Auf der Suche nach Orientierung – Literarischer Wochenendgruß vom 25.08.17

Auf der Suche nach Orientierung – Literarischer Wochenendgruß vom 25.08.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in den Tageszeitungen lese ich immer wieder von “orientieren“. Keiner weiß, wo die Lebensreise hingeht, sei es in unserer Gesellschaft oder im persönlichen Bereich. An wen oder was soll man sich in diesen unruhigen Zeiten orientieren? Haben Sie Orientierungspunkte in Ihrem Leben? Ist das Ihre Familie, Ihr Freundeskreis, andere Menschen oder sind es Werte, wie auch immer sie heißen mögen? Oder sind Sie, wie so viele, auf der Suche?

Ich wünsche Ihnen, dass in Ihrem persönlichen Leben die für Sie richtigen Wegweiser gefunden haben.

Foto: Gerd Taron

Was wir suchen, bewegt uns
Was wir suchen, bewegt uns,
verleiht uns Arme, Beine, einen Mund,
eine verletzliche Seele.
Wir versuchen die Leere zu füllen
und spüren manchmal, dass sie größer wird
durch alles, was wir finden.
Vielleicht ist diese Leere unser verstecktes Glück.
Wenn wir fänden, was uns endgültig erfüllte,
würden wir zu leicht Türen schließen,
die Arme vor der Brust verschränken,
uns abkehren von unbekannten Leuchtfeuern
und meinen, die Herrlichkeit der Welt zu kennen.
Wir brauchen auch das, was schmerzt,
um wach zu bleiben.
Auf geheimnisvolle Weise
lieben wir die Rose
mit ihrem Dorn.
An guten Tagen ahnen wir,
dass die Suche selbst
unser Glück ist.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron

Es gibt Menschen,
die suchen ihr Leben lang
nach Etwas, was sie
nicht sehen können,
nicht fühlen
und
ahnen.
Sie erdenken es,
brauchen es,
sie wollen es,
fordern es,
finden keinen Frieden.
Und in dem Moment,
wo sie begreifen,
dass sie es bereits
lange in den Händen
hielten, geht es still
und es wird niemals
mehr so sein.

Anja Schindler

Foto: Gerd Taron

Menschen suchen ihr Leben lang ein Zuhause, ein Herz und zärtliche Hände, eine stille Gegenwart, die bleibt, auch wenn es keine Worte mehr gibt.

(Phil Bosmans)

Foto: Gerd Taron

Unsere Werte

Wir sind geprägt von einer Kultur, die Quantität betont. Das ist der Ausdruck des Unerwachsenseins. Wer schießt die meisten Tore, wer hat die meisten Stimmen, wer verdient am meisten? Wir leben in einer Welt, in der für viele das Messbare das Wirklichste ist. Alles andere ist nebulös, persönlich und subjektiv. Die Bedeutung, der Sinn, der Gehalt sind nicht messbar.

Unsere Lust, zu sammeln ist Ausdruck dieser Haltung. Wir sammeln Brief¬marken, Autos, Geld, Ideen, Freunde und für manche zählt nur die Anzahl. Aber Anzahl sagt nichts über Inhalt aus. Menge hat nichts mit Qualität zu tun. Man könnte sogar sagen, dass dort, wo die Konzentration auf der Anzahl oder der Menge liegt, die Qualität leidet. Man kann nur eine gewisse Anzahl von Freundschaften wirklich schöpferisch und liebevoll gestalten. Man kann nur einer begrenzten Anzahl von Gedanken in der Tiefe nachgehen.

Sich von der Quantität zur Qualität zu wenden ist ein Entwicklungsschritt, ein Ausdruck des Reifens. Durch gewisse Begrenzungen, die gewöhnlich mit dem Alter kommen, bietet sich diese Umorientierung an. Aber nur deshalb weniger zu tun, weil man mehr nicht schafft, ist nur ein halber Schritt. Es geht darum, zu entdecken, dass in dem „Weniger“ wirklich die ganze Welt enthalten ist.

Es scheint ein Gesetz zu sein: Da, wo durch die Tiefe die Qualität zunimmt, nähert sich das Qualitätvolle der umfassenden Bedeutung des Lebens, in der alle Formen von Quantität enthalten sind. Eine wirklich gute Freundschaft ist ebenso viel wert wie viele Freundschaften. Ein Gedanke in der Tiefe verfolgt, erleuchtet alle anderen Gedanken. Dies zu verstehen ist in der Jugend fast unmöglich. Im Alter aber liegt darin die Erfüllung des Lebens. Wer so älter wird, spürt auch noch seine Jugend und sein mittleres Alter, weil im Älterwerden alle Lebensphasen enthalten sind.

Ulrich Schaffer

Foto: Gerd Taron
Immer wieder anhalten,
wahrnehmen, was ist,
uns freuen an dem,
was wir erreicht haben,
annehmen, dass nicht alles
gelungen ist.
.
Uns Zeit gönnen,
neue Kräfte schöpfen,
uns neu orientieren,
uns leiten lassen von dem,
was für uns wesentlich ist.
.
Weiter schreiten,
wie es mir entspricht,
in der Hoffnung, dass wir
immer mehr werden,
was wir letztlich sein können.
.
Wieder sehen,
was dem Leben Sinn gibt.
Wieder hören,
was meine Seele nährt.
Wieder spüren,
was letztlich wichtig ist.
Wieder aufstehen
und meinen Weg gehen.
.
Verfasser unbekannt,
Ich wünsche Ihnen ein Wochenende, wo Sie zur Ruhe kommen können und neue Orientierung finden.
Ihr/Euer
Gerd Taron

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