Vom pflichtbewussten Leben – Literarischer Wochenendgruß vom 03.02.17

Vom pflichtbewussten Leben – Literarischer Wochenendgruß vom 03.02.17

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

vor mir liegt ein Formular einer Behörde. Es soll mich daran erinnern, dass ich für die Gesellschaft meine Pflichten ordnungsgemäß zu erfüllen habe. Nach bestem Wissen und Gewissen werde ich bemühen, dieser „Pflicht“ nachzukommen.

Aber es gibt es nicht nur Behörden, sondern auch Mitmenschen, die verlangen, dass man Ihnen gegenüber oder Ihrer Institution Verantwortung und Pflichten übernimmt.

Bei genauerem Betrachten wird mir dann bewusst, dass ich oft nur deren eigenem Ego diene. Kommen Ihnen diese Sätze wie „Ich bin davon ausgegangen, dass Du/Sie …“ oder „Erinnere mich daran …“ bekannt vor? Diese höre und lese ich öfters, wenn es darum geht, Verantwortung auf andere abzugeben.

Die einzige Pflicht, die ich habe, ist die, mit meinem eigenen Leben verantwortungsbewusst umzugehen. Ich bin es mir wert, auf mich zu achten und meine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.

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Foto: Gerd Taron – Sonnenuntergang auf dem Atzelberg-Turm in Kelkheim-Eppenhain

Du kannst geschäftig sein.
Immer im Tun.
Der Gutmensch für jeden Anderen.
Du kannst versuchen
die Welt zu retten.
Versuchen
Die Welt zu bekehren.
Die Welt aufzuklären.
Du kannst noch immer das brave folgsame Kind Deiner Eltern sein.
Die Feuerwehr
im Leben Anderer.
Der Retter.
Der Erlöser.
Der Heiler.
Immer zur Stelle.
Du kannst Dich opfern.
Für Andere.
All das kannst Du.
Und nichts ist falsch daran.
Doch am Ende eines jeden Tages,
wirst Du Dich exakt so fühlen
wie am Morgen.
Nichts wird sich ändern.
Du wirst Dich nicht geliebter fühlen.
Nicht willkommener.
Nicht gesehener.
Nicht gewollter.
Nicht angekommener.
Nicht glücklicher.
Nicht zufriedener.
Was auch immer Du getan hast.
Wie „GUT“ Du auch immer warst.
Zu Anderen.
Deine Sehnsucht bleibt.
Deine Sehnsucht
nach Liebe.
Deine Sehnsucht
nach Verbundenheit.
Deine Sehnsucht
nach Erfüllung.
Denn Du weigerst Dich.
Du weigerst Dich
still zu werden.
Und zu fühlen.
Dich zu fühlen.
Alles zu fühlen,
was da ist.
Du weigerst Dich
erwachsen zu werden.
Du weigerst Dich
Verantwortung zu übernehmen.
Für das kleine verletzte Wesen
in Dir.
Du bist nicht da.
Du hörst nicht hin.
Du öffnest nicht Dein Herz.
Du bist nicht
in Beziehung zu DIR.
Dein Tun
wird wundervolle Früchte tragen.
Saftige Früchte.
Deine Früchte.
Wenn Du es aus Liebe tust.
Aus Deiner gefühlten Liebe zu Dir.
Aus Deinem Gefühl Deines Habens.
Und nicht mehr aus dem Gefühl
Deines Brauchens.
Fühle Dich.
In Allem.
Tu es Jetzt.
Wieder und wieder.
Das ist Alles.
Martin Uhlemann
– FÜHLEN –

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Foto: Gerd Taron

Erkennbar für mich selbst

Ich suche die einmalige Gestalt meines Lebens,
durch die etwas in der Welt geschieht,
was ohne mich nicht geschehen würde.
Zu meinen Begabungen gehört auch meine Eigenwilligkeit.
Ich steige aus den Pflichtübungen aus,
die ich schon längst nicht mehr erfüllen muss.
Ich bete die alten Formeln nicht mehr,
weil sie eine Welt beschreiben,
die es für mich nicht mehr gibt.
Ich verweigere die Erwartungen,
die mich von meiner eigenen Seite verdrängen.
Ich will mir treu sein.
Da leuchtet mein Leben vor mir auf
wie eine weiße, wegweisende Feder am Strand,
wie eine letzte Frucht am Baum,
die sich bis zur vollen Reife gehalten hat.
Ich hebe die Feder auf,
ich pflücke die Frucht.
Jetzt bin ich erkennbar für mich selbst.
Ich habe das geheime Ziel jeder Suche gefunden.
Ulrich Schaffer

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Foto: Gerd Taron

Ich brauche keine Schuldgefühle zu haben, bloß weil das,
was ich tue, sage oder denke, einem anderen nicht gefällt.
Ich darf wütend sein und meine Wut ausdrücken,
solange ich dabei nicht mein Augenmaß verliere.
Ich muss nicht die alleinige Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, an denen auch andere beteiligt waren.
Ich habe das Recht, “ Ich verstehe das nicht“ oder „Ich weiß es nicht “ zu sagen, ohne mir blöd vorzukommen.
Ich habe das Recht, „nein“ zu sagen, ohne dabei
Schuldgefühle haben zu müssen.
Ich muss mich nicht entschuldigen oder rechtfertigen,
wenn ich „nein“ sage.
Ich habe das Recht, andere um etwas zu bitten.
Ich habe das Recht, Bitten abzuschlagen und zusätzliche Verpflichtungen abzulehnen.
Ich habe das Recht, anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ungerecht behandeln oder bevormunden.
Ich habe das Recht, es anderen mitzuteilen, wenn ihr Verhalten mich irritiert.
Ich habe das Recht, Fehler zu machen und für sie die Verantwortung zu tragen.
Ich habe das Recht mich zu täuschen.
Ich brauche nicht von allen gemocht, bewundert oder
geachtet zu werden für alles, was ich tue.

Virginia Satir

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Foto: Hilke Sellnick

Niemand hindert uns daran, so zu leben, wie wir uns es wünschen. Es sind auch nicht »die Umstände«, die uns einengen: Wir begrenzen uns selbst. Wir halten uns an Normen und Regeln, deren Sinn wir schon lange nicht mehr hinterfragt haben. Wir opfern die Lebenslust unserer Bequemlichkeit, unserer Trauer und unseren Ängsten. Vor lauter Angst wir selbst zu sein.
Es ist die Angst, nicht akzeptiert zu werden, wenn wir uns so zeigen, wie wir wirklich sind, die Furcht, nicht mehr dazuzugehören.
Es ist die Unsicherheit von unseren eigenen Gefühlen überwältigt zu werden und vielleicht unser Leben verändern zu müssen, die Angst, das Bekannte gegen das Neue, Unbekannte einzutauschen.
Jeder Mensch schafft sich seine eigene Realität – d.h. seine Probleme, aber auch seine Freuden…
Wer wieder die Verantwortung für sein Leben übernimmt, widmet sich seiner wirklichen Bestimmung: er selbst zu sein.
Der Weg zu unserer eigenen Mitte führt über andere Menschen. In ihnen erkennen wir uns, sie sind Spiegel und Helfer.
Unbekannt

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Foto: Sonja von Saldern

Stille
Werde still
und finde heim
zu dir selbst.
Verzehre deine Kräfte nicht
im Lärm der Welt.
Es ist gut,
wenn du deine Arbeit tust,
deine Aufgaben und Pflichten erfüllst –
und es ist wichtig,
dass du das gern tust.
Aber gehe nicht auf in dem,
was draußen ist,
sondern nimm dich immer wieder zurück.
Sammle deine Gedanken,
versenke dich in deine eigene Tiefe
und suche nach der Mitte deines Wesens
und deines Lebens.
Von dieser Mitte her
wirst du den Maßstab finden
für das, was wirklich wichtig ist
für die Erfüllung,
für die Ganzheit deines Lebens.
~Christa Spilling-Nöker~
Ein Wochenende ohne Verpflichtungen wünscht

Ihr/Euer
Gerd Taron

PS: Wenn Sie mögen, schauen Sie bei Gelegenheit auf meiner WordPress-Seite vorbei. Dort habe ich einen interessanten Bericht über meinen Besuch bei der Buchhandlung „Shakespeare und So“ in Mainz veröffentlicht. Hier der Link dazu:
https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2017/01/29/gespraechsstoff-in-der-buchhandlung-shakespeare-und-so-in-mainz-eine-stofftasche-und-ihre-kommunikative-wirkung/

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