Von der Unzufriedenheit – Literarischer Wochenendgruß vom 14.07.17

Von der Unzufriedenheit – Literarischer Wochenendgruß vom 14.07.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

sind Sie zufrieden mit Ihrem Leben? Mir scheint es derzeit, dass fast überall Unzufriedenheit herrscht. Das gilt im Großen wie im Kleinen.
Der Vandalismus und die Zerstörungswut in meiner Kleinstadt bereitet mir immer größere Sorgen. Wo soll das noch hinführen? Was sind die Beweggründe? Wenn ein beliebter Aussichtsturm durch Brandstifter zerstört wird oder Pavillons in Frankfurter Parks?

Das alles geschieht in meiner kleinen Welt. Aber nicht nur hier, sondern auch am vergangenen Wochenende haben es die Menschen in Hamburg erleben und erleiden müssen.

Je unsicherer die Zeiten sind, desto unzufriedener scheinen die Menschen zu werden. Leider gibt es zu viele, die ihre Aggressionen in die falsche Richtung lenken – in Zerstörung oder gar Gewalt gegenüber Mitmenschen. Das macht mich traurig.

Mit den Sonnenblumen-Fotos, die in diesem Wochenendgruß vor dem Text der jeweiligen bekannten und unbekannten Autoren stehen, möchte ich ein Zeichen setzen. Die Natur hat ihre Weise, ihre Zufriedenheit zu zeigen. Daran mögen wir alle uns ein Beispiel nehmen.

Foto entdeckt von Ulrike Fluck

ZUFRIEDENHEIT

Wer immer unzufrieden ist, taugt nichts.
Immer Unzufriedene sind dünkelhaft
und oft boshaft dazu,
und während sie sich über andre lustig machen,
lassen sie selber viel zu wünschen übrig.

Theodor Fontane

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Je reicher die Menschen sind,
desto eher betrachten sie ihre Privilegien und Vorzüge
als eine Selbstverständlichkeit.

Wenn wir uns bester Gesundheit erfreuen
und das Leben uns zudem mit vielen günstigen
Gelegenheiten beschenkt,
nehmen wir diese wahrscheinlich ebenfalls für selbstverständlich,
was nicht gerade unsere Zufriedenheit mehrt.

Zufriedenheit wächst vielmehr aus der Dankbarkeit,
die wir für alle positiven Lebensumstände fühlen.

Wir können nirgendwo zu Hause sein,
wenn wir uns nicht selbst Zuflucht und Heimat sein können,
wenn wir uns nicht entspannen, in uns keine Ruhe finden.

Wo unser Herz ist, fühlen wir uns zu Hause,
nicht wo unser Körper ist.

Deswegen sind wir endlich zu Hause angekommen,
sobald wir unser Herz öffnen,
sobald wir ein Gefühl liebevoller Wertschätzung spüren,
sobald wir dankbar, zufrieden, erleichtert und sorglos sind.

Wenn wir uns so fühlen,
sind wir überall auf diesem Erdball,
ja im ganzen weiten Universum zu Hause.

Ayya Khema

Foto: Gerd Taron

Menschen führen Menschen zum Licht, zu einem neuen Lebensstil: Menschen, die sich befreien lassen von Habsucht und Hass. Menschen, die nicht länger an Gewehrläufe glauben. Menschen, die mit wenig zufrieden sind und Zeit für Dinge haben, die kein Geld bringen. Menschen, die keinen Palast brauchen, um prächtig zu leben, und kein dickes Portemonnaie, um gemeinsam Feste zu feiern. Menschen, die Blumen sehen, die Vögel zwitschern hören, die wie ein Kind spielen und in einem Sessel einschlafen können. Liebe Menschen mit viel Licht in Häusern, in Dörfern und Städten.

© Phil Bosmans (1922 – 2012),
belgischer Ordenspriester,
Telefonseelsorger und Schriftsteller,
›der moderne Franziskus‹

Foto: Gerd Taron

Ich denke, die schönsten Menschen
in dieser Welt sind diejenigen,
die diese einzigartige Mut haben
sie selbst zu sein.
Egal, was jemand sagt,
egal wie viele über sie lachen oder spotten,
sie sind sie selbst, auch wenn sie allein sind.
Sie ändern sich nicht um jemanden zu gefallen
und gemocht zu werden.
Sie lächeln, weil sie glücklich
und zufrieden mit sich selbst sind.
Autor unbekannt

Foto: Gerd Taron

Deinen Optimismus in einer Welt voller Pessimisten zu verbreiten,
ist keine Träumerei, sondern ein Geschenk an die Mitmenschen.
Immer wieder aufzustehen, obwohl du hundertmal hingefallen bist,
ist keine Naivität, sondern bezeugt dein tiefes Vertrauen zum Leben.
Zufrieden zu sein, wenn du dich an dem Wenigen erfreust was du hast, ist kein Zeichen von Anspruchslosigkeit, sondern Wertschätzung.
Die Ablehnung anderer ertragen zu können, ohne deine Gelassenheit zu verlieren, ist keine Schwäche, sondern Selbstsicherheit.
Verletzlich zu bleiben statt ein Herz aus Stein zu bekommen
wenn dich jemand verlässt, ist keine Schwäche, sondern eine Stärke.
An das Gute im Menschen zu glauben, ist nicht unrealistisch,
sondern der Sinn deines Daseins.
Der Liebe auch dann zu folgen wenn es schwierig wird, ist keine Dummheit, sondern zeigt das dein Herz größer ist als dein Ego.

Ralf Marohn

Foto: Gerd Taron

Sonnen Blumen
Wohltuende Kühle
auf der Haut
dem Auge
Der Sonne entgegen
dem Uhrzeiger Sinn
am Rande ausufernd
ins helle Blau
gelb im Gemüt
scheinend in ihrer Mitte
die rot leuchtet
zu Gunsten grüner Blätter
dunkel chargierend
sich abzeichnend
die sich halten
schützend
mir gegenüber
Ruhe ausströmen
wellend
wogend im Feld
so weit das Auge reicht
http://www.silvia-kiefer.de

Foto: Gerd Taron

Mögest du die kleinen Geschenke des Tages nicht übersehen:
den Tau auf den Grasspitzen,
den Sonnenschein auf deiner Tür,
die Regentropfen im Blumenbeet,
das behagliche Buckeln der Katze,
das Wiederkäuen der Kuh,
das Lachen aus Kinderkehlen,
die schwielige Hand des Nachbarn,
der dir einen Gruß über die Hecke schickt.
Möge dein Tag durch viele kleine Dinge groß werden.

Irischer Segenswunsch

Ich wünsche Ihnen in diesen schwierigen Zeiten, dass Sie Ruhe und Gelassenheit bewahren.

Ihr/Euer
Gerd Taron

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