Genau gerechnet – Literarischer Wochenendgruß vom 23.03.18

Genau gerechnet – Literarischer Wochenendgruß vom 23.03.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

es ist irgendwie eine verrückte Welt in der wir derzeit leben. Wir werden und lassen uns bestimmen durch Statistiken, Studien und die angeblichen Werte, die sich daraus für ein sinnvolles Leben ergeben, Unser neuer Gesundheitsminister weiß zum Beispiel genau bis auf den Cent , was ausreichend für ein ausreichendes Auskommen ist. Die Gesundheitslobby bestimmt bis auf den Gramm genau, wann jeder einzelne gesund oder ungesund lebt. Im Sinne des Profits werden dann die entsprechenden Medikamente über diverse Marketing-Maßnahmen beworben.

Wir haben uns aus „Zahlengläubigkeit“ diesem System der Zahlen unterworfen. Zahlen bestimmen unser Leben überall, ob im Beruf oder in unserer Freizeit

Für mich ergibt sich aus den einleitenden Worten: Glaube keiner Studie oder Statistik, die man selbst als angeblich wahr übernimmt.

Womit rechnen Sie? Was zählt für Sie? Von wem lassen Sie sich die Normen Ihres Lebens bestimmen?

Foto. Gerd Taron

Das Wissen um Phänomene, die sich einer statistischen Erfassung entziehen, macht gelassen gegenüber falschen Sorgen über die Allmacht der Zahlen oder gar der Zahlensammler.

Edzard Reuter

Foto: Gerd Taron

Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!«
Aus: Der kleine Prinz von Antoine de St. Exupéry

Foto: Gerd Taron

Eine alte Dame setzt sich in ein Café. Die Kellnerin bringt ihr die Menü-Karte und fragt nach, was sie denn bestellen möchte.
Die alte Dame fragt: „Wie teuer ist bei ihnen ein Stück von der Torte?“
Die Kellnerin antwortet: „5 Euro.“
Die gebrechliche alte Dame holt einige Münzen aus ihrer Tasche und beginnt langsam zu zählen.
Dann fragt sie wieder: „Und wie teuer ist bei ihnen ein einfaches Stück Kuchen?“
Die Kellnerin war etwas gestresst, da sie ja noch viele Tische bedienen musste und antwortete sehr ungeduldig: „4 Euro.“
„Das ist gut, dann nehme ich gerne den einfachen Kuchen“, antwortete die alte Dame.

Die Kellnerin brachte ihr genervt den Kuchen und legte gleich die Rechnung hin. „Immer diese geizigen Leute“, murmelte sie leise vor sich hin.
Die alte Dame aß ganz langsam und genussvoll den Kuchen, stand langsam auf, legte das Geld auf den Tisch und ging.

Als die Kellnerin nun den Tisch aufräumen wollte, stellte sie fest, dass die alte zerbrechliche Dame ihr einen Euro Trinkgeld hingelegt hat.

Sie bekam vor Rührung Tränen in die Augen. Aber es war zu spät, um sich bei der alten Dame zu entschuldigen. Sie begriff schmerzhaft und sich schrecklich fühlend, dass die alte Dame sich mit einem einfachen Stück Kuchen begnügte, um der Kellnerin Trinkgeld zu schenken!

Autor unbekannt

Foto: Gerd Taron

Du denkst im Quadrat,
und ich fühle rund.
Du fühlst in Zahlen,
und ich denke bunt.
Dein Leben
besteht nur aus schwarz oder weiß,
aus ja oder nein,
aus ganz kalt oder heiß.
Mein Leben
dreht sich in Achterbahnen.
Besteht aus Vielleicht,
aus Probieren und Wagen.
Dein Weg, er führt dich stets gradeaus,
Dein Blick ist immer nach vorne gerichtet.
Die Emotionen schaltest du gerne aus.
Meine Hoffnungen, Träume hast du lang vernichtet.
Mein Weg führt mich durch Kurven und Täler.
Neugier lässt mich oft in Gräben stranden.
Meinen Lebenshunger kann das nicht schmälern
Ich bin geübt im unfreiwillig Landen.
Leb du ruhig weiter nach deinen Plänen,
nach Terminkalender und Blick auf die Uhr.
Ich will mich bald in neuen Armen wähnen,
geliebt und mit Aufmerksamkeit pur.

Anne M. Pützer –

Der literarische Wochenendgruß dieser Ausgabe beinhaltet 693 Worte und 4 Fotos. Ich wünsche allen Lesern ein Wochenende ohne von Zahlen bestimmt zu sein.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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