Ich bin nur … – vom Wichtig sein – Literarischer Wochenendgruß vom 09.11.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

haben Sie manchmal oder vielleicht gar öfters bewusst oder unbewusst einen Satz bei einem Gespräch begonnen mit „Ich bin nur …“. Vielleicht war es der zu große Respekt gegenüber ihrem Partner oder auch ein zu geringes Selbstwertgefühl, dass Sie dazu hat verleiten lassen.

Es gibt Menschen, die machen sich durch eine solche Aussage zu klein und zu bedeutungslos. Aber sie sind in dieser Gesellschaft genauso wichtig wie prominente Zeitgenossen.

Deshalb möchte ich mit diesem Wochenendgruß allen Menschen Mut machen, ihren eigenen Wert zu erkennen und zu leben.

Foto: Hülya Braun

Die Freude, das Selbstwertgefühl, sich von anderen anerkannt und geliebt zu wissen, sich nützlich und fähig zu fühlen, das sind Faktoren von ungeheurer Bedeutung für die menschliche Seele. Schließlich bilden das Selbstwertgefühl und die Möglichkeit, an einer sozialen Organisation teilzuhaben, lebendige Kräfte. Und das gewinnt man nicht, indem man Lektionen auswendig lernt oder Probleme löst, die nichts mit dem praktischen Leben zu tun haben. Das Leben muss zum zentralen Punkt werden und die Bildung ein Mittel.

Maria Montessori

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Leistungen und Talente anderer anerkennen,
ist die Wertschätzung, die man jedem Menschen entgegenbringen sollte,
auch sich selbst.

Elke Bischofs

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Egal wie wunderbar Du bist,
wie hilfreich,
klug,
ehrlich
und
fleißig,
egal wie hart Dein Weg war,
egal wie echt Du bist –
es wird immer Menschen
geben, die niemals
durch Deine Tür
treten werden,
die Dich nicht sehen wollen,
Dich nicht
anerkennen
werden –
denn in jenem Moment,
müssten sie sich ihre
eigene Kleinheit
eingestehen.
Egal wie viele es in Deinem Leben sind –
GEH Deinen WEG,
Du bist ALLES
wert!

Anja Schindler

Foto: Hülya Braun

Ich-Inventur.
Nun steh ich da.
Alles im Außen scheint
schwierig zu sein.
Nichts fühlt sich leicht
oder stimmig an.
Vieles bricht und
zurück bleiben Scherben.
Was ich angeh’,
geh ich wohl nicht
klar genug an.
Es wird erwartet
in alle Richtungen.
Auch ich erwarte, hoffe
und vergesse mich.
Immer wieder.
Nicht nur meine Welt
spielt verrückt.
Auch die große weite Welt,
die um mich herum,
lässt mich jeden Tag
Horrormeldungen,
Tod, Leid und Schmerz
erfahren.
Es nimmt kein Ende.
Ein Teufelskreis.
Schwindel und Übelkeit,
weil es nicht aufhören will.
Es dreht sich und dreht sich.
Nur aber leider nicht im Guten,
sondern im Gefühl der Angst.
In der Angst, nichts mehr
im Griff zu haben.
Ausgeliefert zu sein.
So!
Und spätestens HIER ist STOPP!
Für mich!
Hier ist der Punkt erreicht,
an dem ich entscheide…
Auszusteigen!
Entscheide, inne zu halten und
ruhig zu werden.
Runter zu kommen.
Runter zu mir.
Entscheide, mir meine Macht
zurück zu holen.
Entscheide, keine Marionette
von irgendjemand im Außen zu sein
bzw. zu bleiben.
Entscheide, aus der Angst rauszugehen
und mich wieder mit der Liebe zu verbinden.
Meiner Essenz. Meiner Quelle. Meinem Sein.
Entscheide, wieder bewusst zu werden.
Bewusst darüber, immer entscheiden zu können,
welchen Weg ich im Herzen gehen will,
gehen werde.
Entscheide, mich nicht von Horrormeldungen
bezahlter Medien irreführen zu lassen,
sondern meiner Intuition glauben zu schenken.
Entscheide, meinen Weg, in meinem Tempo und
meinem Gefühl weiter zu gehen.
Ohne mich beirren zu lassen und ohne einzubrechen,
wenn geliebte Menschen sich deshalb verabschieden.
Entscheide, auf mich und meine Gefühle zu hören
und mir dadurch treu zu bleiben.
Aus Selbstliebe und Selbstwertschätzung.
All’ diese Entscheidungen sind Entscheidungen
der Liebe zu mir selbst,
welche goldene Früchte tragen werden.
Nichts bleibt ohne Folge und schon gar nicht
Entscheidungen aus Liebe und in der Liebe.

HERZ in WORT
by Katja Hinder

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Visionäre …
… es gibt sie noch …
oft belächelt
nicht ernst genommen
naiv eingeschätzt …
geringschätzig abgewertet,
gern übersehen …
Menschen, die unbeirrt ihren Weg gehen,
ihrer Linie ohne wenn und aber treu bleiben
zu dem stehen was ihnen alles bedeutet,
in aller Bescheidenheit leben
was ihre Welt ist.
Sie sind anders
auf ihre Weise besonders,
tragen vieles still in sich;
brauchen weder Hektik und Lärm draußen
noch ständiges nach vorn drängeln,
laute Aufmerksamkeit.
Innen drin tobt der Sturm dieser Liebe,
bricht aus in dem was sie lieben zu tun.
Manche staunen,
einige ermutigen, loben,
manche verstummen, ignorieren;
schweigen sich aus.
SIE sehen mehr dahinter,
verstehen, wissen genau…
Der innere Brunnen
sprudelt leidenschaftlich,
ist weiter aktiv,
wird durch alles inspiriert,
hat auch Wert.
In dieser Zeit sind sie selten,
aber es gibt sie noch;
bescheiden, unaufdringlich, zurückhaltend.
Visionäre, die aus sich schöpfen,
unauffällig im Leben stehen,
manche Träume verwirklichen.
Angela Hökkelbjerg

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende mit dem Sie im Einklang mit sich selbst sind.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Die Kunst, von der Kunst zu leben – Literarischer Wochenendgruß vom 02.11.18

Liebe Literaturfreunde,

in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es viele Künstler, sei es im Bereich der Literatur, der Musik, der Malerei oder Schauspiel.

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Mann/Frau davon leben könne. Ist das alles brotlose Kunst?

In der heutigen Zeit ist es schwierig geworden, diese Frage mit „Ja“ zu beantworten. Für private oder auch andere Feiern werden kostengünstige Künstler engagiert, manchmal sogar nur für ein Essen mit Getränke. Gage oder Honorar? Es wird darauf verwiesen, dass man doch eine gute Gelegenheit bekomme sich zu präsentieren und sich daraus sicher neue Auftrittsmöglichkeiten ergeben.

Was ist eine künstlerische Leistung im Zeitalter des Profitstrebens wert?

Die nachfolgenden Texte, insbesondere die Geschichte von Walburga Kliem, mögen zum Nachdenken anregen.

Die Fotos und die Bilder wurden mir aus meinem engeren Freundeskreis zur Verfügung gestellt. Bei den Bildern habe ich die Künstler namentlich erwähnt. Bei den Fotos habe ich darauf verzichtet, da sie beispielhaft für die verschiedenen Künste stehen.

Lampada di Aladino – Bild: Andreina Bonanni

Ich glaube, alle Kunst entsteht, weil sich der Künstler der Welt unsicher ist. Diese Welt passt nicht zu ihm, und er passt nicht in sie, er glaubt, er gehöre nicht dazu. Und deshalb versucht er, sie zu verstehen und für sich zu ordnen. Hemingway schrieb an Scott Fitzgerald: »Wir sind alle von Anfang an verflucht, und Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor Du ernsthaft schreiben kannst. Wer in sich ruht, schreibt kein Buch und malt kein Bild.

Ferdinand von Schirach

Menschenkunst

Erscheint dir Kunst zu ernst,
mit starren Regeln vollgestopft,
die Farben falsch, viel zu grell,
das Licht zu hell,

dann schöpfe aus der eigenen
Kraft, nimm den Mund recht voll,
schreibe, wie dir der Schnabel
gewachsen ist und zeichne und
pinsle, was das Zeug hält

Wenn dir Kritik entgegenbellt,
lass dich nicht beirren, bleib
bei den eigenen Dingen

Sie stecken voll Hitze, voll
samtener Blitze, erschrecken
dich selbst, weil du Verborgenes
erkennst, das machtvoll aus
deinem Inneren drängt

Du bist deine eigene
MenschenKunstTherapie
und keines der Werke
verlässt dich je

Bruni Kantz

Eine wahre Geschichte …

Auf meiner „Geschichtenwanderung 2010“ in der Nähe von Mühlhausen saß ein Geschäftsreisender frühmorgens in der Pension an meinem Tisch. Wir unterhielten uns und er war erstaunt, dass ich erstens den Beruf einer Geschichtenerzählerin habe und dann auch noch wie in alter Zeit auf die Wanderschaft gehe. „Aber Sie müssen doch von irgendetwas leben!“ platzte er heraus.

Ich antwortete: „Irgendwann will ich mal davon leben …“ und dann erläuterte ich noch, dass ich ja einen „zweiten Beruf als Trainerin und Beraterin“ habe und Seminare gebe.

Später habe ich festgestellt, ich war wieder einmal in eine „Denk- und Rechtfertigungsfalle“ geraten. Mir wurde im Nachdenken über diese Situation … und wenn man einfach nur alleine wandert auf einsamen Wegen, dann hat man viel Zeit, nachzudenken … klar:

* Ich habe gar keine zwei Berufe … es gibt für mich nur noch einen einzigen, den der „Erzählkünstlerin“. Das ist das, was ich wirklich machen will und auch tue. Diese Tätigkeit findet sich ganz einfach in der anderen wieder … in meinen Workshops und Coachings tue ich nichts anderes.

* Ich LEBE doch schon davon … Ich habe zwar kein dickes Konto, aber es hat bisher immer gereicht, um alle Ausgaben zu decken … ich lebe nicht in Armut … ich kann stolz auf meine Kinder sehen, bei denen zwar auch nicht alles einfach gelaufen ist … ich kann mich angemessen kleiden und ernähren … ich fühle mich wohl.

Und bestätigt wurde mir das dann einige Kilometer weiter von einer alten Frau, die mich in einem Dorf einfach ansprach. Wir unterhielten uns einige Zeit angeregt im leichten Nieselregen und am Ende sagte sie:

„Wissen Sie, mir ging es heute morgen eigentlich gar nicht gut. Ich fühlte mich krank und elend. Aber ich musste ja mit dem Hund raus. Und ich bin sehr froh, dass ich Sie angesprochen habe. Ich bin froh, dass wir uns so unterhalten haben …“ und dann strahlte sie und fügte hinzu: „Sie haben mich richtig glücklich gemacht!“

Für dieses Lächeln gibt es keinen Betrag auf meinem Konto! (*)

Walburga Kliem

inner landscape – Bild: Lissy Theissen

Jeder Mensch ist ein Künstler

Lass dich fallen.
Lerne Schnecken zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die »ja« sagen
und verteile sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen.
Schaukel so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere »verantwortlich« zu sein. Tu es aus Liebe.
Mach viele Nickerchen.
Gib Geld weiter. Tu es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei.
Lache viel.
Bade im Mondlicht.
Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor, du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern.
Höre alten Leuten zu.
Öffne dich, tauche ein, sei frei.
Segne dich selbst. Lass die Angst fallen. Spiele mit allem. Unterhalte das Kind in dir. Du bist unschuldig. Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume. Schreibe Liebesbriefe.

Joseph Beuys

Wenn Sie beim nächsten Mal einen Künstler bei seinen Auftritten erleben und von ihm oder ihr begeistert sind, honorieren Sie das nicht nur mit Ihrer Eintrittskarte.

Ein kunstvolles Wochenende wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Zwei Informationen in eigener Sache:

Vom Abschluss der literarischen Freiluftsaison ist in der Taunus-Zeitung ein sehr lesenswerter Artikel erschienen:

http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Hier-wird-die-Bruecke-zur-Lyrik-geschlagen;art48711,3146542?fbclid=IwAR2oSoqT995z91ISq50MZEpjQ9mYd0X18VyKJOKN7X6yft33IkzpZ9paDs8

Einen ersten Ausblick auf die literarische Freiluftsaison 2019 gibt es hier:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/10/31/literarischer-rettershof-2019-ein-ausblick/?fbclid=IwAR0VYtu3w9oiVXOblfGb9ardt3ENia1mnwCg9PRC2TR6S5_hPCCrDfw4K4U

Die Lust am Bösen – Literarischer Wochenendgruß vom 26.10.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in Kürze wird nicht nur bei uns ein gruseliges Fest gefeiert- Halloween. Kinder und Erwachsene maskieren sich und überbieten sich in ihren Kostümen. Frankenstein lässt grüßen.

Aber nicht nur zu diesem „Fest“ begegnet uns das Böse. Es ist allgegenwärtig. Damit meine ich die vielen negativen Nachrichten. Das Genre Krimi erfreut sich großer Beliebtheit, sei es im Fernsehen oder als Buch. Bill Ramsey sang Anfang der 1960er Jahre den Gassenhauer „Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett“.

Heute erscheint mir, dass es fast nur Krimis oder Science-Fiction Literatur und Filme gibt. Je mehr Blut fließt, desto erfolgreicher?

Wenn ein neues Buch im regionalen Bereich vorgestellt wird, ist es zumeist ein Krimi. Woher diese Lust kommt, kann ich mir nicht erklären.

In der Frankfurter Neuen Presse erschien vor kurzem eine Glosse unter dem Titel „Mehr Mord, bitte!“ Mir wäre weniger Mord dann doch etwas lieber. Die Krimi-Autoren mögen mir verzeihen, dass ich darauf hinweise, dass es auch andere spannende Bücher und Filme gibt.

Zu diesem Thema habe ich wieder einige Texte ausgesucht. Die Fotos stammen aus diversen Einsendungen und karikieren zum Teil das Thema.

Foto: Gerd Taron

Herbstwind

Hörst Du wie er böse rüttelt,
Blätter von den Bäumen schüttelt,
Fensterläden donnernd schließt und um Häuserecken schießt?

Hörst Du wie die Türen fliegen,
Birken sich wie Knechte biegen,
Regen an das Fenster klopft, es durch jede Ritze tropft?

Hörst Du wie die Spießgesellen,
lauter noch als Hunde bellen,
wie sie jagen durchs Geäst, rüsten sich zum Abschiedsfest?

Hörst Du wie die Krähen krächzen, alte Balken schrecklich ächzen, Rose wechselt letztes Kleid, rüstet schon zur Winterszeit..

© Ute AnneMarie Schuster

Foto: Connie Albers

Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Die nackten Toten die sollen eins
Mit dem Mann im Wind und im Westmond sein;
Blankbeinig und bar des blanken Gebeins
Ruht ihr Arm und ihr Fuß auf Sternenlicht.
Wenn sie irr werden solln sie die Wahrheit sehn,
Wenn sie sinken ins Meer solln sie auferstehn.
Wenn die Liebenden fallen – die Liebe fällt nicht;
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Die da liegen in Wassergewinden im Meer
Sollen nicht sterben windig und leer;
Nicht brechen die die ans Rad man flicht,
Die sich winden in Foltern, deren Sehnen man zerrt:
Ob der Glaube auch splittert in ihrer Hand
Und ob sie das Einhorn des Bösen durchrennt,
Aller Enden zerspellt, sie zerreißen nicht;
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Keine Möwe mehr darf ins Ohr ihnen schrein
Keine Woge laut an der Küste versprühn;
Wo Blumen blühten darf sich keine mehr regen
Und heben den Kopf zu des Regens Schlägen;
Doch ob sie auch toll sind und tot wie Stein,
Ihr Kopf wird der blühende Steinbrech sein,
Der bricht auf in der Sonne bis die Sonne zerbricht,
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Erich Frieds Nachdichtung von Dylan Thomas` „And Death Shall Have No Dominion“.

Foto: Gabriele Kindermann

Sage zu dir in der Morgenstunde: Heute werde ich mit einem unbedachtsamen, undankbaren, unverschämten, betrügerischen, neidischen, ungeselligen Menschen zusammentreffen. Alle diese Fehler sind Folgen ihrer Unwissenheit hinsichtlich des Guten und Bösen. Ich aber habe klar erkannt, daß das Gute seinem Wesen nach schön und das Böse häßlich ist, daß der Mensch, der gegen mich fehlt, in Wirklichkeit mit mir verwandt ist, nicht weil wir von demselben Blut, derselben Abkunft wären, sondern wir haben gleichen Anteil an der Vernunft, der göttlichen Bestimmung. Keiner kann mir Schaden zufügen, denn ich lasse mich nicht zu einem Laster verführen. Ebensowenig kann ich dem, der mir verwandt ist, zürnen und ihn hassen; denn wir sind zur gemeinschaftlichen Wirksamkeit beschaffen, wie die Füße, die Hände, die Augenlider, wie die obere und untere Kinnlade. Darum ist die Feindschaft der Menschen untereinander wider die Natur; Unwillen aber und Abscheu in sich fühlen ist eine Feindseligkeit.

Marc Aurel (1, 14), Selbstbetrachtungen

Foto: Melanie Ullrich

Wach werden
Vielleicht ist alles nur
eine Frage des Erwachens.
Wir haben uns mit dem Schlaf abgefunden.
Kafka hat uns schon vor hundert Jahren gesagt,
dass wir nicht Bösewichte, sondern Schlafwandler seien.
Die Musik der Harmlosigkeit hat uns eingeschläfert.
Wir haben viele Schlaftabletten genommen,
von der entmündigenden Religion bis zur nicht integrierten Politik,
vom schlauen Gerede bis zum dummen Getue.
Mit geschlossenen Augen schleichen wir am Abgrund entlang
und wollen die wahre Stimme unseres Herzens nicht hören.
Auf dem Rücken unseres Schlafes
tummelt sich das Unheil der Welt.
An unserem Schnarchen stirbt die Hälfte der Menschen.
Neues zu wagen heißt,
aus dem schrecklichen Schlaf zu erwachen.
Wir brauchen den heilsamen Schreck,
der uns die Augen öffnet,
und sie uns nicht mehr schließen lässt.
Ganz gleich wie wir uns absichern,
herzhaftes, erfülltes Leben bleibt immer ein Wagnis.

Ulrich Schaffer

Foto: Gabriele Kindermann

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?

Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)

Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.

Ich wäre gerne auch weise.

Bertolt Brecht – Auszug aus „An die Nachgeborenen“

Foto: Connie Albers

LIEBEN NICHT VERGESSEN*

Ein Seifenfabrikant sagte zu einem Engel:
„Die Nächstenliebe hat nichts erreicht.
Obwohl es schon bald zweitausend Jahre gepredigt wird..
ist die Welt nicht besser geworden.
Es gibt immer noch Böses und böse Menschen.“

Der Engel wies auf ein ungewöhnlich schmutziges Kind..
das am Straßenrand im Dreck spielte.. und bemerkte:
„Seife hat nichts erreicht.
Es gibt immer noch Schmutz und schmutzige Menschen in der Welt.“

„Seife“, entgegnete der Fabrikant,
„nutzt nur.. wenn sie angewendet wird.“

Der Engel antwortete:
„Die Nächstenliebe auch.“

(Gispert Kranz)

Ein friedvolles Wochenende wünscht allen
Ihr/Euer Gerd

Vom Dienst leisten – Literarischer Wochenendgruß vom 19.10.18

Vom Dienst leisten – Literarischer Wochenendgruß vom 19.10.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

immer wieder lese ich vor allem in den sozialen Medien, wie zum Beispiel facebook, dass Mann/Frau sich über mangelnde Dienstleistungen beschwert. Da werden Pakete nicht oder falsch zugestellt, die Zeitung kommt zu spät, die Bedienung ist angeblich unfreundlich usw. Im öffentlichen Nahverkehr fallen Züge oder Busse wegen Personalmangel aus. In den Krankenhäusern und Seniorenheimen herrscht Pflegenotstand.

Bei allem Verständnis für die Verärgerung: Wer denkt eigentlich an die Menschen, die all diese Dienstleistungen ausüben? Oft werden Paketzusteller, die meistens jung und unerfahren sind, nicht oder nur mangelhaft in ihre Tätigkeiten eingewiesen. Die Bezahlung ist schlecht und die Arbeitsbedingungen meist unzumutbar.

Wenn es um Leben von Menschen geht, ist dies noch viel schlimmer. Dort können die miserablen Arbeitsbedingungen fatale Folgen haben.

Angeblich liegt es am System, wie ich vor kurzem las. Aber das System sind wir! Wir alle können dazu beitragen, dass sich die Bedingungen für die einzelnen, wenn auch nur wenig, verbessern lassen. Die Bedienungsmentalität und Bequemlichkeit ist in unserer Gesellschaft aus meiner Sicht sehr hoch geworden.

Dieser Wochenendgruß soll mit den Texten und Fotos etwas dazu beitragen, ein besseres Verständnis für die Menschen, die in den Dienstleistungsberufen beschäftigt sind, zu gewinnen.

Foto: Gerd Taron

Die vorteilhafteste menschliche Ordnung wäre die,
bei welcher jeder an das Glück der anderen dächte und sich uneingeschränkt dem Dienst für dieses Glück weihte.
Bei einer solchen Einstellung aller erhielte jeder den größten Anteil von Glück.

(Leo N. Tolstoi)

Foto: Gerd Taron

Und wenn ihr nicht mit Liebe, sondern nur mit Unlust arbeiten könnt, dann ist es besser, eure Arbeit zu verlassen, und euch ans Tor
des Tempels zu setzen, um Almosen zu erbitten von denen,
die mit Freude arbeiten.

Khalil Gibran

Foto: Gerd Taron

Lange hast du dir Mühe gegeben
immer da zu sein, ansprechbar, verantwortlich,
zuständig zu sein für das, was anlag,
auch für die Belange anderer,
die eigentlich ihre Verantwortung waren.
Man konnte auf dich zählen,
man wusste, dass du da sein würdest.
Manchmal warst du ausgelaugt,
hattest keine Kräfte mehr,
du hättest die Arbeit an liebsten anderen überlassen,
aber du bliebst,
es gehörte zu deinem Selbstverständnis.
Du wolltest dem stillen Druck ausweichen,
der ungeschrieben dein Leben bestimmte,
aber du hast es nicht geschafft.
Du hast dich selbst
mit deinen Erwartungen festgehalten.
Aber du hast das Recht dich zurückzuziehen.
Du bist nicht weniger wert,
wenn du die Verantwortung nicht übernimmst
und andere machen lässt. Sie sind dran.
Es ist Zeit, an dich zu denken,
die stillen Seiten in dir zu entwickeln,
deine Tiefe auszuloten,
dein Herz besser kennenzulernen.
Du hast ein Recht auf deine Stille,
auf die Entwicklung deiner Einmaligkeit,
auf den Weg, den nur du zu gehen hast.
Das Stille und oft Große in dir
hatte fast nie eine Chance sich zu zeigen,
sich zu entwickeln, ein eigenes Leben zu entfalten.
Es wurde verdrängt vom täglichen Kleinkram
und von Menschen mit einer kleinen, vorsichtigen Sicht
Jetzt ist es dran. Lass es nicht im Stich,
lass dich nicht im Stich. Ein neuer Abschnitt beginnt.
Lass dein schlechtes Gewissen los.
Höre nicht mehr auf die, die es dir mit ihren Sprüchen
schwer machen wollen, einen neuen Weg zu wagen.
Sag ihnen entschieden, dass jetzt sie gefordert sind
und dass du dich auf einem anderen Weg befindest.
Und denke nicht, dass du egoistisch bist –
wenn du an dich denkst, tust du deinen Freunden
einen großen Dienst.
Sie brauchen deine Herausforderung,
deine Abwesenheit, das Erlebnis mit dir,
dass du nicht zu Verfügung stehst.
Dein neues Leben bricht an,
du hast ein großes Recht darauf.
Gib es nicht ab.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Eine alte Dame setzt sich in ein Café. Die Kellnerin bringt ihr die Menü-Karte und fragt nach, was sie denn bestellen möchte.
Die alte Dame fragt: „Wie teuer ist bei ihnen ein Stück von der Torte?“
Die Kellnerin antwortet: „5 Euro.“
Die gebrechliche alte Dame holt einige Münzen aus ihrer Tasche und beginnt langsam zu zählen.
Dann fragt sie wieder: „Und wie teuer ist bei ihnen ein einfaches Stück Kuchen?“
Die Kellnerin war etwas gestresst, da sie ja noch viele Tische bedienen musste und antwortete sehr ungeduldig: „4 Euro.“
„Das ist gut, dann nehme ich gerne den einfachen Kuchen“, antwortete die alte Dame.

Die Kellnerin brachte ihr genervt den Kuchen und legte gleich die Rechnung hin. „Immer diese geizigen Leute“, murmelte sie leise vor sich hin.
Die alte Dame aß ganz langsam und genussvoll den Kuchen, stand langsam auf, legte das Geld auf den Tisch und ging.

Als die Kellnerin nun den Tisch aufräumen wollte, stellte sie fest, dass die alte zerbrechliche Dame ihr einen Euro Trinkgeld hingelegt hat.

Sie bekam vor Rührung Tränen in die Augen. Aber es war zu spät, um sich bei der alten Dame zu entschuldigen. Sie begriff schmerzhaft und sich schrecklich fühlend, dass die alte Dame sich mit einem einfachen Stück Kuchen begnügte, um der Kellnerin Trinkgeld zu schenken!

Autor unbekannt

Foto: Brina Stein

Wenn Du weißt, wer Du bist und so lebst, dann ist das für Deine Mitmenschen eine verlässliche Basis. Auf dieser Basis ist gemeinsames Leben und Arbeiten möglich.

Monika Bylitza

Foto: Sabine Barde

Möge dir die Arbeit
nicht schwer von der Hand gehen,
trotz Schwielen und Schrunden.
Dein Lohn auf Erden mag fragwürdig sein,
der Lohn der Ewigkeit ist unumstritten.
Irischer Segenswunsch
Wenn Sie an diesem Wochenende unterwegs sind und ihre Freizeit genießen, denken Sie vielleicht etwas mehr an die Menschen, die für Sie Ihren Dienst versehen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Veranstaltungshinweis in eigener Sache:

Sonntag, 21.10.18 um 15 Uhr

Zwischen den Zeiten – Literarischer Spaziergang im Woogtal in Königstein im Taunus

Zum Abschluss der literarischen Freiluftsaison präsentiere ich Literarisches über die Zeit und den Übergang zwischen Herbst und Winter.
Treffpunkt: Kur- und Stadtinformation Königstein, Hauptstr. 13a

Ernte sei Dank – Literarischer Wochenendgruß vom 12.10.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

am kommenden Sonntag können Besucherinnen und Besucher des Erntedank- und Handwerkfestes am Rettershof im Taunus die Vielfalt unserer Gegend genießen, sehen und schmecken. In diesem Jahr ist die Ernte auf den Streuobstwiesen rund um den Rettershof besonders reichlich. Im diesem Jahr habe ich wieder beobachten können, wie aus kleinem großes entstehen kann.

APFELERNTE

O welche Lust, auf die Bäume steigen
Und klettern umher in den schwanken Zweigen!
Wir müssen uns recken, müssen uns bücken,
Die Äpfel und Birnen und Zwetschgen zu pflücken.
Und können wir nicht zum Wipfel gelangen,
Wo meist die allerschönsten hangen,
Dann legen wir die Leiter dran
Und ziehen mit Haken die Zweige heran.
Hilft das auch nichts, dann kommt das Beste,
Wir schütteln alle Zweig‘ und Äste,
Und wenn es dann regnet Äpfel im Nu,
Dann sehen wir jubelnd von ferne zu.

Autor: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Ernte

Es ist Ernte,
dass wir einander noch haben.
Es ist Ernte,
die Münzen der Minuten und Stunden
noch ausgeben zu können.
Es ist Ernte
durch unsere gegenseitige Gegenwart
die Zeit zu schmecken wie Schwarzbrot.
Wir haben Samen ausgestreut,
manchmal ängstlich und mit zitternder Hand
und dann wieder so,
als gehörte uns schon die goldene Ernte.
Wir haben nicht gewusst,
ob die Saat aufgehen würde,
oder was wir ernten würden,
aber wir haben nicht aufgegeben.
Ich suche jetzt deine Augen häufiger,
als wolle ich mich vergewissern,
dass auch du die Dichte der Ernte erlebst.
Unser Glück tritt aus dem Sinn hervor,
den wir allem geben.

Ulrich Schaffer

Herbstgold

Der Sommer ist gegangen,
und Frühherbst hält das Land
in feuerrotem Prangen
und golden in der Hand.
Die Ernte eingefahren,
in Körben Früchte, reich;
zur Mittagszeit,im Klaren,
spielt Luft noch mild und weich.
Da liegt im Traum das Leben,
es schwelt der Sonne Glut,
und sanft die Blätter schweben
dorthin, wo alles ruht.

© Ingrid Herta Drewing

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,
mußt es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.

Christian Morgenstern

Erntedank

Nun ist es Herbst und kalte Winde pfeifend toben.
Es färbt das Laub sich schon an Bäumen bunt.
Bald wandeln Sommerträume in Novemberroben
und Nebelschweben decken Wiesengrund.
Ein Sternenheer schaut in der Nacht auf müde Seelen.
Sie funkeln hell im düster’n Wolkenfeld.
Wenn Sonnenstrahlen sich den Tagesanbruch stehlen,
hat oftmals schon sich Frost dazugesellt.
Das Ährenfeld im Tal ist auch bereits geschnitten,
von Herbstes Hand verwandelt war’s in Gold.
Kommt dann der Winter durch das weite Land geschritten,
zahlt er die Zeit mit seinem weißen Sold.
In voller Reife liegt die Ernte jetzt in Gärten.
Sein Samen wurd‘ im März schon ausgesät
und Gottes Hände still das stete Wachstum nährten,
des Morgens früh bis hin zum Abend spät.
Mit mancherlei wird nun gefüllt der dunkle Keller.
Gemüse, Obst, Kartoffeln, groß und klein.
Wenn Mutters sorgend‘ Hände füllen leere Teller,
woll’n dankbar wir für diese Gaben sein.
Wie wunderbar behütet ist aus guter Gnade
die große Welt im Wechsel durch die Zeit
und schreiten wir hindurch auf Gottes Liebespfade,
liegt jederzeit sein Segen uns bereit.

Anette Esposito, 2008 / christliche-gedichte.de

Ich wünsche allen bei den traumhaften Wetteraussichten ein erntereiches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Wer mag und gerade in der Nähe ist, lade ich zum Erntedank-Spaziergang am Rettershof anlässlich des Erntedank- und Handewerkfestes ein. Treffpunkt ist um 12:45 Uhr unter der Linde.

Unser tägliches Brot – Literarischer Wochenendgruß vom 05.10.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in der vergangenen Woche hatte ich die große Freude nach langer Zeit wieder hinter den Kulissen unserer Dorfbäckerei in Kelkheim-Fischbach zu schauen.

Bäckermeister Bernd Wittekind gab mir die Gelegenheit, anlässlich des Erntedankfestes, der in den christlichen Kirchen am vergangenen Sonntag gefeiert wurde, neu und dankbar über unser tägliches Brot nachzudenken.

Alle Fotos mit Ausnahme des letzten sind in seiner Bäckerei entstanden.

Man kann sein Brot mit gar nichts essen.
Mit nichts als Licht und Luft bestreut.
Gefühle, die man ganz vergessen,
Geschmack und Duft der Kinderzeit,
Sie sind im trocknen Brot beschlossen,
wenn man es unterm Himmel isst.
Doch wird die Weisheit nur genossen,
wenn man den Hunger nicht vergisst.

Eva Strittmatter

DAS BROT

Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, dass die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild’,
sich kaum besinnt und fast vergisst,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge bass gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

„Eines Tages ging ein armer junger Mann von Tür zu Tür, um Waren zu verkaufen, damit er sein Studium finanzieren konnte. Er stellte fest, dass er nur noch ein 10-Cent-Stück besaß und er hatte Hunger. Daher beschloss er, im nächsten Haus um etwas zu bitten. Doch als dort eine hübsche junge Frau die Tür öffnete, verließ ihn der Mut. Anstatt um eine Mahlzeit bat er nur um ein Glas Wasser.

Die Frau sah, dass er hungrig war, und brachte ihm ein großes Glas Milch und einige belegte Brote. Er aß und trank langsam und fragte dann: „Was bin ich Ihnen dafür schuldig?“ „Sie brauchen mir gar nichts dafür zu bezahlen“, antwortete sie. „Mama hat uns beigebracht, dass wir niemals akzeptieren sollen, dass man uns für eine Freundlichkeit etwas bezahlt.“

Er antwortete: „Dann danke ich Ihnen von Herzen.“ Als er das Haus verließ, fühlte sich Robert nicht nur körperlich gestärkt, sondern er spürte auch, wie er seine Zuversicht wiedergewann. Er hatte kurz davor gestanden, aufzugeben.

Einige Jahre später wurde diese junge Frau ernsthaft krank. Die Ärzte in ihrem Ort wussten nicht mehr weiter. Sie schickten sie in die nächste Großstadt und baten die Spezialisten, die Behandlung dieser seltsamen Erkrankung zu übernehmen.

Dr. Robert Schmidt wurde gerufen, um sich die Patientin anzusehen. Als er den Namen der Stadt hörte, aus der sie stammte, blitze ein seltsames Funkeln in seinen Augen auf. Er stand sofort auf und machte sich auf den Weg zu ihrem Zimmer. In seinem weißen Kittel trat er an ihr Bett. Er erkannte sie sofort wieder. Dann ging er wieder in sein Büro zurück, fest entschlossen, sein Bestes zu geben, um ihr Leben zu retten. Von diesem Tag an kümmerte er sich mit ganz besonderer Aufmerksamkeit um ihren Fall.

Nach einem langen Kampf war die Schlacht schließlich gewonnen. Dr. Schmidt bat darum, dass die abschließende Rechnung zuerst ihm zur Prüfung vorgelegt würde. Er sah nur kurz darauf, schrieb dann eine Bemerkung an den Rand und schickte die Rechnung ins Krankenzimmer. Die Frau fürchtete sich davor, sie zu öffnen, weil sie sicher war, dass sie den Rest ihres Lebens damit verbringen müsste, sie vollständig abzubezahlen.

Endlich öffnete sie doch den Umschlag. Etwas Handgeschriebenes auf dem Rand der Rechnung fesselte sofort ihre Aufmerksamkeit.

Sie las die Worte: „Vollständig bezahlt mit einem Glas Milch und einigen Broten, gez. Dr. Robert Schmidt.“

Tränen der Freude schossen ihr in die Augen, und ihr Herz betete voller Freude: „Danke, mein Gott, dass Deine Liebe durch die Herzen und die Hände von Menschen ausströmt.“

(Autor leider unbekannt)

Der Geruch des Brotes ist der Duft aller Düfte. Es ist der Urduft unseres irdischen Lebens, der Duft der Harmonie, des Friedens und der Heimat.

Jaroslav Seifert, tschechischer Schriftsteller und Nobelpreisträger 1984

Erde, die uns dies gebracht

Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde.
Wir haben volle Teller
und voll sind Scheune und Keller,
wir leiden keine Not.
Gesichert ist das Brot,
die Äpfel sind knallrot
und auch der süße Wein
lief rein ins Fass hinein.
Die Ernt‘ ist geborgen,
wir haben keine Sorgen,
drum sei heut Dank gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde !

Christian Morgenstern


Foto: Bruder Paulus

Schenk mir das Fingerspitzengefühl,
um herauszufinden, was erstrangig ist.
.
Bewahre mich vor dem Glauben,
es müsse alles glatt gehen im Leben.
.
Erinnere mich daran,
dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
.
Schicke mir im rechten Augenblick
jemand, der den Mut hat,
mir die Wahrheit über die Liebe zu sagen.
.
Gib mir das tägliche Brot für Leib und Seele,
auf offener Straße eine Geste deiner Liebe,
ein freundliches Echo,
und wenigstens hin und wieder
das Erlebnis,
dass ich gebraucht werde.
.
Mache aus mir einen Menschen,
der einem Schiff mit Tiefgang gleicht,
um auch die zu erreichen,
die unten sind.
.
Gib mir nicht, was ich wünsche,
sondern, was ich brauche.”
.
Antoine de Saint Exupéry

Ich wünsche Ihnen bei Ihren Unternehmungen an diesem Wochenende viel Freude und Dankbarkeit für das was wir haben.
Ihr/Euer

Gerd Taron

Zwei Veranstaltungshinweise in eigener Sache:

Sonntag, 07.10.18 ab 14 Uhr Literarischer Spaziergang zur Buchmesse. Weitere Informationen finden Sie hier:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/10/03/zwischen-hoelle-und-himmel-literarischer-buchmesse-spaziergang-am-sonntag-07-10-ab-14-uhr-mit-franziska-franz-und-connie-albers-rund-um-den-frankfurter-hauptbahnhof/

Sonntag, 14.10.18 um 12:45 Uhr – Literarischer Erntedank-Spaziergang auf dem Rettershof anlässlich des Erntedank- und Handwerkerfestes

Erwartungen – Literarischer Wochenendgruß vom 28.09.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

Welche Erwartungen haben Sie vom Leben, von sich selbst, von Ihren Mitmenschen? Sind Erwartungen schöne Wunschvorstellungen? Je mehr man erwartet und sich wünscht, je größer ist dann die Enttäuschung, wenn es nicht eintrifft.

Die schönsten Begebenheiten sind die, wo es keine Erwartungen gibt. Menschen können uns enttäuschen, weil wir zu viel von Ihnen erwartet haben. Das liegt oft an uns selbst und nicht am Gegenüber.

Zum Thema dieses Wochenendgrußes habe ich wieder einige Texte zusammengestellt, die uns einen neuen Blick für unsere Erwartungen geben mögen.

Foto: Gerd Taron

Habe Hoffnung, aber niemals Erwartungen.
Dann erlebst Du vielleicht Wunder, aber niemals Enttäuschungen.

Franz von Assisi

Foto: K. H. Fischer

Erwartungen an uns selbst

Es gibt eine Art Hochmut,
der uns dazu verführt,
unzufrieden mit uns selbst zu sein.
Wir sehen unser Leben anders, als es war.
Wir sind unzufrieden mit dem,
was wir erreicht haben.
Wir hätten Größeres leisten und erfolgreicher sein können.
Was wir erreicht haben, ist darum eine Enttäuschung.
So verpassen wir unser Leben.
So wandern wir aus – aus der bunten Landschaft
und Geschichte unseres Lebens.
So wird nie genug sein, was wir hatten.
Durch diese Haltung werden wir nicht zu den Menschen,
die wir sein könnten.
Wir planen Enttäuschung mit ein
und haben einen stillen Stolz
über unsere hohen Erwartungen an uns selbst.
In unserer Unzufriedenheit verlieren wir
die Dankbarkeit aus den Augen
und machen unser Leben kleiner.

Ulrich Schaffer

Foto: Klaudia Wick Fotografie

Befreie dich vom Ballast der Erwartungen anderer an dich,
vom Ballast deiner eigenen Erwartungen an dich,
vom Ballast der Mode und Werbung,
vom Ballast des Konsums,
vom Ballast der Moralapostel,
vom Ballast der Gutmenschen,
vom Ballast des Angepasstseins,
vom Ballast eines fremden Gottesbildes,
vom Ballast einer Gruppenmeinung,
vom Ballast des Schönseins,
vom Ballast reich sein zu wollen,
vom Ballast religiöser Vorstellungen,
vom Ballast falscher Konventionen,
vom Ballast störender Glaubensmuster,
und von allem anderen Ballast.

Erst wenn du allen Ballast abgeworfen hast,
eröffnen sich für dich neue Spähren,
neue Dimensionen und auch neue Höhen.

(Bertrand Cézoé)

Foto: Michael Heinz

Manchmal tragen andere etwas zu unseren Erwartungen bei. Die Werbung gaukelt uns einen Nutzen für ein Produkt vor, etwa, dass wir mit einer Gesichtscreme jünger aussehen, der nicht eintrifft.
Enttäuschung entsteht also, wenn wir uns selbst etwas vormachen oder andere uns etwas vorgaukeln, und wir erkennen, dass wir uns getäuscht haben bzw. uns haben täuschen lassen.
D.h. eine Enttäuschung beseitigt eine Täuschung, der wir aufgesessen sind.

Insofern ist eine Enttäuschung im Grunde etwas Positives.
Wir kennen nun die Wahrheit.

Unsere Enttäuschung ist umso größer, je höher unsere Erwartungen sind und je wichtiger das Ereignis für uns ist.
Können wir Enttäuschungen vermeiden oder vorbeugen?
Nein. Erstens können wir Enttäuschungen nicht generell vermeiden, und zweitens macht es auch keinen Sinn.
Da unsere Erwartungen maßgeblich für unsere Enttäuschungen verantwortlich sind, könnten wir uns Enttäuschungen dadurch ersparen, dass wir weniger oder nichts von anderen oder dem Leben erwarten.

Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden. Oder wie es Alexander Pope, ein englischer Schriftsteller, einmal ausdrückte: Gesegnet ist der, der nichts erwartet, denn er wird nie enttäuscht.
Sicher, da ist etwas dran an dieser Einstellung. Diese Haltung wirkt sich aber negativ auf unseren Elan, unsere Lebensfreude und auf die Beziehung zu anderen Menschen aus.

Eine positive Erwartungshaltung motiviert uns und erzeugt Vorfreude. Und eine positive Erwartungshaltung trägt maßgeblich zum Genuss dessen bei, was wir erwarten – wenn es eintritt.
Wer nichts Positives erwartet, beraubt sich vieler genussvoller und schöner Momente.

(Dr. Doris Wolf)

Foto: Ahmed Begic

Wo immer es uns gelingt,
ohne Erwartungen, Berechnungen
oder Verhandlungen zu lieben,
sind wir wirklich im Himmel.

Rumi

Foto: Gerd Taron

Schenke, gebe oder hilf niemandem mit einer Erwartungshaltung.
Tue es, weil Du es möchtest.

Der beschenkte kann deine Erwartungshaltung nicht kennen
und du könntest somit enttäuscht werden.

Tue es weil Du es möchtest.
Ohne Erwartungen!!!
Nur dann kommt Dein Handeln wirklich von Herzen!

(Lebenskunst)

Foto: Gaby Schäfer

Wer sich entschieden hat,
etwas zu verändern,
der überwindet alle Hindernisse.

Er wird Menschen treffen,
die mit ihm gehen
und er wird auch andere
zurücklassen müssen –
denn Leben heißt:
nicht die Erwartungen anderer
zu erfüllen, sondern
seinem Herzen zu folgen.

(Nicobartes.com)

Ich wünsche Ihnen ein erwartungsfrohes Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Grenzen ohne Mauern – Literarischer Wochenendgruß vom 21.09.18

Grenzen ohne Mauern – Literarischer Wochenendgruß vom 21.09.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

im schönen Taunus gibt es zwei Landkreise, die zu den reichsten in Deutschland gehören. Der Feldberg ist der höchste Erhebung. Irgendwo zwischen dem Hochtaunus-Kreis und dem Main-Taunus-Kreis gibt es eine besondere Grenze. Sie liegt oberhalb des Rettershofes, der zur Stadt Kelkheim und damit zum Main-Taunus-Kreis gehört.

Wer erfahren möchte, was in den jeweiligen Kreisen geschieht, hat Pech gehabt. Die lokale Zeitung (die Frankfurter Neue Presse) ist strikt getrennt in das Höchster Kreisblatt. Dort wird über das lokale Geschehen im Main-Taunus-Kreis, dem Frankfurter Westen und etwas über Frankfurt berichtet. Über den Hochtaunus-Kreis, Königstein, Kronberg, Bad Homburg? Fehlanzeige! Dafür gibt es die Taunus-Zeitung, die ihrerseits nichts über die Nachbarn aus dem anderen Kreis informiert.

Ich bin regelmäßig in beiden Kreisen unterwegs. Dabei habe ich versucht herauszufinden, warum es diese Trennung gibt. Experten, wie Heimatforscher und Stadtarchivare konnten mir dabei auch nicht weiterhelfen.

Daran wird deutlich, dass es keine real existierende Mauer, wie zum Beispiel in früheren Zeiten den Limes geben muss, um etwas zu trennen und eine Grenze zu setzen. Wovon will man sich abgrenzen? Wovor hat man Angst?

Es gibt sehr schöne praktische Beispiele, wie persönliche Grenzen überwindet werden können und sich damit anderen öffnet. Da gibt es die Aktion „Offene Gärten“, wo Gartenbesitzer ihre Pforten öffnen und andere an den Schönheiten ihres Gartens teilhaben lassen. Ein anderes Beispiel sind Veranstaltungen wie die „Offenen Höfe“, sei es in Hofheim-Wallau oder im Rheingau und in anderen Regionen.

Grenzsteine oberhalb des Rettershofs im Taunus markieren die Grenzen zwischen den beiden Gebieten – Foto: Gerd Taron

Alle Grenzen entstehen im Herzen

Alle Grenzen entstehen im Herzen.
Alle Linien auf Landkarten
wurden zuerst in Herzen gezogen.
Tief in uns geschehen die Trennungen.
Wo ziehen wir beide die Linie?
Die Linie macht uns zu Fremden.
So urteilen, trennen und sondern wir ab.
So entfremden und isolieren wir uns und werden einsam.
Nichts tötet so wie die Linie durchs Herz.
Zuerst sterben die anderen, aber am Ende auch wir.
Verachtung, Abscheu und Hass sind teuer.
Die neue Welt fordert von uns,
dass wir unsere Herzen glätten,
damit sie durchquert werden können,
wie endlose Weizenfelder der Nahrung ohne Zäune,
dass wir unseren Geist verwandeln
in eine Wiese, auf der sich alle versammeln können,
um einander zu feiern,
dass wir selbst Gärten voller Überfluss für die Hungrigen werden,
Feste der Freude für die Niedergeschlagenen
und eine Zuflucht für die Hilfsbedürftigen.
Weigere dich, kleinlich zu werden,
mache dein Herz nicht zu einem Abgrund des Misstrauens,
lass dich nicht zählen, wenn die Zerstörer wieder einmal aufrechnen,
wen sie auf ihrer Seite haben.
Es ist Zeit,
die Welt wie vom Weltraum zu sehen, ohne Grenzen,
weil die Zeit der Reiche und des Herrschens vorbei ist.
Es ist Zeit für das internationale Abenteuer der Liebe.

Ulrich Schaffer

Foto: Sitta Destroff

Da gehen die Menschen hin, und bewundern die Bergesgipfel, die Meeresfluten ohne Grenzen, den breiten Strom gewaltiger Flüsse, die Weiten des Ozeans und den Lauf der Sterne. Sich selber aber sehen sie nicht, und finden in sich nichts zum Staunen.

Aurelius Augustinus

Foto: Monika Bylitza

Die Grenzen, die du errichtest, werden solange für dich real sein, bis du lernst, über sie hinaus zu gehen. Dann hören sie auf, wirklich zu sein. Später wirst du auf die Realität zurückblicken, in der du gelebt hattest, und du wirst dich wundern, wie es dir einst möglich gewesen sein konnte, ihre engen Grenzen zu ertragen.

(Paul Ferrini)

Foto: Petra Krenzer

Ich will ein fremdes Land bereisen,
seine Berge bewandern,
seine Küsten erforschen,
die rauen Klippen besteigen
und Halt finden am lebensrettenden Vorsprung.
Ich will die fremden Winde spüren
und den warmen Regen auf meinen Wangen.
Meine Hände will ich in seine Erde graben.
Seine Wurzeln fühlen will ich,
schmecken sein Salz und riechen
den Duft seiner weiten Täler.
Und ich will kämpfen mit dem Land,
mich messen mit seinem Willen,
seine und meine Grenzen erforschen,
bis der Schlaf kommt und ich mich bette
auf den Blättern seines Herbstes…

Gedicht aus „Italiener und andere Süssigkeiten“
von Drehbuchautor Martin Rauhaus

Foto: Gerd Taron

Wenn du meine Grenzen schützt

Der Sohn

Vater, wenn Du meine Grenzen schützt,
werde ich wissen, dass ich Grenzen habe.
Diese Grenzen erlauben mir, zu erstarken
und meine Kräfte zu sammeln.
Vater, wenn Du meine Grenzen schützt,
kann ich mit Dir meine Kraft und Fähigkeit trainieren.
Diese Kraft und Stärke werde ich brauchen,
um die Grenzen anderer zu schützen.

Die Tochter

Vater, wenn Du meine Grenzen schützt,
werde ich wissen, dass ich Grenzen habe.
Ich werde wissen, dass ich sicher bin
und mich dem Leben in mir hingeben kann.
Vater, wenn Du meine Grenzen schützt,
werde ich für das Leben Sorge tragen können.
Ich werde in mir halten können, was des Haltes bedarf
und nähren können, was der Nährung bedarf.
Geliebter, wenn Du meine Grenzen schützt,
werde ich Dir meine Grenzen öffnen können.
Gemeinsam werden wir Leben erschaffen.
Es nähren und schützen können.
Vater, wenn Du unsere Grenzen nicht schützt,
wird unsere Suche nach Deiner inneren Stärke
über unser Leben bestimmen.
Erst wenn wir diese Stärke in uns gefunden haben,
werden wir schützen und nähren können,
werden wir sein können, was wir wirklich sind.

Sita Hahn

Foto: Veronika Dutz

Mögen die Grenzen, an die du stößt,
einen Weg für deine Träume offen lassen.

Altirischer Segenswunsch

Ich wünsche Ihnen und mir, dass die unsichtbaren Mauern überwunden werden und zu einem harmonischen Miteinander führen.

Ein grenzenlos schönes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Ein Veranstaltungshinweis:

Am Sonntag, 23.09. findet zum Herbstanfang wieder ein literarischer Spaziergang rund um den Rettershof.

Er beginnt um 15 Uhr. Der Treffpunkt ist der große Parkplatz am Rettershof

Zuhause sein – Literarischer Wochenendgruß vom 14.09.18

Zuhause sein – Literarischer Wochenendgruß vom 14.09.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich mittlerweile 25 Jahre als Rheinländer im Taunus lebe. Die damals private Entscheidung zum Umzug in ein neues Land und Umgebung hat mein Leben sehr verändert – im positiven als auch im negativen.

Viele meiner Freunde aus meiner näheren Umgebung kennen diese Erfahrung aus eigenem Erleben. Sie sind aus unterschiedlichsten Gründen von Ort zu Ort gezogen. Und wenn man die kulturhistorische Geschichte betrachtet, siehe die Einwanderung in Amerika, ist dies sicher verständlich.

Meine neue „zweite“ Heimat möchte ich nicht mehr missen. Trotz aller persönlichen Widrigkeiten habe ich hier mein eigenes Zuhause gefunden, vor allem dank meines Freundeskreises.

Mit den Texten und Fotos möge der neue Wochenendgruß Sie zum Nachdenken anregen.

Foto: Olaf Jahnke

Jeder Ort kann
Dein Zuhause sein.
Soviel Heimat ist er,
wie er mit
Liebe,
Zuneigung
und
Wertschätzung
zu Dir
gefüllt
ist.

Anja Schindler

Foto: Petra Krenzer

Geh los
Geh an die Tür,
nimm deinen Schlüssel mit.
Lass die Tür nicht laut ins Schloss fallen.
Lautlosigkeit soll dich begleiten.
Nimm sonst nichts mit.
Bist du draußen, geh zur Straßenbahn
oder zum Bus, der dich an den Stadtrand bringt.
Lass die Stadt hinter dir,
vor dir ein Feld, vielleicht ein Wald,
keine Häuser mehr.
Verlass was du kennst,
vielleicht auch was du liebst.
Sieh dich nicht um,
du wirst zwar nicht zu einer Salzsäule,
aber es kann sein, dass du abgelenkt wirst
und nicht mehr weißt, was du wolltest.
Es passiert jeden Tag.
Geh durch die Felder, steig über die Zäune,
auch wenn du dir die Hosen zerreißt,
es macht nichts, viel Größeres wartet auf dich.
Wenn du willst, umgeh den dunklen Wald.
Da kommt ein Dorf, lass es links liegen,
die Hochhäuser der fernen Stadt steure nicht an.
Geh den Fluss entlang, bis du zu einer Brücke kommst.
Bleib ein wenig auf ihr stehen,
unter dir das braune Wasser, die Gräser am Ufer.
Es ist gut, dass du die Brücke gefunden hast.
Wenn man dich anspricht, geh einfach weiter.
Man wird dich schnell vergessen.
Es ist gut, dass du nicht weißt, wohin du willst,
so kann dir niemand dein Geheimnis entreißen.
Irgendwann wirst du an eine Grenze stoßen,
vielleicht ist es schon die Landesgrenze.
Betritt das fremde Land, es hat auf dich gewartet.
Im nächsten Ort,
dort wo du dich am fremdesten fühlst,
steht eine Wohnung für dich bereit.
Der Vermieter weiß Bescheid.
Der Schlüssel liegt unter der Matte.
Im linken Zimmer kannst du schlafen,
das andere, das mit dem Blick in den Garten,
soll das Zimmer der Stille sein.
Wenn du erst mal eingezogen bist,
werden sich die Wände füllen,
mit dem was dir wertvoll ist.
Es kann von selbst geschehen.
Wenn es an der Tür klingelt, mach nicht auf.
Die Ablenkung ist nicht gut für dich.
Es könnten auch deine Freunde von zuhause sein,
sie wollen dich zurückholen.
Aber sie werden bald aufgeben,
wenn sie spüren, dass du jetzt hier sein willst.
Erst jetzt wirf den Schlüssel
zu deiner alten Wohnung weg.
Lass dir keine Post nachschicken,
ruf nicht mehr an,
gewöhne dich an die neue Welt.
In einem Glas
im obersten Küchenschrank,
fast unerreichbar,
liegt die kostbare Perle.

Ulrich Schaffer

Beziehungen sind komplizierter geworden, da Chats das neue Reden sind. Diskutiert wird nur noch über Telefonate ohne Augen-Kontakt, gekämpft wird nur noch wenn ein Vorteil dabei rausspringt. Der erste Schritt wird solange hinausgezögert bis es zu spät ist und Gefühle werden nur noch in Facebookposts oder einem WhatsAppstatus „ausgesprochen“…
Eine Generation die sich unsicher ist über die eigenen Gefühle, verwirrt weil wir nichts mit Andeutungen und Spielchen anfangen können, verliebt in einen Menschen aber gebremst von seinem Verhalten, wir glauben aber nicht genug um den letzten Schritt zu machen, weil wir wissen wie schön Menschen lügen, wenn sie was erobern wollen…
Wir wollen endlich ankommen aber in einer Welt von Durchreisenden, ist ein Zuhause eben schwer zu finden…
Der Poet

Foto: Lissy Theissen

Feuer, die Herzen wärmen.

Eine Frau irrte ziellos durch die dunklen Straßen der Stadt und schaute sich dabei immer furchtsam um. Sie war auf der Flucht vor ihrem jahrelangen, kalten Zuhause und befürchtete, dass es ihr nachlaufen würde. Obwohl sie warm gekleidet war , fror sie doch sehr, und so hielt sie sich fest beide Arme vor den Oberkörper.
Immer wieder kam sie an kleinen Lagerfeuern vorbei, an denen jeweils ein Mann saß. Sie hätte sich gerne zu einem gesetzt, um sich ein wenig aufzuwärmen, doch bemerkte sie schnell, dass diese Feuer nur auf Sparflamme brannten und fast zu erlöschen drohten.
Sie ging enttäuscht und frierend weiter.
Die schwachen Flammen warfen ein spärliches Licht auf nett anzuschauende Männergesichter und die Frau war so manches Mal verlockt, sich zu einem zu setzen. Die trügerische Hoffnung war nur allzu groß, sich bei einem von ihnen aufwärmen zu können.
Mit eiskalten Füssen und ebensolchem Herzen stolperte sie weiter und die Zuversicht schwand mit der Zeit.
Als sie schon nicht mehr daran glaubte, erblickte sie auf einmal ein großes Feuer, an dem ein älterer, unscheinbarer Mann saß.
Die Frau wurde von seinen guten Augen angezogen und sie ging zögernd auf ihn zu.
Der Mann lächelte sie einladend an und dieses Lächeln verlieh ihm auf einmal unglaubliche Attraktivität.
Er reichte der Frau seine Hände und half ihr, sich zu ihm zu setzen. Dann nahm er eine dicke Decke und legte sie über ihre und seine Schultern. Sie rückten eng zusammen und genossen die Wärme des Feuers, dass auf einmal noch intensiver brannte als vorher.
Die Frau wusste, sie würde von nun an nie mehr frieren müssen.

– Annerose Pützer –

Foto: Gerd Taron

Ich bin auf meinem Weg,
indem ich mich freigebe von allem,
was mich daran hindert
mich selbst zu sein.
Wandernd lege ich meine Rollen ab,
die ich lange genug gespielt habe.
Wandernd lasse ich meine Masken fallen,
die lange genug mein wahres Wesen versteckt und entstellt haben.
Nun, wer bin ich denn,
wenn all das Zufällige weggefallen ist,
wenn nicht mehr zählt, was ich geleistet habe,
wenn nicht mehr wichtig ist, was ich bei den Menschen gegolten habe.
Wandernd gehe ich hinein in mein Wesen,
in meine Wahrheit,
in mein Zuhause,
zu meinem Gott meines Wesens! ” ༺ಌ༺

nach Anselm Grün

Foto: Gerd Taron

Jeder Mensch braucht ein Refugium,
wo er sein kann, wie er ist.
Es ist dabei egal, ob es die kahle Hütte am
Berg sei, das heimische Wohnzimmer
oder das Blätterdach des Waldes,
doch jeder Mensch braucht einen Platz,
wo er schweigsam werden kann,
demütig sich selbst gegenüber,
wo das Leben sich wieder
ungestört in die Mitte begibt,
wo die Zeit still steht.
Jeder Mensch braucht einen Ort
der Stille, des Zuhauses mit sich selbst.

Anja Schindler

Foto: Gerd Taron

Ich gehöre dazu
Wenn ich wieder einmal nach dem Sinn frage,
sagt eine Stimme in mir,
dass es reicht, hier gewesen zu sein.
Ich bin vor Jahrzehnten erschienen,
habe einen Platz eingenommen.
Ich habe einen Eindruck von Leben bekommen
und einen Eindruck hinterlassen,
so wie man am frühen Morgen Spuren im Tau hinterlässt.
Es reicht, hier gewesen zu sein.
Unter dieser Erkenntnis fallen die hohen Ziele von mir ab.
Ich habe ein Stück des Planeten bewegt,
so wie er mich berührt hat.
Ich habe Freundschaften geschlossen, Erkenntnisse gesammelt,
kleine Paradiese geschaffen, große Ambitionen losgelassen.
Ich habe geliebt und gelacht, gedacht und gelitten.
Ich war dabei, war Teil der großen Familie der Menschen
und bin noch dabei.
Ich bin ein Teil des globalen Kreises,
bin Teil eines Akkords in einer unvollendeten Sinfonie,
Teil des Bildes, blaue Schlieren auf dunkelbraunem Grund.
Mein Hauch hängt noch in den Fasern der Welt.
Ich stehe im Segen des Dazugehörens,
jetzt und für immer.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Menschen suchen ihr Leben lang ein Zuhause, ein Herz und zärtliche Hände, eine stille Gegenwart, die bleibt, auch wenn es keine Worte mehr gibt.

(Phil Bosmans)

Ich wünsche allen Lesern des Wochenendgrußes ein erholsames und besinnliches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Nutze den Augenblick – Literarischer Wochenendgruß vom 07.09.18

Nutze den Augenblick – Literarischer Wochenendgruß vom 07.09.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

bei zwei literarischen Spaziergängen in diesem Jahr habe ich das ungewöhnliche Buch von Bernhard Nollen „ Nutze den Augenblick – Gedanken zur Lebenskunst“ vorgestellt. Es enthält wunderbare Zitate des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel. Dazu präsentiert Bernhard Nollen seine wunderschönen Fotografien, die
mit den Worten Aurels verwoben sind.

Dies ist für mich der Anlass, in diesem Wochenendgruß auf die Worte von Marc Aurel einzugehen. Die Fotos sind alle mit einem neuen Blick in den letzten Tagen entstanden. Der Abschluss ist allerdings mit einem einfühlsamen Text von Ulrich Schaffer versehen.

Einsamkeit suchen die Menschen auf ländlichen Fluren, am Meeresufer, in den Bergen. Doch einer wie beschränkten Ansicht entspringt dieser Wunsch ! Kannst du dich doch, sooft du nur willst, in dich selbst zurückziehen. Gibt es doch nirgends eine stillere, und ungestörtere Zufluchtsstätte, als die Menschenseele…

Mark Aurel

Leben ist Veränderung!

Beachte immer, dass nichts bleibt,
wie es ist, und denke daran,
dass die Natur immer wieder
ihre Formen wechselt.

Mark Aurel

Du musst nicht meinen, dass etwas menschenunmöglich sei, nur weil du es kaum zuwege bringen kannst, sondern wenn etwas menschenmöglich und durchführbar ist, dann sieh es auch für dich als erreichbar an.

Marc Aurel

Ziehe weniger das in Betracht, was du nicht hast, sondern das, was du hast; stelle dir die liebsten vor und denke nach, wie du denselben nachstreben würdest, wenn sie nicht dein wären. Nimm dich aber auch in acht, dich an sie zu gewöhnen, weil sie dir so sehr behaglich sind, und sie allzu hoch zu schätzen, damit es dich nicht deine Gemütsruhe koste, wenn du sie verlieren solltest.

Jung sein

Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt,
sondern eine Geisteshaltung;
sie ist Ausdruck des Willens,
der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität.
Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit,
Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.

Man wird nicht alt, weil man
eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat:
Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt.
Die Jahre zeichnen zwar die Haut
– Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele.
Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen
und Hoffnungslosigkeit sind Feinde,
die uns nach und nach zur Erde niederdrücken
und uns vor dem Tod zu Staub werden lassen.

Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann.
Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt: Und dann?
Wer die Ereignisse herausfordert
und sich freut am Spiel des Lebens.

Ihr seid so jung wie Euer Glaube.
So alt wie Eure Zweifel.
So jung wie Euer Selbstvertrauen.
So jung wie Eure Hoffnung.
So alt wie Eure Niedergeschlagenheit.

Ihr werdet jung bleiben,
solange Ihr aufnahmebereit bleibt:
Empfänglich fürs Schöne, Gute und Große,
empfänglich für die Botschaften der Natur,
der Mitmenschen, des Unfaßlichen.
Sollte eines Tages Euer Herz
geätzt werden von Pessimismus,
zernagt von Zynismus,
dann möge man Erbarmen haben
mit Eurer Seele – der Seele eines Greises.

Marc Aurel

Die Zeit ist ein Fluss und ein gewaltiger Strom der Dinge. So bald man jenes gesehen hat, ist es schon vorüber, und fährt ein anderes daher, wird es ebenso schnell vorüber sein.

Marc Aurel

Schau in dich hinein: In dir ist die Quelle des Guten, eine Quelle, die nicht versiegen kann, wenn du nicht aufhörst zu graben.

Marc Aurel

Schmecke die Luft

Lass los,
nimmermehr kommt die blaue Blume
oder der goldene Vogel zu Besuch.
Vor uns liegt ein großer Wald,
dessen Lichtung gesucht werden muss,
wie eine Nadel im Heuhaufen, so groß,
wie von hier bis zum Mond.
Steh still,
vielleicht dreht sich die Welt dir zu
und du kannst neu aufsteigen,
mit der Sicherheit der Himmelsmechanik
in einer Tasche aus Gräsern
locker über die Schulter geschlungen.
Schmecke die Luft,
noch ist es nicht zu spät
deinen Atem zu lockern
und die Augen schweifen zu lassen
wie Vögel, die alle Farben außer golden sind.
Es ist trotzdem alles ein Fest.
Ulrich Schaffer

Mit diesen nachspürbaren Texten wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Informationen zum Buch (im Buchhandel nicht mehr erhältlich):

Bernard Nollen

„Nutze den Augenblick“
Gedanken zur Lebenskunst von Marc Aurel

Dumont-Verlag – 1999, ISBN: 9783770148936

Mit allen Sinnen leben – Literarischer Wochenendgruß vom 31.08.18

Mit allen Sinnen leben – Literarischer Wochenendgruß vom 31.08.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

selten hat sich in der Geschichte des literarischen Wochenendgrußes vor mehr als 7 Jahren bei mir persönlich ein Wunsch mehr als erfüllt. In der letzten Woche schrieb ich, dass man „guter Hoffnung sein soll“. Damit habe ich mir und anderen Mut machen wollen. Jetzt, nach der ersten überstandenen Augenoperation, ist tatsächlich ein kleines Wunder geschehen. Dieser Wochenendgruß kann, trotz Skepsis vorher, wie gewohnt erscheinen. Es ist ein neues Leben, dass ich jetzt die Welt und die Natur anders betrachten kann, viel detaillierter und schärfer.

Der nachfolgende Text vom wunderbaren Ulrich Schaffer beschreibt meine eigene Situation in den letzten Wochen in wunderbarer Weise. Er selbst sagt über dieses Gedicht, dass es für ihn einer der gelungensten über die Hoffnung sei.

Sonnenaufgang am Staufen mit Blick auf Kelkheim-Fischbach – Foto: Gerd Taron

Erfinderin neuer Lösungen

Du schreibst, dass dir die Hoffnung vergeht
und sich der Abgrund auftut.
Ich bitte dich, die Wirklichkeit nicht so ernst zu nehmen,
sie ist der Kraft deiner Hoffnung nicht gewachsen.
Deine Hoffnung existiert getrennt
von allem, was dir passiert.
Sie steht über den Ereignissen der Welt,
auch deiner persönlichen Welt.
Es gibt die Hoffnung als helle Luft,
als einen Korb rotbackiger Äpfel,
als Hände, die ineinander liegen,
als ein Lächeln gegen den Tod
der kleinen, vorsichtigen Liebe,
als Entscheidung, die keine Grenzen kennt.

Und schon wirst du die Erfinderin neuer Lösungen,
legst Mut auf Vorrat an,
entscheidest, was wirklich ist,
lachst quer durch deine Tränen,
als wären sie die einer anderen.

Aus deinem Rucksack
schaut keck eine kleine Fahne hervor,
auf der steht: Man kann die Hoffnung
gar nicht spät genug aufgeben.
Ich habe sie dir reingesteckt,
als Gruß von weit weg.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Sanft und zärtlich
kommt er daher,
der Augenblick.
Berührt die Sinne,
in vollem Genuss
und zaubert Dir damit
ein Lächeln
mitten ins Gesicht.
~~~
Text: Monika Heckh

St. Stephan in Mainz – Foto: Gerd Taron

Das Kirchenfenster meiner Iris
Das bunte Kirchenfenster meiner Iris,
die Mechanik meines Ellenbogens,
die beherzte Pumpe in meiner Brustgegend,
das Orchester in meinem Ohr,
das Brahms´ Requiem spielt,
das Kochbuch in meinem Mund,
wie kann ich da anders, als sie zu lieben, diese Sinne,
mit dem an mir, was unsichtbar ist
und mich doch mehr erfasst,
als alles, was aufzählbar ist
in einer Welt, die Angst hat
vor dem Unsichtbaren
und doch davon lebt.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

… Waldspaziergang …

Fühle unter meinen Füßen
weichen Boden, Schritt für Schritt
unterwegs, um zu genießen
nehm´ ich meine Sinne mit
Rundherum ein tirilieren
dringt ganz tief in mich hinein
bringt mein Herz zum dirigieren
Melodie zum Glücklich sein
Lausche Amsel, Fink und Meise
wie sie zwitschern mir ein Lied
ich bedanke mich ganz leise
singe in Gedanken mit
Plötzlich über mir ein Rauschen
Blätter wiegen sich im Tanz
es tut gut, dem Wind zu lauschen
kann mich fallen lassen ganz
Durch die Baumwipfeln herunter
Sonnenlicht strahlt durch´s Geäst
bin glückselig und so munter
weil es mich erwachen lässt
Fühle eins mich mit den Bäumen
mit den Tieren und noch mehr
und ich fange an zu träumen
dass ich eine Elfe wär
Voll mit der Natur verbunden
spüre ich ganz tief in mir
habe endlich das gefunden
was ich suchte…es ist hier
Mein Herz öffnet sich, ich strahle
Licht und Liebe strömt heraus
und erkenn´ mit einem Male
wo ich wirklich bin zuhaus´
Denn mein Ursprung, meine Quelle
sehe ich nun klar vor mir
Und ich leb´ mit jeder Zelle
Gott, aus deiner Liebe hier

Cäcilia Wentker

Foto: Gerd Taron

Man öffnet die Augen,
schließt sie wieder und nimmt das,
was man erblickt, hinüber in den Traum.
Das ist das Leben!

[© Friedrich Hebbel]

Foto: Beate Vennemann

Wir haben verlernt mit den Füßen zu spüren
wir haben verlernt, die Kraft der Erde zu spüren
wir haben verlernt, all unsere feinen Sinne zu spüren

komm gib mir deine Hand
und lass deine Schuhe dort stehen
lass uns mit den Ohren vernehmen
das Rauschen der Wellen
lass unsere Augen schweifen
so weit der Horizont reicht
lass uns die Meeresluft
bis in die Fußspitzen atmen
lass uns das Salz
auf unseren Lippen schmecken
lass die Wärme des Sandes
bis in unsere Herzen dringen

lass uns mit dem ganzen Körper spüren
den Reichtum
den die Natur uns schenkt

Lass uns leben mit all unseren Sinnen ” ༺ಌ༺

Autor unbekannt

Foto: Brigitte Krieg

Ich wünsche Dir Augen,
die Dich so sehen, wie Du wirklich bist,
die Dich ins rechte Licht rücken,
Dich sanft tragen an einen guten Ort.
Ich wünsche Dir Ohren, die die feinen
Schwingungen und Untertöne aus
Deinen Worten aufnehmen,
die die Sprache Deines Herzens verstehen.
Ich wünsche Dir Hände,
die Dich leiten und begleiten,
die nicht lange überlegen, sondern Dich halten
zur rechten Zeit Dir Hilfe sind.
Ich wünsche Dir das Wesen von Liebe,
Glück und Freude an Deine Seite,
Zuversicht, Gelassenheit und Demut
in Dein Herz.
Ich wünsche Dir die Güte des Lebens
zu sein und zu werden,
wie Du wirklich bist,
gemeint bist
mit all Deinen Eigenschaften.
Möge das Leben Dich bejahen,
bejahen
Dein Sein.

Anja Schindler

Foto: Gerd Taron

Das Grün der Wiesen ~ erfreue deine Augen.
Das Blau des Himmels ~ überstrahle deinen Kummer.
Die Sanftheit der kommenden Nacht ~
mache alle dunklen Gedanken unsichtbar!

[Irischer Segenswunsch]

Mit diesen Worten wünsche ich allen Lesern ein wundervolles und erholsames Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Guter Hoffnung sein – Literarischer Wochenendgruß vom 24.08.18

Guter Hoffnung sein – Literarischer Wochenendgruß vom 24.08.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

wir leben in Zeiten von großen Umbrüchen. Wenn wir uns die weltpolitischen Ereignisse wo auch immer und auf welchem Kontinent anschauen oder lesen oder hören, kann es uns sehr beunruhigen und hoffnungslos werden lassen.

Was für das Große gilt, ist unserem persönlichen Bereich gegenwärtig. So erlebe ich dies derzeit in meinem persönlichen Umfeld und bei mir selbst. Veränderungen im beruflichen und/oder privaten Bereich können aber auch positive Energie freisetzen.

In den nächsten Wochen werde ich mich zwei Augenoperationen unterziehen müssen. Es kann daher sein, dass Sie den Wochenendgruß in den nächsten Wochen nicht in der gewohnten Weise bekommen. Ich bin guter Hoffnung, dass alles ohne Komplikationen verläuft, so wie es mir die behandelnden Ärzte in den Vorbesprechungen vorhergesagt haben.

Foto: Gerd Taron

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm‘ ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb‘ es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht.

Ludwig Uhland

Foto: Gerd Taron

Wo Hoffnung ist

Wo Hoffnung ist, öffnet sich das Leben.
Wo Hoffnung ist, gibt es noch Möglichkeiten.
Der Hoffende sieht das Leben, auch wenn es schwer ist.
Die Hoffende mobilisiert ungeahnte
und vielleicht noch nie gebrauchte Kräfte.

Hoffnung ist die Energie,
die uns morgens aufstehen lässt.
Es ist die Kraft, mit der wir versuchen,
einzugreifen in das Geschehen der Welt.
Die Hoffnung steht hinter uns,
wenn wir lächeln und ermutigen.
Die Hoffnung liegt vor uns,
wenn wir es nach vielen Misserfolgen
doch noch einmal probieren.

Da, wo die Hoffnung fehlt,
gehen die Lichter aus – die Möglichkeiten zerrinnen,
der Mut wird ausgeschaltet,
und wir überlassen das Feld den zerstörerischen Kräften.
Freude und Spaß sind weg.
Es bleiben die langen Gesichter,
das Herabreden, das Herabziehen,
der Abstieg in eine der vielen Formen
der grauen Sinnlosigkeit,
die uns die Lebendigkeit nimmt.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Habe Hoffnung, aber niemals Erwartungen.
Dann erlebst Du vielleicht Wunder, aber niemals Entäuschungen.

Franz von Assisi

Foto: Gerd Taron

Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel,
von besseren künftigen Tagen,
nach einem glücklichen goldenen Ziel
sieht man sie rennen und jagen;
die Welt wird alt und wird wieder jung,
doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
sie umflattert den fröhlichen Knaben,
den Jüngling locket ihr Zauberschein,
sie wird mit dem Greis nicht begraben;
denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
noch im Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
erzeugt im Gehirne des Toren,
im Herzen kündet es laut sich an.
Zu was Besser’m sind wir geboren.
Und was die innerer Stimme spricht,
das täuscht die hoffende Seele nicht.

Friedrich von Schiller

Foto: Gerd Taron

Hoffnung

trägt alle Farben
manchmal ist es nur ein
zarter Schimmer
ein lichtes Blau
und manchmal trägt die
Hoffnung grüne Flügel
auch kennt sie jenes tiefe Flammenrot
und immer weiß sie
um den einen Augenblick
wenn alle Farben ineinander fließen
das ist der Augenblick
da sich die Seite wendet
und du spürst
dass dich das Leben liebt

Sabine Ulrich

Foto: Gerd Taron

Warten erleben …

In Ruhe warten können,
bis der Same keimt, wächst,
blüht und Früchte trägt.
Im Glauben warten können,
bis aus Begegnungen Vertrauen
entsteht und Nähe zuläßt.
In Hoffnung warten können,
bis Loslassen möglich wird.
Im Vertrauen warten können,
bis sich aus drei Teilen
ein Ganzes bildet.
In Liebe warten können,
bis der richtige Zeitpunkt kommt
und dann den Augenblick
mit allen Sinnen erleben.

Melitta Zettl

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Hast Du eine Hoffnung, die in Erfüllung gehen soll,
so fange einen Schmetterling, und flüstere ihm Deinen Wunsch !
Schmetterlinge geben keinen Laut von sich, und verraten niemandem etwas, außer dem Himmel ! Laß ihn Deinen Wunsch in den Himmel tragen,
und er wird erhört…

Alte hawaiianische Weisheit

Foto: Gerd Taron

Ich wünsche Dir eine Hängematte zu Träumen,
Lesen oder Dösen.
So manche Sorge zieht vorbei,
lässt in Gelassenheit sich lösen.
Ich wünsche Dir einen Fliederstrauch,
mit lila Blüten, voller Duft,
in einer Wolke Wohlgeruch
fliegst Du denn durch die dicke Luft.
Ich wünsche Dir ein gutes Lied,
mit tiefen und hellen Tönen,
dann wird Dich die Melodie
mit manchem bitterem Wort versöhnen.
Ich wünsche Dir einen Stern am Himmel,
der durch die dickste Wolke scheint.
und der Dir Trost und Freude schenkt,
wenn Dein Herz vor Kummer weint.
Ich wünsche Dir einen Regenbogen,
der Hoffnung gibt und Brücken schlägt,
der Dich mit seinen sanften Farben,
durch jeden grauen Alltag trägt.

Monika Rieger

Foto: Gerd Taron

Möge der schönste Sonnenaufgang, den du gesehen hast in deinem Leben, im Herzen dir bewahrt sein wie in einem Speicher: auf dass vor deinem inneren Auge das zarte Rosa und der leuchtend rote Horizont Hoffnung und Zuversicht in dunklen Zeiten sind.
~ Irischer Segenswunsch ~
Ein Wochenende voller hoffungsvoller Erlebnisse wünscht Ihnen

Ihf/Euer

Gerd Taron

Veranstaltungshinweis:

Am Sonntag, 26.08.18 findet von 11 bis 18 Uhr das große Sommerfest auf dem Zauberberg in Kelkheim-Ruppertshain statt. Einen Vorbericht zu dieser zauberhaften Veranstaltung finden Sie hier:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/08/22/ein-sommerfest-voller-zauber-auf-dem-zauberberg-am-sonntag-26-08-18-von-11-bis-18-uhr/

Von der Tradition – Literarischer Wochenendgruß vom 17.08.18

Von der Tradition – Literarischer Wochenendgruß vom 17.08.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

immer sehen oder hören wir Webebotschaften wie zum Beispiel: Seit mehr als 100 Jahren im Dienste …“ Es werden alte Traditionen beschworen, die die Beständigkeit eines Unternehmens oder einer Institution zeigen sollen, Die neue Altstadt von Frankfurt ist ebenso ein Beispiel dafür, dass Traditionen in Form von alter Architektur wieder belebt wird.

Der Hessenpark in Neu-Anspach im Hintertaunus erfreut sich großer Beliebtheit bei jung und alt. Auf einem großen Gelände können hier alte Handwerke besichtigt wreden, wieder aufgebaute Häuser, sei es eine Schule, eine Synagoge, einen alten „Tante-Emma-Laden“,usw.

Das Erinnern oder die Fortführung von Traditionen geben scheinbar Sicherheit. Alte Zeiten – gute Zeiten?

Es ist wichtig, dass wir unserer Tradition, unserer Herkunft bewusst sind. Wie die Beispiele der neuen Altstadt von Frankfurt oder der Hessenpark zeigen, ist eine Besinnung auf unsere, der eigenen und denen der anderen, Geschichte bedeutsam für unser Leben sind.

Aber nichts ist ewig. Manchmal kann es wichtiger sein, alte Traditionen aufzugeben und den Mut haben, etwas zu verändern.

Festzug anlässlich des Burgfestes in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

„Heute finde ich es sehr spannend, Geschichte wiederzuentdecken – auch meine eigene Geschichte, und deshalb breche ich innerlich auf zur Suche nach meinen eigenen Wurzeln, nach meiner eigenen Identität. Denn ich erlebe immer wieder, dass ich meine Gegenwart besser verstehe, wenn ich mich mit meiner Vergangenheit auseinandersetze und beschäftige.“

Aus dem Buch:

„Meine Reise zum Leben“ – von Rainer Wälde
Auf den Spuren der irischen Mönche
Mit sieben Betrachtungen von Pater Anselm Grün

Hessenpark Neu-Anspach – Foto: Gerd Taron

Ein altes Haus

hat eine lange Geschichte.
Es könnte soviel erzählen,
von guten und von schlechten Tagen.
Von seinem Aufbau,
der Blüte seiner Jahre,
von vielen Renovierungen
und von drohendem Verfall.
Ein altes Haus,
in dem schon lange
niemand mehr wohnt.
Verlassen.
Allein.
Darum ranken sich,
mit viel Fantasie,
Legenden.

(Anne M. Pützer)

Hessenpark Neu-Anspach – Alte Schule – Foto: Gerd Taron

Die Geschichte vom Bleistift

Der Junge sah zu, wie die Großmutter einen Brief schrieb. Irgendwann fragte er: “Schreibst du eine Geschichte, die uns passiert ist? Ist es vielleicht sogar eine Geschichte über mich?”
Die Großmutter hielt inne, und mit einem Lächeln sagte sie zu ihrem Enkel: “Es stimmt, ich schreibe über dich. Aber wichtiger als die Worte ist der Bleistift, den ich benutze. Es wäre schön, du würdest einmal so wie er, wenn du groß bist. ”
Der Junge schaute den Bleistift verwirrt an und konnte nichts Besonderes an ihm entdecken. “Aber er ist doch genau wie alle anderen Bleistifte!” “Es kommt darauf an, wie du die Dinge betrachtest. Der Bleistift hat fünf Eigenschaften, und wenn du es schaffst, sie dir zu Eigen zu machen, wirst du zu einem Menschen, der in Frieden mit der Welt lebt.”

Die erste Eigenschaft: du kannst große Dinge tun, solltest aber nie vergessen, dass es eine Hand gibt, die deine Schritte lenkt. Diese Hand nennen wir Gott, und Er soll dich immer Seinem Willen entsprechend führen.

Die zweite Eigenschaft: Manchmal muss ich das Schreiben unterbrechen und den Anspitzer benutzen. Dadurch leidet der Stift ein wenig, aber hinterher ist er wieder spitz. Also lerne, hin und wieder Schmerzen zu ertragen, denn sie werden dich zu einem besseren Menschen machen.

Die dritte Eigenschaft: Damit wir Fehler ausmerzen können, ist der Bleistift mit einem Radiergummi ausgestattet. Du musst begreifen, dass Korrigieren nichts Schlechtes, sondern dringend erforderlich ist, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.

Die vierte Eigenschaft: Worauf es beim Bleistift ankommt, ist nicht das Holz oder seine äußere Form, sondern die Graphitmine, die in ihm drinsteckt. Also achte immer auf das, was in dir vorgeht.

Schließlich die fünfte Eigenschaft des Bleistifts: Er hinterlässt immer eine Spur. Auch du musst wissen, dass alles, was du im Leben tust, Spuren hinterlässt, und daher versuchen, was du gerade tust, ganz bewusst zu machen.

Paulo Coelho

Die neue Altstadt von Frankfurt – Foto: Gerd Taron

Mit ungeheurer Beständigkeit
ist die Sonne jeden Morgen wieder da,
hinter Wolken, als wolle sie uns schützen
aber hell und direkt wie sichtbares Glück.
Jeder Tag kann ein Neubeginn sein.
In unseren Haltungen muss nichts endgültig sein.

Ulrich Schaffer

Café Gerster in Mainz – Foto: Gerd Taron

Zu Lebzeiten

Lass uns wieder lernen,
den Augenblick zu genießen,
zu nehmen, was ist,
mit beiden Händen,
hier und jetzt zu leben,
bevor wir das Leben verbracht haben
mit sorgenvollen Blicken in die Zukunft
und den Erinnerungen an die gute alte Zeit.

Jochen Mariss

Festzug anlässlich des Burgfestes in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Nimm die Welt von der leichten Seite, und der Geist wird frei von jeder Last sein. Miss den zehntausend Dingen keine Bedeutung bei, und dein Herz wird nicht verwirrt sein.
Lass dir Leben und Tod gleich wichtig sein, und dein Verstand wird ohne Angst sein.
Nimm gegenüber Wandel und Beständigkeit die gleiche Haltung ein, und nichts wird deine Klarheit trüben.

Laotse

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende, in dem Sie sich vielleicht einmal wieder die Zeit nehmen in alten Fotoalben zu schauen oder ein Lieblingsbuch aus alten Zeiten zu lesen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Von der Zweisamkeit – Literarischer Wochenendgruß vom 10.08.18

Von der Zweisamkeit – Literarischer Wochenendgruß vom 10.08.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament findet man den schönen Satz: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei.“ (1 Mose Kapitel 2, Vers 18)

In diesen Tagen ist es mir besonders aufgefallen, dass in den sozialen Netzwerken neben den bekannten Online-Portalen für Singles zunehmend Angebote für junggebliebene Alleinstehende zu finden sind. Beispielsweise kann Mann oder Frau bei „Herzklopfen 50 +“, „Silver Singles“, „Herzklopfen neu“ oder „Zweisam“ einen neuen Partner für den zweiten Lebensabschnitt kennen lernen.. Andere Internet-Plattformen wollen zum Beispiel „Menschen mit Erfahrung“ zusammenbringen, wobei hier nicht die Partnersuche im Vordergrund steht.

Ist es ein Zeichen unserer Zeit, dass viele diese Internet-Plattformen in Anspruch nehmen, um ihrer Einsamkeit zu entfliehen oder aber keine andere Möglichkeit sehen, zu neuen Kontakten zu kommen?

Es ist ein Geschenk, wenn man einen verlässlichen und vertrauensvollen Partner an seiner Seite weiß. Dazu gehört aber ebenso ein Freundeskreis, mit denen man gemeinsame Interessen und Einstellungen teilen kann. Beziehungen hegen und pflegen und bereit sein, sich auf etwas Neues einzulassen,. ist sehr wichtig für die eigene Gesundheit. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen.

Foto: Connie Albers

Anfangs sind Beziehungen schwierig. Genau so wie zum Feuer Rauch gehört, der das Atmen beschwerlich macht und einem Tränen in die Augen treibt, wenn man es anzündet. Brennt es allerdings erst einmal, verflüchtigt sich der Rauch, und die Flammen erleuchten alles ringsum – verbreiten Wärme, Ruhe und möglicherweise lassen sie einen Funken springen, der uns verbrennt.
Aber genau das macht doch eine Beziehung interessant, nicht wahr?

Paulo Coelho

Im selben Fahrwasser – Foto: Martina Pokorny

Das Gegenteil von Einsamkeit ist nicht Zweisamkeit.
Es ist Vertrautheit.

Richard Bach

Foto: Gerd Taron

Das Geheimnis einer lebendigen Beziehung: Zeitweise Federn zu lassen – und doch immer wieder aufeinander zu fliegen.

(Ernst Ferstl)

Foto: Gerd Taron

Freundschaft und Liebe vermögen den Menschen aus seiner Einsamkeit zu befreien und seinem Leben einen neuen und tieferen Sinn zu geben. Dabei wird die Einsamkeit nicht aufgehoben, sondern verwandelt. Echte Freundschaft und Liebe brauchen auch die innere Einsamkeit.

Anselm Grün

Foto: Gerd Taron

Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren,
dass man für einen anderen Menschen etwas sein kann.
Dabei kommt es gar nicht auf die Zahl,
sondern auf die Intensität an.
Schliesslich sind eben die menschlichen Beziehungen
doch einfach das Wichtigste im Leben.

[© Dietrich Bonhoeffer]

Foto: Gerd Taron

Nur wer es mit sich selbst aushält,
wird es auf die Dauer
mit einem anderen Menschen aushalten.

Alleinsein ist ein Weg zur Selbstfindung.

Die Beziehungen, die du zu anderen aufbaust,
können nur so gut sein wie die Beziehung,
die du zu dir selbst entwickelt hast.

Wenn du die Wertschätzung anderer benötigst,
um dich selbst zu akzeptieren,
gibst du deine Kraft an andere ab
und machst andere zur Autorität über dich.

Mach dein Glück nicht von anderen
Menschen oder Situationen abhängig.
Investiere deine Zeit und Energie lieber
in dein inneres Wachstum und
in die harmonische Gestaltung deines Lebens.

Meditation ist das Bemühen, Gottes Nähe
und Liebe zu spüren.
Je mehr Liebe wir in uns spüren
und weitergeben können,
desto weniger Platz ist für Angst.

Je mehr Liebe wir ausstrahlen können,
desto mehr vergrößert sie sich in uns selbst
und in der Welt.

(Christa Schulte, gekürzter Text)

Foto: Gerd Taron

Die Quelle, die zum Wunder einer glücklichen Beziehung führt,
entspringt dort, wo zwei Menschen das Glück des anderen
genauso am Herzen liegt, wie das eigene.

(Ernst Ferstl)

Foto: Gisela Michaelis

Begegnung

Den Anderen verstehen zu wollen, ist ein Akt der Liebe.

In seltenen Momenten verstehen wir einander, und werden reich mit Begegnung und Übereinkunft beschenkt; mit einer warmen Hand, die sich grüßend auf unser Leben legt. Und wir grüßen zurück, mit erwartungsvollen Händen.

Unser Herz öffnet im Zuhören, im Ansehen, im Zugeneigtsein ein Verstehen, das sättigt, und uns vom Frieden kosten lässt. Immer bleiben wir Suchende, doch ohne Verzweiflung. Immer bleiben wir Sehnende, doch ohne Not, die sich am Anderen lindern will. Wir umarmen einander wie Segnende, und ahnen eine Liebe, die sich selbst genug ist. Und weil die Liebe genügt, darf jeder sein, wie er ist. Und weil jeder sein darf, wie er ist, darf gehen, was unsere tiefste Wirklichkeit verschleiert.

Verstandensein ist ein Geschenk. Mit dem Herzen gesehen werden. Als Erkannte lassen wir oft sinken, was wir als Schutzschild vor unserem Herzen trugen. Als Erkannte erhebt sich in uns der Mensch der wir sind, auf der Asche unserer Irrtümer und Kämpfe, unserer Rechtfertigungen und Einsamkeiten.

Heilsein ist verwoben mit Begegnung. Wir erlösen uns nicht in unseren einsamen Stuben und in unseren leeren Betten. Wohl ist alles bereits in uns, doch sind es die Augen des Anderen, die daran rühren. Denn das Göttliche, und nennten wir es Lebensatem, Liebe oder Glück, ist Begegnung, ist Zweisamkeit, ist ein Werden am Anderen.

Wir ahnen dies, noch während wir den Individualismus preisen, und erinnern uns an das Gesetz der Begegnung, das unseren Herzen seit jeher eingeschrieben ist. Diese Erinnerung zu wagen – mitsamt ihren Tränen über Scheitern und Unterlassung – ändert alles.

Giannina Wedde/KLANGGEBET, http://www.klanggebet.de

Foto: Gerd Taron

Wir brauchen gute Beziehungen untereinander:
von Herz zu Herz, von Mensch zu Mensch.

Dalai Lama

Ich wünsche Ihnen viele liebevolle Beziehungen und die Bereitschaft offen zu sein für die ungewöhnlichen Momente.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Im Oktober 2017 habe ich hier auf meiner WordPress-Seite einen Artikel „Vom Single-Dasein“ veröffentlicht.Das einzige was sich zwischenzeitlich geändert hat – mein Single-Dasein. Das konnte zu jenem Zeitpunkt noch nicht ahnen. „Et kütt, wie et kütt“, sagt der Rheinländer.

Hier der Link zu diesem Beitrag:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2017/10/22/vom-single-dasein/

Wunder des Alltags – Literarischer Wochenendgruß vom 03.08.18

Wunder des Alltags – Literarischer Wochenendgruß vom 03.08.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

„Wunder gibt es immer wieder“ – so sang einst Katja Ebstein. Nena beschrieb mit „Wunder geschehen“ auf ebenfalls musikalische Weise ein besonderes Phänomen.

Es ist nicht die Mondfinsternis, die vergangene Woche Millionen von Menschen in den Bann zog. Diese und andere große Naturschauspiele verstellen den Blick auf die kleinen Wunder in unserem Alltag.

Es sind Begegnungen mit Menschen, ob an der Kasse am Supermarkt, ob auf der Straße oder bei anderer Gelegenheit. Und manchmal, so kann ich es aus eigener Erfahrung berichten, entsteht aus etwas Kleinem ein großes Wunder.

Mit diesem Wochenendgruß möchte ich dem Leser dieser Zeilen in Erinnerung bringen, dass jeden Tag Wunder geschehen. Die Texte und die Fotos von Hans Joerg Kampfenkel und mir mögen Ihren Teil zu einer neuen Sicht von Wundern beitragen.

Foto: Gerd Taron

Jeder einzelne Tag
bringt uns neue Wunder,
wir haben oft keinen Blick
mehr dafür oder sehen es
nicht mehr als solches.
Jedes Lächeln,
eine unverhoffte Freude,
jede Blume,
eine Umarmung von Herzen,
jede Synchronizität,
neugierige Kinderaugen,
eine Geburt,
ein Freund der da ist,
wenn du dich gerade alleine fühlst ……
und das Allerwichtigste ……
DU bist das ALLERTOLLSTE WUNDER überhaupt …….
Conny Nabers

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Stille Wunder,
die unbeobachtet geschehen,
mit denen sich aber das Leben
kraftvoll ausbreitet:
das Entfalten eines einzelnen Birkenblattes;
die Echtheit einer Frage
im Mund eines wissbegierigen Kindes;
die Erneuerung eines verölten Strandes,
den die Wellen mühsam rein waschen;
die Stille, in der wichtige Gedanken
Gestalt annehmen und Veränderung vorbereiten.

Ich will der Hoffnung die Hand hinhalten,
sie füttern, sie pflegen,
sie fliegen lassen
in jede Ecke der Welt.

Ulrich Schaffer

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Kleine Wunder

Wenn wir alle das Schöne, das wir erleben und all die Ereignisse, die uns glücklich machen, als kleine Wunder ansehen, dann ist das Leben einfach wunderbar.

Irmgard Erath

Foto: Gerd Taron

Die sieben Weltwunder

Eine Schulklasse wurde gebeten zu notieren, welches für sie die Sieben Weltwunder wären.

Folgende Rangliste kam zustande:
Pyramiden von Gizeh
Taj Mahal
Grand Canyon
Panamakanal
Empire State Building
St. Peters Dom im Vatikan
Große Mauer China

Die Lehrerin merkte beim Einsammeln der Resultate, dass eine Schülerin noch am Arbeiten war.
Deshalb fragte sie die junge Frau, ob sie Probleme mit ihrer Liste hätte.

Sie antwortete: „Ja. Ich konnte meine Entscheidung nicht ganz treffen. Es gibt so viele Wunder.“

Die Lehrerin sagte:
„Nun, teilen Sie uns das mit, was Sie bisher haben und vielleicht können wir ja helfen.“

Die junge Frau zögerte zuerst und las dann vor.
„Für mich sind das die Sieben Weltwunder:
Sehen
Hören
sich Berühren
Riechen
Fühlen
Lachen …
… und Lieben.“
Im Zimmer wurde es ganz still.

Diese alltäglichen Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten und oft gar nicht realisieren, sind wirklich wunderbar. Die kostbarsten Sachen im Leben sind jene, die nicht gekauft und nicht hergestellt werden können.

gefunden auf der Seite: lichtkreis.at,

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wunder

Wenn wir bewusst leben,
werden Wunder sichtbar und fassbar sein.
Geheimnisvoll ist die Struktur der Welt.
Wir sind umgeben von Unerklärlichem
und sind selbst Wunder.
Auch nur einen von uns zu zerstören ist ein Sakrileg.
Wir haben soviel darauf verwandt,
realistisch und geerdet zu sein,
unsere Begeisterung zu zügeln und unsere Träume zu vergessen,
dass wir dabei den Sinn für das Wunderbare verloren haben,
das in jede Faser der Welt hineingewebt worden ist,
auf jede vorstellbare und unvorstellbare Art.
Wir gehen auf Zeiten zu,
in denen unsere Augen mehr und mehr geöffnet werden,
und wir werden nicht nur mit unserer Horn- und Netzhaut sehen,
sondern mit unserem Herzen, dem einzigen Organ,
das die Welt so sieht, wie sie ist, unverzerrt.
Dann wird das Unmögliche alltäglich sein,
Wunder werden aus unserer Liebe hervorgehen,
und wir werden unserer Hoffnung
und unserem Glauben mehr trauen
als den Schlagzeilen, erfüllt von Katastrophen und Unglück.
Wohlwollend werden wir über das lachen,
was wir früher als vernünftig ansahen.
Wir werden ins Licht gehen,
und tiefer und umfassender als je zuvor
sichtbar füreinander werden.
Und so wie die Welt ein Geheimnis ist,
so sind Gedanken Energie,
Glauben ist Sehen,
und Ahnen ist Wissen.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Du bist ein Wunder, das auf dieser Welt lebt.
Du bist einmalig, einzigartig, unverwechselbar.
Warum staunst du nicht, warum freust du dich nicht über
dich selbst und über all die anderen um dich herum?
Ist es dir so selbstverständlich, dass du lebst, dass du Zeit bekommst, um zu singen und zu tanzen, Zeit um glücklich zu sein?
Warum denn Zeit verlieren mit sinnlosem Jagen nach Geld? Warum sich haufenweise Sorgen machen um Dinge von morgen und übermorgen?
Warum sich zanken, sich anöden, warum in sinnloser Betriebsamkeit machen und warum schlafen, wenn die Sonne scheint?

Phil Bosmans

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wunder geschehen plötzlich.
Sie lassen sich nicht herbeiwünschen,
sondern kommen ungerufen,
meist in den unwahrscheinlichsten Augenblicken,
und widerfahren denen,
die am wenigsten damit gerechnet haben.

Georg Christoph Lichtenberg

Foto: Gerd Taron
Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.

~Irischer Segenswunsch~

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende voller persönlicher Wunder. Lassen Sie sie geschehen und einen neuen Blick für Ihr Leben gewinnen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Den Weg weisen – Literarischer Wochenendgruß vom 27.07.18

Den Weg weisen – Literarischer Wochenendgruß vom 27.07.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

die schöne neue Technik macht es möglich. Mit Navi oder per GPS findet Mann/Frau zum richtigen Ziel. Aber manchmal hat der technische Fortschritt seine Tücken. Auf dieses Hilfsmittel ist nicht unbedingt Verlass. So mancher landete auf Abwegen und an Orten, wo es nicht erwünscht war.

Wie mit der Technik verhält es sich auch mit Menschen. Es gibt jene, die angeblich genau wissen, wo es im Leben anderer lang zu gehen hat. Sie versprechen viel und sind oft schwer zu durchschauen. Erst spät merkt man persönlich, dass man in die Irre geführt worden ist.

Der neue Wochenendgruß möge wieder neue Anregungen und Impulse für Ihr eigenes Leben geben.

Foto: Gerd Taron

Gehen

Ich ziehe meine Turnschuhe an,
die, die von ganz alleine gehen.
Dazu die Jacke,
für die jedes Wetter eine Herausforderung ist.
Auf meinen Spaziergängen habe ich ein Ziel,
das auf keiner Landkarte zu finden ist.
Wenn ich mein Ziel wüsste, hätte ich es leicht.
Gehe ich auf das zu,
was ich hinter mir gelassen habe?
Der Nebel über der hereinkommenden Flut,
der Rauch, der sanft
aus dem gemauerten Schornstein aufsteigt,
der Ansturm von Krähen auf meinen Weg,
das stammelnde Alphabet in meinem Kopf,
die Trauer über Tage, die den Namen von Orten und Menschen trägt, scharf wie ein Skalpell,
die Angst vor der Zukunft, mit einem Schmerz,
der dem einer heilenden Wunde ähnelt –
sie alle sind ein Teil des Geheimnisses.
Ich nehme sie auf und verbanne sie alle,
in der Bewegung des Gehens,
auf dem Weg nach Hause zu mir selbst.
Ich frage mich, ob alles,
was wirklich gefunden und gehalten werden kann,
so fest sein muss wie Rauch,
so durchsichtig wie eine Fata Morgana
und uns selbst so nah
wie unser Herz, unsere Lunge und Leber.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Auf dem Weg des Lebens stehen oft die falschen Schilder. Sie führen in Sackgassen, oder zu Einbahnstraßen, doch manche führen auch direkt ins Paradies.“

Text: © Monika Heckh

Foto: Gerd Taron

Wohin die Reise geht,
bestimmen wir selbst.
Wir wissen das Ziel,
suchen den Weg,
finden den Ort,
erfahren die Zeit,
wählen unsere Begleiter.
Wir sind es,
welche die Reise planen.
Niemand sonst.
Wohin geht Deine Reise?

Anja Schindler

Foto: Gerd Taron

Es ist nicht immer leicht seinen Weg zu finden.
Den Eigenen.
Den Einzigen.
Den Richtigen.

Denn es gibt so viele Wege.
So viele Möglichkeiten.
So viele Abzweigungen.
So viele Pfade in die unterschiedlichsten Richtungen.

Und nicht jeder unserer Wege ist einfach zu beschreiten.

Denn es gibt so viele Hindernisse.
So viele Schwierigkeiten.
So viele Steine.
So viele verpasste Chancen.

Es gibt kürzere und längere Wege.
Der Eine lang und beschwerlich.
Der Andere heiter und schnell.

Auf all unseren Wegen hinterlassen wir Spuren.

In unserer Erinnerung.
In unserem Herzen.
In unserem Leben.
Nach unserem Leben.

Jeder von uns sollte irgendwann seinen Weg finden.
Seinen ganz eigenen.
Und diesen auch gehen.

Dieser Weg.
Mein Weg.
Ist er richtig oder falsch?

Ich möchte nicht mehr nachdenken.
Ich möchte loslaufen.
Und es herausfinden.
Ich möchte nicht mehr zurückblicken.
Und nach vorn schauen.

Ich werde Ihn finden….MEINEN Weg
(gefunden bei „Gedanken und Gefühlswelt“)

Foto: Gerd Taron

Unterwegs immer wieder anhalten,
wahr nehmen, was ist,
uns freuen an dem,
was wir erreicht haben,
annehmen,
dass nicht alles gelungen ist.
Uns Zeit nehmen,
neue Kräfte schöpfen,
uns neu orientieren,
uns leiten lassen von dem,
was für uns wesentlich ist.
Weiterschreiten, wie es mir entspricht,
in der Hoffnung,
dass wir immer mehr werden,
was wir letztlich sein können.

(Max Feigenwinter)

Foto: Gerd Taron

Segenswunsch

Ich wünsche dir Füße,
die dich auf den Weg bringen
zu dem was wichtig ist
und die nicht stehen bleiben
vor den Schritten, die entscheidend sind.
Ich wünsche dir ein Rückgrat,
mit dem du aufrecht
und aufrichtig leben kannst
und das sich nicht beugt
vor Unterdrückung, Willkür und Macht.
Ich wünsche dir ein Herz,
in dem viele Menschen zu Hause sind
und das nicht müde wird,
Liebe zu üben und Schuld zu verzeihen
Christa Spilling- Nöker
Ich wünsche Ihnen an diesem heißen Sommerwochenende die für Sie wohltuenden Wegweiser.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Lebendiges Wasser – Literarischer Wochenendgruß vom 20.07.18

Lebendiges Wasser – Literarischer Wochenendgruß vom 20.07.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes

In diesem heißen und trockenen Sommer sehnen viele sich nach dem Wasser. Es muss nicht immer das Meer sein, sondern oft reicht ein kleiner Bach, um sich zu erfrischen. Wasser gehört zu den wichtigsten Lebenselementen.

Der Jahreszeit und des derzeitigen Wetters bedingt habe ich einige Texte und passende Fotos zusammengestellt, die den Weg und die Wichtigkeit von Wasser zeigen mögen.

Foto: Gerd Taron

Der Römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

C. F. Meyer

Foto: Gerd Taron

An der Quelle

Du bist die Quelle des Lebens,
lass mich den Weg zu ihr finden.

Du bist die Quelle des Glaubens,
lass mich nie an ihrer Klarheit zweifeln.

Du bist die Quelle der Hoffnung,
lass mich aus ihr Kraft schöpfen.

Du bist die Quelle der Liebe,
lass sie nie in mir versiegen.

Irmgard Erath

Foto: Gerd Taron

Die Wasser tragen alles:
Leg‘ nur dein Glück darauf !
Sie heben’s wie auf Händen
zum Sternenlicht hinauf.
Die Wasser tragen alles:
Leg‘ auch dein Leid darauf !
Sie tragen’s nach dem Meere
in nimmermüdem Lauf.

Karl Ernst Knodt

Foto: Gerd Taron

Aus China:

Einen Weisen im alten China fragten einmal seine Schüler:
„Du stehst nun schon so lange vor diesem Fluss und schaust ins Wasser.
Was siehst du denn da?“

Der Weise gab keine Antwort. Er wandte den Blick nicht ab
von dem unablässig strömenden Wasser. Endlich sprach er:

„Das Wasser lehrt uns, wie wir leben sollen.
Wohin es fließt, bringt es Leben und teilt sich aus an alle,
die seiner bedürfen.
Es ist gütig und freigiebig.

Die Unebenheiten des Geländes versteht es auszugleichen.
Es ist gerecht.

Ohne zu zögern in seinem Lauf,
stürzt es sich über Steilwände in die Tiefe.
Es ist mutig.

Seine Oberfläche ist glatt und ebenmäßig,
aber es kann verborgene Tiefen bilden.
Es ist weise.

Felsen, die ihm im Lauf entgegenstehen, umfließt es.
Es ist verträglich.

Aber seine Kraft ist Tag und Nacht am Werk,
das Hindernis zu beseitigen.
Es ist ausdauernd.

Wie viele Windungen es auch auf sich nehmen muss,
niemals verliert es die Richtung zu seinem ewigen Ziel,
dem Meer, aus dem Auge.
Es ist zielbewusst.

Und so oft es auch verunreinigt wird, bemüht es sich doch unablässig,
wieder rein zu werden.
Es hat die Kraft, sich immer wieder zu erneuern.

Das alles ist es, warum ich auf das Wasser schaue.
Es lehrt mich das rechte Leben!“

Foto: Brina Stein

Schaukelnd ruht auf den Wellen der Kahn,
das Wasser gluckst unter den Planken.
Zur Mitte des Sees würde gerne ich fahrn,
zurücklassen all meine Gedanken.
Im dümpelnden Boot triebe ich dahin,
befreit von Alltag und Sorgen.
Der Mond würde silberne Bahnen ziehn
ich fragte mich nicht: was wird wohl morgen?
Sterne würden funkelnd erwachen,
Stille wäre rings um mich her;
tiefe Ruhe – und mein Herz würde lachen;
innerer Frieden – ich wünsche ihn mir sehr!

© Edith Tries

Foto: Brina Stein

Am Horizont

Erinnert dich das Meer an das,
was du vergessen hast –
deine Zugehörigkeit zu Allem?
Es rauscht, als gingst du es nichts an,
aber es ist nicht so.
Jede Welle hat ihr Aufbäumen,
ihren Zusammenbruch, ihr Auslaufen
und ist darin das Gleichnis,
damit wir nicht vergessen,
dass es uns vollkommen gibt.
Achte darauf, wie oft deine Augen
zum Horizont gehen,
auch wenn es da nichts zu sehen gibt.
Dorthin lädst du dich ein,
dorthin bist du eingeladen,
weil der andere von dir,
die andere in dir,
dort stattfindet.
Ulrich ‚Schaffer

Foto: Sitta Derstroff

Das Leben ist, wie das Meer.
Es wiegt Dich sanft und stürmig
im Rhythmus des Großen
und
Ganzen.
Es spült Dich zum Strand Deiner Seele,
lässt Dich an Land gehen
für eine Handvoll Erfahrungen
und
nimmt Dich wieder in sich auf
für die Zeit,
die vergehen muss.
Anja Schindler
Ich wünsche ein erfrischendes Wochenende, ob an einem Bach, einem Fluss oder gar am Meer.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Hinweis in eigener Sache:

Sonntag, 22.07.18 – 15 Uhr – Literarischer Sommer im Woogtal in Königstein im Taunus

Treffpunkt: Kur- und Stadtinformation in Königstein am Taunus, Hauptstraße 13a

Laute, leise Welt – Literarischer Wochenendgruß vom 13.07.18

Laute, leise Welt – Literarischer Wochenendgruß vom 13.07.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Wochen befand ich mich in einem Wartezimmer einer Arztpraxis. Wegen der Hitze waren die Fenster geöffnet. Straßenlärm drang in das Zimmer hinein. Neben mir saß eine ältere Dame, die unverhofft ein älteres Ehepaar traf. Sie kannten sich gut und hatten viel zu erzählen. Dies geschah nicht im Flüsterton, sondern so, dass jeder der anderen Wartenden alles mithören konnte.

Nach erfolgreicher Untersuchung begab ich mich in einen Bus. Und höre da: Lautes Gerede in den unterschiedlichsten Sprachen umspülten mein Ohr. Als ich endlich an der Bus-Haltestelle meines geliebten Rettershofes ankam, erwartete mich eine Stille. Ein Säuseln der Bäume, ein paar Vögel das waren zarte Geräusche und kein Vergleich mit dem Lärm der vorigen Stunden.

Mir fällt noch etwas anderes auf: Die Welt wird immer lauter. Wer seine Meinung und seine Überzeugung anderen mitteilen will, schreit sie hinaus. Je aggressiver, je wirkungsvoller? Die leisen Botschaften werden kaum noch gehört und wahrgenommen, so erscheint es mir. Vielleicht führt dieser Wochenendgruß zu neuem Nachdenken. Dies wäre mein großer Wunsch.

Foto: Gerd Taron

Alles Laute ertrinkt im Augenblick.
Alles Leise erfüllt den Augenblick.

(Carl Peter Fröhling)

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die größten Ereignisse – das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.

~Friedrich Nietzsche~ Werke II – Also sprach Zarathustra

Betende Gruppe – Foto: Angelika Quast-Fischer

Es sind nicht immer die Lauten stark,
nur weil sie Lautstark sind !
Es gibt so viele, denen das Leben ,
leise besser gelingt.

~Konstantin Wecker~

Foto: Gerd Taron

Leise kommt das Wichtige zu dir

In einer Zeit voller Unruhe, in der es manchmal scheint, als würde nur noch das Laute, Aufdringliche gehört, gilt trotzdem noch, dass das Wichtige sehr oft leise zu uns kommt. Für viele von uns ist es schwer geworden, auf diese zarten Töne zu achten und sie, wenn wir sie hören, auch wertzuschätzen. Wir laufen Gefahr, Gefangene der Vordergründigkeit zu werden. Das Wichtige kommt häufig aus der Welt der größeren Zusammenhänge und aus einer Tiefe, die nicht den Zeitströmungen unterworfen ist. Da gibt es eine Weisheit, die sich von tief in uns meldet und die bei unserem Bewusstsein anklopft und uns zum Leben einlädt. Um sie zu hören, müssen wir uns manchmal von dem abkehren, was sich anbiedert und sich uns aufdrängt.
Wir scheinen in immer größerer Unsicherheit zu leben. Es scheint keine persönliche oder politische Sicherheit mehr zu geben. Wichtig ist es dann, dass wir uns nicht von dem, was uns vom Wichtigen ablenkt, befriedigen lassen. Dies ist die Zeit, die uralten Werte, die uns schon seit Jahrtausenden bewegen, wieder neu zu entdecken: Liebe, Erhaltung des Lebens, Sinnfindung, echte Freiheit, die nicht auf Kosten des andern lebt, und tiefer Respekt vor der Einmaligkeit aller Menschen.

Ulrich Schaffer

Foto: Brina Stein

Leise Menschen,
stille Freundschaften,
stille Worte,
stille Zeichen
übertönen lautstarkes Getue,
überdauern
die Kurzlebigkeit
großer Versprechungen,
leerer Gesten.
(Margot Bickel)

Foto: Gerd Taron

Singet leise, leise, leise, singt ein flüsternd Wiegenlied, von dem Monde lernt die Weise, der so still am Himmel zieht. Singt ein Lied so süß gelinde, wie die Quellen auf den Kieseln, wie die Bienen um die Linde summen, murmeln, flüstern, rieseln…

Clemens Brentano

Paradiesische Zeiten – Bild von Lissy Theissen

Ich mag

warmen Sand unter meinen Füßen,
Vogelgezwitscher im Morgengrauen,
wundervolle Menschen in meinem Leben,
warmen Wind auf meiner Haut,
Träume die gelebt werden,
Umarmungen die von Herzen kommen,
das saftige hellgrün der Bäume im
Frühling,
Sommergewitter,
meine Freunde,
barfuß durch feuchtes Gras laufen,
laut im Auto singen,
das Gefühl, dass das Leben erst losgeht,
der Geruch nach einem Sommerregen
und von frisch gemähtem Gras,
Erinnerungen die mich zum Lächeln bringen,
absolute Stille,
intensive Gespräche und
Diskussionen bei Kerzenschein und
Rotwein, angelächelt werden,
ohne selber gelächelt zu haben,
lachen, bis mir die Tränen kommen,
merken, wenn man ein schläft,
einfach merken,
dass man lebt.
Autor unbekannt

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Hast Du eine Hoffnung, die in Erfüllung gehen soll,
so fange einen Schmetterling, und flüstere ihm Deinen Wunsch !
Schmetterlinge geben keinen Laut von sich, und verraten niemandem etwas, außer dem Himmel ! Laß ihn Deinen Wunsch in den Himmel tragen,
und er wird erhört…

Alte hawaiianische Weisheit

Foto: Gerd Taron

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.

Irischer Segenswunsch

Ein stilles, vielleicht auch einmal lautloses Wochenende wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Auf Reisen sein – Literarischer Wochenendgruß vom 06.07.18

Auf Reisen sein – Literarischer Wochenendgruß vom 06.07.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

auf Reisen sind derzeit viele in unserem Laube. Ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft – die Menschen in dieser Jahreszeit sind unterwegs und erholen und erkunden neue Landschaften oder vielleicht dabei auch sich selbst. Sie erkunden die Welt, wobei es nicht unbedingt die große weite Welt sein muss. Manchmal liegt das Gute doch so nah.

Daher widmet sich dieser Wochenendgruß dem Thema Reisen mit etwas ungewöhnlichen Texten und schönen Fotos.

Foto: Gerd Taron

Unterwegs immer wieder anhalten,
wahr nehmen, was ist,
uns freuen an dem,
was wir erreicht haben,
annehmen,
dass nicht alles gelungen ist.
Uns Zeit nehmen,
neue Kräfte schöpfen,
uns neu orientieren,
uns leiten lassen von dem,
was für uns wesentlich ist.
Weiterschreiten, wie es mir entspricht,
in der Hoffnung,
dass wir immer mehr werden,
was wir letztlich sein können.

(Max Feigenwinter)

Foto: Brina Stein

Von der Sehnsucht

„Ach“, seufzte die Sehnsucht.

„Was hat sie denn?“, fragte der Pragmatismus die Vernunft.
„Das ist ganz normal, so ist sie halt“, sagte die Vernunft.

Dem Pragmatismus aber tat die Sehnsucht leid.
Also ging er zu ihr und fragte: „Hallo Sehnsucht,
was ist den los?“

„Ach, nichts weiter. Ich würde nur so gerne in die Ferne reisen.“

„Na, das ist doch nicht schwer!“, rief der Pragmatismus.
„Da musst du doch nur eine Reise buchen. Wohin soll es denn gehen?“

„Ach, ich möchte so viele Orte sehen.“

„Dann buchst du eben gleich eine Weltreise.“

„Ach, aber alles kann ich ohnehin nicht sehen.“

„Aber wenigsten etwas.“

„Ach, ich würde immer zu wenig sehen. Es gäbe immer Plätze, zu denen ich auch noch reisen würde.“

„Und so sitzt du lieber hier und seufzt?“

„Ach“, sagte die Sehnsucht.

Da fiel dem Pragmatismus nichts weiter ein.

Tania Konnerth – Geschichten die ein Lächeln schenken

Foto: Gerd Taron

Beim Anblick der Menschen auf Reisen,
meine Gedanken fortgetragen von den Gleisen.
Zugegeben, überaus fantastische Imaginationen,
doch mein Selbst kehrt zurück aus seinen Exkursionen.

So prüfe ich erneut mein Herz
und komme zu folgendem Schluss,
dabei denkend an meine Liebste,
weshalb ich dies jetzt sagen muss:

Das Schönste ist am Reisen,
das Gefühl, angekommen zu sein
und dort zu verweilen

Autor unbekannt

Der Zug des Lebens
.
Das Leben ist wie eine Reise im Zug.
Vor einiger Zeit las ich ein Buch,
worin das Leben mit einer Zugreise verglichen wurde.
Eine sehr interessante Lektüre.
.
Das Leben ist wie eine Reise im Zug:
Man steigt oft ein und aus, es gibt Unfälle,
bei manchen Aufenthalten angenehme Überraschungen
und tiefe Traurigkeit bei anderen.
.
Wenn wir geboren werden und in den Zug einsteigen,
treffen wir Menschen, von denen wir glauben,
dass sie uns während unserer ganzen Reise
begleiten werden: unsere Eltern.
Leider ist die Wahrheit eine andere.
Sie steigen bei einer Station aus
und lassen uns ohne ihre Liebe und Zuneigung,
ohne ihre Freundschaft und Gesellschaft zurück.
.
Allerdings steigen andere Personen,
die für uns sehr wichtig werden, in den Zug ein.
Es sind unsere Geschwister, unsere Freunde
und diese wunderbaren Menschen, die wir lieben.
Manche dieser Personen die einsteigen,
betrachten die Reise als kleinen Spaziergang.
Andere finden nur Traurigkeit auf ihrer Reise.
Und es gibt wieder andere im Zug,
die immer da und bereit sind, denen zu helfen,
die es brauchen.
.
Manche hinterlassen beim Aussteigen
eine immer währende Sehnsucht.
Manche steigen ein, und wieder aus,
und wir haben sie kaum bemerkt.
Es erstaunt uns, dass manche der Passagiere,
die wir am liebsten haben,
sich in einen anderen Waggon setzen
und uns die Reise in diesem Abschnitt alleine machen lassen.
.
Selbstverständlich lassen wir uns nicht davon abhalten,
die Mühe auf uns zu nehmen, sie zu suchen
und uns zu ihrem Wagon durchzukämpfen.
Leider können wir uns manchmal nicht zu ihnen setzen,
da der Platz an ihrer Seite schon besetzt ist.
Versuchen wir mit unseren Mitreisenden gut auszukommen,
und suchen wir das Beste in jedem von ihnen.
.
Erinnern wir uns daran,
dass in jedem Abschnitt der Strecke
einer der Gefährten schwanken kann
und möglicherweise unser Verständnis braucht.
Auch wir werden öfter schwanken
und es wird jemanden geben,
der uns versteht.
.
Das große Mysterium der Reise ist,
dass wir nicht wissen,
wann wir endgültig aussteigen werden und genau so wenig,
wann unsere Mitreisenden aussteigen werden,
nicht einmal der, der gleich neben uns sitzt.
Ich glaube, ich werde wehmütig sein,
wenn ich aus dem Zug für immer aussteige.
.
Die Trennung von einigen Freunden,
die ich während der Reise traf,
wird schmerzhaft sein.
Meine Liebsten allein zu lassen,
wird sehr traurig sein.
.
Aber ich habe die Hoffnung,
dass irgendwann der Zentralbahnhof kommt,
und ich habe das Gefühl, sie ankommen zu sehen,
mit Gepäck, das sie beim Einsteigen noch nicht hatten.
.
Was mich glücklich machen wird, ist der Gedanke,
dass ich mitgeholfen habe
ihr Gepäck zu vermehren und wertvoller zu machen.
.
Schauen wir darauf, dass wir eine gute Reise haben
und das sich am Ende die Mühe gelohnt hat.
.
Versuchen wir, dass wir beim Aussteigen
einen leeren Sitz zurücklassen,
der Sehnsucht und schöne Erinnerungen
bei den Weiterreisenden hinterlässt.
Ich wünsche allen eine Gute Reise.
.
Verfasser unbekannt

Foto: Brina Stein

“ Wir leben alle in dieser Welt an Bord eines Schiffes, das von einem Hafen unterwegs ist, den wir nicht kennen, zu einem Hafen, von dem wir nichts wissen. Und wir müssen füreinander die Liebenswürdigkeit von Menschen aufbringen, die sich auf einer gemeinsamen Reise befinden.“ – was für ein schöner Satz des portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa. Unser Leben als Schiffsreise. Der Hafen, von dem wir ablegen – unbekannt. Der Hafen, in den wir mal einlaufen werden – auch unbekannt. Wir wissen nichts. Wir können nur hoffen, dass da ein Hafen sein wird und dass wir dort zur Ruhe kommen und geborgen sind, endgültig geborgen. Bis dahin sind wir aber auf einem Schiff. Auf einem Schiff, das an wunderschönen Ländern vorbei kommt. Von dem aus wir schreckliche Landschaften sehen. Wir erleben sonnige Tage an Deck aber auch Stürme die uns beuteln. Vielleicht auch Motorschäden, die das Schiff zum Stillstand bringen. Aber immer sind wir umgeben von Menschen an Bord. Vielen Menschen, die in unserer Kabine, die im Oberdeck und noch viel mehr im Unterdeck. Die meisten sehen wir nur von Ferne oder gar nicht. Ein paar wenige sind uns nahe, aber alle sind sie doch an Bord – unsere Reisegenossen. Verbunden mit uns durch den gemeinsamen Hafen am Anfang und am Ende der Reise. Gemeinsam auf dem großen Schiff, das wir Leben nennen. Könnte diese Verbundenheit nicht tatsächlich bewirken, dass wir Reisende liebenswürdig miteinander umgehen? Und die begrenzte Zeit, die wir miteinander auf dem Schiff haben, so schön wie möglich miteinander verbringen? ”
~ Dr. Peter Kottlorz

Ich wünsche allen eine schöne Ferienzeit.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Hinweis in eigener Sache:

Am Sonntag, 08.07.18 ab 14 Uhr findet zum Thema Reisen ein literarischer Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof statt. Treffpunkt ist der Nebenausgang Gleis 1 Mannheimer Straße.

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/07/01/gute-reise-ein-literarischer-spaziergang-rund-um-den-frankfurter-hauptbahnhof-am-sonntag-08-07-18-ab-14-uhr/

Und es ist Sommer – Literarischer Wochenendgruß vom 29.06.18

Und es ist Sommer – Literarischer Wochenendgruß vom 29.06.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in Hessen und anderen Bundesländern haben die Sommerferien begonnen. Nicht nur für Schüler und Lehrer ist es die wohl schönste Zeit des Jahres. Endlich sind keine Pflichten, wie zum Beispiel Hausaufgaben, zu erfüllen. Freie Zeit, die jeder für sich nutzen kann, wie es ihm beliebt.

Die Sonne zeigt sich derzeit in unseren Breitengraden von ihrer besten Seite.. Die Texte dieser Sommer-Ausgabe wurden beim literarischen Sommer-Spaziergang am vergangenen Sonntag rund um den Rettershof präsentiert.

Foto: Gerd Taron

In prächtigen Farben
naht wieder der Sommer.
Der Wind spielt
lächelnd im Haar,
streicht über die Felder,
liebkost deine Wangen.
Du weinst,
weil so schön
es einst war …
In prächtigen Farben
naht wieder der Sommer,
schenkt Blumen
und Wärme und Licht;
Erinnerung wandert
durch Tannenwälder,
die hohen Bäume
sie warten auf
auf dich …
Im Sommer kannst einmal noch
Hitze atmen,
die Liebe, das Sein
und den Tod;
in Farben und Flammen
schlägt alles zusammen –
an diesen Tagen
in Rot.

(Ingrid Streicher)

Foto: Gerd Taron

Soll ich denn einen Sommertag dich nennen,
dich, der an Herrlichkeit die überglänzt?
Dem Mai will Sturm die Blütenpracht nicht gönnen,
und Sommers Herrschaft ist so eng begrenzt.
Oft leuchten seines Blickes Feuerfarben,
doch bald auch hört das goldne Glänzen auf,
bis seine allerletzten Spuren starben
in Wechsel und natürlichem Verlauf.
Dir aber soll der Sommer niemals scheiden,
die Zeit sei fern, dass Schönheit dir verdirbt.
Des Todes gier`ger Blick weiß ich zu meiden:
mein Wort verhütet, dass dein Wesen stirbt.
Solange Ohren hören, Augen sehn,
besteht mein Lied, wirst du im Lied bestehn!
Karl Kraus, Nachdichtung des 18. Sonetts von Shakespeare

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Sommer

Weißt du, wie der Sommer riecht?
Nach Birnen und nach Nelken,
nach Äpfeln und Vergißmeinnicht,
die in der Sonne welken,
nach heißem Sand und kühlem See
und nassen Badehosen,
nach Wasserball und Sonnenkrem,
nach Straßenstaub und Rosen.
Weißt du, wie der Sommer schmeckt?
Nach gelben Aprikosen
und Walderdbeeren, halb versteckt
zwischen Gras und Moosen,
nach Himbeereis, Vanilleeis
und Eis aus Schokolade,
nach Sauerklee vom Wiesenrand
und Brauselimonade.
Weißt du, wie der Sommer klingt?
Nach einer Flötenweise,
die durch die Mittagsstille dringt,
ein Vogel zwitschert leise,
dumpf fällt ein Apfel in das Gras,
der Wind rauscht in den Bäumen,
ein Kind lacht hell, dann schweigt es schnell
und möchte lieber träumen.

Ilse Kleberger

Sommergäste

Kohlweißling flattert durch den Garten,
sucht sich die schönste Blüte aus.
Die Rose lädt ihn freundlich ein,
bald setzt er sich zum süßen Schmaus.
Die Hummeln summen im Lavendel,
dem fremden Gast vom Mittelmeer,
von seinem Duft bald schläfrig trunken,
den Pelz vom Blütenstaube schwer.
Sie lieben auch die Anemonen,
die stolz den Kopf nach oben recken
und ihre rosaroten Blüten
der Sonne froh entgegen strecken.
Die Bienen tun’s den Hummeln gleich
und sammeln fleißig Nektar ein.
Die Ringelblumen bitten herzlich,
bei ihnen auch zu Gast zu sein.
Selbst Löwenmaul und Margueriten,
die ersten Dahlien, gelb und rot,
bewirten gern die Sommergäste.
So leidet niemand derzeit Not.
Es summt und brummt in unserm Garten,
die Amsel zwitschert froh ihr Lied,
das wie die kleine weiße Wolke
am Himmel schnell von dannen zieht.

© Christa Kluge

Foto: Gerd Taron

Sommerpoesie …

Sattes Grün tränkt meine Augen
in einem See von Leben Pur
darf genüsslich Frieden saugen
an dem Busen der Natur
Herz und Seele sind verbunden
tanzen, singen, jubilieren
drehen fröhlich ihre Runden
bis sie sich im Rausch verlieren
Höre Nachtigall und Meise
Lieder voller Harmonie
führen mich auf meiner Reise
durch die Sommerpoesie
Leise flüsternd hör ich´s rauschen
aus des Blätter-Kronen-Kleid
gib mich hin, dem Klang zu lauschen
löse mich aus Raum und Zeit
Sonnenlicht küsst meine Seele
Sommerwind streift meinen Geist
bis dass nichts mehr meinem Wohlsein fehle
und mir meinen Weg des Daseins weist

Cäcilia Wentker

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wie freu‘ ich mich der Sommerwonne!
Wie freu‘ ich mich der Sommerwonne,
Des frischen Grüns in Feld und Wald,
Wenn’s lebt und webt im Glanz der Sonne
Und wenn’s von allen Zweigen schallt!
Ich möchte jedes Blümchen fragen:
Hast du nicht einen Gruß für mich?
Ich möchte jedem Vogel sagen:
Sing, Vöglein, sing und freue dich!
Die Welt ist mein, ich fühl es wieder:
Wer wollte sich nicht ihrer freu’n,
Wenn er durch frohe Frühlingslieder
Sich seine Jugend kann erneu’n?
Kein Sehnen zieht mich in die Ferne,
Kein Hoffen lohnet mich mit Schmerz;
Da wo ich bin, da bin ich gerne,
Denn meine Heimat ist mein Herz.

Hoffmann von Fallersleben

Foto: Gerd Taron

Sommergebet

Es prangen Granatäpfelranken im Garten
Und blühen so warm wie das Tagesverglühen.
Zypressen wie riesige Schattenstandarten
Beginnen im Garten die Nacht zu verfrühen.
Wir heben die Arme empor zu dem Brande,
Ich tauche wie nackt bis zum Herzen in Flammen.
Mein Wesen erschaut sich im Blütengewande:
Auch ich blute auf mit den Baumbräutigamen.
Du Sonne in Scharlach, mit purpurnen Schleppen,
Entfunkelst mir unter Granatäpfelranken.
Ich komme zu dir auf lebendigen Treppen,
Ich gleiche der Abende bebendem Danken.
Ich werde ein Wahn und sein Wallen in Wangen,
Ich bin des Granatapfels fieberndes Blühen,
Die Sprühwürmchen sollen ihr Funkeln empfangen,
Verkündet, entzündet sie, Brüder im Glühen!
Theodor Däubler (1876 – 1934)

Ein sonniges Sommerwochenende mit viel Sonnenschein wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Mit anderen Augen sehen – Literarischer Wochenendgruß vom 22.06.18

Mit anderen Augen sehen – Literarischer Wochenendgruß vom 22.06.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

jeder der gesunde Augen hat, möge sich darüber freuen, dass er alles scharf sehen kann. Ob das auch im übertragenen Sinne gilt, ist eine andere Angelegenheit.

Menschen, die andere, kranke Augen haben, sehen dafür anderes viel schärfer als der Gesunde. Sie haben gelernt, mit der Krankheit zu leben. Es ist immer wieder beeindruckend wie sie zum Beispiel trotz der „Behinderung“, wunderbare Fotos zustande bringen.

In den vergangenen Tagen habe ich leider auch die Erfahrung erleben müssen, dass einige die mit gesunden Augen leben, kein Verständnis für Menschen mit kranken Augen aufbringen. Da begegnet einem manchmal ein Satz wie „Das müssen Sie doch sehen.“

Im übertragenen Sinne kann dies bedeuten, dass man auf diese Art diese Menschen mit einer solchen Einstellung von der negativen Seite plötzlich kennenlernt. Man sieht dann alles anders.

Dieser Wochenendgruß ist daher all denen gewidmet, die trotz aller Misslichkeiten mit sehenden Augen der Welt begegnen.

Hans Joerg Kampfenkel, der nur noch auf einem Auge sehen kann, hat diese wunderschönen Fotos zu diesem Wochenendgruß beigetragen.

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Augen sind die Tür zum Menschen,
können dich wärmen oder dich frieren lassen,
können eine Wand sein
oder dich ganz sanft umarmen
und die Tür öffnen zum Herzen

Engelbert Schinkel

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Mit unseren Augen entdecken wir das Schöne,
doch nur mit unseren Herzen entdecken wir die Wunder.

© Paulo Coelho

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

..wenn Augen sprechen..
Augen sehen
was das Herz spürt,
doch der Verstand
nicht fühlt.

Augen sprechen,
Herzen fühlen
was sie empfinden,
doch der Verstand
nicht glauben will.

Augen weinen,
Herzen zerbrechen
wenn Worte weiter
den Verstand
manipulieren.

Augen strahlen,
Herzen lächeln,
wenn sich
die Sprache
der Liebe
mit dem Verstand
versteht.

Text: © Monika Heckh

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Deine Augen
sind das
Sprachrohr
Deiner Seele.
Sie erzählen
mir Deine Geschichten,
Geschichten
des Herzens
von Liebe,
von Trauer
und
Glück,
von Freude,
Kinderzeit
und
Lebensknick.
Deine Augen
kennen keine Lüge,
sie kennen alle Wege
und wissen,
wie es war.
Sie bitten um Hilfe,
sie danken mir
und
strafen mich,
wenn ich zu nah
Dir trete.
Doch schenken sie mir Vertrauen,
dann schenke mir
nur den einen
Augenblick
und
ich
erzähl
von Deinem
Leben.
-GABE-

Anja Schindler

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wir haben verlernt, die Augen auf etwas ruhen zu lassen.
Deshalb erkennen wir so wenig….

Jean Giono

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Augen sind das Kostbarste, was ein Mensch besitzt und das Einzige, womit er nicht betrügen kann, sein Äußeres kann man beliebig verändern und bei jedem Wort hat man die Wahl zwischen Wahrheit und Lüge, aber Augen sind Fenster zum Innersten, und die Seele lügt nie, deshalb lass Dich nicht von einem perfekten Äußeren blenden, und auch nicht von den gebildetsten Worten verführen, sondern schütze Deine eigenen Augen, um in denen Deines Gegenübers lesen und erkennen zu können, ob es auch wirklich ehrlich zu Dir ist.

Quelle: facebook

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Das Grün der Wiesen ~ erfreue deine Augen.
Das Blau des Himmels ~ überstrahle deinen Kummer.
Die Sanftheit der kommenden Nacht ~
mache alle dunklen Gedanken unsichtbar!

Irischer Segenswunsch

Ich wünsche Ihnen, dass Sie durch dieses Wochenende mit besonders sehenden Augen gehen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Immer nur reden – Literarischer Wochenendgruß vom 15.06.18

Immer nur reden – Literarischer Wochenendgruß vom 15.06.18

Liebe interessierte Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Tagen hatte ich die Aufgabe bei einer Sitzung das Protokoll zu führen. Es wurde viel und lange geredet. Dies alles aufzunehmen und später zu dokumentieren ist nicht immer einfach. Es gibt andererseits immer wieder Menschen, die gerne und viel reden, vor allem über sich selbst – sei es aus Eitelkeit, Eigennutz oder Egoismus.

Das Thema „Reden“ habe ich erneut aufgenommen und dabei zwei Texte vom 09.03.18 erneut verwendet, weil sie so passend erscheinen.

Foto: Brina Stein

Meide jene, die viel reden, bevor sie handeln, jene, die niemals einen Schritt getan haben, ohne vorher sicher zu sein, dafür gelobt zu werden.
Halte dich vielmehr an jene, die dir, wenn du dich irrtest, niemals gesagt haben: ‘Ich hätte das anders gemacht.’ Denn wenn sie etwas nicht getan haben, können sie darüber auch kein Urteil fällen.
Paulo Coelho

Foto: Gisela Michaelis

Die weise Bank ☼
Ein Flüstern im Vorübergehen
drang in mein Ohr, sah sie da stehen
Ganz leise hörte ich sie reden:
Komm her, ich spreche nicht mit jedem!
Ich öffnete mich ihrem Plauschen
fühlte die Zeit vorüber rauschen
schon viele Menschen, auf ihr weilten
oder an ihr vorüber eilten
Sie hörte all ihre Geschichten
und konnte mir so viel berichten
von ihren Sorgen und den Nöten
und manches ließ sie auch erröten
Sie sah die Menschen, wie sie waren
und konnte vieles schon erfahren
über das Leben hier auf Erden
sie könnte glatt Psychiater werden!
Könnte sie sprechen, würd´ sie sagen:
Du kannst das Leid der Welt nicht tragen
Höre den Menschen einfach zu
sei mit ihnen in aller Ruh´
Gib keine Antwort ohne Fragen
lass sie sich selbst die Antwort sagen
denn sie alleine können wissen
wie sie ihr Leben leben müssen …
Cäcilia Wentker

Foto: Olaf Jahnke

Langeweile
Die dies nu gar nicht nötig haben
Die brauchen’s wohl am meisten
Reden mit Worten die sie nicht geschliffen haben
Von Philosophen die sie nicht begriffen haben
Reden von Bürden die sie nicht getragen haben
Und von den Wunden die sie nicht geschlagen haben
Reden vom Unrecht das sie nicht erlitten haben
Und von den Siegen die sie nicht erstritten haben
Revolutionen die sie nicht gezündet haben
Von Evangelien die sie nicht ergründet haben
Und schlafen ein mit einer Dose Langeweile
Und haben’s leicht und haben’s schwer
Und sind so voll und sind so leer
Die die noch nichts gesehen haben
Die sind die Meistgereisten
Reden von Liebe die sie nie genossen haben
Und von den Tränen die sie nie vergossen haben
Reden von Träumen die sie nie besessen haben
Verbot’nen Früchten die sie nie gegessen haben
Reden von Schlägen die sie nie empfangen haben
Und von den Sünden die sie nie begangen haben
Von den Passionen die sie nie empfunden haben
Von Horizonten die sie nie gefunden haben
Und schlafen ein mit einer Dose Langeweile
Und sind noch warm und sind schon kalt
Und sind noch jung und sind schon alt
Stephan Sulke

Foto: Gerd Taron

Weißt du, dass die Bäume reden?
Ja, sie reden.
Sie sprechen miteinander
und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst.
Aber die weißen Menschen hören nicht zu.
Sie haben es nie der Mühe wert gefunden,
uns Indianer anzuhören, und ich fürchte,
sie werden auch auf die anderen Stimmen
in der Natur nicht hören.
Ich selbst habe viel von den Bäumen erfahren:
manchmal etwas über das Wetter,
manchmal über Tiere,
manchmal über den Großen Geist…

( Tatanga Mani )

Foto: Gerd Taron

Wenn du mit einem Menschen vernünftig reden könntest,
aber es nicht tust, so hast du diesen Menschen verloren.
Wenn du mit einem Menschen nicht vernünftig reden kannst,
aber es trotzdem tust, so sind deine Worte verloren.
Der Verständige gibt aber weder einen Menschen verloren,
noch verschwendet er seine Worte.

Konfuzius

Foto: Gerd Taron

Reden können Viele.
Zeigen noch viel Mehr.
Wirklich Sehen
und Dasein
aber nur Wenige.
Text: © Monika Heckh

Foto: Brina Stein

Miteinander reden und lachen,
sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen,
zusammen schöne Bücher lesen,
sich necken dabei, aber auch sich Achtung erweisen,
mitunter auch streiten – ohne Hass,
so wie man es wohl einmal mit sich selbst tut,
manchmal in den Meinungen auseinander gehen
und damit die Eintracht würzen,
einander belehren und voneinander lernen,
die Abwesenden schmerzlich vermissen,
die Ankommenden freudig begrüßen –
lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe,
die aus dem Herzen kommen,
die sich äußern in Miene, Wort
und tausend freundlichen Gesten
und wie Zündstoff den Geist in Gemeinsamkeit entfalten,
so dass aus den Vielen eine Einheit wird.

(Hl. Augustinus)

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende mit viel Zeit zum Reden und Schweigen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Ein Hinweis in eigener Sache:

Am Samstag, 16.06.18 findet von 10 bis 16 Uhr in Kelkheim-Fischbach, Langstraße 30, auf Tarons Bücherterrasse ein Büchermarkt mit einer Erlebnis-Lesung von Connie Albers (ab 14 Uhr) statt. Dazu begleitet Andreina Bonanni mit ihrem Saxophon diese Veranstaltung musikalisch.

Über den Wolken – Literarischer Wochenendgruß vom 08.06.18

Über den Wolken – Literarischer Wochenendgruß vom 08.06.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

bei meinen Spaziergängen ist es immer wieder für mich faszinierend die Wolken zu beobachten. Sie ziehen vorüber. Sie kommen von irgendwo und gleiten irgendwo hinein. Manchmal kann man bei genauerem Betrachten auch Figuren oder Symbole, wie z. B. ein Herz entdecken.

Dieser Wochenendgruß möge mit den wunderschönen Texten und Fotos ein kleiner Begleiter durch diese Zeit sein.

Foto: Gerd Taron

An die Wolken

Und immer wieder,
wenn ich mich müde gesehn
an der Menschen Gesichtern,
so vielen Spiegeln
unsäglicher Torheit,
hob ich das Aug
über die Häuser und Bäume
empor zu euch,
ihr ewigen Gedanken des Himmels.
Und eure Größe und Freiheit
erlöste mich immer wieder,
und ich dachte mit euch
über Länder und Meere hinweg
und hing mit euch
überm Abgrund Unendlichkeit
und zerging zuletzt
wie Dunst,
wenn ich ohn‘ Maßen
den Samen der Sterne
fliegen sah
über die Äcker
der unergründlichen Tiefen.

Christian Morgenstern

Foto: Gerd Taron

Aus weißen Wolken

baut sich ein Schloss.
Spiegelnde Seen, selige Wiesen,
singende Brunnen aus tiefstem Smaragd!
In seinen schimmernden Hallen
wohnen
die alten Götter.
Noch immer,
abends,
wenn die Sonne purpurn sinkt,
glühn seine Gärten,
vor ihren Wundern bebt mein Herz
und lange . . . steh ich.
Sehnsüchtig!
Dann naht die Nacht,
die Luft verlischt,
wie zitterndes Silber blinkt das Meer,
und über die ganze Welt hin
weht ein Duft
wie von Rosen.

Hermann Oscar Arno Alfred Holz

Foto: Gerd Taron

Eine Wolke möcht ich sein.

Eine Wolke möcht ich sein,
von oben diese Welt besehen.
Distanz zu allen Dingen finden
und dadurch vieles klarer sehen.

Ich möchte gleiten durch die Lüfte,
mit frohem Herz und leichter Seele.
Erfreuen mich an meinem Sein
und wünschen, dass mir nie was fehle.

Als Regen fall ich dann zur Erde
und tränke alle durst´ge Saat.
Will nähren alle Seelen- Leben.
Liebe geben ist mein Pfad.

Anne M- Pützer

Foto: Gerd Taron

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.
Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

Joachim Ringelnatz

Foto: Tim-Thilo Fellmer

….Unendlichkeit..
Im Reich der Wolken,
schweben Gedanken davon,
verlieren Worte ihre Bedeutung.
Der Moment wird zur Ewigkeit.
Im Reich der Wolken,
ist alles leicht
und unbeschwert fühlbar.
Es gibt keinen Morgen
und keinen Abend.
Die Bedeutung der Zeit,
wird zur Unendlichkeit.
Alles Leben ist Vogelfrei.

Text: © Monika Heckh

Foto: Gerd Taron

Weiße Wolken

Oh schau, sie schweben wieder
Wie leise Melodien
Vergessener schöner Lieder
Am blauen Himmel hin!
Kein Herz kann sie verstehen,
Dem nicht auf langer Fahrt
Ein Wissen von allen Wehen
Und Freuden des Wanderns ward.
Ich liebe die Weißen, Losen
Wie Sonne, Meer und Wind,
Weil sie der Heimatlosen
Schwestern und Engel sind.

Hermann Hesse

Foto: Sandra Windsheimer

Wolkenspiel

Wolkenspiel im Abendlicht
wenn das Sonnenlicht zerbricht
wunderschön ist anzusehn
große Wolken vorüber ziehn
Ihre Formen sich verändern
aufgereiht wie an den Bändern
ziehen sie im Abendblau
von unten ist´s wie eine Schau

[© Gerhard Ledwina]

Foto: Gerd Taron

Ich wünsche dir als Begleiter
die Sonne, die Wolken, den Wind,
die Hoffnung als Wegbereiter,
den Stern, wenn die Nacht beginnt.
Ein treuer Gefährte, wie er auch heißt,
als dankbar empfundenes Glück
stelle sich freundlich neben dir ein!
Wenn du nur weißt:
du brauchst niemals alleine zu sein,
legst du den Lebensweg
leichter zurück.
Und will es dir scheinen,
du habest ja keinen,
der dein Tun und dein Streben versteht,
dann gibt es in Wirklichkeit
lange schon einen
Schutzengel, der dir zur Seite steht.ღ*
– Elli Michler –

Einen Himmel mit wunderschönen Wolken an diesem Wochenende wünscht

Ihnen/Euer

Gerd Taron

Am vergangenen Sonntag fand im Woogtal in Königstein im Taunus ein literarischer Spaziergang mit Texten von Marc Aurel statt. Einen Bericht mit Fotos und Zitaten können Sie dem nachfolgenden Link entnehmen:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/06/04/5426/

Musik, Musik – Literarischer Wochenendgruß vom 01.06.18

Musik, Musik – Literarischer Wochenendgruß vom 01.06.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

beim Zusammenstellen der Texte und der Fotos zu diesem Thema kam mir sofort ein Schlager von früher in den Sinn. Einige werden sich noch an „Ich brauche keine Millionen … ich brauche nur Musik, Musik, Musik“ erinnern. Dieser Evergreen wurde einst von Marika Rökk gesungen. Musik ist in meinem Leben und sicher auch in Ihrem unverzichtbar. Dabei sind die Stilrichtungen sehr verschieden wie im normalen Leben.

Einige stelle ich mit persönlichen Fotos von lieben Freunden im Foto und den passenden Texten vor. Dazu gibt es auch überraschende Entdeckungen bei meinen Streifzügen durch die unmittelbare Umgebung.

Graffiti an der Eichendorff-Gesamtschule in Kelkheim-Fischbach

Ja, die Musik ist die Sprache der Seelen; ihre Melodien sind sanfte Brisen, die auf den Saiten unserer Empfindungen spielen; sie sind zarte Finger, die an die Türen unseres Gefühls klopfen, und Erinnerungen wecken; sie enthüllen Eindrücke der Vergangenheit, die unter der Decke der Nacht verborgen waren….

Khalil Gibran

Andreina Bonanni (hier Querflöte, aber auch als Saxophonistin aktiv)

Musik und Rhythmus
finden ihren Weg
zu den geheimsten Plätzen
der Seele

Platon

Mezzabellezza – (von links nach rechts: Paul Pfeffer, Christina Eretier, Tom Schilling)

MUSIK.

Musik gibt es für jede Stimmungslage,
von traurig bis heiter,
meistens tanzbar.

Musik lädt zum Träumen ein.
Führt uns weit weg vom Hier und Jetzt.
Dorthin, wo wir sein dürfen, wer wir sind,
wo wir erleben dürfen, was uns sonst versagt bleibt.
Sie verstärkt die Emotionen,
lässt uns schwärmen und auch weinen.

Wir wollen uns bewegen,
wollen klatschen und den Takt schlagen.

Die Musik fährt uns in die Beine,
wir wippen und tippen,
wir drehen und wiegen uns.

Musik ist ein Genuss für die Ohren,
für alle Sinne.
Sie berührt das Herz und die Seele.
Man kann sie hören und fühlen.

Wer Musik liebt, liebt sie leidenschaftlich.
Spürt sie in jeder Körperzelle.
Ist süchtig danach.
Es lebe, in uns, die Musik!

(Anne M. Pützer)

Klavierbegegnungen – mit und bei Christina Boos (https://www.klaviermusik-fuer-alle.de/

Was die Liebe den Menschen,
ist die Musik den Künsten und den Menschen,
denn sie ist ja die Liebe wahrlich selbst;
die reinste ätherische Sprache der Leidenschaft,
tausendseitig allen Farbenwechsel
derselben in allen Gefühlsarten enthaltend
und doch nur einmal wahr,
doch von tausend verschieden fühlenden Menschen
gleichzeitig zu verstehen

Carl Maria von Weber

Skulptur in Bad Soden am Taunus – Foto: Gerd Taron

Ich habe ein Lied
und du ein anderes.
Jeder hat ein Lied,
um die Leere der Herzen zu füllen.
In der Schatzkammer Seele
liegt ein Schatz verborgen,
den singt man nicht laut.
Du und ich,
wir müssen ihn
inwändig zum Klingen bringen,
eine Saite spannen
vom Herzen zum Verstand.
So singen wir die Welt
leise zum Himmel empor.

Salishan

Foto: Petra Krenzer

Sprache
Die Sonne spricht zu uns mit Licht,
Mit Duft und Farbe spricht die Blume,
Mit Wolken, Schnee und Regen spricht
Die Luft. Es lebt im Heiligtume
Der Welt ein unstillbarer Drang,
Der Dinge Stummheit zu durchbrechen,
In Wort, Gebärde, Farbe, Klang
Des Seins Geheimnis auszusprechen.
Hier strömt der Künste lichter Quell,
Es ringt nach Wort, nach Offenbarung,
Nach Geist die Welt und kündet hell
Aus Menschenlippen ewige Erfahrung.
Nach Sprache sehnt sich alles Leben,
In Wort und Zahl, in Farbe, Linie, Ton
Beschwört sich unser dumpfes Streben
Und baut des Sinnes immer höhern Thron.
In einer Blume Rot und Blau,
In eines Dichters Worte wendet
Nach innen sich der Schönfung Bau,
Der stets beginnt und niemals endet.
Und wo sich Wort und Ton gesellt,
Wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,
Wird jedesmal der Sinn der Welt,
Des ganzen Daseins neu gestaltet,
Und jedes Lied und jedes Buch
Und jedes Bild ist ein Enthüllen,
Ein neuer, tausendster Versuch,
Des Lebens Einheit zu erfüllen.
In diese Einheit einzugehn
Lockt euch die Dichtung, die Musik,
Der Schöpfung Vielfalt zu verstehn
Genügt ein einziger Spiegelblick.
Was uns Verworrenes begegnet,
Wird klar und einfach im Gedicht:
Die Blume lacht, die Wolke regnet,
Die Welt hat Sinn, das Stumme spricht.

Hermann Hesse

Graffiti an der Eichendorff-Gesamtschule in Kelkheim-Fischbach

Nimm Dir Zeit zum Arbeiten, es ist der Preis des Erfolges.
Nimm Dir Zeit zum Nachdenken, es ist die Quelle der Kraft.
Nimm Dir Zeit zum Spielen, es ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm Dir Zeit zum Lesen, es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm Dir Zeit für Freundlichkeit, es ist das Tor zum Glück.
Nimm Dir Zeit zum Träumen, es ist der Weg zu den Sternen.
Nimm Dir Zeit zum Rücksicht nehmen, der Tag ist zu kurz um selbstsüchtig zu sein.
Nimm Dir Zeit zum Lachen, es ist die Musik der Seele.
Nimm Dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden, es ist der wahre Reichtum des Lebens.

Irischer Segen

Ich wünsche allen ein fröhliches musikalisches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Hinweis in eigener Sache

Sonntag, 03.06.2018- Beginn 15:00 Uhr
Literarischer Spaziergang im Woogtal in Königstein im Taunus
Thema: Nutze den Augenblick – Weisheiten von Marc Aurel
Aus einem besonderen Buch stelle ich an wunderschönen Plätzen im Woogtal Weisheiten des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel vor.
Treffpunkt: Kur- und Stadtinformation Königstein, Hauptstraße 13 a

Kostenbeitrag: 5 Euro

Im Verborgenen – Literarischer Wochenendgruß vom 25.05.18

Im Verborgenen – Literarischer Wochenendgruß vom 25.05.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

unser Alltag ist oft überfüllt mit vielen Dingen. Im Zeitalter der Masseninformationen, übersehen, überhören wir die Kleinigkeiten. Es sind oft Schätze, die im Verborgenen liegen und wir so manches Mal nicht mehr wahrnehmen können. Nehmen wir uns doch wieder einmal die Zeit darauf zu achten. Dazu möge der neue Wochenendgruß sie inspirieren.

Foto: Gerd Taron

Im Verborgenen

Was lange flüssig war, gerinnt unter deinen Füßen
und wird feste, rote Erde.
Aus ihr wachsen Blumen voller Licht.
Kelch an Kelch stehen sie da, reichen sich dir,
und du füllst und leerst sie mit deiner Sehnsucht.
Deine Seele singt nicht mehr Strophen und Verse,
sondern in Freiheit spricht und singt sie
alle Sprachen des Muts.
In einem Anflug von Himmel erkennt sie,
dass sie aus der Unendlichkeit stammt
und ihre Tiefe unermesslich ist.
Du bewegst dich durch Dornen und Wind
als Königin deiner wachsenden Welt.
Du siehst Gott in die Augen und erkennst,
dass du so alt bist wie er.
Ihr teilt ein Herz und ein Wesen.
Überallhin sind die Wege offen,
nur du kannst sie schließen.
Im Verborgenen, wo du nur du bist,
entsteht alles, was du geträumt hast.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

KLEINIGKEITEN

Kleinigkeiten, das Große dieser
Welt!
Im Verborgenen zu Hause –
immer ein Glücksstrahl, der unser
Dasein erhellt!

Ein Sonnenfunken, der den Tag
begrüßt
inmitten dunkler Wolken,
der ohne Wenn und Aber allein nur
Licht und Glanz bemüht!

Ein Blümchen, das im Grünen seine
Pracht voll zeigt,
ein Baum im Rauschen des Windes –
all das in seiner wahren
Ursprünglichkeit verbleibt!

Ein beherztes Lachen vom
Gegenüber,
Vertrauen und Fröhlichkeit –
ohne, dass List und Tücke winken
herüber!

Worte, behutsam und fromm –
eine Brücke im Meer der
Befindlichkeiten,
was immer da auch komm`!

Das Licht der Kleinigkeiten
schimmert überall –
ein Blick, eine Geste
können Hoffnung machen im noch
so düsteren Fall!

Solch` kleines Glück wird
immer das Große sein,
wenn man bereit ist,
sich von jeder Oberflächlichkeit
zu befrei`n!

von Marita Kaminski

Foto: Gerd Taron

Gedanken beim Sonnenuntergang am Meer

Tieftaucher
dir offenbart sich
die faszinierende Unterwasserwelt
der Meerestiefe –
für Menschen der Oberfläche
zeitlebens verborgen
Wer die Liebe
nicht wagt
schwimmt oben
eingeklemmt
zwischen Handy und Tele
Geld und Macht
plätschert nur in der
Mitte der Farben
Kaulquappe
im Tümpel des Lebens.
Menschsein heißt
Wagen:
Sonne und Dunkel
Liebe und Tiefe
Freude und Trauer.
Edelsteine
liegen nicht
auf der Straße herum.
Und du erfährst
dann wieder
der Ozean trägt
der Himmel sieht dich
Du vertraust
du liebst
und alles ist dir geschenkt.

Lissy Theissen

Foto: Gerd Taron

Überwinde Barrieren,
reiße Mauern ein.
Öffne Herzens- Türen
und erkunde andere Seelen- Welten.
Sieh, wieviel Schönheit
im Verborgenen liegt.

Anne M. Pützer

Foto: Gerd Taron

Der kleine Zauber

In kleinen Funken,
überall liegt sie verborgen.
Die Magie,
der kleine Zauber.
Schleicht sich immer mal wieder langsam an,
mit Bedacht.
Ob Tag oder Nacht.
Fesselt mich,
zieht mich in ihren zart reizenden Bann.
Taste mich langsam,
behutsam vor.
Lasse mich entführen,
möchte die leichte Wärme des Zaubers spüren.

ⒸText by Lisa Katharina Bechter

Foto: Gerd Taron

Gib acht auf Deine Träume,
in dem Du an sie denkst wie an Freunde.

Genieße die Schönheit des Augenblicks,
das Flüstern des Windes, das Plätschern einer Quelle,
den geheimnisvollen Halbschatten des Unterholzes.
Lauf durch das hohe Gras, höre die Ameisen reden,
die nie den alten Weg vergaßen.
Suche einen Baum, berühre die Blätter.
Das ist ein Blatt
sieh her, es ist grün, es hat Adern,
so ist es geformt, greif´s an!
Berühre das Blatt, der Zweig zittert mit .
Deine Hand greift ungestüm, zärtlich
nach dem, was ich ihr zeige.
Sei wie ein Kind mit einem Staunen über alle Dinge
und die Zeit wird still stehen.
Erwarte nichts von den anderen, wenn Du selbst
noch nichts gegeben hast. Betrachte die
Welt nicht mehr voller Unruhe, dann strahlt
das Licht des Tages aus Deinen Augen,
sie sind der Spiegel Deiner Seele.
Nur auf dem Pfad der Nacht erreichst
Du die Morgenröte.

[© unbekannt]

Ich wünsche Ihnen, dass Sie am Wochenende Ihre Schätze im Verborgenen entdecken und sie mit anderen teilen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Das Leben feiern – Literarischer Wochenendgruß vom 18.05.18

Das Leben feiern – Literarischer Wochenendgruß vom 18.05.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am kommenden Wochenende beschert uns der Kalender wieder zwei Feiertage. Pfingsten war für die ersten Christen ein besonderes Fest. Ob dies auch im Mai stattfand ist mir unbekannt.

Der Wonnemonat Mai bedeutet für viele Menschen und die Natur ein Grund zu feiern – das Leben. Den Titel zu diesem Wochenendgruß habe ich einer langjährigen Leserin zu verdanken.

Mit frohmachenden Texten und Fotos möge dieses Thema zu ihrer persönlichen Lebensfeier werden.

Foto: Gerd Taron

Mai

Süßer Mai, du Quell des Lebens,
Bist so süßer Blumen voll.
Liebe sucht auch nicht vergebens,
Wem sie Kränze winden soll.
Süßer Mai, mit Blumen-Glocken
Läutest du das Fest mir ein.
Ich bekränze ihre Locken,
Will ein frommer Gast auch sein.
Süßer Mai, zum Liebesmahle
Trägst du Blumen-Kelche ein.
Blüten-Säulen stehn im Saale,
Drüber wölbt sich Sonnenschein.
Süßer Mai, in deinen Kelchen
Küssen fromme Bienen sich.
Aber unter allen welchen
Hast du eingefüllt für mich!
Süßer Mai! du bringest nieder
Blume, Blüte, Sonnenschein.
Dass ich wisse, wem die Lieder,
Wem das Herz, das Leben weihn.

Clemens Brentano (1778-1842)

Foto: Christina Eretier

Maienduft lässt Zauberworte erwachen.
Wer kennt sie nicht, die Worte eines anderen, die uns aufleben lassen! Schön, wenn auch die Erinnerungen welche beherbergen…
Zauberworte

Sie fliegen im Raum
und hinaus,
hinauf bis zum Himmel,
umkreisen die Sterne,
den Mond
mitten am Tag.
Lassen Dich schweben,
erbeben
inmitten betörender Musik,
mit dem Herzen erlauscht.
Du lebst von diesem Zauber,
diesen Worten.
Hörst sie mit wachen Ohren,
weitem Herzen.
Sie verzaubern
die Steppe des Alltags
in duftende Oasen.
Himmel und Meer,
Wasser und Leben
tanzen in dir.
Ein Fest für die Liebe
erobert die Stunde,
den Tag
und die Jahre.
Berauschend,
beglückend,
betörend,
ist diese
Dynamik des Lebens.
Sie verwandelt die Welt.
Ein Clown,
wer dafür
nicht alles gäbe.

© Lissy Theissen, 2014

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Maiensegen

Nun ruht in weissen Schleiern
die See, umspielt vom West,
und Himmel und Erde feiern
das grosse Liebesfest.
Da strömt in rinnendem Regen
hernieder Kuss auf Kuss,
der rings zu Frucht und Segen,
zur Blüte werden muss.

So ruht in weissen Schleiern
mein Herz in deiner Brust,
und unsere Seelen feiern
die ewige Hochzeitslust.
Da strömt wie rinnender Regen
dein Kuss auf meinen Leib,
dass er zum Maiensegen
werde deinem Weib . . .

Ein Duften reifer Tage
um unsere Stirnen weht,
da wieder die singende Sage
durch flimmernde Fluren geht:
– dass kein Leid mehr bliebe,
wenn über der grünen Welt
die junge Frühlingsliebe
die flatternde Fahne hält!

Clara Müller-Jahnke 1860-1905, deutsche Dichterin

Foto: Gerd Taron

Checkliste fürs Glück:

Wandern in der freien Natur.
Essen, wenn man Hunger hat.
Schlafen, wenn man müde ist.
Radfahren und im Garten arbeiten.
Sprechen mit Pflanzen.
Pfeifen mit Vögeln.
Du bekommst Augen für die Wunder um dich herum.
Du wirst weniger verbrauchen, aber mehr und bewusster genießen.
Ein Butterbrot schmeckt wunderbar.
Ein Glas frisches Wasser kann ein Fest sein.
Mit wenig zufrieden sein und viel genießen ist die Kunst und das Glück von freien Menschen.

Phil Bosmans

Foto: Gerd Taron

Feiere dich

Feiere dich. Feiere dich.
Beginne bei deinen Händen–
wie haben sie dir deinen Weg bereitet,
wie viele Herrlichkeiten haben sie gehalten,
wie schwer haben sie gearbeitet
in Selbstlosigkeit und Eifer!
Sie sind Ausdruck deines Wesens,
Ausdruck deines ehrlichen Bestrebens.
Feiere deine Augen, in denen du lebst
und durch die du in die Welt stürzst,
so wie die Welt durch sie in dich fällt.
In ihren farbigen Teichen
ruht deine ganze Seele.
Laß sie leuchten und gib anderen
eine Heimat in deinen Augen.
Feiere deine Stimme, diese eigene Person,
die dich spiegelt. Begabt bist du,
auf ihr deine Neigung zu anderen
wie ein Papierschiff aufs Wasser zu setzen.
In den Worten explodiert vorsichtig
dein Wesen und entwickelt Profil.
Und auch die Stille transportiert noch
deine Sehnsucht nach Begegnung.
Feiere dich
und feiere dich mit viel Freude und Glück.
Feiere deinen Schmerz,
in dem du auch unvergleichbar bist.
Feiere das wenige, was du siehst,
und es wird mehr werden.
Feiere deine Angst und deine Verwegenheit
und du wirst lernen,
wann die eine und wann die andere
wichtig zu leben ist.
Feiere deine Echtheit,
in die du von Tag zu Tag hineinwächst,
wie in einen Mantel, der zuerst zu groß ist.
Feiere deinen Glauben,
diesen Sprung in das Wagnis,
das dich jedes Mal verändert.
Feiere die Zartheit deiner Wahrnehmung –
wie Gräser im milden Wind –
in der die Welt sich so zeigt, wie sie sein kann.
Und feiere mich, so wie ich dich feiere
und du wirst mich entdecken, so wie ich dich entdecke.
˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚
Zur Selbsttreue gehört auch, sich selbst feiern zu können. Das Innere feiern, das Einmalige in jedem von uns. im ganzen Land müsste diese Stille Feier anklingen und zu spüren sein und ansteckend wirken.

Ulrich Schaffer

Foto: Christina Eretier

Erblühe, Herz…
Fühlst du den Neuanfang?
Siehst du das Wunder des Lebens?
Riechst du den Hauch von Glückseligkeit?
Schmeckst du die Süße der Liebe?
Erblühe, Herz…
Hörst du den Gesang der Amsel?
Sie schenkt dir ihr Lied,
damit du dich wieder erinnerst …
Wache auf und spüre den Frieden …
Erblühe , Herz…
Du bist das Leben!
Du bist Glückseligkeit!
Du bist die Liebe!
Lass feiern uns den Neuanfang,
er ist Dein …

Cäcilia Wentker

Foto: Petra Krenzer

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.“

Irischer Segenswunsch

Ich wünsche allen ein erholsames Lebesn-Feier-Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Es lebe das Gesetz?! – Literarischer Wochenendgruß vom 11.05.18

Es lebe das Gesetz?! – Literarischer Wochenendgruß vom 11.05.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen gibt es ein neues Gesetz-Schreckgespenst – die neue EU-Datenschutzverordnung. Aller orten ist die Verunsicherung groß, wie Kleinunternehmer, Vereine, Privatleute damit umzugehen haben.

Das führt mich zum Nachdenken, welche Bedeutung Gesetze, Vorschriften, Verordnungen in unserem Leben haben – sei es staatlicher oder auch aus religiöser Sicht betrachtet.

Unsere Sehnsucht nach Sicherheit sollen all diese vielen Regeln befriedigen. Bei genauerem Hinsehen erscheint mir das nicht so zu sein. Fragen Sie mal einen angehenden Existenzgründer mit welchen Formalitäten er/sie sich befassen muss.

Die vielen Kreativen in unserem Lande, sei es in der Literatur, Kunst, Theater und anderen Bereichen werden dadurch sehr eingeschränkt.

Deutschland, das Land der Dichter und Denker?

In der christlichen Religion gibt es im Alten Testament die 10 Gebote und im Neuen Testament die Bergpredigt. Diese „Richtwerte“ sollten ausreichen. In anderen Religionen gibt es sicher ähnliches.

Mit den nachfolgenden Texten und den hoffentlich dazu passenden Fotos möchte ich die Leser dazu anregen, über den Sinn und Unsinn von Regeln für eine Gesellschaft nachzudenken.

Foto: Gerd Taron

Was treibt eigentlich den Menschen zu diesem verwegenen Spiel? Wir leben in einer Zeit, wo jedem von uns durch gesetzliche Bestimmungen und gesellschaftliche Regelungen die Freiheit genommen ist. Man sucht einen Ausweg aus dieser Zwangsjacke der Zivilisation und flieht in die Ruhe und Abgeschiedenheit der Natur.“
Hermann Buhl

Foto: Björn Ziegler

Ich lasse mich nicht unterdrücken
Ich lasse mich nicht unterdrücken
von denen, die Wachstum verneinen,
von Ideen, die das Entfalten verbieten,
von Gesetzen, die das Reifen verhindern.
Ich lasse mich nicht einschüchtern
von Vorschriften,
denen es nur um Sicherheit geht.
Ich lasse mich nicht ersticken
von hübscher Mittelmäßigkeit.
Ich lasse mich nicht zurückhalten
von den Risikoscheuen.
Ich protestiere
gegen die Verneinung des Lebens
und stürme weiter vor.
Wie sollen wir uns sonst treffen?
Das Übliche ernährt uns nicht,
und mitten im Überfluss werden wir sterben.
Ich werde mit mir selbst in Verbindung treten
und mit besonderem Tastsinn
auf dich zu wachsen.
Ich werde dich mit dem inneren Auge sehen,
deine ungesprochenen Worte hören
und weiter als eine Meile mit dir gehen.
Ich werde unvorhersagbar sein
und leben.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Nimm dein Leben in die Hand

In der deutschen Literatur des Mittelalters gab es einen interessanten Begriff: „verligen“. Von einem Ritter, der eine lange Zeit nicht mehr auf „aventiure“ (Abenteuer) ging, sagte man, dass er „verlige“. Er erschien nicht mehr am Hof, er war nicht mehr unterwegs, er kommunizierte nicht mehr mit anderen Rittern, er war träge geworden, er war „liegen geblieben“. Er setzte sich nicht mehr aus, er erweiterte seine Erfahrungen nicht mehr. In dem Roman „Erec“ von Hartmann von Aue hat dieses „Verligen“ auch eine spirituelle Bedeutung: ein Ritter, der so lebt, stört die göttliche Zeitordnung. Er verstößt also nicht nur gegen die Gesetze des Hofes, sondern vergeht sich auch auf einer tieferen Ebene an umfassenderen Gesetzen.
Ähnlich kann es uns mit dem Abenteuer „Leben“ gehen, wenn Herausforderungen an uns herangetragen werden und wir sie nicht annehmen. Wir tragen in uns die Tendenz, uns festzulegen oder festlegen zu lassen. Damit haben wir häufig entschieden (ohne es als Entscheidung erlebt zu haben), wer wir sind, und damit auch, wie wir sein wollen. Weil wir träge geworden sind, erneuern wir uns nicht mehr und lassen uns nicht herausfordern. Wir gestalten unser Leben nicht mehr, sondern ertragen oder genießen es nur noch. Es hat nicht mehr die Kraft, die ein Leben hat, das von innen beseelt und erfüllt ist.

Die Lösung ist, sich dem Leben auszusetzen und es wieder in die Hand zu nehmen, anstatt es von anderen bestimmen zu lassen. Unsere Trägheit ist unser Untergang. Unsere Unachtsamkeit bringt den Verlust unserer Lebendigkeit mit sich. Wenn du entscheidest, wie du sein willst, entscheidest du, wer du sein wirst.

Ulrich Schaffer

Foto: Christina Eretier

Es gibt so viele Dinge zum Erzählen…
Es gibt so viele Dinge von denen ein alter Mann einem
erzählen müsste, solange man klein ist; denn wenn man
erwachsen ist, wäre es selbstverständlich, sie zu kennen.
Da sind die Sternenhimmel, und ich weiss nicht, was die
Menschen über sie schon erfahren haben, ja, nicht einmal
die Anordnung der Sterne kenne ich.
Und so ist es mit den Blumen, mit den Tieren, mit den
einfachsten Gesetzen, die da und dort wirksam sind
und durch die Welt gehen mit ein paar Schritten von
Anfang nach Ende. Wie ein Leben entsteht, wie es wirkt
in den geringen Wesen, wie es sich verzweigt und
ausbreitet, wie Leben blüht, wie es trägt: alles das
zu lernen, verlangt mich.
Durch Teilnahme an alledem mich fester an die
Wirklichkeit zu binden, die mich so oft verleugnet, –
da zu sein, nicht nur dem Gefühl, sondern auch dem
Wissen nach, immer und immer, das ist es, glaube ich,
was ich brauche, um sicherer zu werden und weniger
heimatlos.

Rainer Maria Rilke

Foto: Gerd Taron

Nichts in der Natur existiert für sich selbst.
Flüsse trinken nicht ihr eigenes Wasser.
Bäume essen nicht ihre eigenen Früchte.
Die Sonne wärmt nicht sich selbst.
Blumen versprühen ihren Duft nicht für sich selbst.
Das Gesetz der Natur heißt: für andere leben!

gefunden bei Ben Gilberti

Foto: Gisela Michaelis

Ein schöner Traum – der Traum von Frieden

Friede ist nicht das Gegenteil von Krieg.
Nicht der Zeitraum zwischen zwei Kriegen.
Friede ist mehr.

Friede ist das Gesetz menschlichen Lebens.
Friede ist dann, wenn wir recht handeln und
wenn zwischen jedem einzelnen Menschen
und jedem Volk Gerechtigkeit herrscht.

Indianische Weisheit

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende mit vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen – gesetzesfrei.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Mach mal langsam – Literarischer Wochenendgruß vom 04.05.2018

Mach mal langsam – Literarischer Wochenendgruß vom 04.05.2018

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

manchmal habe ich den Eindruck, dass unsere Welt aus dem Takt gekommen ist. Alles muss schnell gehen, sei es im Beruf oder im normalen Alltag. Noch schneller in noch kürzerer Zeit gilt es etwas zu erledigen. Wir werden unruhig, wenn wir in einer Warteschlange stehen müssen. Was haben wir dadurch gewonnen? Mehr Lebenszeit, mehr Lebensglück, mehr Lebenszufriedenheit?

Jeder Mensch hat seinen eigenen persönlichen Lebensrhythmus. Wenn er sein Leben nach seinen Bedürfnissen gestalten kann, kommt jeder an sein persönliches Lebensziel – sei es langsam oder manchmal auch etwas schneller.

Foto: Gerd Taron (Das Foto entstand während des Radrennens „Eschborn-Frankfurt“ am 01. Mai)

Wer langsam geht, der kommt manchmal schneller ans Ziel. Denn er wird nicht gehetzt vor etwas davonlaufen. Er geht auf das zu, was wichtig ist. Also: Lass dir Zeit. Genieße die Langsamkeit
Anselm Grün

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Welt, bedacht auf plattem Nutzen,
sucht auch die Seelen auszuputzen.
Das Sumpfentwässern, Wälderroden,
schafft einwandfreien Ackerboden,
und schon kann die Statistik prahlen
mit beispiellosen Fortschrittszahlen.
Doch langsam merken’s auch die Deppen,
die Seelen schwinden und versteppen,
denn nirgends mehr so weit man sieht,
gibt es ein Seelenschutzgebiet.
Kein Wald, drin Traumes Vöglein sitzen,
kein Bach, drin Frohsinns Fischlein blitzen,
kein Busch, im Schmerz sich zu verkriechen,
kein Blümlein, Andacht rauszuriechen,
nichts als ein ödes Feld mit Leuten,
bestellt, es restlos auszubeuten.
Drum wollt ihr nicht zugrunde gehen:
Lasst noch ein bisschen Wildnis stehen.

– Eugen Roth –

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Stimmen der Natur

Wenn die Vögel singen, rufen sie dabei die Blumen des Feldes oder sprechen sie mit den Bäumen,
oder ist ihr Gesang nur ein Widerhall dessen, was das Bächlein murmelt?
Der Mensch mit all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was die Vögel sagen oder was der Bach vor sich hinmurmelt oder was die Wellen flüstern, wenn sie langsam und sanft den Strand berühren.
Der Mensch in all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was der Regen spricht, wenn er auf die Blätter in den Bäumen fällt oder wenn er aufs Fensterbrett tropft.
Er weiß nicht, was der flüchtige Wind den Blüten zu erzählen hat.
Aber das Herz des Menschen ist imstande, die Bedeutung dieser Stimmen zu fühlen und zu begreifen.
Oftmals bedient sich die ewige Wahrheit einer geheimnisvollen Sprache.
Seele und Natur unterhalten sich miteinander, während der Mensch abseits steht, sprachlos und verwirrt.
Und hat der Mensch nicht Tränen vergossen über diese Stimmen?
Sind seine Tränen nicht ein beredtes Zeugnis seines Verstehens?

Khalil Gibran

Langsames Denken

Auch langsame Denker kommen zu
guten Ergebnissen / Lösungen
Nicht nur in der Schnelle,
in kurzen Distanzen, liegt
Besinnen / Erkennen, sondern
ebenso in längeren Ruhe-
phasen und guter Stille
Jedes Gehirn hat seine
individuellen Besonderheiten, die es von anderen
sehr unterscheiden kann
Schon im konzentrierten
konstruktiven Denken
steckt eine gehörige Portion
geballter Kreativität
Nicht nur der
produzierende Künstler,
Maler/Bildhauer/Schreibende,
nein, auch der “nur” Denkende
ist ein Kreativer, ein
Gestaltender, beschäftigt
in seinem künstlerischen
Werk, das keiner sieht / liest
Nur er selbst weiß davon
Er ist in seiner eigenen
Stille/seinem eigenen Selbst
der produzierende, der
produktiv agierende Teil

© Bruni Kantz

Foto: Gerd Taron

Langsamer Tanz…

Hast Du je Kindern
auf einem Karussell zugeschaut?
Oder zugehört,
wenn der Regen auf den Boden klatscht?
Bist Du jemals dem unberechenbaren Flug
eines Schmetterlings gefolgt?
Oder hast durch die verblassende Nacht
in die Sonne geschaut?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Rennst Du durch jeden Tag wie im Fluge?
Wenn Du jemanden fragst:
Wie geht es Dir?
Hörst du auf die Antwort?
Wenn der Tag vorüber ist,
Liegst Du dann im Bett
Und die nächsten hundert Pflichten
Gehen Dir schon durch den Kopf?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Hast Du je zu Deinem Kind gesagt:
das machen wir morgen?
Und in Deiner Hast
nicht seinen Kummer gesehen?
Jemals den Kontakt verloren
und eine echte Freundschaft einschlafen lassen,
Weil Du nie die Zeit hattest,
anzurufen und Hallo zu sagen?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Wenn Du so schnell rennst,
um irgendwohin zu kommen,
kannst Du den Weg
dorthin nicht geniessen.
Wenn Du voller Sorgen
durch den Tag hetzt,
dann ist das so,
als würdest Du ein ungeöffnetes Geschenk wegwerfen.
Das Leben ist kein Wettrennen.
Lass es langsamer angehen.
Höre die Musik, bevor das Lied vorüber ist.

David L. Weatherford

Foto: Gerd Taron

Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillewerden meiner Seele. Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Weite der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln,
ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief
in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.

Aus Südafrika

Foto: Gerd Taron

Segen eines alten Menschen
Gesegnet seien, die verstehen,
dass meine Füße langsam geworden sind und das meine Hände zittern.
Gesegnet seien, die daran denken,
dass meine Ohren schwer hören und das ich nicht alles gleich verstehe.
Gesegnet seien, die nicht schimpfen,
wenn ich etwas fallen lasse und die mir helfen meine Sachen zu finden.
Gesegnet seien, die mich anlachen
Und mit mir plaudern.
Gesegnet seien, die Rücksicht auf mich nehmen,
auf meine Beschwerden und die meine Schmerzen lindern.
Gesegnet seien, die mich fühlen lassen,
dass ich geliebt werde und die zärtlich mit mir umgehen.
Gesegnet seien, alle die gut zu mir sind,
denn sie lassen mich an den guten Gott denken.
Und ich werde sie bestimmt nicht vergessen,
wenn ich einmal bei ihm bin.
Phil Bosmans

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende mit vielen Stunden der Muße.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Vderanstaltungshinweis in eigener Sache:

Eppsteiner Büchermarkt am Freitag, 04.05. von 14 bis 18 Uhr während des Wochenmarktes

Dort stellen sich regionale Autoren mit ihren Werken vor. Von Reiseliteratur, historischen Romane, Fantasy, Kinder- Jugendbuch, Krimi und antiquarische Reiseliteratur ist alles dabei.

Brina Stein (www.brina-stein.de) hat alles organisiert und freut sich auf die nachstehenden Autoren:

Alexandra Bauer, Birgit Gröger, Karin Seemayer, Ina Wagemann, Wolfgang Ulrich, Stefanie Caroline Pier, Ruth Gorgosch, Connie Albers und Brina Stein mit ihren Werken.

Als antiquarische Zugabe ist der Autor dieser Zeilen ebenfalls zugegen.

Es blüht so schön – Literarischer Wochenendgruß vom 27.04.18

Es blüht so schön – Literarischer Wochenendgruß vom 27.04.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Tagen hatte ich das große Vergnügen bei Spaziergängen mit Freunden oder auch mit mir selbst das herrliche Erwachen der Natur 9n meiner näheren Umgebung zu erleben.
Sei es im Rheingau, am Rettershof oder im Woogtal in Königstein im Taunus: Überall blüht es in den herrlichsten Farben.

Dieser Wochenendgruß widmet sich dem Frühling daher mit Wort und Bild auf seine Weise.

Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Des Lebens Frühling

Des Lebens Frühling ist ein flüchtig Wesen,
will schnell bemerkt und rasch ergriffen sein.
In alle Thäler pflanzt er sein Blüten;
Sein ist die Schuld nicht, wenn der Keim verdirbt,
Die Schuld nicht sein, wenn viele Zweige welken.
Es muß der Mensch mit klugbedachter Sorgfalt,
was aus dem langen Winterschlafe bricht,
zur schönen Sommerpflanze sich erziehen.
Wer nicht die Strahlen lockt in seinen Garten,
darf nicht den Kelch verlangen und die Frucht.

Theodor Körner
(gefunden in einem alten Gedichtbuch um 1900)

Das Woogtal in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Es stand ein junger Blütenbaum

Es stand ein junger Blütenbaum
Umspielt vom lauen Weste,
Der träumte süssen Morgentraum,
Und wiegte seine Äste!

Wir träumten wunderholden Traum
Im morgenklaren Maien,
Belauscht, umrauscht vom Blütenbaum,
Zu zweien dort, zu zweien!

Er stand im Morgensonnenglanz
Und wiegte seine Äste,
Da fiel ein reicher Blütenkranz
Verweht vom lauen Weste!

Da fiel uns reicher Blütenschnee
Auf Brust und Stirn und Locken,
In Sonnennäh‘, in Sonnenhöh‘,
Umtönt von Morgenglocken!

Gegrüsst! gegrüsst! Lenzsonnenglanz,
Im morgenklaren Maien.
Du traumumperlter Blütenkranz,
Gegrüsst! gegrüsst zu zweien!

Amanda Ullmann 1860-1895, deutsche Dichterin

Dreifaltigkeitskirche in Kelkheim-Fischbach – Foto: Gerd Taron

BOTEN

Endlich
Blüten
lang ersehnt

Berauscht mich
an
Düften
Farben
wie
einstmals
Hellenen
beim Fest
Anthesterion

Strömt herzu
alle
die verlangen
nach
Neuem
nach
Aufbruch
nach
ewiger Heimstatt

Endlich
Blüten
lang ersehnt

Thomas Berger

Foto: Gerd Taron

Frühlingslied

Hör‘ mal,
was sie verkünden,
die Schönheiten
in Flur und Feld,
in Gärten und inneren Räumen,
vereint mit der Anmut der
zartesten Blüten
für dich und mich,
für uns alle!
Wehmut
streift dich
wie Windböen,
gelegentlich.
Vergangenheit spült hoch.
Da, ein neues Rauschen:
Der Ruf der Wildnis
frohlockt dir
im Gemüt.
Haare wehen weich und lockig,
der Gesang geht weit
in unbekanntes Land.
Trag mich!
Trag mich hinauf mit
dem Säuseln des Windes!
Wo ist die Weite
des zartbunten Schmetterlings?
Erinnern und Hoffen,
Schmerz und Freude
stehen manchmal
wie Rose und Dornen am Strauch.
Der Duft und die Anmut
der bezaubernden Rose bleibt.
Möcht fliegen mit dir!
Ganz leicht, ganz federleicht
in luftige, sonnige Höhen.
Nichts haben,
nur sein,
nur selig sein.

© Lissy Theissen 2016

Am Rettershof – Foto: Gerd Taron

Gruß an den Frühling

O holder Lenz! Dein sanfter Hauch
Lädt ein zum Frühlingsfeste.
Das Lied der Drossel aus dem Strauch
Lockt tausend zarte Gäste:
Ihr Primeln, tanzt und streut auf’s Feld.
Die schönsten gelben Sterne,
Ihr Weißdornblüten, schmückt die Welt
Bis in die fernste Ferne!
Ihr Veilchen, schlagt die Augen auf,
Stechginsters Gold soll glänzen,
Ihr Anemonen, kommt zuhauf:
Ihr dürft den Lenz bekränzen!

E. M. Holden

Aus „Vom Glück mit der Natur zu leben – Das Tagebuch der Edith Holden“

Rüdesheim – Foto: Gerd Taron

Der Apfelbaum ist aufgeblüht.
Nun summen alle Bienen.
Die Meise singt ein Meisenlied.
Der Frühling ist erschienen.
Die Sonne wärmt den Apfelbaum.
Der Mond scheint auf ihn nieder.
Die kleine Meise singt im Traum
Die Apfelblütenlieder.
Die Bienen schwärmen Tag für Tag
Und naschen von den Blüten.
Mag sie der Mai vor Hagelschlag
Und hartem Frost behüten.
Der Apfelbaum ist aufgeblüht.
Der Winter ist vorbei.
Mit Blütenduft und Meisenlied
Erscheint der junge Mai

James Krüss

Im Woogtal in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

… Visionen …
ich stell mir vor,
ein Bach im Frühling
in seinem Plätschern wohnt ein Geist
ich spüre sanft die Kraft des Flusses
die mir den Weg des Lebens weist
ich stell mir vor,
ein Feld im Sommer
erblüht in Farben voller Pracht
die Blüten, strahlende Gesichter
und jede winkt mir zu und lacht
ich stell mir vor,
am Meer zu liegen
umgeben nur vom Wellenklang
auf jeder Welle reichen Wesen
die Hände sich zum Lobgesang
ich stell mir vor,
im All zu schweben
durch unendliche Galaxien
und tief im Kerne ihres Wesens
kann ich zu meinem Selbst erblühen
ich stell mir vor,
wir Menschenkinder
der ganzen Welt, im Tanz vereint
und unsere Sprache ist das Lachen
und überall die Sonne scheint
ich stell mir vor,
meine Visionen
sind hier und jetzt, nicht Illusion
nicht Zeit und Raum bestimmt die Wahrheit
alles ist jetzt, auch die Vision

Cäcilia Wentker

Foto: Gerd Taron

Mögen aus jedem Samen, den du säst,
wunderschöne Blumen werden,
auf dass sich die Farben der Blüten
in deinen Augen spiegeln,
und sie dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern!

© Text: Irischer Segenswunsch

Ich wünsche Ihnen ein zauberhaftes Frühlingswochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Besondere Begegnungen – Literarischer Wochenendgruß vom 20.04.18

Besondere Begegnungen – Literarischer Wochenendgruß vom 20.04.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Monaten hatte ich trotz manch widriger Umstände, das große Glück besonderen Menschen oder besonderen Momenten zu begegnen. Jetzt in dieser Zeit, wo der Frühling sich von seiner schönsten Zeit zeigt, wurde mir das wieder neu bewusst.

Dankbar bin ich für die Menschen, mit denen ich diese besonderen Augenblicke genießen kann, so wie am vergangenen Sonntag bei einem unvergesslichen Ausflug im Rheingau.

Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Sie über ähnliche Erlebnisse freuen konnten.

Foto: Gerd Taron

Begegnung geht immer über zwei Menschen hinaus,
die sich treffen.
Sie eröffnet einen größeren Horizont.
Sie lässt mich die ganze Welt mit neuen Augen sehen.
Die Welt wird heller, wenn zwei Menschen wirklich
einander begegnen.

(Anselm Grün)

Foto: Gerd Taron

Bahnhof der Begegnungen

Die Erinnerung an zahlreiche Menschen hab ich auf dem Bahnhof der Begegnungen wegen ihrer Bedeutungslosigkeit in das Schließfach des Vergessens eingeschlossen!
Menschen jedoch, die mir sehr viel bedeuten trage ich ständig
in meinem geistigen Handgepäck mit mir herum.

[© Rydiger Fromm]

Foto: Gerd Taron

Die schönsten Begegnungen,
die berührendsten Augenblicke,
die vielsagendsten Momente
sind Fundstücke des Alltags,
unverhofft,
mitten
ins
Herz!

Anja Schindler

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Foto: Gerd Taron

Begegnung in der Kastanien-Allee
Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheit
kühl wie ein Seidenmantel umgegeben,
den er noch nahm und ordnete: als eben
am andern transparenten Ende, weit,
aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben,
weiß eine einzelne Gestalt
aufleuchtete, um lange fern zu bleiben
und schließlich, von dem Lichterniedertreiben
bei jedem Schritte überwallt,
ein helles Wechseln auf sich herzutragen,
das scheu im Blond nach hinten lief.
Aber auf einmal war der Schatten tief,
und nahe Augen lagen aufgeschlagen
in einem neuen deutlichen Gesicht,
das wie in einem Bildnis verweilte
in dem Moment, da man sich wieder teilte:
erst war es immer, und dann war es nicht.

Rainer Maria Rilke

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die wichtigen Begegnungen
sind von den Seelen ausgemacht,
bevor sich die Menschen begegnen.

[Paulo Coelho]

Foto: Gerd Taron

Du suchst nach einer tiefen Begegnung,
in der auch dein innerstes Wesen eingeladen ist,
sich zu zeigen.

Wo du selbst erkennst, wie du bist
in dem Spiegel des anderen,
und dein Gegenüber sich selbst ebenso begegnet,
in dem Wunder des offenen Auges,
wach in Schmerz und Glück.

Es gibt andere wie dich, die auch suchen
und dich entdecken wie du sie.

Ulrich Schaffer

Foto: K.-H. Fischer

Spuren

Mit jedem Schritt, den du tust,
und in jeder Begegnung,
die dir geschenkt wird,
hinterlässt du Spuren.
Ich wünsche Dir,
dass du Spuren der Freude
hinterlässt und des Glücks,
Spuren der Hoffnung
und der Liebe,
Spuren der Gerechtigkeit
und des Friedens,
und da wo du anderen
weh getan hast,
Vergebung erfährst.

Christa Spilling-Nöker

Foto: Gerd Taron

Ich wünsche dir die Sonne in menschlichen Begegnungen;
durch die Glut der Achtung und Liebe wird das Leben erhellt.
Ich wünsche dir die Sonne in deinem einmaligen Gesicht;
durch ihren goldenen Glanz fallen die Schatten hinter dich.
Ich wünsche dir die Sonne, wo immer du bist und lebst;
ihre Strahlen scheinen dort, wo du sie einlässt.
Ich wünsche dir die Sonne, die unsere Welt in Farben taucht;
sie öffnet die Augen für die Schönheit des Lichts.
Ich wünsche dir die Sonne, die hinter dunklen Wolken scheint;
sie existiert, auch wenn wir sie nicht spüren.
Ich wünsche dir die Sonne, die dein Herz durchströmt;
ihr Glanz erhellt die Welt und ist dem Himmel nah.

Autor unbekannt

Ein sonniges Frühlingswochenende mit vielen besonderen Begegnungen wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: An diesem Wochenende können Sie sich zum Beispiel hier bei besonderen Autorenlesungen begegnen:

Freitag, 20.04.2018 – 19 Uhr
Die Kreuzfahrtautorin BRINA STEIN liest aus „JAHRESAUSKLANG IN TRAVEMÜNDE – WELLENGEFLÜSTER AN DER OSTSEE“.
In der Buchhandlung Viola’s Bücherwurm , Bahnstraße 13, 65779 Kelkheim

Der Kostenbeitrag von 5 Euro wird der „Stiftung Bärenherz“ in Wiesbaden zur Verfügung gestellt..
Um die Planung zu erleichtern, bittet die Buchhandlung um Platzreservierung. Kurzentschlossene Gäste sind jederzeit willkommen.
Tel.: 06195 – 900818, e-mail: violas-buecherwurm@t-online.de

Sonntag, 22.04.2018 – Beginn: 15 Uhr – Ende: ca. 16:30 Uhr

Lesung „Sara und die Regentage“ – mit der Autorin Franziska Franz

Treffpunkt: Am Großen Parkplatz am Rettershof

Die Autorin Franziska Franz stellt an verschiedenen Plätzen rund um den Rettershof ihren neuen Roman vor. In ihrem Buch treffen sich eine Konzertmeisterin und ein Kunstgalerist in Wien auf ungewöhnliche Weise. Was dieses Treffen für mögliche Folgen hat, kann man bei einem Spaziergang in der freien Natur erfahren.

Zum Abschluss besteht die Möglichkeit, im Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ am Rettershof mit der Autorin zu verweilen.

Weniger ist mehr – Literarischer Wochenendgruß vom 13.04.18

Weniger ist mehr – Literarischer Wochenendgruß vom 13.04.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

haben Sie schon Ihren Frühjahrsputz erledigt? Und haben Sie sich dabei gewundert, was alles so zum Vorschein kam? Dabei meine ich nicht nur die etwas (?) verschmutzten Ecken, sondern auch Gegenstände und Dinge, die nach langer Zeit wieder das Tageslicht erblicken.

Ein Aufräumen zu gewissen Zeiten ist wichtig, um neue Klarheit für das eigene Leben zu gewinnen. Das gilt nicht nur für materielle Dinge.

Jetzt, wo die Natur zu neuer Schönheit erwacht, kann uns dies neu motivieren, alten Ballast abzuwerfen und mit neuem Schwung in den Frühling zu starten.

Foto: Gisela Michaelis

Vergiss nicht – man benötigt nur wenig, um ein glückliches Leben zu führen.

Marc Aurel

Foto: Sabine Barde

Menschen gibt´s, die von dem Vielen, das sie haben, wenig geben – und es nur um der Anerkennung willen tun-, und ihr geheimer Wunsch macht ihre Gabe unbekömmlich.
Und Menschen gibt´s, die wenig haben und es restlos hingeben.
Sie sind diejenigen, die an das Leben und des Lebens Fülle glauben, und ihre Truhe wird niemals leer.
Menschen gibt´s, die voller Freude geben, und diese Freude ist ihr Lohn…
Sie geben so, wie die Myrte im Tal dort drüben atmend ihren Duft verbreitet.
Durch solcher Menschen Hand spricht Gott, und aus ihren Augen lächelt Er nieder auf die Welt.

Khalil Gibran

Foto: Lissy Theissen

Checkliste fürs Glück:
.
❍ wandern in der freien Natur
❍ essen, wenn man Hunger hat
❍ radfahren und im Garten arbeiten
❍ sprechen mit Pflanzen
❍ pfeifen mit Vögeln
.
Du bekommst Augen für die Wunder
um dich herum.
Du wirst weniger verbrauchen,
aber mehr und bewusster genießen.
Ein Butterbrot schmeckt wunderbar.
Ein Glas frisches Wasser kann ein Fest sein.
Mit wenig zufrieden sein
und viel genießen
sind die Kunst und das Glück
von freien Menschen.

Phil Bosmans,

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Menschen führen Menschen zum Licht, zu einem neuen Lebensstil: Menschen, die sich befreien lassen von Habsucht und Hass. Menschen, die nicht länger an Gewehrläufe glauben. Menschen, die mit wenig zufrieden sind und Zeit für Dinge haben, die kein Geld bringen. Menschen, die keinen Palast brauchen, um prächtig zu leben, und kein dickes Portemonnaie, um gemeinsam Feste zu feiern. Menschen, die Blumen sehen, die Vögel zwitschern hören, die wie ein Kind spielen und in einem Sessel einschlafen können. Liebe Menschen mit viel Licht in Häusern, in Dörfern und Städten.

© Phil Bosmans (1922 – 2012),
belgischer Ordenspriester,
Telefonseelsorger und Schriftsteller,
›der moderne Franziskus‹

Foto: Brina Stein

Seesterne

Immer, wenn wir denken, wir können nur wenig bewirken, sollten wir an diese Geschichte denken.

Ein Mann schlenderte an einem einsamen Strand in Asien dem Sonnenuntergang entgegen. In der Ferne bemerkte er einen Einheimischen, der sich immer wieder bückte, etwas aufhob und weit ins Meer hinaus warf. Als er näher kam, erkannte er, dass der Mann angeschwemmte Seesterne auflas und ins Wasser warf. Erstaunt fragte er ihn, was er da mache.

„Ich werfe Seesterne zurück ins Meer. Wie du siehst, ist gerade Ebbe, und die Seesterne bleiben am Strand liegen. Wenn ich sie nicht zurückwerfe, sterben sie.“

„Hm, ich verstehe. Aber es müssen doch Tausende hier am Strand herumliegen. Du kannst sie doch unmöglich alle aufsammeln. Und außerdem werden an der ganzen Küste Seesterne angeschwemmt. Weitaus mehr, als du retten kannst. Da macht es doch keinen Unterschied, ob du dich bemühst oder nicht.“

Der Einheimische bückte sich lächelnd, hob einen weiteren Seestern auf und warf ihn zurück ins Meer: „Für diesen hier macht es wohl einen Unterschied!“

Verfasser unbekannt

Foto: Gerd Taron

Rezept
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.
Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.
Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.
Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.
Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.
Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im großen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko

Ein sonniges frühlingshaftes Wochenende mit dem Blick für die kleinen Dinge in unserer Welt wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Zwei Veranstaltungstipps für die kommende Woche:

Freitag, 20.04.2018 – 19 Uhr
Die Kreuzfahrtautorin BRINA STEIN liest aus „JAHRESAUSKLANG IN TRAVEMÜNDE – WELLENGEFLÜSTER AN DER OSTSEE“.
In der Buchhandlung Viola’s Bücherwurm , Bahnstraße 13, 65779 Kelkheim

Der Kostenbeitrag von 5 Euro wird der „Stiftung Bärenherz“ in Wiesbaden zur Verfügung gestellt..
Um die Planung zu erleichtern, bittet die Buchhandlung um Platzreservierung. Kurzentschlossene Gäste sind jederzeit willkommen.
Tel.: 06195 – 900818, e-mail: violas-buecherwurm@t-online.de

Sonntag, 22.04.2018 – Beginn: 15 Uhr – Ende: ca. 16:30 Uhr

Lesung „Sara und die Regentage“ – mit der Autorin Franziska Franz

Treffpunkt: Am Großen Parkplatz am Rettershof

Die Autorin Franziska Franz stellt an verschiedenen Plätzen rund um den Rettershof ihren neuen Roman vor. In ihrem Buch treffen sich eine Konzertmeisterin und ein Kunstgalerist in Wien auf ungewöhnliche Weise. Was dieses Treffen für mögliche Folgen hat, kann man bei einem Spaziergang in der freien Natur erfahren.

Zum Abschluss besteht die Möglichkeit, im Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ am Rettershof mit der Autorin zu verweilen.

Von echten und falschen Freunden – Literarischer Wochenendgruß vom 06.04.18

Von echten und falschen Freunden – Literarischer Wochenendgruß vom 06.04.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes

In stürmischen Zeiten des Lebens ist es bedeutsam, Freunde zu haben, auf die Verlass ist und denen man vertrauen kann.

Meine Erfahrungen der vergangenen Zeit zeigen aber auch, wie wichtig es ist, echte von falschen Freunden zu unterscheiden. Denn zu oft zeigen sich angebliche Freunde in schwierigen Situationen ihr wahres Gesicht. Sie suchen im anderen nur die Erfüllung ihres eigenen Ego. Manchmal kann es lange dauern, bis man sie durchschaut.

„Echte Fründe ston zusamme (echte Freunde stehen zusammen)“. – Dieses Zitat aus einem Lied aus meiner rheinischen Heimat ist mir wieder neu bewusst geworden.

Ich bin dankbar, dass ich mich von Freundeskreis getragen weiß, dem ich vertrauen kann. Das ist nicht selbstverständlich.

Daher widme ich diesen Wochenendgruß all meinen lieben Freunde in nah und fern, die mir immer wieder die Kraft geben, nicht zu verzagen.

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Blumen können nicht blühen ohne die Wärme der Sonne. Menschen können nicht Mensch werden ohne die Wärme der Freundschaft.

Phil Bosmans

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Je tiefer Dein Bündnis der Freundschaft mit Dir Selbst, desto höher die Energie zum Wandel auf Deine unmittelbare Umgebung.“

Christina Boos

Foto: Angelika Quast-Fischer

Wahre Freunde berühren nicht nur deine Augen, sondern vor
allem deine Seele, damit sie Flügel bekommt und ein Stück
weiterfliegen kann.

Monika Minder

Foto: K.-H. Fischer

Das schönste Geschenk an den Menschen ist die Fähigkeit zur Freundschaft,
nutze sie…..

Dazu eine Geschichte die im alten Persien spielt. Es war an der Zeit, das Neujahrsfest vorzubereiten. Der König wies seine Leute an: „Ich möchte, dass es ein wirklich königliches Fest wird. Die Gästeliste soll überquellen von illustren Persönlichkeiten. Die Tische sollen sich biegen unter Delikatessen, und der Wein soll nur aus erlesenen Trauben und besten Jahrgängen bestehen.“

Die Mitarbeiter schwärmten aus und brachten aus allen Landesteilen nur das Köstlichste. Aber der König war nicht zufriedenzustellen. „Im letzten Jahr habe ich ein durch nichts zu überbietendes Fest gegeben. Aber die ganze Stadt sprach nur von dem Fest bei Ramun, dem Maler. Da wurde getrunken und gelacht die ganze Nacht bis zum Nachmittag des nächsten Tages. Im Jahr davor war es dasselbe. Ebenso im Jahr davor und davor. Einmal muss es mir doch gelingen, diesen Wurm zu übertrumpfen, denn ich, ich bin der König.“

Einer der Mitarbeiter, ein kluger Mann, verneigte sich tief und fragte: „Mein König, habt Ihr je mit dem Maler gesprochen? Es muss doch einen Grund geben, warum die Leute sein Fest so lieben, obwohl sie in schäbiger Hütte ihre mitgebrachten Happen essen und den billigsten Wein trinken müssen.“ Der König nickte stumm und sagte: „Gut, schafft mir diesen Ramun heran.“

Und so geschah es. „Warum lieben die Menschen so dein Neujahrsfest?“ fragte der König.

Worauf der Maler antwortete: „Wir sind Freunde und brauchen einander – aber mehr brauchen wir nicht. Deshalb sind wir reich.“

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Eine Freundschaft zu schließen, ist eine Gunst.
Eine Freundschaft zu haben, ist eine Gabe.
Eine Freundschaft zu halten, ist eine Tugend.
Ein Freund zu sein, ist eine Ehre.
(aus Spanien)

Foto: Elisa Maria Brock

Gehe mit offenen Augen durchs Leben,
höre auf deine innere Stimme und auch du wirst ihn entdecken.
Er zieht dich magisch an und niemand kann dich abhalten, dort zu verweilen.

Hüte ihn gut, wenn du ihn einmal gefunden hast,
den Baum der Freundschaft.
Er ist ein wertvolles Geschenk,
das ohne Pflege verkümmert.

(unbekannt)

Ich wünsche Ihnen, dass Sie viele liebe echte Freunde haben und dass Ihnen ein freundschaftliches Wochenende bevorsteht.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Von der Schuld – Literarischer Ostergruß 2018

Von der Schuld – Literarischer Ostergruß 2018

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

die Osterausgabe befasst sich diesmal mit dem Thema Schuld. Das Wort hallt mir in diesen Tagen besonders oft, nicht nur an diesem Karfreitag, um die Ohren.

Wie oft werden wir zu „Schuldigern“ oder aber viel mehr noch lassen wir uns aus falsch verstandenem Schuldbewusstsein demütigen.

Täter kehren nicht nur in Gerichtsprozessen ihre angebliche „Unschuld“ um, und die Opfer sind selbst schuld an dem Geschehenen. Das eigentliche Opfer muss seine Unschuld beweisen und nicht der Täter. Dies beobachte ich bedauerlicherweise auch in meinem persönlichen Umfeld, besonders in den vergangenen Wochen.

Die Täter wollen und/oder können ihr Fehlverhalten nicht erkennen. Das Wichtigste ist für sie, dass es ihrem eigenen Ego nützt.

Glücklicherweise lebe ich in einem Umfeld mit sehr lieben Freunden, die diese Aussagen sicher befürworten können. Das macht mir Mut nicht zu verzagen und meinen Weg mit dem Thema „Schuld“ auf meine Weise umzugehen.

Foto: Gerd Taron

Die Schönheit des Lebens besteht darin, dass wir, weil wir das Geschehene nicht ungeschehen machen können, es sehen, verstehen, daraus lernen und es ändern können, so dass wir jeden Augenblick anstatt mit Bedauern, Schuldgefühlen, Angst und Ärger ihn lieber mit Weisheit, Verständnis und Liebe füllen.

Jennifer Edwards

Foto: Gerd Taron

Nachrichten, die für mich bestimmt sind,
weitergetrommelt von Regen zu Regen,
von Schiefer- zu Ziegeldach,
eingeschleppt wie eine Krankheit,
Schmuggelgut, dem überbracht,
der es nicht haben will –
Jenseits der Wand schallt das Fensterblech,
rasselnde Buchstaben, die sich zusammenfügen,
und der Regen redet
in der Sprache, von welcher ich glaubte,
niemand kenne sie außer mir –
Bestürzt vernehme ich
die Botschaften der Verzweiflung,
die Botschaften der Armut
und die Botschaften des Vorwurfs.
Es kränkt mich, daß sie an mich gerichtet sind,
denn ich fühle mich ohne Schuld.
Ich spreche es laut aus,
daß ich den Regen nicht fürchte und seine Anklagen
und den nicht, der sie mir zuschickte,
daß ich zu guter Stunde
hinausgehen und ihm antworten will.

Günter Eich

Foto: Gerd Taron

Die Zurückhaltung deiner Demut
Wenn sie dich wegen einer Aussage
missbilligend von der Seite betrachten,
wenn sie es dir mit Worten
oder mit Schweigen nachtragen,
dass deine Antwort ihnen unangenehm ist
oder dass deine Antwort heute anders ist als gestern,
wenn sie dir vorwerfen, dass du nicht mitmachst,
wenn sie vorgeben, dich nicht zu verstehen,
weil sie sich sonst selbst verändern müssten,
wenn sie unmöglich finden,
dass dir das Innere wichtiger ist als das Äußere,
wenn sie dich fragen,
ohne deine Anwort hören zu wollen,
wenn sie dich übersehen, um dich zu strafen,
wenn sie versuchen, dich mit ihren Vorschlägen
auszuhöhlen, um dich auf ihre Seite zu kriegen,
wenn sie erwarten, dass du dir selbst untreu wirst,
nur um ihnen treu zu sein, was das auch heißen mag,
wenn sie nicht erfassen wollen oder können,
was deine innere Wahrheit ist,
wenn sie dich so in Frage stellen,
dass sie deine Würde antasten,
wenn sie laut sind, wo du leise bist,
wenn sie dir deinen ureigensten Raum nehmen
und mit ihrem Wesen besetzen, was dir gehört,
wenn sie über dich verfügen,
als hättest du keine Meinung,
wenn sie deine Leidenschaft abschwächen wollen,
um dich lau und mittelmäßig zu machen,
dann halte aus, dich nicht zu verteidigen.
Schäme dich nicht.
Sei dir treu, in der Tiefe deines Wesens.
Vielleicht schaffst du es sogar,
nicht zum Gegenangriff überzugehen.
Erinnere dich,
dass du dein Leben leben musst, nicht sie.
Was für sie gilt, gilt meistens nicht für dich.
Deine innere und auch deine äußere Welt
sind absolut einmalig und du hast
den besten Überblick über sie.
Die Zurückhaltung deiner Demut ist groß,
sonst hättest du längst getan,
was sich hundertmal jeden Tag anbietet:
eine andere zu sein als die,
die du bist.
Und wo du es getan hast,
da kreide es dir nicht an und kehre zu dir zurück.
Es gibt keinen Moment,
wo nicht etwas in dir auf dich wartet.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Ich brauche keine Schuldgefühle zu haben, bloß weil das, was ich tue, sage oder denke, einem anderen nicht gefällt.

Ich darf wütend sein und meine Wut ausdrücken, solange ich dabei nicht mein Augenmaß verliere.

Ich muss nicht die alleinige Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, an denen auch andere beteiligt waren.

Ich habe das Recht, “ Ich verstehe das nicht“ oder “ Ich weiß es nicht “ zu sagen, ohne mir blöd vorzukommen.

Ich habe das Recht, Nein zu sagen, ohne dabei Schuldgefühle haben zu müssen
.
Ich muss mich nicht entschuldigen oder rechtfertigen, wenn ich Nein sage.

Ich habe das Recht, andere um etwas zu bitten.

Ich habe das Recht, Bitten abzuschlagen und zusätzliche Verpflichtungen abzulehnen.

Ich habe das Recht, anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ungerecht behandeln oder bevormunden.

Ich habe das Recht, es anderen mitzuteilen, wenn ihr Verhalten mich irritiert.

Ich habe das Recht, Fehler zu machen und für sie die Verantwortung zu tragen. Ich habe das Recht mich zu täuschen.

Ich brauche nicht von allen gemocht, brauche keine Schuldgefühle zu haben, bloß weil das, was ich tue, sage oder denke, einem anderen nicht gefällt.

Ich darf wütend sein und meine Wut ausdrücken, solange ich dabei nicht mein Augenmaß verliere.

Ich muss nicht die alleinige Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, an denen auch andere beteiligt waren
.
Ich habe das Recht, “ Ich verstehe das nicht“ oder “ Ich weiß es nicht “ zu sagen, ohne mir blöd vorzukommen.

Ich habe das Recht, Nein zu sagen, ohne dabei Schuldgefühle haben zu müssen.

Ich muss mich nicht entschuldigen oder rechtfertigen, wenn ich Nein sage.

Ich habe das Recht, andere um etwas zu bitten.

Ich habe das Recht, Bitten abzuschlagen und zusätzliche Verpflichtungen abzulehnen.

Ich habe das Recht, anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ungerecht behandeln oder bevormunden.

Ich habe das Recht, es anderen mitzuteilen, wenn ihr Verhalten mich irritiert.

Ich habe das Recht, Fehler zu machen und für sie die Verantwortung zu tragen. Ich habe das Recht mich zu täuschen.

Ich brauche nicht von allen gemocht, bewch brauche keine Schuldgefühle zu haben, bloß weil das, was ich tue, sage oder denke, einem anderen nicht gefällt.

Ich darf wütend sein und meine Wut ausdrücken, solange ich dabei nicht mein Augenmaß verliere.

Ich muss nicht die alleinige Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, an denen auch andere beteiligt waren.

Ich habe das Recht, “ Ich verstehe das nicht“ oder “ Ich weiß es nicht “ zu sagen, ohne mir blöd vorzukommen.

Ich habe das Recht, Nein zu sagen, ohne dabei Schuldgefühle haben zu müssen.

Ich muss mich nicht entschuldigen oder rechtfertigen, wenn ich Nein sage.

Ich habe das Recht, andere um etwas zu bitten.

Ich habe das Recht, Bitten abzuschlagen und zusätzliche Verpflichtungen abzulehnen.

Ich habe das Recht, anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ungerecht behandeln oder bevormunden.

Ich habe das Recht, es anderen mitzuteilen, wenn ihr Verhalten mich irritiert.

Ich habe das Recht, Fehler zu machen und für sie die Verantwortung zu tragen. Ich habe das Recht mich zu täuschen.

Ich brauche nicht von allen gemocht, bewundert oder geachtet zu werden für alles, was ich tue.

(Virginia Satir)

Foto: Gerd Taron

Ich wünsche dir Füße,
die dich auf den Weg bringen,
zu dem, was wichtig ist
und die nicht stehen bleiben
vor den Schritten,
die entscheidend sind.
.
Ich wünsche dir ein Rückgrat,
mit dem du aufrecht
und aufrichtig leben kannst
und das sich nicht beugt
vor Unterdrückung,
Willkür und Macht.
.
Ich wünsche dir ein Herz,
in dem viele Menschen zu Hause sind
und das nicht müde wird,
Liebe zu üben und
Schuld zu verzeihen.
.
Auszug aus einem jüdischen Segensspruch,

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese sehr nachdenklichen Texte Ihre Osterfreude nicht trüben. Ein gesegnetes Osterfest mit vielen liebevollen Begegnungen wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Die Fotos entstanden bei einem Ausflug zum Kloster Eberbach und in Eltville

Genau gerechnet – Literarischer Wochenendgruß vom 23.03.18

Genau gerechnet – Literarischer Wochenendgruß vom 23.03.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

es ist irgendwie eine verrückte Welt in der wir derzeit leben. Wir werden und lassen uns bestimmen durch Statistiken, Studien und die angeblichen Werte, die sich daraus für ein sinnvolles Leben ergeben, Unser neuer Gesundheitsminister weiß zum Beispiel genau bis auf den Cent , was ausreichend für ein ausreichendes Auskommen ist. Die Gesundheitslobby bestimmt bis auf den Gramm genau, wann jeder einzelne gesund oder ungesund lebt. Im Sinne des Profits werden dann die entsprechenden Medikamente über diverse Marketing-Maßnahmen beworben.

Wir haben uns aus „Zahlengläubigkeit“ diesem System der Zahlen unterworfen. Zahlen bestimmen unser Leben überall, ob im Beruf oder in unserer Freizeit

Für mich ergibt sich aus den einleitenden Worten: Glaube keiner Studie oder Statistik, die man selbst als angeblich wahr übernimmt.

Womit rechnen Sie? Was zählt für Sie? Von wem lassen Sie sich die Normen Ihres Lebens bestimmen?

Foto. Gerd Taron

Das Wissen um Phänomene, die sich einer statistischen Erfassung entziehen, macht gelassen gegenüber falschen Sorgen über die Allmacht der Zahlen oder gar der Zahlensammler.

Edzard Reuter

Foto: Gerd Taron

Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!«
Aus: Der kleine Prinz von Antoine de St. Exupéry

Foto: Gerd Taron

Eine alte Dame setzt sich in ein Café. Die Kellnerin bringt ihr die Menü-Karte und fragt nach, was sie denn bestellen möchte.
Die alte Dame fragt: „Wie teuer ist bei ihnen ein Stück von der Torte?“
Die Kellnerin antwortet: „5 Euro.“
Die gebrechliche alte Dame holt einige Münzen aus ihrer Tasche und beginnt langsam zu zählen.
Dann fragt sie wieder: „Und wie teuer ist bei ihnen ein einfaches Stück Kuchen?“
Die Kellnerin war etwas gestresst, da sie ja noch viele Tische bedienen musste und antwortete sehr ungeduldig: „4 Euro.“
„Das ist gut, dann nehme ich gerne den einfachen Kuchen“, antwortete die alte Dame.

Die Kellnerin brachte ihr genervt den Kuchen und legte gleich die Rechnung hin. „Immer diese geizigen Leute“, murmelte sie leise vor sich hin.
Die alte Dame aß ganz langsam und genussvoll den Kuchen, stand langsam auf, legte das Geld auf den Tisch und ging.

Als die Kellnerin nun den Tisch aufräumen wollte, stellte sie fest, dass die alte zerbrechliche Dame ihr einen Euro Trinkgeld hingelegt hat.

Sie bekam vor Rührung Tränen in die Augen. Aber es war zu spät, um sich bei der alten Dame zu entschuldigen. Sie begriff schmerzhaft und sich schrecklich fühlend, dass die alte Dame sich mit einem einfachen Stück Kuchen begnügte, um der Kellnerin Trinkgeld zu schenken!

Autor unbekannt

Foto: Gerd Taron

Du denkst im Quadrat,
und ich fühle rund.
Du fühlst in Zahlen,
und ich denke bunt.
Dein Leben
besteht nur aus schwarz oder weiß,
aus ja oder nein,
aus ganz kalt oder heiß.
Mein Leben
dreht sich in Achterbahnen.
Besteht aus Vielleicht,
aus Probieren und Wagen.
Dein Weg, er führt dich stets gradeaus,
Dein Blick ist immer nach vorne gerichtet.
Die Emotionen schaltest du gerne aus.
Meine Hoffnungen, Träume hast du lang vernichtet.
Mein Weg führt mich durch Kurven und Täler.
Neugier lässt mich oft in Gräben stranden.
Meinen Lebenshunger kann das nicht schmälern
Ich bin geübt im unfreiwillig Landen.
Leb du ruhig weiter nach deinen Plänen,
nach Terminkalender und Blick auf die Uhr.
Ich will mich bald in neuen Armen wähnen,
geliebt und mit Aufmerksamkeit pur.

Anne M. Pützer –

Der literarische Wochenendgruß dieser Ausgabe beinhaltet 693 Worte und 4 Fotos. Ich wünsche allen Lesern ein Wochenende ohne von Zahlen bestimmt zu sein.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Die Digitalisierung wird uns nicht retten – Literarischer Wochenendgruß vom 16.03.18

Die Digitalisierung wird uns nicht retten – Literarischer Wochenendgruß vom 16.03.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

das Zauberwort unserer heutigen Zeit heißt Digitalisierung. Die neue Technik scheint ein Allheilmittel für alle unsere Probleme zu sein. Die neue Bundesregierung besetzt hochrangig angesiedelte Stellen mit Staatsministern und mehr.

Doch verschafft uns die Digitalisierung im realen Alltag mehr Sicherheit, mehr Komfort? Wer beispielsweise als Pendler im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, erlebt es öfters, dass es wegen einer „Stellwerksstörung“ zu massiven Beeinträchtigungen kommt.

Oder die Folgen eines nur kurzen Stromausfalls oder Störungen im Kabelnetz bewirkt manchmal, dass Geldautomaten, Fernsehen, Telefonie, Internet, für einen längeren Zeitraum nicht mehr nutzbar sind. Die empfindlichen Geräte mit ihren Programmen (Software) sind mit handwerklichen Mitteln nicht zu reparieren.

Manch ein Autofahrer wird dies schon erlebt haben, dass die digitale Technik versagt und komplette Bauteile für viel Geld ausgetauscht werden müssen.

Wo bleibt bei dieser doch angeblich so fortschrittlichen Technik der Mensch? Wird er tatsächlich in seinem Alltag entlastet? Stattdessen entsteht für mich der Eindruck, dass die Belastung, der Stress immer größer und unmenschlicher wird. Es verwundert daher nicht, dass die psychosomatischen Erkrankungen immer mehr zunehmen.

Eine realistischere Betrachtung dieser so angeblich heilsbringenden Digitalisierung halte ich für dringend notwendig.

Foto: Michael Heinz

Die Welt, bedacht auf plattem Nutzen,
sucht auch die Seelen auszuputzen.
Das Sumpfentwässern, Wälderroden,
schafft einwandfreien Ackerboden,
und schon kann die Statistik prahlen
mit beispiellosen Fortschrittszahlen.
Doch langsam merken’s auch die Deppen,
die Seelen schwinden und versteppen,
denn nirgends mehr so weit man sieht,
gibt es ein Seelenschutzgebiet.
Kein Wald, drin Traumes Vöglein sitzen,
kein Bach, drin Frohsinns Fischlein blitzen,
kein Busch, im Schmerz sich zu verkriechen,
kein Blümlein, Andacht rauszuriechen,
nichts als ein ödes Feld mit Leuten,
bestellt, es restlos auszubeuten.
Drum wollt ihr nicht zugrunde gehen:
Lasst noch ein bisschen Wildnis stehen.
Eugen Roth

Foto: Olaf Jahnke

Heute haben wir größere Häuser, jedoch kleinere Familien…
Mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit…
Wir haben einen höheren Bildungsgrad mit mehr Wissen, aber weniger gesunden Menschenverstand und Urteilsvermögen…
Wir haben mehr Experten, aber mehr Probleme…
Mehr Medizin, aber weniger gute Gesundheit…
Wir geben uns zu unbekümmert
Lachen zu wenig
Werden zu schnell ärgerlich
Stehen zu spät auf
Lesen zu wenig
Sehen zu viel TV und sind weniger rücksichtsvoll…
Wir haben unsere Besitztümer multipliziert, aber unsere Werte reduziert…
Wir reden zuviel, lieben zu wenig und lügen zu oft…
Wir haben gelernt, wie man einen Lebensunterhalt verdient, aber nicht das Leben…
Wir haben Jahre zu leben, aber nicht dem Leben Jahren hinzuzufügen…
Wir haben höhere Gebäude, aber niedrigere Temperamente…
Breitere Straßen, aber schmalere Standpunkte…
Wir geben mehr aus, aber haben weniger…
Wir kaufen mehr, genießen es noch weniger…
Wir sind die ganze Strecke zum Mond und zurück gewesen, aber wir haben Mühe, die Straße zu überqueren, um unsere Nachbarn zu treffen…
Wir haben das Atom, aber nicht unser Vorurteil gespalten…
Wir schreiben mehr, lernen weniger, planen mehr, aber vollenden weniger…
Wir haben gelernt zu eilen, aber nicht zu warten…
Wir haben höhere Einkommen, aber niedrigere Moral…
Wir bauen mehr Computer, um mehr Information zu halten, mehr Kopien zu erzeugen, aber um weniger persönliche Kommunikation zu haben…
Wir haben mehr Quantität statt Qualität…
Dies sind die Zeiten des Fast Foods und großen Männer mit wenig Charakter…
Mehr Freizeit, aber weniger Spaß – mehr Arten der Nahrung – aber weniger Ernährung…
Zwei Einkommen – aber mehr Scheidungen…
Schönere Häuser – aber gebrochene Heime…
Deshalb schlagen wir vor:
Bewahre nichts für einen speziellen Anlass,
denn jeder Tag, den Du lebst ist ein spezieller Anlass.
Suche nach Wissen, lies mehr,
sitze auf Deiner Veranda
und bewundere was Du siehst,
ohne Deinen Bedürfnissen
Aufmerksamkeit zu schenken.
Verbringe mehr Freizeit mit Deiner Familie
und Deinen Freunden,
iss Deine Lieblingsspeisen,
besuche die Orte die Dir gefallen
und wo es Dir wohl ist.
Das Leben ist eine Kette von Momenten der Genüsse;
nicht nur des Überlebens.
Brauche Deine kristallenen Gläser.
Spare Dein bestes Parfüm nicht auf.
Brauche es täglich, wenn Du Dich danach fühlst.
Streiche aus Deinem Wortschatz Worte wie
“eines Tages” und “irgendwann”.
Lass uns den Brief schreiben,
den wir schon längst schreiben wollten
“eines Tages”.
Lass uns der Familie / Partner/in und den Freunden sagen,
wie sehr wir sie lieben.
Verschiebe nichts, was Deinem Leben
Gelächter und Freude bringt.
Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist speziell.
Und Du weißt nicht,
ob es Deine letzte gewesen ist.
Es ist die Zeit, in der es wichtiger ist,
etwas darzustellen als zu sein.
Wo moderne Technik einen Text wie diesen
in Windeseile in alle Welt tragen kann,
und wo Wir die Wahl haben:
Etwas zu ändern …
Erkennen Sie, dass jeder Tag, jede Stunde und jede Minute einmalig ist.

(Verfasser unbekannt)

Foto: Petra Krenzer

Sind wir wirklich gemeint?
Sind wir wirklich gemeint,
wenn der Schwall der Worte uns überfällt
und wir hören, dass dieses und jenes
unsere ungeteilte Aufmerksamkeit verdient?
Wir sind hochgerechnet worden,
man hat uns mitgezählt, vorbestimmt und eingeordnet ,
lange bevor uns jemand gefragt hat,
was unsere tiefen Bedürfnisse sind.
Vielleicht wird uns nie jemand fragen
und doch wird uns gesagt, was gut für uns ist
und wie wir die Welt zu sehen haben.
Du und ich, in unserer Einmaligkeit,
sind nicht gemeint,
wenn die Lautstärke zunimmt,
das Zählen wieder beginnt
und die Entscheidungen für uns fallen.
Dann ist es wichtig, sich abzukehren
von Ideen und Menschen, die uns bestimmen wollen,
sogar wenn sie uns lieb sind.
Dann ist es Zeit,
uns der fast unhörbaren, leisen
inneren Stimme zuzuwenden.
Ulrich Schaffer

Foto: Karin Ruf

Ich wünsche Dir im alltäglichen Lebenstheater ein gutes Gespür für deine Bedürfnisse. Sage „Hallo“ zu den Zeichen der Zeit und schaffe aus ihnen frische Inszenierungen. Voller Erwartung und mit viel Power. Trau dich, die Hauptrolle in deinem Lebensdrehbuch zu spielen und gönne dir den Luxus einer eigenen Meinung. Begehrte Rollen mit kühnem Schwung wollen geboren werden. Nimm den Stift in die Hand und fange an zu schreiben. Suche nach Möglichkeiten, die Dein Leben reich machen und ändere hin und wieder mal nur die Blickrichtung.

Monika Bylitza

Ein erholsames Wochenende wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Reden wir miteinander – Literarischer Wochenendgruß vom 09.03.18

Reden wir miteinander – Literarischer Wochenendgruß vom 09.03.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

haben Sie heute schon getwittert in aller Kürze? Im Zeitalter der sozialen Medien heißt es doch oft: Fasse Dich kurz! In vergangenen Zeiten gab es für besondere wichtige Nachrichten das Telegramm. Einige werden es vielleicht noch kennen.

Persönliche Informationen wurden im Gespräch, im Gegenüber, im Miteinander ausgetauscht. Da wird und kann kein noch so guter Algorithmus aus der Computerwelt dem etwas entgegensetzen.

Mimik, Gestik, Stimme sind Merkmale für eine menschliche Kommunikation. Ich freue mich, dass es in meinem Umfeld immer mehr wieder zum Telefon gegriffen wird statt eine E-Mail zu versenden oder sich über soziale Medien auszutauschen.

Wenn es die räumliche Nähe zulässt ist natürlich eine persönliche Begegnung die beste Kommunikation. Diese Zeit sollten wir uns nehmen, auch wenn es bei den vielfältigen Aktivitäten manchmal schwierig erscheint.

Die nachfolgenden Texte und Fotos mögen wieder neue Inspirationen für Ihren Alltag geben.

Ein Projekt des Café Anschluss in Frankfurt am Main-Dornbusch (www.cafe-anschluss.de)

Heute wird so viel geredet
wie noch nie.
Über die Köpfe der Menschen hinweg
rollt eine Lawine leerer Worte
wie noch nie.
.
Jeder will reden.
Jeder will das Wort.
Jeder will Mitspracherecht.
.
Aber nur wenige haben etwas zu sagen.
Weil wenige die Stille und die Spannung
des Denkens aushalten können.
.
Sei liebevoll mit deinen Worten.
Worte sollen »Licht« sein,
Worte sollen versöhnen,
einander näher bringen,
Frieden stiften.
.
Phil Bosmans

Foto: Gerd Taron

Die weise Bank

Ein Flüstern im Vorübergehen
drang in mein Ohr, sah sie da stehen
Ganz leise hörte ich sie reden:
Komm her, ich spreche nicht mit jedem!
Ich öffnete mich ihrem Plauschen
fühlte die Zeit vorüber rauschen
schon viele Menschen, auf ihr weilten
oder an ihr vorüber eilten
Sie hörte all ihre Geschichten
und konnte mir so viel berichten
von ihren Sorgen und den Nöten
und manches ließ sie auch erröten
Sie sah die Menschen, wie sie waren
und konnte vieles schon erfahren
über das Leben hier auf Erden
sie könnte glatt Psychiater werden!
Könnte sie sprechen, würd´ sie sagen:
Du kannst das Leid der Welt nicht tragen
Höre den Menschen einfach zu
sei mit ihnen in aller Ruh´
Gib keine Antwort ohne Fragen
lass sie sich selbst die Antwort sagen
denn sie alleine können wissen
wie sie ihr Leben leben müssen …

Cäcilia Wentker

Autoren im Gespräch – hier: Franziska Franz und Rainer Franke – Foto: Gerd Taron

Wenn du authentisch lebst,
ganz und gar versuchst zu sein,
was du bist und kannst,
strahlst du,
geht Licht und Wärme von dir aus,
wirkst du.

Wenn du authentisch lebst,
schaffst du eine Atmosphäre,
in der sich Menschen wohlfühlen,
einander begegnen,
miteinander reden,
füreinander da sind.

Wenn du authentisch lebst,
echt und ehrlich bist,
Anteil nimmst und gibst,
schaffst du neue Möglichkeiten,
eine neue Welt.

Max Feigenwinter

Köstlichkeiten im Hospizverein Lebensbrücke anlässlich der Vernissage von Connie Albers „Umarmung“ – (http://www.hospizverein-lebensbruecke.de/

Wie wäre es?

Neues Essen zu probieren,
auch wenn unser Gaumen sich zuerst dagegen wehrt.
Neue Autoren zu lesen,
um eine andere Sicht der Welt zu spüren.
Neue Ferienziele zu besuchen,
auch wenn wir uns an alten sicherer fühlen.
Neue Farben zu tragen,
auch wenn wir meinen, sie stünden uns nicht.
Neue Gedanken zu denken,
auch wenn uns die alten nur allzu bekannt sind.
Andersartige Menschen, als die, die wir kennen,
in unseren Freundeskreis aufzunehmen.
Mehr als je zuvor allein zu sein,
um besser nach innen hören zu können.
Ahnen, anstatt zu wissen,
hören, anstatt zu reden.

Ulrich Schaffer

Michael Forst und Anneliese Druhm bei einer Lesung von Anne Zegelman „glueckskind“ – Foto: Gerd Taron

Miteinander reden und lachen,
sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen,
zusammen schöne Bücher lesen,
sich necken dabei, aber auch sich Achtung erweisen,
mitunter auch streiten – ohne Hass,
so wie man es wohl einmal mit sich selbst tut,
manchmal in den Meinungen auseinander gehen
und damit die Eintracht würzen,
einander belehren und voneinander lernen,
die Abwesenden schmerzlich vermissen,
die Ankommenden freudig begrüßen –
lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe,
die aus dem Herzen kommen,
die sich äußern in Miene, Wort
und tausend freundlichen Gesten
und wie Zündstoff den Geist in Gemeinsamkeit entfalten,
so dass aus den Vielen eine Einheit wird.

(Hl. Augustinus)

Ein Wochenende mit vielen schönen Gesprächen wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Die Entscheidung liegt bei dir – Literarischer Wochenendgruß vom 02.03.18

Die Entscheidung liegt bei dir – Literarischer Wochenendgruß vom 02.03.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

wer Veränderung will oder zu Veränderungen veranlasst wird, steht oft vor schwierigen Entscheidungen. In dem Wirrwarr unserer technisierten Zeit ist es für den Einzelnen sehr schwer geworden, die für ihn wichtigen Informationen herauszufiltern. Jeder, der sich zum Beispiel ein neuen Fernseher, eine Kamera oder anderes anschaffen möchte, kann das nachvollziehen.

Genauso verhält es sich mit den menschlichen Beziehungen. Die zahlreichen Single-Börsen im Internet sind ein Beispiel dafür.

Worauf können wir uns also verlassen? Auf den Partner, den guten Freund, die gute Freundin, auf den wohlmeinenden Nachbarn? Oder sollten wir auf unsere „innere Stimme“ – dem Bauchgefühlt – achten?

Einige Anregungen zum Thema Entscheiden möge dieser neue Wochenendgruß geben.

Foto: Maria Singer

Wer entscheidet, ist frei
Zu entscheiden
und gewisse Werte zu setzen,
macht frei.
Nicht frei von Umständen,
aber frei, auf meine Weise
auf diese Umstände zu reagieren.
Freiheit wird uns nicht gegeben,
sie kommt aus uns selbst.
Sie liegt nicht herum,
sondern sie entsteht,
indem wir die Verantwortung für uns selbst
ganz übernehmen, ohne Abstriche,
ohne geheime Schuldzuweisungen,
ohne mildernde Umstände,
ohne Ausreden und Erklärungen,
ohne Vorwürfe gegen Gott und die Welt.
Da entsteht das Wunder eines freien Lebens.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Entscheidungen treffen

Der Meister sagt:
Wenn eine Entscheidung ansteht,
solltest Du sie treffen und mit den Konsequenzen leben.
Du kannst im voraus nicht wissen,
wie diese Konsequenzen aussehen werden.
Alle Weissagungskünste sind dazu geschaffen worden,
dem Menschen Ratschläge zu erteilen,
niemals aber dazu, die Zukunft vorauszusagen.
Sie sind ausgezeichnete Ratgeber, aber schlechte Propheten.
In einem der Gebete, die uns Jesus gelehrt hat, heißt es: ‘Dein Wille geschehe.’
Wenn dieser Wille ein Problem mit sich bringt,
so trägt er auch dessen Lösung in sich.
Wenn die Wahrsager tatsächlich die Zukunft voraussehen könnten,
wären alle Wahrsager reich, verheiratet und glücklich…….
aus ‚Der Wanderer‘ von Paulo Coelho

Foto: Maren von Hoerschelmann

Vieles können wir nicht mehr. Das Gefühl der Ohnmacht hat zugenommen. Über unsere Köpfe hinweg wird entschieden, wie die Welt weitergehen wird. Alles wird festgelegt, ohne dass wir gefragt werden. Und die, die sich dazwischenwerfen, werden zermahlen. Und doch bleibt uns das Größte: die freie Entscheidung, uns dem anderen Menschen zuzuwenden oder nicht. Keine Armee, keine Gesetze, weder die steigenden Ölpreise noch die schleichende Inflation kann uns davon abhalten, wenn wir uns dafür entschlossen haben. Außerdem wird gerade in Notsituationen die Liebe erfinderisch. Und plötzlich ist uns Unwichtigen, Ohnmächtigen die Herrschaft der Welt in die Hände gegeben.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Mein innerer Kompass

Bei all unseren Entscheidungen, bei all unseren Aufbrüchen – seien es nun große Reisen, neue Projekte oder Pläne – unser „Ampelbild“ ist wichtig. Wir fragen uns immer, bevor wir in eine neue Richtung aufbrechen: Was zeigt die innere Ampel an, wenn wir konkret an ein Projekt, einen Plan oder eine Reise denken. Steht sie auf rot? Oder auf grün? Wenn die Ampel bei einem rot leuchtet, dann bleibe ich tatsächlich stehen und breche nicht auf. Für mich hat diese Ampel etwas mit Gottvertrauen zu tun. In meinem Leben gibt es Chancen und Optionen – und weil ich ein mündiger Mensch bin über Verstand und Intuition verfüge, kann ich mich für eine der Möglichkeiten entscheiden – rot oder grün, stehen oder gehen. Darin liegt eine große Freiheit, die jedoch immer von Gott begleitet wird. Das ist mein Gottesbild. Ich muss nicht warten, bis mir irgendwelche Lösungen auf dem Silbertablett serviert werden, sondern ich kann eine der sich mir bietenden Chancen und Möglichkeiten beim Schopf packen. Diese Freiheit schließt nicht aus, das ich vielleicht immer wieder mit dem Kopf an eine Tür renne, die sich partout nicht öffnen will und die deshalb gar keine echte Chance ist. Aber selbst wenn ich mir die Nase dabei blutig schlage: Es ist meine Entscheidung genau das zu tun.

Und diese Freiheit habe ich nicht nur ich – die hat jeder von uns. Jeder Mensch hat genau zwei Möglichkeiten: bleiben oder aufbrechen, stehen oder gehen, rot oder grün, um beim Bild der Ampel zu bleiben. Auf den inneren Kompass kommt es an. Wichtig bei Entscheidungen ist es ein gutes Gefühl für das richtige Timing zu entwickeln.

Aus dem Buch:

„Meine Reise zum Leben“ – von Rainer Wälde
Auf den Spuren der irischen Mönche
Mit sieben Betrachtungen von Pater Anselm Grün

Erschienen im adeo-Verlag – http://www.adeo-verlag.de
ISBN 978-3-942208-12-3

Andreina Bonanni vom Duo Espressione (www.espressione-duo.com )

Träume nicht davon wie Dein Leben sein sollte.
Tue es einfach
Träume nicht davon mit wem Du deine Zeit verbringen willst.
Mach es einfach
Träume auch nicht von Dingen die Dir wichtig sind.
Nimm sie ernst
Und träume nicht von wichtigen Entscheidungen, die nötig wären.
Setze sie durch
Vor allem gib Deinen Gedanken endlich wieder mehr Aufmerksamkeit
und fang an wieder glücklich und Du selbst zu sein

© Ferran Jorda

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in dieser Zeit den Überblick behalten und die für Sie persönlich richtigen Entscheidungen treffen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Weiter so oder die Angst vor Veränderung – Literarischer Wochenendgruß vom 23.02.18

Weiter so oder die Angst vor Veränderung – Literarischer Wochenendgruß vom 23.02.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

wir leben in unsicheren Zeiten, wie es selbst die Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Börsencrash vom 05.02.18 betont. Dies ist keine neue Erkenntnis, wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue.

Es gab und gibt keine Sicherheit im Leben und ein „Weiter so“. Jederzeit kann es geschehen, dass eigene Lebenspläne, wenn es diese gibt, sich aufgrund von besonderen Ereignissen ändern.

Ich selbst überprüfe im Abstand von etwa 10 Jahren mein persönliches und berufliches Engagement. Dazu hat zum Beispiel dazu geführt, dass ich verschiedene ehrenamtliche und persönliche Aktivitäten neu überdacht habe.

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wenn Dein Leben
brennt,
Liebes Herz –
lass es zu.
Lass das Feuer
der Veränderung
Dein Leben brennen,
gib Dich hin
dem feurigen
Schmerz
der tiefen Nacht.
Kämpfe nicht,
lass es lodern
in Dir,
hinein in
Deine
dunklen Tiefen,
durch Dich.
Lass es brennen,
bis Du selbst
das Feuer bist,
welches Dich
durchdringt.
Lass verbrennen
das Alte,
allen Schmerz
der Vergangenheit,
lass brennen
die Erinnerungen,
die Deine
Schwäche nähren.
Lass brennen
alle Wünsche,
die nicht mehr
Deine sind,
lass brennen
auch alles
Andere,
denn nur
wenn
Altes geht,
wird Neues
sein.
Lass brennen
Deine Seele
und
auch Dein
Herz im
alten
Schmerz
und
Pein.
Denn noch bevor
Dir das
im Ganzen
ist bewusst,
wird neues
Leben
sein.
-FEUER der VERÄNDERUNG-

Anja Schindler

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Ich fürchtete einsam zu sein,
bis ich lernte mich selbst zu lieben.

Ich fürchtete Fehler zu machen,
bis ich bemerkte, es nicht zu versuchen,
ist der einzige Fehler, den ich machen kann.

Ich fürchtete die Meinung der Leute,
bis ich lernte, dass sie so oder so
eine Meinung haben.

Ich fürchtete Zurückweisung,
bis ich lernte, Vertrauen in mich
selbst zu haben.

Ich fürchtete Schmerz,
bis ich lernte, dass er manchmal
für das Wachstum notwendig ist.

Ich fürchtete die Wahrheit,
bis ich sah, wie hässlich
Lügen sind.

Ich fürchtete das Leben,
bis ich erfahren habe,
wie schön es sein kann.

Ich fürchtete den Tod,
bis ich bemerkte, dass er kein Ende
aber ein Anfang ist.

Ich fürchtete meine Bestimmung,
bis ich bemerkte, dass die Kraft zur Veränderung
in mir liegt.

Ich fürchtete die Liebe,
bis ich mein Herz berührte und die Dunkelheit
endlosen sonnigen Tagen wich.

Ich fürchtete zu altern,
bis ich bemerkte, dass ich jeden Tag
ein Stück weiser wurde.

Ich fürchtete die Zukunft,
bis ich sah, dass sich alles
langsam besserte.

Ich fürchtete die Vergangenheit,
bis ich bemerkte, dass sie mir keine
Schmerzen mehr zufügen konnte.

Ich fürchtete die Dunkelheit,
bis ich den Zauber der
Sterne sehen konnte.

Ich fürchtete das Licht,
bis ich bemerkte, dass mir die Wahrheit
Stärke verlieh.

Ich fürchtete die Veränderung,
bis ich sah, dass auch der schönste Schmetterling
eine Metamorphose durchmachen musste,
bevor er zu fliegen begann.

Autor unbekannt

Foto: K. H. Fischer

Leben ist Veränderung!

Beachte immer, dass nichts bleibt,
wie es ist, und denke daran,
dass die Natur immer wieder
ihre Formen wechselt.

Marc Aurel

Foto: Selda Eigler – Kloster Eberbach

Nachhaltige Veränderung

Durch dich muss der Mittelpunkt neu definiert werden.
Man übersieht dich leicht,
du glänzt nicht im üblichen Sinn.
Aber das Leben bedient sich deiner,
um die Welt zu verwandeln –
aber nicht mit großen Sprüchen,
nicht mit Vorträgen und Verlautbarungen,
nicht mit der Macht der Politik
und der Kaufkraft des Geldes.
Das sind nicht deine Währungen.
Von der Mitte her wird das Äußere zusammengehalten,
von der Mitte her wird alles unauffällig gesteuert.
Deine Währungen sind Liebe, Fürsorge,
Stille, Vorsicht, Verwandlung in der Tiefe.
Von da geht die nachhaltige Veränderung der Welt aus,
von dir,
kannst du es glauben?,
auch wenn man dich übersieht.

Ulrich Schaffer

Wenn wir uns bewusst machen, dass Veränderungen häufig plötzlich und unerwartet eintreten, dann können wir, egal wie schwierig unsere Lebenssituation gerade sein mag, stets Hoffnung haben und sollten immer offen für Neues sein.

Wir sind an einem Tag geboren worden.
Wir sterben an einem Tag.
Wie können uns an einem Tag verändern.
Und wir können uns an einem Tag verlieben.
Alles kann an genau einem Tag geschehen.

Louise L. Hay

Foto: Karin Ruf

Leben heißt lernen,
dass wir uns Zeit nehmen müssen,
wenn wir welche haben wollen;
dass wir verantwortlich sind
für Gedachtes und Nichtgedachtes,
Gesagtes und Nichtgesagtes,
Getanes und Nichtgetanes;
dass der Sinn des Lebens
darin liegt, immer die Liebe
und das Leben im Sinn zu haben.

Leben heißt lernen,
dass es nicht darauf ankommt,
ob wir uns etwas schenken,
sondern darauf, ob wir imstande sind,
uns gegenseitig etwas zu geben;
dass das Wesen des Lebens
die Veränderung ist;
dass wir Liebe säen müssen,
wenn wir Liebe ernten wollen.

Leben heißt lernen,
die Kunst der Gelassenheit auszuüben:
das Weglassen, das Zulassen,
das Loslassen;
dass die schwierigste Aufgabe
unseres Leben darin besteht,
nie aufzugeben;
dass unser Mensch-Sein untrennbar
mit dem Mensch-Werden verbunden ist.

Ernst Ferstl

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Veränderungen und neue Herausforderungen in Ihrem Leben annehmen und daraus neue positive Energien gewinnen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Nachstehend zwei Veranstaltungshinweise für den heutigen Freitag:

Freitag, 23.02.18 – 19 Uhr – Viola’s Bücherwurm, Bahnstraße 13, Kelkheim, Tel. 06195/900-818 – E-Mail: violas-buecherwurm@t-online.de

Haroon Gordon liest aus seinem Roman „Palast aus Staub und Sand“. Eine Lebensgeschichte zwischen Algerien und der Provence.

Der Eintritt von 5 Euro kommt der Stiftung Bärenherz zugute

Freitag, 23.03.18 – 19 Uhr

Umarmung – Vernissage und Buchvorstellung mit Connie Albers (https://www.connie-albers.de/

Hospiz Lebensbrücke, Dalbergstraße 2a, 65439 Flörsheim am Main

Vom Abnehmen oder weniger is(s)t mehr – Literarischer Wochenendgruß vom 16.02.18

Vom Abnehmen oder weniger is(s)t mehr – Literarischer Wochenendgruß vom 16.02.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

die närrischen Tage sind vorbei. Jetzt wird es ernst. Mehr oder weniger freiwillig nutzen die Menschen die Fastenzeit, um ihren Körper wieder in die Balance zu bringen. Es gibt unzählige Ratgeber und Diäten, mit denen man sich angeblich nach anstrengenden Einhalten der jeweiligen Regeln bzw. Empfehlungen wesentlich besser fühlen soll. Da wird Fasten manchmal zu einer Religion. Auszeiten mögen sinnvoll sein, nicht nur beim Essen und Trinken.

Foto: Gerd Taron

Man kann sein Brot mit gar nichts essen.
Mit nichts als Licht und Luft bestreut.
Gefühle, die man ganz vergessen,
Geschmack und Duft der Kinderzeit,
Sie sind im trocknen Brot beschlossen,
wenn man es unterm Himmel isst.
Doch wird die Weisheit nur genossen,
wenn man den Hunger nicht vergisst.

Eva Strittmatter

Foto: Gerd Taron

Der verrückte Weise Nasrudin kaufte einen Esel. Täglich brauche dieser einen kleinen Heuballen Futter, wie der Verkäufer Nasrudin mitteilte.
Nasrudin war das jedoch zuviel. Ein ganzer Heuballen, nö!
Er nahm sich daher vor, den Esel an immer weniger Essen zu gewöhnen. Täglich gab er dem Maultier weniger.
Irgendwann bekam der Esel fast gar kein Futter mehr. Er fiel um und war tot.
“Schade” sagte Nasrudin, “ich hätte nur noch ein bisschen mehr Zeit gebraucht, um ihn daran zu gewöhnen, von gar nichts zu leben!”.
Geschichte aus: Die fabelhaften Heldentaten des weisen Narren Mulla Nasrudin v. Idries Shah, leicht umgeschrieben.

Foto: Gerd Taron

Wenn du Essen im Kühlschrank, ein Dach über dem Kopf und ein Bett hast, bist du reicher als 75 % dieser Welt.

Wenn du ein eigenes Konto bei einer Bank hast, gehörst du zu den 8 % der Reichen dieser Welt.

Wenn du mehr als 100 g Reis pro Tag essen kannst, kannst du mehr essen als 1/3 der Weltbevölkerung.

Wenn du heute Morgen gesund aufgewacht bist, geht es dir besser als der einen Million Mensche
n, die diese Woche nicht überleben werden.

Wenn du zur Schule gehst/gegangen bist, kannst du froh sein, denn 121 Millionen Kinder haben nicht die Chance, zu lernen.

Wenn du nie die Gefahr eines Krieges, die Einsamkeit einer Gefangenschaft, den Schmerz von Folterung oder das Elend von Hunger erlebt hast, geht es dir besser als 500 Millionen anderer Menschen dieser Erde.

Wenn du an einer öffentlichen religiösen Veranstaltung teilnehmen kannst/könntest, ohne die Gefahr, bedroht, verhaftet oder getötet zu werden, bist du besser dran als 3 Milliarden andere Menschen.

Wenn du immer frisches Trinkwasser zur Verfügung hast, geht es dir besser als 1 Milliarde Menschen in den Entwicklungsländern.

Wenn du diese Zeilen lesen kannst, kannst du dich glücklich schätzen, denn über 2 Milliarden Menschen können es nicht.

Und du sagst, dir geht es schlecht?

Autor unbekannt

Foto: Gerd Taron

Alles hat seine Zeit.

Es gibt Zeiten, in denen du aktiv, und andere, in denen du in Ruhe sein musst.
Es gibt Zeiten, in denen du gehen, und andere, in denen du sitzen musst.
Genauso verhält es sich mit dem Lernen und dem Handeln, dem Sprechen und dem Schweigen, dem Essen und dem Fasten.

Die rechte Mitte ist die Essenz des Lebens.
Der Weise kennt die Mitte. Er fühlt sich in die Dinge ein, weil er sich selbst kennen gelernt hat.
Der Weise ist weise, weil er ebenso abwarten wie schweigen kann.
Er betrachtet interessiert die Dinge um sich.
Erst wenn er weiß, dass der rechte Augenblick gekommen ist, handelt er. Das ist das Geheimnis seines Erfolges.

Lerne Geduld. Handle nicht aus dem Grund heraus, dass du nicht warten kannst.
Das du keine Geduld hast, kannst du auch daran erkennen, dass du einerseits zuviel redest, anderseits dann schweigst, wenn du reden solltest.

Lerne zu fasten. Fasten bezieht sich nicht allein darauf, keine Nahrung zu sich zu nehmen.
Fasten ist das Reinigen und Erstarken durch unterlassene Nahrungsaufnahme, denn gerade durch das Essen nimmst du viele Energien auf, die in dir Anspannung und Unruhe erzeugen -gerade die besten Voraussetzungen, um Geduld zu erlangen.
Musst du etwas entscheiden, beziehungsweise handeln, setze dich zum Beispiel vor deinem Handeln oder geh in die Kirche, bitte um innere Führung, stelle dir die Situation genau vor, in du dich begeben wirst.
Stelle dir vor, wie sich alles entwickeln wird, und reich es Gott dar.

Vielleicht wirst du dich beim ersten Mal noch nicht ganz in den Fluss der Dinge hineinbegeben können.
Übe immer wieder. Versuche deine Fehler zu entdecken.
Finde den rechten Zeitpunkt für dich und deine Umwelt heraus.
Gib dich in den Fluss der Ereignisse, und du wirst erfolgreich sein.

Zeitlose Wahrheiten – Stephan von Stepski- Doliwa

Foto: Gerd Taron

Ein fast vergessenen Wort, das dein Leben so viel leichter machen kann
Es gibt da ein gutes Wort, das heute immer mehr in Vergessenheit gerät. Unbemerkt, und trotzdem tragisch verschwindet es, wie die bunte Vergangenheit eines ergrauten Alzheimer-Patienten.
Es ist ein Wort, das vom Aussterben bedroht ist wie so manche Tierart. Bedroht von Arbeitgebern, die uns immer mehr schuften sehen wollen; von Werbung und Hochglanzmagazinen und Fernsehsendungen, die uns einreden wollen, wir seien nichts wert ohne perfekte Figur. Ohne perfekte Frisur. Ohne perfekte Wohnung. Ohne exotische Reisen (der Slogan „Reise Dich interessant“ ist so eine Frechheit) und ohne diesen gottverdammten neuen Staubsauger-Roboter, der jetzt mit seinen 95 Programmen sogar die Wände hochfahren! und dabei noch das Wetter vorhersagen! kann.
Es ist ein gutes Wort, das wir dringend wiederbeleben müssen, wenn wir freier atmen und leichter leben wollen.
Es ist
Genug.
Warum versuchen wir, alles immer besser, schneller, toller zu machen – auch uns selbst? Nur weil es vielleicht möglich ist? Es ist auch möglich, im Kopfstand zu essen, Kamasutra zu praktizieren oder ein Lexikon auswendig zu lernen. Und trotzdem macht das fast keiner. Weil es anstrengend ist, das Leben dadurch aber nicht besser wird.
Genug.
Genug gearbeitet für heute.
Genug Geld auf dem Konto, um heute glücklich zu sein.
Genug erreicht.
Genug PS im Auto, Speicherplatz auf dem Handy und Freunde auf Facebook.
Genug Freizeitaktivitäten und Reisen.
Genug maximiert. Du brauchst nicht alles aus Dir und Deinem Leben herausquetschen wie aus einer Orange.
Genug Informationen gesammelt, um Dich zu entscheiden.

Elfi Egger

Foto: Gerd Taron

Mögest du von Gott immer empfangen,
was du brauchst :
Arbeit für deine Hände,
Nahrung für deinen Leib,
Antworten für den fragenden Geist,
Freude und Liebe für dein warmes Herz
und Frieden für deine suchende Seele.
Irischer Segenswunsch
Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht nur in der beginnenden Fastenzeit die Ruhe finden, Ihr Leben in Balance zu halten. Was immer es sein mag, es soll Ihnen gut tun.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Nachstehend zwei Links zu Buch-Rezensionen, die kürzlich auf meiner WordPress-Seite erscheinen sind. Es sind zwei lesenswerte Bücher.

glueckskind von Anne Zegelman

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/02/11/glueckskind-der-neue-roman-von-anne-zegelman-eine-rezension/

Traubenglück – Jobst und Inga von Elisa Maria Brock

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/02/14/traubenglueck-jobst-und-inga-ein-roman-von-elisa-maria-brock-eine-rezension/

Mit sich selbst befreundet sein – Literarischer Wochenendgruß vom 09.02.18

Mit sich selbst befreundet sein – Literarischer Wochenendgruß vom 09.02.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

das neue Thema ist kein Aufruf zum egoistischen Handeln oder Verhalten. Im Gegenteil. Es möge neue Gedankenanstöße geben, sich über seinen eigenen Selbstwert bewusst zu werden. Viele Gespräche im Freundeskreis haben mich dazu veranlasst, mich diesem Thema neu zu widmen.

Denn nur wer mit sich selbst befreundet ist, kann über die vielen, die nur an sich selbst denken, „großzügig“ hinwegsehen. Wer mit sich selbst im reinen ist, hat die Anerkennung anderer Menschen nicht nötig. Er benötigt keinen Platz in der ersten Reihe des Lebens. Ein in sich ruhender Mensch widersteht den Widrigkeiten des Lebens leichter als andere.

Es ist manchmal ein langer und mühsamer Weg, um zur Selbstliebe = Selbstannahme zu finden. Aber jeder kleiner Schritt lohnt sich.

Wer mit sich selbst befreundet ist, findet dann auch andere, die sich dessen bewusst sind. Das ist die Quintessenz meiner eigener Lebenserfahrungen.

Entdeckt in der Buchhandlung Herr in Kelkheim – Foto: Gerd Taron

Gib nicht auf…

Du wurdest schlecht behandelt?
Deine Gabe wurde ignoriert?
Deine Fähigkeiten belächelt?
Deine Ideen für verrückt erklärt?
Dein Hingabe wurde abgewiesen?
Dein Bemühen wurde nicht honoriert?
Deine Verständnis wurde missbraucht?
Deine Hilfsbereitschaft würde ausgenutzt?
Dein Selbstwert wurde mit Füßen getreten?

Leide nicht länger unter der Abweisung deiner Umgebung
sondern erkenne den Sinn deines Weges.

Deine Mission ist die Selbstliebe.

Sie verwandelt Schmerz in Freude und Angst in Mut.
Sie dient dir dazu, deinen Wert anzuerkennen.

Selbstliebe lehrt dich zu erkennen wer du bist.
Sie ermöglicht dir aufzustehen wenn du hingefallen bist.

(c) Ralf Marohn

Foto: Caitleen Bree

Glück ist
mit allen Sinnen zu leben
sich selbst etwas zu gönnen
nicht immer perfekt sein zu müssen
mit und für andere Menschen zu leben
ein Zuhause zu haben,
wo man sich geborgen fühlt
die Balance zwischen Spannung
und Entspannung zu finden

Autor unbekannt

Foto: Tim-Thilo Fellmer

Die Balance
zu halten in all
den inneren
und
äußeren Stürmen des Lebens,
in der Balance aller Kräfte
sich selbst finden,
die Balance der eigenen
Mitte spüren
und
da bleiben,
sicher,
still,
geborgen
bei sich selbst
in der Liebe,
der Wertschätzung
und
der Leichtigkeit
zu sich selbst
mit uns selbst,
mit den Dingen sein –
das ist wahre Meisterschaft
im Leben!
-BALANCE-

Anja Schindler

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Als ich anfing, mich zu lieben, blieben die Situationen gleich und dennoch veränderte sich etwas.
Als ich anfing mich zu lieben, blieben die Menschen gleich und dennoch veränderte sich etwas.
Als ich anfing mich zu lieben, wurde das Geld nicht mehr und dennoch veränderte sich etwas.
Als ich anfing mich zu lieben, war die Blume immer noch die gleiche Blume und dennoch veränderte sich etwas.

Als ich anfing mich zu lieben…
…sah ich die Situationen nicht mehr mit lieblosen Augen. Ich sah Lernschritte für mich. Situationen, die mir auf meinem Weg zu mir helfen.

…erkannte ich, dass die Menschen nicht böse waren, weil sie böse sein wollten. Ich erkannte, dass sie sich genau wie ich im Außen verlaufen haben. Das auch andere Menschen auf dem Weg zu sich Irrwege gegangen sind.

…suchte ich nicht mehr Befriedigung in materiellen Sachen. Ich fand den Frieden in mir der völlig kostenlos ist.

…sah ich die Farben der Blumen. Die Formen und ihre Einzigartigkeit. Ich konnte mich an etwas erfreuen, was ich zuvor überhaupt nicht wahrgenommen habe.

Früher versuchte ich die Dinge im Außen zu verändern, wenn es mir nicht gut ging. Ich kramte mir die Dinge im Außen so, dass ich zufrieden war. Nur leider brach die Welt immer wieder mal zusammen und ich fing von vorne an. Ich brauchte sehr viel Energie, um diese Welt einigermaßen aufrecht zu erhalten. Innerlich wurde ich immer kranker…meine Seele brannte aus.
Dann ist es passiert… das Leben schleuderte mich aus der Bahn. Es gab mir Zeit, über mich nachzudenken und ich nahm mir zum ersten Mal die Zeit.
Scheinwelt…ich baute mir eine Scheinwelt auf. Eine Welt, die nicht meinem Inneren entsprach. Ich wollte Außen etwas sehen, was nicht meinem Inneren entsprach.

Nun fing ich an, an mir zu arbeiten.

Ich erfuhr, wie wertvoll ich bin. Ich konnte fühlen, wie gut es mir tut, mich selbst wertzuschätzen.
Einfach Menschsein, ohne etwas erreichen zu müssen. Das ist es, was wir alle verlernt haben.
Wir brauchen nichts zu sein…nichts zu tun, um wer zu sein.
Alles was wir glauben zu sein, weil wir etwas erreicht haben, ist nicht annähernd so wundervoll wie das, was wir wirklich sind.

Tief in uns, sind wir wundervolle Wesen der Liebe.
Was müssen wir tun, um dies wieder zu leben ???
Nichts…wir brauchen uns nur akzeptieren, genauso wie wir jetzt sind.

Jeder von uns ist einzigartig. Jeder von uns ist wundervoll. Jeder von uns trägt die Liebe in sich und wir selbst entscheiden, wann wir diese Liebe wieder in die Welt tragen.
Alles was wir in die Welt tragen kommt auch wieder zu uns zurück.

Auch DU bist einzigartig

Walter Müller

Teil der Unendlichkeit – Bild und Foto: Lissy Theissen

Unsere innere Größe
Zart und verletzbar
ist die Balance unseres Lebens.
Wir haben hier keine bleibende Sicherheit,
jede Stunde kann unsere letzte sein.
Auf Messers Schneide reifen und wachsen wir,
oft sogar über uns selbst hinaus.
Diese Gratwanderung ist unsere Berufung.
In der Balance bejahen wir unsere Vorläufigkeit.
Wir lieben die Welt
und tragen unsere Leidenschaft
für unser knappes aber erfülltes Leben
wie einen Schatz in uns.
Es ist Ausdruck unserer inneren Größe,
dass wir uns hier trotz anhaltender Gefährdung
eine Heimat schaffen können
und unserem Leben in all seinen Begrenzungen
eine Leuchtkraft verleihen,
die ausdrückt, dass wir frei sind.
Auch in unserer Hilflosigkeit
können wir größer als Leben und Tod werden:
Wir setzen unseren Anker in das Ewige

Ulrich Schaffer

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende mit frohem Herzen.

Ihr/Euer

Gerd Taron