Es lebe das Gesetz?! – Literarischer Wochenendgruß vom 11.05.18

Es lebe das Gesetz?! – Literarischer Wochenendgruß vom 11.05.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen gibt es ein neues Gesetz-Schreckgespenst – die neue EU-Datenschutzverordnung. Aller orten ist die Verunsicherung groß, wie Kleinunternehmer, Vereine, Privatleute damit umzugehen haben.

Das führt mich zum Nachdenken, welche Bedeutung Gesetze, Vorschriften, Verordnungen in unserem Leben haben – sei es staatlicher oder auch aus religiöser Sicht betrachtet.

Unsere Sehnsucht nach Sicherheit sollen all diese vielen Regeln befriedigen. Bei genauerem Hinsehen erscheint mir das nicht so zu sein. Fragen Sie mal einen angehenden Existenzgründer mit welchen Formalitäten er/sie sich befassen muss.

Die vielen Kreativen in unserem Lande, sei es in der Literatur, Kunst, Theater und anderen Bereichen werden dadurch sehr eingeschränkt.

Deutschland, das Land der Dichter und Denker?

In der christlichen Religion gibt es im Alten Testament die 10 Gebote und im Neuen Testament die Bergpredigt. Diese „Richtwerte“ sollten ausreichen. In anderen Religionen gibt es sicher ähnliches.

Mit den nachfolgenden Texten und den hoffentlich dazu passenden Fotos möchte ich die Leser dazu anregen, über den Sinn und Unsinn von Regeln für eine Gesellschaft nachzudenken.

Foto: Gerd Taron

Was treibt eigentlich den Menschen zu diesem verwegenen Spiel? Wir leben in einer Zeit, wo jedem von uns durch gesetzliche Bestimmungen und gesellschaftliche Regelungen die Freiheit genommen ist. Man sucht einen Ausweg aus dieser Zwangsjacke der Zivilisation und flieht in die Ruhe und Abgeschiedenheit der Natur.“
Hermann Buhl

Foto: Björn Ziegler

Ich lasse mich nicht unterdrücken
Ich lasse mich nicht unterdrücken
von denen, die Wachstum verneinen,
von Ideen, die das Entfalten verbieten,
von Gesetzen, die das Reifen verhindern.
Ich lasse mich nicht einschüchtern
von Vorschriften,
denen es nur um Sicherheit geht.
Ich lasse mich nicht ersticken
von hübscher Mittelmäßigkeit.
Ich lasse mich nicht zurückhalten
von den Risikoscheuen.
Ich protestiere
gegen die Verneinung des Lebens
und stürme weiter vor.
Wie sollen wir uns sonst treffen?
Das Übliche ernährt uns nicht,
und mitten im Überfluss werden wir sterben.
Ich werde mit mir selbst in Verbindung treten
und mit besonderem Tastsinn
auf dich zu wachsen.
Ich werde dich mit dem inneren Auge sehen,
deine ungesprochenen Worte hören
und weiter als eine Meile mit dir gehen.
Ich werde unvorhersagbar sein
und leben.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Nimm dein Leben in die Hand

In der deutschen Literatur des Mittelalters gab es einen interessanten Begriff: „verligen“. Von einem Ritter, der eine lange Zeit nicht mehr auf „aventiure“ (Abenteuer) ging, sagte man, dass er „verlige“. Er erschien nicht mehr am Hof, er war nicht mehr unterwegs, er kommunizierte nicht mehr mit anderen Rittern, er war träge geworden, er war „liegen geblieben“. Er setzte sich nicht mehr aus, er erweiterte seine Erfahrungen nicht mehr. In dem Roman „Erec“ von Hartmann von Aue hat dieses „Verligen“ auch eine spirituelle Bedeutung: ein Ritter, der so lebt, stört die göttliche Zeitordnung. Er verstößt also nicht nur gegen die Gesetze des Hofes, sondern vergeht sich auch auf einer tieferen Ebene an umfassenderen Gesetzen.
Ähnlich kann es uns mit dem Abenteuer „Leben“ gehen, wenn Herausforderungen an uns herangetragen werden und wir sie nicht annehmen. Wir tragen in uns die Tendenz, uns festzulegen oder festlegen zu lassen. Damit haben wir häufig entschieden (ohne es als Entscheidung erlebt zu haben), wer wir sind, und damit auch, wie wir sein wollen. Weil wir träge geworden sind, erneuern wir uns nicht mehr und lassen uns nicht herausfordern. Wir gestalten unser Leben nicht mehr, sondern ertragen oder genießen es nur noch. Es hat nicht mehr die Kraft, die ein Leben hat, das von innen beseelt und erfüllt ist.

Die Lösung ist, sich dem Leben auszusetzen und es wieder in die Hand zu nehmen, anstatt es von anderen bestimmen zu lassen. Unsere Trägheit ist unser Untergang. Unsere Unachtsamkeit bringt den Verlust unserer Lebendigkeit mit sich. Wenn du entscheidest, wie du sein willst, entscheidest du, wer du sein wirst.

Ulrich Schaffer

Foto: Christina Eretier

Es gibt so viele Dinge zum Erzählen…
Es gibt so viele Dinge von denen ein alter Mann einem
erzählen müsste, solange man klein ist; denn wenn man
erwachsen ist, wäre es selbstverständlich, sie zu kennen.
Da sind die Sternenhimmel, und ich weiss nicht, was die
Menschen über sie schon erfahren haben, ja, nicht einmal
die Anordnung der Sterne kenne ich.
Und so ist es mit den Blumen, mit den Tieren, mit den
einfachsten Gesetzen, die da und dort wirksam sind
und durch die Welt gehen mit ein paar Schritten von
Anfang nach Ende. Wie ein Leben entsteht, wie es wirkt
in den geringen Wesen, wie es sich verzweigt und
ausbreitet, wie Leben blüht, wie es trägt: alles das
zu lernen, verlangt mich.
Durch Teilnahme an alledem mich fester an die
Wirklichkeit zu binden, die mich so oft verleugnet, –
da zu sein, nicht nur dem Gefühl, sondern auch dem
Wissen nach, immer und immer, das ist es, glaube ich,
was ich brauche, um sicherer zu werden und weniger
heimatlos.

Rainer Maria Rilke

Foto: Gerd Taron

Nichts in der Natur existiert für sich selbst.
Flüsse trinken nicht ihr eigenes Wasser.
Bäume essen nicht ihre eigenen Früchte.
Die Sonne wärmt nicht sich selbst.
Blumen versprühen ihren Duft nicht für sich selbst.
Das Gesetz der Natur heißt: für andere leben!

gefunden bei Ben Gilberti

Foto: Gisela Michaelis

Ein schöner Traum – der Traum von Frieden

Friede ist nicht das Gegenteil von Krieg.
Nicht der Zeitraum zwischen zwei Kriegen.
Friede ist mehr.

Friede ist das Gesetz menschlichen Lebens.
Friede ist dann, wenn wir recht handeln und
wenn zwischen jedem einzelnen Menschen
und jedem Volk Gerechtigkeit herrscht.

Indianische Weisheit

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende mit vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen – gesetzesfrei.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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