Literarisches Frankreich – Ein Spaziergang im Gutleutviertel von Frankfurt

Literarisches Frankreich – Ein Spaziergang im Gutleutviertel von Frankfurt

Foto: Gerd Taron

Frankfurt am Main, 01.10.2017

Bei wunderschönem Herbstwetter konnte ein kleiner Kreis von Literaturinteressierten einen Spaziergang durch das Gutleutviertel – unweit des Frankfurter Hauptbahnhofes – erleben.
An verschiedenen Stellen wurden ausgesuchte Gedichte, französische Liebesgeschichten und mehr präsentiert.

Das Ehrengastland der kommenden Frankfurter Buchmesse vom 11.10. bis 15.10.17 ist Frankreich. Was lag also näher?

Der Abschluss fand im gemütlichen Ambiente des Cafè Nussknacker nicht weit von der Südseite des Frankfurter Hauptbahnhofes gelegen, statt.

Ein paar Impressionen und Texte sind nachstehend aufgeführt.

Reisen

Auch ich,
wie die Maler,
habe meine Modelle.

Eines Tages,
gestern war das nun schon,
stand ich auf der offenen Busplattform
und sah mir die Frauen an,
die auf der Rue d’Amsterdam gingen.
Plötzlich, durch die Trennscheibe,
entdecke ich eine drinnen,
die hatte ich nicht einsteigen sehen.
Sie saß alleine da und schien zu lächeln.
Im Augenblick gefiel sie mir ganz doll,
doch im selben Augenblick
merkte ich, es war die meine.
Da war ich froh.

Jacques Prévert

Aus: L’amour? Pallons-en … Moderne französische Liebesgeschichten
dtv – 9. Auflage 2001 – ISBN 3-423-09218-1

Foto: Gerd Taron

Das Paradies

Wo war das Paradies? Die Deutschen kennen die Redewendung „Leben wie Gott in Frankreich“. Sie bezeichnen damit einen Zustand höchster Glückseligkeit. Demnach könnte das Paradies in Frankreich gelegen haben … Doch ausnahmsweise sind die Deutschen dem Problem bisher nicht auf den Grund gegangen.

Holen wir es nach, packen wir es an, verfahren wir systematisch. Zwei Menschen nur haben den großen Garten bevölkert. Seine geographischen Grenzen können unmöglich die des „Hexagon“, des sechseckigen Landes gewesen sein. Wo innerhalb dieses Landes mag Eva den fatalen Apfel gepflückt haben? Denken Sie doch einen Augenblick nach… Wo gibt es diese verführerischen Apfelbäume? In der Normandie! Also!

Die Normannen bringen ihre Region ebenfalls ebenfalls in einen Zusammenhang mit dem Paradies – aber in einem anderen Zusammenhang als die Deutschen. Sie sagen: Gott war uns eine kleine Wiedergutmachung schuldig dafür, daß er uns aus dem Paradies vertrieben hat; darum hat er uns den Cidre und den Calvados geschenkt.

Aus: Tour de France – Frankreich in kleinen Geschichten – erzählt von Irène Kuhn
Erschienen bei dtv – 11. Auflage 2005 – ISBN 3-42309288-2

Eine Fortsetzung der französischen Literatur-Woche gibt es am

Freitag, 06.10.17 ab 17 Uhr in der Eppsteiner Weinpresse in der Altstadt von Eppstein, Burgstraße anlässlich des Wochenmarktes gemeinsam mit Ramon Olivella, der französische Weine präsentiert.

Ein erholsamen Sonntagabend wünscht allen

Gerd Taron