Gleichgültigkeit – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel, Kelkheim-Fischbach

„Am schlimmsten war die Gleichgültigkeit.“ Dies betont die 90 jährige immer wieder, als sie von ihrer Jugend erzählte. Eigentlich wollte sie Konditorin werden, doch der Krieg verhinderte den Abschluss der Lehre. Stattdessen stand sie Anfang 1945 auf dem Bahnhof und hoffte nach Westen zu kommen. Aber die Rote Armee kam und sie musste in den Osten. In einem Arbeitslager leistete sie fünf Jahre Zwangsarbeit. Es war eine schlimme Zeit. Und auch dort erlebte sie, wie Menschen abstumpfen. Abstumpfen gegenüber dem Tod. „Am schlimmsten war die Gleichgültigkeit.“
In den letzten Tagen lief die Fernsehreihe „Unsere Mütter, unsere Väter“. Da konnte ich sehen, wie diesen Menschen die Jugend und vielen das Leben genommen wurde. Wie haben die ältere Dame und die vielen anderen diese Zeit überlebt? Vielleicht hat ihnen ihr Glaube geholfen.
Mir ist in diesen Tagen besonders die Erinnerung an das Kreuz Jesu wichtig. Denn es ist eine Aufforderung, dem Leiden, dem Sterben und dem Tod in unser Welt nicht gleichgültig gegenüber zu stehen, sondern dagegen anzugehen. Und gleichzeitig ist das Kreuz für mich ein Zeichen der Hoffnung. Die 90 jährige Frau bewahrte sich durch alle Zeiten ihres Lebens eine positive Einstellung zum Leben und Hoffnung in ihrem Herzen. Sie gewann dies durch ihr Vertrauen in Gott. Ob mir das auch gelungen wäre?

So wünsche ich Dir, dass  Du Dich einsetzt für das Leben und aufstehst gegen Gleichgültigkeit.

Gottes Segen für Dich, eine gesegnete Karwoche und ein befreiendes Osterfest.

Andreas Schmalz-Hannappel, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Kelkheim-Fischbach

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