In Zahlen verliebt sein – Literarischer Wochenendgruß vom 12.05.17

In Zahlen verliebt sein – Literarischer Wochenendgruß vom 12.05.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

am vergangenen Wochenende war ich in Sachen Kultur sehr viel unterwegs, sei es mit eigenen Veranstaltungen oder anderen sehr niveauvollen Darbietungen.

Nicht alle waren zahlenmäßig so gut besucht, wie es wünschenswert gewesen wäre. Aber was bedeuten für Veranstalter viel oder wenige Besucher? Ist es eine positive Wertung oder Abwertung? Die Ursachen können vielfältig sein, zum Beispiel sehr großes Angebot, private Termine oder anderes. Jedenfalls sind Besucherzahlen kein Ausdruck von der Qualität einer Veranstaltung. Oft sind die kleinen, etwas intimen Veranstaltungen ein besonderer Genuss.

Ich freue mich über jeden, der zu meinen Veranstaltungen kommt. Die Anzahl ist für mich nicht wichtig. Vielfach wurde dabei aus ein oder zwei Kontakten etwas Besonderes und dann sehr wertvolles..

Wir sollten aufhören, alles nur nach Zahlen zu bemessen. Zahlen sind relativ. Wenn ich so mancher Statistik oder Umfrage Glauben schenke, könnte ich meines Lebens nicht mehr froh werden. Die Wochenzeitung „Die ZEIT“ hatte kürzlich dazu ein sehr interessantes Titelthema.

Kelkheim-Fischbach – Foto: Gerd Taron

Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!«

Aus Der kleine Prinz

Werbebeilage – Foto: Gerd Taron

Sind wir wirklich gemeint?

Sind wir wirklich gemeint,
wenn der Schwall der Worte uns überfällt
und wir hören, dass dieses und jenes
unsere ungeteilte Aufmerksamkeit verdient?
Wir sind hochgerechnet worden,
man hat uns mitgezählt, vorbestimmt und eingeordnet ,
lange bevor uns jemand gefragt hat,
was unsere tiefen Bedürfnisse sind.
Vielleicht wird uns nie jemand fragen
und doch wird uns gesagt, was gut für uns ist
und wie wir die Welt zu sehen haben.
Du und ich, in unserer Einmaligkeit,
sind nicht gemeint,
wenn die Lautstärke zunimmt,
das Zählen wieder beginnt
und die Entscheidungen für uns fallen.
Dann ist es wichtig, sich abzukehren
von Ideen und Menschen, die uns bestimmen wollen,
sogar wenn sie uns lieb sind.
Dann ist es Zeit,
uns der fast unhörbaren, leisen
inneren Stimme zuzuwenden.

Ulrich Schaffer

Am Retterahof – Foto: Gerd Taron

Die gekaufte Zeit

Sohn: „Papa, kann ich Dich mal was fragen?“
Vater: „Klar, mein Junge. Was ist los?“
Sohn: „Papa, wie viel Geld verdienst du in der Stunde?”
Vater: „Nun, ich denke solche Dinge haben dich noch nicht zu interessieren. Warum fragst du so was?
Sohn: „Ich möchte es einfach nur wissen. Bitte, bitte, sag mir, wie viel du in der Stunde verdienst.“
Vater: „Na gut, wenn du es unbedingt wissen möchtest, Ich verdiene 50 Euro in der Stunde.“
Sohn: „Oh.“ (Er senkt den Kopf)
Sohn: „Papa, kannst du mir vielleicht 25 Euro leihen?“
Vater: „(äußerst verärgert) So so! Deshalb fragst du also. Du willst dir Geld von mir leihen, um dir irgendein dämliches Spielzeug oder anderen Blödsinn zu kaufen. So nicht mein Freund. Marschier in dein Zimmer und ab ins Bett! Du solltest mal darüber nachdenken, wie egoistisch du eigentlich bist. Ich arbeite jeden Tag extrem hart und muss mir dann abends so dreiste Fragen anhören!“

Der kleine Junge geht still und leise in sein Zimmer und schließt die Tür.
Der Vater setzt sich erst mal hin, wird jedoch umso wütender, je mehr er über die Frage des Jungen nachdenkt.
„Wie durchtrieben mein Sohn nur ist! Stellt mir solche Fragen, nur um an Geld zu kommen!“

Über eine Stunde vergeht bis der Vater sich beruhigt hat und anfängt Nachzudenken.
„Vielleicht gibt es da wirklich etwas, dass mein Sohn dringend braucht. Er fragt sehr selten nach Geld. Eigentlich hat er noch nie gefragt. Vielleicht braucht er die 25 Euro tatsächlich. Vielleicht habe ich ihm Unrecht getan.“
Der Vater geht zum Zimmer des kleinen Jungen, öffnet die Tür und betritt das Zimmer.

Vater: „Schläfst du schon, Sohnemann?“
Sohn: „Nein, Papa, ich bin noch wach.“
Vater: „Schau mal, ich habe noch mal über alles nachgedacht. Vielleicht war ich tatsächlich ein bisschen zu streng zu dir. Es war ein langer Tag, eine Menge hat sich angestaut und du hast alles abbekommen. Hier sind die 25 Euro um die du mich gebeten hast. Es tut mir leid.“

Der kleine Junge lächelt.
Sohn: „Danke, Papi!”
Der kleine Junge greift unter sein Kopfkissen und holt ein paar weitere zerknitterte Euro-Scheine hervor. Der Vater sieht, dass der Junge unter seinem Kissen bereits Geld gebunkert hat und wird erneut wütend. Langsam und ruhig beginnt der kleine Junge das Geld zu zählen und schaut danach seinen Vater an.

Vater: „Warum zum Teufel fragst du nach Geld, wenn du schon welches hast?“
Sohn: „Weil ich noch nicht genug hatte. Jetzt aber reicht es!“
Sohn: “Papi, jetzt habe ich 50 Euro. Darf ich hierfür eine Stunde deiner Zeit kaufen? Bitte komme morgen früher von der Arbeit nach Hause. Ich möchte gerne mit dir zusammen Essen.“

Der Vater sinkt auf den Boden. Er hat mit solch einer Antwort nicht gerechnet. Er ist erschüttert, gerührt, überwältigt. Er schließt seinen Sohn in die Arme, und bittet ihn um Entschuldigung.

Dies ist nur eine kleine Geschichte über Vater und Sohn. Eine kleine Geschichte für all jene die in ihrem Leben so hart und lange arbeiten. Wir sollten nicht zulassen, dass uns in unserem turbulenten Leben, der Blick für das fehlt, was wirklich wichtig ist. Die Menschen, die wir lieben.

unbekannt

Foto: Gerd Taron

Lebenslust

Wie könnte ich den Tag beginnen
Soll ich ein Lied am Morgen singen
oder fünf Minuten lachen
zur Not auch einen Handstand machen
Ein Tänzchen vor dem Frühstück wagen
mir selbst „Was bist du spitze!“ sagen
im Spiegel mir die Zunge zeigen
und dankbar vor dem Tag verneigen
Terminkalender schnell zerreißen
die Pläne in die Tonne schmeißen
mit Wonne in der Dusche stehen
und lange aus dem Fenster sehen
Dem Morgenlied der Amsel lauschen
an deinen Küssen mich berauschen
die Kissen durch die Lüfte fleddern
in deinen Armen mich verheddern
Ich könnte die Natur erkunden
spazieren gehen mit den Hunden
verträumt auf einer Lichtung stehen
und still die Rehe grasen sehen
Oder in Regenpfützen springen
ein Ständchen meinen Nachbarn bringen
den Kuchen ganz alleine essen
das Kalorien zählen mal vergessen
Den Urschrei aus der Kehle brüllen
den Hunger meiner Seele stillen
vergessen einfach Raum und Zeit
nur Leichtigkeit noch weit und breit
Das alles sind nur Möglichkeiten
die unser Leben stets begleiten
Entscheiden muss ich mich im Leben
mir meine Lebenslust zu geben

Cäcilia Wentke

Ich wünsche Ihnen allen und nicht nur den lieben Müttern ein wundervolles Mai-Wochenende und genießen Sie die gemeinsame Zeit.

Ihr/Euer
Gerd Taron

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