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Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

Alleine bin ich nicht

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Am Montag stieg ich am Franckeplatz aus der Straßenbahn, drehte mir eine Zigarette – und während ich rauchte, schrieb ich ein Textchen in meiner Kladde zuende.

Dabei fiel mir ein großer blonder, bärtiger, bebrillter Mann (in den 40ern?) mit Zopf auf. Der stand da, wanderte hin und her, schaute stehenbleibend immer wieder gedankenverloren in die Luft. In der linken Hand hatte auch er – zu meiner erfreulichen Verwunderung – eine kleine bunte Kladde. Manchmal trug er etwas ein mit seinem Bleistiftstummel, auf dem er kaute, während er nachdachte. Entweder waren es kurze Worte in winziger Schrift, oder er fügte einer Skizze oder Zeichnung nur wenige kleine Striche hinzu.

Als er dann bemerkte, daß ich auch mit Kladde und Stift zugange war, lächelten wir uns kurz an. Kurz darauf verschwand er in seinem Bus und ich…

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Auf Augenhöhe – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach

Vier Männer stehen im Fitnessstudio an der Saftbar und tauschen sich über Politik und Wirtschaft aus. Diesmal ist natürlich der Sternartikel Thema. „Also ich finde den Zeitpunkt der Veröffentlichung eine Ungeheuerlichkeit.“ „Ja, die hätte das doch schon vor einem Jahr bringen müssen.“ „Und was sagt du?“ „Ich sage gar nichts, ihr habt schon alles gesagt.“ So oder ähnlich verliefen in der letzten Woche bestimmt einige Gespräch unter Männern. Es wird nur über den Zeitpunkt, vielleicht sogar den Politiker, aber sehr selten über das Thema gesprochen. Dabei scheint der Artikel bei vielen Frauen etwas ausgelöst zu haben, was über den einzelnen, persönlichen Bereich hinausreicht. Sehr viele Frauen fühlten sich schon einmal in ihrem Berufs- oder Privatleben so sexualisiert angesprochen, dass sie dies mehr als unangenehm empfangen. Meines Erachtens geht es bei dieser Art der Kommunikation nicht um einen Flirt, sondern es geht um Macht. Wenn ich den anderen, die andere nur auf ein Merkmal reduziere, in dem Fall auf ihre Sexualität, dann versuche ich Macht über die andere Person auszuüben. Dann nehme ich nicht mehr den Menschen als Person wahr und ernst, sondern mache sie zu einem Objekt.
Von Jesus wird in der Bibel berichtet, dass er ein ganz anderes Verhältnis zu Frauen pflegte, als dies, was damals üblich war. Frauen standen am Rand, durften sich nicht an einen Tisch mit Männern legen. Jesus aber nahm Frauen, wie Maria, mit an den Tisch und diskutierte mit ihnen. Er stellte sich mit ihnen auf einen Ebene – auf Augenhöhe mit Respekt (Lukas 10.38ff).
Darin ist er für mich ein Vorbild, dem ich gerne nachfolge. Niemand sollte auf sein Geschlecht, seine Hautfarbe oder seine Behinderung reduziert werden. Denn sonst sehe ich nicht den Menschen.
So wünsche ich Dir, dass Du in dem oder der anderen neben Dir immer den Menschen erblickst und ihm auf Augenhöhe begegnest.
Gottes Segen für Dich!
Andreas Schmalz-Hannappel, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach