mich ihrem Plauschen
fühlte die Zeit vorüber rauschen
schon viele Menschen, auf ihr weilten
oder an ihr vorüber eilten
Sie hörte all ihre Geschichten
und konnte mir so viel berichten
von ihren Sorgen und den Nöten
und manches ließ sie auch erröten
Sie sah die Menschen, wie sie waren
und konnte vieles schon erfahren
über das Leben hier auf Erden
sie könnte glatt Psychiater werden!
Könnte sie sprechen, würd´ sie sagen:
Du kannst das Leid der Welt nicht tragen
Höre den Menschen einfach zu
sei mit ihnen in aller Ruh´
Gib keine Antwort ohne Fragen
lass sie sich selbst die Antwort sagen
denn sie alleine können wissen
wie sie ihr Leben leben müssen …

Cäcilia Wentker

Autoren im Gespräch – hier: Franziska Franz und Rainer Franke – Foto: Gerd Taron

Wenn du authentisch lebst,
ganz und gar versuchst zu sein,
was du bist und kannst,
strahlst du,
geht Licht und Wärme von dir aus,
wirkst du.

Wenn du authentisch lebst,
schaffst du eine Atmosphäre,
in der sich Menschen wohlfühlen,
einander begegnen,
miteinander reden,
füreinander da sind.

Wenn du authentisch lebst,
echt und ehrlich bist,
Anteil nimmst und gibst,
schaffst du neue Möglichkeiten,
eine neue Welt.

Max Feigenwinter

Köstlichkeiten im Hospizverein Lebensbrücke anlässlich der Vernissage von Connie Albers „Umarmung“ – (http://www.hospizverein-lebensbruecke.de/

Wie wäre es?

Neues Essen zu probieren,
auch wenn unser Gaumen sich zuerst dagegen wehrt.
Neue Autoren zu lesen,
um eine andere Sicht der Welt zu spüren.
Neue Ferienziele zu besuchen,
auch wenn wir uns an alten sicherer fühlen.
Neue Farben zu tragen,
auch wenn wir meinen, sie stünden uns nicht.
Neue Gedanken zu denken,
auch wenn uns die alten nur allzu bekannt sind.
Andersartige Menschen, als die, die wir kennen,
in unseren Freundeskreis aufzunehmen.
Mehr als je zuvor allein zu sein,
um besser nach innen hören zu können.
Ahnen, anstatt zu wissen,
hören, anstatt zu reden.

Ulrich Schaffer

Michael Forst und Anneliese Druhm bei einer Lesung von Anne Zegelman „glueckskind“ – Foto: Gerd Taron

Miteinander reden und lachen,
sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen,
zusammen schöne Bücher lesen,
sich necken dabei, aber auch sich Achtung erweisen,
mitunter auch streiten – ohne Hass,
so wie man es wohl einmal mit sich selbst tut,
manchmal in den Meinungen auseinander gehen
und damit die Eintracht würzen,
einander belehren und voneinander lernen,
die Abwesenden schmerzlich vermissen,
die Ankommenden freudig begrüßen –
lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe,
die aus dem Herzen kommen,
die sich äußern in Miene, Wort
und tausend freundlichen Gesten
und wie Zündstoff den Geist in Gemeinsamkeit entfalten,
so dass aus den Vielen eine Einheit wird.

(Hl. Augustinus)

Ein Wochenende mit vielen schönen Gesprächen wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron