Fluss des Lebens – Literarischer Wochenendgruß vom 01.04.16

Fluss des Lebens – Literarischer Wochenendgruß vom 01.04.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

die Osterfeiertage habe ich in meiner „alten“ Heimat im Rheinland erleben dürfen. Bei den Fahrten dorthin gehört es zu meinem Ritual mit dem „Bummelzug“ entlang des Rheines zu fahren. Auch wenn die Reise länger als mit dem ICE dauert, die schöne Landschaft ist immer wieder und bei jeder Jahreszeit etwas Besonderes.

Für mich ist der Rhein, mein „Heimat-Fluss“, ein schönes Symbol für das eigene Leben. Erinnerungen werden wach und andererseits ist man immer gespannt, auf das was kommen mag.

Aus den unterschiedlichen Perspektiven des Lebens sind auch die Texte für diesen Wochenendgruß ausgewählt. Dazu gibt es einige Fotos von meiner Reise am vergangenen Wochenende. Bekannte und weniger bekannte Autoren kommen hier zu Wort.

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Foto: Gerd Taron – aus dem fahrenden Zug fotografiert

Flusslandschaft
Was da ist,
kannst du nicht wegdiskutieren,
auch nicht nach Jahren,
nicht mal
vor dir selbst.
Schau die Birke,
wie ihre Blätter
spielen im Wind,
so lass Vergangenheit
und Gegenwart
dein Herz durchstreifen.
Wenn die Sonne
den Strom begleitet,
bist du
für eine kleine Ewigkeit
ein Teil von ihm.
Von Wärme und Wehmut
singt der Birke Lied,
von Angst vor dem Verlust.
Du besteigst wieder
dein kleines Floß.
Die Fahrt geht weiter.

Lissy Theissen

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;
Breitest über mein Gefild,
lindernd deinen Blick,
wie des Freundes Auge mild.
Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh- und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud‘ und Schmerz
In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd‘ ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß
Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal,
was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
nimmer es vergißt!
Rausche, Fluß, das Tal entlang,
ohne Rast und Ruh,
rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!
Wenn du in der Winternacht
wütend überschw,
oder um die Frühlingspracht
junger Knospen quillst.
Selig, wer sich vor der Welt,
ohne Haß verschließt,
einen Freund am Busen hält
und mit dem genießt,
Was, von Menschen nicht gewußt,
oder nicht bedacht,
durch das Labyrinth der Brust
wandelt in der Nacht.

Johann Wolfgang von Goethe

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Foto: Gerd Taron – Main-Ufer Frankfurt-Fechenheim

Warten

Du stehst am Fluss,
hörst das Singen des Regens auf seiner Haut,
Wasser zu Wasser,
und ahnst, dass es geschehen könnte,
vielleicht gerade jetzt
oder
du bist so tief in den Wald gegangen,
dass die Welt gestorben ist,
hörst nur das Ebben und Fluten des Windes
in den sich leicht bewegenden Baumkronen,
und spürst, dass du viel weniger siehst als da ist
oder
du stehst an einem klaren Tag am Meer
und strengst dich an, hinter der Krümmung
das Einmalige zu sehen, vielleicht eine Hand,
die dich ruft, eine verschlüsselte Botschaft,
das Rückgrat einer Erkenntnis
oder
du liest ein Gedicht,
spürst der letzten Zeile nach,
weißt, dass es noch weitergeht, viel weiter,
aber die letzte Zeile kann nichts mehr verraten,
weil auch der Dichter wartet
ohne zu wissen worauf,
am Fluss im Wald, am Meer,
am Wort in deinem flüssigen Herzen.

Ulrich Schaffer

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Foto: Gerd Taron .- Von der „Schäl-Sick“ (Köln-Deutz) fotografiert

Am Strom

Der Fluß glitt einsam hin und rauschte,
Wie sonst, noch immer, immerfort,
Ich stand am Strand gelehnt und lauschte,
Ach, was ich liebt‘ war lange fort!
Kein Laut, kein Windeshauch, kein Singen
Ging durch den weiten Mittag schwül,
Verträumt die stillen Weiden hingen
Hinab bis in die Wolken kühl.

Die waren alle wie Sirenen
Mit feuchtem, langem grünem Haar,
Und von der alten Zeit voll Sehnen
Sie sangen lies und wunderbar.
Sing, Weide, singe, grüne Weide!
Wie Stimmen aus der Liebsten Grab
Zieht mich dein heimlich Lied voll Leide
Zum Strom von Wehmut mit hinab.

Joseph von Eichendorff

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Berührung

Tief im Herzen hat mich der Klang gefasst.
Nimmt mich mit auf eine abenteuerliche,
so gefühlvoll sensible Reise.
Tauche ab in eine andere Welt.

Hügel groß und klein,
bedeckt mit dichtem saftig grünen Moos liegen auf dem Erdenbett.
Ein kleiner Fluss,
eher ein Bach
zieht seine zarte Bahn über den weichen Boden.
Sucht sich den Weg durch die Hügelmitte.
Bäume ragen wie Säulen aus dem Boden.
Die dichten Kronen lassen den Himmel nur selten durchscheinen.
Hellblau schimmern die warmen Himmelsstrahlen ab und an hindurch.
Lassen die seichte Brise des Windes wie kleine glühende Funken schimmern.
Der sanfte Hauch verwandelt sich in einen funkelnden Nebelstrom.
Er zieht behutsam durch den Zauberwald.
Hinterlässt seine berührende Spur auf jedem Korn der Erde, fließt anhaltend durch den kleinen seichten Bach.
Versetzt jeden Baum, jedes kleine Stück Rinde mit einem warm anrührenden Schauer, der Geborgenheit.
Der Strom,
die Spuren hinterlassen atemberaubende kleine magisch schimmernde Partikel der wohlig lieblichen Wärme,
der schützenden Sicherheit des Vertrauten.

Tief atme ich die Frische des Waldes ein,
lasse mich berühren von seinem Klang,
dem Gesang der Reinheit,
der Magie,
der tiefen Warmherzigkeit des Lebens.

©Text by Zaramee

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Foto: Gerd Taron

Die Liebenden bei Mainz

Meint ihr, es sei ein Mährchen?
Nein, ich erzähl‘ euch keins,
Es gibt noch treue Liebe,
Ihr findet sie bei Mainz.

Sie ist noch nicht gestorben,
Mag sie gleich selten sein,
Sie lebt auf einer Insel
Die mitten liegt im Rhein.

Dort lebt ein zärtlich Pärchen,
Sich freuend des Vereins,
Und ihre beiden Herzen
Sind längst schon nur noch eins.

Sie leben harmlos, glücklich,
Von Lasten nie beschwert,
Und vom Geräusch des Lebens
Sehr selten nur gestört.

Wie Paul und wie Virginie,
Wie Daphnis und Chloe,
Ist dieses Paar ganz Unschuld
Weiß nichts vom Lebensweh.

Ein Nichts macht ihren Freude,
Der Unmuth quält sie nie;
Den Lauf des Flusses sehen,
Ist wahre Lust für sie.

Man sieht gemeßnen Schrittes
Sie oft am Ufer geh’n,
Laut redend eine Sprache,
Die sie allein versteh’n.

Sie stürzen miteinander
Sich in die Fluten kühn,
Und er schwimmt wie Leander,
Zu seiner Hero hin.

Dies Pärchen, das bewandelt
Den Teppich der Natur,
Die einsgewordenen Herzen,
Es sind …. zwei Enten nur.

Es ist gewiß kein Mährchen,
Nein ich erzähl‘ euch keins,
Es gibt noch treue Liebe,
Ihr findet sie bei Mainz.

(1855)
aus: Dur- und Molltöne
Gedichte von Kathinka Zitz

Hinweis: Der Text wurde in der Original-Schreibweise übernommen.

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Foto: Gerd Taron

Wenn möglich, nehmen Sie sich an diesem Wochenende Zeit für Ihren Fluss. Es kann auch ein Bach oder ein kleines Rinnsal sein. Nehmen Sie Ihren Lebensstrom auf und gönnen sich Ihre Atempausen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0)6195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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Wasser – Elixier für unser Leben – Literarischer Wochenendgruß vom 05.07.2013

Liebe Freunde der schönen Künste vor allem der Literatur und der Fotografie,

ein neuer Monat beginnt und damit auch ein neuer Themenzyklus. In den nächsten Wochen werden wir ein sehr wichtiges, wenn gar nicht das wichtigste, Element unseres Lebens näher betrachten: das Wasser.

Beginnen möchte ich diesen Zyklus mit einer kleinen Fotoreise – von der Entstehung eines Wassertropfens der später in einen großen Fluss mündet. Es fehlt nur noch das Meer – aber es wir haben ja noch einige Ausgaben vor uns.

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Foto: Gabriele Gellermann

„Weich ist stärker als hart,

Wasser stärker als Fels,

Liebe stärker als Gewalt.“

Hermann Hesse

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                        Foto: Marina Rupprecht

„Vertrauen ist wie Wasser, das Schiffe trägt,

das den Schmutz auflöst, das Durstige erfrischt,

das Wüsten zu Oasen macht, das Felsen aushöhlt,

das sich in Stauseen sammelt,

das Kraftwerke speist und Strom erzeugt,

das sich bewegt, vertrocknet

und wieder als Regen zurückkommt.“

Josef Dimbeck/Martin Gutl

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                        Foto: Marina Rupprecht

 

„Vergessen Sie nie:

Das Leben ist eine Herrlichkeit.“

 

Rainer Maria Rilke

 

 

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Foto: Gerd Taron (Der Liederbach nahe der  Roten Mühle bei Bad Soden am Taunus)

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Foto: Gerd Taron: Der Rhein (Blick auf St. Goar)

Jetzt in der Hochzeit des Sommers aber nicht nur dann, ist Wasser für uns eine Möglichkeit sich zu erfrischen und zu klaren Gedanken zu kommen..

Ich wünsche Ihnen an diesem Wochenende erfrischende und belebende Gedanken.

Mit wässrigen Grüßen aus dem Taunus

Ihr/Euer

Gerd Taron

Besonderer Veranstaltungshinweis:

Am Sonntag, 07.07. findet wieder ab 16:00 Uhr im Hotel Stern Restaurant in Eppstein-Vockenhausen die Reihe „Literatur um 4“ statt. Das Thema lautet diesmal Urlaub.

Nada Nagel und ich freuen uns auf Ihren/Euren Besuch.

Gerd Taron 

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