Grenzen ohne Mauern – Literarischer Wochenendgruß vom 21.09.18

Grenzen ohne Mauern – Literarischer Wochenendgruß vom 21.09.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

im schönen Taunus gibt es zwei Landkreise, die zu den reichsten in Deutschland gehören. Der Feldberg ist der höchste Erhebung. Irgendwo zwischen dem Hochtaunus-Kreis und dem Main-Taunus-Kreis gibt es eine besondere Grenze. Sie liegt oberhalb des Rettershofes, der zur Stadt Kelkheim und damit zum Main-Taunus-Kreis gehört.

Wer erfahren möchte, was in den jeweiligen Kreisen geschieht, hat Pech gehabt. Die lokale Zeitung (die Frankfurter Neue Presse) ist strikt getrennt in das Höchster Kreisblatt. Dort wird über das lokale Geschehen im Main-Taunus-Kreis, dem Frankfurter Westen und etwas über Frankfurt berichtet. Über den Hochtaunus-Kreis, Königstein, Kronberg, Bad Homburg? Fehlanzeige! Dafür gibt es die Taunus-Zeitung, die ihrerseits nichts über die Nachbarn aus dem anderen Kreis informiert.

Ich bin regelmäßig in beiden Kreisen unterwegs. Dabei habe ich versucht herauszufinden, warum es diese Trennung gibt. Experten, wie Heimatforscher und Stadtarchivare konnten mir dabei auch nicht weiterhelfen.

Daran wird deutlich, dass es keine real existierende Mauer, wie zum Beispiel in früheren Zeiten den Limes geben muss, um etwas zu trennen und eine Grenze zu setzen. Wovon will man sich abgrenzen? Wovor hat man Angst?

Es gibt sehr schöne praktische Beispiele, wie persönliche Grenzen überwindet werden können und sich damit anderen öffnet. Da gibt es die Aktion „Offene Gärten“, wo Gartenbesitzer ihre Pforten öffnen und andere an den Schönheiten ihres Gartens teilhaben lassen. Ein anderes Beispiel sind Veranstaltungen wie die „Offenen Höfe“, sei es in Hofheim-Wallau oder im Rheingau und in anderen Regionen.

Grenzsteine oberhalb des Rettershofs im Taunus markieren die Grenzen zwischen den beiden Gebieten – Foto: Gerd Taron

Alle Grenzen entstehen im Herzen

Alle Grenzen entstehen im Herzen.
Alle Linien auf Landkarten
wurden zuerst in Herzen gezogen.
Tief in uns geschehen die Trennungen.
Wo ziehen wir beide die Linie?
Die Linie macht uns zu Fremden.
So urteilen, trennen und sondern wir ab.
So entfremden und isolieren wir uns und werden einsam.
Nichts tötet so wie die Linie durchs Herz.
Zuerst sterben die anderen, aber am Ende auch wir.
Verachtung, Abscheu und Hass sind teuer.
Die neue Welt fordert von uns,
dass wir unsere Herzen glätten,
damit sie durchquert werden können,
wie endlose Weizenfelder der Nahrung ohne Zäune,
dass wir unseren Geist verwandeln
in eine Wiese, auf der sich alle versammeln können,
um einander zu feiern,
dass wir selbst Gärten voller Überfluss für die Hungrigen werden,
Feste der Freude für die Niedergeschlagenen
und eine Zuflucht für die Hilfsbedürftigen.
Weigere dich, kleinlich zu werden,
mache dein Herz nicht zu einem Abgrund des Misstrauens,
lass dich nicht zählen, wenn die Zerstörer wieder einmal aufrechnen,
wen sie auf ihrer Seite haben.
Es ist Zeit,
die Welt wie vom Weltraum zu sehen, ohne Grenzen,
weil die Zeit der Reiche und des Herrschens vorbei ist.
Es ist Zeit für das internationale Abenteuer der Liebe.

Ulrich Schaffer

Foto: Sitta Destroff

Da gehen die Menschen hin, und bewundern die Bergesgipfel, die Meeresfluten ohne Grenzen, den breiten Strom gewaltiger Flüsse, die Weiten des Ozeans und den Lauf der Sterne. Sich selber aber sehen sie nicht, und finden in sich nichts zum Staunen.

Aurelius Augustinus

Foto: Monika Bylitza

Die Grenzen, die du errichtest, werden solange für dich real sein, bis du lernst, über sie hinaus zu gehen. Dann hören sie auf, wirklich zu sein. Später wirst du auf die Realität zurückblicken, in der du gelebt hattest, und du wirst dich wundern, wie es dir einst möglich gewesen sein konnte, ihre engen Grenzen zu ertragen.

(Paul Ferrini)

Foto: Petra Krenzer

Ich will ein fremdes Land bereisen,
seine Berge bewandern,
seine Küsten erforschen,
die rauen Klippen besteigen
und Halt finden am lebensrettenden Vorsprung.
Ich will die fremden Winde spüren
und den warmen Regen auf meinen Wangen.
Meine Hände will ich in seine Erde graben.
Seine Wurzeln fühlen will ich,
schmecken sein Salz und riechen
den Duft seiner weiten Täler.
Und ich will kämpfen mit dem Land,
mich messen mit seinem Willen,
seine und meine Grenzen erforschen,
bis der Schlaf kommt und ich mich bette
auf den Blättern seines Herbstes…

Gedicht aus „Italiener und andere Süssigkeiten“
von Drehbuchautor Martin Rauhaus

Foto: Gerd Taron

Wenn du meine Grenzen schützt

Der Sohn

Vater, wenn Du meine Grenzen schützt,
werde ich wissen, dass ich Grenzen habe.
Diese Grenzen erlauben mir, zu erstarken
und meine Kräfte zu sammeln.
Vater, wenn Du meine Grenzen schützt,
kann ich mit Dir meine Kraft und Fähigkeit trainieren.
Diese Kraft und Stärke werde ich brauchen,
um die Grenzen anderer zu schützen.

Die Tochter

Vater, wenn Du meine Grenzen schützt,
werde ich wissen, dass ich Grenzen habe.
Ich werde wissen, dass ich sicher bin
und mich dem Leben in mir hingeben kann.
Vater, wenn Du meine Grenzen schützt,
werde ich für das Leben Sorge tragen können.
Ich werde in mir halten können, was des Haltes bedarf
und nähren können, was der Nährung bedarf.
Geliebter, wenn Du meine Grenzen schützt,
werde ich Dir meine Grenzen öffnen können.
Gemeinsam werden wir Leben erschaffen.
Es nähren und schützen können.
Vater, wenn Du unsere Grenzen nicht schützt,
wird unsere Suche nach Deiner inneren Stärke
über unser Leben bestimmen.
Erst wenn wir diese Stärke in uns gefunden haben,
werden wir schützen und nähren können,
werden wir sein können, was wir wirklich sind.

Sita Hahn

Foto: Veronika Dutz

Mögen die Grenzen, an die du stößt,
einen Weg für deine Träume offen lassen.

Altirischer Segenswunsch

Ich wünsche Ihnen und mir, dass die unsichtbaren Mauern überwunden werden und zu einem harmonischen Miteinander führen.

Ein grenzenlos schönes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

Ein Veranstaltungshinweis:

Am Sonntag, 23.09. findet zum Herbstanfang wieder ein literarischer Spaziergang rund um den Rettershof.

Er beginnt um 15 Uhr. Der Treffpunkt ist der große Parkplatz am Rettershof

Zuhause sein – Literarischer Wochenendgruß vom 14.09.18

Zuhause sein – Literarischer Wochenendgruß vom 14.09.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich mittlerweile 25 Jahre als Rheinländer im Taunus lebe. Die damals private Entscheidung zum Umzug in ein neues Land und Umgebung hat mein Leben sehr verändert – im positiven als auch im negativen.

Viele meiner Freunde aus meiner näheren Umgebung kennen diese Erfahrung aus eigenem Erleben. Sie sind aus unterschiedlichsten Gründen von Ort zu Ort gezogen. Und wenn man die kulturhistorische Geschichte betrachtet, siehe die Einwanderung in Amerika, ist dies sicher verständlich.

Meine neue „zweite“ Heimat möchte ich nicht mehr missen. Trotz aller persönlichen Widrigkeiten habe ich hier mein eigenes Zuhause gefunden, vor allem dank meines Freundeskreises.

Mit den Texten und Fotos möge der neue Wochenendgruß Sie zum Nachdenken anregen.

Foto: Olaf Jahnke

Jeder Ort kann
Dein Zuhause sein.
Soviel Heimat ist er,
wie er mit
Liebe,
Zuneigung
und
Wertschätzung
zu Dir
gefüllt
ist.

Anja Schindler

Foto: Petra Krenzer

Geh los
Geh an die Tür,
nimm deinen Schlüssel mit.
Lass die Tür nicht laut ins Schloss fallen.
Lautlosigkeit soll dich begleiten.
Nimm sonst nichts mit.
Bist du draußen, geh zur Straßenbahn
oder zum Bus, der dich an den Stadtrand bringt.
Lass die Stadt hinter dir,
vor dir ein Feld, vielleicht ein Wald,
keine Häuser mehr.
Verlass was du kennst,
vielleicht auch was du liebst.
Sieh dich nicht um,
du wirst zwar nicht zu einer Salzsäule,
aber es kann sein, dass du abgelenkt wirst
und nicht mehr weißt, was du wolltest.
Es passiert jeden Tag.
Geh durch die Felder, steig über die Zäune,
auch wenn du dir die Hosen zerreißt,
es macht nichts, viel Größeres wartet auf dich.
Wenn du willst, umgeh den dunklen Wald.
Da kommt ein Dorf, lass es links liegen,
die Hochhäuser der fernen Stadt steure nicht an.
Geh den Fluss entlang, bis du zu einer Brücke kommst.
Bleib ein wenig auf ihr stehen,
unter dir das braune Wasser, die Gräser am Ufer.
Es ist gut, dass du die Brücke gefunden hast.
Wenn man dich anspricht, geh einfach weiter.
Man wird dich schnell vergessen.
Es ist gut, dass du nicht weißt, wohin du willst,
so kann dir niemand dein Geheimnis entreißen.
Irgendwann wirst du an eine Grenze stoßen,
vielleicht ist es schon die Landesgrenze.
Betritt das fremde Land, es hat auf dich gewartet.
Im nächsten Ort,
dort wo du dich am fremdesten fühlst,
steht eine Wohnung für dich bereit.
Der Vermieter weiß Bescheid.
Der Schlüssel liegt unter der Matte.
Im linken Zimmer kannst du schlafen,
das andere, das mit dem Blick in den Garten,
soll das Zimmer der Stille sein.
Wenn du erst mal eingezogen bist,
werden sich die Wände füllen,
mit dem was dir wertvoll ist.
Es kann von selbst geschehen.
Wenn es an der Tür klingelt, mach nicht auf.
Die Ablenkung ist nicht gut für dich.
Es könnten auch deine Freunde von zuhause sein,
sie wollen dich zurückholen.
Aber sie werden bald aufgeben,
wenn sie spüren, dass du jetzt hier sein willst.
Erst jetzt wirf den Schlüssel
zu deiner alten Wohnung weg.
Lass dir keine Post nachschicken,
ruf nicht mehr an,
gewöhne dich an die neue Welt.
In einem Glas
im obersten Küchenschrank,
fast unerreichbar,
liegt die kostbare Perle.

Ulrich Schaffer

Beziehungen sind komplizierter geworden, da Chats das neue Reden sind. Diskutiert wird nur noch über Telefonate ohne Augen-Kontakt, gekämpft wird nur noch wenn ein Vorteil dabei rausspringt. Der erste Schritt wird solange hinausgezögert bis es zu spät ist und Gefühle werden nur noch in Facebookposts oder einem WhatsAppstatus „ausgesprochen“…
Eine Generation die sich unsicher ist über die eigenen Gefühle, verwirrt weil wir nichts mit Andeutungen und Spielchen anfangen können, verliebt in einen Menschen aber gebremst von seinem Verhalten, wir glauben aber nicht genug um den letzten Schritt zu machen, weil wir wissen wie schön Menschen lügen, wenn sie was erobern wollen…
Wir wollen endlich ankommen aber in einer Welt von Durchreisenden, ist ein Zuhause eben schwer zu finden…
Der Poet

Foto: Lissy Theissen

Feuer, die Herzen wärmen.

Eine Frau irrte ziellos durch die dunklen Straßen der Stadt und schaute sich dabei immer furchtsam um. Sie war auf der Flucht vor ihrem jahrelangen, kalten Zuhause und befürchtete, dass es ihr nachlaufen würde. Obwohl sie warm gekleidet war , fror sie doch sehr, und so hielt sie sich fest beide Arme vor den Oberkörper.
Immer wieder kam sie an kleinen Lagerfeuern vorbei, an denen jeweils ein Mann saß. Sie hätte sich gerne zu einem gesetzt, um sich ein wenig aufzuwärmen, doch bemerkte sie schnell, dass diese Feuer nur auf Sparflamme brannten und fast zu erlöschen drohten.
Sie ging enttäuscht und frierend weiter.
Die schwachen Flammen warfen ein spärliches Licht auf nett anzuschauende Männergesichter und die Frau war so manches Mal verlockt, sich zu einem zu setzen. Die trügerische Hoffnung war nur allzu groß, sich bei einem von ihnen aufwärmen zu können.
Mit eiskalten Füssen und ebensolchem Herzen stolperte sie weiter und die Zuversicht schwand mit der Zeit.
Als sie schon nicht mehr daran glaubte, erblickte sie auf einmal ein großes Feuer, an dem ein älterer, unscheinbarer Mann saß.
Die Frau wurde von seinen guten Augen angezogen und sie ging zögernd auf ihn zu.
Der Mann lächelte sie einladend an und dieses Lächeln verlieh ihm auf einmal unglaubliche Attraktivität.
Er reichte der Frau seine Hände und half ihr, sich zu ihm zu setzen. Dann nahm er eine dicke Decke und legte sie über ihre und seine Schultern. Sie rückten eng zusammen und genossen die Wärme des Feuers, dass auf einmal noch intensiver brannte als vorher.
Die Frau wusste, sie würde von nun an nie mehr frieren müssen.

– Annerose Pützer –

Foto: Gerd Taron

Ich bin auf meinem Weg,
indem ich mich freigebe von allem,
was mich daran hindert
mich selbst zu sein.
Wandernd lege ich meine Rollen ab,
die ich lange genug gespielt habe.
Wandernd lasse ich meine Masken fallen,
die lange genug mein wahres Wesen versteckt und entstellt haben.
Nun, wer bin ich denn,
wenn all das Zufällige weggefallen ist,
wenn nicht mehr zählt, was ich geleistet habe,
wenn nicht mehr wichtig ist, was ich bei den Menschen gegolten habe.
Wandernd gehe ich hinein in mein Wesen,
in meine Wahrheit,
in mein Zuhause,
zu meinem Gott meines Wesens! ” ༺ಌ༺

nach Anselm Grün

Foto: Gerd Taron

Jeder Mensch braucht ein Refugium,
wo er sein kann, wie er ist.
Es ist dabei egal, ob es die kahle Hütte am
Berg sei, das heimische Wohnzimmer
oder das Blätterdach des Waldes,
doch jeder Mensch braucht einen Platz,
wo er schweigsam werden kann,
demütig sich selbst gegenüber,
wo das Leben sich wieder
ungestört in die Mitte begibt,
wo die Zeit still steht.
Jeder Mensch braucht einen Ort
der Stille, des Zuhauses mit sich selbst.

Anja Schindler

Foto: Gerd Taron

Ich gehöre dazu
Wenn ich wieder einmal nach dem Sinn frage,
sagt eine Stimme in mir,
dass es reicht, hier gewesen zu sein.
Ich bin vor Jahrzehnten erschienen,
habe einen Platz eingenommen.
Ich habe einen Eindruck von Leben bekommen
und einen Eindruck hinterlassen,
so wie man am frühen Morgen Spuren im Tau hinterlässt.
Es reicht, hier gewesen zu sein.
Unter dieser Erkenntnis fallen die hohen Ziele von mir ab.
Ich habe ein Stück des Planeten bewegt,
so wie er mich berührt hat.
Ich habe Freundschaften geschlossen, Erkenntnisse gesammelt,
kleine Paradiese geschaffen, große Ambitionen losgelassen.
Ich habe geliebt und gelacht, gedacht und gelitten.
Ich war dabei, war Teil der großen Familie der Menschen
und bin noch dabei.
Ich bin ein Teil des globalen Kreises,
bin Teil eines Akkords in einer unvollendeten Sinfonie,
Teil des Bildes, blaue Schlieren auf dunkelbraunem Grund.
Mein Hauch hängt noch in den Fasern der Welt.
Ich stehe im Segen des Dazugehörens,
jetzt und für immer.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Menschen suchen ihr Leben lang ein Zuhause, ein Herz und zärtliche Hände, eine stille Gegenwart, die bleibt, auch wenn es keine Worte mehr gibt.

(Phil Bosmans)

Ich wünsche allen Lesern des Wochenendgrußes ein erholsames und besinnliches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Nutze den Augenblick – Literarischer Wochenendgruß vom 07.09.18

Nutze den Augenblick – Literarischer Wochenendgruß vom 07.09.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

bei zwei literarischen Spaziergängen in diesem Jahr habe ich das ungewöhnliche Buch von Bernhard Nollen „ Nutze den Augenblick – Gedanken zur Lebenskunst“ vorgestellt. Es enthält wunderbare Zitate des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel. Dazu präsentiert Bernhard Nollen seine wunderschönen Fotografien, die
mit den Worten Aurels verwoben sind.

Dies ist für mich der Anlass, in diesem Wochenendgruß auf die Worte von Marc Aurel einzugehen. Die Fotos sind alle mit einem neuen Blick in den letzten Tagen entstanden. Der Abschluss ist allerdings mit einem einfühlsamen Text von Ulrich Schaffer versehen.

Einsamkeit suchen die Menschen auf ländlichen Fluren, am Meeresufer, in den Bergen. Doch einer wie beschränkten Ansicht entspringt dieser Wunsch ! Kannst du dich doch, sooft du nur willst, in dich selbst zurückziehen. Gibt es doch nirgends eine stillere, und ungestörtere Zufluchtsstätte, als die Menschenseele…

Mark Aurel

Leben ist Veränderung!

Beachte immer, dass nichts bleibt,
wie es ist, und denke daran,
dass die Natur immer wieder
ihre Formen wechselt.

Mark Aurel

Du musst nicht meinen, dass etwas menschenunmöglich sei, nur weil du es kaum zuwege bringen kannst, sondern wenn etwas menschenmöglich und durchführbar ist, dann sieh es auch für dich als erreichbar an.

Marc Aurel

Ziehe weniger das in Betracht, was du nicht hast, sondern das, was du hast; stelle dir die liebsten vor und denke nach, wie du denselben nachstreben würdest, wenn sie nicht dein wären. Nimm dich aber auch in acht, dich an sie zu gewöhnen, weil sie dir so sehr behaglich sind, und sie allzu hoch zu schätzen, damit es dich nicht deine Gemütsruhe koste, wenn du sie verlieren solltest.

Jung sein

Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt,
sondern eine Geisteshaltung;
sie ist Ausdruck des Willens,
der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität.
Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit,
Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.

Man wird nicht alt, weil man
eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat:
Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt.
Die Jahre zeichnen zwar die Haut
– Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele.
Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen
und Hoffnungslosigkeit sind Feinde,
die uns nach und nach zur Erde niederdrücken
und uns vor dem Tod zu Staub werden lassen.

Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann.
Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt: Und dann?
Wer die Ereignisse herausfordert
und sich freut am Spiel des Lebens.

Ihr seid so jung wie Euer Glaube.
So alt wie Eure Zweifel.
So jung wie Euer Selbstvertrauen.
So jung wie Eure Hoffnung.
So alt wie Eure Niedergeschlagenheit.

Ihr werdet jung bleiben,
solange Ihr aufnahmebereit bleibt:
Empfänglich fürs Schöne, Gute und Große,
empfänglich für die Botschaften der Natur,
der Mitmenschen, des Unfaßlichen.
Sollte eines Tages Euer Herz
geätzt werden von Pessimismus,
zernagt von Zynismus,
dann möge man Erbarmen haben
mit Eurer Seele – der Seele eines Greises.

Marc Aurel

Die Zeit ist ein Fluss und ein gewaltiger Strom der Dinge. So bald man jenes gesehen hat, ist es schon vorüber, und fährt ein anderes daher, wird es ebenso schnell vorüber sein.

Marc Aurel

Schau in dich hinein: In dir ist die Quelle des Guten, eine Quelle, die nicht versiegen kann, wenn du nicht aufhörst zu graben.

Marc Aurel

Schmecke die Luft

Lass los,
nimmermehr kommt die blaue Blume
oder der goldene Vogel zu Besuch.
Vor uns liegt ein großer Wald,
dessen Lichtung gesucht werden muss,
wie eine Nadel im Heuhaufen, so groß,
wie von hier bis zum Mond.
Steh still,
vielleicht dreht sich die Welt dir zu
und du kannst neu aufsteigen,
mit der Sicherheit der Himmelsmechanik
in einer Tasche aus Gräsern
locker über die Schulter geschlungen.
Schmecke die Luft,
noch ist es nicht zu spät
deinen Atem zu lockern
und die Augen schweifen zu lassen
wie Vögel, die alle Farben außer golden sind.
Es ist trotzdem alles ein Fest.
Ulrich Schaffer

Mit diesen nachspürbaren Texten wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Informationen zum Buch (im Buchhandel nicht mehr erhältlich):

Bernard Nollen

„Nutze den Augenblick“
Gedanken zur Lebenskunst von Marc Aurel

Dumont-Verlag – 1999, ISBN: 9783770148936

Mit allen Sinnen leben – Literarischer Wochenendgruß vom 31.08.18

Mit allen Sinnen leben – Literarischer Wochenendgruß vom 31.08.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

selten hat sich in der Geschichte des literarischen Wochenendgrußes vor mehr als 7 Jahren bei mir persönlich ein Wunsch mehr als erfüllt. In der letzten Woche schrieb ich, dass man „guter Hoffnung sein soll“. Damit habe ich mir und anderen Mut machen wollen. Jetzt, nach der ersten überstandenen Augenoperation, ist tatsächlich ein kleines Wunder geschehen. Dieser Wochenendgruß kann, trotz Skepsis vorher, wie gewohnt erscheinen. Es ist ein neues Leben, dass ich jetzt die Welt und die Natur anders betrachten kann, viel detaillierter und schärfer.

Der nachfolgende Text vom wunderbaren Ulrich Schaffer beschreibt meine eigene Situation in den letzten Wochen in wunderbarer Weise. Er selbst sagt über dieses Gedicht, dass es für ihn einer der gelungensten über die Hoffnung sei.

Sonnenaufgang am Staufen mit Blick auf Kelkheim-Fischbach – Foto: Gerd Taron

Erfinderin neuer Lösungen

Du schreibst, dass dir die Hoffnung vergeht
und sich der Abgrund auftut.
Ich bitte dich, die Wirklichkeit nicht so ernst zu nehmen,
sie ist der Kraft deiner Hoffnung nicht gewachsen.
Deine Hoffnung existiert getrennt
von allem, was dir passiert.
Sie steht über den Ereignissen der Welt,
auch deiner persönlichen Welt.
Es gibt die Hoffnung als helle Luft,
als einen Korb rotbackiger Äpfel,
als Hände, die ineinander liegen,
als ein Lächeln gegen den Tod
der kleinen, vorsichtigen Liebe,
als Entscheidung, die keine Grenzen kennt.

Und schon wirst du die Erfinderin neuer Lösungen,
legst Mut auf Vorrat an,
entscheidest, was wirklich ist,
lachst quer durch deine Tränen,
als wären sie die einer anderen.

Aus deinem Rucksack
schaut keck eine kleine Fahne hervor,
auf der steht: Man kann die Hoffnung
gar nicht spät genug aufgeben.
Ich habe sie dir reingesteckt,
als Gruß von weit weg.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Sanft und zärtlich
kommt er daher,
der Augenblick.
Berührt die Sinne,
in vollem Genuss
und zaubert Dir damit
ein Lächeln
mitten ins Gesicht.
~~~
Text: Monika Heckh

St. Stephan in Mainz – Foto: Gerd Taron

Das Kirchenfenster meiner Iris
Das bunte Kirchenfenster meiner Iris,
die Mechanik meines Ellenbogens,
die beherzte Pumpe in meiner Brustgegend,
das Orchester in meinem Ohr,
das Brahms´ Requiem spielt,
das Kochbuch in meinem Mund,
wie kann ich da anders, als sie zu lieben, diese Sinne,
mit dem an mir, was unsichtbar ist
und mich doch mehr erfasst,
als alles, was aufzählbar ist
in einer Welt, die Angst hat
vor dem Unsichtbaren
und doch davon lebt.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

… Waldspaziergang …

Fühle unter meinen Füßen
weichen Boden, Schritt für Schritt
unterwegs, um zu genießen
nehm´ ich meine Sinne mit
Rundherum ein tirilieren
dringt ganz tief in mich hinein
bringt mein Herz zum dirigieren
Melodie zum Glücklich sein
Lausche Amsel, Fink und Meise
wie sie zwitschern mir ein Lied
ich bedanke mich ganz leise
singe in Gedanken mit
Plötzlich über mir ein Rauschen
Blätter wiegen sich im Tanz
es tut gut, dem Wind zu lauschen
kann mich fallen lassen ganz
Durch die Baumwipfeln herunter
Sonnenlicht strahlt durch´s Geäst
bin glückselig und so munter
weil es mich erwachen lässt
Fühle eins mich mit den Bäumen
mit den Tieren und noch mehr
und ich fange an zu träumen
dass ich eine Elfe wär
Voll mit der Natur verbunden
spüre ich ganz tief in mir
habe endlich das gefunden
was ich suchte…es ist hier
Mein Herz öffnet sich, ich strahle
Licht und Liebe strömt heraus
und erkenn´ mit einem Male
wo ich wirklich bin zuhaus´
Denn mein Ursprung, meine Quelle
sehe ich nun klar vor mir
Und ich leb´ mit jeder Zelle
Gott, aus deiner Liebe hier

Cäcilia Wentker

Foto: Gerd Taron

Man öffnet die Augen,
schließt sie wieder und nimmt das,
was man erblickt, hinüber in den Traum.
Das ist das Leben!

[© Friedrich Hebbel]

Foto: Beate Vennemann

Wir haben verlernt mit den Füßen zu spüren
wir haben verlernt, die Kraft der Erde zu spüren
wir haben verlernt, all unsere feinen Sinne zu spüren

komm gib mir deine Hand
und lass deine Schuhe dort stehen
lass uns mit den Ohren vernehmen
das Rauschen der Wellen
lass unsere Augen schweifen
so weit der Horizont reicht
lass uns die Meeresluft
bis in die Fußspitzen atmen
lass uns das Salz
auf unseren Lippen schmecken
lass die Wärme des Sandes
bis in unsere Herzen dringen

lass uns mit dem ganzen Körper spüren
den Reichtum
den die Natur uns schenkt

Lass uns leben mit all unseren Sinnen ” ༺ಌ༺

Autor unbekannt

Foto: Brigitte Krieg

Ich wünsche Dir Augen,
die Dich so sehen, wie Du wirklich bist,
die Dich ins rechte Licht rücken,
Dich sanft tragen an einen guten Ort.
Ich wünsche Dir Ohren, die die feinen
Schwingungen und Untertöne aus
Deinen Worten aufnehmen,
die die Sprache Deines Herzens verstehen.
Ich wünsche Dir Hände,
die Dich leiten und begleiten,
die nicht lange überlegen, sondern Dich halten
zur rechten Zeit Dir Hilfe sind.
Ich wünsche Dir das Wesen von Liebe,
Glück und Freude an Deine Seite,
Zuversicht, Gelassenheit und Demut
in Dein Herz.
Ich wünsche Dir die Güte des Lebens
zu sein und zu werden,
wie Du wirklich bist,
gemeint bist
mit all Deinen Eigenschaften.
Möge das Leben Dich bejahen,
bejahen
Dein Sein.

Anja Schindler

Foto: Gerd Taron

Das Grün der Wiesen ~ erfreue deine Augen.
Das Blau des Himmels ~ überstrahle deinen Kummer.
Die Sanftheit der kommenden Nacht ~
mache alle dunklen Gedanken unsichtbar!

[Irischer Segenswunsch]

Mit diesen Worten wünsche ich allen Lesern ein wundervolles und erholsames Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Guter Hoffnung sein – Literarischer Wochenendgruß vom 24.08.18

Guter Hoffnung sein – Literarischer Wochenendgruß vom 24.08.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

wir leben in Zeiten von großen Umbrüchen. Wenn wir uns die weltpolitischen Ereignisse wo auch immer und auf welchem Kontinent anschauen oder lesen oder hören, kann es uns sehr beunruhigen und hoffnungslos werden lassen.

Was für das Große gilt, ist unserem persönlichen Bereich gegenwärtig. So erlebe ich dies derzeit in meinem persönlichen Umfeld und bei mir selbst. Veränderungen im beruflichen und/oder privaten Bereich können aber auch positive Energie freisetzen.

In den nächsten Wochen werde ich mich zwei Augenoperationen unterziehen müssen. Es kann daher sein, dass Sie den Wochenendgruß in den nächsten Wochen nicht in der gewohnten Weise bekommen. Ich bin guter Hoffnung, dass alles ohne Komplikationen verläuft, so wie es mir die behandelnden Ärzte in den Vorbesprechungen vorhergesagt haben.

Foto: Gerd Taron

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm‘ ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb‘ es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht.

Ludwig Uhland

Foto: Gerd Taron

Wo Hoffnung ist

Wo Hoffnung ist, öffnet sich das Leben.
Wo Hoffnung ist, gibt es noch Möglichkeiten.
Der Hoffende sieht das Leben, auch wenn es schwer ist.
Die Hoffende mobilisiert ungeahnte
und vielleicht noch nie gebrauchte Kräfte.

Hoffnung ist die Energie,
die uns morgens aufstehen lässt.
Es ist die Kraft, mit der wir versuchen,
einzugreifen in das Geschehen der Welt.
Die Hoffnung steht hinter uns,
wenn wir lächeln und ermutigen.
Die Hoffnung liegt vor uns,
wenn wir es nach vielen Misserfolgen
doch noch einmal probieren.

Da, wo die Hoffnung fehlt,
gehen die Lichter aus – die Möglichkeiten zerrinnen,
der Mut wird ausgeschaltet,
und wir überlassen das Feld den zerstörerischen Kräften.
Freude und Spaß sind weg.
Es bleiben die langen Gesichter,
das Herabreden, das Herabziehen,
der Abstieg in eine der vielen Formen
der grauen Sinnlosigkeit,
die uns die Lebendigkeit nimmt.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Habe Hoffnung, aber niemals Erwartungen.
Dann erlebst Du vielleicht Wunder, aber niemals Entäuschungen.

Franz von Assisi

Foto: Gerd Taron

Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel,
von besseren künftigen Tagen,
nach einem glücklichen goldenen Ziel
sieht man sie rennen und jagen;
die Welt wird alt und wird wieder jung,
doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
sie umflattert den fröhlichen Knaben,
den Jüngling locket ihr Zauberschein,
sie wird mit dem Greis nicht begraben;
denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
noch im Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
erzeugt im Gehirne des Toren,
im Herzen kündet es laut sich an.
Zu was Besser’m sind wir geboren.
Und was die innerer Stimme spricht,
das täuscht die hoffende Seele nicht.

Friedrich von Schiller

Foto: Gerd Taron

Hoffnung

trägt alle Farben
manchmal ist es nur ein
zarter Schimmer
ein lichtes Blau
und manchmal trägt die
Hoffnung grüne Flügel
auch kennt sie jenes tiefe Flammenrot
und immer weiß sie
um den einen Augenblick
wenn alle Farben ineinander fließen
das ist der Augenblick
da sich die Seite wendet
und du spürst
dass dich das Leben liebt

Sabine Ulrich

Foto: Gerd Taron

Warten erleben …

In Ruhe warten können,
bis der Same keimt, wächst,
blüht und Früchte trägt.
Im Glauben warten können,
bis aus Begegnungen Vertrauen
entsteht und Nähe zuläßt.
In Hoffnung warten können,
bis Loslassen möglich wird.
Im Vertrauen warten können,
bis sich aus drei Teilen
ein Ganzes bildet.
In Liebe warten können,
bis der richtige Zeitpunkt kommt
und dann den Augenblick
mit allen Sinnen erleben.

Melitta Zettl

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Hast Du eine Hoffnung, die in Erfüllung gehen soll,
so fange einen Schmetterling, und flüstere ihm Deinen Wunsch !
Schmetterlinge geben keinen Laut von sich, und verraten niemandem etwas, außer dem Himmel ! Laß ihn Deinen Wunsch in den Himmel tragen,
und er wird erhört…

Alte hawaiianische Weisheit

Foto: Gerd Taron

Ich wünsche Dir eine Hängematte zu Träumen,
Lesen oder Dösen.
So manche Sorge zieht vorbei,
lässt in Gelassenheit sich lösen.
Ich wünsche Dir einen Fliederstrauch,
mit lila Blüten, voller Duft,
in einer Wolke Wohlgeruch
fliegst Du denn durch die dicke Luft.
Ich wünsche Dir ein gutes Lied,
mit tiefen und hellen Tönen,
dann wird Dich die Melodie
mit manchem bitterem Wort versöhnen.
Ich wünsche Dir einen Stern am Himmel,
der durch die dickste Wolke scheint.
und der Dir Trost und Freude schenkt,
wenn Dein Herz vor Kummer weint.
Ich wünsche Dir einen Regenbogen,
der Hoffnung gibt und Brücken schlägt,
der Dich mit seinen sanften Farben,
durch jeden grauen Alltag trägt.

Monika Rieger

Foto: Gerd Taron

Möge der schönste Sonnenaufgang, den du gesehen hast in deinem Leben, im Herzen dir bewahrt sein wie in einem Speicher: auf dass vor deinem inneren Auge das zarte Rosa und der leuchtend rote Horizont Hoffnung und Zuversicht in dunklen Zeiten sind.
~ Irischer Segenswunsch ~
Ein Wochenende voller hoffungsvoller Erlebnisse wünscht Ihnen

Ihf/Euer

Gerd Taron

Veranstaltungshinweis:

Am Sonntag, 26.08.18 findet von 11 bis 18 Uhr das große Sommerfest auf dem Zauberberg in Kelkheim-Ruppertshain statt. Einen Vorbericht zu dieser zauberhaften Veranstaltung finden Sie hier:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/08/22/ein-sommerfest-voller-zauber-auf-dem-zauberberg-am-sonntag-26-08-18-von-11-bis-18-uhr/

Von der Tradition – Literarischer Wochenendgruß vom 17.08.18

Von der Tradition – Literarischer Wochenendgruß vom 17.08.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

immer sehen oder hören wir Webebotschaften wie zum Beispiel: Seit mehr als 100 Jahren im Dienste …“ Es werden alte Traditionen beschworen, die die Beständigkeit eines Unternehmens oder einer Institution zeigen sollen, Die neue Altstadt von Frankfurt ist ebenso ein Beispiel dafür, dass Traditionen in Form von alter Architektur wieder belebt wird.

Der Hessenpark in Neu-Anspach im Hintertaunus erfreut sich großer Beliebtheit bei jung und alt. Auf einem großen Gelände können hier alte Handwerke besichtigt wreden, wieder aufgebaute Häuser, sei es eine Schule, eine Synagoge, einen alten „Tante-Emma-Laden“,usw.

Das Erinnern oder die Fortführung von Traditionen geben scheinbar Sicherheit. Alte Zeiten – gute Zeiten?

Es ist wichtig, dass wir unserer Tradition, unserer Herkunft bewusst sind. Wie die Beispiele der neuen Altstadt von Frankfurt oder der Hessenpark zeigen, ist eine Besinnung auf unsere, der eigenen und denen der anderen, Geschichte bedeutsam für unser Leben sind.

Aber nichts ist ewig. Manchmal kann es wichtiger sein, alte Traditionen aufzugeben und den Mut haben, etwas zu verändern.

Festzug anlässlich des Burgfestes in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

„Heute finde ich es sehr spannend, Geschichte wiederzuentdecken – auch meine eigene Geschichte, und deshalb breche ich innerlich auf zur Suche nach meinen eigenen Wurzeln, nach meiner eigenen Identität. Denn ich erlebe immer wieder, dass ich meine Gegenwart besser verstehe, wenn ich mich mit meiner Vergangenheit auseinandersetze und beschäftige.“

Aus dem Buch:

„Meine Reise zum Leben“ – von Rainer Wälde
Auf den Spuren der irischen Mönche
Mit sieben Betrachtungen von Pater Anselm Grün

Hessenpark Neu-Anspach – Foto: Gerd Taron

Ein altes Haus

hat eine lange Geschichte.
Es könnte soviel erzählen,
von guten und von schlechten Tagen.
Von seinem Aufbau,
der Blüte seiner Jahre,
von vielen Renovierungen
und von drohendem Verfall.
Ein altes Haus,
in dem schon lange
niemand mehr wohnt.
Verlassen.
Allein.
Darum ranken sich,
mit viel Fantasie,
Legenden.

(Anne M. Pützer)

Hessenpark Neu-Anspach – Alte Schule – Foto: Gerd Taron

Die Geschichte vom Bleistift

Der Junge sah zu, wie die Großmutter einen Brief schrieb. Irgendwann fragte er: “Schreibst du eine Geschichte, die uns passiert ist? Ist es vielleicht sogar eine Geschichte über mich?”
Die Großmutter hielt inne, und mit einem Lächeln sagte sie zu ihrem Enkel: “Es stimmt, ich schreibe über dich. Aber wichtiger als die Worte ist der Bleistift, den ich benutze. Es wäre schön, du würdest einmal so wie er, wenn du groß bist. ”
Der Junge schaute den Bleistift verwirrt an und konnte nichts Besonderes an ihm entdecken. “Aber er ist doch genau wie alle anderen Bleistifte!” “Es kommt darauf an, wie du die Dinge betrachtest. Der Bleistift hat fünf Eigenschaften, und wenn du es schaffst, sie dir zu Eigen zu machen, wirst du zu einem Menschen, der in Frieden mit der Welt lebt.”

Die erste Eigenschaft: du kannst große Dinge tun, solltest aber nie vergessen, dass es eine Hand gibt, die deine Schritte lenkt. Diese Hand nennen wir Gott, und Er soll dich immer Seinem Willen entsprechend führen.

Die zweite Eigenschaft: Manchmal muss ich das Schreiben unterbrechen und den Anspitzer benutzen. Dadurch leidet der Stift ein wenig, aber hinterher ist er wieder spitz. Also lerne, hin und wieder Schmerzen zu ertragen, denn sie werden dich zu einem besseren Menschen machen.

Die dritte Eigenschaft: Damit wir Fehler ausmerzen können, ist der Bleistift mit einem Radiergummi ausgestattet. Du musst begreifen, dass Korrigieren nichts Schlechtes, sondern dringend erforderlich ist, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.

Die vierte Eigenschaft: Worauf es beim Bleistift ankommt, ist nicht das Holz oder seine äußere Form, sondern die Graphitmine, die in ihm drinsteckt. Also achte immer auf das, was in dir vorgeht.

Schließlich die fünfte Eigenschaft des Bleistifts: Er hinterlässt immer eine Spur. Auch du musst wissen, dass alles, was du im Leben tust, Spuren hinterlässt, und daher versuchen, was du gerade tust, ganz bewusst zu machen.

Paulo Coelho

Die neue Altstadt von Frankfurt – Foto: Gerd Taron

Mit ungeheurer Beständigkeit
ist die Sonne jeden Morgen wieder da,
hinter Wolken, als wolle sie uns schützen
aber hell und direkt wie sichtbares Glück.
Jeder Tag kann ein Neubeginn sein.
In unseren Haltungen muss nichts endgültig sein.

Ulrich Schaffer

Café Gerster in Mainz – Foto: Gerd Taron

Zu Lebzeiten

Lass uns wieder lernen,
den Augenblick zu genießen,
zu nehmen, was ist,
mit beiden Händen,
hier und jetzt zu leben,
bevor wir das Leben verbracht haben
mit sorgenvollen Blicken in die Zukunft
und den Erinnerungen an die gute alte Zeit.

Jochen Mariss

Festzug anlässlich des Burgfestes in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Nimm die Welt von der leichten Seite, und der Geist wird frei von jeder Last sein. Miss den zehntausend Dingen keine Bedeutung bei, und dein Herz wird nicht verwirrt sein.
Lass dir Leben und Tod gleich wichtig sein, und dein Verstand wird ohne Angst sein.
Nimm gegenüber Wandel und Beständigkeit die gleiche Haltung ein, und nichts wird deine Klarheit trüben.

Laotse

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende, in dem Sie sich vielleicht einmal wieder die Zeit nehmen in alten Fotoalben zu schauen oder ein Lieblingsbuch aus alten Zeiten zu lesen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Von der Zweisamkeit – Literarischer Wochenendgruß vom 10.08.18

Von der Zweisamkeit – Literarischer Wochenendgruß vom 10.08.18

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament findet man den schönen Satz: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei.“ (1 Mose Kapitel 2, Vers 18)

In diesen Tagen ist es mir besonders aufgefallen, dass in den sozialen Netzwerken neben den bekannten Online-Portalen für Singles zunehmend Angebote für junggebliebene Alleinstehende zu finden sind. Beispielsweise kann Mann oder Frau bei „Herzklopfen 50 +“, „Silver Singles“, „Herzklopfen neu“ oder „Zweisam“ einen neuen Partner für den zweiten Lebensabschnitt kennen lernen.. Andere Internet-Plattformen wollen zum Beispiel „Menschen mit Erfahrung“ zusammenbringen, wobei hier nicht die Partnersuche im Vordergrund steht.

Ist es ein Zeichen unserer Zeit, dass viele diese Internet-Plattformen in Anspruch nehmen, um ihrer Einsamkeit zu entfliehen oder aber keine andere Möglichkeit sehen, zu neuen Kontakten zu kommen?

Es ist ein Geschenk, wenn man einen verlässlichen und vertrauensvollen Partner an seiner Seite weiß. Dazu gehört aber ebenso ein Freundeskreis, mit denen man gemeinsame Interessen und Einstellungen teilen kann. Beziehungen hegen und pflegen und bereit sein, sich auf etwas Neues einzulassen,. ist sehr wichtig für die eigene Gesundheit. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen.

Foto: Connie Albers

Anfangs sind Beziehungen schwierig. Genau so wie zum Feuer Rauch gehört, der das Atmen beschwerlich macht und einem Tränen in die Augen treibt, wenn man es anzündet. Brennt es allerdings erst einmal, verflüchtigt sich der Rauch, und die Flammen erleuchten alles ringsum – verbreiten Wärme, Ruhe und möglicherweise lassen sie einen Funken springen, der uns verbrennt.
Aber genau das macht doch eine Beziehung interessant, nicht wahr?

Paulo Coelho

Im selben Fahrwasser – Foto: Martina Pokorny

Das Gegenteil von Einsamkeit ist nicht Zweisamkeit.
Es ist Vertrautheit.

Richard Bach

Foto: Gerd Taron

Das Geheimnis einer lebendigen Beziehung: Zeitweise Federn zu lassen – und doch immer wieder aufeinander zu fliegen.

(Ernst Ferstl)

Foto: Gerd Taron

Freundschaft und Liebe vermögen den Menschen aus seiner Einsamkeit zu befreien und seinem Leben einen neuen und tieferen Sinn zu geben. Dabei wird die Einsamkeit nicht aufgehoben, sondern verwandelt. Echte Freundschaft und Liebe brauchen auch die innere Einsamkeit.

Anselm Grün

Foto: Gerd Taron

Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren,
dass man für einen anderen Menschen etwas sein kann.
Dabei kommt es gar nicht auf die Zahl,
sondern auf die Intensität an.
Schliesslich sind eben die menschlichen Beziehungen
doch einfach das Wichtigste im Leben.

[© Dietrich Bonhoeffer]

Foto: Gerd Taron

Nur wer es mit sich selbst aushält,
wird es auf die Dauer
mit einem anderen Menschen aushalten.

Alleinsein ist ein Weg zur Selbstfindung.

Die Beziehungen, die du zu anderen aufbaust,
können nur so gut sein wie die Beziehung,
die du zu dir selbst entwickelt hast.

Wenn du die Wertschätzung anderer benötigst,
um dich selbst zu akzeptieren,
gibst du deine Kraft an andere ab
und machst andere zur Autorität über dich.

Mach dein Glück nicht von anderen
Menschen oder Situationen abhängig.
Investiere deine Zeit und Energie lieber
in dein inneres Wachstum und
in die harmonische Gestaltung deines Lebens.

Meditation ist das Bemühen, Gottes Nähe
und Liebe zu spüren.
Je mehr Liebe wir in uns spüren
und weitergeben können,
desto weniger Platz ist für Angst.

Je mehr Liebe wir ausstrahlen können,
desto mehr vergrößert sie sich in uns selbst
und in der Welt.

(Christa Schulte, gekürzter Text)

Foto: Gerd Taron

Die Quelle, die zum Wunder einer glücklichen Beziehung führt,
entspringt dort, wo zwei Menschen das Glück des anderen
genauso am Herzen liegt, wie das eigene.

(Ernst Ferstl)

Foto: Gisela Michaelis

Begegnung

Den Anderen verstehen zu wollen, ist ein Akt der Liebe.

In seltenen Momenten verstehen wir einander, und werden reich mit Begegnung und Übereinkunft beschenkt; mit einer warmen Hand, die sich grüßend auf unser Leben legt. Und wir grüßen zurück, mit erwartungsvollen Händen.

Unser Herz öffnet im Zuhören, im Ansehen, im Zugeneigtsein ein Verstehen, das sättigt, und uns vom Frieden kosten lässt. Immer bleiben wir Suchende, doch ohne Verzweiflung. Immer bleiben wir Sehnende, doch ohne Not, die sich am Anderen lindern will. Wir umarmen einander wie Segnende, und ahnen eine Liebe, die sich selbst genug ist. Und weil die Liebe genügt, darf jeder sein, wie er ist. Und weil jeder sein darf, wie er ist, darf gehen, was unsere tiefste Wirklichkeit verschleiert.

Verstandensein ist ein Geschenk. Mit dem Herzen gesehen werden. Als Erkannte lassen wir oft sinken, was wir als Schutzschild vor unserem Herzen trugen. Als Erkannte erhebt sich in uns der Mensch der wir sind, auf der Asche unserer Irrtümer und Kämpfe, unserer Rechtfertigungen und Einsamkeiten.

Heilsein ist verwoben mit Begegnung. Wir erlösen uns nicht in unseren einsamen Stuben und in unseren leeren Betten. Wohl ist alles bereits in uns, doch sind es die Augen des Anderen, die daran rühren. Denn das Göttliche, und nennten wir es Lebensatem, Liebe oder Glück, ist Begegnung, ist Zweisamkeit, ist ein Werden am Anderen.

Wir ahnen dies, noch während wir den Individualismus preisen, und erinnern uns an das Gesetz der Begegnung, das unseren Herzen seit jeher eingeschrieben ist. Diese Erinnerung zu wagen – mitsamt ihren Tränen über Scheitern und Unterlassung – ändert alles.

Giannina Wedde/KLANGGEBET, http://www.klanggebet.de

Foto: Gerd Taron

Wir brauchen gute Beziehungen untereinander:
von Herz zu Herz, von Mensch zu Mensch.

Dalai Lama

Ich wünsche Ihnen viele liebevolle Beziehungen und die Bereitschaft offen zu sein für die ungewöhnlichen Momente.

Ihr/Euer

Gerd Taron

PS: Im Oktober 2017 habe ich hier auf meiner WordPress-Seite einen Artikel „Vom Single-Dasein“ veröffentlicht.Das einzige was sich zwischenzeitlich geändert hat – mein Single-Dasein. Das konnte zu jenem Zeitpunkt noch nicht ahnen. „Et kütt, wie et kütt“, sagt der Rheinländer.

Hier der Link zu diesem Beitrag:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2017/10/22/vom-single-dasein/