Es blüht so schön – Literarischer Wochenendgruß vom 27.04.18

Es blüht so schön – Literarischer Wochenendgruß vom 27.04.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in den vergangenen Tagen hatte ich das große Vergnügen bei Spaziergängen mit Freunden oder auch mit mir selbst das herrliche Erwachen der Natur 9n meiner näheren Umgebung zu erleben.
Sei es im Rheingau, am Rettershof oder im Woogtal in Königstein im Taunus: Überall blüht es in den herrlichsten Farben.

Dieser Wochenendgruß widmet sich dem Frühling daher mit Wort und Bild auf seine Weise.

Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Des Lebens Frühling

Des Lebens Frühling ist ein flüchtig Wesen,
will schnell bemerkt und rasch ergriffen sein.
In alle Thäler pflanzt er sein Blüten;
Sein ist die Schuld nicht, wenn der Keim verdirbt,
Die Schuld nicht sein, wenn viele Zweige welken.
Es muß der Mensch mit klugbedachter Sorgfalt,
was aus dem langen Winterschlafe bricht,
zur schönen Sommerpflanze sich erziehen.
Wer nicht die Strahlen lockt in seinen Garten,
darf nicht den Kelch verlangen und die Frucht.

Theodor Körner
(gefunden in einem alten Gedichtbuch um 1900)

Das Woogtal in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Es stand ein junger Blütenbaum

Es stand ein junger Blütenbaum
Umspielt vom lauen Weste,
Der träumte süssen Morgentraum,
Und wiegte seine Äste!

Wir träumten wunderholden Traum
Im morgenklaren Maien,
Belauscht, umrauscht vom Blütenbaum,
Zu zweien dort, zu zweien!

Er stand im Morgensonnenglanz
Und wiegte seine Äste,
Da fiel ein reicher Blütenkranz
Verweht vom lauen Weste!

Da fiel uns reicher Blütenschnee
Auf Brust und Stirn und Locken,
In Sonnennäh‘, in Sonnenhöh‘,
Umtönt von Morgenglocken!

Gegrüsst! gegrüsst! Lenzsonnenglanz,
Im morgenklaren Maien.
Du traumumperlter Blütenkranz,
Gegrüsst! gegrüsst zu zweien!

Amanda Ullmann 1860-1895, deutsche Dichterin

Dreifaltigkeitskirche in Kelkheim-Fischbach – Foto: Gerd Taron

BOTEN

Endlich
Blüten
lang ersehnt

Berauscht mich
an
Düften
Farben
wie
einstmals
Hellenen
beim Fest
Anthesterion

Strömt herzu
alle
die verlangen
nach
Neuem
nach
Aufbruch
nach
ewiger Heimstatt

Endlich
Blüten
lang ersehnt

Thomas Berger

Foto: Gerd Taron

Frühlingslied

Hör‘ mal,
was sie verkünden,
die Schönheiten
in Flur und Feld,
in Gärten und inneren Räumen,
vereint mit der Anmut der
zartesten Blüten
für dich und mich,
für uns alle!
Wehmut
streift dich
wie Windböen,
gelegentlich.
Vergangenheit spült hoch.
Da, ein neues Rauschen:
Der Ruf der Wildnis
frohlockt dir
im Gemüt.
Haare wehen weich und lockig,
der Gesang geht weit
in unbekanntes Land.
Trag mich!
Trag mich hinauf mit
dem Säuseln des Windes!
Wo ist die Weite
des zartbunten Schmetterlings?
Erinnern und Hoffen,
Schmerz und Freude
stehen manchmal
wie Rose und Dornen am Strauch.
Der Duft und die Anmut
der bezaubernden Rose bleibt.
Möcht fliegen mit dir!
Ganz leicht, ganz federleicht
in luftige, sonnige Höhen.
Nichts haben,
nur sein,
nur selig sein.

© Lissy Theissen 2016

Am Rettershof – Foto: Gerd Taron

Gruß an den Frühling

O holder Lenz! Dein sanfter Hauch
Lädt ein zum Frühlingsfeste.
Das Lied der Drossel aus dem Strauch
Lockt tausend zarte Gäste:
Ihr Primeln, tanzt und streut auf’s Feld.
Die schönsten gelben Sterne,
Ihr Weißdornblüten, schmückt die Welt
Bis in die fernste Ferne!
Ihr Veilchen, schlagt die Augen auf,
Stechginsters Gold soll glänzen,
Ihr Anemonen, kommt zuhauf:
Ihr dürft den Lenz bekränzen!

E. M. Holden

Aus „Vom Glück mit der Natur zu leben – Das Tagebuch der Edith Holden“

Rüdesheim – Foto: Gerd Taron

Der Apfelbaum ist aufgeblüht.
Nun summen alle Bienen.
Die Meise singt ein Meisenlied.
Der Frühling ist erschienen.
Die Sonne wärmt den Apfelbaum.
Der Mond scheint auf ihn nieder.
Die kleine Meise singt im Traum
Die Apfelblütenlieder.
Die Bienen schwärmen Tag für Tag
Und naschen von den Blüten.
Mag sie der Mai vor Hagelschlag
Und hartem Frost behüten.
Der Apfelbaum ist aufgeblüht.
Der Winter ist vorbei.
Mit Blütenduft und Meisenlied
Erscheint der junge Mai

James Krüss

Im Woogtal in Königstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

… Visionen …
ich stell mir vor,
ein Bach im Frühling
in seinem Plätschern wohnt ein Geist
ich spüre sanft die Kraft des Flusses
die mir den Weg des Lebens weist
ich stell mir vor,
ein Feld im Sommer
erblüht in Farben voller Pracht
die Blüten, strahlende Gesichter
und jede winkt mir zu und lacht
ich stell mir vor,
am Meer zu liegen
umgeben nur vom Wellenklang
auf jeder Welle reichen Wesen
die Hände sich zum Lobgesang
ich stell mir vor,
im All zu schweben
durch unendliche Galaxien
und tief im Kerne ihres Wesens
kann ich zu meinem Selbst erblühen
ich stell mir vor,
wir Menschenkinder
der ganzen Welt, im Tanz vereint
und unsere Sprache ist das Lachen
und überall die Sonne scheint
ich stell mir vor,
meine Visionen
sind hier und jetzt, nicht Illusion
nicht Zeit und Raum bestimmt die Wahrheit
alles ist jetzt, auch die Vision

Cäcilia Wentker

Foto: Gerd Taron

Mögen aus jedem Samen, den du säst,
wunderschöne Blumen werden,
auf dass sich die Farben der Blüten
in deinen Augen spiegeln,
und sie dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern!

© Text: Irischer Segenswunsch

Ich wünsche Ihnen ein zauberhaftes Frühlingswochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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