In der Stille – Literarischer Wochenendgruß vom 24.11.17

In der Stille – Literarischer Wochenendgruß vom 24.11.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am Sonntag begehen die christlichen Kirchen den Ewigkeitssonntag oder auch Totensonntag genannt.

Es ist ein Tag, in dem wir in die Stille gehen und an liebe Menschen gedenken, die unseren Lebensweg begleitet haben. Dies ist aber auch ein Tag, an dem wir in dem Trubel unserer Zeit kurz zur Besinnung kommen sollten.

Mögen die Texte und die Fotos Ihnen dazu beitragen, sich selbst eine Ruhepause zu gönnen.

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Foto: Gerd Taron

Stille

Es gibt eine Stille,
in der man meint,
man müsse die einzelnen Minuten hören,
wie sie in den Ozean der Ewigkeit hinunter tropfen.

Adalbert Stifter

Foto: Kathi Widera

Ein Traum

Mutter Erde
Öffnet ihre Arme
wiegt mich auf ihrem Schoß

Ich schlafe schlafe schlafe
langsam löse ich mich auf
und werde Erde
Muttererde
auf der Brenn-Nesseln Johanniskraut
und eine Weide wachsen

Ein Kiebitz fliegt auf
Er ruft: Kiwitt kiwitt
Komm mit

Uta Franck, Januar 2017

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Foto: Gerd Taron

Tage der Stille

Es gibt Tage von einer solchen Stille,
an denen meine Stimme
eine Zumutung für den nachdenklichen Planeten ist.
Einen Moment lang hat nichts Stimmbänder.
Die Schnecke, die offenen Boden überquert,
braucht keine Erklärung der Welt.
Mit den Spitzen ihrer weißen Flügel
verlängert die Möwe das Blau des Himmels
bis hinein in die Stille der leeren Räume dahinter.
Der dämmrige Wald hört meine Fragen –
in der Dunkelheit liegt ein unaussprechlicher Trost.
Ich werde nicht in diese Stille gezwungen,
ich wähle sie, wie man ein Land wählt,
in dem man seine Ferien verbringen möchte.
In dieser Stille begebe ich mich in den Raum,
aus dem die Wahrheit wie ein Fluss fließt,
ohne Worte.
Ich erlaube es, durchsetzt zu werden
von der Energie der natürlichen Dinge:
von einer Felswand mit ihrem steinernen Lächeln,
von der Erhabenheit des Meeres,
die mich zu einem Wanderer des Geistes macht,
oder von der weiten Ebene trockenen Präriegrases,
wo mir Hufe wachsen,
um mit den Büffeln umherzustreifen
in den goldenen Gräsern der Weite.
Es ist in der Stille,
dass ich mich der Größe der Welt nähere

Ulrich Schaffer

Foto: Gisela Michaelis

Stille
Werde still
und finde heim
zu dir selbst.
Verzehre deine Kräfte nicht
im Lärm der Welt.
Es ist gut,
wenn du deine Arbeit tust,
deine Aufgaben und Pflichten erfüllst –
und es ist wichtig,
dass du das gern tust.
Aber gehe nicht auf in dem,
was draußen ist,
sondern nimm dich immer wieder zurück.
Sammle deine Gedanken,
versenke dich in deine eigene Tiefe
und suche nach der Mitte deines Wesens
und deines Lebens.
Von dieser Mitte her
wirst du den Maßstab finden
für das, was wirklich wichtig ist
für die Erfüllung,
für die Ganzheit deines Lebens.
~Christa Spilling-Nöker~

Foto: Marita Henriette

Es liegt im Stillesein eine
wunderbare Macht der Klärung,
der Reinigung, der Sammlung
auf das Wesentliche.

Dietrich Bonhoeffer

Foto: Petra Krenzer

Die Tage der Stille, der Dunkelheit, des Leidens
sind vorüber.
Es ist überstanden.
Beim ersten Glockenklang atmen wir auf
und begrüßen die auferstandene Hoffnung,
die Zuversicht,
dass nichts vergebens ist,
und dass am Ende immer die Erlösung steht.

(C) A.M. Pützer

Ich wünsche Ihnen ein stilles und besinnliches Wochenende.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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