Einer wird gewinnen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.12.17

Einer wird gewinnen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.12.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

einige kennen sicher noch die Kult-Fernsehsendung „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff. Daran wurde ich erinnert, wenn ich in dieser Adventszeit die Medien betrachte. Wenn ich die Zeitung aufschlage, meine E-Mails abrufe, in den sozialen Medien unterwegs bin – überall „locken“ mich Gewinnspiele jeder Art. Von Traumreisen, Autos oder in etwas in kleinerem Rahmen Bücher von bekannten oder unbekannteren Autoren: Ich kann gewinnen. Kann ich das wirklich? Warum ist das „Gewinnen-wollen“ in der Weihnachtszeit besonders begehrt?

Ich nehme mit besonderen Ausnahmen bei wohltätigen Zwecken an keinem Gewinnspiel teil. Möglicherweise bin ich kein Spieler, weil das Leben mir als Spiel ausreicht. Man weiß nie, was einem im nächsten Moment erwartet.

Es sind etwas ungewöhnliche Gedanken in dieser Adventszeit, die mich in den letzten Tagen zu diesem Wochenendgruß anregten.

Foto: K.-H. Fischer

Es ist eine große Torheit, um «nach außen» zu gewinnen, «nach innen» zu verlieren, das heißt für Glanz, Prunk, Titel und Ehre, seine Ruhe, Muße und Unabhängigkeit ganz oder großenteils hinzugeben…..

Arthur Schopenhauer

Foto: Gerd Taron

Es ist alles nur geliehen,
hier auf dieser schönen Welt;
es ist alles nur geliehen,
aller Reichtum, alles Geld;
es ist alles nur geliehen,
jede Stunde voller Glück,
musst Du eines Tages gehen,
lässt Du alles hier zurück.
Man sieht tausend schöne Dinge,
und man wünscht sich dies und das;
nur was gut ist und was teuer
macht den Menschen sehr oft Spaß.
Jeder möchte mehr besitzen,
zahlt er auch sehr viel dafür,
keinem kann es etwas nützen;
es bleibt alles einmal hier.
Jeder hat oft das Bestreben,
etwas Besseres zu sein,
schafft und rafft das ganze Leben,
doch was bringt es ihm schon ein?
Alle Güter dieser Erde,
die das Schicksal Dir verehrt,
sind Dir nur auf Zeit gegeben
und auf Dauer gar nichts wert.
Darum lebt doch Euer Leben,
freut Euch neu auf jeden Tag,
wer weiß auf unsrer Erdenkugel,
was der Morgen bringen mag?
Freut Euch auch an kleinen Dingen,
nicht nur an Besitz und Geld,
es ist alles nur geliehen,
hier auf dieser schönen Welt.

(Max Feigenwinter)

Foto: Gerd Taron

Wahrer Reichtum liegt nicht in den Dingen, die ich besitze, sondern in den Momenten, die mich berühren.
(Roswitha Bloch)

Foto: Gerd Taron

Wenn…

Wenn wir ihn nicht mehr seh´n,
den Reichtum dieser Welt,
die Blume auf der Wiese,
den Stern am Himmelszelt,
wenn Reichtum nur noch Geld heisst,
nur Haben und nur Macht,
wenn Kinderaugenlachen uns nicht mehr
glücklich macht,
wenn Glaube – Hoffnung – Liebe
für uns nur Worte sind,
wenn wir das Herz verschliessen
und sind für vieles blind,
dann hat die Zeit begonnen,
wir haben verlernt zu lachen,
dann müssen unsre Engel
wohl Überstunden machen!

© Maria Kindermann

Foto: Gerd Taron – Ein kleiner Junge beim Schneemann-Bauen beim Fischbacher Weihnachtsmarkt am vergangenen Sonntag – unbeschwert und fröhlich bei seinem Tun

In letzter Konsequenz
Menschen sind oft unvernünftig, unlogisch und ichbezogen.
Vergeben Sie ihnen trotzdem.
Wenn Sie freundlich sind, kann es sein, dass andere Ihnen eigennützige
Motive und Hintergedanken vorwerfen.
Seien Sie trotzdem freundlich.
Wenn Sie erfolgreich sind, gewinnen Sie vielleicht ein paar falsche Freunde
und ein paar echte Feinde.
Seien Sie trotzdem erfolgreich.
Wenn Sie ehrlich und offen sind, kann es sein, dass man Sie übers Ohr haut.
Seien Sie trotzdem offen und ehrlich.
Was Sie jahrelang aufgebaut haben, kann ein anderer über Nacht zerstören.
Bauen Sie es trotzdem auf.
Wenn Sie gelassen und glücklich sind, kann es sein, dass andere
eifersüchtig sind.
Seien Sie trotzdem glücklich.
Das Gute, das Sie heute tun, werden die Leute morgen oft vergessen haben.
Tun Sie trotzdem Gutes.
Geben Sie der Welt das Beste, das Sie haben, auch wenn es nie genug sein wird.
Geben Sie der Welt trotzdem ihr Bestes.
Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen Ihnen und Gott.
Sowieso war es nie eine Angelegenheit zwischen Ihnen und den Anderen.

Mutter Theresa

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen ruhigen und entspannten 2. Advent.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Beim nächsten literarischen Wochenendgruß wird die Kerze im Mittelpunkt stehen. Wer schöne Kerzen-Fotos hat, möge sie mir zusenden.

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Licht in meinem Leben – Literarischer Wochenendgruß vom 01.12.17

Licht in meinem Leben – Literarischer Wochenendgruß vom 01.12.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

am kommenden Wochenende feiern wir den 1. Advent. Überall in den Orten, in den Häusern und in den Gärten und anderswo erstrahlen die vielfältigen Lichter. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Was bringt Licht in Ihrem Leben? Sind es die Familie, liebe Freunde, Nachbarn oder andre liebe Mitmenschen? Haben Sie trotz aller Hektik, die jetzt anbricht, Zeit die kleinen Lichter in Ihrem Leben zu sehen? Was bedeutet für Sie persönlich Advent?

Ich freue mich auf viele lichtvolle Begegnungen, nicht nur beim kommenden Fischbache Weihnachtsmarkt, sondern und vor allem in der Zeit danach. Und Sie?

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Foto: Gerd Taron

Wann fängt Weihnachten an?
Wenn der Schwache
dem Starken die Schwäche vergibt,
wenn der Starke
die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas
mit dem Habenichts teilt,
wenn der Laute
bei dem Stummen verweilt
und begreift,
was der Stumme ihm sagen will,
wenn das Leise
laut wird
und das Laute
still,
wenn das Bedeutungsvolle
bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige
wichtig und groß,
wenn mitten im Dunkel
ein winziges Licht
Geborgenheit,
helles Leben verspricht,
und du zögerst nicht,
sondern du
gehst,
so wie du bist,
drauf zu,
dann,
ja, dann
fängt Weihnachten an.

(Rolf Krenzer)

Foto: Gerd Taron
Manchmal
ein helles Wort,
das die Müdigkeit
vertreibt,
manchmal
eine helfende Hand,
die den Himmel
erschließt,
manchmal
ein Licht,
das ins Herz fällt.
Es ist allein die Liebe,
die das Leben
verwandelt.

(Christa Spilling-Nöker)

Touching Light – Bild: Lissy Theissen

Menschen, die uns lieben, werden für uns zu einem Licht. Licht bedeutet Leben, Heil, Glück, Hoffnung, strahlender Schönheit. Es vertreibt Finsternis, die Angst machen kann, und ordnet das Chaos, das wir mit dem Dunkel verbinden.

Anselm Grün

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Foto: Gerd Taron

Und manchmal sehe ich Menschen
mit jenem sanften Leuchten im Gesicht.
Sie strahlen eine Ruhe aus, die nicht von dieser Welt
und zugleich völlig geerdet ist.
Es ist, als hätte das Leben sie so sehr geschliffen,
dass ihre pure Essenz, ihr wahres Sein
sich in ihrem Ausdruck zeigen darf.
Es sind Menschen, die um tiefes Leid wissen
und in ihrer Hingabe an das, was ist
eine Stille finden, die noch viel tiefer reicht.
Eine Stille, die als lebendiges Licht
aus ihrem Innersten erstrahlt.

Worte: © Béatrice Tanner

Foto: Christina Eretier

Menschen führen Menschen zum Licht, zu einem neuen Lebensstil: Menschen, die sich befreien lassen von Habsucht und Hass. Menschen, die nicht länger an Gewehrläufe glauben. Menschen, die mit wenig zufrieden sind und Zeit für Dinge haben, die kein Geld bringen. Menschen, die keinen Palast brauchen, um prächtig zu leben, und kein dickes Portemonnaie, um gemeinsam Feste zu feiern. Menschen, die Blumen sehen, die Vögel zwitschern hören, die wie ein Kind spielen und in einem Sessel einschlafen können. Liebe Menschen mit viel Licht in Häusern, in Dörfern und Städten.

© Phil Bosmans (1922 – 2012),
belgischer Ordenspriester,
Telefonseelsorger und Schriftsteller,
›der moderne Franziskus

Foto: Gerd Taron

Heute möge dir ein Lichtblick
des Himmels so tief in die
Abgründe deines Herzens
fallen, dass es darin heller,
freundlicher und wärmer wird.
Heute möge dir der Augenblick
eines einzigen freundlichen
Lächelns so gut tun in der Seele,
dass ihr dadurch Flügel wachsen,
die dir neue Spannkraft verleihen.
Heute möge dir ein herzlicher Gruß
so wohltuend in den Ohren klingen,
dass er die Schwere in dir auflöst
und dich staunen lässt über so viel
Wunderbares in deinem Leben.

Paul Weismantel

Foto: Gerd Taron

Mögest du dich berühren lassen von der Schönheit,
die dich umgibt, und den Mut haben,
deiner inneren Stimme zu folgen.
Mögest du beschützt sein auf deinem Weg,
und mit offenem Herzen die Momente des Glücks erkennen,
die das Leben dir schenkt.
Möge Dankbarkeit ein innerer Zustand werden
und das Staunen über das Wunder des Lebens
dein Begleiter sein – kindliche Neugier,
verspielte Leichtigkeit und warmes Lachen.
Mögest du innehalten, dann und wann,
und dich freuen an den Bergen die du erklommen hast,
den Tälern, durch die du gewandelt bist, im Wissen,
wie gross deine innere Kraft ist.
Mögest du die Macht und das Wunder der Hingabe erleben,
und dir deiner Würde bewusst sein, immer mehr.
Möge Licht dich begleiten und Menschen, die dir die Hand reichen,
wenn die Schatten dich besuchen.
Mögest du die Liebe fühlen, die du bist.

Béatrice Tanner

Ich wünsche Ihnen ein erstes Adventwochenende mit vielen wundervollen Lichtern.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Vielleicht begegnen wir uns am Wochenende an meiner literarischen Weihnachtshütte beim Fischbacher Weihnachtsmarkt, am Samstag, 02.12. von 15 – 22 Uhr, am Sonntag von 11 – 21 Uhr.

In der Stille – Literarischer Wochenendgruß vom 24.11.17

In der Stille – Literarischer Wochenendgruß vom 24.11.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am Sonntag begehen die christlichen Kirchen den Ewigkeitssonntag oder auch Totensonntag genannt.

Es ist ein Tag, in dem wir in die Stille gehen und an liebe Menschen gedenken, die unseren Lebensweg begleitet haben. Dies ist aber auch ein Tag, an dem wir in dem Trubel unserer Zeit kurz zur Besinnung kommen sollten.

Mögen die Texte und die Fotos Ihnen dazu beitragen, sich selbst eine Ruhepause zu gönnen.

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Foto: Gerd Taron

Stille

Es gibt eine Stille,
in der man meint,
man müsse die einzelnen Minuten hören,
wie sie in den Ozean der Ewigkeit hinunter tropfen.

Adalbert Stifter

Foto: Kathi Widera

Ein Traum

Mutter Erde
Öffnet ihre Arme
wiegt mich auf ihrem Schoß

Ich schlafe schlafe schlafe
langsam löse ich mich auf
und werde Erde
Muttererde
auf der Brenn-Nesseln Johanniskraut
und eine Weide wachsen

Ein Kiebitz fliegt auf
Er ruft: Kiwitt kiwitt
Komm mit

Uta Franck, Januar 2017

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Foto: Gerd Taron

Tage der Stille

Es gibt Tage von einer solchen Stille,
an denen meine Stimme
eine Zumutung für den nachdenklichen Planeten ist.
Einen Moment lang hat nichts Stimmbänder.
Die Schnecke, die offenen Boden überquert,
braucht keine Erklärung der Welt.
Mit den Spitzen ihrer weißen Flügel
verlängert die Möwe das Blau des Himmels
bis hinein in die Stille der leeren Räume dahinter.
Der dämmrige Wald hört meine Fragen –
in der Dunkelheit liegt ein unaussprechlicher Trost.
Ich werde nicht in diese Stille gezwungen,
ich wähle sie, wie man ein Land wählt,
in dem man seine Ferien verbringen möchte.
In dieser Stille begebe ich mich in den Raum,
aus dem die Wahrheit wie ein Fluss fließt,
ohne Worte.
Ich erlaube es, durchsetzt zu werden
von der Energie der natürlichen Dinge:
von einer Felswand mit ihrem steinernen Lächeln,
von der Erhabenheit des Meeres,
die mich zu einem Wanderer des Geistes macht,
oder von der weiten Ebene trockenen Präriegrases,
wo mir Hufe wachsen,
um mit den Büffeln umherzustreifen
in den goldenen Gräsern der Weite.
Es ist in der Stille,
dass ich mich der Größe der Welt nähere

Ulrich Schaffer

Foto: Gisela Michaelis

Stille
Werde still
und finde heim
zu dir selbst.
Verzehre deine Kräfte nicht
im Lärm der Welt.
Es ist gut,
wenn du deine Arbeit tust,
deine Aufgaben und Pflichten erfüllst –
und es ist wichtig,
dass du das gern tust.
Aber gehe nicht auf in dem,
was draußen ist,
sondern nimm dich immer wieder zurück.
Sammle deine Gedanken,
versenke dich in deine eigene Tiefe
und suche nach der Mitte deines Wesens
und deines Lebens.
Von dieser Mitte her
wirst du den Maßstab finden
für das, was wirklich wichtig ist
für die Erfüllung,
für die Ganzheit deines Lebens.
~Christa Spilling-Nöker~

Foto: Marita Henriette

Es liegt im Stillesein eine
wunderbare Macht der Klärung,
der Reinigung, der Sammlung
auf das Wesentliche.

Dietrich Bonhoeffer

Foto: Petra Krenzer

Die Tage der Stille, der Dunkelheit, des Leidens
sind vorüber.
Es ist überstanden.
Beim ersten Glockenklang atmen wir auf
und begrüßen die auferstandene Hoffnung,
die Zuversicht,
dass nichts vergebens ist,
und dass am Ende immer die Erlösung steht.

(C) A.M. Pützer

Ich wünsche Ihnen ein stilles und besinnliches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Zwischen den Zeiten – Literarischer Wochenendgruß vom 17.11.17

Zwischen den Zeiten – Literarischer Wochenendgruß vom 17.11.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

es ist November – ein Monat, in dem der Herbst sich dem Ende neigt und der Winter noch nicht begonnen hat. Für viele verbindet sich damit Traurigkeit. Aber es ist auch eine Zeit zum Innehalten. Die Natur begibt sich zur Ruhe und bereitet ihren Winterschlaf vor, um dann im Frühling neu zu erwachen.

Die folgenden Texte und Fotos mögen dazu beitragen, dass für Sie der November keine tristen Tage bereithält.

Foto: Gerd Taron

November

Blätterfell fällt
nackt nun die Zweige
schlaflos der Fuchs
und der Mond auf der Geige

spielt sein Lied
schwarz die Nacht
lässt die Nebelfrau tanzen
und Häwelmann lacht

Uta Franck

Foto: Gerd Taron

Vor einem Winter

Ich mach ein Lied aus Stille
und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
geht ein in mein Gedicht.
Der See und die Libelle.
Das Vogelbeerenrot.
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.
Der Bäume Tod und Träne.
Der schwarze Rabenschrei.
Der Orgelflug der Schwäne.
Was es auch immer sei,
Das über uns die Räume
Aufreißt und riesig macht
Und fällt in unsre Träume
in einer finstren Nacht.
Ich mach ein Lied aus Stille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter.
Und so vergeh ich nicht.

Eva Strittmatter

Auf dem Weg zum Staufen – Kelkheim – Foto: Gerd Taron

Die Zeit, die sich ausbreitet,
ist die Zeit der Geschichte.
Die Zeit, die hinzufügt,
ist die Zeit des Lebens.
Und die beiden haben nichts gemeinsam,
aber man muß die eine nutzen können
wie die andere.

(Antoine Saint-Exupéry)

Am Gimbacher Hof Kelkheim – Foto: Gerd Taron

Die Zeit und ich
(für Siegfried P.)

„Was machst du?“, frage ich die Zeit.
„Verrinnen“, sagt sie und errötet.
Im Stillen aber grinst sie breit.
Schon hat sie mir den Nerv getötet.
„Verrinnen werd ich wohl noch dürfen“,
sagt sie und hebt ihr Stundenglas.
Nachher wird sie ein Weinchen schlürfen.
Ich kenn sie nämlich, dieses Aas!
Kaum brüt ich aus gedankenschwer
was wirklich Neues, Großes halt,
schon macht die Zeit sich drüber her,
und binnen kurzem ist es alt.
Sie macht die Runzeln und die Falten,
sie macht, dass mir die Milch verdirbt.
Die Jungen macht sie flugs zu Alten,
und schließlich macht sie, dass man stirbt.
„Kannst du was anderes als verrinnen?“,
frag ich die Zeit. Sie kichert blöde.
„Ja, doch, ich kann auch manchmal spinnen.“
Ich hab’s geahnt, die Zeit ist öde.
Sie rinnt und spinnt und pichelt Wein
und wird die ganze Welt vernichten.
Ich sag ihr: „Du bist hundsgemein.
Auf dich kann ich ganz gut verzichten“.
Drauf grinst sie breit und immer breiter.
„Mein lieber Freund, du bist nicht weise.
Das Leben geht halt immer weiter.“
Ich nicke und verdrück mich leise.

Paul Pfeffer

Im Woogtal – Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

November

graue Tage
Nebel steigen
der Winter
steht vor der Tür

Melancholie singt ihr Lied
du singst müde mit

November

heißer Tee
Kerzenschein
ein guter Film
Musik für’s Herz

Freude singt ihr Lied
und du singst leise mit

November ist
was man daraus macht

© Engelbert Schinkel

Am Gimbacher Hof Kelkheim – Foto: Gerd Taron

November – Zeit der Stille und Gelegenheit zur Begegnung. Ein Monat, der durch alle Stimmungen der Natur die hellen und dunklen Seiten unserer Seele anspricht und sie verwandelt. Beide Seiten gehören zu uns, sie gehören zum Leben.

Anselm Grün

Ich wünsche Ihnen für dieses Wochenende, dass Sie die Zeit finden, zur Ruhe zu kommen und innerzuhalten

Ihr/Euer

Gerd Taron

Du bist ein Engel – Ein Nachtrag und einige Informationen zum literarischen Wochenendgruß vom 10.11.17

Du bist ein Engel – Ein Nachtrag und einige Informationen zum literarischen Wochenendgruß vom 10.11.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

immer wieder erreichen mich liebe Rückmeldungen zu meinem literarischen Wochenendgruß – so auch diesmal. Zwei Gedichte von meinem lieben Freund Paul Pfeffer und Susanne Esch möchte ich den Lesern nicht vorenthalten.

Foto und Kunstwerk: Connie Albers

An einen Engel
Ich liebe dich, du Engel
mit zwei linken Flügeln!
Doch du willst himmelwärts
und übersiehst mich glatt.
An meiner offnen Tür
fliegst du vorbei.Ich weiß,
du willst dir einen zweiten
Engel suchen, so rein
und ahnungslos wie du.
Gib’s auf! Ich werde dir
den Flügel richten, dir
den Eintopf kochen, dich
beschützen und mit dir
verfahrn nach Menschenart.
Ich liebe dich, und drum
verzeih mir, dummer Engel,
mein grobes Angebot.

Paul Pfeffer

Foto und Kunstwerk: Connie Albers

Ein Engel, nur für dich

Nicht immer haben Engel Flügel,
nicht immer sind sie unsichtbar.
Manchmal sehn sie aus wie Menschen,
und plötzlich sind sie einfach da.
Nicht immer kannst du sie erkennen,
denn sie verstecken sich,
und einer hat sich auserkoren,
einen ganz speziellen, nämlich dich!
Manchmal lächelt er dich an, und seine Augen blitzen,
ein andermal bleibt er nur stumm an deiner Seite sitzen.
Manchmal lacht er und ist heiter, und kugelt sich vor Freude,
gelegentlich jedoch auch weint er, als ob er ganz entsetzlich leide.
Davon fliegt er und kommt doch wieder, denn er hat dich gern!
Und ist auch körperlich weit fort er, ist er doch niemals fern!
Lass den Engel in dein Herz, und du wirst nie mehr frieren,
und sollten sich auch irgendwann unsere Wege mal verlieren,
so hoffe ich doch,
du erinnerst dich noch.

Susanne Esch

Hier noch einige persönliche Anmerkungen zum literarischen Wochenendgruß:

Immer wieder werde ich gefragt, ob Mann/Frau diesen Wochenendgruß auch weitergaben darf.

Ja, das darf er! Dies gilt insbesondere für diejenigen, die den Wochenendgruß per Mail, oft in der Freitagnacht, zugesandt bekommen. Der Wochenendgruß ist öffentlich und hat keinen kommerziellen Zweck und bleibt kostenfrei.

Meine Motivation für diesen Wochenendgruß ist ausschließlich der, dass ich mit den zusammengestellten Testen und Fotos ein kleines Licht in diese so zerrissene Welt senden möchte. Das ist alles.

Wer dennoch diese Arbeit in irgendeiner Form unterstützen möchte, kann sich gerne an mich persönlich wenden, entweder per Mail an taron-antiquariat@gmx.de oder per normaler Post an Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach

Mit literarischen Wochenendgrüßen

Ihr/Euer
Gerd Taron

Du bist ein Engel – Literarischer Wochenendgruß vom 10.11.17

Du bist ein Engel – Literarischer Wochenendgruß vom 10.11.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Tagen war und bin ich von Engeln umgeben. „Du bist ein Engel“ – diese liebensvollen Worte durfte ich aus meinem Freundeskreis lesen. Einer Freundin erging es ähnlich.

Nicht nur in der bevorstehenden Weihnachtszeit sind wir von Engeln umgeben. Sie begegnen uns jeden Tag in vielerlei Gestalt. Sie müssen nur von uns auch wahrgenommen werden. Engel haben nicht nur Flügel. Es können liebe Worte und vor allem Taten sein, die uns in unserem Alltag begegnen.

Seien Sie wachsam für Ihren Engel.

Die folgenden Bilder sind einer Ausstellung von einer lieben Freundin, Connie Albers, entnommen. Ihre Ausstellung „Umarmt von Deinem Engel“ ist noch bis Sonntag, 12.11. in der Alten Kirche in Kelkheim-Hornau zu sehen.

„Beistand“ – Bild: Connie Albers

Der Engel, der dir Zeit lässt, tippt dir am Abend auf die Schulter und sagt dir: „Schau dich um. Du hast heute doch eine ganze Menge geschafft. Lass dich also auch morgen nicht drängen. Wenn du mir folgst, wird dir viel mehr gelingen, als wenn du dich ständig unter Druck setzt oder setzten lässt.“

Anselm Grün

Herzengel – Bild: Connie Albers

Wenn Dich
ein Engel
umarmt, wird
die Last ein
wenig leichter,
der Weg ein
wenig seichter
und das
Herz wird frei
und
beginnt
zu fliegen.
-ENGEL-

Anja Schindler

Engel der Warmherzigkeit – Bild: Connie Albers

Ein Engel ist jemand,
den Gott dir ins Leben schickt,
unerwartet und unverdient,
damit er dir, wenn es dunkel ist,
ein paar Sterne anzündet.

von Phil Bosmans

Engel der Geborgenheit – Bild: Connie Albers

Es gibt Menschen,
denen schaust du in die Augen
und siehst darin ein Leuchten, das dir ins Herz dringt.
Es gibt Menschen,
die brauchen nur ein Wort zu sagen oder zu schreiben
und es ist dir, als würdest du sie schon ewig kennen.
Es gibt Menschen,
die lächeln dich nur an und du fühlst dich wohl
und irgendwie vertraut.
Es gibt Menschen,
die einfach nur da sind und wie Schutzengel über dich wachen.
Es gibt Menschen,
die sind so lieb und von Herzen gut,
dass du sie einfach mögen musst.

© Text: unbekannt

Engel der Morgenröte – Bild: Connie Albers

Engel
können
nicht
nur fliegen.
Sie sehen
und erkennen,
wo andere
nur blind
vorübergehen.
Sie hören mehr,
als Menschen
sprechen können.
Sie schützen
rundherum,
mehr
als jeder Zaun
halten kann.
Engel
schlafen nie,
denn für sie
gibt es
keine Dunkelheit.
Wer an Engel
glaubt,
wird sie sehen
und erkennen,
denn sie sind
umgeben
von Licht,
Wärme
und Harmonie.

Text: © Monika Heckh

Ich wünsche Ihnen Wochenende, an denen Sie von vielen Engeln umgeben sind.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Hinweise:
Die Ausstellung „Umarmt von Deinem Engel“ in der Alten Kirche in Kelkeim-Hornau ist noch bis Sonntag, 12.11.17 geöffnet. Weitere Informationen über Connei Albers unter

https://www.connie-albers.de/Herzlich-willkommen-ar-.htm

Auf meiner WordPress-Seite finden Sie einen Beitrag über Oasen der Ruhe in einer Großstadt voller Lärm:
https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2017/11/09/oasen-der-ruhe-im-laerm-einer-grossstadt/

Licht leuchten lassen– Literarischer Wochenendgruß vom 03.11.17

Licht leuchten lassen– Literarischer Wochenendgruß vom 03.11.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

für viele Menschen ist der November ein trüber, ein schwermütiger Monat. Die Sonnenstunden werden weniger, die Tage kürzer, die Nächte länger. Die Natur stimmt sich auf ihren Winterschlaf ein. Aber der November ist auch eine Chance, zur Besinnung zu kommen, innezuhalten.

Wie wichtig ist es gerade jetzt, ein Licht leuchten zu lassen. Es sind die kleinen Lichter, die, wenn man sie aufmerksam betrachtet, viel bewirken zu können. Jeder von uns ist ein besonderes Licht mit seiner Einzigartigkeit.

Dieser Wochenendgruß möge dem Leser und den Betrachtern der schönen Fotos, die mir zur Verfügung gestellt wurden, neu bewusst werden.

Foto: Gerd Taron

Du bist Licht

‘…Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind;
unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Meßbare hinaus
kraftvoll zu sein.

Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit,
die uns am meisten Angst macht.

Wir fragen uns, wer ich bin:
mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen ?

Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen ?
Du bist ein Kind Gottes.

Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt.

Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen,
dass andere um Dich herum sich nicht unsicher fühlen.

Wir sind alle bestimmt, zu leuchten, wie es die Kinder tun.
Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist,
zu manifestieren.

Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem einzelnen.
Und wenn wir unser Licht erscheinen lassen,
geben wir anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere…’

Nelson Mandela, ehem. Staatspräsident Südafrikas, Antrittsrede 1994

Foto: Beate Schmitz

Wenn dein eigenes Licht heller leuchtet als das der anderen, sei glücklich darüber, aber lösche nie das Licht anderer, um dein eigenes heller leuchten zu lassen.

Aus dem Orient

St. Stephan Mainz – Foto: Gerd Taron

Die Menschen sind wie bunte Glasfenster: Sie funkeln und leuchten, wenn die Sonne scheint; doch nach Anbruch der Dunkelheit wird ihre wahre Schönheit nur offenbar, wenn sie ein inneres Licht haben.“
Elisabeth Kübler-Ross

Foto: K-H. Fischer

Das Licht

Es war einmal ein Junge, der einen weiten Weg im Dunkeln laufen musste, um in sein Dorf zu gelangen.
Er hatte eine Laterne bei sich, die aber nur wenig Licht gab, sodass die Dunkelheit ihn beängstigte und er daran zweifelte, ob er seinen Weg wohl finden würde.

Da kam ihm ein alter Mann entgegen und fragte, warum er denn so zögernd vorwärts lief.
Der Junge antwortete, er habe Angst, mit einer Laterne, die nur zwei Meter schien, im Dunkeln zu laufen.
Der alte Mann lächelte und sagte: „Auch das Licht geht mit jedem Schritt, den Du gehst, mit Dir mit.
Es wird Dir immer zwei Meter vorausleuchten. Du brauchst Dir also keine Sorgen zu machen und kannst Deinen Weg in Ruhe und Vertrauen weitergehen.“

Das tat der Junge auch und er erreichte sicher und wohlbehalten sein Ziel.

http://www.sinnige-geschichten.de

Foto. Gaby Schaefer

Lass uns ein Licht sein
und voller Vertrauen
die Kette der Zuversicht
mit Begeisterung bauen.
Lass uns ein Licht sein
mit strahlenden Farben
die leuchtender Bilder
der Hoffnung malen.
Lass uns ein Licht sein
und mit unserem Lachen
die Menschen einfach
wieder glücklich machen.
Lass uns ein Licht sein
und lass uns vergeben
uns selbst und den andern
mit Liebe zum Leben
Lass uns ein Licht sein…”

Autor unbekannt

Ich wünsche Ihnen, nicht nur für dieses Wochenende, dass sie viele lichtvolle Momente entdecken und finden.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Hinweis:
Wer einen Bericht über den Abschluss meiner literarischen Freiluftsaison am 29.10.17 lesen mag, findet ihn entweder als Word-Datei als Anlage oder über diesen Link:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2017/10/29/zwischen-den-zeiten-sonniger-abschluss-der-literarischen-freiluftsaison-2017/