Was zählt – Literarischer Wochenendgruß vom 05.01.18

Was zählt – Literarischer Wochenendgruß vom 05.01.18

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

nun sind bereits wieder die ersten Tage im neuen Jahr vergangen. Zu Beginn des neuen Kalenderjahres blicken wir nach vorne und sind hoffentlich gespannt auf neue Herausforderungen, Begegnungen, Erlebnisse.

Einige Leser sind aufgrund persönlicher Ereignisse vielleicht eher mutlos, ratlos und haben nicht so viel Zuversicht wie andere. Diesen wünsche ich in ihrer jeweiligen Situation, dass sie die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht verlieren.

Für mich persönlich stellt sich immer wieder neu die Frage: Was zählt, was bleibt in unseren Leben, heute und morgen und auch gestern.

Mit den Texten und Fotos in der ersten Ausgabe des literarischen Wochenendgrußes 2018 möchte ich wieder zum Nachdenken inspirieren.

Sonnenaufgang im Wald – Foto: Franziska Franz

„Der Gesang der großen Weite“

Alle Taten von gestern
sind geschehen.
Was heute zählt,
ist nur die Energie
des Augenblicks.
Stimm ein in den
Gesang der großen Weite,
den Gesang,
den auch deine Seele
unter freiem Himmel singt.
Mag sie krächzen,
sei geduldig
mit ihr,
gib ihr die Nahrung,
die dein Engel dir bringt.
Wenn sie später
ergreifend schön singt,
horche!

© Lissy Theissen

Foto: Gisela Michaelis

Unsere Werte

Wir sind geprägt von einer Kultur, die Quantität betont. Das ist der Ausdruck des Unerwachsenseins. Wer schießt die meisten Tore, wer hat die meisten Stimmen, wer verdient am meisten? Wir leben in einer Welt, in der für viele das Messbare das Wirklichste ist. Alles andere ist nebulös, persönlich und subjektiv. Die Bedeutung, der Sinn, der Gehalt sind nicht messbar.

Unsere Lust, zu sammeln ist Ausdruck dieser Haltung. Wir sammeln Briefmarken, Autos, Geld, Ideen, Freunde und für manche zählt nur die Anzahl. Aber Anzahl sagt nichts über Inhalt aus. Menge hat nichts mit Qualität zu tun. Man könnte sogar sagen, dass dort, wo die Konzentration auf der Anzahl oder der Menge liegt, die Qualität leidet. Man kann nur eine gewisse Anzahl von Freundschaften wirklich schöpferisch und liebevoll gestalten. Man kann nur einer begrenzten Anzahl von Gedanken in der Tiefe nachgehen.

Sich von der Quantität zur Qualität zu wenden ist ein Entwicklungsschritt, ein Ausdruck des Reifens. Durch gewisse Begrenzungen, die gewöhnlich mit dem Alter kommen, bietet sich diese Umorientierung an. Aber nur deshalb weniger zu tun, weil man mehr nicht schafft, ist nur ein halber Schritt. Es geht darum, zu entdecken, dass in dem „Weniger“ wirklich die ganze Welt enthalten ist.

Es scheint ein Gesetz zu sein: Da, wo durch die Tiefe die Qualität zunimmt, nähert sich das Qualitätsvolle der umfassenden Bedeutung des Lebens, in der alle Formen von Quantität enthalten sind. Eine wirklich gute Freundschaft ist ebenso viel wert wie viele Freundschaften. Ein Gedanke in der Tiefe verfolgt, erleuchtet alle anderen Gedanken. Dies zu verstehen ist in der Jugend fast unmöglich. Im Alter aber liegt darin die Erfüllung des Lebens. Wer so älter wird, spürt auch noch seine Jugend und sein mittleres Alter, weil im Älterwerden alle Lebensphasen enthalten sind.

Ulrich Schaffer

Foto: K.-H. Fischer

Gesten der Menschlichkeit

Nur eine kleine Umarmung
kann Dir soviel geben.
Sie schenkt Dir Geborgenheit
und bringt Glück in Dein Leben.
Nur eine kleine Umarmung ist so viel wert,
weil sie zwar nur für den Moment zählt
und doch in Deinem Herzen ewig wehrt.

Nur ein kleines Lächeln
auf einem anderen Gesicht,
lässt Dir die Dunkelheit vertreiben
und schenkt Dir Freude und Licht.
Nur ein kleines Lächeln bringt soviel Glück,
es erwärmt Dein Herz und
schenkt Dir eines zurück.

Nur eine kleine Träne auf dem
Gesicht des anderen sagt Dir,
Du bist es, der sie lässt wandern.
Schenke ihm ein Lächeln
und eine Umarmung zurück.
Dies Geschenk hilft auch Dir
und bringt Dir Glück.

Nur eine kleine Geste ist doch die,
die für immer im Herzen bleibt.
Eine kleine Geste ist es,
die in uns so oft den Kummer vertreibt.

Autor unbekannt

Foto: Tim-Thilo Fellmer

Die Glücksbohnen – eine Geschichte zum Nachahmen

Es war einmal ein Bauer, der steckte jeden Morgen eine Handvoll Bohnen in seine linke Hosentasche. Immer wenn er während des Tages etwas Schönes erlebt hat, wenn ihm etwas Freude bereitet oder wenn er einen Glücksmoment empfunden hatte, nahm er eine Bohne aus der linken Hosentasche und gab sie in die rechte.
Am Anfang kam das nicht so oft vor. Aber von Tag zu Tag wurden es mehr Bohnen, die von der linken in die rechte Hosentasche wanderten. Der Duft der frischen Morgenluft, der Gesang der Amsel auf dem Dachfirst, das Lachen seiner Kinder, das nette Gespräch mit seinem Nachbarn – immer wanderte eine Bohne von der linken in die rechte Tasche. Bevor er am Abend zu Bett ging, zählte er die Bohnen in seiner rechten Hosentasche.

Und bei jeder Bohne konnte er sich an das positive Erlebnis erinnern. Zufrieden und glücklich schlief er ein – auch wenn er nur eine Bohne in seiner rechten Hosentasche hatte.

[Burkhard Heidenberger, der diese Geschichte im Internet veröffentlicht hat]

Foto: Olaf Jahnke

Egal wohin unsere Reise führt,
wie lange sie dauert
und ob wir je am Ziel angelangen,
das, was zählt sind die liebevollen
Menschen, Begleiter und Begegnungen,
die während unserer Reise mit uns
in gleicher Richtung sind.
Gute Reise, liebe Seele.
Anja Schindler

Ich wünsche allen eine viele schöne Reisen durch das Jahr 2018. Mögen Ihnen, Ihrer Familie und Freunden, Mitmenschen viele positive Erlebnisreisen beschert sein.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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