Literarischer Rettershof 2019 – Ein Ausblick

Kelkheim-Fischbach, 31.10.2018

Liebe Freunde der Literatur und die es noch werden wollen,

das Jahr neigt sich dem Ende. Es ist die Zeit, in dem man seine Jahresplanung für 2019 vorbereiten kann.

Die ersten Termine für 2019 habe ich heute mit Claudia Hillebrand vom Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ festgelegt.

Zum Vormerken hier die Termine 2019:

Sonntag, 24.03.2019 – 15 Uhr – Literarischer Frühlings-Spaziergang
Sonntag, 23.06.2019 – 15 Uhr – Literarischer Sommer-Spaziergang
Sonntag, 29.09.2019 – 15 Uhr – Literarischer Herbst-Spaziergang
Sonntag, 27.10.2019 – 15 Uhr – Abschluss der literarischen Freiluftsaison

Ein besonderer literarischer Höhepunkt ist der Tag für die Literatur im kommenden Jahr.

Am Sonntag, 26.05.2019 ab 14:30 Uhr veranstalten Brina Stein und ich gemeinsam mit hr2-kultur und dem Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ wieder einen literarischen Spaziergang.

Als Autoren nehmen daran teil: Uta Franck, Franziska Franz, Peter Peters und Brina Stein.

Im Reiterstübchen des Landgasthofes erwarten Sie Paul Pfeffer und Christina Eretier von der Edition Pauer.

Andreina Bonanni wird dort den Nachmittag musikalisch begleiten.

Mit diesen schönen literarischen Ausblicken wünsche ich allen eine lesereiche Zeit.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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Die Lust am Bösen – Literarischer Wochenendgruß vom 26.10.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in Kürze wird nicht nur bei uns ein gruseliges Fest gefeiert- Halloween. Kinder und Erwachsene maskieren sich und überbieten sich in ihren Kostümen. Frankenstein lässt grüßen.

Aber nicht nur zu diesem „Fest“ begegnet uns das Böse. Es ist allgegenwärtig. Damit meine ich die vielen negativen Nachrichten. Das Genre Krimi erfreut sich großer Beliebtheit, sei es im Fernsehen oder als Buch. Bill Ramsey sang Anfang der 1960er Jahre den Gassenhauer „Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett“.

Heute erscheint mir, dass es fast nur Krimis oder Science-Fiction Literatur und Filme gibt. Je mehr Blut fließt, desto erfolgreicher?

Wenn ein neues Buch im regionalen Bereich vorgestellt wird, ist es zumeist ein Krimi. Woher diese Lust kommt, kann ich mir nicht erklären.

In der Frankfurter Neuen Presse erschien vor kurzem eine Glosse unter dem Titel „Mehr Mord, bitte!“ Mir wäre weniger Mord dann doch etwas lieber. Die Krimi-Autoren mögen mir verzeihen, dass ich darauf hinweise, dass es auch andere spannende Bücher und Filme gibt.

Zu diesem Thema habe ich wieder einige Texte ausgesucht. Die Fotos stammen aus diversen Einsendungen und karikieren zum Teil das Thema.

Foto: Gerd Taron

Herbstwind

Hörst Du wie er böse rüttelt,
Blätter von den Bäumen schüttelt,
Fensterläden donnernd schließt und um Häuserecken schießt?

Hörst Du wie die Türen fliegen,
Birken sich wie Knechte biegen,
Regen an das Fenster klopft, es durch jede Ritze tropft?

Hörst Du wie die Spießgesellen,
lauter noch als Hunde bellen,
wie sie jagen durchs Geäst, rüsten sich zum Abschiedsfest?

Hörst Du wie die Krähen krächzen, alte Balken schrecklich ächzen, Rose wechselt letztes Kleid, rüstet schon zur Winterszeit..

© Ute AnneMarie Schuster

Foto: Connie Albers

Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Die nackten Toten die sollen eins
Mit dem Mann im Wind und im Westmond sein;
Blankbeinig und bar des blanken Gebeins
Ruht ihr Arm und ihr Fuß auf Sternenlicht.
Wenn sie irr werden solln sie die Wahrheit sehn,
Wenn sie sinken ins Meer solln sie auferstehn.
Wenn die Liebenden fallen – die Liebe fällt nicht;
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Die da liegen in Wassergewinden im Meer
Sollen nicht sterben windig und leer;
Nicht brechen die die ans Rad man flicht,
Die sich winden in Foltern, deren Sehnen man zerrt:
Ob der Glaube auch splittert in ihrer Hand
Und ob sie das Einhorn des Bösen durchrennt,
Aller Enden zerspellt, sie zerreißen nicht;
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Keine Möwe mehr darf ins Ohr ihnen schrein
Keine Woge laut an der Küste versprühn;
Wo Blumen blühten darf sich keine mehr regen
Und heben den Kopf zu des Regens Schlägen;
Doch ob sie auch toll sind und tot wie Stein,
Ihr Kopf wird der blühende Steinbrech sein,
Der bricht auf in der Sonne bis die Sonne zerbricht,
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Erich Frieds Nachdichtung von Dylan Thomas` „And Death Shall Have No Dominion“.

Foto: Gabriele Kindermann

Sage zu dir in der Morgenstunde: Heute werde ich mit einem unbedachtsamen, undankbaren, unverschämten, betrügerischen, neidischen, ungeselligen Menschen zusammentreffen. Alle diese Fehler sind Folgen ihrer Unwissenheit hinsichtlich des Guten und Bösen. Ich aber habe klar erkannt, daß das Gute seinem Wesen nach schön und das Böse häßlich ist, daß der Mensch, der gegen mich fehlt, in Wirklichkeit mit mir verwandt ist, nicht weil wir von demselben Blut, derselben Abkunft wären, sondern wir haben gleichen Anteil an der Vernunft, der göttlichen Bestimmung. Keiner kann mir Schaden zufügen, denn ich lasse mich nicht zu einem Laster verführen. Ebensowenig kann ich dem, der mir verwandt ist, zürnen und ihn hassen; denn wir sind zur gemeinschaftlichen Wirksamkeit beschaffen, wie die Füße, die Hände, die Augenlider, wie die obere und untere Kinnlade. Darum ist die Feindschaft der Menschen untereinander wider die Natur; Unwillen aber und Abscheu in sich fühlen ist eine Feindseligkeit.

Marc Aurel (1, 14), Selbstbetrachtungen

Foto: Melanie Ullrich

Wach werden
Vielleicht ist alles nur
eine Frage des Erwachens.
Wir haben uns mit dem Schlaf abgefunden.
Kafka hat uns schon vor hundert Jahren gesagt,
dass wir nicht Bösewichte, sondern Schlafwandler seien.
Die Musik der Harmlosigkeit hat uns eingeschläfert.
Wir haben viele Schlaftabletten genommen,
von der entmündigenden Religion bis zur nicht integrierten Politik,
vom schlauen Gerede bis zum dummen Getue.
Mit geschlossenen Augen schleichen wir am Abgrund entlang
und wollen die wahre Stimme unseres Herzens nicht hören.
Auf dem Rücken unseres Schlafes
tummelt sich das Unheil der Welt.
An unserem Schnarchen stirbt die Hälfte der Menschen.
Neues zu wagen heißt,
aus dem schrecklichen Schlaf zu erwachen.
Wir brauchen den heilsamen Schreck,
der uns die Augen öffnet,
und sie uns nicht mehr schließen lässt.
Ganz gleich wie wir uns absichern,
herzhaftes, erfülltes Leben bleibt immer ein Wagnis.

Ulrich Schaffer

Foto: Gabriele Kindermann

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?

Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)

Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.

Ich wäre gerne auch weise.

Bertolt Brecht – Auszug aus „An die Nachgeborenen“

Foto: Connie Albers

LIEBEN NICHT VERGESSEN*

Ein Seifenfabrikant sagte zu einem Engel:
„Die Nächstenliebe hat nichts erreicht.
Obwohl es schon bald zweitausend Jahre gepredigt wird..
ist die Welt nicht besser geworden.
Es gibt immer noch Böses und böse Menschen.“

Der Engel wies auf ein ungewöhnlich schmutziges Kind..
das am Straßenrand im Dreck spielte.. und bemerkte:
„Seife hat nichts erreicht.
Es gibt immer noch Schmutz und schmutzige Menschen in der Welt.“

„Seife“, entgegnete der Fabrikant,
„nutzt nur.. wenn sie angewendet wird.“

Der Engel antwortete:
„Die Nächstenliebe auch.“

(Gispert Kranz)

Ein friedvolles Wochenende wünscht allen
Ihr/Euer Gerd

Den Herbst literarisch zwischen den Zeiten genießen –Spaziergang im Woogtal in Königstein im Taunus

Foto: Gerd Taron

Königstein im Taunus, 21.10.2018

Vor der Kur- und Stadtinformation – Foto: Ira Lenski

Zum Abschluss der literarischen Freiluftsaison trafen sich Freunde der Literatur aus nah und fern, um den Geschichten und Gedichten zum Thema „Zwischen den Zeiten“ im schönen Woogtal zu lauschen.

Mit einem Gedicht, unter anderem von Paul Pfeffer, begaben sich die Teilnehmer bei herrlichstem Traumwetter auf den Weg ins Woogtal.

Später Herbsttag

Noch einmal spielt die Sonne auf den Hängen
mit Farben wie von großen alten Meistern.
Noch einmal kann ihr Spiel mein Herz begeistern,
derweil mich dunkle Ahnungen bedrängen,
dass dieser Rausch schon bald vergehen werde.
Die letzten Früchte modern schon im Grase,
und letzte Rosen welken in der Vase
an meinem Fenster.Schwerer wird die Erde.
Doch heute will der Herbst noch einmal glänzen,
bevor der Winter mir den Tag verdunkelt.
Er lädt die Blätter ein zu wilden Tänzen
und zeigt, wie groß er ist und wie sein Auge funkelt.
Noch einmal will er seine Kraft und Fülle zeigen,
bevor sich seine Tage still dem Ende neigen.

Paul Pfeffer

Auf dem Weg ins Woogtal – Foto: Ira Lenski

An weiteren Stationen wurden Gedichte und Geschichten präsentiert, die alle im Zusammenspiel mit der Natur in den Bann zogen.

Foto: Ira Lenski

Herbstfeuer

In Wald und Garten, Busch und Baum
erglühen leuchtend Herbstes Lichter;
aufflammt ein golden roter Traum,
der Blätter feurige Gesichter.
Als feiere vor langem Darben
in dunkler Nacht und Nebelfang
Natur hier, schwelgend in den Farben,
des Sommers Sonnenuntergang.
Ein hoffnungsvolles Abschiedsfest,
wo Wiedersehen im Erwarten
den Frühling jetzt schon grüßen lässt,
das Leben blühend neu zu starten.

© Text Ingrid Herta Drewing

Foto: Ira Lenski

Abschiedsgedanken

Es trinkt der Teich sich noch an Farben satt,
dem Blau des Himmels, rotem Gold der Bäume,
das sonnig leuchtend dieser Herbsttag hat
geschenkt als Spiegelbild, lässt Phönix träumen.
Hier werden bald die Nebelvögel schwingen,
auslöschen alle Pracht und warmen Glanz,
und Frost wird ihn in blinde Eishaut zwingen,
wo Wasservögel schweben jetzt im Tanz.
Er fühlt es nicht, Natur wird schmerzlos lenken,
doch mir mischt Wehmut sich in meinen Blick,
erschaue Schönes, dennoch weiß mein Denken,
wie endlich hier das Leben, alles Glück.
Doch tröstlich ist der Kreislauf der Natur:
Was hier vergeht, kommt wieder, ruht ja nur!

© Text Ingrid Herta Drewing,

Foto: Ira Lenski

Man muss den Dingen
die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist Austragen –
und dann Gebären.
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit.
Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages in die Antwort hinein.

Rainer Maria Rilke

Foto: Ira Lenski

Dabei wurden besondere Bücher vorgestellt – wie hier „Das Tagebuch der Edith Holden – Vom Glück mit der Natur zu leben“.

Foto: Ira Lenski

oder das Buch des Fotografen Bernhard Nollen „ Nutze den Augenblick – Gedanken zur Lebenskunst“ mit Zitaten von Marc Aurel

Foto: Ira Lenski

Mit „Desiderata“ von Max Ehrmann endete ein wunderschöner Tag im Woogtal.

Eine kleine Runde gönnte sich im Eiscafé bei angenehmen Temperaturen ein Eis zum Abschluss.

„Mozart-Becher“ – Foto Gerd Taron

Die literarische Freiluftsaison 2019 wird am Sonntag, 24.03.2019 um 15 Uhr mit einem literarischen Frühlingsspaziergang rund um den Rettershof eröffnet.

Ein wundervolles Jahr mit vielen schönen Begegnungen, nicht nur literarisch, hat einen würdigen Abschluss gefunden.

Gerd Taron

Vom Dienst leisten – Literarischer Wochenendgruß vom 19.10.18

Vom Dienst leisten – Literarischer Wochenendgruß vom 19.10.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

immer wieder lese ich vor allem in den sozialen Medien, wie zum Beispiel facebook, dass Mann/Frau sich über mangelnde Dienstleistungen beschwert. Da werden Pakete nicht oder falsch zugestellt, die Zeitung kommt zu spät, die Bedienung ist angeblich unfreundlich usw. Im öffentlichen Nahverkehr fallen Züge oder Busse wegen Personalmangel aus. In den Krankenhäusern und Seniorenheimen herrscht Pflegenotstand.

Bei allem Verständnis für die Verärgerung: Wer denkt eigentlich an die Menschen, die all diese Dienstleistungen ausüben? Oft werden Paketzusteller, die meistens jung und unerfahren sind, nicht oder nur mangelhaft in ihre Tätigkeiten eingewiesen. Die Bezahlung ist schlecht und die Arbeitsbedingungen meist unzumutbar.

Wenn es um Leben von Menschen geht, ist dies noch viel schlimmer. Dort können die miserablen Arbeitsbedingungen fatale Folgen haben.

Angeblich liegt es am System, wie ich vor kurzem las. Aber das System sind wir! Wir alle können dazu beitragen, dass sich die Bedingungen für die einzelnen, wenn auch nur wenig, verbessern lassen. Die Bedienungsmentalität und Bequemlichkeit ist in unserer Gesellschaft aus meiner Sicht sehr hoch geworden.

Dieser Wochenendgruß soll mit den Texten und Fotos etwas dazu beitragen, ein besseres Verständnis für die Menschen, die in den Dienstleistungsberufen beschäftigt sind, zu gewinnen.

Foto: Gerd Taron

Die vorteilhafteste menschliche Ordnung wäre die,
bei welcher jeder an das Glück der anderen dächte und sich uneingeschränkt dem Dienst für dieses Glück weihte.
Bei einer solchen Einstellung aller erhielte jeder den größten Anteil von Glück.

(Leo N. Tolstoi)

Foto: Gerd Taron

Und wenn ihr nicht mit Liebe, sondern nur mit Unlust arbeiten könnt, dann ist es besser, eure Arbeit zu verlassen, und euch ans Tor
des Tempels zu setzen, um Almosen zu erbitten von denen,
die mit Freude arbeiten.

Khalil Gibran

Foto: Gerd Taron

Lange hast du dir Mühe gegeben
immer da zu sein, ansprechbar, verantwortlich,
zuständig zu sein für das, was anlag,
auch für die Belange anderer,
die eigentlich ihre Verantwortung waren.
Man konnte auf dich zählen,
man wusste, dass du da sein würdest.
Manchmal warst du ausgelaugt,
hattest keine Kräfte mehr,
du hättest die Arbeit an liebsten anderen überlassen,
aber du bliebst,
es gehörte zu deinem Selbstverständnis.
Du wolltest dem stillen Druck ausweichen,
der ungeschrieben dein Leben bestimmte,
aber du hast es nicht geschafft.
Du hast dich selbst
mit deinen Erwartungen festgehalten.
Aber du hast das Recht dich zurückzuziehen.
Du bist nicht weniger wert,
wenn du die Verantwortung nicht übernimmst
und andere machen lässt. Sie sind dran.
Es ist Zeit, an dich zu denken,
die stillen Seiten in dir zu entwickeln,
deine Tiefe auszuloten,
dein Herz besser kennenzulernen.
Du hast ein Recht auf deine Stille,
auf die Entwicklung deiner Einmaligkeit,
auf den Weg, den nur du zu gehen hast.
Das Stille und oft Große in dir
hatte fast nie eine Chance sich zu zeigen,
sich zu entwickeln, ein eigenes Leben zu entfalten.
Es wurde verdrängt vom täglichen Kleinkram
und von Menschen mit einer kleinen, vorsichtigen Sicht
Jetzt ist es dran. Lass es nicht im Stich,
lass dich nicht im Stich. Ein neuer Abschnitt beginnt.
Lass dein schlechtes Gewissen los.
Höre nicht mehr auf die, die es dir mit ihren Sprüchen
schwer machen wollen, einen neuen Weg zu wagen.
Sag ihnen entschieden, dass jetzt sie gefordert sind
und dass du dich auf einem anderen Weg befindest.
Und denke nicht, dass du egoistisch bist –
wenn du an dich denkst, tust du deinen Freunden
einen großen Dienst.
Sie brauchen deine Herausforderung,
deine Abwesenheit, das Erlebnis mit dir,
dass du nicht zu Verfügung stehst.
Dein neues Leben bricht an,
du hast ein großes Recht darauf.
Gib es nicht ab.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Eine alte Dame setzt sich in ein Café. Die Kellnerin bringt ihr die Menü-Karte und fragt nach, was sie denn bestellen möchte.
Die alte Dame fragt: „Wie teuer ist bei ihnen ein Stück von der Torte?“
Die Kellnerin antwortet: „5 Euro.“
Die gebrechliche alte Dame holt einige Münzen aus ihrer Tasche und beginnt langsam zu zählen.
Dann fragt sie wieder: „Und wie teuer ist bei ihnen ein einfaches Stück Kuchen?“
Die Kellnerin war etwas gestresst, da sie ja noch viele Tische bedienen musste und antwortete sehr ungeduldig: „4 Euro.“
„Das ist gut, dann nehme ich gerne den einfachen Kuchen“, antwortete die alte Dame.

Die Kellnerin brachte ihr genervt den Kuchen und legte gleich die Rechnung hin. „Immer diese geizigen Leute“, murmelte sie leise vor sich hin.
Die alte Dame aß ganz langsam und genussvoll den Kuchen, stand langsam auf, legte das Geld auf den Tisch und ging.

Als die Kellnerin nun den Tisch aufräumen wollte, stellte sie fest, dass die alte zerbrechliche Dame ihr einen Euro Trinkgeld hingelegt hat.

Sie bekam vor Rührung Tränen in die Augen. Aber es war zu spät, um sich bei der alten Dame zu entschuldigen. Sie begriff schmerzhaft und sich schrecklich fühlend, dass die alte Dame sich mit einem einfachen Stück Kuchen begnügte, um der Kellnerin Trinkgeld zu schenken!

Autor unbekannt

Foto: Brina Stein

Wenn Du weißt, wer Du bist und so lebst, dann ist das für Deine Mitmenschen eine verlässliche Basis. Auf dieser Basis ist gemeinsames Leben und Arbeiten möglich.

Monika Bylitza

Foto: Sabine Barde

Möge dir die Arbeit
nicht schwer von der Hand gehen,
trotz Schwielen und Schrunden.
Dein Lohn auf Erden mag fragwürdig sein,
der Lohn der Ewigkeit ist unumstritten.
Irischer Segenswunsch
Wenn Sie an diesem Wochenende unterwegs sind und ihre Freizeit genießen, denken Sie vielleicht etwas mehr an die Menschen, die für Sie Ihren Dienst versehen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Veranstaltungshinweis in eigener Sache:

Sonntag, 21.10.18 um 15 Uhr

Zwischen den Zeiten – Literarischer Spaziergang im Woogtal in Königstein im Taunus

Zum Abschluss der literarischen Freiluftsaison präsentiere ich Literarisches über die Zeit und den Übergang zwischen Herbst und Winter.
Treffpunkt: Kur- und Stadtinformation Königstein, Hauptstr. 13a

Literarische Erntezeit – Literarischer Erntedank-Spaziergang rund um den Rettershof

Foto: Andreina Bonanni

Kelkheim-Fischbach, 14.10.2018

Ein traumhaftes Spätsommerwetter beim diesjährigen Erntedank- und Handwerkerfest am Rettershof bescherte vielen Besuchern einen wunderschönen Tag.

Foto: Marina Rupprecht

Es waren ideale Voraussetzungen für meinen letzten literarischen Spaziergang rund um den Rettershof in diesem Jahr. Mit Unterstützung von Andreina Bonanni, die diesmal fotografisch den Spaziergang begleitete, lauschten zahlreiche Literaturinteressierte den Geschichten und Gedichten.

Foto: Andreina Bonanni

An verschiedenen Stationen konnten die Teilnehmer auch die wunderschöne Landschaft genießen.

Foto: Gerd Taron

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.

-Johann Gaudenz Salis-Seewis (1782)

An der Wegekreuzung Fischbach/Ruppertshain/Schneidhain/Rettershof – Foto: Andreina Bonanni

Stilles Reifen
Alles fügt sich und erfüllt sich,
mußt es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.
Christian Morgenstern

Skulpturen am Rettershof -Foto: Gerd Taron

Ernte
Es ist Ernte,
dass wir einander noch haben.
Es ist Ernte,
die Münzen der Minuten und Stunden
noch ausgeben zu können.
Es ist Ernte
durch unsere gegenseitige Gegenwart
die Zeit zu schmecken wie Schwarzbrot.
Wir haben Samen ausgestreut,
manchmal ängstlich und mit zitternder Hand
und dann wieder so,
als gehörte uns schon die goldene Ernte.
Wir haben nicht gewusst,
ob die Saat aufgehen würde,
oder was wir ernten würden,
aber wir haben nicht aufgegeben.
Ich suche jetzt deine Augen häufiger,
als wolle ich mich vergewissern,
dass auch du die Dichte der Ernte erlebst.
Unser Glück tritt aus dem Sinn hervor,
den wir allem geben.

Ulrich Schaffer

Ein Hund einer Teilnehmerin fühlte sich offensichtlich auch sehr wohl – Foto: Gerd Taron

Mit dem berühmten Gedicht von Theodor Fontane endete ein kurzweiliger Spaziergang.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Die literarische Freiluftsaison nähert sich dem Ende. Am kommenden Sonntag, 21.10.2018 findet der Abschluss beim literarischen Spaziergang im Woogtal in Königstein statt. Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Kur- und Stadtinformation in Königstein.

Mit literarischen Grüßen

Gerd Taron

Bunte Vielfalt – Der zweite Besuchstag auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Frankfurt, 12.10.18

Die Buchmesse bietet immer wieder mit ihren Besuchern und Aussteller eine farbenfrohe und fröhliche Begegnungsstätte – nicht nur für Bücherfreunde.

Fattoria La Vialla https://www.lavialla.it/de/

Christian Schumm (The Taste Collection – http://www.christianschumm.com ) mit Verena Rempel (www.verenea-rempel.de )

Das Gastland Georgien präsentierte sich in seiner großen Vielfalt mit seiner Kultur und Literatur.

Gastland Georgien

Der Kelkheimer Autor Thomas Berger (rechts) bei dem er und weitere Autoren aus dem literarischen Journal sich vorstellten

Sylvia Schopf am Stand von „Literaturland Hessen“

Literaturland Hessen

Zum ersten Mal gab es in Halle 4.1 einen Stand des Literaturlandes Hessen. Dieser wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und des Hessischen Literaturrates e. V.

Dieser richtet wieder gemeinsam mit hr2-kultur am 26.05.2019 den „Tag für die Literatur“ aus. Es ist eine hessenweite Literaturveranstaltung, die alle 2 Jahre stattfindet.

Brina Stein und ich freuen uns, dass wir wieder auf Einladung von hr2-kultur mit einem literarischen Spaziergang rund um den Rettershof dabei sind. Mit den Autoren Uta Franck, Franziska Franz, Peter Peters, Brina Stein und der Edition Pauer, alias Paul Pfeffer und Christina Eretier, sowie mit musikalischer Begleitung von Andreina Bonanni haben wir wieder ein abwechslungsreiches Programm für diesen Tag zusammengestellt.

Es war wieder ein Tag mit vielen neuen Impulsen. Die nächste Buchmesse mit dem Gastland Norwegen kann kommen.

Gerd Taron

Und hier noch einige weitere fotografische Eindrücke meines zweiten Besuchstages:

Ernte sei Dank – Literarischer Wochenendgruß vom 12.10.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

am kommenden Sonntag können Besucherinnen und Besucher des Erntedank- und Handwerkfestes am Rettershof im Taunus die Vielfalt unserer Gegend genießen, sehen und schmecken. In diesem Jahr ist die Ernte auf den Streuobstwiesen rund um den Rettershof besonders reichlich. Im diesem Jahr habe ich wieder beobachten können, wie aus kleinem großes entstehen kann.

APFELERNTE

O welche Lust, auf die Bäume steigen
Und klettern umher in den schwanken Zweigen!
Wir müssen uns recken, müssen uns bücken,
Die Äpfel und Birnen und Zwetschgen zu pflücken.
Und können wir nicht zum Wipfel gelangen,
Wo meist die allerschönsten hangen,
Dann legen wir die Leiter dran
Und ziehen mit Haken die Zweige heran.
Hilft das auch nichts, dann kommt das Beste,
Wir schütteln alle Zweig‘ und Äste,
Und wenn es dann regnet Äpfel im Nu,
Dann sehen wir jubelnd von ferne zu.

Autor: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Ernte

Es ist Ernte,
dass wir einander noch haben.
Es ist Ernte,
die Münzen der Minuten und Stunden
noch ausgeben zu können.
Es ist Ernte
durch unsere gegenseitige Gegenwart
die Zeit zu schmecken wie Schwarzbrot.
Wir haben Samen ausgestreut,
manchmal ängstlich und mit zitternder Hand
und dann wieder so,
als gehörte uns schon die goldene Ernte.
Wir haben nicht gewusst,
ob die Saat aufgehen würde,
oder was wir ernten würden,
aber wir haben nicht aufgegeben.
Ich suche jetzt deine Augen häufiger,
als wolle ich mich vergewissern,
dass auch du die Dichte der Ernte erlebst.
Unser Glück tritt aus dem Sinn hervor,
den wir allem geben.

Ulrich Schaffer

Herbstgold

Der Sommer ist gegangen,
und Frühherbst hält das Land
in feuerrotem Prangen
und golden in der Hand.
Die Ernte eingefahren,
in Körben Früchte, reich;
zur Mittagszeit,im Klaren,
spielt Luft noch mild und weich.
Da liegt im Traum das Leben,
es schwelt der Sonne Glut,
und sanft die Blätter schweben
dorthin, wo alles ruht.

© Ingrid Herta Drewing

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,
mußt es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.

Christian Morgenstern

Erntedank

Nun ist es Herbst und kalte Winde pfeifend toben.
Es färbt das Laub sich schon an Bäumen bunt.
Bald wandeln Sommerträume in Novemberroben
und Nebelschweben decken Wiesengrund.
Ein Sternenheer schaut in der Nacht auf müde Seelen.
Sie funkeln hell im düster’n Wolkenfeld.
Wenn Sonnenstrahlen sich den Tagesanbruch stehlen,
hat oftmals schon sich Frost dazugesellt.
Das Ährenfeld im Tal ist auch bereits geschnitten,
von Herbstes Hand verwandelt war’s in Gold.
Kommt dann der Winter durch das weite Land geschritten,
zahlt er die Zeit mit seinem weißen Sold.
In voller Reife liegt die Ernte jetzt in Gärten.
Sein Samen wurd‘ im März schon ausgesät
und Gottes Hände still das stete Wachstum nährten,
des Morgens früh bis hin zum Abend spät.
Mit mancherlei wird nun gefüllt der dunkle Keller.
Gemüse, Obst, Kartoffeln, groß und klein.
Wenn Mutters sorgend‘ Hände füllen leere Teller,
woll’n dankbar wir für diese Gaben sein.
Wie wunderbar behütet ist aus guter Gnade
die große Welt im Wechsel durch die Zeit
und schreiten wir hindurch auf Gottes Liebespfade,
liegt jederzeit sein Segen uns bereit.

Anette Esposito, 2008 / christliche-gedichte.de

Ich wünsche allen bei den traumhaften Wetteraussichten ein erntereiches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Wer mag und gerade in der Nähe ist, lade ich zum Erntedank-Spaziergang am Rettershof anlässlich des Erntedank- und Handewerkfestes ein. Treffpunkt ist um 12:45 Uhr unter der Linde.