Flagge zeigen – Literarischer Wochenendgruß vom 02.02.18

Flagge zeigen – Literarischer Wochenendgruß vom 02.02.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

die Anregung zu der heutigen Ausgabe bekam ich durch den neuen Roman von Anne Zegelman „glueckskind“. In der Einleitung beschreibt sie eine Fronleichnamsprozession, die in der Nachkriegszeit stattfindet.

Ein“ junger ‚Großvater“ hisst aus diesem Anlass eine Flagge, die die vorbeiziehenden Gläubigen etwas verstört, weil es eine Fahne der Tschechoslowakei ist. Daraus entwickelt sich eine spannende und manchmal tragische Familiengeschichte über drei Generationen.

Wie zeigen Sie in Ihrem Leben „Flagge“? Richten Sie Ihr Leben nach der Meinung anderer z. B. Freunde, Familie, den Medien aus? Wie halten Sie Gegenwind aus? Es ist sicher nicht einfach, den Stürmen des Lebens zu trotzen. Aber wenn man es geschafft hat, ist dann nicht die Freude besonders groß?

Die neuen Texte und Fotos von mir und Brina Stein mögen Sie dazu inspirieren, auch in widrigen Lebenssituationen nicht aufzugeben und dem Leben Flagge zu zeigen.

Foto: Brina Stein

Wind des Lebens
Ich bin nur ein Segelboot
auf dem Meer des Lebens.
Wie alle anderen
bin ich den Naturgewalten ausgeliefert.
Meine Aufgabe besteht darin,
mich dem Wind
und den Wellen
hinzugeben.
Nicht immer ist es angebracht,
das Ruder,
das Steuer
selbst in die Hand zu nehmen.
Manchmal ist es angebracht,
gelassen auf dem Wasser zu schaukeln,
die Sonne zu genießen,
Salz zu atmen
und sich vom Wellenschaum
umspülen zu lassen.
Manchmal ist es angebracht,
einfach
nichts zu tun.
Manchmal ist es angebracht,
abzuwarten,
bis sich eine neue Briese erhebt
und wieder ins Segel bläst.
Manchmal ist es angebracht,
das Kämpfen aufzugeben
und stattdessen
zu vertrauen.
Manchmal ist es angebracht,
die Schaukelphasen,
in denen das Leben scheinbar still steht,
einfach nur zu genießen.
Es sind die Zeiten,
in denen dir das Leben eine Pause gönnt.
Viel schneller als du denkst,
pfeift dir der Wind wieder um die Ohren.
Dann kannst du die Segel setzen,
an den Leinen zurren,
dich gegen Wind und Wellen stemmen,
die Richtung vorgeben
und neue Ufer ansteuern.
Ich bin nur ein Segelboot
auf dem Meer des Lebens “

Silke Kühn

Foto: Gerd Taron

Meinungen können an gewissen Grundwahrheiten so wenig ändern, wie Wetterfahnen die Richtung des Windes ändern können. Die Wetterfahnen machen den Wind nicht östlich oder nördlich, ebenso können Meinungen die Wahrheit nicht wahr machen.

Vincent van Gogh

Foto: Brina Stein

Pessimisten fürchten den Wind.
Optimisten hoffen, dass er sich dreht.
Realisten richten ihre Segel.

Autor unbekannt

Foto: Gerd Taron

VORGEFÜHL

Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben.
Ich ahne die Winde, die kommen, und muß sie leben,
während die Dinge unten sich noch nicht rühren:
die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille;
die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer.
Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer.
Und breite mich aus und falle in mich hinein
und werfe mich ab und bin ganz allein
in dem großen Sturm.

Rainer Maria Rilke

Foto: Brina Stein

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“

Chinesisches Sprichwort

Foto: Brina Stein

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.
Friedrich Hölderlin

Ich wünsche Ihnen ein windstilles Wochenende zum Erholen von Ihrem Alltag.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Mehr zu dem neuen Roman von Anne Zegelman und der Premierenlesung finden Sie hier:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2018/01/23/glueckskind-anne-zegelman-und-ihre-premierenlesung-in-der-alten-kirche-hornau/

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