Immer nur reden – Literarischer Wochenendgruß vom 15.06.18

Immer nur reden – Literarischer Wochenendgruß vom 15.06.18

Liebe interessierte Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Tagen hatte ich die Aufgabe bei einer Sitzung das Protokoll zu führen. Es wurde viel und lange geredet. Dies alles aufzunehmen und später zu dokumentieren ist nicht immer einfach. Es gibt andererseits immer wieder Menschen, die gerne und viel reden, vor allem über sich selbst – sei es aus Eitelkeit, Eigennutz oder Egoismus.

Das Thema „Reden“ habe ich erneut aufgenommen und dabei zwei Texte vom 09.03.18 erneut verwendet, weil sie so passend erscheinen.

Foto: Brina Stein

Meide jene, die viel reden, bevor sie handeln, jene, die niemals einen Schritt getan haben, ohne vorher sicher zu sein, dafür gelobt zu werden.
Halte dich vielmehr an jene, die dir, wenn du dich irrtest, niemals gesagt haben: ‘Ich hätte das anders gemacht.’ Denn wenn sie etwas nicht getan haben, können sie darüber auch kein Urteil fällen.
Paulo Coelho

Foto: Gisela Michaelis

Die weise Bank ☼
Ein Flüstern im Vorübergehen
drang in mein Ohr, sah sie da stehen
Ganz leise hörte ich sie reden:
Komm her, ich spreche nicht mit jedem!
Ich öffnete mich ihrem Plauschen
fühlte die Zeit vorüber rauschen
schon viele Menschen, auf ihr weilten
oder an ihr vorüber eilten
Sie hörte all ihre Geschichten
und konnte mir so viel berichten
von ihren Sorgen und den Nöten
und manches ließ sie auch erröten
Sie sah die Menschen, wie sie waren
und konnte vieles schon erfahren
über das Leben hier auf Erden
sie könnte glatt Psychiater werden!
Könnte sie sprechen, würd´ sie sagen:
Du kannst das Leid der Welt nicht tragen
Höre den Menschen einfach zu
sei mit ihnen in aller Ruh´
Gib keine Antwort ohne Fragen
lass sie sich selbst die Antwort sagen
denn sie alleine können wissen
wie sie ihr Leben leben müssen …
Cäcilia Wentker

Foto: Olaf Jahnke

Langeweile
Die dies nu gar nicht nötig haben
Die brauchen’s wohl am meisten
Reden mit Worten die sie nicht geschliffen haben
Von Philosophen die sie nicht begriffen haben
Reden von Bürden die sie nicht getragen haben
Und von den Wunden die sie nicht geschlagen haben
Reden vom Unrecht das sie nicht erlitten haben
Und von den Siegen die sie nicht erstritten haben
Revolutionen die sie nicht gezündet haben
Von Evangelien die sie nicht ergründet haben
Und schlafen ein mit einer Dose Langeweile
Und haben’s leicht und haben’s schwer
Und sind so voll und sind so leer
Die die noch nichts gesehen haben
Die sind die Meistgereisten
Reden von Liebe die sie nie genossen haben
Und von den Tränen die sie nie vergossen haben
Reden von Träumen die sie nie besessen haben
Verbot’nen Früchten die sie nie gegessen haben
Reden von Schlägen die sie nie empfangen haben
Und von den Sünden die sie nie begangen haben
Von den Passionen die sie nie empfunden haben
Von Horizonten die sie nie gefunden haben
Und schlafen ein mit einer Dose Langeweile
Und sind noch warm und sind schon kalt
Und sind noch jung und sind schon alt
Stephan Sulke

Foto: Gerd Taron

Weißt du, dass die Bäume reden?
Ja, sie reden.
Sie sprechen miteinander
und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst.
Aber die weißen Menschen hören nicht zu.
Sie haben es nie der Mühe wert gefunden,
uns Indianer anzuhören, und ich fürchte,
sie werden auch auf die anderen Stimmen
in der Natur nicht hören.
Ich selbst habe viel von den Bäumen erfahren:
manchmal etwas über das Wetter,
manchmal über Tiere,
manchmal über den Großen Geist…

( Tatanga Mani )

Foto: Gerd Taron

Wenn du mit einem Menschen vernünftig reden könntest,
aber es nicht tust, so hast du diesen Menschen verloren.
Wenn du mit einem Menschen nicht vernünftig reden kannst,
aber es trotzdem tust, so sind deine Worte verloren.
Der Verständige gibt aber weder einen Menschen verloren,
noch verschwendet er seine Worte.

Konfuzius

Foto: Gerd Taron

Reden können Viele.
Zeigen noch viel Mehr.
Wirklich Sehen
und Dasein
aber nur Wenige.
Text: © Monika Heckh

Foto: Brina Stein

Miteinander reden und lachen,
sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen,
zusammen schöne Bücher lesen,
sich necken dabei, aber auch sich Achtung erweisen,
mitunter auch streiten – ohne Hass,
so wie man es wohl einmal mit sich selbst tut,
manchmal in den Meinungen auseinander gehen
und damit die Eintracht würzen,
einander belehren und voneinander lernen,
die Abwesenden schmerzlich vermissen,
die Ankommenden freudig begrüßen –
lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe,
die aus dem Herzen kommen,
die sich äußern in Miene, Wort
und tausend freundlichen Gesten
und wie Zündstoff den Geist in Gemeinsamkeit entfalten,
so dass aus den Vielen eine Einheit wird.

(Hl. Augustinus)

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende mit viel Zeit zum Reden und Schweigen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Ein Hinweis in eigener Sache:

Am Samstag, 16.06.18 findet von 10 bis 16 Uhr in Kelkheim-Fischbach, Langstraße 30, auf Tarons Bücherterrasse ein Büchermarkt mit einer Erlebnis-Lesung von Connie Albers (ab 14 Uhr) statt. Dazu begleitet Andreina Bonanni mit ihrem Saxophon diese Veranstaltung musikalisch.

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Über den Wolken – Literarischer Wochenendgruß vom 08.06.18

Über den Wolken – Literarischer Wochenendgruß vom 08.06.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

bei meinen Spaziergängen ist es immer wieder für mich faszinierend die Wolken zu beobachten. Sie ziehen vorüber. Sie kommen von irgendwo und gleiten irgendwo hinein. Manchmal kann man bei genauerem Betrachten auch Figuren oder Symbole, wie z. B. ein Herz entdecken.

Dieser Wochenendgruß möge mit den wunderschönen Texten und Fotos ein kleiner Begleiter durch diese Zeit sein.

Foto: Gerd Taron

An die Wolken

Und immer wieder,
wenn ich mich müde gesehn
an der Menschen Gesichtern,
so vielen Spiegeln
unsäglicher Torheit,
hob ich das Aug
über die Häuser und Bäume
empor zu euch,
ihr ewigen Gedanken des Himmels.
Und eure Größe und Freiheit
erlöste mich immer wieder,
und ich dachte mit euch
über Länder und Meere hinweg
und hing mit euch
überm Abgrund Unendlichkeit
und zerging zuletzt
wie Dunst,
wenn ich ohn‘ Maßen
den Samen der Sterne
fliegen sah
über die Äcker
der unergründlichen Tiefen.

Christian Morgenstern

Foto: Gerd Taron

Aus weißen Wolken

baut sich ein Schloss.
Spiegelnde Seen, selige Wiesen,
singende Brunnen aus tiefstem Smaragd!
In seinen schimmernden Hallen
wohnen
die alten Götter.
Noch immer,
abends,
wenn die Sonne purpurn sinkt,
glühn seine Gärten,
vor ihren Wundern bebt mein Herz
und lange . . . steh ich.
Sehnsüchtig!
Dann naht die Nacht,
die Luft verlischt,
wie zitterndes Silber blinkt das Meer,
und über die ganze Welt hin
weht ein Duft
wie von Rosen.

Hermann Oscar Arno Alfred Holz

Foto: Gerd Taron

Eine Wolke möcht ich sein.

Eine Wolke möcht ich sein,
von oben diese Welt besehen.
Distanz zu allen Dingen finden
und dadurch vieles klarer sehen.

Ich möchte gleiten durch die Lüfte,
mit frohem Herz und leichter Seele.
Erfreuen mich an meinem Sein
und wünschen, dass mir nie was fehle.

Als Regen fall ich dann zur Erde
und tränke alle durst´ge Saat.
Will nähren alle Seelen- Leben.
Liebe geben ist mein Pfad.

Anne M- Pützer

Foto: Gerd Taron

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.
Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

Joachim Ringelnatz

Foto: Tim-Thilo Fellmer

….Unendlichkeit..
Im Reich der Wolken,
schweben Gedanken davon,
verlieren Worte ihre Bedeutung.
Der Moment wird zur Ewigkeit.
Im Reich der Wolken,
ist alles leicht
und unbeschwert fühlbar.
Es gibt keinen Morgen
und keinen Abend.
Die Bedeutung der Zeit,
wird zur Unendlichkeit.
Alles Leben ist Vogelfrei.

Text: © Monika Heckh

Foto: Gerd Taron

Weiße Wolken

Oh schau, sie schweben wieder
Wie leise Melodien
Vergessener schöner Lieder
Am blauen Himmel hin!
Kein Herz kann sie verstehen,
Dem nicht auf langer Fahrt
Ein Wissen von allen Wehen
Und Freuden des Wanderns ward.
Ich liebe die Weißen, Losen
Wie Sonne, Meer und Wind,
Weil sie der Heimatlosen
Schwestern und Engel sind.

Hermann Hesse

Foto: Sandra Windsheimer

Wolkenspiel

Wolkenspiel im Abendlicht
wenn das Sonnenlicht zerbricht
wunderschön ist anzusehn
große Wolken vorüber ziehn
Ihre Formen sich verändern
aufgereiht wie an den Bändern
ziehen sie im Abendblau
von unten ist´s wie eine Schau

[© Gerhard Ledwina]

Foto: Gerd Taron

Ich wünsche dir als Begleiter
die Sonne, die Wolken, den Wind,
die Hoffnung als Wegbereiter,
den Stern, wenn die Nacht beginnt.
Ein treuer Gefährte, wie er auch heißt,
als dankbar empfundenes Glück
stelle sich freundlich neben dir ein!
Wenn du nur weißt:
du brauchst niemals alleine zu sein,
legst du den Lebensweg
leichter zurück.
Und will es dir scheinen,
du habest ja keinen,
der dein Tun und dein Streben versteht,
dann gibt es in Wirklichkeit
lange schon einen
Schutzengel, der dir zur Seite steht.ღ*
– Elli Michler –

Einen Himmel mit wunderschönen Wolken an diesem Wochenende wünscht

Ihnen/Euer

Gerd Taron

Am vergangenen Sonntag fand im Woogtal in Königstein im Taunus ein literarischer Spaziergang mit Texten von Marc Aurel statt. Einen Bericht mit Fotos und Zitaten können Sie dem nachfolgenden Link entnehmen:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/06/04/5426/

Musik, Musik – Literarischer Wochenendgruß vom 01.06.18

Musik, Musik – Literarischer Wochenendgruß vom 01.06.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

beim Zusammenstellen der Texte und der Fotos zu diesem Thema kam mir sofort ein Schlager von früher in den Sinn. Einige werden sich noch an „Ich brauche keine Millionen … ich brauche nur Musik, Musik, Musik“ erinnern. Dieser Evergreen wurde einst von Marika Rökk gesungen. Musik ist in meinem Leben und sicher auch in Ihrem unverzichtbar. Dabei sind die Stilrichtungen sehr verschieden wie im normalen Leben.

Einige stelle ich mit persönlichen Fotos von lieben Freunden im Foto und den passenden Texten vor. Dazu gibt es auch überraschende Entdeckungen bei meinen Streifzügen durch die unmittelbare Umgebung.

Graffiti an der Eichendorff-Gesamtschule in Kelkheim-Fischbach

Ja, die Musik ist die Sprache der Seelen; ihre Melodien sind sanfte Brisen, die auf den Saiten unserer Empfindungen spielen; sie sind zarte Finger, die an die Türen unseres Gefühls klopfen, und Erinnerungen wecken; sie enthüllen Eindrücke der Vergangenheit, die unter der Decke der Nacht verborgen waren….

Khalil Gibran

Andreina Bonanni (hier Querflöte, aber auch als Saxophonistin aktiv)

Musik und Rhythmus
finden ihren Weg
zu den geheimsten Plätzen
der Seele

Platon

Mezzabellezza – (von links nach rechts: Paul Pfeffer, Christina Eretier, Tom Schilling)

MUSIK.

Musik gibt es für jede Stimmungslage,
von traurig bis heiter,
meistens tanzbar.

Musik lädt zum Träumen ein.
Führt uns weit weg vom Hier und Jetzt.
Dorthin, wo wir sein dürfen, wer wir sind,
wo wir erleben dürfen, was uns sonst versagt bleibt.
Sie verstärkt die Emotionen,
lässt uns schwärmen und auch weinen.

Wir wollen uns bewegen,
wollen klatschen und den Takt schlagen.

Die Musik fährt uns in die Beine,
wir wippen und tippen,
wir drehen und wiegen uns.

Musik ist ein Genuss für die Ohren,
für alle Sinne.
Sie berührt das Herz und die Seele.
Man kann sie hören und fühlen.

Wer Musik liebt, liebt sie leidenschaftlich.
Spürt sie in jeder Körperzelle.
Ist süchtig danach.
Es lebe, in uns, die Musik!

(Anne M. Pützer)

Klavierbegegnungen – mit und bei Christina Boos (https://www.klaviermusik-fuer-alle.de/

Was die Liebe den Menschen,
ist die Musik den Künsten und den Menschen,
denn sie ist ja die Liebe wahrlich selbst;
die reinste ätherische Sprache der Leidenschaft,
tausendseitig allen Farbenwechsel
derselben in allen Gefühlsarten enthaltend
und doch nur einmal wahr,
doch von tausend verschieden fühlenden Menschen
gleichzeitig zu verstehen

Carl Maria von Weber

Skulptur in Bad Soden am Taunus – Foto: Gerd Taron

Ich habe ein Lied
und du ein anderes.
Jeder hat ein Lied,
um die Leere der Herzen zu füllen.
In der Schatzkammer Seele
liegt ein Schatz verborgen,
den singt man nicht laut.
Du und ich,
wir müssen ihn
inwändig zum Klingen bringen,
eine Saite spannen
vom Herzen zum Verstand.
So singen wir die Welt
leise zum Himmel empor.

Salishan

Foto: Petra Krenzer

Sprache
Die Sonne spricht zu uns mit Licht,
Mit Duft und Farbe spricht die Blume,
Mit Wolken, Schnee und Regen spricht
Die Luft. Es lebt im Heiligtume
Der Welt ein unstillbarer Drang,
Der Dinge Stummheit zu durchbrechen,
In Wort, Gebärde, Farbe, Klang
Des Seins Geheimnis auszusprechen.
Hier strömt der Künste lichter Quell,
Es ringt nach Wort, nach Offenbarung,
Nach Geist die Welt und kündet hell
Aus Menschenlippen ewige Erfahrung.
Nach Sprache sehnt sich alles Leben,
In Wort und Zahl, in Farbe, Linie, Ton
Beschwört sich unser dumpfes Streben
Und baut des Sinnes immer höhern Thron.
In einer Blume Rot und Blau,
In eines Dichters Worte wendet
Nach innen sich der Schönfung Bau,
Der stets beginnt und niemals endet.
Und wo sich Wort und Ton gesellt,
Wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,
Wird jedesmal der Sinn der Welt,
Des ganzen Daseins neu gestaltet,
Und jedes Lied und jedes Buch
Und jedes Bild ist ein Enthüllen,
Ein neuer, tausendster Versuch,
Des Lebens Einheit zu erfüllen.
In diese Einheit einzugehn
Lockt euch die Dichtung, die Musik,
Der Schöpfung Vielfalt zu verstehn
Genügt ein einziger Spiegelblick.
Was uns Verworrenes begegnet,
Wird klar und einfach im Gedicht:
Die Blume lacht, die Wolke regnet,
Die Welt hat Sinn, das Stumme spricht.

Hermann Hesse

Graffiti an der Eichendorff-Gesamtschule in Kelkheim-Fischbach

Nimm Dir Zeit zum Arbeiten, es ist der Preis des Erfolges.
Nimm Dir Zeit zum Nachdenken, es ist die Quelle der Kraft.
Nimm Dir Zeit zum Spielen, es ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm Dir Zeit zum Lesen, es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm Dir Zeit für Freundlichkeit, es ist das Tor zum Glück.
Nimm Dir Zeit zum Träumen, es ist der Weg zu den Sternen.
Nimm Dir Zeit zum Rücksicht nehmen, der Tag ist zu kurz um selbstsüchtig zu sein.
Nimm Dir Zeit zum Lachen, es ist die Musik der Seele.
Nimm Dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden, es ist der wahre Reichtum des Lebens.

Irischer Segen

Ich wünsche allen ein fröhliches musikalisches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Hinweis in eigener Sache

Sonntag, 03.06.2018- Beginn 15:00 Uhr
Literarischer Spaziergang im Woogtal in Königstein im Taunus
Thema: Nutze den Augenblick – Weisheiten von Marc Aurel
Aus einem besonderen Buch stelle ich an wunderschönen Plätzen im Woogtal Weisheiten des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel vor.
Treffpunkt: Kur- und Stadtinformation Königstein, Hauptstraße 13 a

Kostenbeitrag: 5 Euro

Im Verborgenen – Literarischer Wochenendgruß vom 25.05.18

Im Verborgenen – Literarischer Wochenendgruß vom 25.05.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

unser Alltag ist oft überfüllt mit vielen Dingen. Im Zeitalter der Masseninformationen, übersehen, überhören wir die Kleinigkeiten. Es sind oft Schätze, die im Verborgenen liegen und wir so manches Mal nicht mehr wahrnehmen können. Nehmen wir uns doch wieder einmal die Zeit darauf zu achten. Dazu möge der neue Wochenendgruß sie inspirieren.

Foto: Gerd Taron

Im Verborgenen

Was lange flüssig war, gerinnt unter deinen Füßen
und wird feste, rote Erde.
Aus ihr wachsen Blumen voller Licht.
Kelch an Kelch stehen sie da, reichen sich dir,
und du füllst und leerst sie mit deiner Sehnsucht.
Deine Seele singt nicht mehr Strophen und Verse,
sondern in Freiheit spricht und singt sie
alle Sprachen des Muts.
In einem Anflug von Himmel erkennt sie,
dass sie aus der Unendlichkeit stammt
und ihre Tiefe unermesslich ist.
Du bewegst dich durch Dornen und Wind
als Königin deiner wachsenden Welt.
Du siehst Gott in die Augen und erkennst,
dass du so alt bist wie er.
Ihr teilt ein Herz und ein Wesen.
Überallhin sind die Wege offen,
nur du kannst sie schließen.
Im Verborgenen, wo du nur du bist,
entsteht alles, was du geträumt hast.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

KLEINIGKEITEN

Kleinigkeiten, das Große dieser
Welt!
Im Verborgenen zu Hause –
immer ein Glücksstrahl, der unser
Dasein erhellt!

Ein Sonnenfunken, der den Tag
begrüßt
inmitten dunkler Wolken,
der ohne Wenn und Aber allein nur
Licht und Glanz bemüht!

Ein Blümchen, das im Grünen seine
Pracht voll zeigt,
ein Baum im Rauschen des Windes –
all das in seiner wahren
Ursprünglichkeit verbleibt!

Ein beherztes Lachen vom
Gegenüber,
Vertrauen und Fröhlichkeit –
ohne, dass List und Tücke winken
herüber!

Worte, behutsam und fromm –
eine Brücke im Meer der
Befindlichkeiten,
was immer da auch komm`!

Das Licht der Kleinigkeiten
schimmert überall –
ein Blick, eine Geste
können Hoffnung machen im noch
so düsteren Fall!

Solch` kleines Glück wird
immer das Große sein,
wenn man bereit ist,
sich von jeder Oberflächlichkeit
zu befrei`n!

von Marita Kaminski

Foto: Gerd Taron

Gedanken beim Sonnenuntergang am Meer

Tieftaucher
dir offenbart sich
die faszinierende Unterwasserwelt
der Meerestiefe –
für Menschen der Oberfläche
zeitlebens verborgen
Wer die Liebe
nicht wagt
schwimmt oben
eingeklemmt
zwischen Handy und Tele
Geld und Macht
plätschert nur in der
Mitte der Farben
Kaulquappe
im Tümpel des Lebens.
Menschsein heißt
Wagen:
Sonne und Dunkel
Liebe und Tiefe
Freude und Trauer.
Edelsteine
liegen nicht
auf der Straße herum.
Und du erfährst
dann wieder
der Ozean trägt
der Himmel sieht dich
Du vertraust
du liebst
und alles ist dir geschenkt.

Lissy Theissen

Foto: Gerd Taron

Überwinde Barrieren,
reiße Mauern ein.
Öffne Herzens- Türen
und erkunde andere Seelen- Welten.
Sieh, wieviel Schönheit
im Verborgenen liegt.

Anne M. Pützer

Foto: Gerd Taron

Der kleine Zauber

In kleinen Funken,
überall liegt sie verborgen.
Die Magie,
der kleine Zauber.
Schleicht sich immer mal wieder langsam an,
mit Bedacht.
Ob Tag oder Nacht.
Fesselt mich,
zieht mich in ihren zart reizenden Bann.
Taste mich langsam,
behutsam vor.
Lasse mich entführen,
möchte die leichte Wärme des Zaubers spüren.

ⒸText by Lisa Katharina Bechter

Foto: Gerd Taron

Gib acht auf Deine Träume,
in dem Du an sie denkst wie an Freunde.

Genieße die Schönheit des Augenblicks,
das Flüstern des Windes, das Plätschern einer Quelle,
den geheimnisvollen Halbschatten des Unterholzes.
Lauf durch das hohe Gras, höre die Ameisen reden,
die nie den alten Weg vergaßen.
Suche einen Baum, berühre die Blätter.
Das ist ein Blatt
sieh her, es ist grün, es hat Adern,
so ist es geformt, greif´s an!
Berühre das Blatt, der Zweig zittert mit .
Deine Hand greift ungestüm, zärtlich
nach dem, was ich ihr zeige.
Sei wie ein Kind mit einem Staunen über alle Dinge
und die Zeit wird still stehen.
Erwarte nichts von den anderen, wenn Du selbst
noch nichts gegeben hast. Betrachte die
Welt nicht mehr voller Unruhe, dann strahlt
das Licht des Tages aus Deinen Augen,
sie sind der Spiegel Deiner Seele.
Nur auf dem Pfad der Nacht erreichst
Du die Morgenröte.

[© unbekannt]

Ich wünsche Ihnen, dass Sie am Wochenende Ihre Schätze im Verborgenen entdecken und sie mit anderen teilen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Das Leben feiern – Literarischer Wochenendgruß vom 18.05.18

Das Leben feiern – Literarischer Wochenendgruß vom 18.05.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am kommenden Wochenende beschert uns der Kalender wieder zwei Feiertage. Pfingsten war für die ersten Christen ein besonderes Fest. Ob dies auch im Mai stattfand ist mir unbekannt.

Der Wonnemonat Mai bedeutet für viele Menschen und die Natur ein Grund zu feiern – das Leben. Den Titel zu diesem Wochenendgruß habe ich einer langjährigen Leserin zu verdanken.

Mit frohmachenden Texten und Fotos möge dieses Thema zu ihrer persönlichen Lebensfeier werden.

Foto: Gerd Taron

Mai

Süßer Mai, du Quell des Lebens,
Bist so süßer Blumen voll.
Liebe sucht auch nicht vergebens,
Wem sie Kränze winden soll.
Süßer Mai, mit Blumen-Glocken
Läutest du das Fest mir ein.
Ich bekränze ihre Locken,
Will ein frommer Gast auch sein.
Süßer Mai, zum Liebesmahle
Trägst du Blumen-Kelche ein.
Blüten-Säulen stehn im Saale,
Drüber wölbt sich Sonnenschein.
Süßer Mai, in deinen Kelchen
Küssen fromme Bienen sich.
Aber unter allen welchen
Hast du eingefüllt für mich!
Süßer Mai! du bringest nieder
Blume, Blüte, Sonnenschein.
Dass ich wisse, wem die Lieder,
Wem das Herz, das Leben weihn.

Clemens Brentano (1778-1842)

Foto: Christina Eretier

Maienduft lässt Zauberworte erwachen.
Wer kennt sie nicht, die Worte eines anderen, die uns aufleben lassen! Schön, wenn auch die Erinnerungen welche beherbergen…
Zauberworte

Sie fliegen im Raum
und hinaus,
hinauf bis zum Himmel,
umkreisen die Sterne,
den Mond
mitten am Tag.
Lassen Dich schweben,
erbeben
inmitten betörender Musik,
mit dem Herzen erlauscht.
Du lebst von diesem Zauber,
diesen Worten.
Hörst sie mit wachen Ohren,
weitem Herzen.
Sie verzaubern
die Steppe des Alltags
in duftende Oasen.
Himmel und Meer,
Wasser und Leben
tanzen in dir.
Ein Fest für die Liebe
erobert die Stunde,
den Tag
und die Jahre.
Berauschend,
beglückend,
betörend,
ist diese
Dynamik des Lebens.
Sie verwandelt die Welt.
Ein Clown,
wer dafür
nicht alles gäbe.

© Lissy Theissen, 2014

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Maiensegen

Nun ruht in weissen Schleiern
die See, umspielt vom West,
und Himmel und Erde feiern
das grosse Liebesfest.
Da strömt in rinnendem Regen
hernieder Kuss auf Kuss,
der rings zu Frucht und Segen,
zur Blüte werden muss.

So ruht in weissen Schleiern
mein Herz in deiner Brust,
und unsere Seelen feiern
die ewige Hochzeitslust.
Da strömt wie rinnender Regen
dein Kuss auf meinen Leib,
dass er zum Maiensegen
werde deinem Weib . . .

Ein Duften reifer Tage
um unsere Stirnen weht,
da wieder die singende Sage
durch flimmernde Fluren geht:
– dass kein Leid mehr bliebe,
wenn über der grünen Welt
die junge Frühlingsliebe
die flatternde Fahne hält!

Clara Müller-Jahnke 1860-1905, deutsche Dichterin

Foto: Gerd Taron

Checkliste fürs Glück:

Wandern in der freien Natur.
Essen, wenn man Hunger hat.
Schlafen, wenn man müde ist.
Radfahren und im Garten arbeiten.
Sprechen mit Pflanzen.
Pfeifen mit Vögeln.
Du bekommst Augen für die Wunder um dich herum.
Du wirst weniger verbrauchen, aber mehr und bewusster genießen.
Ein Butterbrot schmeckt wunderbar.
Ein Glas frisches Wasser kann ein Fest sein.
Mit wenig zufrieden sein und viel genießen ist die Kunst und das Glück von freien Menschen.

Phil Bosmans

Foto: Gerd Taron

Feiere dich

Feiere dich. Feiere dich.
Beginne bei deinen Händen–
wie haben sie dir deinen Weg bereitet,
wie viele Herrlichkeiten haben sie gehalten,
wie schwer haben sie gearbeitet
in Selbstlosigkeit und Eifer!
Sie sind Ausdruck deines Wesens,
Ausdruck deines ehrlichen Bestrebens.
Feiere deine Augen, in denen du lebst
und durch die du in die Welt stürzst,
so wie die Welt durch sie in dich fällt.
In ihren farbigen Teichen
ruht deine ganze Seele.
Laß sie leuchten und gib anderen
eine Heimat in deinen Augen.
Feiere deine Stimme, diese eigene Person,
die dich spiegelt. Begabt bist du,
auf ihr deine Neigung zu anderen
wie ein Papierschiff aufs Wasser zu setzen.
In den Worten explodiert vorsichtig
dein Wesen und entwickelt Profil.
Und auch die Stille transportiert noch
deine Sehnsucht nach Begegnung.
Feiere dich
und feiere dich mit viel Freude und Glück.
Feiere deinen Schmerz,
in dem du auch unvergleichbar bist.
Feiere das wenige, was du siehst,
und es wird mehr werden.
Feiere deine Angst und deine Verwegenheit
und du wirst lernen,
wann die eine und wann die andere
wichtig zu leben ist.
Feiere deine Echtheit,
in die du von Tag zu Tag hineinwächst,
wie in einen Mantel, der zuerst zu groß ist.
Feiere deinen Glauben,
diesen Sprung in das Wagnis,
das dich jedes Mal verändert.
Feiere die Zartheit deiner Wahrnehmung –
wie Gräser im milden Wind –
in der die Welt sich so zeigt, wie sie sein kann.
Und feiere mich, so wie ich dich feiere
und du wirst mich entdecken, so wie ich dich entdecke.
˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚
Zur Selbsttreue gehört auch, sich selbst feiern zu können. Das Innere feiern, das Einmalige in jedem von uns. im ganzen Land müsste diese Stille Feier anklingen und zu spüren sein und ansteckend wirken.

Ulrich Schaffer

Foto: Christina Eretier

Erblühe, Herz…
Fühlst du den Neuanfang?
Siehst du das Wunder des Lebens?
Riechst du den Hauch von Glückseligkeit?
Schmeckst du die Süße der Liebe?
Erblühe, Herz…
Hörst du den Gesang der Amsel?
Sie schenkt dir ihr Lied,
damit du dich wieder erinnerst …
Wache auf und spüre den Frieden …
Erblühe , Herz…
Du bist das Leben!
Du bist Glückseligkeit!
Du bist die Liebe!
Lass feiern uns den Neuanfang,
er ist Dein …

Cäcilia Wentker

Foto: Petra Krenzer

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.“

Irischer Segenswunsch

Ich wünsche allen ein erholsames Lebesn-Feier-Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Es lebe das Gesetz?! – Literarischer Wochenendgruß vom 11.05.18

Es lebe das Gesetz?! – Literarischer Wochenendgruß vom 11.05.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen gibt es ein neues Gesetz-Schreckgespenst – die neue EU-Datenschutzverordnung. Aller orten ist die Verunsicherung groß, wie Kleinunternehmer, Vereine, Privatleute damit umzugehen haben.

Das führt mich zum Nachdenken, welche Bedeutung Gesetze, Vorschriften, Verordnungen in unserem Leben haben – sei es staatlicher oder auch aus religiöser Sicht betrachtet.

Unsere Sehnsucht nach Sicherheit sollen all diese vielen Regeln befriedigen. Bei genauerem Hinsehen erscheint mir das nicht so zu sein. Fragen Sie mal einen angehenden Existenzgründer mit welchen Formalitäten er/sie sich befassen muss.

Die vielen Kreativen in unserem Lande, sei es in der Literatur, Kunst, Theater und anderen Bereichen werden dadurch sehr eingeschränkt.

Deutschland, das Land der Dichter und Denker?

In der christlichen Religion gibt es im Alten Testament die 10 Gebote und im Neuen Testament die Bergpredigt. Diese „Richtwerte“ sollten ausreichen. In anderen Religionen gibt es sicher ähnliches.

Mit den nachfolgenden Texten und den hoffentlich dazu passenden Fotos möchte ich die Leser dazu anregen, über den Sinn und Unsinn von Regeln für eine Gesellschaft nachzudenken.

Foto: Gerd Taron

Was treibt eigentlich den Menschen zu diesem verwegenen Spiel? Wir leben in einer Zeit, wo jedem von uns durch gesetzliche Bestimmungen und gesellschaftliche Regelungen die Freiheit genommen ist. Man sucht einen Ausweg aus dieser Zwangsjacke der Zivilisation und flieht in die Ruhe und Abgeschiedenheit der Natur.“
Hermann Buhl

Foto: Björn Ziegler

Ich lasse mich nicht unterdrücken
Ich lasse mich nicht unterdrücken
von denen, die Wachstum verneinen,
von Ideen, die das Entfalten verbieten,
von Gesetzen, die das Reifen verhindern.
Ich lasse mich nicht einschüchtern
von Vorschriften,
denen es nur um Sicherheit geht.
Ich lasse mich nicht ersticken
von hübscher Mittelmäßigkeit.
Ich lasse mich nicht zurückhalten
von den Risikoscheuen.
Ich protestiere
gegen die Verneinung des Lebens
und stürme weiter vor.
Wie sollen wir uns sonst treffen?
Das Übliche ernährt uns nicht,
und mitten im Überfluss werden wir sterben.
Ich werde mit mir selbst in Verbindung treten
und mit besonderem Tastsinn
auf dich zu wachsen.
Ich werde dich mit dem inneren Auge sehen,
deine ungesprochenen Worte hören
und weiter als eine Meile mit dir gehen.
Ich werde unvorhersagbar sein
und leben.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Nimm dein Leben in die Hand

In der deutschen Literatur des Mittelalters gab es einen interessanten Begriff: „verligen“. Von einem Ritter, der eine lange Zeit nicht mehr auf „aventiure“ (Abenteuer) ging, sagte man, dass er „verlige“. Er erschien nicht mehr am Hof, er war nicht mehr unterwegs, er kommunizierte nicht mehr mit anderen Rittern, er war träge geworden, er war „liegen geblieben“. Er setzte sich nicht mehr aus, er erweiterte seine Erfahrungen nicht mehr. In dem Roman „Erec“ von Hartmann von Aue hat dieses „Verligen“ auch eine spirituelle Bedeutung: ein Ritter, der so lebt, stört die göttliche Zeitordnung. Er verstößt also nicht nur gegen die Gesetze des Hofes, sondern vergeht sich auch auf einer tieferen Ebene an umfassenderen Gesetzen.
Ähnlich kann es uns mit dem Abenteuer „Leben“ gehen, wenn Herausforderungen an uns herangetragen werden und wir sie nicht annehmen. Wir tragen in uns die Tendenz, uns festzulegen oder festlegen zu lassen. Damit haben wir häufig entschieden (ohne es als Entscheidung erlebt zu haben), wer wir sind, und damit auch, wie wir sein wollen. Weil wir träge geworden sind, erneuern wir uns nicht mehr und lassen uns nicht herausfordern. Wir gestalten unser Leben nicht mehr, sondern ertragen oder genießen es nur noch. Es hat nicht mehr die Kraft, die ein Leben hat, das von innen beseelt und erfüllt ist.

Die Lösung ist, sich dem Leben auszusetzen und es wieder in die Hand zu nehmen, anstatt es von anderen bestimmen zu lassen. Unsere Trägheit ist unser Untergang. Unsere Unachtsamkeit bringt den Verlust unserer Lebendigkeit mit sich. Wenn du entscheidest, wie du sein willst, entscheidest du, wer du sein wirst.

Ulrich Schaffer

Foto: Christina Eretier

Es gibt so viele Dinge zum Erzählen…
Es gibt so viele Dinge von denen ein alter Mann einem
erzählen müsste, solange man klein ist; denn wenn man
erwachsen ist, wäre es selbstverständlich, sie zu kennen.
Da sind die Sternenhimmel, und ich weiss nicht, was die
Menschen über sie schon erfahren haben, ja, nicht einmal
die Anordnung der Sterne kenne ich.
Und so ist es mit den Blumen, mit den Tieren, mit den
einfachsten Gesetzen, die da und dort wirksam sind
und durch die Welt gehen mit ein paar Schritten von
Anfang nach Ende. Wie ein Leben entsteht, wie es wirkt
in den geringen Wesen, wie es sich verzweigt und
ausbreitet, wie Leben blüht, wie es trägt: alles das
zu lernen, verlangt mich.
Durch Teilnahme an alledem mich fester an die
Wirklichkeit zu binden, die mich so oft verleugnet, –
da zu sein, nicht nur dem Gefühl, sondern auch dem
Wissen nach, immer und immer, das ist es, glaube ich,
was ich brauche, um sicherer zu werden und weniger
heimatlos.

Rainer Maria Rilke

Foto: Gerd Taron

Nichts in der Natur existiert für sich selbst.
Flüsse trinken nicht ihr eigenes Wasser.
Bäume essen nicht ihre eigenen Früchte.
Die Sonne wärmt nicht sich selbst.
Blumen versprühen ihren Duft nicht für sich selbst.
Das Gesetz der Natur heißt: für andere leben!

gefunden bei Ben Gilberti

Foto: Gisela Michaelis

Ein schöner Traum – der Traum von Frieden

Friede ist nicht das Gegenteil von Krieg.
Nicht der Zeitraum zwischen zwei Kriegen.
Friede ist mehr.

Friede ist das Gesetz menschlichen Lebens.
Friede ist dann, wenn wir recht handeln und
wenn zwischen jedem einzelnen Menschen
und jedem Volk Gerechtigkeit herrscht.

Indianische Weisheit

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende mit vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen – gesetzesfrei.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Mach mal langsam – Literarischer Wochenendgruß vom 04.05.2018

Mach mal langsam – Literarischer Wochenendgruß vom 04.05.2018

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

manchmal habe ich den Eindruck, dass unsere Welt aus dem Takt gekommen ist. Alles muss schnell gehen, sei es im Beruf oder im normalen Alltag. Noch schneller in noch kürzerer Zeit gilt es etwas zu erledigen. Wir werden unruhig, wenn wir in einer Warteschlange stehen müssen. Was haben wir dadurch gewonnen? Mehr Lebenszeit, mehr Lebensglück, mehr Lebenszufriedenheit?

Jeder Mensch hat seinen eigenen persönlichen Lebensrhythmus. Wenn er sein Leben nach seinen Bedürfnissen gestalten kann, kommt jeder an sein persönliches Lebensziel – sei es langsam oder manchmal auch etwas schneller.

Foto: Gerd Taron (Das Foto entstand während des Radrennens „Eschborn-Frankfurt“ am 01. Mai)

Wer langsam geht, der kommt manchmal schneller ans Ziel. Denn er wird nicht gehetzt vor etwas davonlaufen. Er geht auf das zu, was wichtig ist. Also: Lass dir Zeit. Genieße die Langsamkeit
Anselm Grün

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Welt, bedacht auf plattem Nutzen,
sucht auch die Seelen auszuputzen.
Das Sumpfentwässern, Wälderroden,
schafft einwandfreien Ackerboden,
und schon kann die Statistik prahlen
mit beispiellosen Fortschrittszahlen.
Doch langsam merken’s auch die Deppen,
die Seelen schwinden und versteppen,
denn nirgends mehr so weit man sieht,
gibt es ein Seelenschutzgebiet.
Kein Wald, drin Traumes Vöglein sitzen,
kein Bach, drin Frohsinns Fischlein blitzen,
kein Busch, im Schmerz sich zu verkriechen,
kein Blümlein, Andacht rauszuriechen,
nichts als ein ödes Feld mit Leuten,
bestellt, es restlos auszubeuten.
Drum wollt ihr nicht zugrunde gehen:
Lasst noch ein bisschen Wildnis stehen.

– Eugen Roth –

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Stimmen der Natur

Wenn die Vögel singen, rufen sie dabei die Blumen des Feldes oder sprechen sie mit den Bäumen,
oder ist ihr Gesang nur ein Widerhall dessen, was das Bächlein murmelt?
Der Mensch mit all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was die Vögel sagen oder was der Bach vor sich hinmurmelt oder was die Wellen flüstern, wenn sie langsam und sanft den Strand berühren.
Der Mensch in all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was der Regen spricht, wenn er auf die Blätter in den Bäumen fällt oder wenn er aufs Fensterbrett tropft.
Er weiß nicht, was der flüchtige Wind den Blüten zu erzählen hat.
Aber das Herz des Menschen ist imstande, die Bedeutung dieser Stimmen zu fühlen und zu begreifen.
Oftmals bedient sich die ewige Wahrheit einer geheimnisvollen Sprache.
Seele und Natur unterhalten sich miteinander, während der Mensch abseits steht, sprachlos und verwirrt.
Und hat der Mensch nicht Tränen vergossen über diese Stimmen?
Sind seine Tränen nicht ein beredtes Zeugnis seines Verstehens?

Khalil Gibran

Langsames Denken

Auch langsame Denker kommen zu
guten Ergebnissen / Lösungen
Nicht nur in der Schnelle,
in kurzen Distanzen, liegt
Besinnen / Erkennen, sondern
ebenso in längeren Ruhe-
phasen und guter Stille
Jedes Gehirn hat seine
individuellen Besonderheiten, die es von anderen
sehr unterscheiden kann
Schon im konzentrierten
konstruktiven Denken
steckt eine gehörige Portion
geballter Kreativität
Nicht nur der
produzierende Künstler,
Maler/Bildhauer/Schreibende,
nein, auch der “nur” Denkende
ist ein Kreativer, ein
Gestaltender, beschäftigt
in seinem künstlerischen
Werk, das keiner sieht / liest
Nur er selbst weiß davon
Er ist in seiner eigenen
Stille/seinem eigenen Selbst
der produzierende, der
produktiv agierende Teil

© Bruni Kantz

Foto: Gerd Taron

Langsamer Tanz…

Hast Du je Kindern
auf einem Karussell zugeschaut?
Oder zugehört,
wenn der Regen auf den Boden klatscht?
Bist Du jemals dem unberechenbaren Flug
eines Schmetterlings gefolgt?
Oder hast durch die verblassende Nacht
in die Sonne geschaut?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Rennst Du durch jeden Tag wie im Fluge?
Wenn Du jemanden fragst:
Wie geht es Dir?
Hörst du auf die Antwort?
Wenn der Tag vorüber ist,
Liegst Du dann im Bett
Und die nächsten hundert Pflichten
Gehen Dir schon durch den Kopf?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Hast Du je zu Deinem Kind gesagt:
das machen wir morgen?
Und in Deiner Hast
nicht seinen Kummer gesehen?
Jemals den Kontakt verloren
und eine echte Freundschaft einschlafen lassen,
Weil Du nie die Zeit hattest,
anzurufen und Hallo zu sagen?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Wenn Du so schnell rennst,
um irgendwohin zu kommen,
kannst Du den Weg
dorthin nicht geniessen.
Wenn Du voller Sorgen
durch den Tag hetzt,
dann ist das so,
als würdest Du ein ungeöffnetes Geschenk wegwerfen.
Das Leben ist kein Wettrennen.
Lass es langsamer angehen.
Höre die Musik, bevor das Lied vorüber ist.

David L. Weatherford

Foto: Gerd Taron

Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillewerden meiner Seele. Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Weite der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln,
ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief
in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.

Aus Südafrika

Foto: Gerd Taron

Segen eines alten Menschen
Gesegnet seien, die verstehen,
dass meine Füße langsam geworden sind und das meine Hände zittern.
Gesegnet seien, die daran denken,
dass meine Ohren schwer hören und das ich nicht alles gleich verstehe.
Gesegnet seien, die nicht schimpfen,
wenn ich etwas fallen lasse und die mir helfen meine Sachen zu finden.
Gesegnet seien, die mich anlachen
Und mit mir plaudern.
Gesegnet seien, die Rücksicht auf mich nehmen,
auf meine Beschwerden und die meine Schmerzen lindern.
Gesegnet seien, die mich fühlen lassen,
dass ich geliebt werde und die zärtlich mit mir umgehen.
Gesegnet seien, alle die gut zu mir sind,
denn sie lassen mich an den guten Gott denken.
Und ich werde sie bestimmt nicht vergessen,
wenn ich einmal bei ihm bin.
Phil Bosmans

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende mit vielen Stunden der Muße.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Vderanstaltungshinweis in eigener Sache:

Eppsteiner Büchermarkt am Freitag, 04.05. von 14 bis 18 Uhr während des Wochenmarktes

Dort stellen sich regionale Autoren mit ihren Werken vor. Von Reiseliteratur, historischen Romane, Fantasy, Kinder- Jugendbuch, Krimi und antiquarische Reiseliteratur ist alles dabei.

Brina Stein (www.brina-stein.de) hat alles organisiert und freut sich auf die nachstehenden Autoren:

Alexandra Bauer, Birgit Gröger, Karin Seemayer, Ina Wagemann, Wolfgang Ulrich, Stefanie Caroline Pier, Ruth Gorgosch, Connie Albers und Brina Stein mit ihren Werken.

Als antiquarische Zugabe ist der Autor dieser Zeilen ebenfalls zugegen.