Vom Markt-Wert – Literarischer Wochenendgruß vom 05.05.17

Vom Markt-Wert – Literarischer Wochenendgruß vom 05.05.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,
der Markt ist in der Geschichte der Menschheit ein besonderer Ort. Er war und ist eine Begegnungsstätte, wo nicht nur eingekauft und gehandelt wird, sondern Mann/Frau sich begegnet. Vor allem in Zeiten, als es noch kein Internet und keine Zeitungen gab, erfuhr man hier das Neueste aus seiner Region.

Nach meinen Beobachtungen und den Berichten in den Zeitungen in unserer heutigen technisierten Welt gewinnt der Markt wieder eine besondere Bedeutung als Stätte der Begegnung..

Die großen Wochenmärkte, wie z. B. in Mainz, Frankfurt, aber auch kleinere Märkte verzeichnen immer mehr Besucher. Bei einem Glas Wein, oder auch mehreren, werden nicht nur die Einkäufe erledigt, sondern auch für Gespräche genutzt.

Ich mag diese bunte Vielfalt eines Marktes, nicht nur wegen des Warenangebotes, sondern auch wegen den Menschen, denen man dort begegnen kann.

Wochenmarkt in Eppstein/Taunus – Foto: Gerd Taron

Auf dem Markt
lernt man die Leute besser kennen
als im Tempel.

Aus Deutschland

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Kleinmarkthalle Frankfurt – Foto: Gerd Taron

Ich hatte einen Traum …

In meinem Traum ging ich über einen Mittelaltermarkt. Schon am Eingang überwältigten mich die verschiedenen Gerüche, nach Gesottenem und Gebratenem. Und während ich so durch das Marktgeschehen drängte … denn es waren viele Besucher da, entdeckte ich viele Freunde und Bekannte. Da war der Marmeladenstand von Uschi und Evelyn legte gerade einer kleinen Edeldame ein wunderschönes Perlengeschmeide an.
Anna hatte wieder die schönsten Gewandungen aus 2. Hand im Angebot. Ein Schmied (auf diesem Markt durfte er schmieden, ohne dass man sich über die Rauchbelästigung beschwerte) heizte seine Esse an und nicht weit davon war der Fladenbäcker, den ich das erste Mal auf der Ronneburg gesehen hatte. Aus dem Badehaus winkten mir viele Freunde zu und wollten mich einladen … aber heute war nicht der Tag zum Zubern. Außerdem kamen gerade zwei Buben lachend auf mich zu, Jan und Felix umringten mich sofort und riefen laut: „Die Geschichtenerzählerin ist wieder da!“ (Meinen Namen merken sie sich nicht, aber dass ich erzählen kann … und Felix ist ja ohnehin mein ritterlicher Beschützer)
Dazwischen führte der Löffelschnitzer seinen Hund Brutus aus … es soll ja Leute geben, die ihn nicht sehen können … und Spielleute tönten aus verschiedenen Richtungen, als wären sie vom Teufel besessen.
Plötzlich rief jemand „Ein Drachen! Rette sich wer kann!“ und so manch Recke spannte den Bogen oder die Armbrust gen Himmel. Doch es war kein Drache aus Fleisch und Blut. Die Chinesen erfreuten die Zuschauer mit Papierdrachen.
Ganz hinten im letzten Eck des Marktes entdeckte ich dann einen Händler, den ich zuvor noch niemals gesehen hatte. Ich kann nicht genau sagen, was meine Aufmerksamkeit so urplötzlich und mit aller Kraft anzog. War es sein schneeweißes Leinenhemd? Es war wohl etwas zu weiß, um authentisch mittelalterlich zu sein. Oder war es sein von der Sonne gegerbtes Gesicht? Irgendwie hatte ich das Gefühl, dieser Mann muss eins mit der Natur sein. Das Haar war sorgfältig nach hinten zu einem Zopf gebunden und so strahlten mich auch zwei Augen an, von denen ich nicht sagen konnte, welche Farbe sie hatten … einfach traumhaft. Alles, was ich erst einmal sagen konnte, war „Hallo!“ und dann senkte ich schamhaft den Blick und ließ ihn über die Auslagen des Händlers schweifen.
An seinem Stand hatte er verschiedene handgeschnitzte Dosen in den vielfältigsten Größen. Eine Stimme wie das Murmeln des Wassers und das Rauschen des Waldes sprach zu mir. „So nehmt ruhig meine Ware in Augenschein, gute Frau.“
„Ja, was habt Ihr denn anzubieten, verehrter Meister?“
“Nun, wenn ich Euch dies alles jetzt aufzählen würde … Ich habe der Spezereyen viel… Um es in einem Satz zu sagen: Alles, was Euer Herz begehrt … alles, was Ihr meint, nirgends kaufen zu können.“
Nur einen Moment überlegte ich. Was begehret denn mein Herz. Ich war gerade gesättigt, auch nach Gewandung stand mir im Moment nicht der Sinn. Aber wenn es wirklich möglich wäre, alles zu wünschen, was ich schon immer wollte, aber nicht kaufen konnte:
„Mmmh, es sind die kleinen Dinge, die doch so schwer zu haben sind. Ich wünschte mir, dass die Menschen solche kleinen Dinge wieder entdecken und sehen können … dass sie nicht nur das Große sehen, das Laute und Schrille hören, sondern auch das Flüstern und leise Schwingen der Natur … dass sie nicht herrschen, sondern in Liebe und vertrauen mit allem leben … dass sie nicht billig, sondern preiswert kaufen … dass sie mit Bedacht schätzen, was seinen Preis wirklich wert ist, in Anerkennung der Leistung eines jeden … genauso sollte jeder die Arbeit tun können, die seinem Talent entspricht. Ich wünsche mir, dass Kinder gern von Erwachsenen lernen und Erwachsene wiederum ihre kindliche Unbeschwertheit nicht verlieren. Wenn ich bei Euch etwas kaufen kann, dann sollte es Respekt, Achtsamkeit, Wertschätzung, Liebe, Vertrauen … sein.“
Der Händler lächelte freundlich, hob die Hände und sagte: „Ich glaube, ich habe Euch vergessen etwas zu sagen … es tut mir leid.“ Und mit diesen Worten nahm er von einer seiner Dosen den Deckel ab und zeigte mir den Inhalt: „Ich verkaufe hier keine Früchte … ich verkaufe nur die Samen dafür.“
Und so ließ ich mir von ihm eine Mischung in ein kleines Säckchen füllen. Die wollte ich auf meinen Wanderungen mitnehmen …
(nach einer alten Weisheitsgeschichte … häufig erzählt und so aufgeschrieben Weihnachten 2010)

Walburga Kliem (http://www.meine-lichtblicke.de/ )

Hof- und Bücher-Flohmarkt in Kelkheim-Fischbach – Foto: Gerd Taron

Weißt du, dass jede Begegnung,
die unsere Seele berührt,
eine Spur in uns hinterlässt,
die nie ganz verweht?

Denn manche Menschen berühren uns
nur an der Oberfläche,
andere hinterlassen
einen tiefen Abdruck auf unser Seele,
doch eins haben alle Begegnungen gemeinsam:
Hinterher sind wir nicht mehr die Person,
die wir vorher waren!

Astrid Singh

Wochenmarkt in Eppstein/Taunus – Foto: Gerd Taron

Ich wünsche dir die Sonne in menschlichen Begegnungen;
durch die Glut der Achtung und Liebe wird das Leben erhellt.
Ich wünsche dir die Sonne in deinem einmaligen Gesicht;
durch ihren goldenen Glanz fallen die Schatten hinter dich.
Ich wünsche dir die Sonne, wo immer du bist und lebst;
ihre Strahlen scheinen dort, wo du sie einlässt.
Ich wünsche dir die Sonne, die unsere Welt in Farben taucht;
sie öffnet die Augen für die Schönheit des Lichts.
Ich wünsche dir die Sonne, die hinter dunklen Wolken scheint;
sie existiert, auch wenn wir sie nicht spüren.
Ich wünsche dir die Sonne, die dein Herz durchströmt;
ihr Glanz erhellt die Welt und ist dem Himmel nah.

Autor unbekannt

An diesem Wochenende finden wieder an vielen Orten Märkte statt. Nehmen Sie sich die Zeit für Begegnungen und nicht nur zum Einkaufen, sondern auch für Gespräche. Es sind diese Gelegenheiten, die ein menschliches Miteinander so wertvoll machen.

Ihr/Euer
Gerd Taron

PS: ‚Am Tag des Erscheinens dieses Wochenendgrußes findet von 14 bis 18 Uhr der Büchermarkt auf dem Wochenmarkt in Eppstein statt. Vielleicht treffen uns dort wieder oder lernen uns bei Buch, Wein und anderen kulinarischen Genüssen kennen.

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