Literatur und Natur – Ein Rückblick auf 3 wundervolle literarische Spaziergänge

Literatur und Natur – Ein Rückblick auf 3 wundervolle literarische Spaziergänge

Kelkheim-Fischbach, 12.04.2017

Liebe Literatur-Freunde,

drei literarische Frühlings-Sonntage bei bestem Wetter konnten interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den vergangenen Wochen erleben.

Es gab viele schöne Begegnungen und Gespräche bei diesen Touren. Ein kleiner Rückblick in Wort und Bild möchte ich gerne weitergeben.

Sonntag, 26.03.17 – Literarischer Frühlings-Spaziergang rund um den Rettershof

Die literarische Freiluftsaison ist eröffnet. In heimatlichen Gefilden wurden Gedichte und Geschichten von weniger bekannten Autoren der Alt- und Neuzeit präsentiert.

Stellvertretend seien zwei davon hier zitiert:

Mit lächelnden Augen
Ihr Boten des Frühlings,
wo kommt ihr nur her?
Mit lächelnden Augen aus tiefen Tälern
erscheint ihr wie Elfen im Morgentau.
Osterglocke, welch Grazie
liegt in deiner Erscheinung?
Welch Lächeln in deiner
sonnigen Krone?
Kennst du denn nicht
den Schmerz des Winters?
Den eisigen Wind
beim sanften Erinnern?
Ihr Rufer erwachender Zweige,
woher nehmt ihr den Mut
zum fröhlichen Singen?
Singt ihr von Freiheit
oder von Liebe?
Vom durchlittenen Schmerz oder
vom Weh nach der Lust?
Euer liebreizend Locken
schmiegt sich heilend
an meine Wange,
erzählt von dem,
was paradiesisch kann sein.
Ihr Boten des Frühlings
nach harten Tagen
schenkt mir zurück die Fülle der Farben
und Düfte im zarten Blütengesicht!
Sonne, komm ganz, weich auf meine Erde!
Lass sprießen in mir
seliges Lachen und wonnige Lust!
Ihr Sterne der Frühlingsnächte, küsst mich
auf den wartenden Mund und die heiße Stirn!
Singt mir die Sehnsucht
in den Mund, dass er brenne
für den träumenden Wandrer der Nacht!
Oh Frühling, Geliebter, durchdringe mich ganz
mit deinem Zauber, lass sonnige Heimat mich sein
für alle, die wohnen in mir!

© Lissy Theissen

Frühling

Die Vögel jubeln – lichtgeweckt –,
die blauen Weiten füllt der Schall aus;
im Kaiserpark das alte Ballhaus
ist ganz mit Blüten überdeckt.
Die Sonne schreibt sich hoffnungsvoll
ins junge Gras mit großen Lettern.
Nur dorten unter welken Blättern
seufzt traurig noch ein Steinapoll.
Da naht ein Lüftchen, fegt im Tanz
hinweg das gelbe Blattgeranke
und legt um seine Stirn, die blanke,
den blauenden Syringenkranz.

Rainer Maria Rilke

Sonntag, 02.04.17 – Literarischer Märchen-Spaziergang rund um den Gimbacher Hof

Eine Waldfee besuchte die Teilnehmer im Zauberwald und las ein Waldmärchen in zauberhafter Kulisse. Auf dem Sonnenweg in der Nähe der Gundelhard gab es aus „Kelkheim schreibt ein Buch“ eine phantastische Geschichte von Martin Schumacher über „Gewagte Weisen“. Oberhalb des Spielplatzes des Gimbacher Hofes empfing uns die Autorin Ananta Corte und präsentierte märchenhaftes aus ihrem Roman „Erzähl mir Liebe“.

Foto: Ira Lenski

Sonntag, 09.04.17 – Literarischer Frühlings-Spaziergang rund um die Burg Eppstein und die Altstadt

Am Bahnhof Eppstein gab es zur Begrüßung eine Geschichte von der Burg Eppstein. In einer Sage wird berichtet, wird der edle Ritter Eppo seine Angebetete Bertha von einem Riesen erlöste.

An der nächsten Station der katholischen Kirche wurden Frühlingsgedichte präsentiert, unter anderem dieses hier.

Die Tulpe

Dunkel
war alles und Nacht.
In der Erde tief
die Zwiebel schlief,
die braune.
Was ist das für ein Gemunkel,
was ist das für ein Geraune,
dachte die Zwiebel,
plötzlich erwacht.
Was singen die Vögel da droben
und jauchzen und toben?
Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
und um sich geblickt
mit einem hübschen Tulpengesicht.
Da hat ihr der Frühling entgegengelacht.
Josef Guggenmos

Foto: Ira Lenski

Da konnten wir noch nicht ahnen, dass Claire Pfisterer vom Devi-Zentrum mitten in der Altstadt ihre Wohlfühl-Oase präsentierte und den literarischen Frühlings-Spaziergängern als Wegbegleitung eine gelbe Tulpe überreichte.

An alten Gemäuern rund um die Burg Eppstein wurden aus alten Büchern unbekannte Frühlingsdichter gelesen.

Passend dazu ein Gedicht einer Neuzeit-Autorin

Sei still und lausche.

An alten Gemäuern und Ruinen
hörst du Geschichten flüstern.

Es ist ein Moment,
der dich einlädt zum innehalten.
Du tauchst ein in die Vergangenheit
und deine Vorstellungskraft malt dir
Bilder von früherem Leben,
von Menschen und ihren Gefühlen,
von Schicksal und Freude.
Du fühlst dich ein
und wirst Zeuge fremder Schicksale.
Gewesene Realität,
gelebte Geschichte.
Deine Gedanken,
dein Rückwärts- horchen,
dein Erinnern
weckt diese Zeit
für Minuten
zu neuem Leben.
Nichts und niemand
kann so vergessen werden.

(A.M.Pützer)

Dies soll als Einblick und Rückblick genügen. Hier noch eine kurze Übersicht über die bevorstehenden Veranstaltungen im Wonnemonat Mai:

Freitag, 05.05.17 –14 – 17 Uhr Büchermarkt Eppstein

Mit regionalen Autoren und Verlagen sowie einem literarischen Spaziergang rund um die Burg Eppstein

Sonntag, 07.05.17 – ab 14:30 Uhr – Ein Tag für die Literatur
Auf literarischen Pfaden rund um den Rettershof

Bei diesem Literaturfestival steht die Literatur aus und über Hessen im Mittelpunkt. Das Festival findet bereits zum sechsten Mal im zweijährigen Turnus statt.
Initiiert und organisiert wird dieses besondere Literaturfestival vom Hessischen Rundfunk
Wir, Brina Stein und ich, freuen uns, dass unsere Veranstaltung im Programm dieses Festivals aufgenommen wurde.

Sonntag, 21.05.17 – 12 – 18 Uhr
Kelkheimer Stadtmarkt mit und bei Viola’s Bücherwurm, Kelkheim, Bahnstraße 13

Sonntag, 28.05.17 –14:30 Uhr
Auf den Spuren von Marc Chagall und seinen Schülern in Mainz.
Ein literarischer Spaziergang durch die Mainzer Altstadt zu St. Stephan und anderen Kirchen

Mit literarischen Ostergrüßen

Ihr/Euer

Gerd Taron

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