Leben ist planbar? – Literarischer Neujahrgruß 2018

Leben ist planbar? – Literarischer Neujahrgruß 2018

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

zum Jahresausklang bzw. zum neuen Jahr möchte ich allen meinen treuen Lesern des literarischen Wochenendgrußes einige Gedanken in Wort und Bild auf dem Weg in ein neues Kalenderjahr geben.

Es war für mich ein sehr bewegendes und erfülltes Jahr mit vielen Höhen und Tiefen. Leben pur mit all seinen Facetten. Besonders dankbar bin ich für meine besonderen Freunde und meine Familie, die mir das Leben auch in schwierigen Zeiten erleichtert haben.

Ohne größere Pläne, ohne Ziele gehe ich ein neues Jahr und lasse mich von hoffentlich vielen schönen Seiten des Lebens überraschen.

Die ausgewählten Fotos sind meine „Bilder des Jahres 2017“.

„Zauberrose“ – Café Zauberberg Kelkheim-Ruppertshain – Foto: Gerd Taron

Sag ja zum Unerwarteten
Sag ja zu den Überraschungen,
die deine Pläne durchkreuzen,
deine Träume zunichte machen,
deinem Tag eine ganz andere Richtung geben,
ja, vielleicht deinem Leben.

DOM HÉLDER CÂMARA

Hof- und Bücherflohmarkt in Fischbach/Taunus – Foto: Gerd Taron

Später vielleicht

Eigentlich müsste ich …
Eigentlich sollte ich …
Aber nicht jetzt! Später vielleicht.

Lästiges, Unbequemes,
Langweiliges, Unangenehmes:
Später vielleicht.

Pläne umsetzen,
Vorsätze verwirklichen:
Später vielleicht.

Dir danken,
mir für dich Zeit nehmen:
Später vielleicht.

Innehalten,
mich besinnen:
Später vielleicht.

Umkehren,
mein Leben ändern:
Später vielleicht.

Wann ist später?
Wenn es zu spät ist?

Gisela Baltes

Andreina Bonanni mit Jürgen Haller auf dem Fischbacher Weihnachtsmarkt – Foto: Gerd Taron

Lebenslust

Wie könnte ich den Tag beginnen
Soll ich ein Lied am Morgen singen
oder fünf Minuten lachen
zur Not auch einen Handstand machen
Ein Tänzchen vor dem Frühstück wagen
mir selbst „Was bist du spitze!“ sagen
im Spiegel mir die Zunge zeigen
und dankbar vor dem Tag verneigen
Terminkalender schnell zerreißen
die Pläne in die Tonne schmeißen
mit Wonne in der Dusche stehen
und lange aus dem Fenster sehen
Dem Morgenlied der Amsel lauschen
an deinen Küssen mich berauschen
die Kissen durch die Lüfte fleddern
in deinen Armen mich verheddern
Ich könnte die Natur erkunden
spazieren gehen mit den Hunden
verträumt auf einer Lichtung stehen
und still die Rehe grasen sehen
Oder in Regenpfützen springen
ein Ständchen meinen Nachbarn bringen
den Kuchen ganz alleine essen
das Kalorien zählen mal vergessen
Den Urschrei aus der Kehle brüllen
den Hunger meiner Seele stillen
vergessen einfach Raum und Zeit
nur Leichtigkeit noch weit und breit
Das alles sind nur Möglichkeiten
die unser Leben stets begleiten
Entscheiden muss ich mich im Leben
mir meine Lebenslust zu geben

-Cäcilia Wentker-

Bilder: Lissy Theissen

Rezept

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.
Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.
Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.
Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.
Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.
Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko

Herzengel – Bild/Foto: Connie Albers

Vielleicht war es ein Engel
Gelegentlich
so ab und an
werden meine Pläne
durchkreuzt
wird meine Welt
auf den Kopf gestellt
ist nichts mehr so
wie es einmal war
dann möchte ich
ja sagen können
voller Angst
voller Ungewißheit
ohne zu wissen
was auf mich zu kommt
aber doch
ja
sagen
(aus: Andrea Schwarz, Wenn ich meinem Dunkel traue, auf der Suche nach Weihnachten)

Tag der Literatur am 07.05-17 – Gut beschirmt – Foto: Gerd Taron

Was ich dir wünsche

Ich wünsch dir ein Auge, die Wunder zu sehn
Ein hörendes Ohr, um das Wort zu verstehn
Ich wünsch dir den Mut, deine Meinung zu sagen
Den Vorsatz, zu leiden, ohne zu klagen
Ich wünsch dir den Blick für ein trauriges Herz
Den Wunsch, zu lindern des anderen Schmerz
Ich wünsch dir das Licht, das dein Leben erhellt
Den Freund, der dir folgt bis ans Ende der Welt
Ich wünsch dir Gedanken, die positiv stimmen
Die Ausdauer, gegen den Strom zu schwimmen
Ich wünsch dir den Stolz, deinen Kopf zu erheben
Den Willen, auch anderen Chancen zu geben
Ich wünsch dir die Einsicht, keinen Streit zu entfachen
Die Weisheit, auch über dich selber zu lachen
Ich wünsch dir Geduld, den Schmerz zu begreifen
Festigkeit, nicht an dir selber zu zweifeln
Ich wünsch dir die Größe, dem Feind zu vergeben
Die Kraft, gegen Unrecht die Stimm zu erheben
Ich wünsch dir ein Herz, das für dich allein schlägt
Den Helfer, der gerne die Last für dich trägt
Ich wünsch dir den Mut, zu deinem Worte zu stehn
Die Stärke, auch Streit aus dem Wege zu gehn
Ich wünsch dir die Freude des gütigen Gebens
Die Frage stets nach dem Sinn des Lebens
Ich wünsch dir Erfolg für deine Pläne allzeit
Die Kunst, dich zu freuen für den Rest deiner Zeit
Ich wünsch dir den Engel, der über dich wacht
Die Hand, die dich führt durch das Dunkel der Nacht

© Jutta Schulte (*1961)

Zum Schluss möchte ich allen für die so vielen und lieben Rückmeldungen auf meinen literarischen Wochenendgruß danken. Diesen werde ich, solange meine Kraft reicht und auch die Technik, die manchmal mitspielen muss, im kommenden Jahr regelmäßig freitags weiterführen.

Herzliche Grüße

Ihr/Euer

Gerd Taron

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