Gartenfreude – Literarischer Wochenendgruß vom 19.05.17

Gartenfreude – Literarischer Wochenendgruß vom 19.05.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am vergangenen Wochenende bekam ich die Gelegenheit zu einer privaten Naturgartenführung und Besichtigung bei einem lieben Freund.

Als Nicht-Gärtner war es für mich bewundernswert mit welch großer Liebe er und seine Frau ihren Garten mit natürlichen Mitteln pflegen und hegen. Eingebettet in einer wundervollen Landschaft wurde mir als Besucher neu bewusst, wie Leben entsteht und gedeiht.

Es ist daher Zeit nach vielen Jahren nicht nur den Gartenfreunden einen literarischen Wochenendgruß zu widmen.

Alle Fotos entstanden bei meinem Besuch in diesem besonderen Ambiente.

Gehe in den Garten
und höre die Stille
zwischen
den Geräuschen:
denn sie ist
die wahre Musik
der Natur.“
Japanisches Sprichwort

Der schöne Garten

Von blühenden Fruchtbäumen schimmert
Der Garten, die kreuzende Gänge
Mit roter Dunkelheit füllen;
Und Zephyr gaukelt umher,
Treibt Wolken von Blüten zur Höhe,
Die sich ergießen und regnen. –
Zwar hat hier Wollust und Hochmut
Nicht Nahrung von Mohren entlehnt
Und sie gepflanzet; nicht Myrten,
Nicht Aloen blicken durchs Fenster –
Das nützliche Schöne vergnüget
Den Landmann und etwa ein Kranz. –
Durch lange Gewölbe von Nußstrauch
Zeigt sich voll laufender Wolken
Der Himmel, und ferne Gefilde
Voll Seen und buschige Täler,
Umringt mit blauen Gebirgen. –
Die Fürstin der Blumen, die Lilie,
Erhebt die Krone zur Seiten
Hoch über streifige Tulpen –
O Tulipane, wer hat dir
Mit allen Farben der Sonne
Den offnen Busen gefüllet? –
Ich grüßte dich Fürstin der Blumen,
Wenn nicht die göttliche Rose
Die tausendblättrige schöne
Gestalt, die Farbe der Liebe,
Den hohen bedorneten Thron, und
Den ewigen Wohlgeruch hätte! –
Die holde Maiblume drängt
Die Silberglöckchen durch Blätter;

Hier reicht mir die blaue Jacinthe
Den Kelch voll kühler Gerüche:
Es steigt unsehbarer Regen
Von lieblichen Düften zur Höhe,
Und füllt die Lüfte mit Balsam.
Die Nachtviole läßt immer
Die stolzeren Blumen den Duft
Verhauchen; sie schließen bedächtig
Ihn ein, im Vorsatz, den Abend
Noch über den Tag zu verschönen! –
Seht hin, wie brüstet der Pfau
Sich dort am farbigen Beete,
Voll Eifersucht über die Kleidung
Der fröhlichen Blumen stolziert er,
Kreist rauschend den grünlichen Schweif
Voll Regenbögen, und wendet
Den farbentrügenden Hals.
Die Schmetterlinge, sich jagend,
Umwälzen sich über den Bäumen
Mit bunten Flügeln; voll Liebe,
Und unentschlossen im Wählen,
Beschauen sie Knospen und Blüten.
Indessen impfet der Herr
Des Gartens, Zweige von Kirschen
Durchsägten SChlehstämmen ein,
Die künftig über die Kinder,
Die sie gesäuget, erstaunen.
Das Bild der Anmut, die Hausfrau,
Sitzt in der Laube von Reben,
Pflanzt Stauden und Blumen auf Leinwand;
Die Freude lächelt aus ihr;
Ein Kind, der Grazien Liebling,
Mit zarten Armen am Hals
Ihr hangend, hindert sie schmeichelnd,
Ein andres tändelt im Klee,
Sinnt nach und stammelt Gedanken.

Ewald von Kleist

Ein Mensch kann in seinem Leben zwei Dinge tun: bauen und pflanzen.
Diejenigen, die bauen, brauchen manchmal Jahre, um ihr Ziel zu erreichen, aber eines Tages ist ihre Arbeit beendet. Dann sind sie untätig und die Wände, die sie gebaut haben, engen sie ein. Das Leben verliert seinen Sinn, wenn der Bau errichtet ist.
Aber es gibt auch diejenigen, die pflanzen. Sie leiden manchmal unter Unwettern, unter den Jahreszeiten und ruhen selten aus. Doch anders als die Gebäude hört ein Garten nie auf zu wachsen. Und da er die Aufmerksamkeit des Gärtners immer fordert, kann für denjenigen, der pflanzt, das Leben ein großes Abenteuer sein.
Die Gärtner werden einander erkennen – denn sie wissen, dass jede Pflanze die Geschichte der ganzen Erde enthält.“
aus „Brida“ von Paulo Coelho

Lächle,
denn es gibt einen Frühling in deinem Garten,
der die Blüten bringt,
einen Sommer, der die Blätter tanzen und einen Herbst,
der die Früchte reifen lässt.

Arabisches Sprichwort

Es sind nicht die bunten Farben, die lustigen Töne und die warme Luft, die uns im Frühling so begeistern. Es ist der stille, weissagende Geist unendlicher Hoffnungen, ein Vorgefühl vieler frohen Tage, des gedeihlichen Daseins so mannigfaltiger Naturen, die Ahndung höherer, ewiger Blüten und Früchte, und die dunkle Sympathie mit der gesellig sich entfaltenden Welt.

Novalis

Lass dich fallen, lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen
und verteile sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen.
Schaukle so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere dich, ‚verantwortlich zu sein‘ – tu es aus Liebe!
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Es wird folgen.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.
Träume wilde, fantasievolle Träume.
Zeichne auf Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor, du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern, höre alten Leuten zu.
Öffne dich, tauche ein. Sei frei. Preise dich selbst.
Lass die Angst fallen, spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in dir. Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe …

Joseph Beuys

Genießen Sie an diesem Wochenende ihren persönlichen Garten. Es muss ja nicht ihr eigener sein. Die Natur hat so viele großartige Gärten bereit – Mann/Frau muss sie nur entdecken.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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