Gute Reise! – Literarischer Wochenendgruß vom 25.07.14

Gute Reise! – Literarischer Wochenendgruß vom 25.07.14

Liebe literarische Freunde,

in Hessen beginnen an diesem Wochenende die Sommerferien. Für viele heißt es: Endlich Urlaub! Zeit sich von anstrengenden Wochen und Monaten, vom Alltag, zu erholen.

Wo verbringen Sie Ihren Urlaub in diesem Jahr oder haben bereits Tage der Erholung genießen können? Am Meer, in den Bergen, eine Natur- oder Kultur-Erlebnisreise? Oder findet der Urlaub in diesem Jahr, aus welchen Gründen auch immer, zu Hause statt?

Egal, wo Sie Ihre Zeit des Müßiggangs erleben – gönnen Sie sich schöne Momente, ob als Familie, mit Freunden oder vielleicht auch auf einer Reise mit sich selbst.

Reisen hat schon viele Dichterinnen und Dichter inspiriert und die Gedanken schweifen lassen.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel
Es schienen so golden die Sterne.
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrannte,
Da hab ich mir heimlich gedacht;
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Joseph von Eichendorff

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

 

Wahrhaftig, wär ich nicht von Natur
Bereits gewesen ein Schimmel,
Erbleichend vor Schrecken wär mir die Haut
Jetzt weiß geworden, o Himmel!

Uns Pferde tötet die Konkurrenz
Von diesen Dampfmaschinen –
Zum Reiten, zum Fahren wird sich der Mensch
Des eisernen Viehes bedienen.

Und kann der Mensch zum Reiten uns,
zum Fahren nicht entbehren –
Ade der Hafer! Ade das Heu!
Wer wird uns dann ernähren?

Wie klug auch die Maschinen sind,
Welche die Menschen schmieden,
Dem Esel bleibt zu jeder Zeit
Sein sicheres Dasein beschieden.

Der Himmel vergißt seine Esel nicht,
Die ruhig im Pflichtgefühle,
Wie ihre frommen Väter getan,
Tagtäglich traben zur Mühle.

Heinrich Heine

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel
Franz Grillparzer an Katharina Fröhlich, Bericht über eine Reise nach Paris 1836:

„Wer meinen Widerwillen gegen das Fahren, ja gegen alles Sitzen kennt, mag sich vorstellen, welche eigentliche Qualen ich in diesen verfluchten Marterkästen, genannt Eilwägen, ausstand.“

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Foto: Gerd Taron

 

Richard Dehmel an Frau Paula 1887:

„Alles hat seine Poesie. Die Poesie der Postkutschen ist gestorben; sie feiert ihre Auferstehung in der Poesie der Bahnfahrt, nur noch verklärter. Schon dies Ungetüm, die Bahn selbst mit ihrer Lokomotive. In der Nacht, auf den Stationen, wenn man erwacht vom Läuten der Signalglocken: was hört man da diese Ungeheuer für Seelengespräche führen! Da war eine Lokomotive, die heulte immer: will nicht!will nicht! Wie ein Klageschrei der gebändigten Elemente klang es; ein Schrei ohnmächtiger Kraft, wie ein Riese schreit, den die List der Zwerge geknechtet hat. Unsere weinte, laut wie ein Kind, das in seiner Wiege bleiben muß, – wie ein Königskind, stolz und zornig, über die Vasallen, die es nicht abschütteln kann.“
Ich wünsche Ihnen viele erholsame Stunden und Tage, an diesem Wochenende, ob zu Hause oder im Urlaub.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Der literarische Wochenendgruß macht keine Ferien. Er erscheint wie gewohnt am Freitag. Vorausgesetzt, es treten keine technische Störungen auf …
Zwei Veranstaltungshinweise für das Wochenende als Erinnerung:

Samstag, 26.07.2014 von 15:00 bis 17:00 Uhr
Literarischer Spaziergang in Kelkheim-Fischbach
Treffpunkt: Parkplatz Rettershof, Kelkheim-Fischbach

Thema: Schöne Früchte – Die Streuobstwiesen rund um den Rettershof
Geschichten und Gedichte über ein fruchtiges Thema
Kostenbeitrag: 5 Euro

Sonntag, 27.07.2014 ab 15:30 Uhr
Literarischer Nachmittag bei Kaffee und Kuchen
Im Café Lounge Jasmin in Frankfurt-Fechenheim, Alt-Fechenheim 94
Thema: Reise-Literatur von anno dazumal zum Hören und Anschauen
Gute Reise! Reise-Literatur von anno dazumal zum Hören und Anschauen
präsentiert von Gerd Taron mit der literarischen Begleiterin und Sprecherin Viktoria Vonseelen (www.viktoria-vonseelen.de)

 

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Neue Wege im neuen Jahr und gute Reise – Beitrag von Rainer Wälde

 

Auch im neuen Jahr wird mancher von uns sich die Frage stellen, ob es dran ist, völlig neue Wege auszuprobieren. Wenn wir uns dann auf den Weg machen, kann es sein, dass viele unsere Pläne für völlig absurd halten. Kann aber auch sein, dass wir erst dadurch wirklich erkennen, was uns im tiefsten Innern antreibt. Alles Gute denjenigen, die sich 2013 auf diese Reise machen werden.

 

Rainer Wälde