Und es wird Sommer – Veranstaltungen von Taron-Antiquariat im Juni und Juli 2018

Und es wird Sommer – Veranstaltungen von Taron-Antiquariat im Juni und Juli 2018

Liebe Freunde von Taron-Antiquariat,

Der Sommer naht mit großen Schritten. Es ist Zeit, wieder literarisch unterwegs zu sein. Ich freue mich, zum ersten Mal im Woogtal in Königstein im Taunus im Juni und Juli literarische Spaziergänge anbieten zu können.

Foto: Gerd Taron

Hier die Übersicht für meine Veranstaltungen im Juni 2018:

Sonntag, 03.06.2018- Beginn 15 Uhr
Literarischer Spaziergang im Woogtal
Thema: Nutze den Augenblick – Weisheiten von Marc Aurel
Aus einem besonderen Buch stelle ich an wunderschönen Plätzen im Woogtal Weisheiten des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel vor.
Treffpunkt: Kur- und Stadtinformation Königstein, Hauptstraße 13 a

Kostenbeitrag: 5 Euro

Samstag, 16.06.2018 von 10 bis 16 Uhr

Tarons Bücherterrasse

An diesem Tag gibt es Gelegenheit, günstig Bücher für die Sommerferien zu erwerben.

Connie Albers (www.connie-albers.de) und Brina Stein (www.brina-stein.de) präsentieren ihre Bücher und es gibt passend dazu Lesungen ab 14 Uhr.

Andreina Bonanni wird diese Veranstaltung musikalisch begleiten.

Sonntag, 24.06.2018 Beginn: 15 Uhr

Literarischer Sommer-Spaziergang rund um den Rettershof
In der Woche des Sommeranfangs präsentiert der Kelkheimer Antiquar Gerd Taron an verschiedenen Stationen rund um den Rettershof Geschichte und Gedichte rund um den Sommer.

Nach dem Spaziergang besteht die Möglichkeit, im Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ zu verweilen.
Treffpunkt: Großer Parkplatz am Rettershof
Kostenbeitrag: 5 Euro

Foto: Gerd Taron

Im Juli 2018 gibt es wieder ein literarischen Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof.

Hier die Übersicht für den Monat Juli 2018:

Sonntag, 08.07.2018 – Beginn 14 Uhr

Gute Reise! – Literarischer Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof

Geschichten über das Reisen
An verschiedenen Stationen präsentiere ich Geschichten rund um das Reisen.
Mit Andreina Bonanni, Franziska Franz und Brina Stein.

Nach dem Spaziergang besteht die Möglichkeit im gemütlichen Café Nussknacker, Karlsruher Str. 5, zu verweilen. Das Café befindet sich in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes – Südseite.
Treffpunkt des Spaziergangs: Frankfurt Hauptbahnhof, Gleis 1 an der Anzeigetafel neben dem kleinen Supermarkt, Nebenausgang Mannheimer Straße an der Anzeigetafel

Kostenbeitrag: 5 Euro

Sonntag, 22.07.2018- Beginn 15 Uhr
Thema: Literarischer Sommer im Woogtal
Von bekannten und weniger bekannten Autoren werden
im Woogtal Geschichten und Gedichten über den Sommer vorgestellt.

Treffpunkt: Kur- und Stadtinformation Königstein, Hauptstraße 13 a

Kostenbeitrag: 5 Euro
Weitere Informationen bei Gerd Taron, Taron-Antiquariat
Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach, Tel. 06195-676695
E-Mail: taron-antiquariat@gmx.de
Internet: https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/

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Im Verborgenen – Literarischer Wochenendgruß vom 25.05.18

Im Verborgenen – Literarischer Wochenendgruß vom 25.05.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

unser Alltag ist oft überfüllt mit vielen Dingen. Im Zeitalter der Masseninformationen, übersehen, überhören wir die Kleinigkeiten. Es sind oft Schätze, die im Verborgenen liegen und wir so manches Mal nicht mehr wahrnehmen können. Nehmen wir uns doch wieder einmal die Zeit darauf zu achten. Dazu möge der neue Wochenendgruß sie inspirieren.

Foto: Gerd Taron

Im Verborgenen

Was lange flüssig war, gerinnt unter deinen Füßen
und wird feste, rote Erde.
Aus ihr wachsen Blumen voller Licht.
Kelch an Kelch stehen sie da, reichen sich dir,
und du füllst und leerst sie mit deiner Sehnsucht.
Deine Seele singt nicht mehr Strophen und Verse,
sondern in Freiheit spricht und singt sie
alle Sprachen des Muts.
In einem Anflug von Himmel erkennt sie,
dass sie aus der Unendlichkeit stammt
und ihre Tiefe unermesslich ist.
Du bewegst dich durch Dornen und Wind
als Königin deiner wachsenden Welt.
Du siehst Gott in die Augen und erkennst,
dass du so alt bist wie er.
Ihr teilt ein Herz und ein Wesen.
Überallhin sind die Wege offen,
nur du kannst sie schließen.
Im Verborgenen, wo du nur du bist,
entsteht alles, was du geträumt hast.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

KLEINIGKEITEN

Kleinigkeiten, das Große dieser
Welt!
Im Verborgenen zu Hause –
immer ein Glücksstrahl, der unser
Dasein erhellt!

Ein Sonnenfunken, der den Tag
begrüßt
inmitten dunkler Wolken,
der ohne Wenn und Aber allein nur
Licht und Glanz bemüht!

Ein Blümchen, das im Grünen seine
Pracht voll zeigt,
ein Baum im Rauschen des Windes –
all das in seiner wahren
Ursprünglichkeit verbleibt!

Ein beherztes Lachen vom
Gegenüber,
Vertrauen und Fröhlichkeit –
ohne, dass List und Tücke winken
herüber!

Worte, behutsam und fromm –
eine Brücke im Meer der
Befindlichkeiten,
was immer da auch komm`!

Das Licht der Kleinigkeiten
schimmert überall –
ein Blick, eine Geste
können Hoffnung machen im noch
so düsteren Fall!

Solch` kleines Glück wird
immer das Große sein,
wenn man bereit ist,
sich von jeder Oberflächlichkeit
zu befrei`n!

von Marita Kaminski

Foto: Gerd Taron

Gedanken beim Sonnenuntergang am Meer

Tieftaucher
dir offenbart sich
die faszinierende Unterwasserwelt
der Meerestiefe –
für Menschen der Oberfläche
zeitlebens verborgen
Wer die Liebe
nicht wagt
schwimmt oben
eingeklemmt
zwischen Handy und Tele
Geld und Macht
plätschert nur in der
Mitte der Farben
Kaulquappe
im Tümpel des Lebens.
Menschsein heißt
Wagen:
Sonne und Dunkel
Liebe und Tiefe
Freude und Trauer.
Edelsteine
liegen nicht
auf der Straße herum.
Und du erfährst
dann wieder
der Ozean trägt
der Himmel sieht dich
Du vertraust
du liebst
und alles ist dir geschenkt.

Lissy Theissen

Foto: Gerd Taron

Überwinde Barrieren,
reiße Mauern ein.
Öffne Herzens- Türen
und erkunde andere Seelen- Welten.
Sieh, wieviel Schönheit
im Verborgenen liegt.

Anne M. Pützer

Foto: Gerd Taron

Der kleine Zauber

In kleinen Funken,
überall liegt sie verborgen.
Die Magie,
der kleine Zauber.
Schleicht sich immer mal wieder langsam an,
mit Bedacht.
Ob Tag oder Nacht.
Fesselt mich,
zieht mich in ihren zart reizenden Bann.
Taste mich langsam,
behutsam vor.
Lasse mich entführen,
möchte die leichte Wärme des Zaubers spüren.

ⒸText by Lisa Katharina Bechter

Foto: Gerd Taron

Gib acht auf Deine Träume,
in dem Du an sie denkst wie an Freunde.

Genieße die Schönheit des Augenblicks,
das Flüstern des Windes, das Plätschern einer Quelle,
den geheimnisvollen Halbschatten des Unterholzes.
Lauf durch das hohe Gras, höre die Ameisen reden,
die nie den alten Weg vergaßen.
Suche einen Baum, berühre die Blätter.
Das ist ein Blatt
sieh her, es ist grün, es hat Adern,
so ist es geformt, greif´s an!
Berühre das Blatt, der Zweig zittert mit .
Deine Hand greift ungestüm, zärtlich
nach dem, was ich ihr zeige.
Sei wie ein Kind mit einem Staunen über alle Dinge
und die Zeit wird still stehen.
Erwarte nichts von den anderen, wenn Du selbst
noch nichts gegeben hast. Betrachte die
Welt nicht mehr voller Unruhe, dann strahlt
das Licht des Tages aus Deinen Augen,
sie sind der Spiegel Deiner Seele.
Nur auf dem Pfad der Nacht erreichst
Du die Morgenröte.

[© unbekannt]

Ich wünsche Ihnen, dass Sie am Wochenende Ihre Schätze im Verborgenen entdecken und sie mit anderen teilen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Das Leben feiern – Literarischer Wochenendgruß vom 18.05.18

Das Leben feiern – Literarischer Wochenendgruß vom 18.05.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am kommenden Wochenende beschert uns der Kalender wieder zwei Feiertage. Pfingsten war für die ersten Christen ein besonderes Fest. Ob dies auch im Mai stattfand ist mir unbekannt.

Der Wonnemonat Mai bedeutet für viele Menschen und die Natur ein Grund zu feiern – das Leben. Den Titel zu diesem Wochenendgruß habe ich einer langjährigen Leserin zu verdanken.

Mit frohmachenden Texten und Fotos möge dieses Thema zu ihrer persönlichen Lebensfeier werden.

Foto: Gerd Taron

Mai

Süßer Mai, du Quell des Lebens,
Bist so süßer Blumen voll.
Liebe sucht auch nicht vergebens,
Wem sie Kränze winden soll.
Süßer Mai, mit Blumen-Glocken
Läutest du das Fest mir ein.
Ich bekränze ihre Locken,
Will ein frommer Gast auch sein.
Süßer Mai, zum Liebesmahle
Trägst du Blumen-Kelche ein.
Blüten-Säulen stehn im Saale,
Drüber wölbt sich Sonnenschein.
Süßer Mai, in deinen Kelchen
Küssen fromme Bienen sich.
Aber unter allen welchen
Hast du eingefüllt für mich!
Süßer Mai! du bringest nieder
Blume, Blüte, Sonnenschein.
Dass ich wisse, wem die Lieder,
Wem das Herz, das Leben weihn.

Clemens Brentano (1778-1842)

Foto: Christina Eretier

Maienduft lässt Zauberworte erwachen.
Wer kennt sie nicht, die Worte eines anderen, die uns aufleben lassen! Schön, wenn auch die Erinnerungen welche beherbergen…
Zauberworte

Sie fliegen im Raum
und hinaus,
hinauf bis zum Himmel,
umkreisen die Sterne,
den Mond
mitten am Tag.
Lassen Dich schweben,
erbeben
inmitten betörender Musik,
mit dem Herzen erlauscht.
Du lebst von diesem Zauber,
diesen Worten.
Hörst sie mit wachen Ohren,
weitem Herzen.
Sie verzaubern
die Steppe des Alltags
in duftende Oasen.
Himmel und Meer,
Wasser und Leben
tanzen in dir.
Ein Fest für die Liebe
erobert die Stunde,
den Tag
und die Jahre.
Berauschend,
beglückend,
betörend,
ist diese
Dynamik des Lebens.
Sie verwandelt die Welt.
Ein Clown,
wer dafür
nicht alles gäbe.

© Lissy Theissen, 2014

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Maiensegen

Nun ruht in weissen Schleiern
die See, umspielt vom West,
und Himmel und Erde feiern
das grosse Liebesfest.
Da strömt in rinnendem Regen
hernieder Kuss auf Kuss,
der rings zu Frucht und Segen,
zur Blüte werden muss.

So ruht in weissen Schleiern
mein Herz in deiner Brust,
und unsere Seelen feiern
die ewige Hochzeitslust.
Da strömt wie rinnender Regen
dein Kuss auf meinen Leib,
dass er zum Maiensegen
werde deinem Weib . . .

Ein Duften reifer Tage
um unsere Stirnen weht,
da wieder die singende Sage
durch flimmernde Fluren geht:
– dass kein Leid mehr bliebe,
wenn über der grünen Welt
die junge Frühlingsliebe
die flatternde Fahne hält!

Clara Müller-Jahnke 1860-1905, deutsche Dichterin

Foto: Gerd Taron

Checkliste fürs Glück:

Wandern in der freien Natur.
Essen, wenn man Hunger hat.
Schlafen, wenn man müde ist.
Radfahren und im Garten arbeiten.
Sprechen mit Pflanzen.
Pfeifen mit Vögeln.
Du bekommst Augen für die Wunder um dich herum.
Du wirst weniger verbrauchen, aber mehr und bewusster genießen.
Ein Butterbrot schmeckt wunderbar.
Ein Glas frisches Wasser kann ein Fest sein.
Mit wenig zufrieden sein und viel genießen ist die Kunst und das Glück von freien Menschen.

Phil Bosmans

Foto: Gerd Taron

Feiere dich

Feiere dich. Feiere dich.
Beginne bei deinen Händen–
wie haben sie dir deinen Weg bereitet,
wie viele Herrlichkeiten haben sie gehalten,
wie schwer haben sie gearbeitet
in Selbstlosigkeit und Eifer!
Sie sind Ausdruck deines Wesens,
Ausdruck deines ehrlichen Bestrebens.
Feiere deine Augen, in denen du lebst
und durch die du in die Welt stürzst,
so wie die Welt durch sie in dich fällt.
In ihren farbigen Teichen
ruht deine ganze Seele.
Laß sie leuchten und gib anderen
eine Heimat in deinen Augen.
Feiere deine Stimme, diese eigene Person,
die dich spiegelt. Begabt bist du,
auf ihr deine Neigung zu anderen
wie ein Papierschiff aufs Wasser zu setzen.
In den Worten explodiert vorsichtig
dein Wesen und entwickelt Profil.
Und auch die Stille transportiert noch
deine Sehnsucht nach Begegnung.
Feiere dich
und feiere dich mit viel Freude und Glück.
Feiere deinen Schmerz,
in dem du auch unvergleichbar bist.
Feiere das wenige, was du siehst,
und es wird mehr werden.
Feiere deine Angst und deine Verwegenheit
und du wirst lernen,
wann die eine und wann die andere
wichtig zu leben ist.
Feiere deine Echtheit,
in die du von Tag zu Tag hineinwächst,
wie in einen Mantel, der zuerst zu groß ist.
Feiere deinen Glauben,
diesen Sprung in das Wagnis,
das dich jedes Mal verändert.
Feiere die Zartheit deiner Wahrnehmung –
wie Gräser im milden Wind –
in der die Welt sich so zeigt, wie sie sein kann.
Und feiere mich, so wie ich dich feiere
und du wirst mich entdecken, so wie ich dich entdecke.
˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚˚
Zur Selbsttreue gehört auch, sich selbst feiern zu können. Das Innere feiern, das Einmalige in jedem von uns. im ganzen Land müsste diese Stille Feier anklingen und zu spüren sein und ansteckend wirken.

Ulrich Schaffer

Foto: Christina Eretier

Erblühe, Herz…
Fühlst du den Neuanfang?
Siehst du das Wunder des Lebens?
Riechst du den Hauch von Glückseligkeit?
Schmeckst du die Süße der Liebe?
Erblühe, Herz…
Hörst du den Gesang der Amsel?
Sie schenkt dir ihr Lied,
damit du dich wieder erinnerst …
Wache auf und spüre den Frieden …
Erblühe , Herz…
Du bist das Leben!
Du bist Glückseligkeit!
Du bist die Liebe!
Lass feiern uns den Neuanfang,
er ist Dein …

Cäcilia Wentker

Foto: Petra Krenzer

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.“

Irischer Segenswunsch

Ich wünsche allen ein erholsames Lebesn-Feier-Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Es lebe das Gesetz?! – Literarischer Wochenendgruß vom 11.05.18

Es lebe das Gesetz?! – Literarischer Wochenendgruß vom 11.05.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen gibt es ein neues Gesetz-Schreckgespenst – die neue EU-Datenschutzverordnung. Aller orten ist die Verunsicherung groß, wie Kleinunternehmer, Vereine, Privatleute damit umzugehen haben.

Das führt mich zum Nachdenken, welche Bedeutung Gesetze, Vorschriften, Verordnungen in unserem Leben haben – sei es staatlicher oder auch aus religiöser Sicht betrachtet.

Unsere Sehnsucht nach Sicherheit sollen all diese vielen Regeln befriedigen. Bei genauerem Hinsehen erscheint mir das nicht so zu sein. Fragen Sie mal einen angehenden Existenzgründer mit welchen Formalitäten er/sie sich befassen muss.

Die vielen Kreativen in unserem Lande, sei es in der Literatur, Kunst, Theater und anderen Bereichen werden dadurch sehr eingeschränkt.

Deutschland, das Land der Dichter und Denker?

In der christlichen Religion gibt es im Alten Testament die 10 Gebote und im Neuen Testament die Bergpredigt. Diese „Richtwerte“ sollten ausreichen. In anderen Religionen gibt es sicher ähnliches.

Mit den nachfolgenden Texten und den hoffentlich dazu passenden Fotos möchte ich die Leser dazu anregen, über den Sinn und Unsinn von Regeln für eine Gesellschaft nachzudenken.

Foto: Gerd Taron

Was treibt eigentlich den Menschen zu diesem verwegenen Spiel? Wir leben in einer Zeit, wo jedem von uns durch gesetzliche Bestimmungen und gesellschaftliche Regelungen die Freiheit genommen ist. Man sucht einen Ausweg aus dieser Zwangsjacke der Zivilisation und flieht in die Ruhe und Abgeschiedenheit der Natur.“
Hermann Buhl

Foto: Björn Ziegler

Ich lasse mich nicht unterdrücken
Ich lasse mich nicht unterdrücken
von denen, die Wachstum verneinen,
von Ideen, die das Entfalten verbieten,
von Gesetzen, die das Reifen verhindern.
Ich lasse mich nicht einschüchtern
von Vorschriften,
denen es nur um Sicherheit geht.
Ich lasse mich nicht ersticken
von hübscher Mittelmäßigkeit.
Ich lasse mich nicht zurückhalten
von den Risikoscheuen.
Ich protestiere
gegen die Verneinung des Lebens
und stürme weiter vor.
Wie sollen wir uns sonst treffen?
Das Übliche ernährt uns nicht,
und mitten im Überfluss werden wir sterben.
Ich werde mit mir selbst in Verbindung treten
und mit besonderem Tastsinn
auf dich zu wachsen.
Ich werde dich mit dem inneren Auge sehen,
deine ungesprochenen Worte hören
und weiter als eine Meile mit dir gehen.
Ich werde unvorhersagbar sein
und leben.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Nimm dein Leben in die Hand

In der deutschen Literatur des Mittelalters gab es einen interessanten Begriff: „verligen“. Von einem Ritter, der eine lange Zeit nicht mehr auf „aventiure“ (Abenteuer) ging, sagte man, dass er „verlige“. Er erschien nicht mehr am Hof, er war nicht mehr unterwegs, er kommunizierte nicht mehr mit anderen Rittern, er war träge geworden, er war „liegen geblieben“. Er setzte sich nicht mehr aus, er erweiterte seine Erfahrungen nicht mehr. In dem Roman „Erec“ von Hartmann von Aue hat dieses „Verligen“ auch eine spirituelle Bedeutung: ein Ritter, der so lebt, stört die göttliche Zeitordnung. Er verstößt also nicht nur gegen die Gesetze des Hofes, sondern vergeht sich auch auf einer tieferen Ebene an umfassenderen Gesetzen.
Ähnlich kann es uns mit dem Abenteuer „Leben“ gehen, wenn Herausforderungen an uns herangetragen werden und wir sie nicht annehmen. Wir tragen in uns die Tendenz, uns festzulegen oder festlegen zu lassen. Damit haben wir häufig entschieden (ohne es als Entscheidung erlebt zu haben), wer wir sind, und damit auch, wie wir sein wollen. Weil wir träge geworden sind, erneuern wir uns nicht mehr und lassen uns nicht herausfordern. Wir gestalten unser Leben nicht mehr, sondern ertragen oder genießen es nur noch. Es hat nicht mehr die Kraft, die ein Leben hat, das von innen beseelt und erfüllt ist.

Die Lösung ist, sich dem Leben auszusetzen und es wieder in die Hand zu nehmen, anstatt es von anderen bestimmen zu lassen. Unsere Trägheit ist unser Untergang. Unsere Unachtsamkeit bringt den Verlust unserer Lebendigkeit mit sich. Wenn du entscheidest, wie du sein willst, entscheidest du, wer du sein wirst.

Ulrich Schaffer

Foto: Christina Eretier

Es gibt so viele Dinge zum Erzählen…
Es gibt so viele Dinge von denen ein alter Mann einem
erzählen müsste, solange man klein ist; denn wenn man
erwachsen ist, wäre es selbstverständlich, sie zu kennen.
Da sind die Sternenhimmel, und ich weiss nicht, was die
Menschen über sie schon erfahren haben, ja, nicht einmal
die Anordnung der Sterne kenne ich.
Und so ist es mit den Blumen, mit den Tieren, mit den
einfachsten Gesetzen, die da und dort wirksam sind
und durch die Welt gehen mit ein paar Schritten von
Anfang nach Ende. Wie ein Leben entsteht, wie es wirkt
in den geringen Wesen, wie es sich verzweigt und
ausbreitet, wie Leben blüht, wie es trägt: alles das
zu lernen, verlangt mich.
Durch Teilnahme an alledem mich fester an die
Wirklichkeit zu binden, die mich so oft verleugnet, –
da zu sein, nicht nur dem Gefühl, sondern auch dem
Wissen nach, immer und immer, das ist es, glaube ich,
was ich brauche, um sicherer zu werden und weniger
heimatlos.

Rainer Maria Rilke

Foto: Gerd Taron

Nichts in der Natur existiert für sich selbst.
Flüsse trinken nicht ihr eigenes Wasser.
Bäume essen nicht ihre eigenen Früchte.
Die Sonne wärmt nicht sich selbst.
Blumen versprühen ihren Duft nicht für sich selbst.
Das Gesetz der Natur heißt: für andere leben!

gefunden bei Ben Gilberti

Foto: Gisela Michaelis

Ein schöner Traum – der Traum von Frieden

Friede ist nicht das Gegenteil von Krieg.
Nicht der Zeitraum zwischen zwei Kriegen.
Friede ist mehr.

Friede ist das Gesetz menschlichen Lebens.
Friede ist dann, wenn wir recht handeln und
wenn zwischen jedem einzelnen Menschen
und jedem Volk Gerechtigkeit herrscht.

Indianische Weisheit

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende mit vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen – gesetzesfrei.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Mach mal langsam – Literarischer Wochenendgruß vom 04.05.2018

Mach mal langsam – Literarischer Wochenendgruß vom 04.05.2018

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

manchmal habe ich den Eindruck, dass unsere Welt aus dem Takt gekommen ist. Alles muss schnell gehen, sei es im Beruf oder im normalen Alltag. Noch schneller in noch kürzerer Zeit gilt es etwas zu erledigen. Wir werden unruhig, wenn wir in einer Warteschlange stehen müssen. Was haben wir dadurch gewonnen? Mehr Lebenszeit, mehr Lebensglück, mehr Lebenszufriedenheit?

Jeder Mensch hat seinen eigenen persönlichen Lebensrhythmus. Wenn er sein Leben nach seinen Bedürfnissen gestalten kann, kommt jeder an sein persönliches Lebensziel – sei es langsam oder manchmal auch etwas schneller.

Foto: Gerd Taron (Das Foto entstand während des Radrennens „Eschborn-Frankfurt“ am 01. Mai)

Wer langsam geht, der kommt manchmal schneller ans Ziel. Denn er wird nicht gehetzt vor etwas davonlaufen. Er geht auf das zu, was wichtig ist. Also: Lass dir Zeit. Genieße die Langsamkeit
Anselm Grün

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Welt, bedacht auf plattem Nutzen,
sucht auch die Seelen auszuputzen.
Das Sumpfentwässern, Wälderroden,
schafft einwandfreien Ackerboden,
und schon kann die Statistik prahlen
mit beispiellosen Fortschrittszahlen.
Doch langsam merken’s auch die Deppen,
die Seelen schwinden und versteppen,
denn nirgends mehr so weit man sieht,
gibt es ein Seelenschutzgebiet.
Kein Wald, drin Traumes Vöglein sitzen,
kein Bach, drin Frohsinns Fischlein blitzen,
kein Busch, im Schmerz sich zu verkriechen,
kein Blümlein, Andacht rauszuriechen,
nichts als ein ödes Feld mit Leuten,
bestellt, es restlos auszubeuten.
Drum wollt ihr nicht zugrunde gehen:
Lasst noch ein bisschen Wildnis stehen.

– Eugen Roth –

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Stimmen der Natur

Wenn die Vögel singen, rufen sie dabei die Blumen des Feldes oder sprechen sie mit den Bäumen,
oder ist ihr Gesang nur ein Widerhall dessen, was das Bächlein murmelt?
Der Mensch mit all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was die Vögel sagen oder was der Bach vor sich hinmurmelt oder was die Wellen flüstern, wenn sie langsam und sanft den Strand berühren.
Der Mensch in all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was der Regen spricht, wenn er auf die Blätter in den Bäumen fällt oder wenn er aufs Fensterbrett tropft.
Er weiß nicht, was der flüchtige Wind den Blüten zu erzählen hat.
Aber das Herz des Menschen ist imstande, die Bedeutung dieser Stimmen zu fühlen und zu begreifen.
Oftmals bedient sich die ewige Wahrheit einer geheimnisvollen Sprache.
Seele und Natur unterhalten sich miteinander, während der Mensch abseits steht, sprachlos und verwirrt.
Und hat der Mensch nicht Tränen vergossen über diese Stimmen?
Sind seine Tränen nicht ein beredtes Zeugnis seines Verstehens?

Khalil Gibran

Langsames Denken

Auch langsame Denker kommen zu
guten Ergebnissen / Lösungen
Nicht nur in der Schnelle,
in kurzen Distanzen, liegt
Besinnen / Erkennen, sondern
ebenso in längeren Ruhe-
phasen und guter Stille
Jedes Gehirn hat seine
individuellen Besonderheiten, die es von anderen
sehr unterscheiden kann
Schon im konzentrierten
konstruktiven Denken
steckt eine gehörige Portion
geballter Kreativität
Nicht nur der
produzierende Künstler,
Maler/Bildhauer/Schreibende,
nein, auch der “nur” Denkende
ist ein Kreativer, ein
Gestaltender, beschäftigt
in seinem künstlerischen
Werk, das keiner sieht / liest
Nur er selbst weiß davon
Er ist in seiner eigenen
Stille/seinem eigenen Selbst
der produzierende, der
produktiv agierende Teil

© Bruni Kantz

Foto: Gerd Taron

Langsamer Tanz…

Hast Du je Kindern
auf einem Karussell zugeschaut?
Oder zugehört,
wenn der Regen auf den Boden klatscht?
Bist Du jemals dem unberechenbaren Flug
eines Schmetterlings gefolgt?
Oder hast durch die verblassende Nacht
in die Sonne geschaut?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Rennst Du durch jeden Tag wie im Fluge?
Wenn Du jemanden fragst:
Wie geht es Dir?
Hörst du auf die Antwort?
Wenn der Tag vorüber ist,
Liegst Du dann im Bett
Und die nächsten hundert Pflichten
Gehen Dir schon durch den Kopf?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Hast Du je zu Deinem Kind gesagt:
das machen wir morgen?
Und in Deiner Hast
nicht seinen Kummer gesehen?
Jemals den Kontakt verloren
und eine echte Freundschaft einschlafen lassen,
Weil Du nie die Zeit hattest,
anzurufen und Hallo zu sagen?
Mach lieber langsam.
Tanze nicht so schnell.
Die Zeit ist kurz.
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen.
Wenn Du so schnell rennst,
um irgendwohin zu kommen,
kannst Du den Weg
dorthin nicht geniessen.
Wenn Du voller Sorgen
durch den Tag hetzt,
dann ist das so,
als würdest Du ein ungeöffnetes Geschenk wegwerfen.
Das Leben ist kein Wettrennen.
Lass es langsamer angehen.
Höre die Musik, bevor das Lied vorüber ist.

David L. Weatherford

Foto: Gerd Taron

Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillewerden meiner Seele. Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Weite der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln,
ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief
in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.

Aus Südafrika

Foto: Gerd Taron

Segen eines alten Menschen
Gesegnet seien, die verstehen,
dass meine Füße langsam geworden sind und das meine Hände zittern.
Gesegnet seien, die daran denken,
dass meine Ohren schwer hören und das ich nicht alles gleich verstehe.
Gesegnet seien, die nicht schimpfen,
wenn ich etwas fallen lasse und die mir helfen meine Sachen zu finden.
Gesegnet seien, die mich anlachen
Und mit mir plaudern.
Gesegnet seien, die Rücksicht auf mich nehmen,
auf meine Beschwerden und die meine Schmerzen lindern.
Gesegnet seien, die mich fühlen lassen,
dass ich geliebt werde und die zärtlich mit mir umgehen.
Gesegnet seien, alle die gut zu mir sind,
denn sie lassen mich an den guten Gott denken.
Und ich werde sie bestimmt nicht vergessen,
wenn ich einmal bei ihm bin.
Phil Bosmans

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende mit vielen Stunden der Muße.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Vderanstaltungshinweis in eigener Sache:

Eppsteiner Büchermarkt am Freitag, 04.05. von 14 bis 18 Uhr während des Wochenmarktes

Dort stellen sich regionale Autoren mit ihren Werken vor. Von Reiseliteratur, historischen Romane, Fantasy, Kinder- Jugendbuch, Krimi und antiquarische Reiseliteratur ist alles dabei.

Brina Stein (www.brina-stein.de) hat alles organisiert und freut sich auf die nachstehenden Autoren:

Alexandra Bauer, Birgit Gröger, Karin Seemayer, Ina Wagemann, Wolfgang Ulrich, Stefanie Caroline Pier, Ruth Gorgosch, Connie Albers und Brina Stein mit ihren Werken.

Als antiquarische Zugabe ist der Autor dieser Zeilen ebenfalls zugegen.

Wenn einer eine Reise tut – Reisen im Wandel der Zeit – Ein literarisch-musikalischer Nachmittag in der Stadtbibliothek in Königstein im Taunus

Wenn einer eine Reise tut – Reisen im Wandel der Zeit – Ein literarisch-musikalischer Nachmittag in der Stadtbibliothek in Königstein im Taunus

Königstein Festung 1803 von Georg Melchior Kraus
Aus dem Buch „Hessen – Ansichten aus alter Zeit“ – erschienen 1958 im Peters-Verlag und herausgegeben von Gerhard Bott und Hans Vogel

Königstein im Taunus, 28.04.2018

Unter diesem Thema präsentierte das reiselustige Ehepaar Antje und Martin Schneider, begleitet und musikalisch kommentiert von Angela Maria Stoll.

Mit vielen schönen Gedichten, Zitaten und Geschichten erfreuten sie die Zuhörerinnen und Zuhörer in der voll besetzten Stadtbibliothek in Königstein. Eines der zahlreichen Bonmots sei hier zitiert:

Sinn des Reisens

Die Meinung von den Reisezwecken,
Wird sich durchaus nicht immer decken,
Wie große Zeugen uns beweisen:
Man reise wohl, nur um zu reisen,
Meint Goethe, nicht um anzukommen.
Begeistrungskraft, genaugenommen,
Sei der ureigenste Gewinn.
Montaigne sieht des Reisens Sinn
Nur darin, daß man wiederkehrt.
Darauf legt auch Novalis Wert;
Er drückt es ungefähr so aus:
Wohin wir gehn, wir gehn nach Haus!
Doch Seume, der – und zwar zu Fuß! –
Spazieren ging nach Syrakus,
Sah geistig, sportlich an die Dinge:
“ ‚S würd besser gehn, wenn man mehr ginge!“

(Eugen Roth)

Antje und Martin Schneider und Angela Maria Scholl führten auf eine Zeit-Reise durch die Jahrhunderte. Dabei stand das auch noch geliebte und gelobte Land Italien. Sei es Joseph von Eichendorff und Robert Schumann, sei es Franz Grillparzer oder Alfred Polgar oder Felix Mendelsohn-Bartholdy: Sie alle schwärmten von ihren Reisen nach Rom und Neapel, am Vesuv oder Sizilien. Manchmal gab es auch wehmütige Töne, wenn man Rom im Regen erleben musste.

Unter großem Beifall wurden das Ehepaar Schneider von der Leiterin der Stadtbibliothek, Simone Hesse, verabschiedet.

Alle Zuhörer hoffen und wünschen auf ein baldiges Wiedersehen mit neuen Geschichten und Gedichte.

Gerd Taron

PS – Ein Hinweis in eigener Sache – Eine andere Veranstaltung zum Thema Reisen bietet der Autor dieser Zeilen am 08.07.18 an. Hier die Einzelheiten:

Sonntag, 08.07.2018 – Beginn 15 Uhr

Gute Reise! – Literarischer Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof

Geschichten und Gedichte über das Reisen
Der Kelkheimer Antiquar Gerd Taron präsentiert an verschiedenen Stationen Geschichten und Gedichte rund um das Reisen. Schwerpunkt wird das Reisen in der Zeit des Wirtschaftswunders sein.
Als Gast wird die Kreuzfahrtautorin Brina Stein dabei sein.

Nach dem Spaziergang besteht die Möglichkeit im gemütlichen Café Nussknacker, Karlsruher Str. 5, zu verweilen. Das Café befindet sich in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes – Südseite.
Treffpunkt des Spaziergangs: Frankfurt Hauptbahnhof, Gleis 1 an der Anzeigetafel neben dem kleinen Supermarkt, Nebenausgang Mannheimer Straße an der Anzeigetafel

Kostenbeitrag: 5 Euro

Es blüht so schön – Literarischer Wochenendgruß vom 27.04.18

Es blüht so schön – Literarischer Wochenendgruß vom 27.04.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Tagen hatte ich das große Vergnügen bei Spaziergängen mit Freunden oder auch mit mir selbst das herrliche Erwachen der Natur 9n meiner näheren Umgebung zu erleben.
Sei es im Rheingau, am Rettershof oder im Woogtal in Königstein im Taunus: Überall blüht es in den herrlichsten Farben.

Dieser Wochenendgruß widmet sich dem Frühling daher mit Wort und Bild auf seine Weise.

Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Des Lebens Frühling

Des Lebens Frühling ist ein flüchtig Wesen,
will schnell bemerkt und rasch ergriffen sein.
In alle Thäler pflanzt er sein Blüten;
Sein ist die Schuld nicht, wenn der Keim verdirbt,
Die Schuld nicht sein, wenn viele Zweige welken.
Es muß der Mensch mit klugbedachter Sorgfalt,
was aus dem langen Winterschlafe bricht,
zur schönen Sommerpflanze sich erziehen.
Wer nicht die Strahlen lockt in seinen Garten,
darf nicht den Kelch verlangen und die Frucht.

Theodor Körner
(gefunden in einem alten Gedichtbuch um 1900)

Das Woogtal in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Es stand ein junger Blütenbaum

Es stand ein junger Blütenbaum
Umspielt vom lauen Weste,
Der träumte süssen Morgentraum,
Und wiegte seine Äste!

Wir träumten wunderholden Traum
Im morgenklaren Maien,
Belauscht, umrauscht vom Blütenbaum,
Zu zweien dort, zu zweien!

Er stand im Morgensonnenglanz
Und wiegte seine Äste,
Da fiel ein reicher Blütenkranz
Verweht vom lauen Weste!

Da fiel uns reicher Blütenschnee
Auf Brust und Stirn und Locken,
In Sonnennäh‘, in Sonnenhöh‘,
Umtönt von Morgenglocken!

Gegrüsst! gegrüsst! Lenzsonnenglanz,
Im morgenklaren Maien.
Du traumumperlter Blütenkranz,
Gegrüsst! gegrüsst zu zweien!

Amanda Ullmann 1860-1895, deutsche Dichterin

Dreifaltigkeitskirche in Kelkheim-Fischbach – Foto: Gerd Taron

BOTEN

Endlich
Blüten
lang ersehnt

Berauscht mich
an
Düften
Farben
wie
einstmals
Hellenen
beim Fest
Anthesterion

Strömt herzu
alle
die verlangen
nach
Neuem
nach
Aufbruch
nach
ewiger Heimstatt

Endlich
Blüten
lang ersehnt

Thomas Berger

Foto: Gerd Taron

Frühlingslied

Hör‘ mal,
was sie verkünden,
die Schönheiten
in Flur und Feld,
in Gärten und inneren Räumen,
vereint mit der Anmut der
zartesten Blüten
für dich und mich,
für uns alle!
Wehmut
streift dich
wie Windböen,
gelegentlich.
Vergangenheit spült hoch.
Da, ein neues Rauschen:
Der Ruf der Wildnis
frohlockt dir
im Gemüt.
Haare wehen weich und lockig,
der Gesang geht weit
in unbekanntes Land.
Trag mich!
Trag mich hinauf mit
dem Säuseln des Windes!
Wo ist die Weite
des zartbunten Schmetterlings?
Erinnern und Hoffen,
Schmerz und Freude
stehen manchmal
wie Rose und Dornen am Strauch.
Der Duft und die Anmut
der bezaubernden Rose bleibt.
Möcht fliegen mit dir!
Ganz leicht, ganz federleicht
in luftige, sonnige Höhen.
Nichts haben,
nur sein,
nur selig sein.

© Lissy Theissen 2016

Am Rettershof – Foto: Gerd Taron

Gruß an den Frühling

O holder Lenz! Dein sanfter Hauch
Lädt ein zum Frühlingsfeste.
Das Lied der Drossel aus dem Strauch
Lockt tausend zarte Gäste:
Ihr Primeln, tanzt und streut auf’s Feld.
Die schönsten gelben Sterne,
Ihr Weißdornblüten, schmückt die Welt
Bis in die fernste Ferne!
Ihr Veilchen, schlagt die Augen auf,
Stechginsters Gold soll glänzen,
Ihr Anemonen, kommt zuhauf:
Ihr dürft den Lenz bekränzen!

E. M. Holden

Aus „Vom Glück mit der Natur zu leben – Das Tagebuch der Edith Holden“

Rüdesheim – Foto: Gerd Taron

Der Apfelbaum ist aufgeblüht.
Nun summen alle Bienen.
Die Meise singt ein Meisenlied.
Der Frühling ist erschienen.
Die Sonne wärmt den Apfelbaum.
Der Mond scheint auf ihn nieder.
Die kleine Meise singt im Traum
Die Apfelblütenlieder.
Die Bienen schwärmen Tag für Tag
Und naschen von den Blüten.
Mag sie der Mai vor Hagelschlag
Und hartem Frost behüten.
Der Apfelbaum ist aufgeblüht.
Der Winter ist vorbei.
Mit Blütenduft und Meisenlied
Erscheint der junge Mai

James Krüss

Im Woogtal in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

… Visionen …
ich stell mir vor,
ein Bach im Frühling
in seinem Plätschern wohnt ein Geist
ich spüre sanft die Kraft des Flusses
die mir den Weg des Lebens weist
ich stell mir vor,
ein Feld im Sommer
erblüht in Farben voller Pracht
die Blüten, strahlende Gesichter
und jede winkt mir zu und lacht
ich stell mir vor,
am Meer zu liegen
umgeben nur vom Wellenklang
auf jeder Welle reichen Wesen
die Hände sich zum Lobgesang
ich stell mir vor,
im All zu schweben
durch unendliche Galaxien
und tief im Kerne ihres Wesens
kann ich zu meinem Selbst erblühen
ich stell mir vor,
wir Menschenkinder
der ganzen Welt, im Tanz vereint
und unsere Sprache ist das Lachen
und überall die Sonne scheint
ich stell mir vor,
meine Visionen
sind hier und jetzt, nicht Illusion
nicht Zeit und Raum bestimmt die Wahrheit
alles ist jetzt, auch die Vision

Cäcilia Wentker

Foto: Gerd Taron

Mögen aus jedem Samen, den du säst,
wunderschöne Blumen werden,
auf dass sich die Farben der Blüten
in deinen Augen spiegeln,
und sie dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern!

© Text: Irischer Segenswunsch

Ich wünsche Ihnen ein zauberhaftes Frühlingswochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron