Zwischen den Zeiten – Sonniger Abschluss der literarischen Freiluftsaison 2017

Zwischen den Zeiten – Sonniger Abschluss der literarischen Freiluftsaison 2017

Rettershof im Taunus, 29.10.17

In der Nacht stürmte und regnete es heftig. Nach der Umstellung auf die Winterzeit hatte ich eine Stunde mehr zur Verfügung, um zu überlegen, den Abschluss meiner literarischen Freiluftsaison durchzuführen.

Ein Blick auf die verschiedensten Wetterdienste stimmte mich dann optimistisch. Beim Fußweg von der Wohnung zum Rettershof wurde ich von einem Regenschauer überrascht.

Bei der Ankunft strahlte dann aber wieder die Sonne und der Herbst zeigte sich in den schönsten Farben. Wie gut, dass ich mich nicht entmutigen ließ. Es erinnerte mich an den lieben Besuch von Andreina Bonanni am vergangenen Mittwoch.

Eine kleine Schar von Literaturfreunden, darunter zwei neue Besucher, konnte ich dann Texte über die Zeit präsentieren. Ein kleiner Schauer trübte die gute Stimmung nicht.

Mit dem Text von meinem lieben Freund Paul Pfeffer begann ich den Spaziergang. nicht wie gewohnt unter der Linde am Rettershof, sondern an einer Weggabelung in der Nähe vom Romantik-Schlosshotel Rettershof.

Die Zeit und ich
(für Siegfried P.)

„Was machst du?“, frage ich die Zeit.
„Verrinnen“, sagt sie und errötet.
Im Stillen aber grinst sie breit.
Schon hat sie mir den Nerv getötet.
„Verrinnen werd ich wohl noch dürfen“,
sagt sie und hebt ihr Stundenglas.
Nachher wird sie ein Weinchen schlürfen.
Ich kenn sie nämlich, dieses Aas!
Kaum brüt ich aus gedankenschwer
was wirklich Neues, Großes halt,
schon macht die Zeit sich drüber her,
und binnen kurzem ist es alt.
Sie macht die Runzeln und die Falten,
sie macht, dass mir die Milch verdirbt.
Die Jungen macht sie flugs zu Alten,
und schließlich macht sie, dass man stirbt.
„Kannst du was anderes als verrinnen?“,
frag ich die Zeit. Sie kichert blöde.
„Ja, doch, ich kann auch manchmal spinnen.“
Ich hab’s geahnt, die Zeit ist öde.
Sie rinnt und spinnt und pichelt Wein
und wird die ganze Welt vernichten.
Ich sag ihr: „Du bist hundsgemein.
Auf dich kann ich ganz gut verzichten“.
Drauf grinst sie breit und immer breiter.
„Mein lieber Freund, du bist nicht weise.
Das Leben geht halt immer weiter.“
Ich nicke und verdrück mich leise.

Paul Pfeffer

Zum Abschluss des Spazierganges las ich den Text von „Desiderata – Geh deinen Weg“. Diese Worte begleiten mich seit etwa meinem 20. Lebensjahr. Es sind Worte der Ermutigung und des Nicht-Aufgeben in schwierigen Lebenssituationen. Diesen Text habe ich damals mit meiner mechanischen Schreibmaschine abgetippt und ist für mich heute noch aktuell.

Geh deinen Weg – Desiderata

Geh deinen Weg ohne Eile und Hast und
suche den Frieden in dir selbst zu finden.
Wenn es dir möglich ist, versuche den anderen zu verstehen.
Sag ihm die Wahrheit, ruhig und besonnen.
Höre ihm zu, auch wenn er gleichgültig und unwissend ist,
denn auch er hat seine Sorgen.
Wenn du Dich mit all den anderen vergleichst,
wirst du feststellen, du lebst unter Menschen
die entweder größer oder kleiner,
besser oder schlechter sind als du selbst.
Viele Leute reden von hohen Idealen
und überall wird Heldenmut angepriesen.
Bleibe du selber und heuchle nicht Mitgefühl.
Steh der Liebe nicht zynisch gegenüber,
denn sie ist das Einzige,
was wahr und unvergänglich ist.
Bereite dich auf den Augenblick vor,
an dem etwas Unvorhergesehenes in dein Leben tritt,
aber zerstöre dich selbst nicht aus Angst vor der Einsamkeit.
Sei immer so, dass du vor dir selbst bestehen kannst.
Du hast ein Recht auf der Welt zu sein,
genau wie die Blume die blüht
und wie ein Stern in der Nacht.
Doch auf dieser Welt lebst du nicht allein,
hast du schon irgendwann
einmal darüber nachgedacht?
Darum schließe Frieden mit Gott,
wo immer er er dir auch begegnet.
Ganz gleich, was das Leben dir
auch an Schwierigkeiten auferlegt.
Lass nicht durch Lug und Trug
deine Ideale zerbrechen.
Die Welt ist immer noch schön.
Versuche, auf ihr zu leben
und glücklich zu werden “

Max Ehrmann

Wie bei meinen literarischen Spaziergängen am Rettershof üblich, gab es im Landgasthof „Zum fröhlichen Landmann“ (http://www.zum-froehlichen-landmann.de/ im trauten Kreise anregende Gespräche. Dort trafen wir auch die Autorin Brina Stein (www.brina-stein.de )-
Für alle, die bereits an 2018 denken: Am Sonntag, 25.03.2018 beginnt die literarische Freiluftsaison wieder am Rettershof am Rettershof.

Aber vorher nicht vergessen: Am 1. Adventwochenende (02.12./03.12.) können Sie mich, Paul Pfeffer, Christina Eretier, Brina Stein und viele andere an meiner literarischen Weihnachtshütte treffen.

Mit abendlichen Grüßen

Ihr/Euer
Gerd Taron

Alle Fotos: Gerd Taron

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