Die kleinen Wunder des Alltags – Literarischer Wochenendgruß vom 09.06.17

Die kleinen Wunder des Alltags – Literarischer Wochenendgruß vom 09.06.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

glauben Sie an Wunder? Ich weiß nicht, in welcher Lebenssituation Sie gerade beim Lesen dieser Zeilen sind. Vielleicht haben Sie eine schwierige Phase zu überstehen. Mit diesem Wochenendgruß möchte ich Ihnen Mut machen, die kleinen Wunder wieder neu zu entdecken.

Ich lade Sie ein, die Wunder neu zu spüren. Am vergangenen Wochenende hatte ich die Gelegenheit bei meinem Besuch in der „alten Heimat“ im Rheinland viele kleine Wunder neu und bewusster wahrzunehmen.

Foto: Gerd Taron – entdeckt in der Fußgängerzone von Köln

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,
sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Mache mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl,
um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
Schicke mir im rechten Augenblick jemand,
der den Mut hat, die Wahrheit in Liebe zu sagen.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten
und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mir die nötige Phantasie,
im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte,
an der richtigen Stelle abzugeben.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleine Schritte!

Antoine de Saint-Exupéry

Im Eifgental bei Altenberg im Bergischen Land – Foto: Gerd Taron

Raum für Wunder
Mitten in der Nacht
summt die Erde
vor Glück
winkt der Himmel
dir zu
und die Wüste wird
blumiges Land.
Stroh spinnt sich
zu Seide
und du begreifst den Sinn.
Schau dich um:
Dieser Raum steht
neben dir
geh hinein
und horche
ein Weilchen

Lissy Theissen

Klein und klein begegnen sich – Am Thomashof in Burscheid – Foto: Gerd Taron

Stille Wunder,
die unbeobachtet geschehen,
mit denen sich aber das Leben
kraftvoll ausbreitet:
das Entfalten eines einzelnen Birkenblattes;
die Echtheit einer Frage
im Mund eines wissbegierigen Kindes;
die Erneuerung eines verölten Strandes,
den die Wellen mühsam rein waschen;
die Stille, in der wichtige Gedanken
Gestalt annehmen und Veränderung vorbereiten.

Ich will der Hoffnung die Hand hinhalten,
sie füttern, sie pflegen,
sie fliegen lassen
in jede Ecke der Welt.

Ulrich Schaffer

Kirchenfenster von St. Andreas in Köln – Foto: Gerd Taron

Lausche auf das Wunder:
wie wunderbar:
da draußen stehen wie drinnen.
Begreifen und umgriffen werden,
schauen und zugleich das Geschaute selbst sein,
halten und gehalten werden,
das ist das Ziel:
wo der Geist in Ruhe verharrt, –
der lieben Ewigkeit vereint.

Meister Eckhart

Eingang zum Kräutergarten am Altenberger Dom – Foto: Gerd Taron

Weil er an Wunder glaubt, geschehen auch Wunder.
Weil er sich sicher ist, dass seine Gedanken sein Leben verändern können, verändert sich sein Leben.
Weil er sicher ist, dass er der Liebe begegnen wird, begegnet ihm diese Liebe auch.

Paulo Coelho

Foto: Gerd Taron

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.
Irischer Segenswunsch

Möge Ihnen an diesem Wochenende viele kleine Wunder geschehen. Ich wünsche Ihnen alle Sinne, diese auch wahrzunehmen.

Ihr/Euer
Gerd Taron