Wenn die Rosen erblühen – Literarischer Wochenendgruß vom 16.06.17

Wenn die Rosen erblühen – Literarischer Wochenendgruß vom 16.06.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

es ist Rosenzeit. Überall blüht in dieser Zeit die Blume der Blumen – die Rose. Wie viele Dichterinnen und Dichter haben ihr die Ehre erwiesen.

Das inspiriert mich diese Ausgabe des literarischen Wochenendgrußes der Rose im Besonderen zu widmen.

Foto: Gerd Taron

Der Duft der Rose
nimmt dich in einen süßen Bann,
rührt dich liebkosend leise
wie eine Liederweise
mit Ahnung voller Schönheit an,
ist ohne Gleichnis rein und zart:
du kannst es nicht ermessen,
fühlst nur ein süß Vergessen
und eine Gegenwart.

Hermann Hesse

Foto: Gerd Taron

Die Bettlerin und die Rose

Von Rainer Maria Rilke gibt es eine Geschichte aus der Zeit seines ersten Pariser Aufenthaltes.
Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin sass, die um Geld anhielt. Ohne zu irgendeinem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äussern als nur immer die Hand auszustrecken, sass die Frau stets am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück. Eines Tages fragte die Französin verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab ihr zur Antwort: „Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“ Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weisse Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen.
Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.
Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe.
Nach acht Tagen sass plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. „Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?“, frage die Französin. Rilke antwortete: „Von der Rose . . .“

Foto: Gerd Taron

Ode an die Rose

Rose, Wunder aller Blumen, die blühen,
jedes Blatt ein Zeuge der Liebe im Frühling.
Selbst die himmlischen Mächte erfreuen sich ihrer.
Sie ist die junge Leidenschaft der Aphrodite,
sie ist der Liebling der Cythere,
die Schläfe mit Blumenblättern umkränzt
und mit ihrem süßen Parfüm
macht sie ihre Herren trunken

Anakreon
580-495 v. Chr.

Foto: Gerd Taron

Auch wenn dich das Leben mal beugt,
vergiß niemals, du bist eine ROSE,
und wirst es immer bleiben…
Dein Duft ist der einer Liebenden,
deine Stacheln sollen dich vor Schlimmerem bewahren,
dein Wesen bewundernswert,
du bist auf Erden,
um Anderen Freude zu schenken !
RICHTE DICH WIEDER AUF,
und erblühe von Neuem…
@ by Elfi Egger

Foto: Gerd Taron

Leise zieht durch mein Gemüt
liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
kling hinaus ins Weite.
Kling hinaus bis an das Haus,
wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
sag, ich lass sie grüßen!

Heinrich Heine

Ich wünsche Ihnen an diesem Wochenende eine besondere Zeit für die schönen Blumen in der Natur. Es gibt auch nicht nur Rosen …

Ihr/Euer
Gerd Taron

PS. Wegen der vielen Veranstaltungen im Rheingau (Magic Bike in Rüdesheim“) und eigenem Befinden findet die vorgesehene Veranstaltung „Wenn die Rosen erblühen“ am Samstag, 17.06.17 in Eltville nicht statt. Ich bitte um Verständnis.

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