Die Sinne wahrnehmen und genießen – Literarischer Wochenendgruß vom 26.05.17

Die Sinne wahrnehmen und genießen – Literarischer Wochenendgruß vom 26.05.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

wann haben Sie zuletzt Ihre Sinne bewusst wahrgenommen? Sei es riechen, schmecken, sehen, hören, fühlen … – es gibt so viele Gelegenheiten in unserem hektischen Alltag, in denen wir verlernt haben, uns unserer natürlichen Sinne; Zeit zu schenken.

Dieser Wochenendgruß möge dazu beitragen, ein neues oder wieder erwachtes Bewusstsein zu einem sinnerfülltes Leben zu schaffen.

Foto: Gerd Taron

Einfach nur schauen,
wie die Wolken ziehen
und sie, mal langsam, mal schneller
doch immer wieder
neue Formen und Gestalt annehmen.

Einfach nur lauschen,
wie der Wind im unaufhörlichen Tanz
mit den Blättern raschelt, bläst und eine
einmalige und wunderschöne
Symphonie der Töne ins Leben ruft.

Einfach nur sein
sich fallen
und tragen lassen
von der Kraft der Seele,
die mir Vertrauen schenkt.

Einfach nur spüren,
wie die Luft meine Haut streichelt,
wie der Duft des magischen Reiches
der Natur meine Sinne weckt
und mir dabei hilft,
mich innerlich auszudehnen,
die Flügel auszubreiten und zu fliegen,
weit und weiter,
bis ganz hinten zum Horizont,
bis hinter die grünen Hügel.

Irene Söding

Foto: Gerd Taron

Waldspaziergang

Fühle unter meinen Füßen
weichen Boden, Schritt für Schritt
unterwegs, um zu genießen
nehm´ ich meine Sinne mit
Rundherum ein tirilieren
dringt ganz tief in mich hinein
bringt mein Herz zum dirigieren
Melodie zum Glücklich sein
Lausche Amsel, Fink und Meise
wie sie zwitschern mir ein Lied
ich bedanke mich ganz leise
singe in Gedanken mit
Plötzlich über mir ein Rauschen
Blätter wiegen sich im Tanz
es tut gut, dem Wind zu lauschen
kann mich fallen lassen ganz
Durch die Baumwipfeln herunter
Sonnenlicht strahlt durch´s Geäst
bin glückselig und so munter
weil es mich erwachen lässt
Fühle eins mich mit den Bäumen
mit den Tieren und noch mehr
und ich fange an zu träumen
dass ich eine Elfe wär
Voll mit der Natur verbunden
spüre ich ganz tief in mir
habe endlich das gefunden
was ich suchte…es ist hier
Mein Herz öffnet sich, ich strahle
Licht und Liebe strömt heraus
und erkenn´ mit einem Male
wo ich wirklich bin zuhaus´
Denn mein Ursprung, meine Quelle
sehe ich nun klar vor mir
Und ich leb´ mit jeder Zelle
Gott, aus deiner Liebe hier

Cäcilia Wentker

Kirchenfenster St. Stephan in Mainz – Foto: Gerd Taron

Das Kirchenfenster meiner Iris
Das bunte Kirchenfenster meiner Iris,
die Mechanik meines Ellenbogens,
die beherzte Pumpe in meiner Brustgegend,
das Orchester in meinem Ohr,
das Brahms´ Requiem spielt,
das Kochbuch in meinem Mund,
wie kann ich da anders, als sie zu lieben, diese Sinne,
mit dem an mir, was unsichtbar ist
und mich doch mehr erfasst,
als alles, was aufzählbar ist
in einer Welt, die Angst hat
vor dem Unsichtbaren
und doch davon lebt.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still.
Du mein tieftiefes Leben;
Daß du weißt, was der Wind dir will.
Eh noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
Laß deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gib dich, gib nach,
Er wird dich lieben und wiegen.

Und dann, meine Seele, sei weit, sei weit.
Daß dir das Leben gelinge,
Breite dich wie ein Feierkleid
Über die sinnenden Dinge.

Rainer Maria Rilke

Foto: Gerd Taron

Wir haben verlernt mit den Füßen zu spüren
wir haben verlernt, die Kraft der Erde zu spüren
wir haben verlernt, all unsere feinen Sinne zu spüren

komm gib mir deine Hand
und lass deine Schuhe dort stehen
lass uns mit den Ohren vernehmen
das Rauschen der Wellen
lass unsere Augen schweifen
so weit der Horizont reicht
lass uns die Meeresluft
bis in die Fußspitzen atmen
lass uns das Salz
auf unseren Lippen schmecken
lass die Wärme des Sandes
bis in unsere Herzen dringen

lass uns mit dem ganzen Körper spüren
den Reichtum
den die Natur uns schenkt

Lass uns leben mit all unseren Sinnen

Autor unbekannt

Ein Wochenende voller Sinngenuss wünscht Ihnen

Ihr/Euer
Gerd Taron

Mit allen Sinnen genießen – Literarischer Wochenendgruß vom 15.08.14

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,
es ist herrlich in diesen Tagen durch die Natur zu spazieren und all die sinnlichen Eindrücke zu genießen. Der Duft der reifen Äpfel, die klare Luft, die Landschaft, die immer farbenfroher wird – ein Genuss für die Sinne. In den frühen Morgenstunden, wo alles schläft, hört man nur die eigenen Schritte – kein Autolärm, kein Flugzeug unterwegs. Nur Katzen, die sich bei ihren nächtlichen Streifzügen gestört fühlen …

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Foto: Viktoria Vonseelen – aufgenommen in der Weinbar Café Michel bei Maike und Daniel Butz in Stromberg

Lerne die Schönheit des Augenblicks zu genießen,
den Flug eines Vogels,
das Brausen des Windes,
das Plätschern einer Quelle,
den geheimnisvollen Halbschatten des Unterholzes.
Werde wie ein Kind mit seinem Staunen über alle Dinge,
und die Zeit wird stillstehen.
Dann wirst du die ganze Welt
durch deinen eigenen Körper erfahren.

~Suvate~
(„Dog Soldier“)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Um leben zu können, musst du genießen können. Ich meine nicht die Genuss-Sucht, die viele Menschen krank und zu Sklaven macht, die so viele Menschen ins Unglück stürzt. Um genießen zu können, musst du frei sein. Frei von Gier, frei von Neid, frei von einer Leidenschaft, die dich zerreißt und zerstört.
Wenn du genießen kannst, kannst du lachen. Du freust dich. Du bist dankbar, dass jeden Morgen die Sonne für dich aufgeht. Du kannst selig sein über ein weiches Bett und über eine warme Wohnung. Du triffst freundliche Menschen. Die Freundschaft Gottes kommt dir entgegen in jedem Lächeln, in jeder Blume, in jedem guten Wort, in jeder hilfreichen Hand, in jeder Umarmung.
Wenn du kleine Dinge in aller Ruhe genießen kannst, dann wohnst du in einem Garten voller Seligkeit.
Wahres Glück ist kein extravaganter Luxusartikel, unerschwinglich teuer und unerreichbar fern. Dein Glück ist ganz nahe. Am Tage von heute blühen kleine Freuden an deinem Weg. Du musst sie nur entdecken und dafür dankbar sein. Hör auf, die Nöte von gestern wiederzukäuen. Mach dir keine sinnlosen Sorgen um die Zukunft. Wenn du heute nicht glücklich sein kannst, erwarte nicht, dass morgen ein Wunder geschieht.
Heute musst du glücklich sein. Es gibt keinen Fahrstuhl zum Glück. Man muss die Treppe nehmen.
Phil Bosmans

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Weise ist, wer auch das hört, was keinen Klang hat,
und auch das sieht, was keine Form hat…

(Aus Tibet)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Horch auf die Luft!
Du kannst sie hören, sie spüren, sie riechen und schmecken, die heilige Luft, die alles mit ihrem Atem erneuert. Wir sitzen nebeneinander, wir berühren uns nicht, aber etwas ist da; wir fühlen, daß etwas in unserer Mitte gegenwärtig ist.
Wir sprechen mit den Flüssen, den Seen und den Winden wie mit unseren Verwandten.

Lame Deer

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Foto: Gerd Taron – Auf den Streuobstwiesen am Rettershof in Kelkheim-Fischbach im Taunus

Um wertvolle Dinge zu sehen,
brauchst du nur dorthin zu blicken,
wohin die große Menge nicht sieht.

Laotse

Ein genussvolles Wochenende mit allen Sinnen wünscht
Ihnen/Euer
Gerd Taron