Worte, nur Worte – Literarischer Wochenendgruß vom 13.10.17

Worte, nur Worte – Literarischer Wochenendgruß vom 13.10.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

derzeit findet in allen Medien und vor Ort die Frankfurter Buchmesse statt. Ich hatte und habe die große Freude als langjähriger Besucher diese Bücherschau auf meine persönliche Weise zu erleben. Diese können Sie gerne am Ende des Wochenendgrußes aufrufen bzw.

Die Worte, die auf dieser Messe – und nicht nur dort – geschrieben und gesagt werden, kann man nicht in Zahlen erfassen.

Aber ohne Worte ist fast keine zwischenmenschliche Beziehung möglich. Sie helfen uns, unserem Gegenüber mitzuteilen. So oft werden Worte missverstanden, umgedeutet, auf persönliche Weise interpretiert.

Die nachfolgenden Texte und die Fotos von der Frankfurter Buchmesse mögen einiges veranschaulichen und zum Nachdenken anregen.

Foto: Gerd Taron

Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige,
eben noch ungesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf an-
zukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

Hilde Domin

Foto: Gerd Taron

Hundert Worte,
die den Verstand beeindrucken, wirken nicht
halb so tief,
wie ein
einziges Wort,
dass das Herz bewegt.

These Monnier

Es sind nicht die grossen Worte,
die eine Gemeinschaft grundsätzlich bewegen.
Es sind die vielen kleinen Taten der Einzelnen!

M. Scheel

Die armen Worte, die im Alltag darben,
die unscheinbaren Worte, lieb ich so.
Aus meinen Festen schenk ich ihnen Farben,
da lächeln sie und werden langsam froh.
Ihr Wesen, das sie bang in sich bezwangen,
erneut sich deutlich, dass es jeder sieht;
sie sind noch niemals im Gesang gegangen
und schauernd schreiten sie in meinem Lied.

Rainer Maria Rilke

Die alten Worte

Die alten Zauberworte sind noch nicht verbraucht.
Sie wirken immer noch, sie strahlen noch von innen.
Wenn deine Seele dunkel in Verzweiflung taucht,
dann sprich sie aus, und alles kann von vorn beginnen.
Da gibt es Worte voller kleiner Zärtlichkeiten,
die deine Schläfen streicheln wie ein warmer Wind.
Und wilde Worte gibt’s, die reißen dir zuzeiten
so manche Türen ein, die sonst vermauert sind.
Und wenn du Sehnsucht sagst, dann weiten sich die Wände.
Du könntest einfach aufstehn und ins Freie gehn.
Und Wesen aus den Tiefen reichen dir die Hände.
Du bist berührt, du lächelst, und die Zeit bleibt stehn.

Paul Pfeffer

Ich wünsche allen ein Wochenende mit vielen oder wenigen Worten, in dem Sie zur Ruhe kommen können.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Ein Erlebnisbericht vom ersten Tag meines Buchmessen-Besuches können Sie hier lesen.:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2017/10/12/im-voruebergehen-wieder-entdeckt-mein-1-tag-auf-der-frankfurter-buchmesse/ .

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An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen – Literarischer Wochenendgruß vom 06.10.17

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen – Literarischer Wochenendgruß vom 06.10.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

dieser Vers aus dem Neuen Testament begleitet mich immer wieder, nicht nur in dieser Jahreszeit. Dies zeigt sich nicht nur in unserer Gesellschaft, sei es in Politik oder Wirtschaft, sondern auch im persönlichen Umfeld. Erst bei genauerem Hinschauen erkennen wir – hoffentlich – die Unterschiede. Es ist für unser eigenes Wohlergehen so wichtig, die Menschen in unserem Inneren einzulassen, die ein ähnliches Empfinden haben.

Die folgenden Texte und die Fotos mögen dazu einige Impulse geben.

Foto. Gerd Taron

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?
Matthäus-Evangelium – Kapitel 7, Vers 16 in der Fassung der Lutherbibel von 1912

Foto: Gerd Taron

DEIN HERZ.

Dein Herz,
ist wie das offene Land,
weit und fruchtbar.
Es ist voll Hoffnung auf Erneuerung,
voll Freude an Begegnung
und voll Dankbarkeit bei Zuwendung.

Lass dein Herz nie brachliegen,
bestelle es sorgsam
…wie ein Feld…
und lass es Früchte tragen.

Achte gut auf dein Herz
und lass es nie in böse Hände fallen.

Dein Herz ist dir kostbar.
Ist dein Reichtum,
ist dein Leben.

(Anne M. Pützer)

Foto: Petra Krenzer

Und ich erkannte, dass sie die Stille nötig hatten.
Denn nur in der Stille kann die Wahrheit eines jeden Früchte ansetzen, und Wurzeln schlagen…..

Antoine de Saint-Exupery

Foto: Gerd Taron

Gütige Herzen

Gütige Herzen sind die Gärten.
Gütige Gedanken sind die Wurzeln.
Gütige Worte sind die Blüten.
Gütige Taten sind die Früchte.

(Kirpal Singh)

Foto: Gaby Schaefer

Warten erleben ….
In Ruhe warten können,
bis der Same keimt, wächst,
blüht und Früchte trägt.
Im Glauben warten können,
bis aus Begegnungen Vertrauen
entsteht und Nähe zuläßt.
In Hoffnung warten können,
bis Loslassen möglich wird.
Im Vertrauen warten können,
bis sich aus drei Teilen
ein Ganzes bildet.
In Liebe warten können,
bis der richtige Zeitpunkt kommt
und dann den Augenblick
mit allen Sinnen erleben.

Melitta Zettl

Foto: Gerd Taron

Wer nichts weiß, liebt nichts.
Wer nichts tun kann, versteht nichts.
Wer nichts versteht, ist nichts wert.
Aber wer versteht,
der liebt, bemerkt und sieht auch …
Je mehr Erkenntnis einem Ding innewohnt,
desto größer ist die Liebe …
Wer meint, alle Früchte
würden gleichzeitig mit den Erdbeeren reif,
versteht nichts von den Trauben.

Paracelsus

Ich wünsche Ihnen ein lesereiches Wochenende mit vielen schönen Begegnungen.

Ihr/Euer
Gerd Taron

2 Veranstaltungs-Hinweise in eigener Sache:
Fr 06.10. – 17 Uhr Literarisches aus Frankreich
Treffpunkt: Eppsteiner Weinpresse (Altes Rathaus, Altstadt Eppstein, Burgstraße)
Das Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Frankreich. Dazu lese ich verschiedene französische Gedichte, Liebesgeschichten und Märchen – natürlich in deutsch.
Ramon Olivella, der Eppsteiner Mundschenk hat dazu passend das Wein-Thema: „France je t’aime

So 08.10. – 12:45 Uhr – Literarischer Spaziergang beim Erntedank- und Handwerkerfest am Rettershof

Treffpunkt: An der Linde am Rettershof im Außenbereich

Auf Einladung der Gutsverwaltung Rettershof wird es wieder einen literarischen Erntedank-Spaziergang mit Geschichten und Gedicht zum Thema Ernte.

Früchte ernten – Literarischer Wochenendgruß vom 29.09.17

Früchte ernten – Literarischer Wochenendgruß vom 29.09.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

die Erntezeit nähert sich dem Ende. Die Kartoffel- und Rübenernte oder andere Früchte werden in die Scheuer gebracht. Die Natur bereitet sich auf den Winterschlaf vor. In den Weinbergen werden die Trauben für einen hoffentlich guten Jahrgang gelesen.

Die christlichen Kirchen erinnern am Erntedanksonntag an diese Vielfalt. Bei den Obstbäumen in unserer Region gab es diesmal keine so gute Ernte durch die Frostschäden im April. Die Wechselwirkungen des Lebens zeigen sich in der Natur immer wieder auf eindrucksvolle Weise.

Wie sieht es in Ihrer persönlichen Erntezeit aus? Wir blicken normalerweise am Jahreswechsel darauf zurück. Lassen Sie uns doch einmal zu dieser Zeit einmal neu besinnen. Nicht immer hat das, was wir gesät haben, zum Erfolg geführt. Andererseits kommen die Samen früherer Zeiten erst jetzt zu ihrer vollen Entfaltung.

Erntedankfest auf dem Rettershof – Foto: Gerd Taron

Der Erntewagen

Nun des Tages Gluten starben,
Mischen alle zarten Farben
Sich am Himmel golden klar.
In die Helle seh‘ ich ragen
Einen hohen Erntewagen,
Den umeilt der Schnitter Schaar.
Dunkle Arbeit lichtumgeben!
Nächtige Gestalten heben,
Schichten letzte Garben leis,
Und des Abends Feierstunde
Schmückt mit heilig goldnem Grunde
Müder Arme späten Fleiß.

Conrad Ferdinand Meyer

Foto: Gerd Taron

Betrachtet man die Obst-Bäum‘, Aepfel, Pfirschen, Birn, Apricosen, Mandeln, Kirschen;
Gleicht ihrer Bluhmen lieblichs Prangen
Nicht Gärten, die in Lüften hangen?
Ist nicht der kleinste Zweig ein grosser Bluhmen-Strauß?
Haucht ihre Menge nicht den stärcksten Bisam aus?
Sie würtzen, durch so angenehme Düfte,
Die voller Amber und Ziebeth,
Die ausgespannten lauen Lüfte,
Daß ihre Balsam-Kraft uns recht ans Hertze geht.
Seele, laß der Bäume Pracht
Dich zu ihrer Folge leiten!
Suche dich, auf allen Seiten
In Gedancken auszubreiten,
Und, auf den Betrachtungs-Zweigen,
Blätter deiner Lust zu zeugen!
Laß, durch dieses holde Grün,
Deiner Andacht Bluhmen blühn,
Und des Lobes Früchte bringen!
Auf! mit heller Stimm‘ und Saiten
Unsern Schöpfer zu besingen,
Der die Erde fröhlich macht!“

Barthold Heinrich Brockes
(Aus: Irdisches Vergnügen in Gott)

Foto: Gaby Schaefer

Geh hinaus und öffne deine Augen. Nimm die sich verändernden Farben wahr und rieche den intensiven Duft nach Herbst. Noch leuchten Gelb und Rot in der Oktobersonne. Genieße den Anblick. Sammle Früchte, zum Kochen, Backen, Basteln oder zur Dekoration. Hol dir die Farben, den Geruch und den Geschmack des Herbstes ins Haus.

Anne M. Pützer

Foto: Gerd Taron

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Auf dem Wochenmarkt in Eppstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Wie reife Früchte kann ich sie pflücken,
die vielen Ideen in meinem Kopf.
Es ist eine reiche Ernte,
die meinen Geist und mein Herz
für lange Zeit sättigen werden.

(C) Anne M. Pützer

Foto: Gerd Taron

Ernte

Es ist Ernte,
dass wir einander noch haben.
Es ist Ernte,
die Münzen der Minuten und Stunden
noch ausgeben zu können.
Es ist Ernte
durch unsere gegenseitige Gegenwart
die Zeit zu schmecken wie Schwarzbrot.
Wir haben Samen ausgestreut,
manchmal ängstlich und mit zitternder Hand
und dann wieder so,
als gehörte uns schon die goldene Ernte.
Wir haben nicht gewusst,
ob die Saat aufgehen würde,
oder was wir ernten würden,
aber wir haben nicht aufgegeben.
Ich suche jetzt deine Augen häufiger,
als wolle ich mich vergewissern,
dass auch du die Dichte der Ernte erlebst.
Unser Glück tritt aus dem Sinn hervor,
den wir allem geben.

Ich wünsche Ihnen ein verlängertes Wochenende mit vielen schönen Momenten und Begegnungen. Richten Sie Ihren Blick auf die Früchte der Natur und Ihrer eigenen Arbeit.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Hier noch einmal zur Erinnerung an die nächsten Veranstaltungen:
So 01.10. – 14 Uhr – Literarischer Buchmessen-Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof – Thema: Frankreich, Frankreich – Ehrengastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse – Literarisches aus Frankfreich

An verschiedenen Stationen werden französische Gedichte, Liebesgeschichten und Märchen vorgestellt– natürlich in deutsch.

Treffpunkt: An Gleis 1 Haupt-Nebenausgang Mannheimer Straße – gegenüber einem kleinen Supermarkt

Kostenbeitrag: 5 Euro

Fr 06.10. – 17:30 Uhr Literarisches aus Frankreich beim Wochenmarkt in Eppstein
Treffpunkt: Vor der Eppsteiner Weinpresse (Altes Rathaus, Altstadt Eppstein)
Gemeinsam mit der Eppsteiner Weinpresse und dem Mundschenk Ramon Olivella, werden literarische und kulinarische Genüsse präsentiert. Dazu passet das Wein-Thema: „France, je t’aime“

Literarischer Spaziergang zur Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 01.10.17 ab 14 Uhr

Literarischer Buchmessen-Spaziergang am Sonntag, 01.10.17 ab 14 Uhr

Liebe Literaturfreunde,

in zwei Wochen werden die Pforten zur Frankfurter Buchmesse geöffnet. Das Ehrengastland ist in diesem Jahr Frankreich.

Mein diesjähriger Spaziergang zur Frankfurter Buchmesse bietet diesmal Literarisches aus Frankreich. An verschiedenen Stationen werden französische Gedichte, Liebesgeschichten und Märchen präsentiert.

Treffpunkt ist an Gleis 1 Haupt-Nebenausgang Mannheimer Straße – gegenüber einem kleinen Supermarkt um 14 Uhr.

Café Nussknacker

Zum Abschluss gibt es Gelegenheit, sich im Café Nussknacker, Karlsruher Straße 5, an der Südseite des Frankfurter Hauptbahnhofes gelegen, bei Kaffee und Kuchen auszutauschen.

Hier vorab einige Impressionen der Stationen dieses Spazierganges:

Am Westhafen

Am Westhafen

Im Behördenzentrum

Café Nussknacker

Ich freue mich auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen am Sonntag.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Weitere Informationen gibt es hier:
Gerd Taron, Taron-Antiquariat
Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach, Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de
Internet: https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/
Kostenbeitrag: 5 Euro

Schätze entdecken – Literarischer Wochenendgruß vom 22.09.17

Schätze entdecken – Literarischer Wochenendgruß vom 22.09.17

Liebe literarische Freunde des Wochenendgrußes,

in meinem Heimatort war in diesen Tagen wieder Sperrmüll-Tag. Zeit sich von überflüssigem zu trennen. Doch dabei entdeckt Mann/Frau längst entschwundene Schätze auf wundersame Weise. Und manchmal treten alte Familiengeschichten wieder hervor, wie ich aus meinem Umfeld erfahren durfte.

Derzeit bin ich noch immer dabei, meinen eigenen Bücherschatz zu sichten. Immer wieder kommt es dabei zu neuen Überraschungen. Wenn möglich, werde ich die Bezieher des literarischen Wochenendgrußes daran teilhaben lassen.

Es gibt aber nicht nur geistige Schatzentdeckungen, sondern auch kulinarische wie die nachfolgenden Fotos es beweisen.

Stadtbibliothek Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Vom Suchen und Finden

Wenn jemand sucht,
dann geschieht es leicht,
dass sein Auge nur noch das Ding sieht,
das er sucht,
dass er nichts zu finden,
nichts in sich einzulassen vermag,
weil er nur an das Gesuchte denkt,
weil er ein Ziel hat,
weil er vom Ziel besessen ist.

Finden aber heißt:
frei sein, offen stehen,
kein Ziel haben.

Hermann Hesse

Buchhandlung Shakespaere und So in Mainz – Foto Gerd Taron

Es gibt Menschen,
die suchen ihr Leben lang
nach Etwas, was sie
nicht sehen können,
nicht fühlen
und
ahnen.
Sie erdenken es,
brauchen es,
sie wollen es,
fordern es,
finden keinen Frieden.
Und in dem Moment,
wo sie begreifen,
dass sie es bereits
lange in den Händen
hielten, geht es still
und es wird niemals
mehr so sein.

Anja Schindler

Buchhandlung Herr in Kelkheim/Taunus – Foto: Gerd Taron

Manchmal liegt ein Schatz neben unserem Weg,
versteckt in einem Menschen, einem Gedanken,
in etwas Unscheinbarem.
Welch Glück, den Wert dann zu erkennen und aufzuheben
und nicht weiter einer Illusion zu folgen.

Ulrich Schaffer

Buchhandlung Viola’s Bücherwurm in Kelkheim

Foto: Petra Krenzer

Wenn du etwas genau und lange ansiehst,
dann entdeckst du Dinge,
die für die anderen unsichtbar sind.
Die meisten Menschen machen den Fehler,
dass sie versuchen,
etwas ganz Besonderes zu sehen,
wo es doch nur darum geht,
das Offensichtliche
wirklich zu entdecken…..

Rabbi Shelomo ben Yitzhaki

Foto: Gaby Schaefer

MEIN SCHATZ.

Ich öffne das Kästchen
und betrachte voller Freude
meine Schätze.
Da funkeln wie Gold
die Liebe von und zu Menschen und Tieren.
Es glitzern wie Diamanten
langjährige, teure Freundschaften.
Da schimmern wie vielfarbige Edelsteine
Aufmerksamkeit, Geborgenheit,
Verlässlichkeit, Zärtlichkeit
und Gesundheit.
Ich fühle mich reich!

(C) Anne M. Pützer

Ich wünsche Ihnen ein entdeckungsfreudiges Schatz-Wochenende.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Zwei Anmerkungen in eigener Sache:
Samstag, 23.09.17 – 16 Uhr – Literarischer Herbst-Spaziergang am Rettershof
Einen Bericht über eine sehr schöne Lesung mit meinem Freund und Kollegen Thomas Berger:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2017/09/20/einkehren-bei-worten-im-gasthaus-lyrisches-mit-dem-kelkheimer-autor-thomas-berger/

Im Überfluss leben – Literarischer Wochenendgruß vom 15.09.17

Im Überfluss leben – Literarischer Wochenendgruß vom 15.09.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen liegt wieder Sperrmüll zur Abholung in unserer Straße bereit. An den verschiedensten Ecken kann man die Reste unseres ausgemisteten Wohlstands „besichtigen“.

Wir leben im Überfluss. Und immer wieder höre ich das Klagen darüber, wohin mit den vielen Sachen. Diese Äußerungen und meine Teilnahme am ökumenischen Flohmarkt Ende August haben mir erneut bewusst werden lassen, in welchem materiellen Überfluss wir leben. Bei meinen Besuchen auf Wochenmärkten wird mir dies auch im Hinblick auf die große Vielfalt der Lebensmittel deutlich. Wir haben die Wahl, die manchmal zur Qual wird.

Wäre manchmal weniger nicht besser als noch mehr?

Ein etwas nachdenklicher Wochenendgruß möge Sie in den freien Tagen begleiten

Foto: Gerd Taron

Eile mit Weile
Ja, immer größer wird die Eile:
Man sucht Gewinn, man will Genuß,
Doch bleibet uns an Langeweile
noch immer großer Überfluß.

Und fliegst du wie ein Vogel, fliege !
Die Langeweile läßt nicht ab;
Sie lag mit Dir schon in der Wiege,
Sie geht mit Dir auch in das Grab.

August Hoffmann von Fallersleben

Foto: Gerd Taron

Frei werden

Heute entrümpeln wir Wohnung und Keller,
trennen uns von Ballast,
von Unbrauchbarem, Überflüssigem,
das uns schon lange zur Last wurde,
unnütz im Weg stand, behinderte, einengte,
und stellen es als Sperrmüll vors Haus.

Heute nutzen wir die Gelegenheit,
Platz zu schaffen, um freu und unbelastet zu leben.

Warum nicht auch gleich
unseren Kopf entrümpeln,
uns trennen von unnützen Gedanken,
die uns belasten und einengen:
von Vorurteilen, feindseligen Gefühlen,
Bitterkeit, Bosheit, endlosem Grübeln,
von Erinnerungen an Ärger, Verletzungen,
an überflüssiges Geschwätz.

Heute nutzen wir die Gelegenheit,
Platz zu schaffen für positive Gedanken, Gefühle.

Warum nicht auch gleich
unseren Tag entrümpeln,
uns trennen von Tätigkeiten,
die uns nicht guttun,
die oberflächlich und leer
unsere Zeit totschlagen.

Heute nutzen wir die Gelegenheit,
in unserem Leben Platz zu schaffen,
um unsere kostbare Lebenszeit bewusster zu füllen.

Gisela Baltes

(aus: Gisela Baltes, Meine Wege – deine Wege. Impulstexte zum Kirchenjahr. (c) 2007 Verlag Butzon & Bercker, 47623 Kevelaer, http://www.chrisbuch.de/Spirituelle-Lebenshilfe/Meine-Wege-deine-Wege/889.html)

Foto: Gerd Taron

Ein Leben in Fülle lebt nicht vom Überfluss –
sondern von der Vielfalt.“

Ernst Ferstl

Foto: Gerd Taron

Ich lasse mich nicht unterdrücken
Ich lasse mich nicht unterdrücken
von denen, die Wachstum verneinen,
von Ideen, die das Entfalten verbieten,
von Gesetzen, die das Reifen verhindern.
Ich lasse mich nicht einschüchtern
von Vorschriften,
denen es nur um Sicherheit geht.
Ich lasse mich nicht ersticken
von hübscher Mittelmäßigkeit.
Ich lasse mich nicht zurückhalten
von den Risikoscheuen.
Ich protestiere
gegen die Verneinung des Lebens
und stürme weiter vor.
Wie sollen wir uns sonst treffen?
Das Übliche ernährt uns nicht,
und mitten im Überfluss werden wir sterben.
Ich werde mit mir selbst in Verbindung treten
und mit besonderem Tastsinn
auf dich zu wachsen.
Ich werde dich mit dem inneren Auge sehen,
deine ungesprochenen Worte hören
und weiter als eine Meile mit dir gehen.
Ich werde unvorhersagbar sein
und leben.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Voll Blüten

Voll Blüten steht der Pfirsichbaum,
Nicht jede wird zur Frucht,
Sie schimmern hell wie Rosenschaum
Durch Blau und Wolkenflucht.
Wie Blüten gehn Gedanken auf,
Hundert an jedem Tag –
Laß blühen! Laß dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!
Es muß auch Spiel und Unschuld sein
Und Blütenüberfluß,
Sonst wär die Welt uns viel zu klein
Und Leben kein Genuß.

Hermann Hesse~

Mit diesen Worten eines großen Dichters wünsche ich ein Wochenende zum Genießen des Überflusses, sei es bei einem Spaziergang in der Natur oder anderen Tätigkeiten.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Es lebe die Technik? – Literarischer Wochenendgruß vom 08.09.17

Es lebe die Technik? – Literarischer Wochenendgruß vom 08.09.17

Liebe treuen Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Zeiten erscheint es mir, als ob die Technik der neue Heilsbringer sei. Die Digitalisierung wird von Politik und Wirtschaft oft als die Lösung propagiert. Aber ist es wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue und die Nachrichten lese und höre, kommen mir erhebliche Zweifel an der „Technikgläubigkeit“
Die Technik ist genauso fehlerhaft wie der Mensch selbst. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass hinter der Technik immer der Mensch steht, der zum Beispiel eine Software programmiert hat. Im Gegensatz zu früheren Zeiten kann ein menschlicher Fehler in der digitalen Welt katastrophale Folgen durch Domino-Effekte haben. Die aktuelle Störung auf der stark befahrenen Rheintal-Bahn in Baden-Württemberg ist ein Beispiel. Öfters sind Pendler im Bahnverkehr von „Stellwerksstörungen“ betroffen. Oder wie oft hat das „Navi“ in die Irre geführt.

Im Haushalt erleichtern moderne Geräte die Arbeit. Frauen haben dadurch viel Erleichterung erfahren. Dafür sind sie heute im Berufsleben viel stärker eingespannt, um den Lebensstandard mit dem Partner zu erhalten.

Die Arbeitsbelastung hat in der digitalen Welt zugenommen, statt abzunehmen, wie es uns die Technik glauben machen will.
Und statt einfacher wird, so mein Eindruck, durch die Technik vieles komplizierter. Nicht jeder ist in der Lage, die oft unverständlichen Gebrauchsanleitungen zu verstehen. Das ist keine Frage der Intelligenz.

Vielleicht betrachten Sie manches nach meinen Ausführungen, was die Technik betrifft, kritischer.

Die ungewöhnlichen Fotos dieser Ausgabe haben mir Freunde und Bekannte zur Verfügung gestellt, die ich zum Teil persönlich oder aus den sozialen Werken kenne. Ihnen möchte ich dafür besonders danken.

Foto: Michael Heinz

Speziell für die Technikverhafteten und jene, die das Komplizierte für genial halten – das Komplizierte ist niemals genial, sondern bloß kompliziert. Das Einfache, das Simple, das ist das Geniale…

der Andersmensch

Über den Dächern von Eppstein – Foto: Gerd Taron

Linie 13. Montagmorgen, 8:07 Uhr

„Fahrscheine bitte!“ Neben mir sitzt eine alte kleine Dame – bestimmt schon über 80 Jahre. Und während ich in meiner Tasche nach meinem Ticket krame, sitzt sie regungslos da.

„Werte Frau, Ihren Fahrschein bitte!“ Die alte Dame schaut den Kontrolleur an. Sie lächelt. „Ich habe keinen. Ich fahre gerade zu meinen beiden Engelchen nach Mülheim. Schauen sie, ich könnte ihnen jetzt sagen, dass, der Fahrscheinautomat viel zu kompliziert ist. Oder vorgeben, ich sei verwirrt. Oder einfach sagen, ich leide an Demenz. Wahrscheinlich würden sie mir glauben. Die Wahrheit ist aber, dass wir Ende des Monats haben. Das Geld hat schlicht nicht ausgereicht für ein Ticket. Da ich die Kleinen aber unbedingt sehen wollte, bin ich das Risiko eingegangen.“

Der Kontrolleur ist sichtlich überrascht, ihm fehlen die Worte. „Mir ging es in meinem Leben schon weitaus schlechter,“ führt die Dame fort “ aber gelogen habe ich nie. Junger Mann, schreiben sie mich ruhig auf.“ Sie hält ihm ihren Personalausweis hin. Der Kontrolleur schaut jedoch nicht auf den Ausweis. Er blickt der Dame in die Augen. Holt tief Luft. Und dreht sich um. Er geht zum Ticketautomaten und öffnet sein eigenes Portmonee. Nach ein paar Sekunden kommt er wieder zurück “ Ich habe ihnen ein Ticket gekauft – es gilt für vier Fahrten. Damit können sie ihre Enkel diese Woche zweimal sehen.“ Die alte Dame ist jetzt sprachlos.

Verfasser unbekannt

Foto: Petra Krenzer

Es ist wichtig, was du willst
Du bist umgeben von Institutionen und Systemen,
die alle zu wissen meinen, was du brauchst.
Sie machen dir Angebote und betonen,
wie gut es wäre, wenn du ihnen glauben würdest.
Ratgeber annoncieren ihre Künste,
Wissenschaftler verbessern deine Lebensqualität,
Gurus wollen dich retten,
und für jedes Problem gibt es Techniker und Ärzte,
Politiker und Weltverbesserer, die behaupten,
sie hätten dein Glück im Sinn.
Für alles gibt es einen Durchschnitt,
nach dem gemessen wird.
Die Statistiken häufen sich.
Du bist eine anonyme Zahl.
Darum ist nichts so wichtig
wie die Entscheidungen deines Lebens.
Es ist wichtig, dass du etwas willst,
in der Tiefe deines Wesens,
dass du etwas mit deinem ganzen Herzen glaubst,
dass du wählst, wie du leben willst,
und dass du deine innere Stimme hörst und ihr traust.

Ulrich Schaffer

Foto: SusAnn Langstrump

VOM WERT DER ZEIT
Um den Wert des Jahres zu erfahren,
frage einen Studenten, der im Abschlussexamen durchgefallen ist.
Um den Wert eines Monats zu erfahren,
frage eine Mutter, die ein Kind zu früh zur Welt brachte.
Um den Wert einer Woche zu erfahren, frage einen Herausgeber einer Wochenzeitschrift.
Um den Wert einer Stunde zu erfahren, frage die Verliebten, die darauf warten sich zu sehen.
Um den Wert einer Minute zu erfahren, frage jemanden, der seinen Zug,Bus oder Flug verpasst hat.
Um den Wert einer Sekunde zu erfahren ,frage jemanden ,der einen Unfall überlebt hat.
Um den Wert einer Millisekunde zu erfahren,frage jemanden der bei den olympischen Spielen durch eine Millisekunde gewonnen hat.
DIE ZEIT – WARTET AUF NIEMANDEN

Verfasser unbekannt

Am Rettershof – „Meine Ruhebank“ – Foto: Gerd Taron

Für dieses Wochenende wünsche ich viele erholsame Zeit mit Ihrer Familie und Freunden oder für sich allein. Genießen Sie die stillen Momente, um zur Ruhe zu kommen.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Hinweis in eigener Sache: Die Veranstaltung am sonntag, 10.09. „Auf den Spuren von Hildegard von Bingen“ in Rüdesheim fällt wegen der schlechten Witterung aus!