Das Leben im Griff haben – Literarischer Wochenendgruß vom 18.08.17

Das Leben im Griff haben – Literarischer Wochenendgruß vom 18.08.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Momenten, in dem ich einen neuen literarischen Wochenendgruß zusammen stelle, erreichen mich die neuesten Horror-Meldungen aus Barcelona. Wir alle sind entsetzt. Diese und viele andere Ereignisse geben uns ein Signal, dass jederzeit das Leben uns aus der Lebensbahn und unserem Lebensplan werfen kann.

Vor einigen Wochen hatte ich in meinem beschaulichen Dorf im Taunus ein Erlebnis der besonderen Art, dass überall und jederzeit geschehen kann.

Nach einem sehr schönen Ausflug im Rheingau stieg ich aus einem Linienbus wenige hundert Meter von der Wohnung entfernt aus. Es kam mir ein langhaariger, bärtiger und kräftiger Mann entgegen. Er redete mich mit akzentfreiem Deutsch mit den Worten an: „Hey du, du hast wohl lange keine Schmerzen mehr gehabt. Ich richte Euch alle hin.“ Allerdings hatte er kein Gegenstand in der Hand und ich bin sofort weiter.

Die junge Frau vor mir hatte er offensichtlich nicht im Visier. Es ist nichts Weiteres geschehen, aber es hätte für alle Beteiligten auch anders ausgehen können.

Für mich wird daran deutlich, dass unser Leben, egal wo wir uns gerade befinden, keine Sicherheit bieten kann.

In meinem Umfeld haben einige meiner lieben Freunde besondere schlimme Lebenssituationen hinnehmen müssen. Ich wünsche ihnen, dass sie die Kraft haben, diese zu überstehen und neuen Mut zu fassen.

Foto: Gerd Taron

Oft ist das Leben lauter Licht
Und funkelt freudefarben
Und lacht und fragt nach denen nicht,
Die litten, die verdarben.
Doch immer ist mein Herz bei denen,
Die Leid verhehlen
Und sich am Abend voller Sehnen
Zu weinen in die Kammer stehlen.
So viele Menschen weiß ich,
Die irren leidbeklommen,
All ihre Seelen heiß ich
Mir Brüder und willkommen.
Gebückt auf nasse Hände
Weiß ich sie abends weinen,
Sie sehen dunkle Wände
Und keine Lichter scheinen.
Doch tragen sie verborgen,
Verirrt, und wissen’s nicht,
Durch Finsternis und Sorgen
Der Liebe süßes Licht.

Hermann Hesse

Foto. Gaby Schaefer

Wenn wir akzeptieren, dass der Wandel dem Leben gleichgestellt ist, dass wir loslassen müssen, um etwas Neues zu bekommen, dann werden wir mit Ruhe und weniger Leiden durch unser Dasein gehen.

Buddhistische Weisheit

Foto: Gerd Taron

Das Leben ist jetzt – nicht später!
Lange hatte es für mich so ausgesehen,
als ob mein Leben gleich anfangen würde –
mein wirkliches Leben.
Aber immer war noch irgend etwas im Wege:
Etwas, was ich erst noch kriegen müsste,
Zeit, die erst noch vergehen müsste,
eine Schuld, die erst noch abgetragen werden müsste.
Aber dann würde mein Leben beginnen.
Schließlich dämmerte mir,
dass diese Hindernisse
mein wirkliches Leben waren.

Thomas Merton

Foto. Gerd Taron

Die Geschichte eines
bewegten und erfüllten Lebens,
ist auch immer eine Geschichte
von Verlust,
Loslassen
und
Traurigkeit.
Tiefen
folgen
neue Höhen,
Erkenntnis
und
Liebe.

Anja Schindler

Foto: Gisela Michaelis

REZEPT

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im großen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko

Allen Lesern wünsche ich trotz aller negativen Ereignisse ein ruhiges und erholsames Wochenende.

Ihr/Euer
Gerd Taron

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