Die Digitalisierung wird uns nicht retten – Literarischer Wochenendgruß vom 16.03.18

Die Digitalisierung wird uns nicht retten – Literarischer Wochenendgruß vom 16.03.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

das Zauberwort unserer heutigen Zeit heißt Digitalisierung. Die neue Technik scheint ein Allheilmittel für alle unsere Probleme zu sein. Die neue Bundesregierung besetzt hochrangig angesiedelte Stellen mit Staatsministern und mehr.

Doch verschafft uns die Digitalisierung im realen Alltag mehr Sicherheit, mehr Komfort? Wer beispielsweise als Pendler im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, erlebt es öfters, dass es wegen einer „Stellwerksstörung“ zu massiven Beeinträchtigungen kommt.

Oder die Folgen eines nur kurzen Stromausfalls oder Störungen im Kabelnetz bewirkt manchmal, dass Geldautomaten, Fernsehen, Telefonie, Internet, für einen längeren Zeitraum nicht mehr nutzbar sind. Die empfindlichen Geräte mit ihren Programmen (Software) sind mit handwerklichen Mitteln nicht zu reparieren.

Manch ein Autofahrer wird dies schon erlebt haben, dass die digitale Technik versagt und komplette Bauteile für viel Geld ausgetauscht werden müssen.

Wo bleibt bei dieser doch angeblich so fortschrittlichen Technik der Mensch? Wird er tatsächlich in seinem Alltag entlastet? Stattdessen entsteht für mich der Eindruck, dass die Belastung, der Stress immer größer und unmenschlicher wird. Es verwundert daher nicht, dass die psychosomatischen Erkrankungen immer mehr zunehmen.

Eine realistischere Betrachtung dieser so angeblich heilsbringenden Digitalisierung halte ich für dringend notwendig.

Foto: Michael Heinz

Die Welt, bedacht auf plattem Nutzen,
sucht auch die Seelen auszuputzen.
Das Sumpfentwässern, Wälderroden,
schafft einwandfreien Ackerboden,
und schon kann die Statistik prahlen
mit beispiellosen Fortschrittszahlen.
Doch langsam merken’s auch die Deppen,
die Seelen schwinden und versteppen,
denn nirgends mehr so weit man sieht,
gibt es ein Seelenschutzgebiet.
Kein Wald, drin Traumes Vöglein sitzen,
kein Bach, drin Frohsinns Fischlein blitzen,
kein Busch, im Schmerz sich zu verkriechen,
kein Blümlein, Andacht rauszuriechen,
nichts als ein ödes Feld mit Leuten,
bestellt, es restlos auszubeuten.
Drum wollt ihr nicht zugrunde gehen:
Lasst noch ein bisschen Wildnis stehen.
Eugen Roth

Foto: Olaf Jahnke

Heute haben wir größere Häuser, jedoch kleinere Familien…
Mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit…
Wir haben einen höheren Bildungsgrad mit mehr Wissen, aber weniger gesunden Menschenverstand und Urteilsvermögen…
Wir haben mehr Experten, aber mehr Probleme…
Mehr Medizin, aber weniger gute Gesundheit…
Wir geben uns zu unbekümmert
Lachen zu wenig
Werden zu schnell ärgerlich
Stehen zu spät auf
Lesen zu wenig
Sehen zu viel TV und sind weniger rücksichtsvoll…
Wir haben unsere Besitztümer multipliziert, aber unsere Werte reduziert…
Wir reden zuviel, lieben zu wenig und lügen zu oft…
Wir haben gelernt, wie man einen Lebensunterhalt verdient, aber nicht das Leben…
Wir haben Jahre zu leben, aber nicht dem Leben Jahren hinzuzufügen…
Wir haben höhere Gebäude, aber niedrigere Temperamente…
Breitere Straßen, aber schmalere Standpunkte…
Wir geben mehr aus, aber haben weniger…
Wir kaufen mehr, genießen es noch weniger…
Wir sind die ganze Strecke zum Mond und zurück gewesen, aber wir haben Mühe, die Straße zu überqueren, um unsere Nachbarn zu treffen…
Wir haben das Atom, aber nicht unser Vorurteil gespalten…
Wir schreiben mehr, lernen weniger, planen mehr, aber vollenden weniger…
Wir haben gelernt zu eilen, aber nicht zu warten…
Wir haben höhere Einkommen, aber niedrigere Moral…
Wir bauen mehr Computer, um mehr Information zu halten, mehr Kopien zu erzeugen, aber um weniger persönliche Kommunikation zu haben…
Wir haben mehr Quantität statt Qualität…
Dies sind die Zeiten des Fast Foods und großen Männer mit wenig Charakter…
Mehr Freizeit, aber weniger Spaß – mehr Arten der Nahrung – aber weniger Ernährung…
Zwei Einkommen – aber mehr Scheidungen…
Schönere Häuser – aber gebrochene Heime…
Deshalb schlagen wir vor:
Bewahre nichts für einen speziellen Anlass,
denn jeder Tag, den Du lebst ist ein spezieller Anlass.
Suche nach Wissen, lies mehr,
sitze auf Deiner Veranda
und bewundere was Du siehst,
ohne Deinen Bedürfnissen
Aufmerksamkeit zu schenken.
Verbringe mehr Freizeit mit Deiner Familie
und Deinen Freunden,
iss Deine Lieblingsspeisen,
besuche die Orte die Dir gefallen
und wo es Dir wohl ist.
Das Leben ist eine Kette von Momenten der Genüsse;
nicht nur des Überlebens.
Brauche Deine kristallenen Gläser.
Spare Dein bestes Parfüm nicht auf.
Brauche es täglich, wenn Du Dich danach fühlst.
Streiche aus Deinem Wortschatz Worte wie
“eines Tages” und “irgendwann”.
Lass uns den Brief schreiben,
den wir schon längst schreiben wollten
“eines Tages”.
Lass uns der Familie / Partner/in und den Freunden sagen,
wie sehr wir sie lieben.
Verschiebe nichts, was Deinem Leben
Gelächter und Freude bringt.
Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist speziell.
Und Du weißt nicht,
ob es Deine letzte gewesen ist.
Es ist die Zeit, in der es wichtiger ist,
etwas darzustellen als zu sein.
Wo moderne Technik einen Text wie diesen
in Windeseile in alle Welt tragen kann,
und wo Wir die Wahl haben:
Etwas zu ändern …
Erkennen Sie, dass jeder Tag, jede Stunde und jede Minute einmalig ist.

(Verfasser unbekannt)

Foto: Petra Krenzer

Sind wir wirklich gemeint?
Sind wir wirklich gemeint,
wenn der Schwall der Worte uns überfällt
und wir hören, dass dieses und jenes
unsere ungeteilte Aufmerksamkeit verdient?
Wir sind hochgerechnet worden,
man hat uns mitgezählt, vorbestimmt und eingeordnet ,
lange bevor uns jemand gefragt hat,
was unsere tiefen Bedürfnisse sind.
Vielleicht wird uns nie jemand fragen
und doch wird uns gesagt, was gut für uns ist
und wie wir die Welt zu sehen haben.
Du und ich, in unserer Einmaligkeit,
sind nicht gemeint,
wenn die Lautstärke zunimmt,
das Zählen wieder beginnt
und die Entscheidungen für uns fallen.
Dann ist es wichtig, sich abzukehren
von Ideen und Menschen, die uns bestimmen wollen,
sogar wenn sie uns lieb sind.
Dann ist es Zeit,
uns der fast unhörbaren, leisen
inneren Stimme zuzuwenden.
Ulrich Schaffer

Foto: Karin Ruf

Ich wünsche Dir im alltäglichen Lebenstheater ein gutes Gespür für deine Bedürfnisse. Sage „Hallo“ zu den Zeichen der Zeit und schaffe aus ihnen frische Inszenierungen. Voller Erwartung und mit viel Power. Trau dich, die Hauptrolle in deinem Lebensdrehbuch zu spielen und gönne dir den Luxus einer eigenen Meinung. Begehrte Rollen mit kühnem Schwung wollen geboren werden. Nimm den Stift in die Hand und fange an zu schreiben. Suche nach Möglichkeiten, die Dein Leben reich machen und ändere hin und wieder mal nur die Blickrichtung.

Monika Bylitza

Ein erholsames Wochenende wünscht Ihnen

Ihr/Euer

Gerd Taron

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