„Störungen und Irritationen im öffentlichen Raum“ von Margarete Rabow

„Störungen und Irritationen im öffentlichen Raum“ von Margarete Rabow

Kunstaktionen gegen das Vergessen

Mit den Aktionen der Frankfurter Künstlerin soll der Menschen, die im KZ Katzbach in den ehemaligen Adlerwerken in Frankfurt am Main unsägliches durchmachen mussten, gedacht werden.
Hier: Lesungen im öffentlichen Nahverkehr

Frankfurt am Main, 14.07.14

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Foto: Viktoria Vonseelen
Mitten in der Großstadt Frankfurt am Main wurde gegen des Zweiten Weltkrieges in der Nähe des Bahnhofs auf dem Gelände der damaligen Adler-Werke ein KZ unter dem Decknamen „Katzbach“ errichtet. Zwischen August 1944 und April 1945 waren ca 1.600 Häftlinge dort interniert. Die Häftlinge kamen aus verschiedenen Konzentrationslagern wie zum Beispiel Buchenwald.
Unter unvorstellbaren, menschenunwürdigen Bedingungen wurden diese Menschen für die Rüstungsindustrie zur Zwangsarbeit getrieben.

Nur sehr wenige der Häftlinge überlebten die Höllenqualen in diesem Lager. Was sie später berichteten, wurde unter anderem in dem Buch „Wir lebten zwischen den Toten“ von Ernst Kaiser und Michael Knorn, erschienen 1994 im Campus-Verlag überliefert.

In Erinnerung an das grausame Geschehen in diesem Konzentrationslager mitten in der Stadt hat die Künstlerin Margarete Rabow eine besondere Kunstaktion ins Leben gerufen „Störungen und Irritationen im öffentlichen Raum“.

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Margarete Rabow, Mitte, mit ihrer Mitarbeiterin Anne Schwarz, rechts im Bild
bei der Vorstellung der Aktion „4.Lesung im öffentlichen Nahverkehr“

Foto: Gerd Taron

Zu ihren Aktionen gehört unter anderem „“Lesungen im öffentlichen Nahverkehr“. Von verschiedenen Personen wird abwechselnd ein Text aus dem vorgenannten Buch gelesen – unvermittelt und ohne jegliche Ankündigung in Straßenbahnen, U-Bahnen und Bussen in Frankfurt.

Viktoria Vonseelen, Sprecherin, und ich, bekamen zum zweiten mal Gelegenheit, diese Aktion als Vorleserin bzw. Vorleser begleiten zu dürfen.

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Viktoria Vonseelen, Sprecherin (www.viktoria-vonseelen.de )

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Gerd Taron

Foto: Viktoria Vonseelen

Start war diesmal Frankfurt-Bornheim, Ernst-May-Platz. Mit der Straßenbahn-Linie 14 fuhren wir Richtung Lokalbahnhof. Zugestiegene Fahrgäste reagierten unterschiedlich auf unsere Leseaktion: Die meisten interessierte es nicht, was und wer da so laut las. Mann/Frau war zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Einige sehr wenige trauten sich dann doch und fragten nach.

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Fotos: Gerd Taron
Quer durch die Stadt ging die Fahrt mit den Straßenbahnen weiter. Von der Linie 14 wechselte das Team am Lokalbahnhof die Richtung zum Börneplatz. Am Börneplatz fuhren wir auf der im Volksmund genannten „Junkie-Express“, der Linie 11 nach Höchst.

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Foto. Gerd Taron

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Foto: Viktoria Vonseelen

Für mich als beteiligter Vorleser ist es immer wieder sehr berührend Die Vorstellung, dass vor 70 Jahren hier in dieser Stadt an diesen Orten Menschen unvorstellbares Leid erfahren mussten und schutzlos anderen ausgeliefert waren ist erschütternd.

Das eigene Leben, mit all dem selbst erlebten Höhen und Tiefen, wird in Anbetracht dieser Grausamkeiten, sehr klein.

Das Geschehene darf sich nie mehr wiederholen! Daher möchte ich jeden Leser auffordern, Margarete Rabow bei ihrer Kunstaktionen gegen das Vergessen zu unterstützen. Mehr können Sie hier erfahren:
http://www.rabow-kz-katzbach.de/stoerungen-und-irritationen/lesungen/

oder

http://www.rabow-kz-katzbach.de/
Gerd Taron

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben: Gerd Taron (Wiedergabe nur mit ausdrücklicher Genehmigung)

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Sich erinnern – Literarischer Wochenendgruß vom 09.05.14

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,
am vergangenen Wochenende war ich mit einer lieben Freundin in der wunderschönen Altstadt von Oberursel im Taunus. Wir begaben uns auf eine Entdeckungsreise in ihre Kindheit, wo sie fröhliche Kindertage bei der Oma verbringen durfte.
Mich hat dies an meine eigene Kindheit erinnert – es waren schöne Zeiten.
Aber es gibt auch die Schattenseiten der Erinnerung, wie z. B. gerade in diesen Tagen.
Bei der „Nacht der Museen“ in Frankfurt am Samstag, 10.05. erinnert die Künstlerin Margarete Rabow mit einer besonderen Vorleseaktion an solche. In einer Straßenbahn werden Texte gelesen, die die Schrecken eines Konzentrationslagers in Frankfurt bewusst machen sollen. Mehr dazu am Ende des Wochenendgrußes.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wenn ich alle meine Erinnerungen
an einer Wäscheleine aufhängen würde,
dann wäre diese nicht nur endlos lang.
Sie wäre auch extrem bunt und würde jeden,
der vorbeikommen würde,
mit ihren Farben erschlagen.

Einige dieser Erinnerungen würde ich
gerne aufbügeln, und fortführen
oder auch reaktivieren und neu erleben.

Andere würde ich abhängen, zusammenfalten
und wegschließen, denn ihre Zeit ist vorbei.

Doch Eines haben sie gemeinsam:
Sie alle gehören zu meinem Leben.

unbekannter Verfasser

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Erinnerung

Der Morgen weht mit zarten Lüften,
Und spielt mit Gras und Blatt und Blüt‘,
Und haucht aus tausend süßen Düften
Erinnerung in mein Gemüt.

Wie bald verweht des Lebens Morgen!
Kein Frühling macht uns wieder jung.
Was bleibt uns zwischen Pein und Sorgen
Als du – als du, Erinnerung?

Momente kommen gut und herzlich,
Und man vergißt das schlimme Jahr,
Ach, man gedenkt entzückend-schmerzlich
Der Stunden, die man glücklich war.

Das Leben ist ein Kranz von Blüten,
Tief zwischen Dornen eingewebt,
Nur die erringen, die sich mühten,
Nur wer geweint hat, hat gelebt.

Ernst Freiherr von Feuchtersleben

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Je schöner und voller

die Erinnerung, desto schwerer
ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt jede Qual der
Erinnerung in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht
wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares
Geschenk in sich.

(Dietrich Bonhoeffer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Aus: Von guten Mächten wunderbar geborgen … von Dietrich Bonhoeffer

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel
erinnerung
warten
auf
frühling

von ferne schon
der ruf der
wildgänse

sind auf dem
weg zu
mir

gehaltenes
versprechen.
(c) Viktoria Vonseelen Frankfurt, 1.3. 2013

Diese Zeilen sind am 08. Mai geschrieben – ein besonderer Jahrestag. Es ist der Tag, der für viele Befreiung und ein Ende des Schreckens bedeutete. Für viele war bereits vorher der Krieg zu Ende. Der 08. Mai und alles was davor geschah, muss in Erinnerung bleiben.
Ein Wochenende mit vielen schönen Erinnerungen wünscht Ihnen
Ihr/Euer
Gerd Taron

Hier der Hinweis zu der besonderen erwähnten Aktion:
Ich, und eine sehr liebe Freundin von mir, Viktoria Vonseelen und einige andere, werden an einer ungewöhnlichen Lesung mitwirken.
Am Samstag werden wir abwechselnd in Abständen von ca. 15 Minuten Texte gegen das Vergessen lesen.
Vielen Frankfurtern ist nicht bekannt, dass es in Frankfurt ein KZ unter dem Decknamen „Katzbach“ gab.
Dies hat unter anderem die Künstlerin Margarete Rabow zu der ungewöhnlichen Aktion bewogen.
Wir starten am Samstag, 10.05. um 23:00 Uhr auf der Straßenbahn-Linie 16 Richtung Ginnheim am Südbahnhof Frankfurt.
Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.rabow-kz-katzbach.de/stoerungen-und-irritationen/lesungen/