Wege – Lterarischer Abendspaziergang rund um den Rettershof bei Kelkheim-Fischbach

 

 

Kelkheim-Fischbach, 20.09.2013


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Zum zweiten Mal fand in diesem Jahr ein literarischer Abendspaziergang statt. Diesmal war Start und Ziel der Rettershof, einem bekannten Ausflugsziel im Rhein-Main-Gebiet.

 

Das Wetter meinte es gut mit uns, auch wenn die Sonne sich nicht so gerne blicken ließ. Es blieb trocken, das war das wichtigste. Der Regenschirm konnte im Auto oder zu Hause bleiben. Bedauerlicherweise konnte diesmal der Abendspaziergang von Marina Rupprecht wegen Krankheit nicht begleitet werden.

 

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Treffpunkt war der Parkplatz am Rettershof. Von dort machten wir uns auf den Weg – literarisch und praktisch gesehen.

 

 

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Gerd Taron mit dem Ehepaar Thoma aus Kelkheim-Ruppertshain

 

Das Ehepaar Thoma begab sich auf Schusters Rappen aus dem Kelkheimer Bergdorf Ruppertshain zum Rettershof.

 

Mit einem Gedicht von Peter Rosegger ging es los:

 

Auf dem Wege zum Licht

Auf dem Wege zum Licht lasset keinen zurück.
Führt jeden mit euch, der vergessen vom Glück.
Dem die Ampel verlosch, dem die Glut nie gebrannt,
Das Kind, das den leitenden Stern nie gekannt.

Sie taumeln in Nacht und Verlassenheit. –
Ihr begnadeten Pilger der Ewigkeit,
Führt alle mit euch in Liebe und Pflicht.
Lasset keinen zurück auf dem Wege zum Licht!

 

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An einer großen Weggabelung direkt in der Nähe am Rettershof betrachteten wir die Landschaft und hörten dazu einen Text

 


Kreuzung

 

Ich stehe an einer Kreuzung

Von Wegen umgeben

Wohin des Weges?

Nach links, nach rechts

Zurück oder nach vorne?

Mutig – ängstlich?

Gerd Taron

 

Da die Wegbeschaffenheit durch den Regen der vergangenen Stunden nicht  so gut war, führte uns der Weg nur wenige Meter fort zu einer weiteren literarischen Betrachtung:

 

Meine Wege

 

Meine Wege…
führen vielleicht über Stolpersteine und Wurzelwerk…
über viele labyrinthähnliche Umwege…
hin zu unbekannten Zielen.


Ich weiß sie noch nicht,
aber da warten Erfreulichkeiten auf mich,
Begegnungen, die mir gut tun,

Menschen, die mich „erkennen“,
befreites Lachen und Sich- Wohlfühlen,
befriedigendes Wirken.


Vielleicht gar ein kleines Glück.


Ich gehe ihm entgegen.

 

Anne M. Pützer

 

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Das Auge sagte eines Tages

 

Das Auge sagte eines Tages:


„Ich sehe hinter diesen Tälern im blauen Dunst einen Berg.
Ist er nicht wunderschön?“


Das Ohr lauschte und sagte nach einer Weile:
„Wo ist der Berg? Ich höre keinen!“


Darauf sagte die Hand: „Ich versuche vergeblich, ihn zu greifen.
Ich finde keinen Berg!“


Die Nase sagte: „Ich rieche nichts. Da ist kein Berg!“

Da wandte sich das Auge in eine andere Richtung.

Die anderen diskutierten weiter über diese merkwürdige Täuschung
und kamen zu dem Schluss: „Mit dem Auge stimmt etwas nicht!“

(Khalil Gibran)

 

 

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…. und sie gingen des Weges …

 

… mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilke

 

Einmal, am Rande des Hains – Rainer Maria Rilke

 

 

Einmal, am Rande des Hains,
stehn wir einsam beisammen
und sind festlich, wie Flammen
fühlen: Alles ist Eins.

Halten uns fest umfaßt;
werden im lauschenden Lande
durch die weichen Gewande
wachsen wie Ast an Ast.

Wiegt ein erwachender Hauch
die Dolden des Oleanders:
sieh, wir sind nicht mehr anders,
und wir wiegen uns auch.

Meine Seele spürt,
daß wir am Tore tasten.
Und sie fragt dich im Rasten:
Hast Du mich hergeführt?

Und du lächelst darauf
so herrlich und heiter
und: bald wandern wir weiter:
Tore gehn auf..

Und wir sind nichtmehr zag,
unser Weg wird kein Weh sein,
wird eine lange Allee sein
aus dem vergangenen Tag.

Aus: Dir zur Feier (1897/98)

 

 

Text und Fotos: Gerd Taron bzw. Alex Kraus (Foto)

 

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Und wenn sich dann viele verschiedene Wege vor Dir auftun werden, und Du nicht weißt, welchen Du einschlagen
sollst, dann überlasse es nicht dem Zufall,
sondern setz Dich und warte.

Atme so tief und vertrauensvoll, wie Du an dem Tag geatmet hast,
als Du auf die Welt kamst,
lass Dich von nichts ablenken, warte, warte noch.

Lausche still und schweigend auf Dein Herz.
Wenn es dann zu Dir spricht,
steh auf und geh, wohin es Dich trägt.

(Susanna Tamaro)

 

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Vom Wasser, vom Herbst und vom Brot – ein literarischer Abendspaziergang

Vom Wasser, vom Herbst und vom Brot

Ein literarischer Abendspaziergang in Kelkheim-Fischbach

 

Kelkheim-Fischbach, 30.08.2013

Zum einem spätsommerlichen Spaziergang mit literarischen Impulsen hatte Gerd Taron von Taron-Antiquariat eingeladen. Auch das Höchster Kreisblatt nahm die Gelegenheit wahr, mit dabei zu sein.

Bei angenehmen Temperaturen und ohne Schirm trafen sich Literatur- und Naturinteressierte am Hanseklinger-Brunnen in Fischbach, einem Stadtteil von Kelkheim.

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Der Hanseklinger-Brunnen in Kelkheim-Fischbach

 

Foto: Marina Rupprecht

Fotografisch begleitete Marina Rupprecht den Abendspaziergang, die bereits seit längerem den literarischen Wochenendgruß bereichert, der jeden Freitagvormittag per E-Mail versandt wird..

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Foto: Marina Rupprecht

Gerd Taron erläuterte die Bedeutung und Herkunft des Brunnens und den historischen Hintergrund der Wassergewinnung für den Ort.

An der katholischen Dreifaltigkeitskirche .vorbei ging es zur „Taunus-Quelle“,  direkt an der B 455 Richtung Eppstein gelegen.

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Fotos: Marina Rupprecht

Mit einem Text von Anne M  Pützer und einem Gedicht von Irmgard Erath verweilte die Gruppe:an der Taunus-Quelle, die von einer Fischbacher Familie seit 1912 betrieben wird.

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Foto: Marina Rupprecht
An der Quelle

Du bist die Quelle des Lebens,
lass mich den Weg zu ihr finden.

Du bist die Quelle des Glaubens,
lass mich nie an ihrer Klarheit zweifeln.

Du bist die Quelle der Hoffnung,
lass mich aus ihr Kraft schöpfen.

Du bist die Quelle der Liebe,
lass sie nie in mir versiegen.

Irmgard Erath

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Foto: Marina Rupprecht

Von dort ging es weiter zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Behringstraße an einem Wegekreuz wurden Texte zum beginnenden Herbst gelesen.

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Foto: Marina Rupprecht

Der scheidende Sommer

 

Das gelbe Laub erzittert,

Es fallen die Blätter herab;

Ach! Alles, was hold und lieblich

Verwelkt und sinkt ins Grab.

 

Die Wipfel des Waldes umflimmert

Ein schmerzlicher Sonnenschein

Das mögen die letzten Küsse

Des scheidenden Sommers sein.

 

Mir ist, als müsse ich weinen

Aus tiefstem Herzensgrund –

Dies Bild erinnert mich wieder

An unsre Abschiedsstund.

 

Ich musste von ihr scheiden,

Und wusste, du stürbest bald.

Ich war der scheidende Sommer,

Du warst der kranke Wald.

 

Heinrich Heine

 

Der literarischen Abendspaziergang endete in der kathoischen Dreifalltigkeitskirche beschloss den Abend.

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Fotos: Marina Rupprecht

Nach Erläuterungen zur Kirche und insbesondere des Rotelidis-Steines gab es zum Abschluss noch eine kleine Wegzehrung: Ein kleines Weizenbrötchen und den Gedicht „Desiderata“. von Max Ehrmann

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Foto: Marina Rupprecht

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Marina Rupprecht mit einem kleinen Buchgeschenk

                        Foto: Gerd Taron (ausnahmsweise)

Gerd Taron

Der nächste literarische Abendspaziergang findet am Freitag, 20.09  um 18:00 Uhr am Rettershof in Kelkheim-Fischbach statt.

Ein besonderer Höhepunkt findet am Donnerstag, 03.10. statt:

Eppenhainer Literatur-Erlebnis-Tag

zusammen mit der Autorin Karin Schmitt („Die unverstandenen Geschenke des Lebens“ – http://www.karin-schmitt.eu/