Ohne Rücksicht – Literarischer Wochenendgruß vom 06.11.15

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen bin ich viel unterwegs und gehe und fahre mit offenen Augen durch die Welt. Dabei ist mir aufgefallen, dass immer weniger Rücksicht auf die Menschen um mich herum genommen wird. Vielleicht ist diese Wahrnehmung subjektiv und sie ist sicher nicht allgemeingültig.

Hier zwei Beispiele aus meinem Umfeld. In unserem Ort gibt es eine enge Durchfahrt, die von Linienbussen genutzt wird. Es stehen entsprechende Halte- und Parkverbotsschilder. Trotzdem wird rücksichtslos geparkt. Mann/Frau ist zu bequem einige Meter mehr zu seiner/ihrer Wohnung zu gehen. Etwas Bewegung könnte schaden, würde ich an dieser Stelle etwas süffisant bemerken.

Da werden sehr persönliche Dinge per Handy in unangenehmen Situationen dem anderen mitgeteilt. Hat Mann/Frau etwa Angst vor einem persönlichen Gespräch und eventuellen Konsequenzen?
Sie und ich könnten sicher viele solche negative Beispiele aufführen. Aber ich erlebe auch die andere, die positive Seite der Rücksicht: Da überlässt man in Bahn oder Bus einem anderen den Platz. Diese kleinen Gesten zeigen – ich überlasse Dir/Ihnen den Vortritt und nehme mich nicht so wichtig.

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Foto: Gerd Taron

Rücksichtsvoll zu sein bedeutet nicht,
sich unterwürfig zu verhalten.

Wertschätzung zu zeigen bedeutet nicht,
ein wahres Gesicht nicht zu erkennen.

Nähe zu zeigen bedeutet nicht,
missbraucht werden zu wollen.

Zeit zu haben bedeutet nicht,
sich selber keine Zeit zu gönnen.

Da zu sein bedeutet nicht,
sich für Andere aufzuopfern.

Gut zu sein bedeutet nicht,
Güte gegen etwas Schlechtes einzutauschen.

Zuhören zu können,
bedeutet nicht ein Müllplatz zu sein.

Mitfühlen bedeutet nicht auch mitleiden zu müssen.

Andere nicht auszunützen bedeutet nicht,
selber keine Ambitionen zu haben.

Ehrlich zu sein bedeutet nicht,
Lügen nicht zu erkennen.

(Bertrand Cézoé)

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In der Bäckerei Wittekind in Kelkheim-Fischbach – Foto- Gerd Taron

Das Brötchen

Ein älteres Ehepaar feierte nach langen Ehejahren das Fest der Goldenen Hochzeit. Beim gemeinsamen Frühstück dachte die Frau: „Seit fünfzig Jahren habe ich immer auf meinen Mann Rücksicht genommen und ihm immer das knusprige Oberteil des Brötchens gegeben. Heute will ich mir endlich diese Delikatesse gönnen.“ Sie schmierte sich das Oberteil des Brötchens und gab das andere Teil ihrem Mann. Entgegen ihrer Erwartung war dieser hocherfreut, küsste ihre Hand und sagte: „Mein Liebling, du bereitest mir die größte Freude des Tages. Über 50 Jahre habe ich das Brötchen-Unterteil nicht mehr gegessen, das ich vom Brötchen am allerliebsten mag. Ich dachte immer, du solltest es haben, weil es dir so gut schmeckt.“
Autor nicht bekannt

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Rücksicht

Die Rücksicht ist ein Engelsamt,
Das, still geübt zu Menschenheil,
Beweist, daß es vom Himmel stammt,
Doch kehr‘ sie nicht ins Gegenteil.

Wer ausruft, daß er Rücksicht nimmt,
Und so mit dem Posaunenschrei
Auf offnem Markt zusammenstimmt,
Der bricht der Rücksicht Kern entzwei.

Und wenn dein Herz die Wohltat liebt,
Bedenk‘ die Art, wie du beschenkst,
Und daß es auch ein Wohltun gibt,
Mit dem du selbst den Bettler kränkst.
Emil Claar (1842 – 1930), eigentlich Emil Rappaport, deutscher Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Ein Buchhändler in London nahm Rücksicht auf die Schamhaftigkeit seiner Kunden, die den umstrittenen Roman ›Lolita‹ von Nabokov kauften, indem er die Exemplare in Schutzumschläge der Memoiren von Lord Woolton steckte. Unmittelbar darauf begann einer seiner Konkurrenten, Lord Wooltons Memoiren in Schutzumschlägen von ›Lolita‹ auszuliefern.
© Kalenderanekdote

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Nimm Dir Zeit zum Arbeiten, es ist der Preis des Erfolges.
Nimm Dir Zeit zum Nachdenken, es ist die Quelle der Kraft.
Nimm Dir Zeit zum Spielen, es ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm Dir Zeit zum Lesen, es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm Dir Zeit für Freundlichkeit, es ist das Tor zum Glück.
Nimm Dir Zeit zum Träumen, es ist der Weg zu den Sternen.
Nimm Dir Zeit zum Rücksicht nehmen, der Tag ist zu kurz um selbstsüchtig zu sein.
Nimm Dir Zeit zum Lachen, es ist die Musik der Seele.
Nimm Dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden, es ist der wahre Reichtum des Lebens.

~Irischer Segen~

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende voller Rücksicht auf sich selbst und Ihre Mitmenschen
Ihr/Euer
Gerd Taron

Kontakt
Gerd Taron
Langstraße 30
65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0)6195-676695
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