Vom Warten können – Literarischer Wochenendgruß vom 30.06.17

Vom Warten können – Literarischer Wochenendgruß vom 30.06.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

wie einigen von Ihnen bekannt ist, bin ich oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Da gehört warten auf den nächsten Zug auf den nächsten Bus oder Straßenbahn zur Normalität. Aber auch die Autofahrer ist das Warten bestens bekannt, vor allem wenn sie in einem langen Stau stehen und nicht vorankommen.

Es gibt andere Situationen im Leben, worauf man hofft, dass ein Ereignis endlich eintrifft, sei es auf ein langersehntes Treffe, eine wichtige Nachricht oder anderes mehr. Dann kann Warten zu einer Geduldsprobe werden.

Warten bedeutet aber auch, eine Pause einzulegen und sich zu besinnen. Haben wir das Warten verlernt?

Foto: Gerd Taron

Ich kann warten, wenn sich das Warten lohnt,
ich kann vergessen, was keinen Gedanken wert ist,
ich kann Verständnis aufbringen, wenn ich verstehe,
ich kann und will nicht heucheln, was ich nicht fühle.
Ich bin da für die, die es mir wert erscheinen …
für alle anderen bin ich nicht zu erreichen …
Ich lebe mein Leben, nicht das der anderen.
Ich kämpfe für das, was mir wichtig erscheint,
und ignoriere das für mich Unwesentliche.
unbekannt

Foto: Gerd Taron

Die Sonnenuhr

Selten reicht ein Schauer feuchter Fäule
Aus dem Gartenschatten, wo einander
Tropfen fallen hören und ein Wandervogel
lautet, zu der Säule,
die in Majoran und Koriander
steht und Sommerstunden zeigt;

nur sobald die Dame (der ein Diener
nachfolgt) in dem hellen Florentiner
über ihren Rand sich neigt,
wird sie schattig und verschweigt -,

Oder wenn ein sommerlicher Regen
aufkommt aus dem wogenden Bewegen
hoher Kronen, hat sie eine Pause;
denn sie weiß die Zeit nicht auszudrücken,
die dann in den Frucht- und Blumenstücken
plötzlich glüht im weißen Gartenhause.

Rainer Maria Rilke

Foto: Michael Heinz

Viele Menschen warten den ganzen Tag
auf den Abend,
die ganze Woche
auf den Freitag,
das ganze Jahr
auf den Urlaub,
ihr ganzes Leben
auf bessere Zeiten
und vergessen dabei oft,
dass sie nur dieses Leben haben .

Autor unbekannt

Foto: Gerd Taron

Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten,
bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.

Indianische Weisheit

Foto: Gerd Taron

„Wie herrlich ist es,
dass niemand eine Minute zu warten braucht,
um damit zu beginnen,
die Welt langsam zu verändern.“

Anne Frank

Foto: Michael Heinz

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, HERR,
sondern um Kraft für den Alltag.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte:

Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln, von denen ich betroffen bin.

Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Ich bitte um Kraft für das richtige Maß, dass ich nicht durch das Leben eile, sondern den Tageslauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte.

Laß mich erkennen, dass Träume ALLEIN nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir VOR ALLEM, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den MUT hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.

Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man nichts tut. Gib, dass ich warten kann.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.

Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die ‚unten‘ sind.

Bewahre mich vor der Angst, ich könne das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich wünsche, sondern was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

Gebet nach Antoine de Saint-Exupéry

Mit diesen Worten wünsche ich Ihnen ein Wochenende zum Innehalten.

Ihr/Euer

Gerd Taron
Veranstaltungshinweis:

Vom 29.06. bis 02.07.17 findet in Mainz in der Rheingoldhalle und im Außenbereich die 24. Mainzer Minipressen-Messe statt. Es ist eine eine internationale Buchmesse der Kleinverlage und künstlerischen Handpresse. Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten
Do und Fr von 14 – 19 Uhr
Sa von 10 – 19 Uhr
So von 10 – 17:30 Uhr

Weitere Informationen unter http://www.minipresse.de

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Ein Kommentar zu “Vom Warten können – Literarischer Wochenendgruß vom 30.06.17

  1. Lieselotte Pirrone sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    meine neue e-mail lautet: lieselotte.pirrone@icloud.com Liebe Grüße

    Lisa Pirrone

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